{"id":8083,"date":"2017-09-28T15:12:53","date_gmt":"2017-09-28T13:12:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.artokora.de\/?p=8083"},"modified":"2018-04-23T14:23:07","modified_gmt":"2018-04-23T12:23:07","slug":"3-0-raeumliche-wahrnehmungskriterien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.artokora.de\/?p=8083","title":{"rendered":"3.0 R\u00e4umliche Wahrnehmungskriterien"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind st\u00e4ndig von Raum, Zeit und Bewegung umgeben. Im Raum sehen wir Gegenst\u00e4nde, in und mit denen wir uns handelnd auseinander setzen. W\u00e4hrend der fr\u00fchen Kindheit wird spielerisch gelernt, sie zu lokalisieren, in welcher Entfernung sie sich von einem und von anderen Gegenst\u00e4nden befinden. Jeder hat im Laufe der Adoleszenz gelernt, auch Geschwindigkeiten zu sch\u00e4tzen. Dieses Koordinatensystem der r\u00e4umlichen Orientierung besteht im visuellen Bereich der Wahrnehmung aus den Faktoren Gr\u00f6\u00dfe, Form und Farbe sowie Helligkeit und Unsch\u00e4rfe\/Sch\u00e4rfe der Gegenst\u00e4nde. Hinzutreten k\u00f6nnen dann noch Faktoren aus anderen sinnesorganisch zu erfassenden Reizstrukturen. Dazu geh\u00f6rt vor allem die Akustik.<\/p>\n<p>Die Bef\u00e4higung, zu einer wirksamen Wahrnehmung von Sensationen und\/oder Gegenst\u00e4nden in Bewegung, Zeit, Raum zu gelangen, ist derma\u00dfen komplex und hochsensibel, dass sogar heute noch Gro\u00dfcomputer an die Grenze ihrer M\u00f6glichkeiten gef\u00fchrt werden, sollten sie die menschliche Leistung der sinnesorganischen Wahrnehmungsorganisation nachstellen wollen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst werden die Sinnesreize rein physiologisch aufgenommen und nervlich in den Hinterhauptlappen des Gro\u00dfhirns geleitet. Man sagt, dass dann im Gehirn die sinnlichen Impulse nach Wichtigkeit und Bedeutung f\u00fcr den Selbsterhalt bzw. aktuellem Interesse sortiert (Gruppierungstendenzen etc.) werden. Die sortierten Informationen steuern sofort die weitere Aufnahme und Bewertung neuer Sinnesreize. Die einzelnen Informationen werden miteinander verkn\u00fcpft, gleichzeitig mit vorhandenen Absichten, Erfahrungen bzw. Vorstellungen verglichen, danach noch einmal sortiert und erneut korrigiert. Erst dann erfolgt die Weiterleitung der selektierten und bewerteten Informationsfolge an das Denkverm\u00f6gen. Das bedeutet, dem Tagesbewusstsein wird demnach nur das vermittelt, was angstfrei zu seiner augenblicklichen Begehrens- bzw. Interessenlage geh\u00f6rt und was f\u00fcr die aktuelle Selbsterhaltung erforderlich ist.<\/p>\n<p>Dies ist nat\u00fcrlich nur eine Skizze dessen, was die menschliche Wahrnehmungsorganisation in Bruchteilen von Sekunden teils unbewusst, teils willentlich vollbringt, denn die psychischen Selektionsfaktoren der Selbsterhaltung sind labyrintisch und stark individualisiert. Genauere Darstellungen dazu finden sich bei vielen bekannten Psychoanalytikern, wie z.B. Siegmund Freud, C.G. Jung, Alfred Adler und Erich Fromm u.a.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn <\/em><em>mir <\/em><\/strong><em><strong>bitte zu.<\/strong>\u00a0\u21d2<strong> <a href=\"http:\/\/www.artokora.de\/?page_id=74\">Vielen Dank. <\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.1 Bewegungswahrnehmung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Es erscheint uns v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich, dass wir eine Bewegung \u00absehen\u00bb k\u00f6nnen. Indem wir die r\u00e4umliche Ver\u00e4nderung eines Objektes wahrnehmen, sehen wir eben die Bewegung. Dabei wird unterstellt, dass es sich bei der Wahrnehmung der Bewegung um die direkte Widerspiegelung einer tats\u00e4chlichen Bewegung handelt. Dies muss jedoch nicht immer unbedingt der Fall sein.<br \/>\nEs ist jedem Menschen gelegentlich begegnet, dass er etwas \u00abin Bewegung\u00bb gesehen hat, das sich in Wirklichkeit nicht bewegte oder dass er eine Bewegung nicht wahrgenommen hat, obwohl sich der Gegenstand bewegte.<\/p>\n<p>Dazu seien im Folgenden verschiedene Erscheinungen dargestellt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.1.1 Induzierte Bewegung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Beim Betrachten des Mondes am leicht mit Wolken bedecktem Himmel stellt man immer wieder fest, dass sich der Mond scheinbar hinter den Wolken bewegt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8065 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-300x177.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"324\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-300x177.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-340x200.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-306x180.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond-260x153.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-33-Mond.jpg 604w\" sizes=\"(max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/>Tats\u00e4chlich, und das wei\u00df jeder, ist es aber umgekehrt. Obwohl einem der Verstand ganz klar sagt, die Wolken bewegen sich und der Mond dreht in Ruhe seine gro\u00dfe Bahn um die Erde, sieht man, wie der Mond mit einer deutlich erfassbaren Geschwindigkeit hinter den Wolken dahin zieht.<br \/>\nDie menschliche Wahrnehmungsorganisation ver\u00e4ndert den objektiven Tatbestand gegen besseres Wissen. In diesem Fall \u00abinduziert\u00bb das bewegte Objekt eine <span style=\"color: #bf0000;\">Scheinbewegung<\/span> bei dem anderen Gegenstand. Zur Erkl\u00e4rung k\u00f6nnen die Erfahrungen aus dem Kapitel 2.3.2 hinzugezogen werden.<\/p>\n<p>Wenn \u00fcber den Vorgang (Mond und Wolken) lediglich bekannt ist, dass sich zwei Gegenst\u00e4nde relativ zueinander bewegen, so ist nat\u00fcrlich die Situation f\u00fcr den Beobachter mehrdeutig. Ihm fehlt ein Bezugspunkt, um die objektiven Tatsachen wahrzunehmen. Gibt es diesen Bezugspunkt nicht, so kann die Wahrnehmungsorganisation entscheiden, welche Alternative gesehen wird. Diese Entscheidung h\u00e4ngt unter anderem von den Faktoren Figur \u2013 Grund, Teil \u2013 Ganzes, und dem Bezugssystem ab, die in den vorhergehenden Kapiteln bereits besprochen wurden. Die folgende Abbildung zeigt die Versuchsergebnisse von einer Untersuchung des Ph\u00e4nomens der induzierten Bewegung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8095\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-960x509.jpg\" alt=\"\" width=\"602\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-960x509.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-300x159.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-768x407.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-920x488.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-340x180.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-306x162.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung-260x138.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-34-Lichtbewegung.jpg 1698w\" sizes=\"(max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/p>\n<p>In der Versuchsanordnung sind ein wei\u00dfes Rechteck (in einer Black-Box) und ein Punkt in dem Rechteck beweglich angeordnet. Es werden nacheinander verschiedene Bewegungen vorgenommen. Das Rechteck steht still und der Punkt bewegt sich langsam nach rechts.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\">1. Der Punkt bleibt stehen und das Rechteck wird langsam nach links verschoben.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #003366;\"> 2. Das Rechteck wird langsam nach links bewegt, der Punkt aber gleichzeitig nach rechts.<\/span><\/p>\n<p>Interessanterweise sieht der Beobachter alle drei Bewegungsabl\u00e4ufe gleich, obwohl sie sich objektiv gesehen deutlich voneinander unterscheiden. In jedem Falle wird gesehen, dass sich der Punkt nach rechts innerhalb des ruhenden Rechteckes bewegt.<\/p>\n<p>Um die Faktoren auszumachen, die einen gegebenen Reizgegenstand vor einem anderen als faktischen Bezugsrahmen beg\u00fcnstigen, sind weitere Versuche durchgef\u00fchrt worden. Es haben sich dabei folgende Ergebnisse herausgesch\u00e4lt:<\/p>\n<p><span style=\"color: #c20000;\">Einem gegebenen Objekt wird Bewegung mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit dann zugeordnet, wenn es<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #c20000;\">1. kleiner ist als das zweite (theoretisch infrage kommende) Objekt<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 2. st\u00e4rker umgrenzt oder eingeschlossen ist<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 3. st\u00e4rker Figurdisposition besitzt und<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 4. fixiert wird (Aufmerksamkeit)<\/span><\/p>\n<p>Diese Faktoren kommen nun sicherlich bereits bekannt vor.<br \/>\nDer Punkt 1. ist nahezu identisch mit der Entscheidung, ob wir Figur oder Grund sehen. Das selbe gilt auch f\u00fcr den Punkt 2. Die Bedeutung der Reizobjekte f\u00fcr den Wahrnehmenden spielt mit Sicherheit eine mitentscheidende Rolle bei induzierten Bewegungen.<\/p>\n<p>Weitere Versuche haben gezeigt, dass die Voreinstellung des Beobachters von zwei einander ausschlie\u00dfenden Interpretationen einer mehrdeutigen Bewegung diejenige ausw\u00e4hlt, die der Voreinstellung am besten entspricht.