{"id":8012,"date":"2017-09-27T07:07:23","date_gmt":"2017-09-27T05:07:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.artokora.de\/?p=8012"},"modified":"2018-04-23T14:24:03","modified_gmt":"2018-04-23T12:24:03","slug":"2-allgemeine-wahrnehmungskriterien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artokora.de\/?p=8012","title":{"rendered":"2.0 Allgemeine Wahrnehmungskriterien"},"content":{"rendered":"<h3>2. Allgemeine Wahrnehmungskriterien<\/h3>\n<p>Schon die \u00e4u\u00dfere Wahrnehmung der Umwelt gestaltet sich als ein vielschichtiger Vorgang. Dennoch ist es m\u00f6glich, unter besonderen Perspektiven, einzelne Prozesse voneinander getrennt zu behandeln, denn:<\/p>\n<p><span style=\"color: #de0202;\">Eine gro\u00dfe Anzahl von Wahrnehmungsmechanismen sind \u201eordnende\u201c Prozesse. Sie basieren auf dem Selbstschutz- und Selbsterhaltungsmechanismen des Menschen, \u00dcberlebensangst des animalischen Koplexes. Man muss hier von automatisch unterbewussten Prozessen sprechen, die normalerweise nicht willentlich von absichtlichem Handeln beeinflusst werden. Sie laufen in jedem Menschen ab, ob er nun davon wei\u00df oder nicht!<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><strong>Sie gliedern sich in zwei Gruppen:<\/strong><br \/>\n1. \u0007Differenzierung : Vorg\u00e4nge, die eine genauere Unterscheidung \u2013 nach gef\u00e4hrlich oder ungef\u00e4hrlich \u2013 der angebotenen Reize bewirken.<br \/>\n2. \u0007Gruppierung : Vorg\u00e4nge, die eine Zuordnung zu bestimmten Gruppen der Wahrnehmung bewirken. Bedeutet Vereinfachung der genauen Bestimmung.<\/p>\n<p>Es kann vorkommen, dass in bestimmten Situationen einzelne Wahrnehmungsmechanismen miteinander konkurrieren. Dabei erf\u00e4hrt die Wahrnehmung mitunter \u00fcberraschende Ver\u00e4nderungen, die bis hin zu v\u00f6lliger Desorientierung f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn <\/em><em>mir <\/em><\/strong><em><strong>bitte zu.<\/strong>\u00a0\u21d2<strong> <a href=\"http:\/\/www.artokora.de\/?page_id=74\">Vielen Dank. <\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4><strong>2.1 Differenzierung von Wahrnehmungen<\/strong><\/h4>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>2.1.1 Assimilation &#8211; Kontrast &#8211; Kontur<\/strong> <\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8013 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment.jpg\" alt=\"\" width=\"411\" height=\"511\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment.jpg 2284w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment-241x300.jpg 241w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment-768x956.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment-771x960.jpg 771w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment-920x1146.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment-340x423.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment-306x381.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-03-Experiment-260x324.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 411px) 100vw, 411px\" \/>Um diese Mechanismen experimentell nachzuweisen, wurde f\u00fcr den visuellen Bereich folgende Versuchsanordnung geschaffen:<br \/>\nEine Versuchsperson h\u00e4lt ihren Kopf in die Mitte einer gro\u00dfen hohlen Halbkugel. Die innere Oberfl\u00e4che ist ganz glatt und ohne Markierungen. Sie wird durch eine mittelstarke Lichtquelle total gleichm\u00e4\u00dfig ausgeleuchtet. So entsteht auf der Netzhaut der Person ein v\u00f6llig uniformes Bild. Das Reizfeld ist f\u00fcr die Augen absolut homogen. Die Versuche haben ergeben, dass die Person unter diesen Bedingungen nur einen gleichm\u00e4\u00dfig hellen Nebel sieht, der einen schier endlosen Raum ausf\u00fcllt. Sie kann nicht angeben, wie weit die Oberfl\u00e4che von ihr entfernt ist. Oder genauer: die Person nimmt die Oberfl\u00e4che \u00fcberhaupt nicht wahr.<\/p>\n<p><span style=\"color: #de0202;\">Ergebnis: Werden die Sinneszellen des Auges einem homogenen Reizfeld ausgesetzt, so ergibt es f\u00fcr die Wahrnehmung keine Differenzierung. Dies ist offenbar der einfachst m\u00f6gliche Wahrnehmungstyp.<\/span><\/p>\n<p>Die beschriebene Versuchsanordnung kann durch die Beleuchtung ver\u00e4ndert werden:<\/p>\n<p><strong>1. Ver\u00e4nderung:<\/strong><br \/>\nDie Beleuchtungsintensit\u00e4t wird stark erh\u00f6ht. Das feine Korn der Halbkugelinnenfl\u00e4che wird fast wahrnehmbar. Die Versuchsperson sieht nun die Oberfl\u00e4che kurz vor sich homogen und ohne Einzelheit. Die Wahrnehmung hat sich also bereits umgeschaltet.<\/p>\n<p><strong>2. Ver\u00e4nderung:<\/strong><br \/>\nDie Oberfl\u00e4che wird links sehr wenig beleuchtet, nach rechts allm\u00e4hlich heller werdend. Die Person sieht trotzdem \u00fcberall die gleiche Helligkeit. Hier t\u00e4uscht die Wahrnehmungsgestaltung die Versuchsperson. Sie gleicht im Schauen die objektiv nachweisbaren, unterschiedlichen flie\u00dfenden Helligkeiten aus.<\/p>\n<p><strong>3. Ver\u00e4nderung:<\/strong><br \/>\nMan l\u00e4sst senkrecht durch die Mitte des Feldes eine schwache Schattenlinie gehen. F\u00fcr die Versuchsperson teilt sich das Gesamtfeld in zwei unterschiedlich helle Felder, getrennt durch eine Kontur. Die zwei Halbfelder erscheinen aber in sich homogen. Die Wahrnehmung hat sich noch einmal ver\u00e4ndert.<br \/>\nDie Abbildung zeigt im Vergleich die objektive Versuchsanordnung und die zugeh\u00f6rigen Wahrnehmungen der Versuchsperson.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8014\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1.jpg\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"508\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1.jpg 2102w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1-768x1165.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1-633x960.jpg 633w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1-920x1396.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1-340x516.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1-306x464.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-05-Kontur1-260x394.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 335px) 100vw, 335px\" \/><br \/>\nDieser Versuch zeigt vier grunds\u00e4tzliche Ph\u00e4nomene auf, die auch auf andere Bereiche, z.B. Denkprozesse oder Ged\u00e4chtnisvorg\u00e4nge \u00fcbertragbar sind.<\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"color: #de0202;\">Wird ein Mensch einer v\u00f6llig uniformen Reizsituation ausgesetzt, so kann er sich nicht mehr orientieren. Er befindet sich im \u00abNebel\u00bb.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #de0202;\">Wird die Reizsituation geringf\u00fcgig, aber vollkommen gleichm\u00e4\u00dfig strukturiert, so kann sich der Mensch in gewissen Grenzen orientieren.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #de0202;\">Eine kontinuierliche Ver\u00e4nderung einer Reizsituation wird vereinheitlicht.<\/span> Diese Tendenz auf gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Vereinheitlichung oder Homogenit\u00e4t \u2013 also minimaler Differenzierung \u2013 wird in der Wahrnehmung als Assimilation bezeichnet. (Assimilation = \u00c4hnlichmachung oder Angleichung). Die Assimilationstendenz wirkt auf das Gesamtfeld so, dass eine einzige Intensit\u00e4tsstufe wahrgenommen wird, die dem Mittel der Reizintensit\u00e4ten entspricht.<\/li>\n<li>Innerhalb des Grenzfeldes eines kontinuierlichen hell-dunkel-Verlaufes wird eine Kontur eingef\u00fcgt.<br \/>\nFolgendes geschieht: Die Unterschiede zwischen den beiden Teilen werden genau auf der Kontur erheblich verst\u00e4rkt . Beide H\u00e4lften erscheinen in sich homogen, obwohl in ihnen ein kontinuierlicher Verlauf hell-dunkel erzeugt war. Der Vorgang, bei dem die Unterschiede st\u00e4rker wahrgenommen werden, als es den wahren Intensit\u00e4tsverh\u00e4ltnissen der Reize entspricht, wird als Kontrast bezeichnet. <span style=\"color: #de0202;\">Kontrast bedeutet die Akzentuierung von Unterschieden.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong><span style=\"color: #000080;\"><em>Dabei wird deutlich, wie wichtig Konturen f\u00fcr die Wahrnehmungsorganisation sind, und seien sie noch so schwach.<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8015 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur.jpg\" alt=\"\" width=\"287\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur.jpg 2102w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur-267x300.jpg 267w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur-768x863.