Evolution

Gedanken zur Erhellung der Beziehung zwischen Evolution und Höherer Natur

Bevor sich die Vorstellung von Fortschritt und Evolution der westlichen materiellen Weltanschauung anpassen kann, muss der Gedanke, dass die Welt statisch oder zyklisch abläuft bis zu einer Apokalypse, bei dem der Faktor Zeit nichts Neues hinzufügt, abgeklungen sein. Dass sich diese Sichtweise einer evolutionären Entfaltung aller kosmischen Wesen nicht so schnell durchsetzen wird, hängt nicht zuletzt von allen daran mitdenkenden Menschen ab, und von den äonischen Kräften unter dem Firmament, die aus dem stetigen wieder Aufleben-Lassen der Vergangenheit ihre Kraft beziehen.

Seit undenklichen Zeiten wurde der Geist der Menschen auf subtile Weise durch andere Menschen, ihre Vergangenheit und ihre Umgebung informiert. In den modernen materialistisch orientierten Gesellschaften wurde diese Information als unwirklich und unwichtig unterdrückt. Dies wird nun anders: Die auf dem PSI-Feld basierende Information kehrt aus den tiefen Schlupfwinkeln des individuellen Unterbewussten und kollektiven Unbewussten zurück, um sich im Denken von mehr und mehr Frauen und Männern zu manifestieren. Sie erwachen zu der Tatsache, dass sie subtile Intuitionen und Bilder empfangen, die keineswegs Illusion sind, obwohl sie nicht durch die physischen Sinnesorgane aufgenommen werden. Sie suchen nach alten und neuen Wegen, um Zugang zu diesen Quellen der In-formation zu finden – durch Meditation, Yoga und andere überlieferte Methoden, und auch durch die Suche nach neuen Wegen, um in veränderte Erfassungszustände zu gelangen – durch Biofeedback, Psychotherapie sowie neu oder wieder entdeckte spirituelle Praktiken.


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Durch die Entdeckung, dass ihre Visionen oder Intuitionen kein Produkte ihrer Phantasie sind, sondern auch eine wissenschaftliche Erklärung haben, gewinnt die subtile, außersinnliche Information zunehmend an Bedeutung. Die Menschen können nach den Signalen suchen, die ihr Gehirn und ihren Geist erreichen, ohne schief angesehen oder für merkwürdig und okkult gehalten zu werden. Heute können sie diese Informationen ihrem wachen Bewusstsein gegenüber zugeben und erkennen, dass alle Menschen eng miteinander und mit der Biosphäre verbunden sind. Wenn eine kritische Masse von Menschen zu dieser Erkenntnis gelangt, dann wird das integrale Bewusstsein Sri Aurobindos, Jean Gebsers und Ken Wilbers eher zur Regel als zur Ausnahme werden; das kollektive Unbewusste C.G. Jungs bricht durch in die Welt alltäglicher Erfahrung.

Die Auffassung des spiritualisierten Bedenkens, das materielle Universum sei ein unwirklicher Traum (Maya), kann keinen absoluteren Wert haben als das des materialisierten Weltbildes, göttliche Offenbarung und die metaphysischen Sphären im Jenseits seien illusorische Gedanken. Im einen Fall ist das Denken, weil es nur auf die Realitäten der empirischen Sinneserfahrung eingestellt ist und Wirklichkeit auf das körperliche Dasein gründet, entweder nicht daran gewöhnt, andere Phänomene des Erfassens zu akzeptieren, oder unfähig, den Begriff Wirklichkeit auf transpersonale Welten auszudehnen. Im anderen Fall überträgt das selbe Denken, das zur überwältigenden Erfahrung unkörperlicher Wirklichkeit im Metaphysischen gelangt ist, einfach jene selbe Unfähigkeit und das daraus folgende Empfinden von Traum und Halluzination auf die tatsächlichen Wahrnehmungen der Sinne. Aber eigentlich kann man auch die Wahrheit anerkennen, dass beide Auffassungen den Zusammenhang der Realität und der Relativität entstellen. Es ist wahr, dass für diese Welt der stofflichen Form, in die die Menschen zu ihrer Selbst-Verwirklichung und -Erhöhung hineingestellt sind, nichts voll gültig ist, wenn es nicht durch das physische Erfassen in Besitz genommen und sich auf den niedersten Ebenen in Harmonie mit seiner Manifestation auf den höchsten Gipfeln und den tiefsten Tiefen geoffenbart hat. Ebenso wahr ist, dass materielle Gestaltungen, wenn sie als aus sich selbstseiende Wirklichkeit angesehen werden, eine Illusion in der Unwissenheit sind. Jede Form und alle materiellen Erscheinungen können nur eine zweckdienliche Gestaltung oder ein Produkt des Unkörperlichen bzw. Unmateriellen sein. Sie sind ihrer Natur nach ein Akt der Monade im Wesen des kosmischen Zusammenhanges und nach ihrem Zweck und Ziel die Darstellung
des Zustandes der geistigen Prämissen.

