4.0 Farbwahrnehmung

«Farbe ist nicht einfach da, ist nicht grundsätzlich eindeutig gegeben. Sie ist nicht etwas Selbständiges, worüber nachzudenken nicht lohnt, sondern die Farbe lebt: bewegt sich, agiert, hängt ab und macht abhängig, wirkt, ist mächtig, kann sowohl dienen als auch überwältigen.» (J.Albers)

1. Farbe ist nicht in erster Linie ein physikalisches, sondern vor allem ein psychologisches Phänomen.

Die Farbe wird von den meisten Menschen nicht nur begrifflich empfangen, d.h. in den drei Bestimmungen der Farbe Buntheit, Intensität und Helligkeit, sondern sie wird stets auch emotional assimiliert. Farben haben eine starke psychologische Wirkung auf den Menschen. Seit jeher wurden ihnen bestimmte Eigenschaften und symbolische Werte zugeordnet.

«Blau zeigt Sanftheit, weist in die Ferne und ist kalt. Gelb ist immer hell und bringt etwas Strahlendes mit sich. Grün ist in seinen Differenzierungen eine vegetative Farbe und wirkt angenehm auf das Auge. Orange vereinigt in sich das Warme und das Helle, hat Sonnencharakter. Der Reiz des Rotblauen belebt nicht sowohl. als das er unruhig macht.» (J. Pawlik, Theorie der Farbe)


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


Die Farbenpsychologie hat sich eingehend mit der emotionalen Farberfahrung befasst und festgestellt, dass es neben nur subjektiven Gefühlstönen auch solche gibt, die allgemein als gleich oder äußerst ähnlich empfunden werden.

Sehr weit ausgebaut wurde die Erfahrung der psychologischen Wirkung der Farbe von Max Lüscher. Er hat mit Hilfe einer Farbskala von 8 Farben einen umfassenden Farbtest entwickelt, der weltweit große Bedeutung erlangt hat. (Kleiner Lüscher-
Test von Prof. Dr. Max Lüscher, Testverlag Basel)

In vielen Kulturkreisen werden den einzelnen Farben bestimmte Symboleigenschaften zugeordnet, die vielfach mit den gesellschaftlichen Klassen oder Kastenhierarchien verbunden wurden, z.B. in China. In der christlichen Religion haben einzelne Farben z.B. Purpur oder Violett, bestimmte Zuordnungen erfahren.

Der goldgelbe Schein der Heiligen ist das Zeichen für ihre spirituelle Erleuchtung.
Getrübtes Gelb ist Ausdruck von Neid, Verrat, Zweifel und Misstrauen.
Reines helles Rot bedeutet vergeistigte Liebe.
Im Purpurrot, der Farbe der Kardinäle, vereinigt sich weltliche und geistige Macht.
Blau ist für viele Christen Symbol für den Glauben und die unauslöschliche Hoffnung.
Fruchtbarkeit und Befriedigung, Ruhe und Hoffnung sind Ausdruckswerte des Grün.
Violett ist die Farbe der nicht wissenden Frömmigkeit.
In unserem Kulturkreis entspricht Schwarz einerseits Trauer und Tod, andererseits aber auch Vornehmheit und Eleganz.
In Vorderasien hingegen bedeutet Schwarz Freude und Heiterkeit.

So können wir problemlos in das Zitat von J. Albers einstimmen:
2. Wir sehen Farbe fast nie als das, was sie ist; Farbe ist deshalb das relativste Medium in der Kunst, und es gibt nie nur eine einzige Lösung für visuelle Formulierungen.

3. Unser Farbgedächtnis ist – im Vergleich zum Tongedächtnis – sehr schlecht.

«Wenn jemand Rot sagt und eine Farbe damit bezeichnet und wenn fünfzig Personen zuhören, darf man erwarten, dass 50 verschiedene Rot in ihrem Bewusstsein auftauchen. Man darf auch sicher sein, dass all diese Rots verschieden sind. Selbst wenn eine Farbe spezifiziert wird, eine Farbe, die alle Zuhörer unzählige Male gesehen haben, wie z.B. das überall gleichbleibende Rot des Coca-Cola-Zeichens, werden sie immer noch an verschiedene Rot denken. Selbst wenn das rote Coca-Cola-Zeichen mit dem weißen Namenszug in der Mitte vorgeführt würde, so dass jeder auf das selbe Rot blickt, mögen zwar alle das selbe Netzhautbild haben, doch niemand kann mit Sicherheit wissen, ob sie dieselbe Wahrnehmung haben.» (Zitat J. Albers)

 

4.1 Farbbeschreibung
Wissenschaftlich gesehen lassen sich alle Farben durch Messung der Wellenlänge und der Höhe des Ausschlages der Wellen präzise beschreiben. Der Mensch muss jedoch bei der Wiedergabe des Gesehenen drei verhältnismäßig ungenaue Begriffe benutzen:

1. Farbton
Der Farbton bezeichnet die Farbe als solche, umreißt gleichzeitig eine Charakterisierung. Er wird oft von Materialien oder Stoffen hergeleitet, die diesen Farbton tragen, z.B. von Mineralien oder Tieren. Die Purpur-Laus lieferte früher den begehrten Farbstoff Purpur.

Die Grundfarben Rot, Blau, Gelb, und die ersten Mischfarben Grün, Violett und Orange werden allgemein verwendet. Jeder Farbton steht in Verbindung mit der Wellenlänge des reflektierten Lichtes. Für Farbton taucht auch oft der Begriff Farbklang auf, der bereits impliziert, dass eine Farbe nicht allein erscheint, sondern immer in ihr Umfeld eingebettet ist, und insofern in einer Wechselwirkung mit einer anderen Farbe erscheint. Vergleichbares finden Sie in der Akustik.

Es sind mittlerweile eine Vielzahl von Farbskalen für die Medien, und für die verschiedenen Drucktechniken, fürs Internet, für Film und Fernsehen sowie für die Bildbearbeittung im Computer entstanden, um zu einer präziseren Definition einer Farbe zu kommen, denn das menschliche Auge ist immer subjektiv.

2. Helligkeitsgrad
Der Helligkeitsgrad bezeichnet die scheinbare Intensität der Farbe, ob leuchtend oder dunkel. Gelb wird als hell empfunden, Blau hingegen als dunkel. Auch hier können Sie einen Vergleich mit der Akustik ziehen: Klänge können leise oder laut gespielt werden. Vielleicht verfügt die Musik hier über noch viel mehr Feinheiten als die visuelle Kunst.

3. Sättigung
Die Sättigung bezieht sich auf die Reinheit oder Fülle einer Farbe, also auf den scheinbaren Weißanteil in der Mischung. Ein tiefes Blau nimmt man als gesättigte Farbe wahr. Ein Rosa ist die ungesättigte Farbe von Rot. Dabei bleibt die genaue Beschreibung der Farbe abhängig von der individuellen Fähigkeit, die Farbe richtig zu sehen.

Die im Menschen vorhandene Wahrnehmungsorganisation erschwert jedoch ein objektives Farbensehen durch einige Mechanismen, die wir erklären wollen.
Für eine objektive Definition von Farbe in den Medienberufen werden unterschiedliche Messmethoden mit Densitometern angewendet, die die Lichtqualitäten, also die Wellenschwingungen des reflektierten Lichtes, exakt messen und in vergleichbare Daten umsetzen.

Das menschliche Auge muss sich mit folgenden Überlegungen und Objektivierungen auf der Basis von Erfahrungen auseinander setzen:

a. Umfeldbeeinflussung
Wie bereits im Kapitel Bezugssysteme (2.1.5) unter den allgemeinen Wahrnehmungskriterien festgestellt wurde, ist die Wahrnehmung einer Farbe von dem Umfeld abhängig, in dem sie uns dargeboten wird. Die nebenstehenden Abbildungen zeigen, dass das Umfeld einer Farbe entscheidend die Wahrnehmung dieser Farbe beeinflusst.

Genauer gesagt: Jeder Hintergrund verschluckt oder subtrahiert seinen eigenen Farbwert von den Farben, die er trägt oder umschließt und somit beeinflusst.

b. Psychologische Faktoren
Farbe ist immer eine mit emotionalen Wertungen belastete Wahrnehmung, und das erschwert uns eine physikalisch objektive Beurteilung der Farberscheinung.

c. Farbkontrast und Lichtwert
Die unterschiedliche Sättigung von Farben wirkt für das Auge verwirrend.
Vor allem dann, wenn kontraststarke Farbtöne nach der Helligkeit unterschieden werden sollen.

d. Faktor Simultankontrast
Die Erscheinungen des Simultan- oder des Sukzessivkontrastes machen
erhebliche Schwierigkeiten, wenn man versucht, objektive Helligkeitsstufe zu erfahren.

 

 

 

 

12-teiliger Farbenkreis nach Runge

 

4.2 Farbverwandtschaftsbereich

Die drei Grundfarben sind Rot, Gelb und Blau. Alle anderen Farben könnten rein theoretisch aus diesen Farben ermischt werden.
Die Mischung kann additiv erfolgen, das heißt verschieden farbige Lichter werden zusammen projiziert und dort wo das Licht z.B. auf eine Leinwand auftrifft, addieren sich alle Lichtmengen zu einer neuen Farbe, oder die Mischung kann subtraktiv erfolgen, weil bei der Vermischung von Körperfarben (Pigmente) immer mehr Licht von den zusätzlichen Pigmenten subtrahiert wird. Wer in der Schule malen gelernt hat, weiß das, je mehr Farben beigemischt werden, desto eher entsteht ein Farbton in der Nähe von Schwarz oder Dunkelbraun.

Bei jeder Mischung werden die ermischten Farben dann auch irgendwie den Grundfarben in einigen Eigenschaften mehr oder weniger ähnlich sein. Das nennt man dann Farbverwandtschaft.
Der Verwandtschaftsbereich einer Farbe wird im wesentlichen von ihrer Angleichungsfähigkeit (Assimilationsfähigkeit nach…) bestimmt. Er wird angegeben durch den Umfang eines Farbbereiches, der von einer Sekundär- oder Grundfarbe dominiert wird, der seine Grenzen an den wesensverschiedenen Nachbarfarben des Farbenkreises, durch Schwarz oder Weiß, durch Grau oder die Komplementär-
farbe findet. Der Verwandtschaftsbereich schließt auch die in der Farbe selbst enthaltenen Helligkeits- oder Dunkelstufen, die farbhellen Grade einer rein bunten Qualität mit ein.

GELB:
Der Verwandtschaftsbereich von Gelb ist sehr eng. Jede Farbvermischung mit Gelb ergibt eine Farbe, die nicht mehr als Gelb empfunden wird, ausgenommen ganz geringe Mengen Orangerot. Mischt man nur ein wenig Blau, Grün oder Schwarz hinzu, so zählt man es bereits zu Grün. Bei der Mischung mit einer kleinen Menge Rot ist es sofort Orange. Gelb verliert am schnellsten seinen eigenen Charakter.

GRÜN:
Dagegen ist der Verwandtschaftsbereich von Grün sehr groß. Vom hellen Gelbgrün spannt sich der Bogen bis hin zum dunklen Blaugrün, dazu kommt eine ganze Reihe von oliv-grünen Farbtönen.

ROT:
Der weite Rot-Orange-Bereich umfasst eine Vielzahl von Farbnuancen zwischen Gelb und Rot. ein genaues mittleres Orange ist nur schwer zu bestimmen. Dieser Verwandtschaftsbereich enthält keine gedämpften Farbtöne, denn die Brauntöne bilden einen eigenen Farbbereich. Der Farbbereich Rot beginnt beim Orangerot und geht bis hin zum Violett.

BLAU:
Auch der Verwandtschaftsbereich Blau ist verhältnismäßig eng. Er besitzt jedoch den größten Hell-Dunkel-Umfang der rein bunten Farben. Ebenso gibt es eine Vielzahl grau-blauer Farbtöne.
Violett oder Lila selbst besitzt wiederum einen relativ großen Farbbereich. Er spannt sich zwischen den elementaren Gegensätzen Rot und Blau. Ein mittleres Violett ist schwer zu bestimmen.

Da sich unser Leben immer in einem Farbraum abspielt, gibt es keine einzige Farbe ohne eine Beeinflussung von einer anderen. Auch in ganz weißen Räumen spielt sich das Sonnenlicht oder die Beleuchtungskörper haben irgend einen Farbwert, sind kalt oder warm etc. Nur für bestimmte Versuche in den Labors werden Raumsituationen oder Black-Boxes geschaffen, in denen zusätzliche Farben ausgeschlossen werden können. Alle Messgeräte für Farben enthalten eine solche kleine Black-Box, die die nebenstehenden Farben ausschließt.
Jedoch im normalen Leben sind immer viele verschiedene Farben anwesend, die unterschiedlich miteinander konkurrierend auf uns einwirken. Darum sind alle Facetten der gegenseitigen Beeinflussung von höchstem Interesse. Die stärksten Effekte bietet immer der Kontrast. In den Kontrasten können aber auch ganz minimale Auswirkungen studiert werden.

 

4.3 Kontrast-Arten der Farben

4.3.2 Der Farbe-an-sich-Kontrast

Die rein bunten Farben Gelb, Rot, Blau ergeben den stärksten Ausdruck des Farbe-an-sich-Kontrastes. Die Wirkung ist immer bunt, laut, kraftvoll und entschieden. Die Stärke der Kontrastwirkung nimmt ab, je mehr sich die verwendeten Farben von den drei Grundfarben entfernen.

4.3.2 Hell-Dunkel-Kontrast

Um zwischen größerer und geringerer Lichtintensität verschiedener Farbtöne unterscheiden zu können, muss man schon ein sehr gutes Auge haben. Nur sehr wenige sind in der Lage, größere oder kleinere Helligkeitswerte bei unterschiedlichen Farben zu erfassen.

Es gibt einen Trick, mit dem man sich helfen kann, die unterschiedlichen Helligkeitswerte selbst von Komplementärfarben festzustellen, auch wenn die Augen direkt versagen.

Ein Versuch zum Erkennen: Nehmen Sie sich zwei Farbpapiere, z.B. ein kräftiges Rot und ein leuchtendes Blau. Legen Sie Rot mit einer kleinen Ecke über das Blau. Fixieren Sie die Überlappung für circa eine Minute. Dann ziehen Sie das rote Papier schnell zur Seite. Wenn jetzt die Stelle des blauen Papiers, über dem die rote Ecke gelegen hat, heller erscheint als das sonstige Papier, dann ist das rote Papier dunkler. Versuchen Sie es auch einmal umkehrt, oder auch mit anderen Papieren.

Der größte Hell-Dunkel-Kontrast ist Schwarz und Weiß. Dazwischen spannen sich eine Unzahl von Grau-Tönen, die schnell erkannt werden können.
Die Helligkeiten der Farben werden leicht falsch eingeschätzt, weil auch eine Reihe psychologischer Faktoren mitschwingen. So wirken kalte Farben oft durchsichtig, leicht und heller, als sie eigentlich sind; andererseits wirken die warmen Farben wegen ihrer Undurchsichtigkeit dunkler als sie sind.

Zwischen Gelb und Violett liegt der stärkste Hell-Dunkel-Kontrast der rein bunten Farben.

4.5.3 Kalt-Warm-Kontrast

Die Temperaturbezeichnung für Farben ist den meisten Menschen geläufig. Weniger bekannt ist jedoch, dass dieses Phänomen ausführlich wissenschaftlich untersucht wurde. Dabei hat sich unter anderem herausgestellt, dass Blaugrün den Impuls der Blutzirkulation dämpft, also Kälte vermittelt, während Rotorange zu deren Aktivierung anregt, also Wärme auslöst. Zu den warmen Farben werden Gelb über Orange und Rot bis Rotviolett gezählt. Zu den kalten Farben gehören von Gelbgrün an der ganze Grünbereich über Blau bis hin zu Violett. Diese Zuordnung kann auch irreführen, denn die Temperaturempfindung hängt sehr stark von der Kontrastierung mit anderen Farben ab.
Nur Blaugrün und Rotorange als Pole des Kalten und Warmen wirken immer kalt bzw. warm.

4.3.4 Komplementär-Kontrast

Als Komplementärfarben werden diejenigen Farben bezeichnet, die sich bei additiver Farbmischung mit Lichtfarben zu Weiß ergänzen (Lichtsummation) und bei subtraktiver Farbmischung einen undefinierbaren Grauton kurz vor Schwarz ergeben (Lichtabsorption).

«Zwei komplementäre Farben sind ein seltsames Paar. Sie sind entge-
gengesetzt, fordern sich gegenseitig, steigern sich zu höchster Leuchtkraft im Nebeneinander und vernichten sich in der Pigment-Mischung zu Grau oder in der Lichtmischung zu Weiß – wie Feuer und Wasser.» (Itten)

Wenn man eine Farbe länger fixiert und dann auf eine weiße Wand schaut, erscheint vor den Augen ein Nachbild, das immer die komplementäre Farbe enthält. Der durch die visuelle Wahrnehmung hervorgebrachte Simultan- oder Sukzessivkontrast arbeitet immer mit der Komplementärfarbe. Das hängt sehr eng mit dem Wirkungsmechanismus der Sinnesrezeptoren in der Netzhaut zusammen. Wenn die Rezeptoren für Farbe über eine längeren Zeitraum nur für eine Farbe benutzt wurden, dann arbeiten sofort die unbenutzten, nachdem die stark benutzten entlastet wurden. Könnte als Reaktion zum Ausgleich erklärt werden.

Die starken und am meisten untersuchten Komplementär-Paare haben auch ihre Besonderheiten:

Gelb ­– Violett enthält den stärksten Hell-Dunkel-Kontrast,
Rotorange – Blaugrün enthält den stärksten Kalt-Warm-Kontrast,
Rot – Grün sind (als reine Grundfarbe) gleich hell.