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur-854x960.jpg 854w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur-920x1034.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur-340x382.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur-306x344.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-06-ohne-Kontur-260x292.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><\/p>\n<p>Die Wirkung von Assimilation und Kontrast wird an dem einfachen Bild mit dem grauen Kreis gezeigt: Betrachtet man den Ring, so l\u00e4sst sich folgendes erkennen: Normalerweise w\u00fcrde das Grau des Ringes gegen\u00fcber dem Wei\u00df dunkler erscheinen als gegen\u00fcber dem Schwarz. Der Ring ist jedoch in sich geschlossen. Darum erscheint der Ring gleichm\u00e4\u00dfig Grau. Die Assimilation l\u00f6scht also die Wahrnehmung des Kontrasteffektes aus. Legt man jetzt \u00fcber die Trennlinie zwischen Schwarz und Wei\u00df einen langen schmalen Gegenstand, z.B. einen Bleistift, dann k\u00f6nnen sich durch diese neu eingef\u00fchrte Kontur die Kontrastfelder wieder durchsetzen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong><em>Fassen wir noch einmal zusammen:<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"color: #de0202;\">Die Wahrnehmung hat eine Tendenz, Reizunterschiede zu verringern.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #de0202;\">Wenn die Reizunterschiede ein bestimmtes Niveau \u00fcberschreiten, so erfolgt eine wahrnehmungsm\u00e4\u00dfige Differenzierung. (Beltz)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #de0202;\">Gestaltungsfaktoren, wie z.B. Konturen, wirken sich f\u00f6rdernd auf die Differenzierung aus.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #de0202;\">Die Differenzierung erfolgt in zwei Richtungen.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>Beim Kontrast werden gewisse Reizunterschiede verst\u00e4rkt, w\u00e4hrend bei der Assimilation andere Reize ausgel\u00f6scht werden. Beide Tendenzen k\u00f6nnen innerhalb einer Gestaltung miteinander konkurrieren.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">2.1.2 Figur und Grund<\/span><\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8047\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1.jpg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1.jpg 2158w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-960x641.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-920x614.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-340x227.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-306x204.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-610x407.jpg 610w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-07-Fleck-1-260x174.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/>Betrachten wir das nebenstehende Bild, so erscheint der Fleck als eine in sich geschlossene Figur, r\u00e4umlich vor dem Hintergrund oder auf dem Grunde liegend. Diese Differenzierung ist die einfachste Form der Wahrnehmung.<br \/>\nDie Unterscheidung zwischen Figur und Grund kommt durch unterschiedliche Wahrnehmungsqualit\u00e4ten zustande. Die Figur ist meistens abgegrenzt, wird an einer Stelle lokalisiert, sie wirkt massiver und st\u00e4rker integriert. Der Grund ist weniger strukturiert und erscheint unbestimmter. Er scheint sich auch hinter der Figur zu erstrecken. Oft geht er bis an den Rand des Feldes, und scheint dadurch \u00fcber den Rand hinaus zu reichen. Die Figur zieht eher unsere Aufmerksamkeit an sich als der Hintergrund.<\/p>\n<p>Wir haben eben als wichtiges Merkmal der Figur gesagt: sie ist begrenzt. Diese Grenze ist an das Vorhandensein einer Kontur gebunden. Die Kontur \u201egeh\u00f6rt\u201c ph\u00e4nomenal deutlich zur Figur. Sie erscheint uns nicht als zugeh\u00f6rig zum Grund. Dabei handelt es sich jedoch faktisch um eine Grenzlinie, die Figur und Grund gemeinsam ist. Dar\u00fcber hinaus hat die Kontur die wichtige Funktion, der Figur eine erkennbare Form zu geben. Die nebenstehende Abbildung zeigt uns, dass die Kontur unter bestimmten Bedingungen wechseln kann. Dadurch \u00e4ndert sich auch ihre Erscheinungsweise v\u00f6llig.<\/p>\n<p>Wird die mehrdeutige Abbildung l\u00e4ngere Zeit fixiert, so wechseln Figur und Grund derart, dass einmal das linke und einmal das rechte Gesicht gesehen wird. Unsere Wahrnehmung ordnet die den beiden Gesichtern gemeinsame Konturlinie alternierend der rechten und linken Gesichtsh\u00e4lfte zu.<\/p>\n<p>Diese Eigenschaft des sprunghaften Alternierens einer Kontur erschwert unter bestimmten Bedingungen ein visuelles Zusammenf\u00fcgen von Teilen, z.B. bei den St\u00fccken eines Puzzlespieles, die eine wenigstens teilweise identische Kontur haben. Trotzdem sehen sie doch so verschieden aus, dass es manchmal schwer f\u00e4llt, sie einander zuzuordnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8026 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise.jpg 2244w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise-300x182.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise-768x465.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise-960x581.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise-920x557.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise-340x206.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise-306x185.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-08-Quadrat-Kreise-260x157.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/>Die folgenden Abbildungen zeigen, dass Konturen eine Figur nicht unbedingt geschlossen umfassen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p>Bei l\u00e4ngerem Hinsehen erscheint zwischen den beiden schwarzen Kreisteilen ein \u00abwei\u00dfes Quadrat\u00bb. Dieses wei\u00dfe Quadrat erscheint als eine Figur, die die ovale schwarze Figur als \u00abdar\u00fcberliegend\u00bb verdeckt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8027\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade.jpg\" alt=\"\" width=\"257\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade.jpg 1028w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade-300x289.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade-768x740.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade-960x925.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade-920x887.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade-340x328.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade-306x295.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-09-A-Shade-260x251.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schattenlinie eines Buchstabens wird sehr schnell als der Buchstabe A erkannt, obwohl wesentliche Konturen fehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Beispiele zeigen, dass die Wahrnehmung die Tendenz hat, bekannte Figuren als vollst\u00e4ndig oder geschlossen zu erfassen, auch wenn die Kontur erhebliche L\u00fccken aufweist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8029 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee.jpg\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"681\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee.jpg 1181w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee-185x300.jpg 185w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee-768x1249.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee-591x960.jpg 591w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee-920x1496.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee-340x553.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee-306x497.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-11-BOB-Klee-260x423.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 419px) 100vw, 419px\" \/><\/p>\n<p>Wenn wir das Bild von Paul Klee BOB, von 1920 betrachten und dabei versuchen, genau zwischen Figur und Grund zu unterscheiden, dann stellt sich die Frage: Welche Faktoren bestimmen das, was Figur und was Grund ist?<br \/>\nDie Reizintensit\u00e4t scheint nicht entscheidend, denn eine Dunkelfl\u00e4che kann auf einem hellen Hintergrund ebenso als Figur gesehen werden (Kn\u00f6pfe), wie eine helle Fl\u00e4che auf dunklem Grund als Figur erscheinen kann (Gesicht, Hemd).<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\">Wesentlich sind die relativen Gr\u00f6\u00dfen und Lagen der betreffenden Fl\u00e4chen. Hinzu kommt die farbliche Gestaltung.<\/span><\/p>\n<p>Gew\u00f6hnlich erkennen wir die kleinere Fl\u00e4che und die st\u00e4rker geschlossene Fl\u00e4che als Figur. Auch regelm\u00e4\u00dfige Fl\u00e4chen werden eher als Figur gesehen als unregelm\u00e4\u00dfige Strukturen.