<\/p>\n<p>Die genannten Versuche sind k\u00fcnstlich geschaffene Reizsituationen. In unserem normalen Leben nehmen wir meistens Situationen mit mehr als nur zwei Komponenten wahr, und jeder zus\u00e4tzliche Teil kann anderen Teilen als Bezugsrahmen dienen. Dabei kann es zu verschiedenartigen Wechselwirkungen zwischen Figur und Bezugssystem kommen.<\/p>\n<p>Wenn die Rahmenbedingungen so sind, dass das als bewegt gesehene Objekt sich tats\u00e4chlich bewegt, so sprechen wir vom echten Bewegungssehen.<br \/>\n<span style=\"color: #c40202;\">Sind die Rahmenbedingungen jedoch so, dass ein objektiv gesehen station\u00e4res Objekt bewegt gesehen wird, so sprechen wir von Scheinbewegung.<\/span> Wirkliche oder echte Bewegung wird gleicherma\u00dfen deswegen wahrgenommen, weil der betreffende Gegenstand sich relativ zu einem \u00fcbergreifenden Rahmen oder Bezugssystem r\u00e4umlich verschiebt. (A. Einstein)<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.1.2 Scheinbewegung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Beim Betrachten eines Filmes im Kino, Internet, DVD oder Fernsehen erscheint es selbstverst\u00e4ndlich, dass sich z.B. die Menschen kontinuierlich bewegen. Dennoch erfolgt keine kontinuierliche Verschiebung der Formen zueinander. Stattdessen besteht der Film aus einer sukzessiven Abfolge von Bildern, deren jedes geringf\u00fcgig von den voran gegangenen abweicht. Beim Abspielen des Films folgen 24 (oder 25) Bilder pro Sekunde. Und das Auge zieht die Eindr\u00fccke der schnell aufeinander folgenden einzelnen Bilder zu einer Bewegungsabfolge zusammen.<\/p>\n<p>Auch diese Art zeitlicher Zusammenfassung wird <span style=\"color: #c20000;\">Scheinbewegung<\/span> genannt.<br \/>\nDass es sich dabei um eine Scheinbewegung handelt, wird bei \u00e4lteren Filmen deutlich, wenn z.B. ein Auto mit Speichenr\u00e4dern in schneller Fahrt gezeigt wird. W\u00e4hrend wir das Auto deutlich vorw\u00e4rts fahren sehen, bewegen sich die Speichen der R\u00e4der ungewohnt gegenl\u00e4ufig. Ein einfacher Versuch macht dieses Ph\u00e4nomen besonders deutlich.<\/p>\n<p>Zur nebenstehenden Abbildung:<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8087 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-628x960.jpg\" alt=\"\" width=\"378\" height=\"578\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-628x960.jpg 628w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-196x300.jpg 196w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-768x1174.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-920x1406.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-340x520.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-306x468.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung-260x397.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-35-Birnenbewegung.jpg 1878w\" sizes=\"(max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><br \/>\nZwei kleine Gl\u00fchbirnen sind in ca. 10 cm Abstand montiert. Werden die beiden Gl\u00fchbirnen wechselnd in einem zeitlichen Abstand von 1 bis 2 Sekunden ein- und ausgeschaltet, so sieht der Beobachter eine einfache Aufeinanderfolge der zwei Lichter. Wird der Zeitintervall best\u00e4ndig verk\u00fcrzt, so tritt bei einer bestimmten Schwelle eine \u00fcberraschende Ver\u00e4nderung der Wahrnehmung ein. Das Licht scheint sich durch den zwischen den Birnchen liegenden Raum zu bewegen. Es wird also Licht an einem Ort \u00abgesehen\u00bb, an dem es objektiv nicht sein kann. Wird das Zeitintervall weiter verringert, so verschwindet der Bewegungseindruck. Dann werden beide Gl\u00fchbirnen als gleichzeitig brennend wahrgenommen.<\/p>\n<p>Durch die rein quantitative Ver\u00e4nderung des Zeitabstandes zwischen dem Aufleuchten der rechten und der linken Gl\u00fchbirne werden drei qualitativ verschiedene Wahrnehmungen gemacht:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #c20000;\"> 1. Sukzession (Aufeinanderfolge)<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 2. Bewegung<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 3. Gleichzeitigkeit<\/span><\/p>\n<p>Bei diesem Experiment wurde mittels einer Spezialkamera festgehalten, dass m\u00f6gliche Augenbewegungen nicht zur Erkl\u00e4rung der Scheinbewegung heran gezogen werden k\u00f6nnen. (A. Korte Kinematoskopische Untersuchungen, 1915, Zeitschrift f\u00fcr Psychologie. 72- 194-296).<\/p>\n<p>A. Korte ermittelte mit diesen Versuchen drei Bestimmungsgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr diesen Effekt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #c20000;\">1. Je gr\u00f6\u00dfer der r\u00e4umliche Abstand zwischen den Reizorten,<br \/>\ndesto gr\u00f6\u00dfer muss auch <\/span><span style=\"color: #c20000;\">die Reizintensit\u00e4t (bei konstantem Zeitintervall)<br \/>\noder desto gr\u00f6\u00dfer muss das <\/span><span style=\"color: #c20000;\">Zeitintervall sein (bei konstanter Intensit\u00e4t).<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 2. Je gr\u00f6\u00dfer die Intensit\u00e4t, desto gr\u00f6\u00dfer muss der r\u00e4umliche Abstand<br \/>\noder desto <\/span><span style=\"color: #c20000;\">kleiner muss das Zeitintervall sein.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 3. Je gr\u00f6\u00dfer das Zeitintervall, desto gr\u00f6\u00dfer muss der r\u00e4umliche Abstand<br \/>\noder desto <\/span><span style=\"color: #c20000;\">geringer muss die Reizintensit\u00e4t sein.<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr die Richtung der Scheinbewegungen spielen die bereits besprochenen Gruppierungstendenzen eine wesentliche Rolle.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">3.1.3 Nachbewegung<\/span><\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8090\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-864x960.jpg\" alt=\"\" width=\"460\" height=\"512\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-864x960.jpg 864w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-270x300.jpg 270w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-768x853.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-920x1022.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-340x378.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-306x340.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-38-kinem.Kreis_-260x289.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/>Wenn man auf einer Fahrt mit der Eisenbahn f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit die vor\u00fcber fliegende Landschaft betrachtet hat, so wird der Betrachter beim Anhalten das Zuges sehen, wie sich die Landschaft langsam vorw\u00e4rts bewegt.<\/p>\n<p>Diese T\u00e4uschung kann so zwingend sein, dass der Reisende glauben kann, der Zug bewege sich tats\u00e4chlich langsam r\u00fcckw\u00e4rts. Ein kleiner Versuch macht diese Erscheinung noch deutlicher:<\/p>\n<p>Wenn man die Spirale (nach Exner) eine Zeitlang im Uhrzeigersinn rotieren l\u00e4sst, und sie intensiv w\u00e4hrend der ganzen Zeit beobachtet, dann scheint sich die Spirale beim Anhalten auszudehnen. Wird die Spirale entgegen dem Uhrzeigersinn gedreht und dann angehalten, scheint sich die Spirale zusammen zuziehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8088 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-300x272.jpg\" alt=\"\" width=\"463\" height=\"420\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-300x272.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-768x697.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-960x872.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-920x835.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-340x309.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-306x278.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-36-Spirale-260x236.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 463px) 100vw, 463px\" \/><\/p>\n<p>Diese Ph\u00e4nomene der Wahrnehmung werden unter dem Begriff <span style=\"color: #c20000;\">\u00abNachbewegung\u00bb<\/span> zusammengefasst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">3.1.4 Autokinetische Bewegung<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8089 alignleft\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-245x300.jpg\" alt=\"\" width=\"462\" height=\"566\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-245x300.jpg 245w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-768x942.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-783x960.jpg 783w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-920x1128.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-340x417.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-306x375.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne-260x319.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-37-eine-Birne.jpg 1260w\" sizes=\"(max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/span><\/strong><\/p>\n<p>Folgende Situation veranschaulicht sehr deutlich den Effekt der autokinetischen Bewegung. In einem v\u00f6llig abgedunkelten Raum h\u00e4ngt eine einzige Gl\u00fchbirne. Sie ist der einzige Lichtpunkt im Raum. Bei l\u00e4ngerer Betrachtung ver\u00e4ndert sich die Wahrnehmung. Der Lichtpunkt f\u00e4ngt an, sich zu bewegen, in unterschiedliche Richtungen und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Wird die Beobachtungsdauer ausgedehnt, so kann der Lichtpunkt weit ausgreifende Kurven beschreiben oder auch sprungartig in diese oder jene Richtung schnellen. Verfolgt der Beobachter mit dem Zeigefinger die Ortsver\u00e4nderungen des Lichtes, so kann er beim Einschalten der normalen Raumbeleuchtung \u00fcberraschende Abweichungen vom tats\u00e4chlichen Ort der Gl\u00fchbirne feststellen. Auch wenn dieses Ph\u00e4nomen bekannt ist, tritt die autokinetische Bewegung auf.