Wenn alle Farben gleichmäßig in einem Farbenkreis fließend dargestellt werden, ähnlich wie bei einem Regenbogen oder einem Spektralstreifen mittels eines Prismas, dann sind sich in diesem Farbkreis immer die gegenüber liegenden Farben komplementär.

 

4.3.5 Qualitäts-Kontrast

Als Qualitäts-Kontrast wird der Gegensatz zwischen gesättigten, leuchtenden Farben zu trüben, stumpfen Farben empfunden.

Sobald die rein bunten Farben aufgehellt oder verdunkelt werden, verlieren sie deutlich an Leuchtkraft.  > Siehe oben stehende Abbildung.

4.3.6 Quantitäts-Kontrast

Der Quantitäts-Kontrast bezieht sich auf das Größenverhältnis. Die Farbwirkung verändert sich stark mit den unterschiedlichen Proportionen, vor allem, wenn zusätzlich Komplementärfarben nebeneinander stehen. Das hängt vor allem davon ab, dass die Wirkungsintensität oder die Lichtwerte der Farben verschieden sind.

Wie die nebenstehende Abbildung zeigt, hat Goethe für diese Lichtwerte die einfachsten Zahlenverhältnisse aufgestellt, die jedoch nur Annäherungswerte darstellen: Gelb : Orange : Rot : Violett : Blau : Grün verhalten sich
wie 9  zu  8  zu  6  zu  3  zu  4  zu  6

Die Werte der komplementären Farben lauten dann:
Gelb : Violett = 9 : 3
Orange : Blau = 8 : 4
Rot : Grün = 6 : 6

 

4.4 Nachbild

Im Kapitel 2.2.2 haben wir uns bereits mit der Erscheinung des Nachbildes befasst. Sie hängt mit der Anpassungsfähigkeit des Auges an unterschiedliche Lichtverhältnisse zusammen. Das nennt man Adaption. Der dabei ablaufende Mechanismus führt dazu, dass wir das Nachbild, den farblosen und den farbigen Simultankontrast und den Sukzessivkontrast erleben können.

An dieser Stelle soll nur so viel gesagt werden, dass die Netzhaut zum Sehen einen Sehstoff produziert, und zwar in jeder Sehzelle, der bei jedem Lichtreiz und besonders bei kontraststarken Reizen unterschiedlich verbraucht wird. Dabei versucht das Auge die Menge des Sehstoffes innerhalb der Retina auf verschiedene Zellen zu verteilen. Die Regeneration des Sehstoffes benötigt immer eine gewisse Zeitspanne. Diesen Zeitraum können wir selbst erleben, in dem wir einmal die Zeitspanne messen, in der ein Nachbild wieder verschwindet oder in der sich die Augen wieder an die Helligkeit gewöhnt haben, wie es nach einem Kinobesuch geschieht.

4.4.1 Farbloser Simultan-Kontrast

Den farblosen Simultan-Kontrast zeigt die oben stehende Abbildung. Die zwischen den schwarzen Feldern durchlaufenden Linien sind überall gleich weiß, obgleich der Betrachter an den Kreuzungsstellen graue Flecken wahrnimmt. Fixiert man eine solchen grauen Fleck, verschwindet er sofort.

Eine weitere Erscheinung des farblosen Simultan-Kontrastes zeigt die unten stehende Abbildung. Beim Betrachten kann man beobachten:
«Graue Bilder erscheinen heller auf schwarzem als auf weißem Grund und erscheinen in solchen Fällen, als ein Helles auf dem Schwarzen größer als ein Dunkles auf dem Weißen kleiner.» (Goethe)

 

 

 

 

 

 

 

Farbloser Simultankontrast

4.4.2 Farbiger Simultan-Kontrast

Das nebenstehende Bild zeigt Zinnoberrot auf Weiß und das gleiche Rot auf Schwarz. Das Phänomen kennen wir im Prinzip bereits. Hier kommt jedoch noch eines hinzu:

Das Rot wirkt auf dem Schwarz nicht nur kräftiger (durch leichte Aufhellung des farblosen Simultankontrastes), vielmehr macht es sich auch größer. Es «strahlt» sozusagen über seine Ränder hinweg. Dieses scheinbare Sich-Ausbreiten einer Farbe über die Grenzen des wirklichen Farbfeldes hinaus nennt man Irradiation.

Die folgende Abbildung zeigt hellgraue Flächen von gleicher Helligkeit, einmal auf blauviolettem und einmal auf gelbem Grund. Man kann deutlich sehen, dass das Grau nicht mehr neutral Grau wirkt, sondern von dem Charakter der Komplemen-
tärfarbe annimmt. So wirkt das Grau auf dem Blau «violett-gelblich». Das Grau auf dem Gelb überzieht sich mit einem «blau-violetten» Schleier.

Reine Farben haben immer die Tendenz, sich gegenseitig nach ihrem Komplement hinzu färben.
Die Wahrnehmungsorganisation hat eben die Tendenz, einen Ausgleich zu schaffen, damit die Retina entlastet werden kann.

Hering zeigte, dass Auge und Gehirn das mittlere Grau verlangen oder beunruhigt werden, wenn es nicht vorhanden ist.
Wird ein mittelgraues Feld betrachtet, vor einem grauen Hintergrund, dann erscheint kein Nachbild, das verschieden ist von dem mittleren Grau.
Dies beweist, dass das mittlere Grau dem geforderten Gleichgewichtszustand unseres optischen Sinnes entspricht.

Viele Beispiele zeigen, dass sich der farbige Simultan-Kontrast aus zwei Veränderungen zusammensetzt: Einerseits besteht er aus einer Veränderung in der Helligkeit und zum anderen aus der gegenseitigen Beeinflussung. Dabei kann diese Erscheinung als Flächenbeeinflussung oder als Randbeeinflussung auftreten.

4.4.3 Sukzessivkontrast

Machen wir zunächst einen Versuch mit der neben stehenden Abbildung. Fixeren Sie die Farben links, den gelben Querstreifen auf Ultramarinblau und blicken nach einer Weile auf die beiden senkrechten Streifen rechts daneben, Karminrot und Grün.

Es kann folgende Veränderung festgestellt werden: Über das Rot und das Grün zieht sich quer ein Streifen hinüber. Das Rot wird in der Mitte in ein leicht violettstichiges Magenta verändert, das Grün wird in ein Grünblau abgewandelt. Oberhalb und unterhalb des erscheinenden Querbalkens wirkt nun das Rot deutlich als Zinnoberrot und das Grün wird Gelbgrün. Der gleicher Versuch kann auch umgekehrt durchgeführt werden.

«Zwar werden wir bemerken, dass diese optischen Farbenbilder im Vergleich zum Eindruck von Pigmentfarben in ihrer Lichtnatur diffuser und gewichtslos, weil sie immateriell erscheinen, also einen gewissen unwirklichen Charakter haben. Der qualitative Eindruck aber ist derselbe.» (Didaktische Farbenlehre, J.W. Goethe)

 

4.5 Dimensionen der Farbe

4.5.1 Oberflächenfarbe – Flächenfarbe – Raumfarbe

Farben erscheinen uns in unserer Umwelt in unterschiedlichen Dimensionen. Unter normalen Wahrnehmungsbedingungen erscheinen Gegenstandsfarben verhältnismäßig opak, sozusagen an oder auf der Gegenstandsfläche haftend. Gegenstand und Farbe sind gewissermaßen miteinander verwachsen, ein grünes Blatt, ein roter Ball, ein brauner Stuhl und so weiter. Diese Farben nennen wir Oberflächenfarben

Verändern wir die Situation:
Blicken wir durch eine kleine Öffnung auf einen Gegenstand, der größer ist als unser Blickfeld, so kann die Farbe einen neuen Charakter bekommen. Sie wirkt irgendwie durchsichtiger und weniger deutlich lokalisiert, dagegen eher flächen- oder filmhaft. Wir erleben die Farbe als Flächenfarbe.

Wenn wir zum blauen Himmel aufschauen oder in eine durchsichtige farbige Flüssigkeit schauen, so scheint die Farbe den gesamten Raum auszufüllen. Sie ist völlig durchsichtig (transparent) und gar nicht mehr flächenhaft. Wir erleben die Farbe als Raumfarbe. (J. Albers hat zu diesem Phänomen besondere Experimente durchgeführt.)

Machen Sie dazu folgendes Experiment.
Stellen Sie sich mit dem Rücken zur Sonne vor den blauen Himmel am späten Nachmittag. Nehmen Sie sich ein Stück Pappe mit, in das Sie ein quadratisches Loch geschnitten haben. Schauen Sie zunächst erst einmal die Qualität der blauen Farbe ohne jedes Hilfsmittel an. Dann schauen Sie durch die Pappe auf den Himmel, die sich im Schatten befindet und den größten Teil des Himmels verdeckt. –
Wie sieht die blaue Farbe jetzt aus? –
Zum Schluss halten Sie die Pappe so, dass helles Sonnenlicht auf den Papprahmen fällt. Beurteilen Sie noch einmal die Qualität der blauen Farbe.
Sie werden feststellen können, dass sich in den unterschiedlichen drei Wahrnehmungssituationen die Farbqualität von einer Raumfarbe zu einer Flächenfarbe und schließlich zu einer Oberflächenfarbe hin verändert.
In jedem Fall steht die erlebte Farbqualität immer in bezug zu dem Umfeld des betreffenden Himmelsausschnittes.

Sicherlich ist es jedem schon aufgefallen, dass Farben leuchten können. Nicht nur Leuchtfarben, sondern auch eine Verkehrsampel z.B. scheint ein völlig anderes Licht auszusenden als ein in gleichen Farben bemaltes Plakat. Nun kann man sagen, der Gegenstand leuchtet, weil er tatsächlich von einem Leuchtmittel erhellt wird, wie bei einer Glühbirne. Diese Erklärung reicht jedoch nicht ganz aus.

Es gibt tatsächlich Gegenstände, die leuchtend aussehen, obwohl sie kein Licht aussenden. Diese Objekte reflektieren das Licht auf unterschiedliche Weise.

Bei den «Leuchtfarben» werden zweierlei Arten unterschieden:
Einerseits die phosphorizierenden Farben. Diese enthalten einen Stoff, der bei Lichteinfall angeregt wird, ebenfalls Licht zu auszusenden. Der Effekt ist dann besonders bei Dunkelheit sichtbar. Andererseits gibt es reflexionsstarke Farben, deren Farbpigmente das Licht besonders reflektieren. Es entsteht in etwa der gleiche Effekt wie bei gläsernen «Rückstrahlern». In der Pflanzen- und Tierwelt gibt es eine Vielzahl von «Leuchteffekten», wobei die meistens Blüten dieser Art vor allem zusätzlich UV-Licht in sichtbares Licht umwandeln können, wodurch die Farbe dann ausgesprochen intensiv leuchtet.

4.5.2 Substanzcharakter der Farbe

Aus alledem ist zu schließen, dass unser Auge Farbe an sich nicht wahrnehmen kann. Farbe ohne Farbträger gibt es nicht (Luft, Gase und Flüssigkeiten sind ebenfalls Farbträger). Die wahrgenommene Erscheinung der Farbe ist immer mitbestimmt von der Art des Farbträgers.

Es ist ein großer Unterschied, ob man gefärbte Seide oder Wolle vor sich hat. Ob eine Farbe auf einem matten oder einem glänzenden Papier eingesetzt wird. Ob die Farbe eine Flüssigkeit ist, ob sie von einer Filmleinwand reflektiert wird oder durch ein farbiges Glas Licht hindurch leuchtet. Ob man einen Schmetterlingsflügel ansieht oder eine exotische Orchideenblüte. Dabei könnte die emittierte Lichtmenge (emittieren = aussenden) völlig gleich sein, der Mensch wird die Farben immer unterschiedlich wahrnehmen, weil einerseits vom Objekt selbst die Leuchtqualität mitbestimmt wird und weil Farbe stets im psychischen Wahrnehmungsarreal angesiedelt ist.

 

4.5.3 Scheintransparenz

Eine besondere Änderung der Wahrnehmung von Farbe zeigt die neben stehende Abbildung.
Bei bestimmter Anordnung von zwei Grundfarben und der zugehörigen Mittelfarbe verändert sich die Erscheinungsweise der Mischfarbe. Sie wirkt dann nicht mehr undurchsichtig, sondern durchscheinend. Das wird vor allem dann eintreten, wenn das Farbfeld zwischen den beiden Grundfarben die genaue Mittenfarbe enthält, und wenn die Farbflächen so zueinander stehen, dass das Auge ein Voreinander begünstigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Beispiele zeigen deutlich, dass sich die «überlappenden» Formen zu bekannten Figuren ergänzen. Das scheint in den Beispielen bewusst gewollt zu sein, kann aber in der Natur willkürlich entstehen oder von Tieren oder Insekten als Mimikri zur Tarnung gegen Fressfeinde eingesetzt werden.

 

Einfache geometrische Formen, die eine Scheintransparenz begünstigen

 

 

 

4.5.4 Das Weber-Fechner-Gesetz

Wenn zwei Malfarben so gemischt werden, dass mehrmals eine gleichbleibende Menge hinzugefügt wird, dann könnte man annehmen, es ergibt eine gleichmäßige Stufung zwischen den einzelnen Mischtönen. Trägt man die gemischten Farben nebeneinander auf, wird eine andere Abstufung wahrgenommen:

Die Abstufung nimmt mit der weiteren Zugabe der zweiten Farbe immer mehr ab und erreicht schließlich einen nicht mehr zu steigernden und unveränderlichen Sättigungsgrad.
Das Gleiche kann man durch Auftragen von gleichen Lasurschichten erzeugen.

Dieses Phänomen kann man auch bei Treppenstufen, die z.B. in einer Badeanstalt ins Schwimmbecken führen feststellen. Weil die «gleichmäßige» Farbmischung (Treppenstufe + Wasserfarbe) keinen linearen Eindruck ergibt, werden die Stufen im Wasser immer «niedriger» gesehen als sie wirklich sind. Hierbei kommt natürlich noch die Lichtbrechung an der Wasseroberfläche hinzu.

Wilhelm E. Weber und Gustav T. Fechner formulierten diesen Tatbestand der Wahrnehmung in dem Gesetz:
Die visuelle Wahrnehmung einer arithmetischen Farbreihe ist bedingt durch eine physikalisch-geometrische Reihung.

Soll also eine gleichmäßige Abstufung erscheinen, so muss in folgenden Maßeinheiten gemischt werden: 1 , 2 , 4 , 8 , 16 , 32 , 64 etc. Diese Zuwachsraten bilden eine geometrisch aufsteigende Kurve, die in eine senkrechte Linie übergeht. Diese Linie zeigt die Sättigung in der Mischung an.

Die Wahrnehmung solcher geometrischen Zuwachsraten vermittelt jedoch eine geradlinige arithmetische Zunahme. Man sieht eine gleichmäßige Abstufung.

 


Georges Seurat, A Sunday on
La Grande Jatte, 1886, Art Institut of Chicago

 

4.5.5 Optische Mischung

Im Vorherigen wurden die Mischfarben durch tatsächliches Vermischen zweier Körperfarben miteinander erzielt. Das gleiche optische Ergebnis kann auch dadurch erreicht werden, wenn viele kleine Punkte der beiden Grundfarben nebeneinander aufgetragen werden, wie es beim Pointilismus von den Künstlern eingesetzt wurde. Die Farben mischen sich bei der Wahrnehmung.

Dabei werden die nebeneinander stehenden Grundfarben gleichzeitig gesehen und in der Wahrnehmung zugunsten einer dritten Farbe aufgelöst. Dies wird optische Mischung genannt.

 

Der Effekt ist abhängig von der Größe der Farbflecken, der Distanz untereinander und dem Abstand des Betrachters von der Farbfläche. Wie leicht zu erkennen ist wirken hierbei verschiedene Tendenzen der Wahrnehmung zusammen, die bereits in den voran gegangenen Texten besprochen wurden.

Im heutigen Vierfarbendruck ist die «optische Mischung» selbstverständliche Notwendigkeit.
Ganz gleich ob Zeitungs-, Kunstdruck oder digitaler Druck, die Mischfarben müssen bei gedruckten Bildern durch kleine Pünktchen von vier Grundfarben Gelb-Cyan-Magenta und Schwarz erzielt werden. Heute werden beim Digitaldruck von Fluidprintern und Laserprintern die kleinstmöglichen Farbtupfer aufgetragen, damit so optimal wie möglich ein visuelles Kontinuum der Farben entstehen kann.

Nebenstehend die Rasterung beim Kupfertiefdruck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.6 Räumliche Wirkung der Farben

Aus der Farbe selbst ist bereits eine räumliche Wirkung wahrzunehmen. Dabei wirken die Umfelder der Farbe mit. Wie bei den monokularen Tiefenkriterien bereits gezeigt, ist die räumliche Wahrnehmung abhängig von mindestens zwei im Vergleich stehenden Reizkonstellationen.

In der neben stehenden Abbildung sieht man die sechs Farben Gelb, Orange, Rot, Violett, Blau und Grün einmal auf einer schwarzen Fläche und einmal auf einer weißen Fläche.

Im ersten Fall wird deutlich, dass das Gelb nach vorn zu kommen scheint und das Violett in der Tiefe des schwarzen Grundes schwebt. Alle anderen Farben bilden Tiefenstufen zwischen Gelb und Violett.

Im zweiten Fall wird das Violett vom Weiß abgestoßen und scheint nach vorn zu kommen, während das Gelb vom weißen Hintergrund zurückgehalten wird.

Die Tiefenwirkung von Farben lehnt sich darüber hinaus stark an die lebendige Erfahrung des Menschen mit seiner angelernten Wahrnehmung an.

Vordergründig werden vor allem kontrastreiche, rein bunte Farben erlebt. Im Mittelgrund stehen dunkle, getrübte Farben mit geringeren Kontrasten, der Hintergrund wird von Farben gebildet, die hell getrübt sind und sich an ein Blassblau anlehnen.
Diese Staffelung ist uns aus Landschaftsbetrachtungen bekannt.