<\/p>\n<p>Bei der Differenzierung nach Figur und Grund spielt die Gesamtorganisation der Wahrnehmungsstruktur eine wesentliche Rolle. Dazu geh\u00f6ren die Teile des Blickfeldes, die sich leicht gruppieren lassen oder die am \u00absinnvollsten\u00bb erscheinen. Auch pers\u00f6nliche Faktoren, wie Voreinstellung des Beobachters, Antriebslage, Lernvorg\u00e4nge und Anderes k\u00f6nnen diese Entscheidung beeinflussen. Bekannte Muster werden schneller als Figur erkannt. Es wird daraus klar, dass bei dieser Unterscheidung auch noch spezielle Prozesse im vegetativen Nervensystem mitwirken.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Diese Ph\u00e4nomene beschr\u00e4nken sich nicht nur auf den Bereich der visuellen Wahrnehmung. Die Unterscheidung von Figur und Grund charakterisiert unser gesamtes Wahrnehmungs-<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c40000;\"> geschehen.<\/span><\/p>\n<p>Ein winziger Stein z.B. kann im Schuh als Figur gegen den sonst gleichm\u00e4\u00dfigen Grund auf der Innensohle wahrgenommen werden oder eine gekannte Melodie gegen\u00fcber dem \u00abwei\u00dfen Rauschen\u00bb im Hintergrund. Diese einfachen Gesetze des \u00absich Zurechtfindens in der Flut der Informationen\u00bb durchzieht alle Vorg\u00e4nge des Erfassens, sowohl bei der internen Wahrnehmung von Regelprozessen f\u00fcr die Existenz des K\u00f6rpers als auch bei hoch komplexen psychosozialen Interaktionen. Dies kann auch bei den nachfolgend erl\u00e4uterten Wahrnehmungskriterien erkannt werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8032\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte.jpg\" alt=\"\" width=\"289\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte.jpg 2008w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-960x960.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-920x920.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-174x174.jpg 174w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-340x340.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-306x306.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-520x520.jpg 520w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-14-Testpunkte-260x260.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 289px) 100vw, 289px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.1.3 Gruppierung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass man in den meisten F\u00e4llen eine vielgestaltige Situation erlebt, die mehrere Figuren, unterschiedlich verschachtelt, vor einem gemeinsamen Hintergrund enth\u00e4lt. Beim Ansehen einer solchen Abbildung erkennt man eine starke Tendenz dazu, das Gesamtfeld nach lediglich zwei Hauptteilen zu differenzieren.<br \/>\nDas hei\u00dft: <span style=\"color: #c40000;\">Die Wahrnehmung trennt eine einzelne Figur aus dem gesamten restlichen Feld, das dann zum Grund wird.<\/span><\/p>\n<p>Oder mehrere Figuren werden zu einer Gruppe zusammen gefasst, die dann ihrerseits vor dem restlichen Feld als Hintergrund steht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8031 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"314\" height=\"314\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-960x960.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-920x920.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-174x174.jpg 174w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-340x340.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-306x306.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-520x520.jpg 520w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte-260x260.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-13-Rot-Schwarz-Punkte.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 314px) 100vw, 314px\" \/><\/p>\n<p>Eine wichtige Erscheinung ist dabei der sogannte <span style=\"color: #c40000;\">Isolationseffekt.<\/span> Wenn in einer Ansammlung von Punkten z.B. die meisten schwarz, einige aber rot sind, so erscheinen die roten Punkte (die \u00abisolierten\u00bb ) deutlicher und werden zu einer Figur gegen den Hintergrund der schwarzen Punkte gemacht.<\/p>\n<p>Die Gruppierungstendenzen laufen im wesentlichen nach drei Gesichtspunkten ab.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">N\u00e4her beieinander stehende Figuren werden mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit zusammen gefasst als weiter auseinander liegende. Siehe nebenstehende Abbildung.<\/span><\/p>\n<p>Wie eben bei dem Beispiel der roten und schwarzen Punkte gesehen wurde, m\u00fcssen nicht unbedingt nahe beieinander liegende Elemente als Gruppe erscheinen. Es spielen dabei noch eine Reihe anderer Faktoren eine Rolle. Einer davon ist die \u00c4hnlichkeit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8033\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-230x300.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-230x300.jpg 230w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-768x1004.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-734x960.jpg 734w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-920x1203.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-340x444.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-306x400.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen-260x340.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-15-Punktformen.jpg 1843w\" sizes=\"(max-width: 301px) 100vw, 301px\" \/><\/p>\n<p>Unter sonst gleichen Bedingungen werden \u00e4hnliche Reize mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit gruppiert als un\u00e4hnliche.<\/p>\n<p>\u00c4hnlichkeit hei\u00dft hier, dass die Figuren verschiedene Eigenschaften gemeinsam haben, wie z.B. Form, Farbe, Gr\u00f6\u00dfe, Intensit\u00e4t. F\u00fcr den gesamten Bereich der Wahrnehmung gibt es viele Dimensionen f\u00fcr die m\u00f6gliche Klassifizierung von Reizen, und es gibt ebenso viele Aspekte, unter denen zwei oder mehr Reize als \u00e4hnlich bezeichnet werden k\u00f6nnen. Die \u00c4hnlichkeit ist desto gr\u00f6\u00dfer, je mehr Eigenschaften die Reize miteinander gemeinsam haben, und desto gr\u00f6\u00dfer ist auch die Tendenz zur Gruppierung. Eine weitere M\u00f6glichkeit der Gruppierung ist die nach der \u00abguten Gestalt\u00bb.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Das hei\u00dft: Figuren, die eine gute Gestalt bilden, werden mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit gruppiert.<\/span><\/p>\n<p>Was hei\u00dft in diesem Zusammenhang \u00abgute Gestalt\u00bb?<br \/>\nFaktisch k\u00f6nnen noch keine allgemein g\u00fcltigen Kriterien f\u00fcr diesen Begriff bestimmt werden. Es ist leicht einsehbar, dass vielfache Pr\u00e4gungen, Lernprozesse und vorausgegangene Erfahrungen im Kindesalter bei der Definition\u00abgute Gestalt\u00bb von gro\u00dfer Bedeutung sind. Die individuell unterschiedlichen Bestimmungen dieses Begriffes sind in der Psychologie bekannt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8034 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-243x300.jpg\" alt=\"\" width=\"318\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-243x300.jpg 243w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-768x948.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-778x960.jpg 778w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-920x1136.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-340x420.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-306x378.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-16-WelleQuadrate-260x321.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 318px) 100vw, 318px\" \/>Dennoch wollen wir uns hier mit der Klassifizierung von M. Wertheimer befassen:<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">1. Gute Fortsetzung<\/span><\/strong><br \/>\nDie Reize (Teile des wahrgenommenen Bildausschnittes), die eine \u00abgute\u00bb (harmonische) Fortsetzung einer Linie, einer Kurve oder einer Bewegung sind, bilden leichter Einheiten. Siehe oben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8052 alignleft\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-960x960.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-920x920.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-174x174.jpg 174w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-340x340.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-306x306.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-520x520.jpg 520w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate-260x260.