Mit anderen Worten: Wenn das universelle Bewusstsein über die Monade und den Kosmos in die Form eingegangen ist und ihr Wesen in materieller Substanz dargestellt haben, kann das nur sein, weil es sich als kreative Manifestation in den Gebilden relativen und phänomenalen Bewusstseins offenbaren will. Das universelle Bewusstsein ist in dieser Welt, um allen Werten und Wesen der unüberschaubaren Vielheit des geoffenbarten Lebens die Entfaltung weiterer Individuen (Unteilbarkeiten) zu schenken. Leben existiert im universalen Bewusstsein, damit alle Entitäten das universelle Bewusstsein partiell in sich selbst entdecken können. Darum ist jeder Mensch in der Welt wichtig, damit er ihr zu jener Evolution von Bewusstsein verhilft, in der ihre Umgestaltung durch vollkommene Entdeckung der Gesetze in der Offenbarung möglich wird. Dem höchsten Sein, den Monaden im Kosmos im irdischen Leben bei der steten Evolution zu dienen, ist des Menschen Mensch-Sein. Dafür ging er hervor aus der animalischen Vitalität und entfaltete die organischen Voraussetzungen für ein wertendes Erfassen. Sein Ziel ist aber ein vollendetes Dasein in der offenbarten Vielheit aller sieben universalen Lebensfelder.
Wie im Denken, so ist auch im Leben das wahre Gesetz der Selbst-Verwirklichung ein stets fortschreitendes umfassendes Verstehen. Das universelle Bewusstsein bringt seine Kommunikation in allen sieben Lebensfeldern des Kosmos und Mikrokosmos zum Ausdruck. Das Leben muss sich bei seiner Selbst-Entwicklung in immer neue Sphären seines eigenen Wesens erheben. Wenn der Mensch aber aus Eifer für seine neuen spirituellen Errungenschaften beim Übergang von einem Bereich in den anderen, z.B. durch Askese oder Zölibat, das verwirft, was ihm bisher als Lebensbasis gegeben war, wenn ein Kandidat also beim Eintritt in ein gedachtes „spirituelles Leben“ das physische Leben im Stoff, wegwirft oder missachtet oder wenn der Mensch, angezogen von spirituellen Verheißungen, die irdischen Gesetze und die physischen Verbindlichkeiten zurückweist, wird sich keine heilige Erhöhung erfüllen, sondern es werden den widersachenden Kräften im Jenseits Genüge getan, die sich von den egoistischen Bestrebungen der Menschen ernähren. Dabei ist die Halbwahrheit und die scheinbare Vollkommenheit das wesentliche Argument. Der Mensch wird auf diesem Weg nicht vollkommen, denn sein Anstieg ist doch falsch, wenn er seine materielle Basis ignoriert, auch wenn er gerade das nicht glaubt. Wenn das Gewahrsein des Einen und seine verkündete Seins-Seligkeit einigen Menschen nach einem einmaligen materiellen Erleben frei gewährt wird und von anderen gleichzeitig „nicht erreicht“ wird, weil sie noch in dem Bemühen stagnieren, die himmlische Gnade zu erringen, steht der Prediger vor einem spirituellen Dilemma.

Um die menschlichen Möglichkeiten für ein transpersonales Leben einschätzen zu können, sollten die durch die zeitgenössische Wissenschaft aufgedeckten Fakten der Evolution mit den Zeugnissen der spirituellen Traditionen aus Ost und West kombiniert werden. Dafür muss sich der Mensch mit zwei grundlegenden Realitäten auseinander setzen: der gesamten Evolution der irdischen materiellen Formen, die seit einigen Milliarden Jahren andauert, und den transzendenten Formen der Existenz, die seit mehreren Jahrtausenden überall auf der Welt von Menschen erkannt oder erfahren wurden. Für eine spirituelle Evolution sowie eine Wiederverbindung mit der monadischen Schöpfung ist es zwingend notwendig, diese beiden Aspekte der irdischen Existenz zu integrieren.