<\/p>\n<p>Dabei wird wieder deutlich: fehlt dem Betrachter ein Bezugspunkt, so kann er sich nicht orientieren. Seine Wahrnehmungsorganisation \u00abf\u00fchrt ihn in die Irre\u00bb. Sobald in den genannten Versuch jedoch Bezugspunkte eingef\u00fchrt werden, verringert sich die Erscheinung bis zur v\u00f6lligen Ausl\u00f6schung.<\/p>\n<p>Diese Erscheinung ist von wesentlicher praktischer Bedeutung f\u00fcr die Steuerung von Fahr- oder Flugzeugen bei Nacht oder bei schlechter Sicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8091 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-960x720.jpg\" alt=\"\" width=\"541\" height=\"406\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-960x720.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-920x690.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-340x255.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-306x230.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit-260x195.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-39-Cockpit.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 541px) 100vw, 541px\" \/><\/p>\n<p>Eine ausreichende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die autokinetische Bewegung ist mir nicht bekannt. Versuche haben ergeben, dass die visuelle Wahrnehmung von Muskel- bzw. kin\u00e4sthetischen Empfindungen mit beeinflusst wird. Ein besonderer Faktor scheint auch zu sein, dass die Empfindlichkeit der Z\u00e4pfchen in der Retina des Auges auch von der Bewegung abh\u00e4ngig ist. Bei jeder Fixation eines Objektes wird willentlich der Reiz immer nur auf eine Stelle der Retina projiziert, so dass das Auge sozusagen als Schutzmechanismus sich selbst minimal bewegt, damit andere Zellen der Netzhaut getroffen werden.<\/p>\n<p>Nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass pers\u00f6nliche Einstellungen und andere qualitative Aspekt mitwirken, die offenbar aus der Pers\u00f6nlichkeitsstruktur des Beobachters resultieren. Weiteres dazu im zweiten Teil der Wahrnehmungslehre.<\/p>\n<h6>Abbildung nach einem Motiv von Bridget Riley, Current, 1964<\/h6>\n<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8092\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-690x960.jpg\" alt=\"\" width=\"541\" height=\"753\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-690x960.jpg 690w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-216x300.jpg 216w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-768x1068.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-920x1279.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-340x473.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-306x426.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-40-Currant-260x362.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 541px) 100vw, 541px\" \/><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.1 Zusammenfassung Bewegungswahrnehmung<\/strong><\/span><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Echtes Bewegungssehen<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\"> Wir sprechen vom echten Bewegungssehen, wenn das bewegt gesehen Objekt sich tats\u00e4chlich bewegt.<br \/>\n<\/span><\/li>\n<li><strong>Induzierte Bewegung<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\">Wir sprechen von einer induzierten Bewegung, wenn sich zwei Objekte so gegeneinander bewegen, dass der Eindruck entsteht, das station\u00e4re Objekt bewege sich an Stelle des bewegten Objektes (Mond &#8211; Wolken).<br \/>\n<\/span><\/li>\n<li><strong>Scheinbewegung<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\">Wir sprechen von Scheinbewegung, wenn ein \u00fcberzeugender Bewegungseindruck entsteht ohne jede objektive Bewegung. Wenn z.B. station\u00e4re Reize zeitlich aufeinander folgen. (Film, Fernsehen, Internet)<br \/>\n<\/span><\/li>\n<li><strong>Nachbewegung<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\"><span style=\"color: #c20202;\">Nachbewegung ist eine Form der Bewegungst\u00e4uschung. Dabei wird nach l\u00e4ngerer Beobachtung einer Bewegung eine Umkehrung der vorangegangenen Bewegung wahrgenommen (\u00e4hnlich dem Nachbild).<\/span><\/span><\/li>\n<li><strong>Autokinetische Bewegung<\/strong><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\">Die autokinetische Bewegung wird wahrgenommen, wenn der Beobachter f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit ein einzelnes Reizmuster ohne Bezugspunkte innerhalb seines Gesichtsfeldes fixiert. Es gibt besondere grafische Konstruktionen mit hohem Sukzessivkontrast, die in dem Betrachter den Eindruck der Bewegung vermitteln.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<h6><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.2 Visuelle Tiefenwahrnehmung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Wahrnehmung der R\u00e4umlichkeit versteht sich eigentlich von selbst. Sind wir doch selbst als K\u00f6rper eine r\u00e4umliche Erscheinung, die sich nur dort aufhalten kann, wo ein Raum gegeben ist. Die Vorstellung, nur zweidimensional zu erleben, ist dem Menschen unm\u00f6glich. Obwohl unsere Netzhaut (Retina) im Auge als zweidimensionale Fl\u00e4che angesehen werden kann, und daher unsere visuelle Erfahrung eigentlich ebenso zweidimensionaler Natur sein m\u00fcsste, wird die uns umgebende Umwelt immer dreidimensional r\u00e4umlich gesehen (auch im Traum).<\/p>\n<p>Ein Beispiel haben wir im Kapitel 2.1 kennengelernt. Denken wir noch einmal an den Beobachter vor der beleuchteten Halbkugel. Selbst als die Beleuchtung intensiviert wurde, sah der Beobachter nur ein homogenes Feld, das er jedoch in einem gewissen Abstand von sich wahrnahm. Man k\u00f6nnte nun meinen, dass die r\u00e4umliche Wahrnehmung davon abh\u00e4ngig ist, dass wir mit zwei Augen sehen. Genauso, wie wir mit nur einem Ohr eine Schallquelle im Raum nicht lokalisieren k\u00f6nnen. Dies ist nicht der Fall. Auch der Ein\u00e4ugige nimmt mit nur einem Auge r\u00e4umlich wahr. Das ist von der Natur weise eingerichtet, sozusagen mit hohem Sicherheitsfaktor.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8127 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-765x960.jpg\" alt=\"\" width=\"404\" height=\"507\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-765x960.jpg 765w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-239x300.jpg 239w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-768x964.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-920x1155.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-340x427.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-306x384.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition-260x326.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-42-Interposition.jpg 1113w\" sizes=\"(max-width: 404px) 100vw, 404px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #c20000;\"> Die r\u00e4umliche Wahrnehmungsorganisation wird demnach von monokularen Tiefenkriterien und von binokularen Tiefenkriterien bestimmt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.2.1 Monokulare Tiefenkriterien<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ergeben sich eindeutige Hinweise f\u00fcr die R\u00e4umlichkeit aus der wahrgenommenen Reizsituation. Aus eigener Anschauung kann man eine Reihe von Kriterien nennen, die vom Betrachter nicht bewusst angewendet werden, sich vielmehr automatisch in den dem Auge nachgeschalteten Nerven abspulen. Gerade dadurch werden eine Reihe von T\u00e4uschungen beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8128\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-649x960.jpg\" alt=\"\" width=\"394\" height=\"583\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-649x960.jpg 649w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-203x300.jpg 203w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-768x1135.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-920x1360.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-340x503.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-306x452.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse-260x384.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-43-RelativeGroesse.jpg 1066w\" sizes=\"(max-width: 394px) 100vw, 394px\" \/><span style=\"color: #003366;\"><strong>1. Interposition<\/strong><\/span><br \/>\nEin Objekt, das einen anderen Gegenstand teilweise verdeckt, wird als das n\u00e4here angesehen. Das Voreinander bzw. Hintereinander von Dingen definiert selbst f\u00fcr den ein\u00e4ugigen Seher die Beziehungen der Objekte in der Tiefe. Dabei entscheiden prim\u00e4r die gegenseitigen \u00dcberschneidungen der Gegenst\u00e4nde. Das vordere Objekt verdeckt Teile des dahinter geschachtelten. Meistens gesellen sich weitere Kriterien hinzu, wie relative Gr\u00f6\u00dfe, relative H\u00f6he und Tiefensch\u00e4rfe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8110 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-960x949.