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-17-KreuzQuadrate.jpg 2008w\" sizes=\"(max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><strong><span style=\"color: #003366;\">2. Symmetrie<\/span><\/strong><br \/>\nSymmetrische oder ausgewogene Gruppierungen werden vor asymetrischen bevorzugt. Nebenstehende Abbildung.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">3. Geschlossenheit<\/span><\/strong><br \/>\nFiguren, die zu einer geschlosseneren oder vollst\u00e4ndigeren Gestalt f\u00fchren, werden eher zusammengefasst.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">4. Gemeinsames Schicksal<\/span><\/strong><br \/>\nElemente, die sich gemeinsam bewegen oder ver\u00e4ndern, werden gegen\u00fcber Elementen mit anderer Bewegungsrichtung gruppiert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8041 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-300x238.jpg\" alt=\"\" width=\"413\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-300x238.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-768x610.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-960x763.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-920x731.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-340x270.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-306x243.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur-260x207.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-25-Kippfigur.jpg 1843w\" sizes=\"(max-width: 413px) 100vw, 413px\" \/><\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\">Josef Albers, Strukt. Konstellation,1956<\/h6>\n<p>Aus diesen vier Definitionen kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Bestimmung \u00abgute Gestalt\u00bb folgendes beinhaltet:<br \/>\n<span style=\"color: #c40000;\">deutliche Kontinuit\u00e4t, ersichtliche Symmetrie, geschlossenere Form und Gemeinsamkeit in der Form und\/oder der Bewegung gegen\u00fcber den anderen Bildelementen.<\/span><\/p>\n<p>Meistens sind bei gegebenen Reizmustern verschiedene Gruppierungstendenzen wirksam. Manchmal wirken sie in gleicher Richtung, manchmal stehen sie im Wettbewerb.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8038\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"469\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-768x526.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-960x658.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-920x630.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-340x233.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-306x210.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-21-Bewegte-Punkte-260x178.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 469px) 100vw, 469px\" \/><\/p>\n<h6>nach Bridget Riley, Studie Guache, 1967<\/h6>\n<p>Viele gute Beispiele f\u00fcr die Anwendung des Wettbewerbs von Gruppierungstendenzen findet man in der Natur. Oft benutzen Tiere Schutzfarben und Tarnmuster, oder auch Formen, um sich in ihrer Umwelt vor ihren Fressfeinden durch Mimikri zu verstecken, oder auf der Jagd nicht erkannt zu werden. Dabei werden die Regeln der guten Fortsetzung und der Geschlossenheit besonders zahlreich benutzt.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8035 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-960x960.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-920x920.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-174x174.jpg 174w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-340x340.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-306x306.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-520x520.jpg 520w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-18-Chamaeleon-260x260.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/>Cham\u00e4leon auf Madagaskar von Hans Bernhard Schnobby<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.1.4 Gestalttransposition<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Es konnte festgestellt werden, dass die automatische\u00a0 Organisation der Wahrnehmung einzelne Figuren (Reizelemente des Bildausschnittes) zu Gruppen zusammenfasst, die sich dann als ein geschlossenes Reizelement gegen\u00fcber anderen abhebt. Anders gesagt:<br \/>\n<span style=\"color: #c40000;\">Wir f\u00fcgen beim Sehen die Teile zu einem Ganzen zusammen.<\/span><br \/>\nDie Eigenschaft des entstandenen \u00abGanzen\u00bb, d.h. der aus der Gruppierung entstandenen neuen Figur, ist nicht nur die Summe der Eigenschaften der Teile.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8036 alignleft\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-286x300.jpg\" alt=\"\" width=\"286\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-286x300.jpg 286w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-768x805.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-916x960.jpg 916w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-920x965.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-340x356.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-306x321.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-19-quadrat.Erdbeeren-260x273.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/>Bei der neben stehenden Abbildung erkennt man, dass keines der Teile die Eigenschaft \u00abviereckig\u00bb in sich tr\u00e4gt. Dennoch sieht man jeweils vier Punkte zusammen als Quadrat. Es ist die Anordnung der einzelnen Teile, welche zur wesentlichen Qualit\u00e4t der Wahrnehmung des Ganzen beisteuert. Gleichzeitig sieht man, dass die Gliederungsform erhalten bleibt, auch wenn die einzelnen Teile ver\u00e4ndert werden, ihre Bildposition jedoch weiter besteht. In diesem Fall spricht man von \u00abGestalttransposition\u00bb. Trotz der unterschiedlich gestalteten Punkte bleibt die Eigenschaft der \u00abQuadratigkeit\u00bb allen Figuren gemeinsam.<\/p>\n<p>F\u00fcr Transpositionen gibt es zahllose Beispiele in allen Wahrnehmungsbereichen. Wichtig f\u00fcr eine Transposition ist, dass die Beziehungen zwischen den Einzelreizen (Bildteilen) gleich bleiben. Dennoch wird die Wahrnehmung des Ganzen durch die Qualit\u00e4ten der einzelnen Reize beeinflusst. Eine laute Melodie klingt anders, als die gleiche Melodie, wenn sie leise gespielt wird. Ebenso sieht ein \u00abQuadrat\u00bb aus Himbeeren anders aus als eines aus Schie\u00dfpatronen.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\">Abbildung Gruppierung nach N\u00e4he und \u00abguter Gestalt\u00bb im Wettbewerb<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8037 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-256x300.jpg\" alt=\"\" width=\"256\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-256x300.jpg 256w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-768x899.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-820x960.jpg 820w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-920x1077.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-340x398.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-306x358.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern-260x304.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-20-Strich-Klammern.jpg 1654w\" sizes=\"(max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/h6>\n<p>Eine bekannte optische T\u00e4uschung zeigt uns, die unten abgebildete M\u00fcller-Lyer-T\u00e4uschung, dass die Eigenschaften der Teile uns stets abh\u00e4ngig von der Art des Ganzen erscheinen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8039\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-960x960.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-920x920.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-174x174.jpg 174w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-340x340.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-306x306.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-520x520.jpg 520w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-22-Groessentaeusch-260x260.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.1.5 Bezugssysteme<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Kommen wir noch einmal auf das erste Beispiel aus dem Abschnitt Figur und Grund zur\u00fcck (Siehe 2.1.2). Wir haben dort einen schwarzen Fleck auf einem grauen Grund gesehen. Bei der Wahrnehmung dieses Bildes wurde der schwarze Fleck in Bezug gesetzt zu der grauen Fl\u00e4che, in die er eingebettet ist. Erst aus dem Verh\u00e4ltnis zueinander k\u00f6nnen Form, Gr\u00f6\u00dfen, Farbabweichungen etc. erkannt werden. Man k\u00f6nnte die Schlussfolgerung ziehen: Erst durch den Schatten wird das Licht deutlich. Jedoch ohne Licht wird absolut nichts sichtbar. Der Schatten ist immer die Folge eines nicht lichtundurchl\u00e4ssigen Dinges, das dabei im Licht steht, das Licht absorbiert.