Im geschlossenen Raum erleben wir eine etwas andere Tiefenwirkung.
Hell und bunt wird als vordergründig wahrgenommen, wohingegen dunkle Mischtöne den Hintergrund ausmachen. Dies hängt mit der erlebten Beleuchtung der Situation zusammen. So ist der Vordergrund meistens gut ausgeleuchtet, der Hintergrund weniger. Auch differenziert unser Auge stärker im Blickpunktbereich. Das über das Blickfeld hinausgehende Umfeld wird nur verschwommen wahrgenommen. Damit werden helle und leuchtende Farben im Raum empfindungsmäßig dem Vordergrund zugeordnet, dunkle und gebrochene Farben eher dem Hintergrund.

Dabei sind die monokularen Tiefenkriterien wichtige Anhaltspunkte. Besonders die Wirkung von Licht und Schatten beeinflusst die Farbwirkung.
Meist wird der kontrastreiche Wechsel von hellen und dunklen Farben im Vordergrund empfunden. Je weiter die Entfernung, desto mehr gleichen sich die Farbtöne an.

 

4.7 Farbkonstanz

Im Abschnitt Wahrnehmungskonstanzen haben wir bereits auf die Erscheinung der Helligkeitskonstanz hingewiesen. Auch die Farbe wird unter bestimmten Umständen als konstant empfunden.

Beispiel: Wird die Beamer-Projektion eines blauen Autos auf eine gelbe Leinwand vorgenommen, erscheint einem normalsichtigen Betrachter das Auto grau. Dieser Vorgang entspricht den bekannten Gesetzen der Lichtmischung. Wenn der Betrachter das Bild des Autos vorher bereits auf einer weißen Leinwand gesehen hat, so nimmt er es auch weiterhin als blau wahr, selbst wenn der Beamer es auf die gelbe Leinwand projiziert.

Der Mensch neigt dazu, ihm vertraute Gegenstände, auch unter verschiedenen Lichtverhältnissen, immer in gleicher Farbgebung wahrzunehmen.

Mit der Zeit seines Lebens hat er die ihm vertrauten Gegenstände unter verschiedenen Lichteinwirkungen gesehen und letztlich gelernt, wie sie «richtig» aussehen. (So wie sie bei weißem Licht erscheinen.) Er greift dann auf seine Gedächtnisfarbe zurück. Diese Erscheinung tritt jedoch nicht grundsätzlich ein.

Unter bestimmten Umständen funktioniert sein Gedächtnis nicht. Bietet man einem Menschen eine ihm vertraute Mahlzeit bei blauer Beleuchtung an, so stößt sie ihn ab. Eine andere Eigenschaft, die in diesen Bereich gehört, weist uns auf die in der Wahrnehmung vorhandene Tendenz zur Assimilation hin. Wird z.B. ein roter Klinkerstein z.T. von der Sonne beschienen und zum Teil von Schatten verdunkelt, so sieht man den Stein meistens trotzdem gleichmäßig rot. Diese Erscheinung tritt jedoch nur dann auf, wenn das Objekt erkennbar und bekannt ist und in Beziehung steht zu anderen Objekten und der Beleuchtung im Umfeld.
Werden die Anhaltspunkte beseitigt, verringert sich die Farbkonstanz oder verschwindet ganz.

Bunte Strandbefestigung in Miölno, Polen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zu den folgenden Kapiteln: 5.0 Synästhesie und 6.0 Psychologische Faktoren und Wahrnehmung

Vorwort Wahrnehmung

Vorwort

Physiologische, psychologische und philosophische Betrachtungen über das Wichtigste des menschlichen Daseins neben dem Atmen, zusammengetragen aus vielen wissenschaftlichen Arbeiten, die auch genannt werden. Selbst erforscht und vielfach selbst empirisch kontrolliert.
Das Wissen um diese Zusammenhänge wird stets ergänzungswürdig bleiben und sollte von allen wachsam genutzt werden, die sich mit diesem Werkzeug an andere Menschen wenden, die kommunizieren, überzeugen, anmachen wollen, um Zuwendung, Zuneigung und Vertrauen zu bekommen.

Die Dinge der äußeren Wahrnehmung stellen sich hin und verdecken das, was «geistig» hinter ihnen ist. Die Menschen sehen nichts von dem, was wirklich geschieht, wenn sie nicht mit Hilfe „geistiger“ okkulter Befähigungen das Werden und Sein erfahren können. Solange «Physis» inhaltlich mit körperlicher «Physik» gleichgestellt wird, bleibt dem äußerlich orientierten Denken das wirkliche Sein verdeckt.

Wahrnehmen bedeutet Informationen, Ansichten und Einsichten, Erfahrungen und Vorstellungen erfassen, aufnehmen, empfangen und verarbeiten bis zum Bewusstwerden, bis zum Bedenken und zum Abspeichern im Gedächtnis. Dabei ist der oder die Wahrnehmende in der vorliegenden Betrachtung immer eine Person. Das Wort kommt aus dem Lateinischen von «per – sonnare», das heißt «hindurch-klingen». Die Person ist also faktisch ein Klangkörper, ein Instrument auf dem die Resultate aller einmal gemachten Wahrnehmungen spielen, es sind Präformierungen aus ferner Vergangenheit – früheren Inkarnationen, Karma, – und aus der jüngeren Gegenwart und Vergangenheit die die aktuelle Melodie bestimmen.

Warum überhaupt eine Wahrnehmungslehre?

Was bringen physiologische und psychologische oder gar philosophische Betrachtungen über die Wahrnehmung dem Menschen?
Ist es notwendig, eine Lehre oder eine Studienrichtung über die menschliche Art der Erfassung seiner Umwelt aufzubauen?
Wird es etwas am Menschsein verändern, wenn der Einzelne mehr darüber weiß?
Könnte das soziale Beisammensein der Weltbevölkerung dadurch harmonischer werden, mehr Frieden, Liebe und Miteinander hervorbringen?
Bringt dieses Wissen Vorteile für den Profi der Kommunikationsbranche?

Die Wahrnehmung, das Erfassen von sich selbst und der Umwelt, ist die Basis-Assimilation für das Menschsein. Sie bestimmt uneingeschränkt sein Denken und Bewerten und regiert zusammen mit allem was man Gedächtnis nennt sein Lebensverhalten. Wie der Mensch die Umwelt in sich und im Außen – inter- und intrapersonell – erfassen und verarbeiten kann, bestimmt seine Interaktionen innerhalb des sozialen Umfeldes seiner Welt, seine Entscheidungen bei Wahlen, es bestimmt seine Radikalität, seinen Fanatismus, aber auch seine Kompromissbereitschaft und seine Toleranz.
Kurz gesagt: Wahrnehmung – Gedächtnis oder Erinnerung – Bewusstsein – Lebenshaltung oder Charakter gehören unabdingbar zusammen und können nicht getrennt erfahren werden.
Alle diese Gedanken sprechen dafür, diesem Wissenszweig seine höchste Aufmerksamkeit zu widmen. – Was spräche dagegen? – Oder gibt es Interessen, die eine solche Aufklärung nicht wünschen und sie darum verhindern?

Für alle, die sich ernsthaft mit dem Geschehen auf dieser Welt auseinander setzen, wird ein lebendiges und machtvoll magisches Werkzeug ausführlich erläutert, damit alle die Wahrnehmung und ihr damit verbundenes Denken künftig im Verständnis miteinander wirkungsvoll verwenden können.

Viele der aus früheren Untersuchungen herbei getragenen Beispiele können selbst erforscht und überprüft oder empirisch kontrolliert werden. Dabei ist es ganz wichtig zu wissen und beim Lesen zu begreifen: Jeder hat zu Beginn dieses Studiums bereits eine vorhandene Struktur oder Prägung seiner Wahrnehmung verinnerlicht, die – solange man sich dieser Beeinflussung nicht bewusst ist – meistens sogar ignoriert wird, darum unkontrolliert in die Aufnahme neuer Informationen eingreift. Manches, was hier geschrieben ist und manches, was vielleicht experimentell nachvollzogen wird, ruft ein Erstaunen auf: «Das darf doch nicht wahr sein!» oder «Das ist ja unglaublich!», wie es bereits von vielen oft genug erfahren wurde.

Bitte dann nicht im Erstaunen stehen bleiben, nach dem Motto von Christian Morgenstern: «Und so schließt er messerscharf, was nicht sein kann, das nicht sein darf.» Denn dann bleiben alle neuen Informationen dieser Darstellung der Wahrnehmung wieder nur lexikalischer Ballast in der ohnehin schon überlasteten Bibliothek im Gedächtnis. Erst wer bereit ist, im Wust der bereits gefassten Meinungen und Vorstellungen grundlegend aufzuräumen und überholte Erfahrungen oder verstaubte Folianten aus dem Regal zu nehmen, kann sich für neue Informationen öffnen. Wer bewusst seinen sogenannten gesunden Menschenverstand, der dem aufgeklärten Europäer soviel Wert ist, außer acht lassen kann, wird ganz unvoreingenommen und aufmerksam zuschauen, wie seine Sensoren zur Umwelt, die Sinnes- oder Wahrnehmungsorgane wirklich arbeiten. Überträgt man die mit den fünf oder sechs Sinnen verbundene Wahrnehmung auf die gefühlsmäßige, psychologische Wahrnehmung der Mitmenschen, dann werden sich verändernde Perspektiven in den Mitmenschen auftun, die zu einem konstruktiven Miteinander und zu einem Höchstmaß an Verständnis für viele Probleme der Kommunikation in der Welt beitragen können, vor allem bei der ständig zunehmenden Aggression und dem Unfrieden in aller Welt.

Trotz aller Versuche, möglichst komplett zu sein, möchte ich einschränken:
Selbst eine weitgehend komplette wissenschaftliche Darstellung bleibt immer ergänzungswürdig und sollte immer wieder von denen überprüft werden, die sich an andere Menschen wenden, die kommunizieren, überzeugen, anmachen wollen, um Zuwendung, Zuneigung und Vertrauen zu bekommen.


Darum noch einmal: Wer mithelfen will, in diese Seiten auch seine Erfahrungen und neuesten Erkenntnisse einzubringen, möge mir seine Texte schicken. Damit sie an der richtigen Stelle in die bestehenden Gedanken integriert werden.

Bevor es zur Sache geht, erbitte ich Ihre Antwort auf einige Fragen. Ob Sie mir antworten, bleibt vollkommen in Ihrer Freiheit. Und doch würde es die Arbeit beflügeln, wenn ich die Meinung aller Leser sehen könnte. Vorab herzlichen Dank dafür, dass Sie den Mut hatten, an dieser Entwicklung trotz aller inneren Vorbehalte mitzuwirken.

Als Dank, werde ich die Ergebnisse aller Antworten und ihre Analyse nach den Maßstäben der Wahrnehmungslehre in der kommenden Ausgabe veröffentlichen.


Bitte einfach Ihre Meinungsoption markieren.

Alle Angaben zur Anschrift oder Email werden nur für die direkte Kommunikation zur Wahrnehmungslehre verwendet.
Für die darüber hinausgehende Kommunikation mit der Redaktion verwenden Sie bitte meine eingefügte Email-Adresse: peter@artokora.de.

Mich interessiert das Thema Wahrnehmung:

〈 〉 überhaupt nicht
〈 〉 nur am Rande
〈 〉 ja, doch
〈 〉 ziemlich
〈 〉 sehr
〈 〉 dringend

Das Thema Wahrnehmung berührt mich aus folgenden Gründen:

1) fast nur beruflich
〈 〉 Visuelle Darstellung
〈 〉 Akustische Darstellung
〈 〉 TV-Darstellung
〈 〉 Medizin • Psychologie • Heilkunde
〈 〉 Soziologie • Pädagogik • Politik
〈 〉 Werbung • Literatur
〈 〉 Sonstiges

2.) rein privat
〈 〉 Weltanschauung
〈 〉 politische Gründe
〈 〉 Religion
〈 〉 psychologische Aspekte
〈 〉 Genderproblematik
〈 〉 Kindererziehung
〈 〉 Umgang mit den Nachbarn
〈 〉 Sonstiges

Art der Wahrnehmung:

Ich möchte mich eigentlich nur mit folgender Wahrnehmung befassen:
〈 〉 visuell
〈 〉 haptisch
〈 〉 akustisch
〈 〉 olfaktorisch
〈 〉 gustativ
〈 〉 intrapersonell
〈 〉 esoterisch/okkult
〈 〉 bei gestörten Sinnesorganen

Ansicht zum Thema:

Es wäre gut, wenn sich viele Menschen mit dem Thema befassen würden:
〈 〉 ja, eigentlich jeder
〈 〉 ja, viele
〈 〉 ja, vor allem Meinungsbildner
〈 〉 ja, und nicht nur die Profis
〈 〉 es reicht, wenn die Pädagogen, Ärzte und Psychologen sowie die im sozialen Bereich arbeitenden etwas davon wissen
〈 〉 eigentlich brauchen es nur die Ärzte/Psychotherapeuten zu wissen
〈 〉 die Kommunikation über Wahrnehmung bringt überhaupt nichts
〈 〉 die Wissenschaft über Wahrnehmung ist nur für die Wissenschaftler
〈 〉 man sollte sehr vorsichtig sein mit der Verbreitung der Wahrnehmungslehre
〈 〉 eigentlich geht es auch ohne das Wissen um die inneren Abläufe

Spezielle Fragen:

Würden Sie sich mit dem Thema auch dann befassen, wenn Sie wüssten, dass sich dadurch nichts ändert? – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Würden Sie das Thema auch mit Ihren Freunden, Ihrer Familie, Ihrem Partner besprechen, ihn/sie mit einbeziehen wollen? –〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Befassen Sie sich mit weltanschaulichen Fragen nur im Rahmen eines entsprechenden Studiums oder einer Ausbildung? – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Interessieren Sie sich grundsätzlich für neue Denkansätze, auch wenn sie sich nicht unbedingt in den beruflichen Konsens einbauen lassen? – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Befassen Sie sich in Ihrer Freizeit mit vollkommen neuen Ideen, auch wenn dadurch kein ersichtlicher Vorteil für Sie entsteht? – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Wie stark wird Ihre Meinung von anderen Gruppen oder Autoritäten beeinflusst? – 〈 〉 wenig – 〈 〉 etwas – 〈 〉 ziemlich – 〈 〉 generell – 〈 〉 stark

Haben Sie eine eigene Meinung und verteidigen Sie diese eventuell auch gegen eine autorisierte Übermacht, indem sie diese z.B. durch eigene Tests oder eigene Erfahrungen überprüfen?
– 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Wissen Sie, auf welchen Fundamenten Ihre eigene Meinung aufgebaut ist? –

Auf der Meinung der Eltern – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf der Meinung der Lehrer in der Schule – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf der Meinung der Professoren an der Uni – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf der Information aus wissenschaftlichen Büchern – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf der Information aus der allgemeinen Publikation in der Presse – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf der Information aus Fachpublikationen – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf der Information aus dem Internet – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf der Meinung meiner sozialen Gruppe wie z.B. Familie/Verein/Partei/Firma/Kirche – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein
Auf meine innere Stimme – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Haben Sie sich schon einmal im Stillen gefragt, wieviel von Ihrer eigenen Meinung tief in Ihrem Unbewusstsein verankert ist? – 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Können Sie sich vorstellen, dass jeder die Möglichkeit hat, die Basis seiner eigenen Meinung ins eigene Bewusstsein zu stellen, also ohne Fremdautorität im eigenen Wesen zu sein?
– 〈 〉 Ja – 〈 〉 Nein

Es ist im Interesse aller, die sich der Freiheit in Toleranz und ohne Angst zu nähern versuchen, Dank zu sagen, dafür, dass Sie auch für sich diese Fragen ehrlich beantworten, bevor Sie sich mit den nachfolgenden Informationen auseinander setzen werden, und wir hoffen, (dass Sie dann noch einmal diese Seite besuchen werden), wo Sie meine Auswertung erfahren können.

Sie können die drei Seiten des Fragebogens in ein Textprogramm kopieren und dort beantworten. Die Alternative wäre, diese Seite ausdrucken, schriftlich beantworten, als PDF einscannen und mit der Mailantwort verschicken oder per Post senden an: Peter Alexander Kremin, Schwalbenweg 2a, 57612 Helmenzen, Germany. Wenn Sie dabei Ihre Mail-Box oder Ihre Anschrift angeben, dann kann ich Ihnen die Auswertung unverbindlich zukommen lassen.
Vorab schon mal herzlichen Dank für Ihre/Deine Mühe.


Weiter zur : Einleitung der Wahrnehmungslehre

Allbewusstsein


Die Ideologien der experimentellen Freiheitsphilosophie aus den vergangenen Jahrhunderten haben der Menschheit geholfen, bis in die Neuzeit zu kommen und alle Fürstentümer, Tyrannen und Diktatoren zu überwinden. Jedoch um wahrlich moderne Menschen zu werden, muss sich ein völlig neues Denken durchsetzen. Damit wird jeder dann einmal erkennen können, dass viele Hinweise im Neuen Testament oder anderen heiligen Büchern keineswegs Gebote oder Verbote sind, sondern Prophetien.
In unseren Tagen der beginnenden Aquariuszeit ist es eine der höchsten Aufgaben für alle Menschen, sich von allen Egoismen zu verabschieden, die einem in den beruflichen Durchsetzungsstrukturen gut geholfen haben. Jedoch ist es jetzt dringend notwendig der Menschheit die Kenntnis ihres kosmischen und mikrokosmischen Daseins nahe zu bringen,  damit sie die Verantwortung dafür zu übernehmen vermag, dass jeder Mensch im Feld des allumfassenden Bewusstseins mit jedem anderen nach der isobaren Resonanz verbunden ist. Ganz gleich welcher Rasse, welcher Sprache oder welcher Religion.