In den zwei Jahrhunderten, in denen sich die Vorstellung des „Fortschritts“ in einer Evolution im Westen durchsetzte, haben unter anderem die Philosophen Fichte, Schelling, Hegel, Solowjow, Berdjajew, Bergson, Whitehead, Samuel Alexander, C. Lloyd Morgan, Jean Gebser, Charles Hartshorne, Teilhard de Chardin und Sri Aurobindo versucht, das sich entwickelnde Universum in einer Beziehung zu etwas Grundlegendem, Ewigem oder Immerwährendem zu begreifen oder zu erklären. Jeder von ihnen hat auf seine Weise das gleichzeitige Erfassen von Natur und höherer Natur bekräftigt, indem er den Fortschritt der Welt – die Evolution – mit Geist, Gottheit, „dem allgegenwärtigen Ursprung“, dem universalen Bewusstsein, PSI-Feld, Tao oder einer anderen Form mit einer die Welt transzendierenden doch ihr innewohnenden Wirklichkeit in Verbindung brachte.

Lässt man nur eines der sieben Lebensfelder der irdischen Existenz außer acht, so bedeutet das für die Philosophie, entscheidenden Fragen auszuweichen. Jeder, der sich heute bemüht, ein umfassendes Bild der Welt zu zeichnen, ohne ihre erstaunliche materielle Evolution mit einzubeziehen, würde sich selbst Scheuklappen anlegen. Und umgekehrt kann keine allgemeingültige Theorie der Entwicklung des Menschen in gutem Glauben die immensen Zeugnisse mystischer Erkenntnis sowie andere metanormale Fähigkeiten übersehen, die durch zeitgenössische Studien der Religion, der psychischen Forschung, anthropologische Untersuchungen des Schamanismus und andere systematische Nachforschungen über außergewöhnliche Erfahrungen offenbart wurden. Das sich entwickelnde materielle Universum und die höhere, metaphysische Natur, gleich wie man sie benennen mag, sind für uns heute zwei unausweichliche Tatsachen.

Die Aussage dieses Textes stützt sich auf verschiedene gedankliche Strömungen der Beziehung zwischen Evolution und metanormalen Wirklichkeiten:

  • Ansichten über Emergenz. Die Emergenz (lateinisch emergere „Auftauchen“, „Herauskommen“, „Emporsteigen“) ist die Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente, und dynamisiert das evolutionäre Prinzip des Neuen,
  • Vorstellungen einer evolutionären Übernahme und Einbeziehung bestehender Lebensformen (Unterordnung),
  • die Behauptung, dass sich neue Bewusstseinsformen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten innerhalb der menschlichen Spezies entwickelt haben,
  • Lehren von Involution / Evolution.

Jeder Standpunkt liefert tiefgehende Einsichten, eine korrekte Terminologie und beachtliche philosophische Prinzipien über die Entwicklung des Menschen.