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Treten mehrere Figuren in einem Bild zusammen, so k\u00f6nnen diese in Bezug zueinander nach ihren Eigenschaften erkannt werden.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8040\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-960x960.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-920x920.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-174x174.jpg 174w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-340x340.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-306x306.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-520x520.jpg 520w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte-260x260.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-23-Blaue-Punkte.jpg 1890w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><span style=\"color: #000000;\">Auf dieser Abbildung\u00a0 kann man einmal die Gr\u00f6\u00dfe der Kreise gegeneinander abw\u00e4gen, oder auch die unterschiedliche Blaut\u00f6ne miteinander vergleichen und bestimmen. Es ist ein Beispiel daf\u00fcr, dass f\u00fcr jede Wahrnehmung eigene Bezugsparameter vorhanden sein m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im Anfang des Kapitels 2 konnte aus einem Versuch entnommen werden:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c40202;\"> Fehlen bei der Wahrnehmung Bezugspunkte, sich unterscheidende Reize (in Form, Farbe,Klang, Bewegung), so ist der Betrachter desorientiert.<\/span><\/p>\n<p>H. Helson befasste sich mit dem Ph\u00e4nomen, die bei der Wahrnehmung unmittelbar gegeben ist: Fehlt dem Beobachter ein Bezugsrahmen, so schafft er sich einen aus seinem inneren Repertoire. Dieser psychologische Anhalt ist nur mittelbar von den \u00e4u\u00dferen Reizen abh\u00e4ngig, vielmehr von dem psychischen Setting des Beobachters.<\/p>\n<p>Eine Versuchsperson wird einer beliebigen Art von Reizen unterschiedlicher Intensit\u00e4t ausgesetzt, z.B. verschiedenen Helligkeiten, verschieden Lautst\u00e4rken, Gewicht usw. Bei der subjektiven Beurteilung dieser Reize ergibt sich eine Mittelstelle in der Gewichtung. Diese Mitte wird als <span style=\"color: #c40202;\"><strong>Adaptionsniveau<\/strong><\/span> bezeichnet. Reizgr\u00f6\u00dfen oberhalb des Adaptionsniveaus werden als schwer, laut, hell usw. wahrgenommen und bezeichnet, unterhalb des Adaptionsniveaus erscheinen sie als leicht, leise und dunkel usw.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40202;\">Das Adaptionsniveau ist nicht eine einfache Mittelwertbildung aller Reizbetr\u00e4ge, sondern unterliegt fortw\u00e4hrend Ver\u00e4nderungen, und zwar als Funktion aller Reize, die auf den Beobachter bei der Beurteilung selbst, aber auch in der Vergangenheit eingewirkt haben.<\/span><\/p>\n<p>Ein einziger extremer Reiz, der weit au\u00dferhalb des Bereiches der \u00fcbrigen Reizserie liegt, kann das Adaptionsniveau deutlich in seine Richtung verschieben.<\/p>\n<p>D.R. Braun wies durch eine besondere Versuchsanordnung nach, dass der Bildungsprozess des Adaptionsniveaus auch noch von anderen Faktoren der Wahrnehmungsorganisation abh\u00e4ngt. Das Adaptionsniveau ist uns vor allem aus dem Bereich der Helligkeit bekannt. In dem Kapitel Farbe wird dieser Prozess dann n\u00e4her beschrieben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.1\u00a0 Zusammenfassung<\/strong><\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Wird ein Mensch einer v\u00f6llig uniformen Reizsituation ausgesetzt, so kann er sich nicht mehr orientieren.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">\u00a0Eine kontinuierliche Ver\u00e4nderung einer Reizsituation wird vereinheitlicht.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Konturen oder Kontrast sind f\u00fcr die Wahrnehmungsorganisation \u00e4u\u00dferst wichtig, und seien sie noch so schwach.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Bei der Strukturierung des Wahrgenommen erfolgt spontan eine Differenzierung nach Figur und Grund. Daf\u00fcr werden \u00e4hnliche Bildteile gruppiert.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Die Gruppierungstendenzen laufen im wesentlichen nach drei Gesichtspunkten ab. N\u00e4her beieinander stehende Figuren werden mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit zusammengefasst als weiter auseinander liegende.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Unter sonst gleichen Bedingungen werden \u00e4hnliche Reize h\u00e4ufiger gruppiert als un\u00e4hnliche.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Figuren, die eine \u00bbgute Gestalt\u00ab bilden, werden mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit gruppiert.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c40202;\"> Die Bestimmung \u00abgute Gestalt\u00bb beinhaltet: deutliche Kontinuit\u00e4t, ersichtliche Symmetrie, geschlossenere Form und Gemeinsamkeit in der Form und\/oder der Bewegung gegen\u00fcber den anderen Bildelementen.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Die Eigenschaft des entstandenen \u201eGanzen\u201c, d.h. der aus der Gruppierung entstandenen neuen Figur, ist nicht unbedingt die Summe der Eigenschaften der Teile.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Fehlen bei der Wahrnehmung ein Bezugspunkt oder sich unterscheidende Reize (in Form, Farbe, Klang, Bewegung,) so ist der Betrachter meistens desorientiert.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.2 Wahrnehmungs\u00e4nderung bei gleich bleibendem Reizmuster<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Wie in vorangegangenen Versuchen zu sehen war, setzt die\u00a0 Organisation der Wahrnehmung Ver\u00e4nderungen mit \u00c4nderungen der Reizsituation in Verbindung. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass solche Ver\u00e4nderungen der Wahrnehmung nicht immer der \u00c4nderung der Reizsituation direkt entsprechen. In diesem Abschnitt wollen wir uns jedoch erst einmal mit Wahrnehmungs\u00e4nderungen befassen, die sich bei objektiv gleich bleibendem Reizmuster ergeben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.2.1 Kippfiguren<\/strong><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8042\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-162x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-162x300.jpg 162w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-768x1426.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-517x960.jpg 517w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-920x1708.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-340x631.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-306x568.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe-260x483.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-26-Kipptreppe.jpg 1654w\" sizes=\"(max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/>Fixiert man dieses Bild ein paar Sekunden, dann wird eine Zeitlang ein perspektivischer Aspekt wirksam und danach, ohne merkbaren \u00dcbergang, sieht man das Bild aus einer anderen Sicht. Man nennt diesen Vorgang in der Wahrnehmung: Umkippen. Bei l\u00e4ngerem Ansehen einer sogenannten Kippfigur wechseln die beiden Ansichten mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig ab. Es hat sich zeigen lassen, dass die Umkippfrequenz als Funktion der Gesamtfixationsdauer zunimmt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40202;\">Wann eine Figur zur Kippfigur wird, h\u00e4ngt von der Form ab, die eine mehrdeutige Interpretation zul\u00e4ssig macht. Ist die Figur so aufgebaut, dass beide Ansichtsm\u00f6glichkeiten gleicherma\u00dfen leicht wahrnehmbar sind, so erfolgt ein relativ h\u00e4ufiges Umschlagen.<\/span><\/p>\n<p>Andernfalls ist die H\u00e4ufigkeit geringer und die weniger beg\u00fcnstigte Form erscheint nur f\u00fcr kurze Zeit.<\/p>\n<p>Bei der nachfolgenden Abbildung kann der Betrachter die m\u00f6glichen Ursachen f\u00fcr das Umkippen herausfinden. Man betrachte den Neckerschen W\u00fcrfel m\u00f6glichst nicht als Ganzheit, sondern fixiert der Reihe nach die Ecken der Abbildung im Uhrzeigersinn.<br \/>\nIn diesem Versuch kann man die \u00abspontanen\u00bb Ver\u00e4nderungen der Wahrnehmungsorganisation steuern, indem der visuelle Fixationspunkt verlagert wird. Man stellt dabei fest, dass seine Lage mit bestimmt, welche Alternative gesehen wird.