Bei den meisten Theologen und Philosophen beginnt ihre Wissenschaft mit dem Studium der alten überlieferten Schriften der heiligen Männer aller Zeiten. Man sagt, diese waren besondere Menschen, die eine mentale Verbindung mit den überirdischen Göttern hatten und darum hinter die offensichtlichen Geschehnisse des Alltags schauen konnten. Der materielle Vorhang der sinnlich wahrnehmbaren Welt hatte sich ihnen einen Spalt breit geöffnet, um den Menschen, die hören können – deren Mikrokosmos mental schon soweit entwickelt war –, etwas vom wahren Leben zu berichten und das Wissen um die eigene Entwicklung dafür zu vermitteln. Dieses Wissen, diese eine Weisheit aus der fundamentalen Kraft des universalen Bewusstseins befördert zu allen Zeiten die Evolution der Menschheit.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu.  Vielen Dank.


Wenn im Evangelium des Johannes steht: «Im Anfang war der Logos – oder das Wort» – das ist der siebenfältige Name Gottes –, dann kann ein pragmatischer Wissenschaftler der modernen Zeit sagen – wenn er die einfach Übersetzung des Begriffs „Logos“ von Luther etwas beiseite legen kann –: Zu allen Vorgängen im Kosmos gehört natürlich immer auch eine Energieform, eine Art elektromagnetisches Kraftfeld. Giordano Bruno hat dafür das Konzept der Monaden entwickelt. Den Kosmologen und Astronomen ist der Gedanke an eine ursächliche Kraft zu Beginn der Schöpfung wohlbekannt, darum suchen sie schon ein Jahrhundert nach der einen, für alles gültigen Kraft in der materiellen Natur. Dabei bezeichnen sie diese universelle Kraft meistens als «Licht». Dieser Begriff steht in der Physik nicht nur für das sichtbare Licht, einem kleinen Abschnitt im Spektrum aller elektromagnetischen Kräfte, von den längsten Langwellen bis zu den kürzesten Vibrationen aus dem Weltall, die von irdischen Messgeräten erfasst werden können. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass die Eingeweihten aller Zeiten auch von den unstofflichen Kräften im Jenseits und im Kosmos sowie im eigenen Mikrokosmos wussten. Die Ätherwelten, die astralen Kräfte, die mentalen und die drei nirvanischen Energiefelder der Natur waren ihnen wohl bekannt, und diese sollten dem allgemeinen Begriff „Licht“ hierbei hinzugerechnet werden. Es muss aber – wenn wir beim Originaltext im Neuen Testament bleiben – hinzugefügt werden, dass alle Kraftfelder des Universums keine unbelebten oder unintelligenten Kräfte physikalischer Wirksamkeit darstellen. Die Erkenntnis, dass in allen Welten und Kraftfeldern das universelle Bewusstsein wirkt, ist von fundamentaler Bedeutung. Die Lichtvibrationen, die Kraftfelder des Kosmos sind also im umfassendsten Sinn belebt, können sich und die Umwelt erkennen, deduktive Beschlüsse fassen und sinnhafte teleologische Aktionen und Kooperationen durchführen. Dabei ist das Grundprinzip der Resonanz auf die harmonische Kohabitation aller mit allen ausgerichtet.

Das Wort vom Anfang, der griechische Begriff «Logos», bezeichnet diese umfassende Bedeutung deutlich und unmissverständlich. Im universellen «Licht», dem «Logos» vibrieren sowohl die fundamentale Energie, das Licht, als auch ein dazu gehöriges, total integriertes eigenständiges Bewusstsein, Wahrheit, Weisheit, Liebe, Gerechtigkeit. Es ist der heilige Siebengeist, Gottes Name mit sieben Buchstaben. Die fehlgeleiteten Übertragungen des ursprünglich griechischen Begriffs rücken den Logos, Tao, Akasha oder Chi in die Nähe der Kommunikationswissenschaften, was eine ganze Reihe irreführende religiöse Konzepte ausgelöst hat. Diese Entwicklung hängt leider auch mit der antiken Attitüde der Mittelmeervölker zu Beginn unserer Zeitrechnung zusammen, einen persönlichen Gott zu verehren, den man auch plastisch in Stein gehauen in einen Tempel stellen kann. Sie alle beleben das Bild des „Gottes im Außen“, sehr wohl irgendwie metaphysisch, aber dennoch auch persönlicher Ansprechpartner, viel majestätischer als alle Könige, aber dennoch einbezogen in das Irdische, wenn auch überdimensional. Zu diesen göttlichen Weltbilder gehören dann auch irgendwo räumlich oder überräumlich existent so etwas wie ein Himmel, ein Garten Eden oder ein Sommerland und dann natürlich unterirdisch eine Hölle oder Hades, in der der Mensch oder seine Seele nach entsprechendem Wohl- oder Böseverhalten nach seinem physischen Tode seinen zukünftigen Aufenthalt verbringen muss.

Diese siebenfältige Kraft aus der Urmonade, die in sich und aus sich heraus alle weiteren Monaden hervorgebracht hat. In diesen und aus ihnen wurden alle Erscheinungen im All geschaffen und werden auch aktuell weiterhin hervorgebracht. Sie wirken absolut zielgerichtet und hochintelligent für deren Erhaltung und für die harmonische Evolution aller Lebewesen, Entitäten und Hierarchien, Galaxien, Kosmen, Sterne und Planeten des gesamten Universums.
Sie ist in sich und mit allen Monaden in einer hohen Ordnung kohabitativ strukturiert sowie hierarchisch untergliedert. Sie ist die Urmonade – das Urkraftfeld der ersten Offenbarung in IHM, Tao. Dieses erste Feld der Offenbarung, die Urmonas, die seit dem Anbeginn das universale Bewusstsein von IHM ist, wird in den unterschiedlichen Lehren der esoterischen Welt als das PSI-Feld, Brahman, Chi oder die Akasha etc. bezeichnet. Dem menschlichen Denken wird dabei ganz deutlich gezeigt: das All kennt nur eine einzige Perspektive, mit einem Anfang vor aller Schöpfung, der in fernster Vergangenheit an einem bestimmten Scheidepunkt beginnt, und einem vorher bedachten Ende, dem Eingang aller Monaden mit ihren involvierten, vollkommen entwickelten Lebewesen, in das universalen Bewusstsein. Es ist überaus problematisch, davon zu sprechen oder zu schreiben, denn aus der Sicht des irdischen Menschen existierte einstmals vor Beginn allen Seins das unkennbare, alles umfassende Feld des ungeschaffenen Gottes – das Feld, das vor allem Anfang ist und in aller Ewigkeit sein wird. Denn Zeit und Ewigkeit sind sich selbst stets gleich verfließend und dennoch unverflossen, ohne Anfang und ohne Ende. Die Männer des Sanskrit haben dieses Problem für sich gelöst, indem sie sich das Ein- und Ausatmen des Brahman dafür vorgestellt haben.

Für die Menschen ist immer ein unfassbares göttliches Lebensfeld existent, das uns Hermes Trismegistos in einem Lobgesang des Pymander beschreibt, das Dionysios Aeropagita in seinen mystischen Traktaten umreißen will. Es ist das Ahura Mazda, die allerhöchste umfassende Weisheit des persischen Zarathustra, die gleichzeitig auch die über alles und in allem wirkende Kraft aller Welten ist. Wenn auch die Menschheit nur in staunendem Anbeten vor ihr stehen kann, ohne sie wahrlich zu begreifen, so sind wir doch alle und ist das ganze All mit allen Geschehnissen und Bewusstheiten in ihr, der Urmonas geborgen, aus ihr sind alle weiteren Monaden hervorgegangen und in eine teleologische Evolution eingebunden, die alle Monaden und ihre vollendeten Wesen einmal wieder in dem universalen Bewusstsein, der Urmonas aufnimmt.
So steht in der Genesis geschrieben: zu Beginn der Schöpfung schwebte der Geist über den Wassern. Auch hier wird das göttliche Bewusstsein, die Wahrheit, die Sophia mit der fundamentalen Kraft – den lebenden Wassern, Symbol für die stets fließende, nie versiegende Kraft Taos – verknüpft. Die Schöpfung und alles was in ihr geschah, geschieht, und geschehen wird, entfaltet sich aus dem Geist, dem kraftvollen Bewusstsein, dem All-Wissen, der hohen Weisheit, der einen ungeteilten Wahrheit und den sieben Kräften, den Energien des Heiligen Lichtes, der Lebens-Vibration oder der Sphären-Musik.
Es ist der Sohn des Vater-Mutterfeldes, die erste Monade, das umfassende Bewusstsein. Sie offenbart sich sofort in der Dreiheit. Geist (Bewusstsein), Dynamik, Schöpfung (Realisation), der Ursprung von allem, die Offenbarung und der heilige Geist oder der Vater, der Sohn und die Mutter. Diese Trinität des Daseins durchtönt alle Kreationen im All bis hinein in die kleinsten Handlungen jedes animalischen Seins. In jeder Handlung klingt ein sinngebender Impuls, ein Gedanke und ein entscheidender Plan, ein Bedürfnis zur Realisation. Jede Handlung wird mit einer Kraft im Gefüge eines Gedankens und Begehrens durchgeführt. Oder andersherum gesagt: ohne Begehren und Bedenken entsteht keine Aktivität, ohne geplante energetische Wirkung wird keine Tat, keine Veränderung durchgeführt – offenbart sich keine Schöpfung. Jede Evolution steht in einer Idee (1), geschieht nach einem Plan (2), wird mit Energie vollzogen (3).
Nun ist es allerdings nicht so, wie es sich im Islam darstellt. Hier unten lebt der Mensch in seiner irdischen Welt und da oben ist dann allumfassend Allah. Das kosmische Geschehen ist in einer abgestuften Hierarchie aufgebaut. In sieben kosmischen Gebieten, wirken in den sieben Dimensionen sieben Kraftfelder. So gibt es dann auch im Allgeschehen einen Unterschied zwischen dem universalen und dem universellen Bewusstsein, der von besonderer Bedeutung ist, insofern die verschiedenen Strata und Galaxien im Universum richtig verstanden werden. Zunächst wäre dabei zu klären, dass das Bewusstsein selbst ein ganz besonderes Kraftfeld ist. Wie in vielen Schriften bereits dargestellt, ist es die Kraft, die allem Leben und allen Wesen, Entitäten, Kosmen und Mikrokosmen immanent ist. Es wird in China Tao genannt oder in der modernen Philosophie  PSI, Chi, oder in Indien von Shankara die Akasha, also die das All tragende fundamentale Vibration, das universelle Meer der lebenden Wasser. Eine Kraft ist immer auch eine Energievibration, in diesem Falle ist sich diese Kraft ihrer Selbst bewusst, ganz gleich in welchem Teilchen oder Teil der Gesamtschöpfung sie sich offenbart. Das alles umfassende Bewusstsein von Anbeginn bis in alle Ewigkeiten ist das universale Bewusstsein, die Urmonas, das allumfassende Schöpfungsfeld im unkennbaren Gott. Dieses beweist sich zum Beispiel auch als Bewusstheit in der Sonnenmonade, aus der Christus hervorging, um dem Kosmos Erde bei seiner Evolution zu helfen. Im Sonnenlogos vibriert ein universelles Bewusstsein, von dem ein Anteil im Kosmos der Erde als kosmisches Bewusstsein für das irdische Leben wirkt, und ein mikrokosmisches Bewusstsein aus der Monade dem Menschen für sein Denken zur Verfügung steht.

Im Mikrokosmos könnte man also ein umfassendes aurisches Bewusstsein erkennen.  Zudem gibt es in jedem einzelnen Kraftfeld des Mikrokosmos und des Kosmos, also im Äther, in der Astralis, in der Mentalis usw. jeweils ein eigens Bewusstsein. Alle „unteren“ Bewusstheiten sind anteilig in den höheren aufgenommen. Somit sind alle Bewusstheiten aller Galaxien und Kosmen des totalen Universums stets im universalen Bewusstsein eingebettet und kohabitieren miteinander. Grundsätzlich ist dabei auch zu bedenken, was den irdischen Vorstellungen von Kraftfeldern nicht unbedingt entspricht: Das Bewusstsein ermöglich auf jeder Stufe, auch im kleinsten Atom, ein Erfassen von sich selbst und der näheren Umgebung, auch der Kraftfelder in das es eingebettet ist, ein Bewerten der sich entwickelnden Sensationen, der erfassten Ereignisse und Zusammenhänge, sowie ein Bedenken und Planen von Reaktionen und ein Anlegen von Gedächtnisinhalten nach dem Isobaren Resonanzgesetz in kleineren oder größeren Modulen, Strings oder Holokumulies, Kluster o.ä. Von dort kann das Wahrnehmungsorgan des Bewusstseins, der Verstand, manchmal auch Vernunft genannt, – was nur eine Art von Selektionsmöglichkeit nach ideellen Vorstellungen bedeutet –, bestehende Erinnerungen aus den diversen Gedächtnissen abrufen und in das allgemeine Bedenken mit einbinden. Genau so wie wir uns das Denken vorstellen. Allerdings können die Aktionen des Bewusstseins in den drei höheren Kraftfeldern der nirvanischen Sphären nicht wirklich beschrieben werden. Es fehlen dafür einfach die geeigneten Worte. Und selbst wenn sie von einem Eingeweihten den Menschen in einer Vision geschenkt würden, wer vermöchte es dann richtig verstehen? (Selbst Christus, der große Eingeweihte in diese Mysterien, ist von seinen Aposteln nicht wirklich verstanden worden.) Heute würde es allerdings schon ausreichen, wenn sich viel mehr Menschen aus der Überschattung der dogmatischen Weltanschauungen, Philosophien und Religionen hervortreten könnten, um sich in das klare Licht des universellen Bewusstseins ihrer Monade oder des Christus zu stellen.

In unserer Natur findet jede Verwirklichung, jede neue Realisation in einem stofflichen Substrat statt, das nach der Absicht der höheren Kraftfelder – Astralis und Mentalis – über den Äther Form und Gestalt erhält. Die Realisation in der stofflichen Wirklichkeit kann nur innerhalb einer bewussten Triade geschehen, wobei die gemeinsame Wirkung aller Stofflichkeiten sehr unterschiedlich sein kann. Denn die unstofflichen Kräfte und ihre Manifestationen können die Menschen in dem materiellen Lebensfeld mit ihren fünf stofflichen Sinnesorganen nicht wahrnehmen. Da diese selbst als Organ aus Atomen und Molekülen mit einem stofflichen Körper über Nervenbahnen mit dem stofflichen Gehirn verbunden sind, können sie eben nur die äußeren materiellen Erscheinungen der Gegenstände oder Eriegnisse dem aktuellen Denken vermitteln. Nur die äußeren grobstofflichen Erscheinungen manifestieren sich wahrnehmbar in unserer sinnlichen Welt, obgleich sie ohne das Energiepotential des Ätherfeldes selbst niemals existent wären.

Ob es ihm nun bewusst ist oder nicht, bei allem Tun und Handeln steht der Mensch stets im Verbund mit allen ihn umgebenden Kräften, die ihn beim Denken, Begehren und Handeln leiten und führen, ja, die ihm das Bewusstsein seiner Aktivität in der Form schenken, so dass er sagt: Ich habe es getan! Allerdings hören wir von Gustav Meyrink, zitiert in seinem Traktat „Die Verwandlung des Blutes“: In dem indischen grandiosen Epos „Die Bhagawadgita“, das ausführlich über Yoga spricht, wie wohl kein zweites Buch, heißt es: »Jedwede Tat, die hier geschieht, geschieht nach dem Naturgesetz.–‘Ich bin der Täter dieser Tat‘ – ist selbstgefälliges Geschwätz!« – Alles Handeln durch den Menschen, alles Wirken des Mikrokosmos für den Kosmos, kann nur geschehen, weil in ihm eine Anknüpfungsmöglichkeit mit den Kraftfeldern des All implementiert ist. Er ist nicht die Kraft selbst, aber sein Leben zeugt von den Kräften, die durch ihn wirken können. Darum sagt auch Johannes im NT: «Ich bin nicht der Messias, aber ich zeuge von ihm.» Es wird in diesem heiligen Buch nicht nur eine Prophetie geschildert, sondern in ihm wird eindeutig auf eine grundlegenden Gesetzmäßigkeit in der Schöpfung hingewiesen. Jede Tat aus bewusstem Krafteinsatz kann nur geschehen, weil der Handelnde lichtfähig ist – wie Eckartshausen sagt – weil seine mikro-kosmischen Kraftfelder die Kräfte aus dem All assimilieren und diese für die beabsichtigte Aktion wirkfähig umwandeln. Jeder Mensch vermag darum nur die Energie verwenden, die mit ihm eine Verbindung eingegangen ist, weil sie von ihm angezogen werden konnte und ihn darum durchströmt und belebt. An der Art und Weise, Dynamik und Melodie, sowie der Zusammensetzung dieses Stroms von Kräften kann jeder Mikrokosmos gesehen und von dafür geeigneten Wesen – Menschen, Devas, etc. – erkannt werden. Dies geschieht in vielfacher Hinsicht, zumal die Menschheit als Ganzes einen Auftrag zu erfüllen hat, wobei jeder, ebenso wie in einem Orchester bei einer Symphonie seine Partitur zu spielen hat. Diesbezügliches Fehlverhalten wird liebevoll korrigiert, was sich bis in körperliche Veränderungen auswirken kann, die vom Menschen nicht unbedingt für gut befunden werden.

Aus dieser Sichtweise ergibt sich eine weitere sehr bedeutsame Perspektive. Jedes Lebewesen, jeder einzelne Mensch, jedes Tier, jede Pflanze ist an seinem Platz und auf seine Weise immer ein mitverantwortlicher Akteur im Allgeschehen. Denn alles, was irgendwo geschieht, ist stets eingebettet in das universale Bewusstsein, die Akasha, in die alles und alle anderen mit ihren Reaktionen ebenfalls eingebettet sind, und auch in die Energiefelder, die Wasser des Lebens, die für alle ausgegossen werden. Der bekannte Satz aus der Genesis: «Der Geist schwebte über den Wassern…» – sagt es sehr gut aus: alles Sein sind Kraftfelder mit Bewusstsein.