Das evolutionäre Prinzip des Neuen – das Emergenzprinzip

Samuel Alexander, C. Lloyd Morgan, C. D. Broad, Joseph Needham, Michael Polanyi und andere haben den Gedankengang entwickelt, dass die Evolution neue auftauchende Strukturen, Prozesse und Gesetzmäßigkeiten oder Gewohnheiten hervorbringt, die zuvor nicht existierten. Nach den meisten Versionen dieser Emergenz-Theorie können die neuartigen Gegebenheiten nicht aus den Bedingungen, Ereignissen oder Strukturen, aus denen sie erwachsen, abgeleitet oder vorher gesagt werden. Sie sind grundlegend neuartig und keine Umgestaltung bereits existierender Elemente. Sie unterscheiden sich qualitativ von allem, was vor ihnen war.
Das von den oben erwähnten Denkern entwickelte Konzept der Emergenz setzt die Existenz von Stufen voraus, das heißt Anteile der Welt, die durch ihnen eigene Qualitäten, Formen und Gesetzlichkeiten gekennzeichnet sind und aus anderen Bereichen hervorgehen. Trotz der recht unterschiedlichen Auffassungen unterstützen die Philosophen, die Emergenz und Neuartigkeit in der Entwicklung der Welt betonten, die Idee der evolutionären Transzendenz. Die Emergenztheoretiker ermutigen dazu, jene reduktionistischen und materialistischen Vorstellungen abzulehnen, die das Verstehen von Begebenheiten hemmen, die vom empirisch-wissenschaftlichen Standpunkt aus als anormal gelten – einschließlich jener außergewöhnlichen Erfahrungen, die eine neue evolutionäre Ordnung ankündigen.
Zahllose Heilige und Weise haben seit alters her eine Wirklichkeit beschrieben, die schon vor jeglichem Versuch, sie zu fassen, zu existieren scheint. Die Segnungen dieser ich-transzendierenden Ordnung spiegeln sich in der Sprache des Christentums als von Gott gegeben oder in der des Budddhismus als nicht-erreicht. Wie bringen wir die Erfahrung des ewigen Lebens mit der Vorstellung in Einklang, dass solches sich aus dem bestehenden Leben entwickelt?

Evolutionäre Subsumtion

Im Verlauf der Evolution bauten neue Lebensstufen auf den ihnen vorangehenden Lebewesen auf und subsumierten frühere Entwicklungen in ihre einzigartige Weiterentfaltung. So nimmt alles Lebende anorganische Elemente auf und verwendet sie zur Bildung organischer Wesen in Flora und Fauna. Nun sind die Menschen in ihren Funktionen viel komplexer als die ihrer Vorfahren aus der Tierwelt. Dabei entfaltete sich auch der Verstand, der von den biologischen Prozessen abhängig ist. Hegel sah einen analogen Prozess in der psychosozialen Entwicklung, und er bediente sich des Begriffs «aufheben» – was sowohl auf Vernichtung als auch Erhaltung hindeutet –, um die häufig auftretenden Subsumtionen von kulturellen Mustern durch ihre Nachfolger zu beschreiben. In der Dialektik der Geschichte wurden frühere Formen des menschlichen Verhaltens und Bewusstseins (Gestalten des Bewusstseins) zu höheren Stufen hin«aufgehoben».

Der indische Philosoph Sri Aurobindo hob diesen bedeutsamen Aspekt evolutionärer Wandlung hervor. Das entstehende Bewusstsein, das in Aurobindos Philosophie seinem Wesen nach gnostisch ist, nimmt die Lebensform, die es bewohnt, mit sich, um sie … auf eine höhere Ebene emporzuheben, [ihr] höhere Werte zu geben, aus [ihr] höhere Wirkmöglichkeiten hervorzubringen. Das tut [es], weil [es] offensichtlich nicht die niederen Töne des Lebens zum Schweigen bringen oder zerstören will, sondern sie einzubeziehen sucht, da die Daseins-Freude sein ewiges Anliegen ist und es darum die Methode seiner Musik sein muss, eine Harmonie der vielartigen Variationen zu komponieren und sich nicht nur an einer einzigen lieblichen, aber monotonen Melodie zu erfreuen. Weil [es] sie mit einer tieferen und feineren Bedeutung auflädt, erlebt [es] durch sie ein höheres Entzücken .. .
Nach Aurobindos Anschauung muss der Mensch, um seine spirituelle Entwicklung auf der Erde verwirklichen zu können, sein multiplexes Erbe der transpersonalen Felder im Mikrokosmos bzw. Kosmos annehmen und einschließlich aller physio-biologischen Prozesse und der entsprechend notwendigen organischen Ernährungskreisläufe übernehmen, anstatt sie über eine asketische Disziplin zu transzendieren.

Bestimmte Methoden, eine religiöse Transzendenz zu erreichen, grenzen verschiedene Fähigkeiten des Menschen aus – indem sie z.B. auch die Imagination oder den Intellekt gering schätzen, potentiell schöpferische Gefühle oder diese oder jene Tugend unterdrücken, eben weil der Begründer der Methode sie nicht befürwortete oder weil sie unsere physischen Energien durch Kasteiung drosseln. Wenn wir jedoch begreifen, dass wir die vielen Dimensionen unserer menschlichen Natur zu einer «Harmonie der vielartigen Variationen» vereinigen können, und wenn wir die Tatsache anerkennen, dass eine derartige Integration jenen Subsumtionen entspricht, die in früheren Stadien des evolutionären Fortschritts geschahen, so vermögen wir aus unserem reichen Erbe zu schöpfen und unser höheres Potential voll zu entfalten.