<\/p>\n<p>Diese Erscheinung allein reicht zur Erkl\u00e4rung nicht ganz aus. H\u00e4ufig tritt das \u00abUmkippen\u00bb v\u00f6llig unbeabsichtigt auf.<\/p>\n<p>Bei der weiteren Untersuchung dieses Ph\u00e4nomens hat man zwei weitere bekannte Mechanismen der Wahrnehmung zur Grundlage von Versuchen mit einbezogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.2.2 S\u00e4ttigung der Wahrnehmung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die erste Annahme:<br \/>\n<span style=\"color: #c40202;\">Die Abl\u00f6sung alternativer Formen wird durch eine zunehmende S\u00e4ttigung des Eindrucks bedingt.<\/span><\/p>\n<p>Dazu sehen Sie einen Versuch im nebenstehenden Bild:<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8043 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-246x300.jpg\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-246x300.jpg 246w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-768x936.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-788x960.jpg 788w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-920x1121.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-340x414.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-306x373.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz-260x317.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-27-Malteser-Kreuz.jpg 1890w\" sizes=\"(max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/><\/p>\n<p>Fixiert man den Mittelpunkt des gelben Kreuzes oben links in der Abbildung eine Minute lang und schaut dann auf den Mittelpunkt des Achtecks unten in der Mitte, dann sieht man deutlich den \u00bbPropeller\u00ab im Vordergrund.<\/p>\n<p>Um diese \u00c4nderung der Wahrnehmung noch deutlicher zu erfahren, wiederholt man den Versuch mit einer kleinen \u00c4nderung:<\/p>\n<p>Man fixiert zuerst den Mittelpunkt des violetten \u00bbPropellers\u00ab oben rechts ca. eine Minute lang und schaut dann auf den Mittelpunkt des Achtecks unten. Jetzt erscheint das violette Malteser Kreuz im Vordergrund.<\/p>\n<p>Neurophysiologen k\u00f6nnen diesen Effekt leicht erkl\u00e4ren: Beim l\u00e4ngeren fixierten Betrachten der isolierten Figuren entsteht eine \u00dcbers\u00e4ttigung der Retinazellen im Augapfel, was dazu f\u00fchrt, dass beim weiteren Betrachten geschlossener Figuren die zweite, weniger beg\u00fcnstigte Form unmittelbar auftaucht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\">Auf Kippfiguren \u00fcbertragen bedeutet das:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Erreicht eine S\u00e4ttigung beim Betrachten ein bestimmtes Niveau, so wird die erste Figur unterdr\u00fcckt, und die zweite Form erscheint.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">Diese unterliegt ebenfalls der S\u00e4ttigung und wird dann wieder von der ersten Form abgel\u00f6st.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>Einen \u00e4hnlichen Effekt konnte schon des \u00f6fteren bei anderen Situationen erlebt werden. Fixiert man zum Beispiel f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit ein Wort, so beginnt es allm\u00e4hlich \u00bbsonderbar\u00ab auszusehen. Wir glauben, es w\u00e4re falsch geschrieben. Oder man wird pl\u00f6tzlich gefragt, wie ein Wort ausgesprochen wird. Man sagt es mehrere Male vor sich hin und \u00fcberlegt. Dabei scheint sich das Wort zunehmend zu ver\u00e4ndern. Es verliert seinen Inhalt und bekommt andere, z.B. eine rein akustische Wahrnehmungsqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Bevor wir uns mit der zweiten Hypothese befassen, noch ein einfaches Experiment:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8259\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-713x960.jpg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-713x960.jpg 713w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-223x300.jpg 223w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-768x1035.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-920x1239.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-340x458.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-306x412.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-28-Schw.weiss-Kontrast-1-260x350.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/>Hier sieht man einen wei\u00dfen Kreis in einem schwarzen Feld, in der Mitte ist ein kleiner schwarzer Punkt, darunter ist ein wei\u00dfes Feld.<br \/>\nWenn man f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit den kleinen Punkt im wei\u00dfen Kreis fixiert und danach auf das wei\u00dfe Feld blickt, nimmt man dort einen dunklen Kreis auf wei\u00dfem Grund wahr, obwohl real dort keiner abgebildet ist.<\/p>\n<p>Diese Erscheinung ist hinreichend bekannt. Wenn man eine Weile in sehr helle Lichtquellen hinein gesehen hat und sich dann wegen der Blendung abwendet, sieht man immer noch f\u00fcr eine Weile die Form der Lichtquelle, meistens negativ in seinem Wahrnehmungsfeld. Der Eindruck verl\u00f6scht nach einer gewissen Zeit. Die Dauer bis zum v\u00f6lligen Verschwinden ist abh\u00e4ngig von der Intensit\u00e4t des ersten Eindrucks. \u00c4hnliche Erscheinungen gibt es auch im akustischen Bereich.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40202;\">Diesen Effekt nennt man Nachbild.<\/span><\/p>\n<p>Bei fortgesetzter Darbietung eines Reizmusters ver\u00e4ndern sich die Sinnesrezeptoren der Retina im Auge oder die sich anschlie\u00dfenden nerv\u00f6sen Funktionen, und zwar so, dass neue Reizmuster, die anschlie\u00dfend dargeboten werden, systematisch ver\u00e4ndert wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>Hierzu folgen noch mehr Informationen im Abschnitt \u00abNachbild, Simultan-, Sukzessivkontrast\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.3 Wahrnehmungs\u00e4nderung bei \u00c4nderung das Reizmusters<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>2.3.1 Minimale Wahrnehmungs\u00e4nderung<\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits am Anfang des Kapitels 2.2 erw\u00e4hnt, ist die Wahrnehmungs\u00e4nderung nicht direkt proportional der \u00c4nderung das Reizmuster. Die \u00c4nderung in der Wahrnehmungsorganisation h\u00e4ngt im wesentlichen ab von der Gestaltung der sich \u00e4ndernden Reizsituation. Dabei kann es durchaus zu sprunghaften Ver\u00e4nderungen kommen, obwohl die objektive \u00c4nderung des Reizmusters nur minimal ist.<\/p>\n<p>Um Genaueres \u00fcber die \u00c4nderungsqualit\u00e4ten in der Wahrnehmung zu erfahren, wurde folgendes Experiment gemacht:<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8061 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-243x300.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"506\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-243x300.jpg 243w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-768x949.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-777x960.jpg 777w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-920x1136.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-340x420.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-306x378.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung-260x321.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-29-Drehtaeuschung.jpg 2008w\" sizes=\"(max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><br \/>\nIn einem verdunkelten Raum wird ein rotierender leuchtender Stab durch eine ellipsenf\u00f6rmige \u00d6ffnung beobachtet. W\u00e4hrend der Rotation ver\u00e4ndert also der sichtbare Teil des Stabes dauernd seine L\u00e4nge. Auf der Netzhaut werden sich zwei wesentliche Ver\u00e4nderungen abbilden:<\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">die Lagever\u00e4nderung des Stabes durch die Umdrehung,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #c40202;\">die L\u00e4ngenver\u00e4nderung des Stabes, entsprechend dem Ellipsenausschnitt.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Beobachter nimmt in der Regel jedoch etwas v\u00f6llig anderes wahr. Er wird den Stab best\u00e4ndig gleich lang sehen, wobei er jedoch in einer gekippten Ebene zu rotieren scheint.<\/p>\n<p>Zwei kontinuierliche \u00c4nderungen in der Reizsituation werden in der Wahrnehmung zu einer kontinuierlichen Ver\u00e4nderung zusammengefasst, wenn die \u00c4nderungen im Sinne der \u00abguten Form\u00bb erfolgen. Die Ellipse wird zum Kreisausschnitt, weil es die wahrscheinlichste M\u00f6glichkeit eines Gegenstandes oder Loches in einem Gegenstand ist. Siehe die neben stehende Abbildung.