So wird uns in der indischen Philosophie, unter anderem in den Upanischaden und der Baghavadgita erklärt, dass Brahman im Menschen nur wirken kann, wenn Atman in ihm einen Platz gefunden hat. Die wahre Wissenschaft entfaltet sich also stets im Wechselspiel zwischen dem universalen Bewusstsein der höchsten Offenbarung des Siebengeistes, dem eingeborenen Sohn und der hervorbringenden Harmonie im Mikrokosmos. Alles Wirken des Menschen ist immer die wahrhaftige Offenbarung seines totalen Seins in allen seinen Feldern. Oder anders gesagt, in seinem Tun und Handeln zeigen sich stets die Kraftwirkungen, alle bewussten und unbewussten Absichten und Begehren, bilden sich die Komponenten ab, die ihn handeln lassen. Für den Menschen, der das weiß und sehen kann, bleibt nichts verborgen.

In unseren Tagen der beginnenden Aquariuszeit ist es eine der höchsten Aufgaben für alle Menschen, sich von allen Egoismen zu verabschieden und die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass jeder im Feld des allumfassenden Bewusstseins mit jedem verbunden ist. Jeder Gedanke, jede Handlung hat eine Auswirkung auf alle anderen Mitbürger unseres Lebensfeldes und darüber hinaus. Was sagt uns Mirdad (Akteur in dem gleichnamigen Buch von Mikhaïl Naimy) über unser Denken: «Jeder Gedanke ist wie mit großen Lettern an den Himmel geschrieben, und jedes Wort kann von aller Welt gelesen werden.» Und die Chaostheoretiker wagten zu behaupten: Ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Mexiko kann einen Tornado in China auslösen.
Liest man in den heiligen Büchern und Folianten, dann stolpert man ziemlich oft über Aussagen wie: Du sollst; Du musst! etc.. Es sollte einem bewusst werden, dass das alles keine Vorschriften und Gebote für einen verirrten Materialisten sind, der sich als unabhängige Persönlichkeit in der Freiheit seines Seins erfindet, sondern diese Aussagen formulieren ein prinzipielles Grundgesetz: Alles und alle sind miteinander verwoben wie in einem großen schillernden Seidentuch aus Marrakesch. Und wer an der einen Seite des wunderschönen Tischtuches einen Faden zieht, reißt möglicherweise die ganze Tischdekoration mit herunter. Im Nachhinein, wenn das Unglück geschehen ist, will es niemand gewesen sein. Und sie haben natürlich aus ihrer Perspektive eines Materialisten so recht, denn sie konnten die unstofflichen Wirkkräfte nicht mit ihren materiellen Sinnen und ihrer eingebildeten materialistischen Denkweise verfolgen.
Das Weltgeschehen beweist: es ist genug falsches Denken und Handeln von Menschenhand geschehen, in dem das Resonanzgesetz des irdischen Tränentals ignoriert wurde. «Sie haben Augen und können nicht sehen, sie haben Ohren und können nicht hören.» Dennoch wird das Chaos immer und immer wieder fortgesetzt. An allen Orten ist es zu merken und die Verwirrung und das Leid der Menschen wird täglich größer. Die Menschen verhalten sich wie der in der Ballade von J.W. von Goethe beschriebene Zauberlehrling, der die hervor gezauberten Besen nicht mehr beim Wasser-Holen bändigen kann.

Wer wahrlich geisteswissenschaftlich arbeiten will, wer zu höherer Erkenntnis kommen will, wird die heiligen Bücher und Philosophien aller Kulturen aus der Perspektive der menschlichen Evolution studieren müssen, die noch nicht abgeschlossen ist und noch auf ihre Vollendung im Allbewusstsein harrt. Aber nicht nur studieren und theoretisieren, bis die Gedankenwolken in den Hörsälen dick zum Schneiden geworden sind! Vielmehr sollte jeder Student die Quintessenz der Gedanken in die eigene Lebenshaltung hineinziehen, wenn die Theorien es ermöglichen. Wenn sich die Philosophien allerdings nur um sich selbst und ihre eigenen Aszendenten drehen, dann sollte man sie schnellstens dem Antiquariat überlassen. Dabei ist heute wohl weltweit ein alles entscheidender Schritt von möglichst vielen Menschen zu machen. Aber das wird in der uns umfangenden Sphäre der rächenden Äonen nicht so leicht werden. Nahezu alle Religionen und Philosophien, und natürlich alle ihnen unterliegenden Wissenschaften beschreiben „Gott“, oder wie er auch immer in anderen Sprachen oder Zivilisationen genannt wird, außerhalb des Menschen. Es ist immer ein Hier und ein Dort, hier der Mensch und dort das Göttliche, die Welt der Ideale. Mit dieser Annahme, Hypothese oder Fiktion, die diesem nahezu unausrottbaren Dogma der letzten Jahrtausende werden alle Gläubigen für einen Archont und seine Äonen ausgebeutet. Besondere Stärke und Ausbeutungsdramatik erreichten alle diejenigen Götter, die personifiziert und mit Hilfe von Statuen oder menschenähnlichen Plastiken dargestellt, mit Opfergaben verehrt und angebetet wurden, wegen egoistischer Wunscherfüllung. Aus meinem Elternhaus erklingt die mütterliche Ermahnung: „Hilf Dir selbst! Dann hilft dir Gott!“ Dieser Satz bekommt jetzt eine tiefe Bedeutung, denn es geht nicht darum, dass irgend ein Gott mir helfen wird, wenn meine kleinmenschliche Hilfe zu versagen droht, nachdem ich mich unsäglich bemüht habe. Nein und abermals nein. Der Gott ist nicht außerhalb des Mikrokosmos. Er ist ein wesentlicher Teil des Systems, sogar der absolut wesentlichste.
Ich muss ihn nur erwecken. Das Vermögen dazu ist implementiert: Atman, der eingeborene Sohn, die Verbindung mit der Monade. Für diese Erweckung der höheren Begehren, der höheren Astralfelder des Mikrokosmos, und des höheren Denkens und Erfassens mit den noch fehlenden Ansichten der Mentalis, muss der Mensch aktiv die Verwirklichung der persönlichen Heiligung in der Materie völlig aufgeben. Die Anhänger des alten Humanismus, der unsere Kultur hat versteinern lassen, lehnen eine solche Vision total ab. Sie stellen sich vor, der Mensch habe dann kein individuelles Ziel mehr, er verliert seine Persönlichkeit . Wie könnte der Mensch, der zu einem viel höheren Denken vorgestoßen ist, der alle niederen Begierden auf das biologische Minimum reduzieren konnte, ohne jedes Verzichtserlebnis, wie könnte er den Verlust seiner materialistischen Erscheinung als schmerzhaft erfahren? Ihm wurde die zur Zeit höchst erfahrbare Möglichkeit seines „göttlichen“ Bedenkens und Erfassens geschenkt, eingebunden in die Gedächtnisse aller mentalen Felder des Sonnenkosmos. Die aktuelle Persönlichkeit ist nicht das höchste Gut des Menschen und auch nicht die Krone der Schöpfung. Sie ist Teil eines sich entwickelnden Mikrokosmos, einer sich weiter entfaltenden Zelle innerhalb des Kosmos, die zu einem neuen Evolutionsschritt gedrängt wird. Die Überlieferungen und die kosmischen Entwicklungen fordern die Menschheit auf, alles irdische materielle Hin- und Hergeschiebe auf allen Ebenen, also Sport, Kommerz, Kunst, Kultur, Humanität Karitas und Religion, insoweit es über die Grunderfordernisse der irdischen Existenz hinausgeht, aufzugeben, um zu dem einen fundamentalen Ziel zu gelangen. Das wahrhaft erwachte Denken und Erfassen stößt vor in einen weiteren Bereich der universellen Kommunikation des universalen Bewusstseins, in dem die Wesen und Entitäten für die Kohabitation aller Galaxien im All wirken. Dafür kann bereits heute die persönliche stoffliche Existenz viel weiter begriffen und als ein Instrument des Erwachsenwerdens verwendet werden, während sie gleichzeitig, ohne Schaden zu nehmen, mit dem kollektiven Leben aller Kosmen des Sonnenlogos verschmilzt. Das Motto, das dem Hermes Trismegistos nachgesagt wird: «Alles empfangen, alles umwandeln und dann alles wegschenken!» – ist die grundlegende Formel für das universelle Resonanzgesetz, für die Wirkung und Erleuchtung allen Seins. Die Schöpfung im All verläuft nach diesem Spiegelgesetz: «Gib, so wird Dir gegeben.» Wer viel gibt, dem wird viel gegeben. Wer wenig gibt, dem wird auch das noch genommen, was er bereits hat, sagt Jesus im NT zu seinen Jüngern!

Trennen wir uns endgültig von den Ideologien der experimentellen Freiheitsphilosophie der vergangenen Jahrhunderte und beginnen wir als wahrlich moderne Menschen zu akzeptieren, dass viele Hinweise im Neuen Testament oder anderen heiligen Büchern keine Gebote oder Verbote sind, denen wir von „Gottes“ wegen gehorchen müssen, wobei wir uns unter Umständen noch überlegen können, ob wir sie befolgen müssen oder nicht. Die Gesetze, die Jesus konkret und in Gleichnissen vor seine Jünger oder Zuhörer stellt, weisen auf die grundlegenden, stets ablaufenden Gesetze hin. Alles Leben und Sein läuft nach diesen einmal gesetzten Prinzipien des Universums ab. Und es ist noch niemals ein Held geboren oder ein Demiurg geschaffen worden, der auch nur einen Tüttel daran ändern konnte. Jeder wird das ernten, was er gesät hat, auch wenn er längst kein Bauer mehr ist. Auch ein Banker wird seinen Lohn einstmals erhalten, je nach der Messlatte seiner Verwirrspiele. In dem fundamentalen Prinzip der Nemesis, der isobaren Resonanz, zeigt sich das Bild der Verantwortung eines Jeden für sich selbst, aber auch seine sehr persönliche Verantwortung für die ganze Schöpfung. Daran wird er nach seinem stofflichen Ableben gemessen werden. Da auch sein Mikrokosmos einmal als ein voll funktionsfähiges Werkzeug in das Allgeschehen integriert werden soll, wird er im Jenseits ganz besonders für ihn kalibrierte Ereignisse absolvieren müssen, die dann auch seine Einsichtsfähigkeit trainieren und zu höheren Denkmöglichkeiten befähigen wird.

Wer heute bereits bei allen seinen Aktivitäten immer weiß, dass er in der fundamentalen Kraft des Allbewusstseins geführt wird, die von vielen Menschen als Christus bezeichnet wird, von dem Kraftfeld, ohne das wir Menschen ohnehin nichts tun können, der bekennt jetzt schon einen Irrtum der Selbstheit, die Verlogenheit des Egoismus. Ein solcher Mensch wird in einen Strom des evolvierenden Bewusstseins aufgenommen, denn die Barmherzigkeit, die Liebe und die Weisheit des Allbewusstseins sind stets vollkommen. Die Harmonie und die Ordnung im All werden durch das Resonanzgesetz beschirmt, bis alle Evolution zum universellen Bewusstsein erfüllt sein wird. In der ägyptischen Urgnosis kann man den uralten Gedanken finden: „Wer sich innerlich sorgfältig in die Evolution seines Denkens und Seins vertieft und alles damit verbundene mit den erwachenden Augen seines erhöhten Begehrens beharrlich betrachtet, wird den Weg zum erneuerten Denken und Erfassen finden; oder noch richtiger: Die Vorstellung des universalen Bewusstseins selbst wird jeden auf diesen Weg führen. Die innerliche Ausrichtung auf diesen Weg der Erleuchteten hat zur Folge, dass sie jene, die mit einer solchen Hinwendung einmal begonnen haben, in ihrer Macht umfangen hält und zu sich nach oben zieht, wie ein Magnet das Eisen.“
Bei aller Religion geht es also nicht um die Vernichtung oder Auflösung des bestehenden Menschen, sondern um eine grundsätzliche innere Evolution des Begehrens und Denkens. Innerhalb der anstehenden Inkarnationszyklen werden sowohl das Astralfeld als auch das Mentalfeld vollendet, damit in den nachfolgenden Inkarnationen die nirvanischen Felder dem Mikrokosmos eingegliedert werden können. Selbstertötung und Askese in allen ihren irdischen Erscheinungen sind Vortäuschungen. Letztlich dienen diese Fehlinterpretationen nur den jeweils zugehörigen Äonen, um den Menschen ihrer Äther und astralen Kräfte zu berauben, wie der Schäfer seine Schafe hält, um sie nach pfleglicher Behandlung jährlich scheren zu können. Ja, es ist eigentlich noch viel schlimmer. Jeder Verzicht auf die notwendigen körperlichen und psychischen Bedürfnisse des natürlichen menschlichen Miteinander bedeutet, dass ungenutzten Energien des Mikrokosmos freibleibend in das Jenseits ausgestoßen werden, wo sie sich entsprechend ihrer egoistischen Polarisation zusammenballen, um sich von dort erneut mit Menschen zu verbinden, die aus karmischen Gründen für sie empfänglich sind. Diese werden dann durch die unbewusste Beeinflussung zu höchst unappetitlichen Steigerungen, z.B. der Fresssucht oder der Sexualität angestiftet. Auch um diesen unüberschaubaren Folgen intelligent vorzubeugen, sollte sich jeder bei aller mentalen Ausrichtung normal und vollkommen natürlich verhalten, dem eigenen Körper und auch seinen Mitmenschen, der Natur und der Gesellschaft gegenüber, maßvoll und völlig neutral.


Worterklärung

Das Resonanzgesetz
Auf eine einfach Formel gebracht heißt es: Gleiches zieht Gleiches an. Es kann am schönsten mit einer Stimmgabel ausprobiert werden. Stellen wir eine Stimmgabel, die auf den Kammerton A‘ abgestimmt ist, fest auf eine Tischplatte. Spielt nun ein Pianist auf seinem Klavier den Kammerton A‘, dann erklingt auch die Stimmgabel und überträgt diese Vibration direkt auf die Tischplatte. Dieses Modell mit dem Piano und der Stimmgabel symbolisiert die Art und Weise, wie das ganze All miteinander kommuniziert. Es kann auch als die isobare Resonanz bezeichnet werden.

Nicht der Schwingungskörper als solches ist wirklich entscheidend, obgleich nicht unbedeutend, denn er muss rein schwingen können, sondern die spezielle Vibrationsaffinität, der Vibrationsschlüssel. Sympathie heißt Mitleiden. Man kann auch Mitschwingen sagen. Beachtet man dabei ein wenig die Wellentheorie der Physik, werden einige charakteristische Eigenschaften der elektromagnetischen Resonanz deutlich, die für alle Kraftfelder gültig sind. Für jede Welle oder Vibration kann eine Grundschwingung bestimmt werden, die von verschiedenen Parametern abhängig ist, denn die Schwingung entwickelt sich in einem Kraftfeld, in dem vor allem der Pulsator die Grundfrequenz – Länge und Amplitute der Wellen – bestimmt. Man könnte sie auch als Grundfarbe benennen oder als Grundton. Die Basisvibration bekommt dort Eigenschaften der Energie, Lichtfülle, Schnelligkeit und Intensität oder andere. Diese Grundschwingung kann von einer anderen Vibration, z.B. einer Melodie, überlagert werden, wodurch die Basisschwingung nicht verändert wird. Diese Überlagerungen, in der Musik als Melodien bekannt, können auf der Grundschwingung mehrfach aufgesetzt sein. Dabei müssen sie allerdings immer den selben Vibrationsschlüssel wie die Basisschwingung haben. Das ist natürlich immer gewährleistet, wenn Basisvibration und Melodie zum gleichen Kraftfeld gehören und dort integriert sind.
Die Menschen leben in einem Spiegelkabinett, könnte man sagen. In Indien ist der Begriff Maya für alles materielle Geschehen ganz normal. Alle Bewegungen in den Kraftfeldern des Mikrokosmos und alle Kommunikation mit diesen zu den Sphären des Kosmos ist nach den Spiegelgesetz oder Resonanzgesetz organisiert, ganz gleich ob mit der materiellen Wahrnehmung oder mit der ätherischen, astralen und mentalen „Schau“. Immer und überall gilt: „So wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es auch heraus!“ Darum gibt es auch den weisen Ratschlag: „Was Du nicht willst, das man dir tut, das füge keinem anderen zu!“ Da aber der Mensch, wie jeder bei sich selbst und in der Welt sehen kann, diesen Rat keineswegs ununterbrochen befolgen kann, und viele internationale Katastrophen gelegentlich das totale Gegenteil zu beweisen scheinen, gibt es wohl eine starke Behinderung dafür. Dennoch bleibt das Motto, das dem Hermes Trismegistos nachgesagt wird, stets und überall gültig: «Alles empfangen, alles umwandeln und dann alles wegschenken!» – ist die grundlegende Formel für das universelle Resonanzgesetz, für die Wirkung und Erleuchtung allen Seins. Die Schöpfung im All verläuft nach diesem isobaren Resonanzgesetz: «Gib, so wird Dir gegeben.» Wer viel gibt, dem wird viel gegeben. Wer wenig gibt, dem wird auch das noch genommen, was er bereits hat, sagt Jesus im NT zu seinen Jüngern!

 

Vision 13. Februar 2016; redigiert 15. Mai 2017

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10. Der Wille oder das Begehren

Neben der «Freiheit» und der «Liebe» wird auch der «Wille» als eine selbstverständliche Eigenschaft von Göttern und  Menschen angesehen.