Kreativität ist die letztliche Wirklichkeit im Universum, für die alle Ereignisse, Kosmen, Wesen, Menschen und Dinge als Beispiele gelten. Das bedeutet, dass die grundlegenden Komponenten oder Qualitäten Ereignisse sind, Prozesse eines Werdens in den sieben Lebensfeldern. Alle subatomaren sowie astronomisch-makroskopischen Ereignisse geschehen in zusammenhängenden Gruppen. Sie weisen in allen Dimensionen organisierte und strukturelle Muster auf. Giordano Bruno zufolge schaffen die Monaden diese Muster und die strukturelle Vollständigkeit durch eine allen Dimensionen innewohnende Kommunikation, nämlich durch die universelle Bewusstheit, die sich in allen Kosmen, Makro- und Mikrokosmen für die Entfaltung der innewohnenden Galaxien, Sonne, Planeten, Menschen und Lebenswellen einsenkt. Damit können alle universalen Wesen andere Ereignisse erfassen und in Resonanz treten. Erfassen schließt nicht notwendigerweise eine sinnesorganische Tätigkeit ein, wie es beim Menschen ständig sowohl auf bewusster als auch unbewusster Ebene abläuft. Es bezieht jedoch den metaphysischen Kontakt mit anderen Einzelwesen oder Ereignissen mit ein, sowie die Resonanz mit ihnen. Wahrnehmen und Erfassen hat viele subjektive Formen, einschließlich „Gefühle, Wertungen, Zwecksetzungen, Zuneigung, Abneigung“. Durch Erfassen und Reflektion stehen alle Wesen mit allen anderen in Resonanz, aus denen sich das Universum zusammensetzt. Die Monaden aller Geschöpfe dynamisieren die Makro- und Kosmen und darüber auch alle Einzelwesen mit einem gewissen Ausmaß an Kreativität. Aus dieser Sicht steht jegliches Bewusstsein, jeder Kosmos bzw. Mikrokosmos in einer beständig sich entwickelnden Wechselbeziehung mit anderen – anorganischen, tierischen, menschlichen oder übermenschlichen – Kosmen, durch ein immaterielles Erfassen, durch resonante Kommunikation.

Da die Wahrnehmung der Welt durch den Menschen nicht nur oder nicht in erster Linie eine Sinneswahrnehmung ist, ist ein vom Sinnesapparat seines physischen Körpers getrennter Mikrokosmos immer noch zur Resonanz mit anderen Wesen fähig. Der in dieser Philosophie einbezogene und begründete panpsychische oder animistische Interaktionismus vermittelt uns ein Bild des Universums, das weitgehend mit der Schlussfolgerung übereinstimmt, dass alle Menschen zu einer weiteren metaphysischen Entwicklung fähig sind.