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"358\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-960x949.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-768x759.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-920x909.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-340x336.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-306x302.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe-260x257.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-44-Relative-Hoehe.jpg 1388w\" sizes=\"(max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">2. Relative Gr\u00f6\u00dfe<\/span><\/strong><br \/>\nDer gr\u00f6\u00dfere von zwei Gegenst\u00e4nden wird unter sonst gleichen Bedingungen als der n\u00e4here angesehen. Hier ein massives Beispiel vom Te\u00efde in Teneriffa. Der als \u00abGottesfinger\u00bb benannte Monolith im Te\u00efde-Krater ist nat\u00fcrlich wesentlich kleiner als der Vulkanberg, und wirkt dennoch sehr gro\u00df, weil er im Vordergrund steht.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">3. Relative H\u00f6he<\/span><\/strong><br \/>\nEin Gegenstand, der im Verh\u00e4ltnis zum anderen in bezug zum subjektiven Horizont tiefer steht, wird als n\u00e4her gesehen. In der Abbildung sind die Gl\u00e4ser alle gleich gro\u00df, und dennoch erscheinen die h\u00f6her stehenden \u2013 in bezug zur hinteren Tischkante \u2013 kleiner. Das ist eine Variation von Perspektive. Das Bild der Gl\u00e4ser auf einem gedeckten Tisch zeigt noch ein weiteres monokulares Tiefenkriterium:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8103\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-960x706.jpg\" alt=\"\" width=\"473\" height=\"348\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-960x706.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-300x221.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-768x565.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-920x677.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-340x250.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-306x225.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe-260x191.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-45-Relative-Schaerfe.jpg 1223w\" sizes=\"(max-width: 473px) 100vw, 473px\" \/><br \/>\n<strong><span style=\"color: #003366;\">4. Relative Deutlichkeit<\/span><\/strong><br \/>\nJe klarer und detaillierter der Gegenstand, desto n\u00e4her scheint er zu sein.<br \/>\nJe weniger Struktur bzw. Licht-Schattenwirkungen in den Oberfl\u00e4chen, desto weiter entfernt erscheint das Objekt. Das kann sich unter Umst\u00e4nden auch genau umkehren, wenn die vorderen Objekte unscharf erscheinen und erst die fokussierten Gegenst\u00e4nde in der Mitte des Bildes in relativer Sch\u00e4rfe gesehen werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8111 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-960x722.jpg\" alt=\"\" width=\"468\" height=\"352\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-960x722.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-300x226.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-768x578.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-920x692.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-340x256.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-306x230.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1-260x196.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-46-Perspektive-1.jpg 1020w\" sizes=\"(max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>5. Perspektive<\/strong><\/span><br \/>\nJe st\u00e4rker die Konvergenz (zusammenlaufend) der Fluchtlinien, desto mehr entsteht der Eindruck gro\u00dfer Entfernung. Die Perspektive war lange Zeit f\u00fcr K\u00fcnstler ein echtes Problem, das in der Romantik erstaunliche Abwandlungen erfuhr. Das Auge produziert eine andere Perspektive als der mechanische Fotoapparat, weil es beweglich z.B. durch die Tiefe wandert und verschiedene Blickwinkel abtastet, die jedes mal eine Variation der perspektivischen Ansicht produziert, die als Gesamteindruck an das Denken und Beurteilen weiter gereicht wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8105\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-720x960.jpg\" alt=\"\" width=\"445\" height=\"593\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-720x960.jpg 720w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-920x1227.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-340x453.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-306x408.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation-260x347.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-47-Akkomodation.jpg 1134w\" sizes=\"(max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>6. Licht und Schatten<\/strong><\/span><br \/>\nBestimmte Anordnungen von Licht und Schatten beg\u00fcnstigen den Tiefeneindruck, insbesondere wenn der Schatten eines im Vordergrund stehenden Gegenstandes, ein Baum oder ein Haus, auf die dahinter stehenden Objekte f\u00e4llt. Die S\u00e4ulen im L\u00f6wenhof der Alhambra in S\u00fcdspanien werfen im Gegenlicht ihren Schatten auf den Boden. Aber auch die Murquanas der Gew\u00f6lbe werden erst wirklich durch die feinen Helligkeitsunterschiede von Licht und Schatten in ihrer bezaubernden Grazilit\u00e4t sichtbar.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">7. Akkomodation<\/span><\/strong><br \/>\nWenn das Auge einen Gegenstand fixiert, so b\u00fcndelt die Linse die vom Gegenstand ausgehenden Lichtstrahlen so, dass das Abbild auf der Netzhaut am klarsten, also scharf ist. Dieser muskul\u00e4re und unwillk\u00fcrlich ablaufende Vorgang wird Akkomodation (Anpassung, Angleichung) genannt. Soll z.B. ein entfernt stehender Baum betrachtet werden, so muss die Linse des Auges abgeflacht werden.<br \/>\nUm einen nahe gelegenen Gegenstand deutlich zu sehen, muss die Linse st\u00e4rker gekr\u00fcmmt werden. Die Linseneinstellung ist also abh\u00e4ngig von der Entfernung des Objektes vom Auge.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8107 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-755x960.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-755x960.jpg 755w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-236x300.jpg 236w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-768x976.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-920x1169.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-340x432.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-306x389.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen-260x330.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-49-BinokularSehen.jpg 1654w\" sizes=\"(max-width: 393px) 100vw, 393px\" \/>Die kin\u00e4sthetischen (Kin\u00e4sthesie = Muskelempfindung bei Kontraktion des Muskels) Empfindungen der verschiedenen Muskelspannungen geben zus\u00e4tzliche Hinweise f\u00fcr den Abstand des Gegenstandes.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Als weiteres monokulares Tiefenkriterium gilt also auch die Akkomodation.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">8. Bewegungsparallaxe<\/span><\/strong><br \/>\nDie zeitliche Abfolge visueller Eindr\u00fccke spielt bei der Raumwahrnehmung ebenfalls eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle, zum Beispiel durch Bewegungen des Kopfes. Diese Bewegungen ver\u00e4ndern bei einer r\u00e4umlichen Staffelung die auf die Netzhaut fallende Reizkonfiguration. Bei einer Kopfdrehung nach links werden die n\u00e4her liegenden Gegenst\u00e4nde relativ nach rechts verschoben und die entfernter liegenden relativ nach links.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Diese relative Bewegung wird auch Bewegungsparallaxe (Vertauschung, Abweichung) genannt. Sie ist ebenso ein bedeutendes monokulares Tiefenkriterium.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.2.2 Binokulare Tiefenkriterien<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Unter gew\u00f6hnlichen Bedingungen schauen wir mit zwei Augen. In jedem Auge entsteht ein Netzhaut-Abbild, das sich geringf\u00fcgig vom anderen unterscheidet, denn jedes Auge sieht den Gegenstand unter einem etwas anderen Gesichtswinkel.<br \/>\nEin wesentliches Kriterium beim binokularen Sehen ist:<br \/>\n<span style=\"color: #003366;\">Auf den Netzh\u00e4uten der Augen entstehen zwei Bilder der gleichen Situation, die sich aber in Details so unterscheiden, dass sie nie deckungsgleich (kongruent) sind. Dies wird bedingt durch den Abstand der Augen von einander, aber auch von der Verschiedenheit der Augen selbst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Diese Abbilder nennt man disparate Netzhautabbilder (disparat \u2013 ungleich, unvereinbar).<\/span><\/p>\n<p>Beim Sehen nimmt der Beobachter also zwei voneinander verschiedene Bilder wahr. Wie bereits beschrieben, besteht bei der Wahrnehmungsorganisation die Tendenz, wo immer m\u00f6glich eine einheitliche und harmonische Gesamterfahrung zu machen. Darum werden die beiden Netzhaut-Abbilder in den nachfolgenden Nervenstr\u00e4ngen \u00fcberlagert und in der Gro\u00dfhirnrinde miteinander verschmolzen, wo sie zu einem bewusst erfahrenen 3-dimensionalen Bildeindruck werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8106\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop.jpg\" alt=\"\" width=\"452\" height=\"287\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop.jpg 946w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop-300x190.