Viele Begriffe für das tägliche Miteinander sind im allgemeinen Sprachgebrauch über Jahrhunderte so selbstverständlich verankert, wie das AMEN in der Kirche. ohne Von einigen philosophischen Betrachtungen einmal abgesehen, interessiert das eigentlich niemanden wirklich, was mit diesen Begriffen nun ganz konkret gemeint ist. Wenn solche Worte, wie «Glaube, Freiheit, Liebe, Gott, Wille, Geist» etc. einmal ernsthaft nach ihrer tieferen Bedeutung gefragt werden, dann wird es schon problematisch. Jeder normale Bürger hat sich im Laufe seines Lebens seine eigene subjektive Vorstellung von den immer wiederkehrend gebrauchten Begriffen gebildet und sie in die mehrheitlich akzeptierten Weltmodelle integriert, die von den landläufigen Medien meist unbedacht publiziert werden.

Auch wenn vielfach der Satz ausgesprochen wird: „Ich will das jetzt!“ oder unter erlauchten Hoheiten der Hinweis : „Es ist Gottes Wille!“ gegeben wird, sollte die Frage gestattet sein: Kann der Mensch oder ein Gott so etwas wie den «Willen» besitzen oder über ihn uneingeschränkt verfügen, der doch wirklich keine substanzielle Qualität hat? Dass diese Eigenschaften einem herrschenden Menschen zugeeignet werden, gehört zu den ganz besonderen Phänomenen unserer Kulturentwicklung. Immer wieder wird die exakte Bedeutung unter Fachleuten und Philosophen kontrovers diskutiert. Philosophie und Religion können sich keineswegs einig werden, wie und wo der Wille in der Persönlichkeit verankert ist. Ein Journalist fragte einmal einen deutschen Politiker provokant: «Wo lassen Sie denken? » – Ähnlich könnte man jemanden fragen, der gerade seinen Willen vehement kund getan hat: «Wo und was ist das, Dein Wille? Woher kommt er?» – Sicherlich wird er dazu im aktuellen Geschehen keine wirklich erklärende Antwort geben wollen, selbst wenn er dazu geneigt wäre, denn er kann es nicht wissen. Was bleibt, ist die der verstärkten verbalen Akklamation: «Ich will es nun einmal so!»

Wer etwas genauer auf die Bedeutung «Ich will» hingeschaut hat, wird sich zunächst die Frage stellen, ob der Sprecher überhaupt schon mal weiß, wer oder was sein «ICH» ist, das sich hier mit einem eigenen Willen so machtvoll positioniert. Noch weniger wird dem Willenstyp klar sein, wer oder was in der Vermischung verschiedener Absichten und Kräfte des mikrokosmischen Systems tatsächlich über seine begehrte Aktion verfügt. Trotz oder gerade wegen dieser fundamentalen Problematik wollen wir hier im Rahmen der mikrokosmischen Weltsicht das Thema «Wille und Begehren» unter bislang unbedachten Perspektiven vorstellen. t?


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn bitte mir zu.  Vielen Dank.


Dabei soll zunächst einmal der Frage nachgegangen werden: Warum ist gerade der vielfach deklamierte «freie Wille» ein derart stark emotional befrachteter Aspekt der Menschen, insbesondere unter Journalisten und Politikern der westlichen Demokratien?

In den heiligen Schriften aller Zeiten und Völker wird stets von einem überirdischen Willen, dem «göttlichen Willen» gesprochen. So steht z.B. im Neuen Testament die Aussage: «Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe, o Herr.» Oder «Es geschehe nach Deinem Willen…“. Vergleichbare Aussagen können auch in den Veden bzw. der Bhagavat-Gita oder den Upanishaden gefunden werden. Nach Mohammeds Aussagen, die später einmal im Koran versammelt wurden, geschieht beim Islam ohnehin alles nach Al-lahs – Gottes Willen. Aber auch im fernen China sind sich die Menschen der Leitung durch eine höhere göttliche Wesenheit ständig bewusst, die einmal den Kosmos erschaffen hat. Hier, in diesem Zusammenhang, mag der Begriff «Wille» für die überphysische göttliche Schaffensdynamik mit aus prinzipiellen Überlegungen angebracht zu sein. Doch auf der menschlichen Ebene müsste man bei genauem Erwägen der diversen Kraftströme, in die Welt und Menschheit eingebettet sind, doch einmal in Frage stellen dürfen, ob der irdische Mensch so selbstverständlich über ein eigenes Aktionspotential verfügt, das man «eigener Wille» nennen kann, wie es unbestimmt im täglichen Miteinander verwendet wird.

Vielleicht sollte man dabei auch einige damit zusammenhängende Dogmen überdenken, die als Eckpfeiler des modernen Denkens über die antiken Philosophien bzw. Kosmologien bei den modernen Bürgern der westlich christlichen Zivilisationen so zwingend geworden sind. Es wird heute als völlig selbstverständlich hingenommen, dass einige unbestimmte Werte und menschliche Eigenschaften das soziale bzw. gesellschaftliche Geschehen regeln und beeinflussen, die von der freiheitlichen autonomen Persönlichkeit ausgehen. Dabei spielt der Wille eine ganz eklatante Rolle, dieses spezielle Aktionspotential des selbständigen europamerikanischen Individualisten. Dass insbesondere mittelalterliche Potentaten im Orient oder reiche Oligarchen im Raum der ehemaligen Sowjetunion für ihre Machtentscheidungen gerne diesen Begriff verwenden und ihre Untertanen an fauchen: «Hier geschieht alles, so wie ich es will!» wird als völlig natürlich hingenommen. Doch gerade dann, wenn starke, emotional aufgeladene Aggressionen den Raum ausfüllen, ist die Frage eines Kenners der Psychologie wohl berechtigt, wessen Absicht mit diesem «Ich will» nun wirklich zum Ausdruck gebracht werden soll.
Unter Berücksichtigung der verschiedenen Kraftfelder im Kosmos und den darin regierenden Asuras bzw. Äonen unter dem Firmament, kann von jedem Menschenleicht erkannt werden, dass gerade die Fürsten, Könige und sonstigen Herrscher und Größen dieser Welt total abhängig von ihren Landes-Äonen bzw. Archonten – oder Dschinns – handeln und entscheiden müssen. Diese Fürsten unter dem Himmel (Paulus) sind die wahren Bestimmer über vieles, was auf Erden geschieht – im Großen wie im Kleinen. Wer da sagt: «Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe!», bekennt seine Realität mit der eindeutigen Abhängigkeit zu einer übermenschlichen Größe. Dabei ist im Augenblick nicht zu unterscheiden, ob diese metaphysische Überschattung nun einem guten Gott oder einem unguten Wesen im Jenseits zugebilligt wird:

Jeder Mensch wird aus den unstofflichen Lebensfeldern gelebt.

Die Kerndynamik aller Kosmen und Mikrokosmen liegt in der Astralis, dem dritten Kraftfeld von insgesamt sieben Feldern (Siehe Kapitel 5. Der Mensch ein Mikrokosmos). Im Gedächtnis der Astralis werden alle Intentionen, Begierden, Absichten, Wünsche, Gelüste, des Zorns, Hasses, alle Flüche und alle Bitten für die physische Selbsterhaltung gesammelt. Gleichermaßen werden im kosmischen astralen Feld der Erde diese emotionalen Bewegungen und Äußerungen aller Menschen kumuliert gespeichert und auch permanent auf die Menschheit wieder zurück gespiegelt. Das bedeutet, dass alle Gefühlsausbrüche – egal in welcher Richtung, positiv oder negativ, – isobar resonant mit den aktuellen Aktivitäten aus dem Jenseits verstärkt beantwortet werden.
Will man also diesem Thema einigermaßen gerecht werden, darf man sich nicht in den über Jahrtausenden entstandenen naturwissenschaftlichen Theorien und philosophischen Feststellungen antiker «Autoritäten» und deren Interpreten verheddern. Darum richten wir die Aufmerksamkeit wiederholt auf die ganz einfachen Lebensvorgänge und Wechselwirkungen im Mikrokosmos und auf alles, was ihn sonst noch dominiert.

Ein einfaches Bild aus den Pyrenäen kann dabei helfen, das innerliche Geschehen etwas plastischer zu machen: Die Bartgeier, eine besonders prachtvolle und durchaus clevere Vogelart, die in den höchsten Berggipfeln kreisen, haben eine praktische Methode gefunden, um Knochen, die für sie zum Verschlingen zu groß sind, zu zerkleinern. Sie nehmen den großen Knochen in ihren Schnabel und fliegen mit ihm so 50 bis 60 Meter hoch und lassen den Knochen dann aus dieser Höhe auf einen ihnen bekannten Felsenabschnitt fallen, wo er überschaubar dann in einzelne kleine Teile zerbricht. Jetzt können diese problemlos von den Geiern verschlungen werden.

Zur Erläuterung der vorliegenden Gedanken stellen wir bei dem Bild als erstes fest: wenn der Bartgeier den Knochen fallen lässt, dann will der Knochen nicht nach unten fallen. Der Knochen wird, er muss fallen, weil er in das Kraftfeld der Erdanziehung eingebettet ist. Darum zieht ihn sein eigenes Gewicht unwiderstehlich nach unten bis auf den Widerstand, den vom Bartgeier ausgesuchten Felsen. Jeder Betrachter wird bestätigen können, der Knochen fällt nicht, weil er es will, sondern wegen der Schwerkraft.
Als zweites, der Bartgeier ergreift den Knochen, fliegt mit diesem Teil im Schnabel in die Höhe. Von einer bestimmten Höhe aus lässt der Bartgeier den Knochen auf die ausgewählte Stelle fallen. Hier wäre die Frage berechtigt: «Will der Bartgeier das?» – Oder benutzt dieser diese Methode nur darum, weil er es so von seinen Eltern gelernt hat? Jeder Verhaltensforscher wird bestätigen, der Bartgeier tut es «instinktiv», weil er es so von den anderen Bartgeiern gelernt hat und ohne dieses Verfahren nicht überleben würde.
Dann entspräche sein Handeln auch nicht seinem Willen, schon gar nicht einem «freien» Willen. Diese Handlung dient der Befriedigung seiner Notdurft «Hunger» – also Fressen, Nahrungsaufnahme zur Energiegewinnung. Das muss jeder Bartgeier täglich tun, damit er und seine Jungen in der wilden Landschaft der Pyrenäen überleben können. Also ist diese Handlung nicht die Aktion von einem «eigenen Willen» im allgemeinen Sinn des Wortes, sondern nur die Folge der natürlichen, lebensnotwendigen Bedürfnisse, auch wenn hier eine äußerst raffinierte Methode eingesetzt wird, Diesem astralen Vorgang würde ein Psychologe eher den Begriff «Begehren» oder «Begierde» zuordnen.

Viele Vorgänge im menschlichen Zusammenleben lassen sich in Struktur und Dynamik auf dieses Beispiel reduzieren. – Wenn man ohne subjektive Überbewertungen die menschlichen Handlungen und Ambitionen besonnen im Detail betrachtet, wird man feststellen: Die meisten Handlungen und Aktionen der Menschen können ohne Weiteres mit dem beschriebenen Beispiel verglichen werden. – Zahlreiche, wenn nicht gar alle menschlichen Handlungen, die mit dem Gedanken, «das wollte ich» begleitet werden, sind ein lebensnotwendiges «Befolgen-Müssen» oder ein «instinktives Re-agieren» aufgrund diverser natürlicher Bedürfnisse, Begehren oder anderer sogenannter «Sachzwänge» des täglichen Daseins, die sich aus dem komplexen Zusammenspiel aller systemrelevanten Kräfte ergeben haben.

Vor Jahren wurde zum «willentlichen» Handeln eine interessante wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt: In einem neurologischen Institut wird ein Proband an ein hochempfindliches EEG (Elektroenzephalogramm) angeschlossen, das insbesondere die feinsten elektrischen Ströme jener Hirnareale überwacht, die in diesem Falle mit der Armbewegung und dem rationalen Denken in Verbindung gebracht werden. Nun wird dem Akteur vom Leiter der Forschungsgruppe gesagt, er solle den Arm heben. Daraufhin hebt der Proband seinen Arm. Mit dem EEG wurden dabei die feinsten Veränderungen aufgezeichnet, die bei dieser Aktion in den Nervenzellen geflossen sind. Bei diesem übrigens mehrfach durchgeführten Versuch konnte signifikant ermittelt werden, dass sich der Arm hebt, bereits Millisekunden bevor der Mensch gedacht hatte, er «will» den Arm heben! – Also der Gedanke: «Ich will den Arm heben», entstand eigentlich erst nach dem Beginn der durchgeführten Handlung. Darum wurde von den Forschern die Frage gestellt: Wer oder was hat gehandelt, bevor der Kandidat «gewollt» hat? – Ist das, was wir «Wille» nennen, letztlich nur eine rückwirkende mentale Rationalisierung einer Dynamik auf einer anderen, unstofflichen Ebene? Die Absicht der Forscherteams wurde vom Probanden mit dem konkreten Begehren «Arm heben» beantwortet. Die elektronische Überwachung realisierte diesen Vorgang, dargestellt in einem Oszillographen. Die Aufzeichnungskurve wurde vom Forscherteam interpretiert. Es wurde festgestellt: Erst setzte die Bewegung und dann, also zeitversetzt, folgte die nervliche Aktion.

Befassen wir uns vorübergehend mit den allgemein anstehenden philosophischen Diskussionen unserer Zeit. Vom alten kartesianischen Leib-Seele-Dualismus wollen heute übrigens die modernen Psychosomatiker nicht mehr viel wissen; doch im modernen Gewand der wissenschaftlichen Feststellungen über Gehirn und Bewusstsein versteckt sich bei vielen Neurologen und Psychologen trotzdem immer noch die blasse Gestalt eines kalten Dualismus, selbst wenn sie sich als Monisten und Identitätstheoretiker darstellen. Die immer wieder erneut diskutierte Frage nach dem freien Willen ist heute noch höchst brisant. Frau Susan Blackmore ist Gastdozentin an der University of the West of England in Bristol und forscht vor allem auf dem Gebiet der Meme und der Memetik, der Evolutionstheorie, des Bewusstseins und der Meditation. Blackmore selbst bekennt in ihren Darlegungen mehrfach, dass sie selbst – den Willen – für eine Illusion hält. In einem Interview mit anderen Wissenschaftlern driften die Antworten der Gesprächspartner in Bezug auf den «Willen» ebenfalls weit auseinander und ähneln mehr «Glaubensbekenntnissen» als wissenschaftlichen Aussagen: „Ja, er ist eine Illusion . . ., aber er fühlt sich sehr real an.“ oder „Die schnelle Antwort lautet, dass ich mein Gefühl der Freiheit für ein ursprüngliches, natürliches Gefühl halte.“ – „Wahrscheinlich nicht.“ – „Mir bleibt keine andere Wahl, als an den freien Willen zu glauben!“ – „Der bewusste Wille ist gewissermaßen ein Epiphänomen.“ – „Vielleicht ist er eine Illusion, aber wenn man an die Illusion glaubt, ist es ja, wie wir alle wissen, keine mehr.“ – Selten ist ein schlichtes «Ja», häufiger liest man: „Ja. Ja, ich sollte vielleicht «Jein» sagen . . .“.

In der aktuellen philosophischen Diskussion über die Willensfreiheit zeigt sich, dass – psychologische Verfeinerungen hin, neueste Hirnforschung her – weiterhin die traditionelle Differenz zwischen Bestimmtheit und Unbestimmtheit besteht. Bei der Sichtung aller philosophischen Betrachtungen über den Willen kommt man sehr bald zu der Erkenntnis, dass es für die Begriffe «freier Wille» oder «Willensfreiheit» wirklich keine allgemein anerkannten Definitionen gibt. Es muss dabei auch unzweifelhaft festgestellt werden, dass es keine konkreten Definitionen oder Qualitätsbeschreibungen dieser so benannten menschlichen Aktion gibt, die eine derartige Sinngebung des «Willens» begründen würde. Es ist doch ungeheuer interessant, dass der Wille als solches für jedermann eine selbstverständliche Qualität des eigenen Seins ist, obgleich konkret gesagt, niemand weiß, nicht einmal die naturwissenschaftlichen Fachleute genau wissen, was der Wille im Menschen eigentlich ist und wo er im Körper oder der Psyche seinen Platz hat.
Dabei sollte man jedoch ganz klar vor sich sehen, dass alle Menschen – Wissenschaftler oder Philosophen nicht ausgenommen – von dem sie umgebenden gesellschaftlichen Kontext und den sie beherrschenden Dogmen und Lebensanschauungen geprägt sind. Der Mensch sieht und erfährt was ihm seine Vorstellungen einspiegeln. Er denkt, was er glauben darf, was unter die anerkannten naturwissenschaftliche Parameter fällt. Alles andere bleibt bei seinen Untersuchungen absolut ausgespart. Diesem international akzeptierten Denkmodell entsprechend, erklären sie in ihren umfangreichen Betrachtungen menschlicher Regungen natürlich auch den Begriff «Wille» oder «freier Wille». Diese fallen im Rahmen ihres subjektiven Settings äußerst unterschiedlich aus, je nach dem, was von der Gemeinschaft, in der sie aufgewachsen sind, auf breiter Basis akzeptiert wird.

Umgangssprachlich versteht man selbstverständlich unter «freiem Willen» oftmals etwas ganz anderes als im juristischen oder im psychologischen Sprachgebrauch. So kann man auch konstatieren: der «Wille» ist nur eine zusammenfassende Definition für bestimmte selbstbehauptende Ansprüche eines Menschen, die seinen Begehren, Begierden, Wünschen oder Habsüchten Ausdruck verleihen. Diese zielgerichteten Intentionen – meistens zum Schutz persönlicher Vorteile oder politischer Herrschaftsansprüche – bekommen dann, wenn es für die massive Überzeugung in einer argumentativen Interpretation gegen anders laufende Interessen notwendig erscheint, den überhöhenden ideellen Anstrich «Wille» oder nochmals potenziert «der Wille des Volkes» und als höchstes autorisierendes Siegel «der Wille Gottes» aufgedrückt.

