Bilder und Symbole sind Fenster

Ein mächtiges Symbol – wie z.B. ein Kunstwerk – bewirkt mehr, als nur eine sichtbare Realität darzustellen oder einen Aspekt einer abstrakten Wirklichkeit zu präsentieren. Es kann uns wie ein mystisches Fenster einen Blick in unser Selbst gestatten. Wenn wir das Bild achtsam betrachten, befähigt es uns, hindurch zu schauen und eine Ahnung von der Vision zu erhaschen, die es symbolisiert. In einer Bild-Meditation können wir visuell eine tiefe Einsicht in das Symbolische erfahren. Das opake Abbild verwischt und wird durchsichtig wie Glas. In diesem Augenblick enthüllt es uns einen bisher verborgen gebliebenen Blick von unerwarteter Tiefe und Bedeutung. Wie in Trance erleben wir den umfassenden Sinn der allegorischen Wesentlichkeit. Es kann sich uns ein traumhafter Blick in einen weiten und tiefen Raum schenken, der sich vor unserem Sein bis ins Unendliche erstreckt. Im symbolischen Sehen erweitert sich unser Erfassen über unser sinnesorganisches Wahrnehmen. In diesem Schauen in die transzendenten Gegebenheiten erfahren wir ein mystisches Erleben des grenzenlosen Universums und begreifen die Entwicklungen der kosmischen Lebendigkeit. Plötzlich, wie in einem Rausch, sehen wir von innen, wie bei einem Hologramm, wie die inneren Lebensfelder die Erscheinungen bewegen.

Symbole produzieren in unserem Sehen geistige Bilder, die von der höheren Mentalis erweckt, das Erfassen lenken. Wenn das Bild eine Art Leitfaden für uns bildet, formt und richtet der Verstand das mentale Fenster danach aus. Die mitklingenden Gefühle färben das Glas und erschaffen seine Transluzenz. Ist diese klar genug und zeigt sie uns ein sympathisches Abbild, dann wird die künstlerische Vision von unseren resonanten Vorstellungen durchdrungen. Dabei vermag solch ein Bild schnell eine noch höhere Schicht der Mentalis aufzurufen, die uns unmittelbar vergegenwärtigt, was das Bild beabsichtigt. Die faszinierende Eigenschaft des Fensters besteht darin, dass es nicht so aussehen muss wie das, was durch die Glasscheiben sichtbar wird. Obwohl ein kunstvoll gestaltetes Bild, das klare visuelle Einsichten gewährt, anfangs unsere achtsame Aufmerksamkeit lenkt, muss es der erfahrenen Vision nicht unbedingt gleichen. Eine von einer visuellen Allegorie versinnbildlichte Wirklichkeit entzieht sich eigentlich einer materiellen Darstellung durch statische Abbildungen. Die innerlich erlebte Schau steht im emotio nalen Fluss des Betrachters. Bilder können nur dann aktive Fenster für uns sein, wenn wir bereit sind, uns all jenen Bildausschnitten zu öffnen, die uns subtil und feinsinnig in den eigenen Impressionen und Erinnerun gen berühren, die sich nicht direkt einfangen lassen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code