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop-768x487.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop-920x584.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop-340x216.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop-306x194.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-48-Stereoskop-260x165.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 452px) 100vw, 452px\" \/><\/p>\n<p>In dem Versuch mit den zwei komplement\u00e4ren Farben Rot und Gr\u00fcn wurde festgestellt, dass es Bedingungen gibt, die eine solche Fusion nicht zulassen, wo sogar ein Wettstreit zwischen den bestehenden Netzhautreizen auftritt. Zwischen den beiden Extremen der absoluten Kongruenz (Deckungsgleichheit) oder der totalen Divergenz (Auseinandergehen) der Netzhaut-Abbilder gibt es einen kontinuierlichen \u00dcbergang. Auf jeden Fall bevorzugt die Wahrnehmung die M\u00f6glichkeit, die verschiedenen Reizeindr\u00fccke zu einem einheitlichen Gesamteindruck zusammen zu f\u00fcgen.<\/p>\n<p>Da wir mit zwei Augen grunds\u00e4tzlich zwei abweichende Netzhautabbilder empfangen, muss der Wahrnehmungsmechanismus einen anderen Weg zur Vereinheitlichung des Eindrucks gehen. Dies ist die \u00bbSchaffung\u00ab der R\u00e4umlichkeit.<\/p>\n<h6>Stereoskop und Bilder auf einem Album aus 1949<\/h6>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Aus zwei gleichzeitig vorhandenen, jedoch geringf\u00fcgig voneinander abweichenden Abbildern, die beide zweidimensionaler Natur sind, wird ein neuer einheitlicher Eindruck mit dreidimensionalem Charakter erzeugt.<\/span><\/p>\n<p>Die von einem Gegenstand reflektierten \u00abLichtstrahlen\u00bb treffen in einem bestimmten Winkel in die Augen. Je n\u00e4her das gesehene Objekt, desto gr\u00f6\u00dfer ist dieser Winkel oder die Konvergenz (Zusammenlaufen).<\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\">Stra\u00dfe in der Linzer Altstadt<\/h6>\n<p>Ein einfaches Experiment macht dieses Ph\u00e4nomen sehr deutlich.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8108 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-720x960.jpg\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"559\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-720x960.jpg 720w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-920x1227.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-340x453.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-306x408.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz-260x347.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-50-Linz-Platz.jpg 1417w\" sizes=\"(max-width: 419px) 100vw, 419px\" \/><br \/>\nHalten Sie einen Bleistift in etwa 10 cm vor Ihre Augen und peilen Sie einen entfernteren Gegenstand an. Schlie\u00dfen Sie nun abwechselnd das rechte oder linke Auge. Der Bleistift macht im Verh\u00e4ltnis zu dem entfernteren Objekt erhebliche Spr\u00fcnge. Wird der Abstand zwischen Bleistift und Augen vergr\u00f6\u00dfert, so werden die \u00abSpr\u00fcnge\u00bb allm\u00e4hlich kleiner. Bei ca. 20 Meter Abstand sind die \u00abSpr\u00fcnge\u00bb praktisch gleich Null. Die reflektierten \u00abLichtstrahlen\u00bb verlaufen jetzt nahezu parallel. Dies ist u.a. ein Grund, warum die Dinge in der n\u00e4heren Umgebung stets plastischer erscheinen als in weiter Ferne.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Diese Erfahrung der Konvergenz und auch die damit verbundenen Muskelempfindungen geben, wenn auch unbewusst, dem Beobachter zus\u00e4tzliche Informationen \u00fcber die Entfernung eines Gegenstandes.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.3 Zusammenwirken der Tiefenkriterien<\/strong><\/span><\/p>\n<p>In den meisten Situationen werden verschiedene Faktoren gleichzeitig wahrgenommen, die eine R\u00e4umlichkeit vermitteln. Wenn diese zu einem einheitlichen Eindruck zusammengef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, haben wir das zwingendste Tiefenerlebnis. Es gibt aber auch Situationen, in denen sich einzelne Hinweisreize widersprechen oder nicht in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen, z.B. in ungew\u00f6hnlichen Beleuchtungssituationen kann der Eindruck der R\u00e4umlichkeit geschw\u00e4cht oder ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Zu den visuellen Eindr\u00fccken vom Raum treten oft auch noch akustische und gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Hinweise. Bei der Tiefenwahrnehmung werden diese Kriterien aber nicht nur einfach summiert. In einer unklaren r\u00e4umlichen Situation kann das Auftreten eines einzelnen Reizes die ganze Situation kl\u00e4ren. Unversehens findet man sich wieder zurecht. Dieser Vorgang kann durchaus sprunghaft sein.<br \/>\nDie meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die wesentlichen Kriterien f\u00fcr die Grundstruktur der Sinnesorgane ihre endg\u00fcltige Pr\u00e4gung im vorgeschichtlichen Zeitalter erfahren haben, als das Erfassen des raumzeitlichen Zusammenhangs der Umwelt f\u00fcr den Menschen die Grundvoraussetzung f\u00fcr sein \u00dcberleben war. Deswegen haben die Tiefenkriterien der visuellen Wahrnehmung wie die akustische Wahrnehmung eine tiefe aber unbewusste Beziehung zum Thema Angst. Wer schon einmal in einer Badeanstalt auf dem Sprungbrett eines 10 Meter-Turms gestanden hat, wei\u00df, dass f\u00fcr den Menschen 10 Meter in die Tiefe wesentlich weiter ist als 10 Meter horizontal auf der Erde. So ist auch eine Spinne direkt \u00fcber der Nase erheblich gr\u00f6\u00dfer als ihre wirkliche Gr\u00f6\u00dfe in einer sicheren Entfernung.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c40000;\">Die Wahrnehmungsorgane sind konditioniert vor allem als Warnanlagen f\u00fcr die Sicherheit des materiellen K\u00f6rpers, damit der Mensch selbst in einer prinzipiell feindlichen Umwelt \u00fcberleben kann, und er seine Angeh\u00f6rigen, seine Familie, seinen Clan und sein Volk sch\u00fctzen kann. Die Wahrnehmungsorganisation ist darum vor allem organisch so konstruiert und effektiv durchorganisiert, dass der physische Mensch schneller als sein Tagesbewusstsein es erm\u00f6glichen kann, zur Abwehr oder zur Flucht kommt<\/span><\/p>\n<p>So zuckt z.B. die Augenwimper zusammen, wenn eine kleine Fliege durch den Fahrwind ins Auge getrieben wird, bevor der Sehende eine bewusste Reaktion auf den Mikro-Angriff erdenken k\u00f6nnte. Beim Kino-Sehen oder vor dem Fernseher wird als Reaktion auf die erschauten Ereignisse so viel Adrenalin ins Blut ausgesch\u00fcttet, damit der Mensch durch Flucht oder Aggression reagieren kann, obwohl er ganz genau wei\u00df, dass ihn die Darstellungen k\u00f6rperlich nicht erreichen k\u00f6nnen. Leider muss er danach mit seinem ungenutzten, durch die Adrenalinaussch\u00fcttung nun einmal ausgel\u00f6\u00dften Aggressionspotential, zum Ausgleich oder zur Entspannung irgend etwas unternehmen. Diese heftigen Auswirkungen werden auf wissenschaftlicher Ebene sehr kontrovers diskutiert.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>Allgemein wird akzeptiert:<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c40000;\">Die verschiedenen Kriterien oder Anhaltspunkte im Wahrnehmungsprozess werden vom Beobachter subjektiv bewertet und f\u00fcr sein \u00dcberleben gewichtet, so dass f\u00fcr ihn und seine ganz pers\u00f6nliche Situation ein \u201esinnvoll organisierter\u201c Raumeindruck zustande kommt, in dem er ohne Gef\u00e4hrdung von Leib und Leben sein Handeln durchf\u00fchren kann.<\/span><\/p>\n<p>Dieser Vorgang l\u00e4uft meistens unbewusst ab und ist eingebettet in den automatisch-psychischen Zustand des Beobachters.<\/p>\n<h6>wei\u00dfe Baumnymphe<\/h6>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8109\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-960x720.jpg\" alt=\"\" width=\"643\" height=\"482\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-960x720.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-920x690.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-340x255.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-306x230.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-51-Baumnymphe-260x195.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 643px) 100vw, 643px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.3 Gegenstandswahrnehmung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Unter normalen Bedingungen erleben wir unsere Umwelt immer r\u00e4umlich. Das hei\u00dft, wir sehen niemals \u00abentleibte\u00bb Reize (z.B. Farben ohne K\u00f6rper oder Form). Vielmehr ordnet die Wahrnehmungsgestaltung diesen einzelnen Reizen immer formale Erscheinungen, Objekte oder Gegenst\u00e4nde zu. Es gibt keine Farbe ohne eine Form und beides nicht ohne eine irgendwie geartete materielle Qualit\u00e4t, die zugleich Gegenstand \u2013 also lichtreflektierendes Objekt \u2013 ist.