Schon bei dem Wort «Wille» wird je nach Situation und Kulturkreis etwas anderes gemeint:

  • bloße Lebensaktivität, aufgefasst als Lebensdrang;
  • emotionale Notwendigkeiten auf der Basis von Mangelerscheinungen,
  • sexuelle und andere physische Begierde;
  • das Vorhandensein einer Neigung, eines inneren Sehnens oder Begehrens;
  • das innere Wunschpotential drängt zur Aktivität;
  • das impulsive Begehren, aus Neugierde, Habsucht oder Gier;
  • das Verfolgen von persönlichen Absichten, das Anstreben von idealen Zielen humanitärer, karitativer, kultureller oder politischer Art, etc.;
  • das notwendig erscheinende Umsetzen einer persönlichen Entscheidung in die Tat auf der Basis von speziellen Überlegungen und/oder gesellschaftlichen Verpflichtungen.

Die Diskussion um einen beschränkten, determinierten oder unbeschränkten, indeterminierten Willen sind spekulative Beschäftigungen in einem philosophischen Elfenbeinturm weit über jede nachvollziehbare Wirklichkeit hinaus.
Bei einer neutralen sachlichen Rückschau auf die vielfältigen Zusammenhänge von Kräften, Bewusstseinsdimensionen und Gedächtnisstrukturen in unserem Lebensraum – die ausführlich in den vorhergehenden Kapiteln erläutert werden –, frei von allen sonstigen eigensinnigen Emotionalitäten, kommt man eigentlich zu einem recht fatalistischen Schluss:

«Der freie Wille ist in Wahrheit nur eine Illusion!»

In der natürlichen Polarität dieser Welt wird dem Menschen gerne die Wahlmöglichkeit zwischen Licht und Schatten als eine menschliche Freiheit vorgegaukelt. Da der Mensch aber stets von ihm unbekannten Faktoren bestimmt wird, die in dem empirisch naturwissenschaftlichem Weltbild keinen Platz finden, ist selbst diese angenommene Wahlmöglichkeit nur ein Hinterher-Reagieren. Meistens haben die den Menschen führenden Kräfte aus seinem Mikrokosmos oder die diesen begleitenden Wesen aus dem Jenseits bereits entschieden, was für ihr Überleben wichtig und gut ist. Da dem Menschen die Zusammenhänge seines Daseins entgehen, weil er die unstofflichen Kraftfelder seines Mikrokosmos und im Kosmos (Jenseits) ignoriert, erscheint es ihm so, als würde er selbst frei entscheiden können. Jedoch entbehrt er dabei jeder Freiheit. Das Dilemma ist noch etwas größer, als es zunächst aussieht, weil die allgemeine Verabredung aller demokratisch geschulten Menschen zur Willensfreiheit und die Interessen der Äonen bei diesem Thema kumulieren, kann der Mensch nichts anderes Denken. Das ist eine spezielle Art der Gehirnwäsche, die auch in anderen Themengebieten gerne angewendet wird. Je mehr ein Mensch die Zusammenhänge mit den Kräften des Äthers, der Astralis und der Mentalis in seinem Mikrokosmos erfassen kann, desto mehr kann er auch einsehen, dass sein Leben von zahlreichen Faktoren dominiert wird. In diesem Zusammenhang wäre der Roman von Johann Amos Comenius zu empfehlen: «Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens».
Müssen jetzt alle Menschen zu Fatalisten werden, für die sich die ganze Welt nach einer göttlichen oder dämonischen Vorsehung dreht? – Zu Beginn der Aquariusperiode ist unzweifelhaft die Zeit gekommen, über diesen Gesichtspunkt ausführlicher nachzudenken, und in die allgemeine Weltanschauung neue Eckpfeiler für den Handlungsspielraum der menschlichen Entscheidungen zu setzen. Dabei bleibt es allerdings nicht ausgeschlossen, einige tradierte Tabus aus ihren in jeder Kulturepoche erneut eingemauerten Verankerungen zu reißen.

Das Matriarchat wurde einstmals vom Patriarchat abgelöst, so schreiben es J.J.Bachofen in «Das Mutterrecht» und Erich Neumann in seinen ausführlichen Studien zum Genderthema. Das menschliche Treiben und Begehren hat seit 2000 Jahren seine Dimensionen und Machtstrukturen oberflächlich nach Wort und Methode wohl verändert, jedoch ohne wirkliche Änderung der fundamentalen Grundprinzipien von Egozentrik und steter Ausbeutung der Unterprivilegierten, wie ausreichend in den Geschichtsbüchern aller Kulturen dokumentiert wird. Die Aquariuszeit bricht jedoch der Menschheit im Laufe der Zeit ein neues Tor, durch das ein weiter Blick auf die Gleichberechtigung der Geschlechter möglich wird. Die harmonische Kohabitation zwischen Mann und Frau ist dann allerdings noch keine gelebte Wirklichkeit. Diese vor allen Menschen liegende Evolutionsstufe führt noch über einige gewaltige, von der Archaik und den davon abhängigen Äonen effektiv verteidigte Hindernisse. Die auf gigantischen Grundmauern fest errichteten Wände aus Tradition und Dogmatik verbauen allerdings einigen der herrschenden Köpfe aus den klassischen Religionen in Ost und West ein ehrliches und wahrhaftiges Nachdenken über die kosmische Zukunft unseres Planeten. In vedischen Kosmologien werden die Schöpfungskräfte wohl immer männlich-weiblich dargestellt, z.B. Krishna und Radha, Shiva und Durga. Jedoch scheinen diese göttlichen Vorbilder nicht wirklich von vielen Männern des einfachen Volkes autorisiert zu werden. Die maskuline Dominanz ist in der aktuellen Wirklichkeit der indischen Religionen kaum zu übersehen, die Frauen werden vielerorts immer noch misshandelt und ausgebeutet.

Im Tao Teh King schreibt Laotse:
«Wer seine männliche Kraft kennt und doch weibliche Sanftmut bewahrt, ist das Tal des Reiches.
Wenn er das Tal des Reiches ist, wird ihn die immerwährende Tugend nicht verlassen,
und er wird zurückkehren zu dem natürlichen, unkomplizierten Zustand eines Kindes.
Wer sein Licht kennt und doch im Schatten bleibt, ist das Vorbild für das Reich.
Ist er das Vorbild für das Reich, dann wird die immerwährende Tugend in ihm nicht versagen,
und er kehrt zurück zum Endlosen.» Kapitel 28.

Der Mensch ist also, wie in den Veden bereits angedeutet, dazu verpflichtet, in sich die maskulinen und femininen Komponenten seiner Kraftstrukturen ebenbürtig zu entfalten. Das heißt doch, dass ein Mensch nur dann in einer harmonischen Linie mit der Evolution gefunden wird, wenn er diese in ihm per Schöpfung angelegten komplementären Ansichten erfassen kann, und dann mit aller Kraft diese auch in einem harmonischen Zusammenleben umsetzt. Diese gleichberechtigte, ebenbürtige Kohabitation von Mann und Frau gilt es vor einer nur ansatzweisen Freiheit der eigenen Entscheidung zu verwirklichen. «Nur wer sich selbst überwindet, ist stärker als jener, der eine Stadt einnimmt.» Es stehen also noch ziemlich große Hürden vor den Menschen, bevor sie sich irgendwie mit einer Art von «freiem Willen» schmücken können.

Seit einem Jahrhundert befindet sich die Menschheit und der ganze Kosmos in einer unbändigen, nicht aufzuhaltenden Entwicklung. Diese wird zum Bedauern vieler Erkenntnistheoretiker von kosmischen Strahlungsveränderungen gesteuert, die nicht von einem menschlichen Begehren (Willen) oder den existenziellen Bedürfnissen (Willen) ihrer Äonen abhängig sind. Man möchte jubelnd zustimmen: es entfaltet sich aus und in der herrlichen Schöpfung in großer Liebe und Barmherzigkeit unabänderlich eine von den Monaden bewusst gelenkte Evolution zu einem höheren Sein aller Menschen, Lebenswellen und Kosmen, uneingeschränkt nach reich und arm bzw. nach feminin oder maskulin. Dabei gibt es keine Bevorzugung einer Klasse, einer Rasse oder eines von Gott ausgewählten Volkes. Zu allen Zeiten waren und sind die Aktionen aller Wesen im Universum immer nur Re-Aktionen auf beständig fließende Kräfte, In-formationen in den höheren Kraftfeldern ihres Kosmos, deren Absichten und Ziele für den Makrokosmos, von den Monaden im Universum der Allschöpfung bestimmt werden.
Dennoch steht für den physischen Menschen auf der Erde in unserer Zeit eine alles entscheidende Möglichkeit offen, die auch sein persönliches Leben in der materiellen Bedingtheit in eine friedliche Richtung führen kann: es ist die Art seiner Intentionen, die Art seines Lebensziels. Gelenkt von seiner persönlichen Achtsamkeit und Ausrichtung auf die Zusammenhänge mit den metaphysischen Lebensfeldern, von seinem sensitiven Gespür für ätherische und astrale Bewegtheiten im eigenen Mikrokosmos und in seinem Umfeld, können im Menschen neue, unerwartete Entscheidungen erkannt werden. In der tiefen Überzeugung oder Glauben, dass sein Leben in ein dynamisches Feld von bewahrenden Kräften seiner Monade eingebettet mit großer Sicherheit dem ihm gebührenden Lebensziel zustrebt, wird dann eine völlig andersartige Lebenshaltung ausgelöst. Es entfaltet sich ein über alle bipolaren Konflikte hinausreichender Magnetismus seines Mikrokosmos für eine friedvolle Zusammenwirkung mit seinem Umfeld. Dann wird eine so andere Lebenshaltung entstehen, wie es sich zur Zeit nur wenige europamerikanischen Selbstverwirklicher vorstellen können.
Natürlich werden, können und wollen wir den Begriff «Wille» oder die Worte «ich will» nicht aus dem aktiven Wortschatz der Völker ausradieren. Das würde sich vorerst niemals machen lassen. Sie, die Menschen, und gerade die omnipotenten Darsteller/innen und Meinungsmacher werden das Wort immer wieder dort benutzen und kraftvoll energisch einsetzen, wo sie sich gegenüber sich selbst oder gegen andere Agitatoren vehement verteidigen müssen. Aber eines wird immer deutlicher: Vor allem verteidigen sie damit das weit verbreitete Wahnbild, sie wären als Persönlichkeit die selbständigen autonomen Akteure ihres Daseins. Das sind sie ihren Äonen unter dem Himmel seit Jahrtausenden schuldig, von denen sie sich schon seit Urzeiten ohne eigenes Wissen abhängig gemacht haben. Man denke dabei nur an «JHWH», den rächenden Gott des Alten Testamentes, von dem Moses in der Genesis berichtet.

Im persönlichen Erlebniskreis, in Familie und Beruf, ist das Willenselement sehr direkt mit dem meist kräftig artikulierten Patriarchat verbunden. Mittlerweile setzen auch emanzipierte Frauen oft genug ihren femininen Willen geschickt in Politik und Wirtschaft mit weiblichem Gespür für ihre Vormacht durch. Meistens ist der Willensanspruch – auch der Frauen – jedoch nur eine Aktion der Tarnung, damit das unbewusst von Innen kommende Drängen nicht erkannt werden kann. Mit der Aussage: «Ich will das!» wird schnell der Tarnmantel der Unversehrtheit über eine persönliche Verletzlichkeit gezogen, die auch gerne von den Fürsten und Gewaltigen unter dem Himmel beansprucht wird, damit ihre fragile Herrschaft im Jenseits nicht erkannt werden kann.

Vorsichtig beschrieben steht jeder Mensch unablässig in einem sehr stark vorgeprägten größeren Konzept des Werdens, das von der allgemein verbreiteten Meinung allerdings geflissentlich übersehen wird. Bei allen Kraftfeldern, die den Mikrokosmos durchströmen, erscheinen die Absichten und Ziele vorherbestimmt zu sein. Sie liegen in einer interkosmischen Evolution, zu der Charles Darwin nur die Phase der körperlichen Evolution beigetragen hat. Darum erklären die Theosophen – und alle esoterischen Ableger –, in Anlehnung an die indische Vedanta-Philosophie, eine stete «geistige Entfaltung» zu einem höheren Menschen. Auch die meisten physiophilosophischen Autoren in den USA, Indien oder Europa (Aurobindo, TM, Ken Wilber, Michael Murphy, George Leonhard, Krishnamurti, Teilhard de Chardin u.a.) sowie die Anthroposophen vertreten eine mehr oder weniger kontinuierliche Entwicklung des Menschen zu einem undefinierten «Übermenschen». Aber kann es – ja, darf es im Leben der Welt eine Automatik der Entfaltung geben? Sri Aurobindo und seine Anhänger streben mit gezielten Meditationen zum «Supramentalen Bewusstsein», um bei dieser kosmischen Weltentwicklung mitzuwirken.

In unserer Welt ist allerdings eine kontinuierliche Weiterentwicklung der transpersonalen Felder im Mikrokosmos nur dann möglich, wenn der entsprechende Magnetismus dafür auch aus den Wesen, aus den Persönlichkeiten heraus aktiv gefördert wird. Ohne eine konkrete und ausdauernde Hinwendung zur kosmischen Evolution mit einer intelligenten Abwendung von einer rein materiellen egoistischen Selbstverwirklichung wird niemand in der eigenen Entwicklung weiter kommen können. Diese Umwendung nannte man zu Jesu Zeiten «Buße». Damit war eigentlich nie eine Verachtung der stofflichen Selbstentfaltung mit allen gesellschaftlichen und karmischen Notwendigkeiten gemeint, auch keine buddhistische Begierdelosigkeit oder hinduistische bzw. kirchliche Askese.
Beschäftigen wir uns dafür mit dem Bild aus dem «Advaita-Vedanta» von «Shankaracharya». „Wesentliches Charakteristikum ist die Wesensidentität von Atman, der individuellen Seele, und Brahman, der Weltseele. Der wahre Atman gilt als durch Maya, durch Illusion, verschleiert und das Ziel des Menschen ist es, die Identitäten von Atman und Brahman zu erkennen. Hier besteht der Erkenntnisprozess des Menschen und der Weg zur Erlösung darin, einerseits diese kosmische Einheit und andererseits die Trennung in der irdischen Maya zu erkennen. Dualität tritt demnach nur dort auf, wo „avidya = Unwissenheit“ herrscht. Die wahre Erkenntnis, die diese Unwissenheit überwindet, führt zur Advaita-Erfahrung (nur wenn der Mensch sich dafür öffnet) und damit zur Befreiung, moksha.“ (aus Wikipedia)

Es gibt ein beständiges Werden und Begehren nach Leben im ganzen All, das spürt jeder, das weiß jeder, und jeder normale Mensch sagt dann: «Das oder jenes will ich». Doch es ist ein Begehren, eine Art Ersehnen, ein Magnetismus, das Ergänzen eines Mangels, das Auffüllen eines Vakuums durch beständigen Stoffwechsel über verschiedene Kraftebenen nach dem isobaren Resonanzgesetz. Ken Wilber artikuliert dafür sehr ausführlich recherchiert das von ihm so bezeichnete «ATMAN-Projekt». Ein weiser Mensch sagte einmal: «Gott, Brahman, ist die All-Liebe, das Währen ist seine Macht.» Durch die Betrachtungsweise mit den halbwahren Vorstellungen und der dadurch entstandenen falschen Identifikation des wirklichen Lebens mit der Materie, mit den uns sinnesorganisch umgebenden Erscheinungen, «Maya», haben sich in allen Lebenslagen verzerrte Begriffsstrukturen und darauf aufgebaute Denkmodelle ausgeprägt und eingebürgert.
Darum fällt es selbst in diesem Rahmen schwer, die geeigneten Worte zu finden, um dem starken Willensmenschen zu erklären: «Niemand hat einen freien autonomen Willen, das ist alles nur Einbildung. Aber in jedem besteht eine Entscheidungsinstanz, eine Art Schalter, mit dem jeder seine Achtsamkeit und Intention auf eine andere Lebensweise, auf den fundamentalen Lebensrhythmus im All, umschalten kann! Diese Haltung kann jeden und damit die Welt verändern, wenn man müde geworden ist, immer selbst die Welt bewegen zu wollen oder zu müssen.»

Dieses teleologische Konzept ist eine besonders eingängige Methode, um die Äonen, Dschinns oder Daevas im okkulten Jenseits zu entkräften. Darum wird und kann es nirgendwo in den gängigen Medien oder im Internet publiziert werden und die Pädagogik trichtert bedauerlicherweise seit 2000 Jahren allen Kindern und Jugendlichen ein, das jeder alles erreichen kann, wenn er nur wirklich will. Das ist die Mohrrübe, die dem Esel auf den Kopf gebunden wurde, damit er immer im Kreis herum trabt. Für Napoleon war es der Marschallstab in jedem Tornister seiner Soldaten, die für seine Machtansprüche auf den Schlachtfeldern gefallen sind.