Die Evolution des Bewusstseins

In den letzten zweihundert Jahren wurde von Hegel, Bergson, Sri Aurobindo, Ken Wilber und anderen Philosophen der Gedanke dargelegt, dass das Bewusstsein der menschlichen Spezies in seiner Entwicklung fortschreitet. Die Vorstellung eines mehrstufigen Bewusstseins bestand natürlich schon zuvor; sie tauchte zum Beispiel in Platons Metapher der geteilten Linie (Der Staat, Sechstes Buch) auf, in Plotins Unterscheidung zwischen Nous und Dianoia sowie bei hinduistischen und buddhistischen Denkern seit der Zeit der Upanishaden. Moderne Philosophen wie Hegel und Bergson haben jedoch betont, dass im Verlauf der Evolution der Menschheit neue Stufen des Bewusstseins entstehen – so wie andere, auftauchende Merkmale des Universums.
Nach Hegel wird jedes Stadium der menschlichen Entwicklung im dialektischen Fortschritt der Geschichte aufgehoben und erhalten. In der «Phänomenologie des Geistes» ging er diesem fortlaufenden Prozess nach – vom Sklaven der Antike, der erfolgreich gegen die Schwierigkeiten der Natur ankämpfte, zum Stoiker, der die Freiheit in sich selbst, unabhängig von den Anforderungen der Natur, begründete, hin zum Skeptiker, der die Freiheit erwarb, indem er einschränkende Kategorien des Denkens auflöste, zum gläubigen Christen, der die Freiheit in einem «transzendenten Gott» entdeckte und zum modernen Intellektuellen, der sich die höchsten Prinzipien der Vernunft aneignet. In dieser Dialektik subsumieren die aufeinander folgenden Formen des Erfassens die ihnen vorausgehenden Formen der Erkenntnis.
Sri Aurobindo war der Ansicht, dass im Verlauf der menschlichen Geschichte völlig neue Formen des Erfassens, Bedenkens und Begehrens entstehen. Er beschrieb die Entwicklung eines höheren Denkens über mehrere Stufen bis zu der höchsten Entwicklung im Supramentalen, in dem sich die göttliche Einheit in der Vielheit ausdrückt, Individuen mit ihrem kosmischen Wesen in Einklang gebracht werden und das persönliche Begehren mit dem kosmischen Werden in Resonanz steht.
Die hierarchischen mentalen Stufen, die zum Supramentalen führen, werden charakteristischerweise in besonderen Formen außergewöhnlicher Handlungen ausgedrückt – das höhere Mentale in synoptischem Denken, das erleuchtete Mentale in mystischer Inspiration, das intuitive Mentale in religiöser Schöpferkraft und das Übermentale in weltveränderndem Wirken – während das Supramentale auf diesem Planeten erst noch verkörpert werden muss.

Involution / Evolution

Hegel, Henry James senior und Sri Aurobindo haben neben anderem den Gedankengang entwickelt, dass sich die Entfaltung dieser Welt auf das verborgene Wirken, das Hernieder-Steigen oder die Involution eines Höchsten Prinzips oder der «Göttlichkeit» gründet. Jeder dieser Philosophen nahm an, dass ein fortschreitender Ausdruck höherer Formen oder Qualitäten durch ihre insgeheime Existenz oder Immanenz in der Natur möglich wird. Nach Brunos Monadologie offenbart sich die höchste Offenbarungskraft siebenfach durch eine hierarchische Ordnung nach den Regeln der isobaren Resonanz. Alle Monaden, von der ersten Urmonade bis hinunter zu den menschlichen Monaden repräsentieren eine grundlegende Einheit über alle transpersonalen Kraftfelder, die in permanenter Kommunikation jede kreative Erneuerung in der Evolution an alle Wesen vermitteln. Alle Kraft- und Lebensaspekte werden ununterbrochen an alle reflektiert, so dass alle Entwicklungen eine nach der anderen in einem höheren Erfüllt-Werden aufgehoben werden.
Henry James senior entwickelte eine Synthese aus ethischem, sozialem und metaphysischem Denken, das sich weitgehend auf die Auffassungen Swedenborgs und der Neuplatoniker gründete. Für ihn ging der Evolution die Involution des Göttlichen in dieser Welt voraus. „Was auch immer ein Ding erschafft“, schrieb er, „gibt ihm Leben, in-volviert es, nicht umgekehrt. Der Schöpfer involviert das Geschöpf, das Geschöpf e-volviert den Schöpfer.“ In seinem metaphysischen Werk Substance and Shadow (1863) schrieb Henry James:
„Nach Swedenborg – kurz gesagt – erschafft uns Gott oder gibt uns Leben, indem Er sich vollendet in unserer Natur verkörpert. – Folglich ist eindeutig zu schließen, dass sich das göttliche Wirken in der Schöpfung aus zwei Bewegungen zusammensetzt: die eine … erschaffend, uns das ursprüngliche Wesen oder die Identität gebend, die andere … erlösend, eine Bewegung der Verklärung, die uns die weitestreichende individuelle oder spirituelle Entwicklung von unserem niederen Ursprung aus schenkt.
Die vorausgehende Bewegung, das Herniedersteigende, Ruhende, das eigentlich Erschaffende – gibt uns das natürliche, eigentliche Selbst oder Bewusstsein, ein Bewusstsein der Trennung von Gott, von einer uns innewohnenden und unabhängig von Ihm bestehenden Kraft. Die nachfolgende Bewegung – das Aufsteigende, Dynamische und eigentlich Erlösende – schenkt uns spirituelles Bewusstsein, ein Bewusstsein der Einheit mit Gott.“