<\/p>\n<p>Die irdische Offenbarung besteht im Raum, angef\u00fcllt mit zusammengesetzten Qualit\u00e4ten, Gegenst\u00e4nden, Fl\u00fcssigkeiten oder Gasen. \u00abEs gibt keinen leeren Raum\u00bb, wird bei Hermes gesagt. Der gewohnte Raum hat gleichzeitig immer die Qualit\u00e4t des \u00abangef\u00fcllten Seins\u00bb. Auch durch ein sogenanntes Vakuum, also einen luftleeren Raum dringen viele elektromagnetische Schwingungen, Licht, Sendefrequenzen oder kosmische Strahlungen hindurch, die das Luftvakuum mit ihren Vibrationen anf\u00fcllen. Auch wenn sie f\u00fcr die Sinnesorgane der meisten Menschen verborgen bleiben, k\u00f6nnten sie mit entsprechenden Messger\u00e4ten eindeutig nachgewiesen werden. F\u00fcr einige Frequenzen reicht ein biederes Radio oder Fernsehger\u00e4t, Computer oder Smartphone aus. Und ohne GPS f\u00e4hrt heute kaum noch ein Autofahrer.<\/p>\n<p>Kommen wir zur visuellen Wahrnehmung zur\u00fcck: Jedes Bild setzt sich aus unterschiedlichen Anh\u00e4ufungen von pigmentierter Farbe oder Tintenfarbe auf einer Fl\u00e4che zusammen. Die Farberscheinung eines Regenbogens ist an Wassertropfen und Sonnenlicht gebunden, der blaue Himmel entsteht durch die Lichtabsorption in den Partikeln der Luftfeuchtigkeit und der Luftverschmutzung. Die Frage, was der Raum selbst ist und welche Qualit\u00e4t ihm zuzuordnen w\u00e4re, ist mit Sicherheit eine philosophischen Betrachtung wert.<\/p>\n<p>Der Frage, warum wir unsere Umwelt immer r\u00e4umlich erfahren und wie wir diese R\u00e4umlichkeit erfassen, wahrnehmen, ist in diversen Versuchen nachgegangen worden. Dabei konnte auch keine endg\u00fcltige Antwort gefunden werden, weil in den meisten Versuchen immer eine ganze Reihe von Kriterien durch die Versuchsanordnung ausgeklammert werden, um zu einem umfassend interpretierbaren Ergebnis zu kommen. Aus den vielen Untersuchungen hat sich jedoch ergeben:<br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\">Die komplexe Differenzierung und Gliederung des wahrgenommenen Raumes und der Gegenst\u00e4nde ist sowohl von urspr\u00fcnglich dem Menschen angeborenen physischen Bedingungen als auch von erlernten Deutungen der Hinweisreize durch Erfahrung abh\u00e4ngig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.3.1 Gegenstandskonstanz<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Wie bereits angedeutet, hat die Wahrnehmung vor allem in bezug auf die Sicherheit des \u00dcberlebens eine Art Warnfunktion. Damit diese Warnung m\u00f6glichst schnell und unkompliziert das Kontrollzentrum des autonomen Menschen erreichen kann, ist die Wahrnehmungsgestaltung bestrebt, nat\u00fcrlich v\u00f6llig unbewusst, bei der Organisation der aufgenommenen Reize das Erscheinungsbild zu vereinheitlichen oder zu vereinfachen. Das wird vor allem dadurch beg\u00fcnstigt, dass die Wahrnehmung, meistens durch die nachgeschalteten neuronalen Weiterleitungen und die Ged\u00e4chtnisprozesse im Ultrakurzzeitged\u00e4chtnis bestimmte Eigenschaften des empfangenen Reizmusters gegen\u00fcber bereits bestehenden Erfahrungen konstant h\u00e4lt.<br \/>\nBei dem Versuch mit den beiden Luftballons \u2013 Siehe 2.3.2 \u2013 im verdunkelten Raum wurde z.B. die Gr\u00f6\u00dfe des einen Luftballons konstant gehalten und die Entfernung variiert, obwohl er tats\u00e4chlich langsam \u2013 weil aufgeblasen \u2013 gr\u00f6\u00dfer wurde.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnte man einf\u00fcgen: Durch die Vergr\u00f6\u00dferung des Objektes wird eine h\u00f6here Bedrohung auf den Betrachter ausge\u00fcbt. F\u00fcr ihn wird es also in einem bestimmten Moment \u00e4u\u00dferst dringend, sich m\u00f6glicherweise zu entfernen, also zu fliehen. In dem Affekt Angst ist ausschlaggebend, je gr\u00f6\u00dfer man im Verh\u00e4ltnis zu sich selbst, also vollkommen subjektiv, den Gegenstand erf\u00e4hrt, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Bedrohung f\u00fcr das Leben, desto gr\u00f6\u00dfer die Angst und die Vorbereitung zu einer Gegenma\u00dfnahme. Wenn das Unterbewusstsein dazu neigt, der Flucht vor der Bedrohung den Vorzug zu geben, dann r\u00fcckt die abstrakte Kategorie \u00abWeite\u00bb in die Dominanz. Dadurch wird die Eigenschaft, die durch die psychologische Situation in den Hintergrund tritt, konstant gehalten. Dieses Konstanzph\u00e4nomen tritt auch bei anderen Eigenschaften, z.B. Helligkeit, Form, Gewicht und Pes\u00f6nlichkeitswahrnehmung auf.<\/p>\n<p>Diese Gegenstandskonstanz ist f\u00fcr den Menschen und seine physische Selbsterhaltung durchaus von Bedeutung. <span style=\"color: #c20202;\">Durch das Aufrechterhalten einer stabilen und in sich widersspruchsfreien Wahrnehmung wird die Orientierung in der Umwelt wesentlich erleichtert und als sicher empfunden, trotz der zahllosen verschiedenen Bedingun<\/span><span style=\"color: #c20202;\">gen, unter denen er sie wahrnimmt.<\/span><\/p>\n<p>Es k\u00f6nnen sich aber gerade dadurch auch \u00e4u\u00dferst kuriose Situationen ergeben, die eher zu einer Verwirrung seines Verhaltens beitragen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.3.2 Gr\u00f6\u00dfenkonstanz<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Wird die Gr\u00f6\u00dfe eines Gegenstandes gesch\u00e4tzt, so orientiert man sich teilweise an der Gr\u00f6\u00dfe des Netzhautabbildes, die er hervorruft. Andererseits wird auch der erlebte Abstand zum Gegenstand herangezogen. Dabei werden dann die im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Tiefenkriterien automatisch wirksam.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann festgestellt werden, dass die Gr\u00f6\u00dfenerscheinung eines Gegenstandes haupts\u00e4chlich von diesen Wahrnehmungen bestimmt wird:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #c20202;\">1. die tats\u00e4chliche Gr\u00f6\u00dfe der Netzhautabbildung und<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\"> 2. die scheinbare Entfernung des Gegenstandes vom Auge, wobei<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\"> 3. die psychologische Bedrohung durch das Objekt mitwirkt<\/span><\/p>\n<p>Diese Erfahrungen werden zusammengef\u00fchrt, mit bestehenden Ged\u00e4chtnisinhalten abgeglichen, und ergeben so die aktuelle Information \u00fcber erlebte Gr\u00f6\u00dfe und Entfernung. Es hat sich in den Versuchen erwiesen, dass sich beide Erfahrungen gleichzeitig einstellen und nicht nacheinander.<br \/>\nWie selbst nachgepr\u00fcft werden kann, ist ein Entfernungssch\u00e4tzen ohne die Ber\u00fccksichtigung von Bezugsgr\u00f6\u00dfen, z.B. in einer Landschaft nicht m\u00f6glich. Ebenso ist das Sch\u00e4tzen von Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnissen ohne den Bezug der Entfernung unm\u00f6glich. Beide Kriterien arbeiten als ein System immer gleichzeitig zusammen und sind voneinander abh\u00e4ngig. Wird ein Kriterium im Versuch eliminiert, reagiert der Betrachter zun\u00e4chst desorientiert und schafft sich einen eigenen, konstruierten Bezugsrahmen aus anderen Wahrnehmungskriterien, z.B. Bewegung, Ger\u00e4usch oder Geruch. Doch dar\u00fcber sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Bei den monokularen Tiefenkriterien wurde als dritter Faktor die Relative Gr\u00f6\u00dfe genannt. Der gr\u00f6\u00dfere von zwei Gegenst\u00e4nden wird unter sonst gleichen Bedingungen als der n\u00e4here gesehen. Dieser Satz kann auch umgekehrt wirken: Rufen zwei Gegenst\u00e4nde Netzhautabbilder gleicher Gr\u00f6\u00dfe hervor, so scheint der als n\u00e4her aufgefasste Gegenstand auch der kleinere zu sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8113\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-960x960.jpg\" alt=\"\" width=\"449\" height=\"449\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-960x960.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-920x920.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-174x174.jpg 174w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-340x340.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-306x306.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-520x520.jpg 520w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-52-SimultanKontrast-260x260.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/><\/p>\n<p>Diese Aussage soll an einem Beispiel deutlich gemacht werden:<br \/>\nFixiert man z.B. das gelbe Quadrat in der Abbildung etwa 20 sek oder l\u00e4nger in<br \/>\nca. 30 cm Entfernung. Schaut man danach auf eine wei\u00dfe Fl\u00e4che in etwa gleicher Entfernung, dann wird das bereits bekannte Nachbild gesehen. Seine Gr\u00f6\u00dfe entspricht in etwa der des vorliegenden Quadrates. Betrachtet man nun noch einmal das gelbe Quadrat in ca. 30 cm Entfernung \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit und blickt jetzt auf eine helle Fl\u00e4che in gr\u00f6\u00dferer Entfernung, z.B. eine Zimmerwand. Das Nachbild erscheint jetzt wieder, aber es ist wesentlich gr\u00f6\u00dfer, obwohl das Netzhaut-Abbild tats\u00e4chlich genau so gro\u00df sein muss wie beim ersten Mal.<\/p>\n<p>Diese Erscheinung wirkt auf den ersten Blick ausgesprochen plausibel. Sie wird im <span style=\"color: #003366;\"><strong>Emmertschen Gesetz<\/strong><\/span> exakt formuliert:<br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\">Wird ein Nachbild auf eine Fl\u00e4che projiziert, die zehnmal so weit entfernt ist wie der urspr\u00fcngliche Hintergrund mit der fixierten Figur, so erscheint das Nachbild in zehnfacher (linearer) Vergr\u00f6\u00dferung, obwohl sich hinsichtlich der Gr\u00f6\u00dfe der Netzhautabbildung nichts ge\u00e4ndert hat.