Es existiert – um mit Shankara zu sprechen –, eine Welt des Brahman, des absoluten Seins, eines universalen Bewusst-Seins und der Glückseligkeit, es ist die Lebenssphäre der Monaden. Zarathustra oder Zoroaster nannte diesen höchsten Gott Ahura-Mazda, die universale Weisheit, das Offenbarungsfeld zu Beginn aller Zeiten, den Logos, Tao, Brahma, das bedeutet die höchste absolute Weisheit und die höchste Schöpfungsenergie. Diese oder ähnliche Definitionen finden sich für die absolute Offenbarung allen Seins auch in anderen heiligen Religionsbüchern. Aus der Urmonade entstand eine Kaskade von Emanationen der gleichen Schöpfungsidee. Zahllose Monaden verwirklichen die vielfache Reflektion des Logos, des TAO, im Universum. Im Makrokosmos und im Kosmos bis zum Mikrokosmos mit dem Menschen werden alle Wesen und Entitäten von ihren Monaden in einem großen Bogen der Evolution bis zur Vollendung geführt.
Dafür besteht in jedem Wesen ein Begegnungspunkt mit seiner Monade, aus dem die Impulse für die Weiterentwicklung das Bewusstsein erreichen. Im Menschen nennt die indische Philosophie diesen Brennpunkt mit der Monade «Atman», die Ewige Philosophie kennt das «Uratom», wie es auch in der Gnosis bekannt ist, die Christen wissen vom «eingeborenen Sohn, dem Jesus», Mani nannte ihn die «Perle in der Lotusblüte». Nun sagt uns u.a. Christus, Laotse oder Caitanya, die Menschen werden sich im aktuellen Entwicklungszyklus hier auf der Erde, mit ihrem aktuellen Gegenwartsbewusstsein, mit ihrem inneren Begehren den Impulsen aus ihrer Monade anschließen, sich in ihrem Leben täglich auf die mikrokosmische Evolution ausrichten, Dann können alle diese ausgerichteten Menschen mit der astralen Entwicklung in ihrem Mikrokosmos die Alleinheit im Kosmos erfahren. Auf dieser Basis wird sich dann auch die Mentalis weiter entwickeln, und solche Menschen werden dann prozessmäßig an der kosmischen Mentalis Anteil erhalten. Nur dann entfalten sich vor den neuen Sinnesorganen völlig neue Einsichten in die Weltzusammenhänge, die weit über die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Kernphysik und der Astrologie hinaus führen. Die spirituelle Evolution wird zur Basis und Sinn des künftigen Daseins in der Welt. Der Begegnungspunkt mit der Monade, der «eingeborene Sohn», Jesus, wird Christus-Jesus, ein Sohn des kosmischen Sonnenlogos, wenn der Mensch sich in seinen kommenden Inkarnationen stets auf diese Verheißungen aktiv ausrichtet. Nur – und das sollte das bis hier Dargestellte zur Erkenntnis beitragen – das, was Shankaracharya oder Caitanya den Menschen vorschlägt, kann der Mensch nur mit einem umgewandelten Willen (Buße im obigen Sinne), einem freiwilligen Dienen für die Evolution des Kosmos Erde erreichen.

Hinter dem menschlichen «Willen» treibt in dem triebhaften Begehren zur körperlichen Selbst- und Arterhaltung die Angst vor der endgültigen Vernichtung, dem physischen Tod. Dieser Verlust der ach so geliebten materiellen Person ist eine der größten unerklärbaren Fiktionen. Dieses unabwendbare Tor als eine notwendige Durchgangsstation für das himmlische Weiterexistieren einer Seele zu erklären, ist leider der größte Irrwahn der Äonen. Durch diesen Fehlschluss hat sich sehr viel Unheil über die Menschheit ausgebreitet, und vor allem kumuliert dadurch seit Jahrtausenden unvorstellbarer, astral-mentaler Unrat im Jenseits des irdischen Kosmos.

Aufgeweckt durch das monadische Gedächtnis im erwachenden Herzen kann der Mensch auf einer neuen Ebene seine kosmischen Zusammenhänge erfassen. Er wird damit auf sein kommendes mental-bewusstes Dasein aufmerksam gemacht. Nach endlosem Scheitern all seiner Willensanstrengungen und den damit verbundenen Odysseen müde geworden, wird der Mensch nach vielen Erfahrungen zu einer völligen Umgestaltung seiner Lebenshaltung kommen. Im aufrichtigen Bedenken der neuen Einsichten wird er den aktuellen Auftrag für Mikrokosmos und Kosmos annehmen. Die notwendige Einsicht in die erdgebundenen Verpflichtungen – also die liebevolle Neutralität allen irdischen Sensationen gegenüber – und das Begehren nach Erlösung von allen irdischen Vergangenheiten, lässt ihn aufstreben zu den erahnten Gefilden eines höheren Denkvermögens. Das ist sozusagen die Voraussetzung, die Chance für die Veränderung von aller Willkür, von den ungezählten Auseinandersetzungen in Religion und Weltanschauung, von den kriegerischen Machtgefechten um irdische Vorteile und allen damit verbundenen menschlichen Grausamkeiten im Namen eines herrschaftlichen Willens. Alles Sein strebt, angefeuert von den kosmischen Kräften, den irdischen Göttern Brahma, Indra, Jehova, Krishna, Vishnu, Allah, Ahura Mazda, usw. zu diesem Scheidepunkt, an dem durch die Erkenntnis der Seifenblase, genannt Maya, das Erfassen und Bedenken in eine total andere, nirwanische Realität eingehen wird. Sie gleicht einer gedankenlosen Stille, weil in diese heiligen Gefilde kein einziger Gedanke mehr hinreicht. Diese Grenze der Mentalis ist die unüberwindliche Schallmauer aller esoterischen oder theosophischen Alleswisser und der spirituellen Vorwärtsdenker, die von keinem Willen oder Bedenken erklommen werden kann. An dieser Schwelle zerschellen alle alten, längst verbrauchten Willen zur Einweihung oder Gedankenmodelle zur Erleuchtung.

Bedauerlicherweise haben die falschen Einstellungen zu den konkreten Aktionsmöglichkeiten des Menschen erheblich dazu beigetragen, dass zahllose Irrlehren entstanden und sich unvorstellbare Wahngebilde in unserer Atmosphäre entwickelten, in denen die Scheinwelten des materiellen Daseins zu einer unbezwingbaren Realität hochstilisiert werden. Nirgendwo ist jemand gefunden worden, der außerhalb der über 2000 Jahre alten Philosophie und der im antiken Griechenland geborenen Naturwissenschaften im vorherrschenden Materialismus eine Weiterentwicklung anstoßen konnte, die die Menschheit von der Ausbeutung der sozial Schwachen zugunsten einiger Reichen und den dafür erforderlichen Kriegen befreien konnte.
Trotz großartiger, vielfach interpretierter Friedensreligionen in Orient und Okzident haben die menschlichen Brutalitäten rund um den Globus in starkem Maße zugenommen, als wären gerade Mord und Totschlag das höchste Leitbild in der Werteskala berühmter Staatenlenker. So übernehmen weiterhin die Leitbilder unserer Gesellschaft, die «Autoritäten der Zeit», die Politiker, Wissenschaftler, Sachverständigen, Professoren und Journalisten, Stars und Fußballer unreflektiert den Auftrag der Äonen und Archonten, um möglichst alle Menschen in ihren Bann zu ziehen, in Unkenntnis der wirklichen Zusammenhänge mit den unstofflichen Kraftfeldern der Schöpfung.

Wem wird es einmal geschenkt, in seinem selbstbewussten und oft hochmütigem Streben zu erfassen, dass die heutigen Meinungsbildner alle zu einem „Zauberlehrling“ geworden sind, der selbst noch nicht seinen Meister oder Dschinn gefunden hat? – In den langen Jahren der Auflösung des Mikrokosmos im Jenseits und dann in einer folgenden Inkarnation werden die Irregeführten erneut vor diese inneren Erfahrungen gestellt, allerdings ausgestattet mit einer im Jenseits aktualisierten Einsicht über die konkreten Realitäten im Langzeitgedächtnis, der Lipika. Darin liegt die Chance einer veränderten Grundhaltung gegenüber seinen Mitmenschen und der Natur, eventuell auch eine Chance für den weiteren Fortschritt der Menschheit auf dem Bogen der Evolution.

In den sieben Kraftfeldern des Seins leben zur Zeit ca. 7.5 Milliarden Menschen mit einer Wachstumsrate von ca. 40 Millionen jährlich. Durch die von der irdischen Natur und von Menschen geschaffenen Gesetze werden sie hin- und her-bewegt, stoßen gegeneinander, ziehen eine Weile miteinander und lassen sich wieder los. Die Materialisten, Idealisten, Nihilisten, Existenzialisten, Atheisten und viele andere Gruppierungen können keine sinnvolle für alle gültige Richtung im menschlichen Leben anbieten, weil sie wie auch immer irgendeinen Gesichtspunkt in den komplexen Zusammenhängen übersehen. Viele Gläubige der großen Religionen denken bei ihren Opfern in Tempeln oder auf Altären mehr an ein individuelles, erfolgreiches und gesundes Weiterleben, als an eine gemeinsame Befreiung aller Menschen aus der Knute der materiellen Gefangenschaft. Für viele verläuft das Dasein in einem überschaubaren Kreislauf zwischen Beruf, Hobby und Familie, das von einem «Existenz-Sicherungs-Müssen» gekennzeichnet ist. Die etablierten Bevölkerungsschichten pendeln genussvoll zwischen einem komfortablen Hin- und Herstreben ohne Sinn und Ziel, darum leben sie vielfach «just for fun» und mit jedem Risiko. Dabei darf sich keine gesellschaftliche Verpflichtung ihren Willensansprüchen in den Weg stellen. Hauptsache der Adrenalin-Kick kann möglichst lange erlebbar sein. Danach – nach dem physischen Tod – ist sowieso alles aus – oder die «Seele» kommt in den «Garten Eden» – , so denken heute viele junge Menschen der westlich orientierten Zivilisation, weil in ihrem Weltbild die materielle Ansicht dominiert.

Die Entwicklung der Menschheit gleicht vorerst bei den zahllosen Anstößen aus den verschiedensten Ebenen eher einem «quer, hin und her, und gegeneinander» als einem kontinuierlichen Wachsen. Erst wenn die Menschen für das höhere Bemühen um die Transfiguration der Erde innerlich reif gestoßen wurden, wenn die Monade in ihnen eine konkrete Stimme bekommen hat, können sie dem magnetischen Ziehen sinnvoll folgen. Der Mensch wird seinen egoistischen Eigenwillen verlieren und über zahllose leidvolle Erfahrungen zu einem neuen Erwachen geführt. In einer aktiven Abwendung von der stofflichen Omnipotenz kann er aufmerksam gegenüber den unstofflichen Bewegungen in der Welt einem inneren Impuls nach einer höheren Bewusstheit folgen. Solange allerdings noch der Magnetismus aus der niederen astralen Welt im Mikrokosmos vorherrscht, solange noch der Tumult des Willens in der Selbsterhaltung und Machtentfaltung auf den Börsen der Finanz- und Kommerzspiele das Dasein erfüllt, wird vorerst kein anderes Begehren im Bewusstsein erklingen können. Ist allerdings dieses Feuer in den alten astralen Gedächtnissen einmal erloschen, kann eine neue Dimension des Begehrens nach einer höheren Lebenswelt aufklingen. Erst wer diese Möglichkeiten ehrlich und korrekt in sich erfassen kann, erkennt auch, dass nur durch die neuen Einflüsse aus den höheren Lebensfeldern der Monade sich eine total andere Weltanschauung entwickeln, eine sinngebende Weltsicht entstehen wird.

Bei der dann möglich werdenden Zusammenschau aller wirkenden Kräfte kann der Mensch ohne Probleme bekennen:

Es ist bis jetzt nirgendwo auf Erden ein konkreter eigener freier Wille gefunden worden.

Zumindest nicht in der Form, wie es von den meist starken Männern und autonomen Frauen in den Medien, in Wissenschaft und Literatur artikuliert wird. Alle, die ihr ganzes Leben lang etwas „gewollt haben“, werden von Kräften geführt, die in ihrem Unterbewusstsein herrschen. Gerade die charismatischen Verwirklicher «ihrer Vorhaben» stehen unter der Überschattung einer ihnen unerkennbaren Vorstellung, die von einem kräftigen Äon aus dem Jenseits geschürt wird. Dieser benutzt die armen «willensstarken» Menschen, um seine Ernährung und die seiner übergeordneten Schmarotzer sicher zu stellen. Bei allen Heldentaten in den niederen Gefilden, bei allen Bergbesteigungen, Eroberungen und Schlachten, bei allen Geniestreichen der Kunst, der Kultur und der Wissenschaft ist der sichtbare Erfolg nur das Mittel zum Zweck, der ätherisch-astralen Fütterung der resonanten Schemen des Jenseits. Also alles das, worauf der erfolgreiche Held so stolz ist, und wofür er auf Erden seinen Applaus und seine Auszeichnungen, Pokale, Goldmedaillen bekommt, dient ausschließlich dafür, dass bei diesen Aktivitäten der von ihm in seinem «Eigenwillen» egoistisch polarisierte Strom ätherischer, astraler und mentaler Kräfte die ihn begleitenden Äonen im Jenseits erreicht.

Damit diese Ernte der erhaltenden Kräfte von den Äonen und Archonten immer wieder ungestört vorbereitet und eingebracht werden kann, dürfen und sollen die Menschen das bedauerliche Geschehen nicht wahrnehmen können. Zur Tarnung werden alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen. Eine ausgesprochen erfolgreiche Methode besteht darin, dem Menschen permanent seinen ihm «eigenen freien Willen» zu suggerieren. Der sogenannte «freie Wille» ist in diesen Zusammenhängen nur ein Begriff für ein definitives Begehren, für eine Sehnsucht, die durch das Bedenken im Verstand eine rationelle Dimension verabreicht bekommt. Diese Rationalisierung eines unbewussten Begehrens, das durchaus einem völlig anderen Bezugsrahmen entnommen wurde, verbirgt allerdings den faktischen Inhalt des ursprünglichen Antriebs zum Handeln. Entweder sind es die planetaren Kräfte und ihre Ableger, die sich im Atemfeld des Mikrokosmos, im aurischen Wesen tummeln, oder es sind die niederen Begierden nach Nahrung, Sex, Betäubung oder Drogen, die den Menschen seine Kraftakte machen lassen. Aber auch der normale Wissensdurst über die materielle Natur, das unstillbare Reisefieber, das Verlangen nach Schnelligkeit, und vor allem nach Reichtum und Macht stacheln den Menschen an. Damit das alles in den gesellschaftlich genehmigten Rahmen oder der «Political Correctness» hineinpasst und keine unerwünschten Verletzungen des Standes oder der Ehre geschehen, werden diese Impulse in vernünftige Argumente verpackt, die dann mit dem Willen des Mannes oder einer energischen Frau rhetorisch geschickt ausgesprochen und juristisch perfekt durchgesetzt wird. Deutlich spürbar werden dabei besonders Befürchtungen vor ungeschriebenen Gesetzen einer dominierenden Gruppe, eines Standes oder des beherrschenden Clans. Von dieser subversiven Angst leben nicht nur Advokaten, sondern auch entsprechende Gruppengeister in den unstofflichen Gefilden der irdischen Sphäre. Allerdings haben sich zu allen Zeiten diese Geschöpfe im Jenseits äußerst raffiniert getarnt, damit der Mensch bei seinem Erfolgserlebnis für die wahren Beweggründe seines egoistischen Handelns blind gehalten werden kann.

Trotz alledem hat die Aquariuszeit im Rahmen der kosmischen Zyklen heute bei vielen Menschen und Gruppen weltweit ein esoterisches Interesse an okkulten Erkenntnissen und jenseitigen Erlebnissen geweckt. Gleichzeitig sind aktuell wieder die Phänomene der Naturgeister und Engel kräftig in Mode gekommen. Es finden sich bereits zahlreiche Gruppen und Initiativen zusammen, die ihr Leben mit all seinen Ereignissen, Erfolgen und Misserfolgen in ein magnetisches Wechselspiel von Kräften eingebettet erfahren oder empfinden, in einem resonanten Austausch von Erfassen und Bewerten, von Empfangen, Umwandeln und Weitergeben. Die leitende Kernkraft entspricht in ihrem Wesen dem Hunger, dem Begehren nach Kräften für ein weiteres Wachstum im kosmischen Zusammensein.
In diesem komplexen Zusammenspiel der Kräfte innerhalb der irdischen Lebenssphäre sind zahllose Entitäten wirksam, die in zwei unterschiedliche Gruppen aufgeteilt werden können. Bereits 800 Jahre n.Chr. spricht Shankaracharya vom Kleinod der Unterscheidung. Nur der Mensch, der über dieses innere Wissen verfügt, vermag die falschen Götter und Daevas von den notwendigen Naturgeistern oder Devas zu unterscheiden. Hier sollte nur noch einmal betont werden, dass das gesamte menschliche Leben zusammen genommen ohne Frage unser unvorstellbar großer Lebensbereich ist, in dem zahllose Felder die Ereignisse lenken, auch Kraftströme aus der göttlichen Natur, die über die Monaden in den Kosmos und die Menschen hinein wirken.

Erinnern wir in diesem Zusammenhang noch einmal an die Kraftkaskade: Aus dem höheren Kraftfeld, dem Allbewusstsein, geht ein Impuls zur nächst niederen Ebene und von dort zur folgenden und so weiter bis in die letzte Offenbarungsstufe. Bei uns auf Erden ist dies die Materie. Dabei wird der Impuls als Kraftwirkung von hoher Energie zu niederer Energie stets beantwortet, isobar reflektiert. Darum spricht ja vieles für den Begriff Spiegelsphäre. Die Resonanzen kommen melodisch von oben nach unten und steigen als Antwort von unten nach oben auf.

Angesichts dieser Weltsicht bleibt die Ansicht von Gustav Meyrink unangefochten bestehen:

„Wen beschleicht da nicht der Verdacht, dass unendlich vieles, was uns «einfällt» und uns zu Handlungen bewegt, die zu begehen oder zu unterlassen
wir uns Herren dünken, völlig fremden Ursprungs ist? In dem indischen grandiosen Epos «Die Baghavad-Gita», das ausführlich über Yoga spricht,
wie wohl kein zweites Buch, heißt es:
«Jedwede Tat, die hier geschieht, geschieht nach dem Naturgesetz.
‚Ich bin der Täter dieser Tat‘ – ist selbstgefälliges Geschwätz!» –
Schade, dass dieses Werk nicht in den Schulen gelesen wird. Der Gewinn für die heranwachsende Jugend wäre wahrhaftig größer als der durch Lektüre der Ilias beabsichtigte.“
(Zitat aus «Die Verwandlung des Blutes» von Gustav Meyrink)

 

 

Weitere Informationen siehe: ⇒ Freiheit des Denkens

Fortsetzung im ⇒ folgenden Kapitel

Druckversion als PDF ⇒ 10. Der Wille