<\/p>\n<p>Dieser Versuch l\u00e4sst auch die Schlussfolgerung zu, dass die Ver\u00e4nderung der <span style=\"color: #c40202;\">Wahrnehmungsgestaltung immer der Tendenz unterliegt, m\u00f6glichst eine geringe Anzahl von \u00c4nderungen auftreten zu lassen.<\/span><\/p>\n<p>Einige Teile eines wahrgenommenen Gegenstandes werden st\u00e4rker beeinflusst als andere; einige Teile erscheinen \u00fcberhaupt nicht ver\u00e4ndert.<br \/>\nDas hei\u00dft: Nicht nur der Gesamtbetrag der Ver\u00e4nderung ist minimal, sondern auch die Zahl der \u00c4nderungstypen innerhalb der Wahrnehmungsorganisation.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40202;\">Die Wahrnehmung folgt also stets der selektiven Vereinfachung, um m\u00f6glichst schnell und direkt eine eventuelle Bedrohung zu realisieren und um entsprechende Flucht- oder Agressionsmechanismen aktivieren zu k\u00f6nnen. Auch dabei ist von Bedeutung, dass dieser im visuellen Bereich erforschte Mechanismus eine Grundregel f\u00fcr das Erfassen und sinnesorganische Wahrnehmen aller S\u00e4ugetiere ist, dem der Mensch sich auch nicht durch Kenntnis des Vorganges entziehen kann, nicht einmal im psychosozialen Kontakt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.3.2 Wahrnehmungs\u00e4nderung und Strukturst\u00e4rke<\/strong><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8062\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-244x300.jpg\" alt=\"\" width=\"329\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-244x300.jpg 244w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-768x946.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-780x960.jpg 780w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-920x1133.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-340x419.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-306x377.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung-260x320.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-30-Groesse-Entfernung.jpg 1890w\" sizes=\"(max-width: 329px) 100vw, 329px\" \/>Erinnern wir uns zun\u00e4chst an die Faktoren, die st\u00e4rkere oder schw\u00e4chere Strukturen im Wahrnehmungsbereich beg\u00fcnstigen, ehe wir zum n\u00e4chsten Prinzip kommen. Im Kapitel 2.1 sind einige Beg\u00fcnstigungsfaktoren erl\u00e4utert worden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40202;\">Ein Wahrnehmungsgegenstand ist st\u00e4rker organisiert, wenn die Reizgrundlage betr\u00e4chtlich \u00fcber der zugeh\u00f6rigen Wahrnehmungsschwelle liegt, wenn deutliche Konturen vorhanden sind, die plausible Bez\u00fcge erm\u00f6glichen, und wenn infolge der Gliederung oder Anordnung mehrere Gruppierungstendenzen wirksam werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen Voreinstellung, vorausgegangene Erfahrung, emotionaler Zustand sowie die Motivation des Beobachters die Strukturst\u00e4rke beeinflussen.<br \/>\n(Dazu N\u00e4heres im <strong><a href=\"http:\/\/www.artokora.de\/?p=8172#.WdULg0zqgUE\">Kapitel 6.0 Psychologische Reizaunahme<\/a><\/strong>)<\/p>\n<p>Ein einfacher visueller Versuch erm\u00f6glicht es, die Art der Wahrnehmungs\u00e4nderung zu erkennen, wenn st\u00e4rker und schw\u00e4cher strukturierte Teile im Wahrnehmungsfeld ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Ein Beobachter befindet sich in einem v\u00f6llig abgedunkelten Raum. Vor ihm h\u00e4ngen zwei gleich gro\u00dfe Luftballons, die gleicherma\u00dfen beleuchtet sind. (Siehe die Abb. vorhergehende Seite) Wird nun einer der Ballons allm\u00e4hlich weiter aufgepumpt, so wird das Abbild auf der Netzhaut des Beobachters entsprechend gr\u00f6\u00dfer. Aber die Wahrnehmung spielt ihm hier einen Streich.<\/p>\n<p>Er sieht n\u00e4mlich nicht, dass die beiden Ballons am gleichen Platz bleiben, wobei einer davon gr\u00f6\u00dfer wird. Stattdessen scheint der Ballon, der objektiv eine Vergr\u00f6\u00dferung durchmacht, langsam n\u00e4her zum Betrachter zu kommen, ohne dabei seine Gr\u00f6\u00dfe zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>Wie ist das zu erkl\u00e4ren?<\/strong><\/span><br \/>\nDie Informationsreize, die unter normalen Bedingungen das Sch\u00e4tzen von Entfernungen erm\u00f6glichen, sind aufgrund der Verdunkelung au\u00dferordentlich schwach.<br \/>\nDas bedeutet, die r\u00e4umliche Lokalisierung der Ballons stellt einen schwach organisierten Teil des wahrgenommenen Gegenstandes dar. Dagegen sind die Reize, die eine Gr\u00f6\u00dfenbeurteilung der beleuchteten Ballons erm\u00f6glichen, st\u00e4rker organisiert.<\/p>\n<p>Die Wahrnehmungs\u00e4nderung erfolgt dann so, dass der st\u00e4rker strukturierte Reiz unver\u00e4ndert bleibt und sich der schw\u00e4cher strukturierte Reiz ver\u00e4ndert. Oder anders gesagt: Beim Erfassen wird durch die Wahrnehmungsorganisation die Gr\u00f6\u00dfe des Ballons konstant gehalten, w\u00e4hrend sich die Entfernung verringert.<\/p>\n<p><strong>Daraus wird folgendes Prinzip abgeleitet:<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #c40202;\">Unter sonst gleichen Bedingungen setzen st\u00e4rker gestaltete Teile des Feldes einer Ver\u00e4nderung der Wahrnehmungsorganisation l\u00e4nger Widerstand entgegen als schw\u00e4cher gestaltete.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.3.3 Trennung von Teilreizen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8063\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-300x157.jpg\" alt=\"\" width=\"457\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-300x157.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-768x402.jpg 768w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-960x503.jpg 960w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-920x482.jpg 920w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-340x178.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-306x160.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-31-Rot-Gruen-260x136.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 457px) 100vw, 457px\" \/>Die Anpassung der Wahrnehmung an eine Reizver\u00e4nderung wird oft durch die Trennung von Teilen des wahrgenommenen Feldes bewirkt.<\/p>\n<p>Dazu sei folgendes Experiment empfohlen:<br \/>\nNehmen Sie sich eine gleichm\u00e4\u00dfig gr\u00fcne Fl\u00e4che ansto\u00dfend dicht neben einem gleichm\u00e4\u00dfig rotem Feld mit gleichem Lichtwert f\u00fcr die Helligkeit.<br \/>\nStellen Sie z.B. einen ca 15 bis 20 cm hohen Karton (am Besten in Mittelgrau) auf die Kontur zwischen den beiden Farben und halten ihn mit der Nase fest. Durch diese Versuchsanordnung wird dem einen Auge nur die Farbe Rot und dem anderen nur die Farbe Gr\u00fcn angeboten. F\u00fcr die Augen ist eine direkte Mischung dieser beiden Komplement\u00e4rfarben gleicher Helligkeit unm\u00f6glich. Darum werden Sie also eine Zeit lang Rot und eine Zeit lang Gr\u00fcn sehen. Aber Sie k\u00f6nnen beide Farben nicht zur gleichen Zeit sehen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40202;\">K\u00f6nnen die auf die Netzh\u00e4ute im Auge wirkenden Reize nicht leicht kombiniert werden, so wird zu jedem gegebenen Zeitpunkt nur ein Teil gesehen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c40202;\"> Sind die von beiden Teilen ausgehenden Reize ann\u00e4hernd gleich stark, so ist ein <\/span><span style=\"color: #c40202;\">Oszillieren zu erwarten. (Erkl\u00e4rung: oszillieren &#8211; schaukeln, schwingen)<\/span><\/p>\n<p>Dieses einfache Beispiel zeigt, wie von der vorhandenen Wahrnehmungsorganisation ein schwieriges Problem gel\u00f6st wird: Kann eine Vermischung nicht stattfinden, so ist offenbar die n\u00e4chst beste L\u00f6sung, nach einander \u00abjeder individuellen Organisationsform\u00bb ihre Chance zu geben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>Zwei Dinge werden durch diese simple L\u00f6sung erreicht:<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c40202;\">Die Einfachheit der Gesamterscheinung wird aufrecht erhalten, dennoch werden beide Teile in ein in der Zeit ausgedehntes Ganzes eingeordnet.