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8118 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-960x779.jpg\" alt=\"\" width=\"446\" height=\"362\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-960x779.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-300x243.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-768x623.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-920x746.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-340x276.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-306x248.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-53-Emmert-1-260x211.jpg 260w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><\/p>\n<p>Genaue Versuche haben dann ergeben, dass die wahrgenommene Gr\u00f6\u00dfe des Nachbildes dem scheinbaren Abstand der entfernten Oberfl\u00e4che proportional ist. Durch diese Versuche wird wiederholt die Subjektivit\u00e4t der Wahrnehmungsorganisation aufgezeigt:<\/p>\n<p><span style=\"color: #c20202;\">Die wahrgenommene Gr\u00f6\u00dfe des Nachbildes wird durch den scheinbaren Objektabstand bestimmt, nicht durch den tats\u00e4chlichen Abstand.<\/span><\/p>\n<p>Um in diesem Kriterium die Wahrnehmungsgestaltung zu verdeutlichen, wurde ein Versuch gemacht, der im Rahmen von optischen T\u00e4uschungen wiederholt vorgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8115\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-763x960.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"559\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-763x960.jpg 763w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-239x300.jpg 239w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-768x966.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-920x1157.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-340x428.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-306x385.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1-260x327.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-54-Raumtaeuschung-1.jpg 1831w\" sizes=\"(max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/p>\n<p>Ein Beobachter sieht durch ein kleines Guckloch in einen Raum, der absichtlich zur Irref\u00fchrung besonders aufgebaut wurde. Binokulare Tiefenkriterien sind ausgeschaltet. Auch sind die Entfernungen innerhalb des Raumes so bemessen, dass die Akkomodation des Auges nicht mehr wirksam ist.<\/p>\n<p>Eine der angebotenen Gegenstandsgr\u00f6\u00dfen bzw. Formen wird vom Betrachter konstant gehalten. In diesem Falle sind es die Gr\u00f6\u00dfe und die rechtwinklige Form des Raumes. Er erlebt den Raum ebenso, wie die ihm seit seiner Kindheit bekannten rechteckigen R\u00e4ume. Um diese Wahrnehmung aufrecht zu erhalten, m\u00fcssen sich die anderen Gegenst\u00e4nde bzw. Personen den wahrgenommenen Dimensionen anpassen.<\/p>\n<h6><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8116 alignright\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-960x545.jpg\" alt=\"\" width=\"497\" height=\"282\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-960x545.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-300x170.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-768x436.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-920x522.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-340x193.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-306x174.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2-260x148.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-Raumtaeuschung-2.jpg 1156w\" sizes=\"(max-width: 497px) 100vw, 497px\" \/>Zwergwuchs, Riesenwuchs oder T\u00e4uschung? (nach Beltz)<\/h6>\n<p>Darum sieht der Beobachter das Kind gr\u00f6\u00dfer als die Frau.<\/p>\n<p>Erstaunlich ist dabei die Erfahrung, die mit der \u00c4nderung dieser Situation verbunden ist. Geht die Frau aus der hinteren Ecke auf den Betrachter zu, so scheint sie innerhalb weniger Schritte ihre Gr\u00f6\u00dfe zu verdreifachen, w\u00e4hrend die Raumkonstanz weiterhin aufrecht erhalten wird.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><span style=\"color: #c20202;\">Wird dem Betrachter die M\u00f6glichkeit gegeben, die Raumsituation z.B. mittels eines Zeigestockes abzutasten, so verschwindet das Trugbild. Die T\u00e4uschung wird vermindert, wenn die Personen im Raum dem Betrachter sehr bekannt sind.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.3.3 Formkonstanz<\/strong><\/span><\/p>\n<p>In dem oben beschriebenen Versuch ist dieses Ph\u00e4nomen bereits mit einigen m\u00f6glichen Auswirkungen deutlich beschrieben. Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die Formkonstanz:<br \/>\n<span style=\"color: #c40000;\"> Ein Teller wird auch dann kreisrund gesehen, wenn das auf der Netzhaut entstehende Abbild nicht scheiben- sondern ellipsenf\u00f6rmig ist.<\/span><\/p>\n<p>Ein wichtiger Teil dieser Wahrnehmungsorganisation ist die scheinbare Schiefe der Gegenstandsebene, die sich aus der Perspektive ergibt (Monokulares Tiefenkriterium). Aber auch die relative Deutlichkeit der vorderen Teile des Tellers, z.B. K\u00f6rnigkeit, Struktur usw. liefern Informationen \u00fcber den Grad der Schr\u00e4ge.<br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\"> Stimmt die erlebte Schiefe mit der gleichzeitig wahrgenommenen Perspektive \u00fcberein, so bleibt die Formkonstanz erhalten.<\/span><\/p>\n<p>Diese Erscheinung macht jedem erheblich zu schaffen, der einmal bewusst angefangen hat, innerhalb eines Stilllebens z.B. runde Gegenst\u00e4nde abzuzeichnen. Insbesondere k\u00e4mpft jeder Anf\u00e4nger im Aktzeichnen oder beim architektonischen Zeichnen im Freien mit der Formkonstanz seiner Wahrnehmung. Um diesen Automatismus der visuellen Wahrnehmung zu \u00fcberlisten, haben die K\u00fcnstler aller Zeiten die unterschiedlichsten Hilfsmittel erfunden. Beim Zeichenunterricht werden hand-<br \/>\nliche Hilfsmittel wie Bleistift oder Lineal ins Blickfeld gebracht, um der tats\u00e4chlichen Netzhautabbildung wenigstens einigerma\u00dfen habhaft zu werden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c20202;\">Wenn die M\u00f6glichkeiten, die perspektivische Schr\u00e4ge zu erkennen, geringer werden, so schw\u00e4cht sich das Ausma\u00df der Formkonstanz ab.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.3.4 Helligkeitskonstanz<\/strong><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8120\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-960x720.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"405\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-960x720.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-920x690.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-340x255.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-306x230.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee-260x195.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-55-2-Schnee.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/>Wer schon einmal bei Schnee eine l\u00e4ngere Wanderung gemacht hat, wei\u00df, dass der Schnee im tiefen Schatten auch wei\u00df ist, genauso wei\u00df wie im Tageslicht. Vielleicht nicht ganz so wei\u00df wie in der Sonne, aber doch wei\u00df. Andererseits wird Kohle unter heller Sonneneinstrahlung immer schwarz erlebt. Dabei kann ein einfacher Belichtungsmesser zeigen, dass das vom Schnee im Schatten reflektierte Licht weniger intensiv ist als das von der Kohle im Sonnenlicht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c20202;\">Die Helligkeit von Gegenst\u00e4nden wird \u00fcberwiegend so erlebt, wie sie in vielf\u00e4ltiger Weise vorher vom Betrachter erlebt worden ist.<\/span><\/p>\n<p>Die Helligkeitskonstanz wird nur wenig beeinflusst, auch wenn sich der Beobachter \u00fcber die gegebenen Beleuchtungsverh\u00e4ltnisse im Klaren ist. Als Paul Gauguin mit seinen expressionistischen Bildern aus der S\u00fcdsee nach Paris zur\u00fcckkam, hat er bei der ersten Ausstellung einen Sturm der Entr\u00fcstung ausgel\u00f6st, weil z.B. seine Schatten dunkelblau oder lila angelegt waren. F\u00fcr einen modernen Profi-Fotografen ist das \u00fcbrigens keine Sensation, wohingegen der Hobbyfotograf immer wieder \u00fcber seine \u201eschlechten\u201c Bilder im schattigen Bereich erstaunt ist, weil er selbst beim Fotografieren die Grundstrukturen seiner Wahrnehmungsorganisation nicht durchbrechen kann. Selbst der Profi muss sich dieser Beeinflussung durch rationale \u00dcberlegungen entziehen, oder durch den Einsatz von Zusatzlicht oder den Einsatz von Filtern, (Manipulation durch daf\u00fcr geeignete Bildbearbeitungsprogramme am Computer) wie er es w\u00e4hrend seines Studiums von seinem Dozenten oder aus der Erfahrung gelernt hat.<\/p>\n<p>Welche Faktoren spielen hierbei eine wesentliche Rolle? Bei der Gr\u00f6\u00dfenkonstanz waren es die Netzhaut-Abbildung und die scheinbare, subjektive Entfernung und die psychologische Pr\u00e4gung, die gewohnte Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Bei der Helligkeitskonstanz haben sich die folgenden Faktoren aus den unterschiedlichen Versuchen ergeben:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><span style=\"color: #c20202;\">1. Die Intensit\u00e4t des vom Gegenstand reflektierten Lichtes,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\"> 2. die relative Ausleuchtung seines Umfeldes,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20202;\"> 3. \u0007die Bekanntheit des Gegenstandes, oder auch die psychologische Beziehung zu ihm.