Die mineralische Form ist folglich die früheste oder niedrigste Entwicklung des Ich. Es ist das Ich in einem äußerst trägen Zustand, einem passiven Zustand oder einfach einem Zustand der Ruhe. Es ist das Ich, das zuerst einen Platz oder einen Standort erhält für seine nachfolgende Erfahrung des Wachstums in der pflanzlichen Form, der Bewegung in der tierischen und des Handelns in der menschlichen Form. Die Natur ist nur ein Echo des Mikrokosmos und spiegelt daher nur jenes von der göttlichen Schöpfung und Vorsehung, was über die Monade mit dem Wesen selbst über die beiden Ströme zur Pinealis und zum Herzen verbunden werden kann. Trotz der deutlichen Unterschiede in den Philosophien kann die Ansicht vertreten werden, dass die interkosmische Evolution aus einer vorausgehenden Involution der Monaden hervorgeht.
Die sichtbare materielle Welt kann als Emanation der göttlichen Monaden bzw. Mikrokosmen oder Kosmen angesehen werden, die in einen dynamischen Prozess des Werdens innerhalb der sieben Lebensfelder die überwältigende Herrlichkeit der universellen Offenbarung auch in der äußeren Welt schöpferisch zu offenbaren sucht. So gesehen kann man die «sichtbare Natur» auch «insgeheim als Gott» betrachten und erkennen, wie die Höchste Wirklichkeit im Wandel der Zeiten immer vollständiger auf dieser Welt in Erscheinung tritt. Die Konzeption der Kette der Wesen, die Gesetze der Kontinuität und Fülle, auf denen sie beruhte, die wachsende optimistische Weltanschauung, die sie begründen half, und die geltende Biologie begründen nämlich das Eindringen der Zeit in die Kette der Lebewesen. Die Schöpfung wird immer seltener als die Beschreibung eines fertigen Bestandes angesehen, sondern als ein kreatives Programm der Natur verstanden, welches allmählich und in langen Zeiträumen der kosmischen Geschichte verwirklicht wird. Alle möglichen Dinge verlangen nach Verwirklichung, aber nicht allen wird sie zur gleichen Zeit gewährt. In der nächsten Evolutionsstufe wird das menschliche Erfassen und Bedenken sich von der ego-gebundenen weg und zur transpersonalen Form hin bewegen. Dies wird eine größere, ja in der Tat eine bedeutsame Evolution sein, aber wie alle Evolutionen vor ihr wird auch sie nicht plötzlich und im Geist aller Menschen gleichzeitig stattfinden. Sie wird wohl in einem allmählichen Prozess ablaufen. Durch eine neue Erkenntnis oder eine Offenbarungserfahrung kann die Transformation des Bedenkens einzelner Menschen schnell geschehen, aber das Bewusstsein einzelner Spezies wird einige Zeit brauchen, um sich in der ganzen Welt zu verbreiten.

Die Fülle der Spekulationen zeigt, welch reiches Gebiet für philosophische Untersuchungen entsteht, wenn die interkosmische Evolution im Zusammenhang mit intuitiver Erkenntnis und Erfahrung eines höchsten Prinzips oder der Göttlichkeit (Unerfassbarkeit, Ewigkeit, Heiligkeit) betrachtet wird. Viele der Einsichten dieser Philosophen deuten darauf hin, dass die Verbindungen zwischen übernatürlichen Dimensionen der Existenz und den Entwicklungsprozessen dieser Welt reif sein könnten für ein neues Verständnis des kosmischen Werdens.
Wenn die Menschheit nicht sich und ihre Umwelt zerstört, dann wird im Laufe der Zeit ein weiter entwickeltes Erfassen der Welt eher die Realität als die Ausnahme sein. In einer Art von Ansteckungsprozess wird es sich vom weniger weit zum weiter entwickelten Denken hin ausbreiten. Ein entwickeltes Bewusstsein ist, wie wir wissen, höchst „infektiös“ – es steckt die Menschen an, deren Denken noch weniger weit entwickelt ist, ganz ähnlich wie die Denkweise und die Erkenntnis eines fortgeschrittenen Meisters die Denkweise und die Erkenntnis seiner Schüler „anstecken“. Schließlich wird der größte Teil der Menschheit zum transpersonalen Erleben hinreifen, um dann vor dem darauf folgenden Schritt in der interkosmischen Evolution zu stehen.

 

 

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