<\/span><\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen der zeitweiligen Aufteilung von Reizen in partiell Wahrgenommenes spielt in der Psyche des Menschen, also bei humanen, moralischen oder ethischen Wahrnehmungen oftmals eine betr\u00e4chtliche Rolle. Man spricht dann sogar von der Verdr\u00e4ngung von Teilen des Wahrgenommenen, weil es sich nicht mit der inneren Wahrnehmung, mit bisherigen Vorstellungen oder Tabus (Gewissen) vertr\u00e4gt. Widerspr\u00fcchliche Weltanschauungen oder Charaktereigenschaften werden jeweils nur nacheinander, also in die Zeit verteilt, erfahren und vertreten. Vielleicht ist das Jekyll-and-Hyde-Syndrom aus der Literatur (Novelle \u00abDer seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde\u00bb von Robert Louis Stevenson) oder dem amerikanischen Kinofilm bekannt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.3.4 Sprunghafte \u00c4nderungen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ver\u00e4nderungen in der Wahrnehmung sind zuweilen allm\u00e4hliche, quantitative \u00c4nderungen der Eigenschaften von wahrgenommenen Gegenst\u00e4nden oder Verschiebungen der Beziehungen mehrerer Gegenst\u00e4nde zueinander. H\u00e4ufig treten Ver\u00e4nderungen in der Wahrnehmung auch ganz pl\u00f6tzlich auf. Dabei sind sich die beiden Erscheinungsweisen gelegentlich so un\u00e4hnlich, dass es schwer vorzustellen ist, wie dieser Unterschied nur durch eine geringe Ver\u00e4nderung an den Reizen ausgel\u00f6st sein konnte.<\/p>\n<p>Solche \u00abSpr\u00fcnge\u00bb sind in der uns umgebenden Natur, wie auch im Bereich der Naturwissenschaften wohl bekannte Erscheinungen. Die bekannte Binsenwahrheit: \u00abEin Tropfen kann das Fass zum \u00dcberlaufen bringen\u00bb kennt eigentlich jeder. Das Prinzip, das sich dahinter verbirgt, findet sich in vielen psychosozialen Prozessen wieder.<\/p>\n<p>Oft reichen geringe Umgruppierungen der Kr\u00e4fte oder Informationen innerhalb einer Situation aus, das Gleichgewicht zwischen den Reizen radikal umzusto\u00dfen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40202;\">Die Umorganisation der Wahrnehmungsgestaltung tritt auch bei kleinen Ver\u00e4nderungen des Reizfeldes h\u00e4ufig als pl\u00f6tzliche, stufenweise Umformung auf.<\/span><\/p>\n<p>Fortw\u00e4hrend muss der Mensch in einer enormen Informationsflut ungeordneter und teilweise widerspr\u00fcchlicher Reize innerhalb und au\u00dferhalb von sich mit Hilfe des aktiven Bewusstseins und seiner Aufmerksamkeit Ordnung f\u00fcr seine Apperzeption zur Orientierung in der Selbsterhaltung herstellen. Dies erfordert die permanente Konstruktion einer gesicherten Wahrnehmungswelt. Dabei kann die Erfassung (ich sage hier bewusst nicht Sinneswahrnehmung, weil zum Selbstschutz auch Erfassungen geh\u00f6ren, die au\u00dfersinnlich empfangen werden) der unterschiedlichen Reize und Anforderungen aus s\u00e4mtlichen Sinnesorganen derart in Konflikt gebracht werden, dass sie v\u00f6llig neue Wege beschreiten muss.<br \/>\nH. Wallach hat zu diesem Ph\u00e4nomen weitere Untersuchungen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Es ist in unserem Sprachgebrauch \u00fcblich, bei dieser Ver\u00e4nderung der Wahrnehmung von einer \u00absch\u00f6pferischen\u00bb Umgestaltung zu sprechen, und zwar deshalb, weil die Neuorganisation nicht schon vorher im Repertoire des Beobachters enthalten war. Die Neugestaltung wird zum ersten Mal als Ergebnis der Notwendigkeit auftreten, eine vorliegende Reizsituation als bedeutungshaltig anzusehen, oder in einer sich stark widerspr\u00fcchlichen Reizsituation zu einer annehmbaren Gleichgewichtssituation zu kommen. Das verbirgt sich auch hinter der Volksweisheit: \u00abDie Not macht erfinderisch!\u00bb Dar\u00fcber hinaus aber gleicht die neue Wahrnehmungsstruktur die angebotenen Informationen auf ebenso \u00f6konomische wie elegante Art und Weise an.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40404;\">Das kreative Wahrnehmen kann, wie gesagt, pl\u00f6tzlich, absichtslos und ohne deutliches Bewusstsein der Einzelheiten des Prozesses auftreten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>2.2 Zusammenfassung<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c40404;\">Wann eine Figur zur \u00bbKippfigur\u00ab wird, h\u00e4ngt von der Form ab, die eine mehrdeutige Interpretation zul\u00e4ssig macht. Ist die Figur so aufgebaut, dass beide Ansichtsm\u00f6glichkeiten gleicherma\u00dfen leicht wahrnehmbar sind, so erfolgt ein relativ h\u00e4ufiges Umschlagen.<\/span><\/p>\n<p>Beim Betrachten der isolierten Figuren wird eine \u00dcbers\u00e4ttigung der Nervenzellen erreicht, was dazu f\u00fchrt, dass beim Sehen gechlossener Figuren die zweite, weniger beg\u00fcnstigte Form unmittelbar auftaucht.<\/p>\n<p>Bei fortgesetzter Darbietung eines Reizmusters ver\u00e4ndern sich die Sinnesrezeptoren oder die sich anschlie\u00dfenden nerv\u00f6sen Funktionen, und zwar so, dass neue Reizmuster, die anschlie\u00dfend dargeboten werden, systematisch ver\u00e4ndert wahrgenommen werden.<br \/>\n<span style=\"color: #c40404;\">Um die \u00dcbersichtlichkeit zu verst\u00e4rken tendiert die Wahrnehmungsgestaltung dazu, m\u00f6glichst wenige \u00c4nderungen auftreten zu lassen.<\/span><\/p>\n<p>Ein Wahrnehmungsgegenstand ist st\u00e4rker organisiert, wenn die Reizgrundlage betr\u00e4chtlich \u00fcber der zugeh\u00f6rigen Wahrnehmungsschwelle liegt, wenn deutliche Konturen vorhanden sind, die Bez\u00fcge erm\u00f6glichen, und wenn infolge der Gliederung oder Anordnung mehrere Gruppierungstendenzen wirksam werden k\u00f6nnen.<br \/>\n<span style=\"color: #c40404;\">Unter sonst gleichen Bedingungen setzen st\u00e4rker gestaltete Teile des Blickfeldes einer Ver\u00e4nderung der Wahrnehmungsorganisation l\u00e4nger Widerstand entgegen als schw\u00e4cher gestaltete.<\/span><\/p>\n<p>K\u00f6nnen die wahrgenommenen Reize nicht leicht kombiniert werden, so wird zu jedem gegebenen Zeitpunkt nur ein Teil vom Reizmuster gesehen, oder es kommt zur Oszillation.<br \/>\n<span style=\"color: #c40404;\">Die Einfachheit der Gesamterscheinung wird stets aufrecht erhalten, daf\u00fcr werden die Teile der Wahrnehmung in ein in der Zeit ausgedehntes Ganzes eingeordnet.<\/span><\/p>\n<p>Ver\u00e4nderungen in der Wahrnehmung sind oftmals allm\u00e4hliche, quantitative \u00c4nderungen der Eigenschaften von wahrgenommenen Gegenst\u00e4nden oder Verschiebungen der Beziehungen mehrerer Gegenst\u00e4nde zueinander.<br \/>\n<span style=\"color: #c40404;\">Die Umorganisation der Wahrnehmungsgestaltung kann bei Ver\u00e4nderung des Reizfeldes auch h\u00e4ufig als pl\u00f6tzliche, stufenweise Umformung auftreten.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8065\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-300x177.jpg\" alt=\"\" width=\"839\" height=\"495\" srcset=\"https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-300x177.jpg 300w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-340x200.jpg 340w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-306x180.jpg 306w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-260x153.jpg 260w, https:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond.jpg 604w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>N\u00e4chstes Kapitel: <a href=\"http:\/\/www.artokora.de\/?p=8083#.Wc3WxkzqgUH\"><span style=\"color: #c20202;\">3.0 R\u00e4umliche Wahrnehmungkriterien<\/span><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Allgemeine Wahrnehmungskriterien Schon die \u00e4u\u00dfere Wahrnehmung der Umwelt gestaltet sich als ein vielschichtiger Vorgang. Dennoch ist es m\u00f6glich, unter besonderen Perspektiven, einzelne Prozesse voneinander getrennt zu behandeln, denn: Eine gro\u00dfe Anzahl von Wahrnehmungsmechanismen sind \u201eordnende\u201c Prozesse. Sie basieren auf dem Selbstschutz- und Selbsterhaltungsmechanismen des Menschen, \u00dcberlebensangst des animalischen Koplexes. Man muss hier von automatisch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.artokora.de\/?p=8012\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e2.0 Allgemeine Wahrnehmungskriterien\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7919,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[692,664,79,108,689,211,693,695,722,130,696,691,694,723,697,690],"class_list":["post-8012","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gedanken-schaetze","tag-adaptionsniveau","tag-assimilieren","tag-bewusstsein","tag-denken","tag-differenzierung-der-wahrnehmung","tag-gedaechtnis","tag-intensitaet","tag-kippfigur","tag-kippfiguren","tag-lichtgesetze","tag-reizmusters","tag-reizsituation","tag-sinnesrezeptoren","tag-uebersaettigung","tag-wahrnehmungsgestaltung","tag-wahrnehmungskriterien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8012"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8012"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8012\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8556,"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8012\/revisions\/8556"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}