<\/span><\/p>\n<p>Ma\u00dfgebend ist dabei die Unver\u00e4nderlichkeit der durch den Gegenstand bzw. seinen Hintergrund bestimmten Proportionen der Lichtintensit\u00e4t, als Lux gemessen. Das bedeutet: Da Schnee nun einmal wei\u00df ist, kann er selbst bei schlechtester Beleuchtung nicht auf einmal schwarz sein. Dies ist aber ein Vorgang, der deutlich aus dem Erfahrungswissen des Betrachters stammt, denn die fotometrischen Ergebnisse k\u00f6nnten durchaus ein ganz anderes Ergebnis zeigen. Auch m\u00fcsste gefragt werden, ob ein Ureinwohner aus Afrika oder vom Amazonas in Europa den Schnee in einem schattigen Wald bei Sonnenuntergang auch wei\u00df sehen w\u00fcrde, oder vielleicht doch eine andere Farbe z.B. Blau, Violett oder Dunkelgr\u00fcn, entsprechend der Schattenwirkung, weil er Schnee hier zum ersten Male sieht.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang k\u00f6nnten Sie einmal einen kleinen Versuch mit sich selbst machen. Beobachten Sie beim n\u00e4chsten Kinogang einmal genau, wie Sie Ihr Umwelt wahrnehmen und welche Ver\u00e4nderungen sich beim Betreten des dunklen Vorf\u00fchrraumes einstellen, und wenn Sie am Ende der Vorf\u00fchrung wieder ins Helle treten.<br \/>\nWer nach Beginn der Vorschau in den Vorf\u00fchrraum tritt, erlebt Finsternis oder starke Dunkelheit, in der er kaum etwas erkennen kann. Ist er jedoch eine Weile im Raum, so hat sich das Auge an die Dunkelheit \u201egew\u00f6hnt\u201c (Helligkeitsadaption). Die Farben der nahe gelegenen Sessel oder der Wandbespannung werden dann fast ebenso wahrgenommen und identifiziert, wie unter normalen Lichtverh\u00e4ltnissen. Erst im Kontrast \u2013 beim Hinausgehen \u2013 wird einem die vorherige Dunkelheit wieder bewusst. Zun\u00e4chst erscheinen im Hellen die Farben viel heller, fast wie gebleicht. Nach einer bestimmten Zeit der Adaption verschwindet dieser Eindruck und die Helligkeiten erscheinen wieder wie gewohnt. (Siehe 2.1.5)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>3.4 Zusammenfassung Gegenstandswahrnehmung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Unsere visuelle Wahrnehmungsorganisation bedient sich der bewahrenden Konstanz, das hei\u00dft die wahrgenommenen Gegenst\u00e4nde bekommen im wesentlichen immer eine konstante Gr\u00f6\u00dfe, Form und Helligkeit zu besitzen, unabh\u00e4ngig von Entfernung, Blickwinkel und Beleuchtung. Dabei scheinen gewisse Unver\u00e4nderlichkeiten von Beziehungen oder Eigenschaften der Gegenst\u00e4nde mitzuwirken.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">Bei der Gr\u00f6\u00dfenkonstanz <\/span><\/strong><strong><span style=\"color: #003366;\">sind die folgenden Faktoren <\/span><\/strong><strong><span style=\"color: #003366;\">von Bedeutung:<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><span style=\"color: #c20000;\">1. tats\u00e4chliche Gr\u00f6\u00dfe der Netzhaut-Abbildung<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 2. scheinbarer Gegenstandsabstand<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 3. psychologische Affinit\u00e4t zum Gegenstand<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>Bei der Formkonstanz sind es die Faktoren:<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><span style=\"color: #c20000;\">1. Umriss des Netzhaut-Abbildes<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 2. scheinbarer Betrachtungswinkel (Perspektive)<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 3. psychologische Affinit\u00e4t zum Gegenstand, z.B. Bekanntheit<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">Und bei der Helligkeitskonstanz gelten:<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 120px;\"><span style=\"color: #c20000;\">1. Helligkeit des vom Gegenstand reflektierten Lichtes<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 2. Ausleuchtung des unmittelbaren Umfeldes<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 3. Adaptionsf\u00e4higkeit des Betrachters<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #c20000;\"> 4. Bekanntheitsgrad des Gegenstandes<\/span><\/p>\n<p>Bestimmte Erwartungen und Erfahrungen k\u00f6nnen die Konstanzph\u00e4nomene abschw\u00e4chen oder verst\u00e4rken. Au\u00dferdem kann der Beobachter die Konstanz durch Konzentration auf einzelne Wahrnehmungselemente oder durch Hilfsmittel mindern.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c20000;\">Die Forschungsergebnisse zeigen uns ganz allgemein, dass wir unter normalen Umst\u00e4nden unsere Umwelt \u00bbobjektgerichtet\u00ab wahrnehmen und nicht \u00abreizgerichtet\u00bb.<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-8117\" src=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-960x757.jpg\" alt=\"\" width=\"711\" height=\"561\" srcset=\"http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-960x757.jpg 960w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-300x236.jpg 300w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-768x605.jpg 768w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-920x725.jpg 920w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-340x268.jpg 340w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-306x241.jpg 306w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel-260x205.jpg 260w, http:\/\/www.artokora.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Abb.-56-FarbeTitel.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><\/p>\n<p>Um Gegenst\u00e4nde zu sehen, folgen wir vorwiegend den gegebenen Reizkonfigurationen (Gruppierungen), nicht den isolierten Reizattributen und erreichen so auch die ph\u00e4nomenale Konstanz der Umweltdinge. Diese Eigenschaft unserer Wahrnehmungsorganisation ist eine bedeutende Hilfe, sich in der gestalteten Umwelt zu orientieren, und das \u00dcberleben des physischen K\u00f6rpers in den \u00e4u\u00dferst aggressiven Zust\u00e4nden zu sichern.<\/p>\n<p>F\u00fcr den angehenden Designer kann diese Eigenschaft der Wahrnehmung zu besonderen Schwierigkeiten f\u00fchren, weil er bei der Darstellung und Gestaltung der Umwelt jedem einzelnen Reizattribut seiner Objekte besondere Aufmerksamkeit widmen muss.<\/p>\n<p>Die Gesetze der Gegenstandswahrnehmung in der visuellen Wahrnehmung lassen sich in vielen F\u00e4llen auch auf die anderen Sinnesorgane \u00fcbertragen, denn das mentale Konzept ist \u00fcbergreifend f\u00fcr alle Bereiche der Wahrnehmung g\u00fcltig. Die dort liegende Steuerfunktion bestimmt ma\u00dfgeblich wie neu angekommene Informationen \u00fcber welche Bahnung im Gro\u00dfhirn mit bereits vorhandenen Informationen abgeglichen werden, und welche Bedeutung das Erfahrene f\u00fcr die Psyche und die k\u00f6rperliche Sicherheit des Menschen hat. Immer dann, wenn erh\u00f6hte Emotionalit\u00e4ten z.B. Angstzust\u00e4nde mit der Wahrnehmung gekoppelt sind, werden die Synergie-Effekte aller Sinnesorgane deutlich sichtbar.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #003366;\">Besonders einpr\u00e4gsam wird das beim n\u00e4chsten Thema.<\/span><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #003366;\"><strong>Folgendes Kapitel : <a href=\"http:\/\/www.artokora.de\/?p=8136#.Wc8de0zqgUE\"><span style=\"color: #c20000;\">4.0 Farbwahrnehmung<\/span><\/a><\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind st\u00e4ndig von Raum, Zeit und Bewegung umgeben. Im Raum sehen wir Gegenst\u00e4nde, in und mit denen wir uns handelnd auseinander setzen. W\u00e4hrend der fr\u00fchen Kindheit wird spielerisch gelernt, sie zu lokalisieren, in welcher Entfernung sie sich von einem und von anderen Gegenst\u00e4nden befinden. Jeder hat im Laufe der Adoleszenz gelernt, auch Geschwindigkeiten zu &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.artokora.de\/?p=8083\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e3.0 R\u00e4umliche Wahrnehmungskriterien\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8064,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[741,524,734,726,738,727,728,736,733,739,735,729,740,731,724,691,730,737,732,690,725],"class_list":["post-8083","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gedanken-schaetze","tag-autokinetische-bewegung","tag-fernsehen","tag-film","tag-gegenstandskonstanz","tag-gleichzeitigkeit","tag-groessenkonstanz","tag-helligkeit","tag-internet","tag-interpretation","tag-kinematoskop","tag-kino","tag-mondtaeuschung","tag-nachbewegung","tag-rahmenbedingungen","tag-raum","tag-reizsituation","tag-scheinbewegung","tag-sukzession","tag-voreinstellung","tag-wahrnehmungskriterien","tag-zeit"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8083"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8083"}],"version-history":[{"count":25,"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8083\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8555,"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8083\/revisions\/8555"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8064"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.artokora.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}