11. Das persönliche Denken

Eine total neue Dimension des Erfassens und Bewertens

Widmet man sich heute dem Thema «Denken», wird in Europa meistens als erstes René Descartes zitiert. Sein wohl berühmtester Satz: «Ich denke, also bin ich» prägt auch noch im 3. Jahrtausend die Intentionen vieler Philosophen, Physio- und Psychologen, die sich mit diesem Thema befassen. Mit diesem Satz lässt sich allerdings gut beweisen, wie wichtig für den europamerikanischen Bürger das Denken ist. Descartes schien mit dieser Aussage den Kern der elementaren Erkenntnis ausfindig gemacht zu haben, denn, so formuliert er selbst, man kann mit dem Denken viele schlüssige Aussagen über die Urgründe der Welt und des Lebens liefern, mehr als mit den fünf Sinnesorganen und ihren technischen Ergänzungen erfasst werden. Seiner Ansicht nach werden alle sinnlichen Wahrnehmungen von subjektiven, materiellen Bedürfnissen des Betrachters beeinflusst, weshalb diese niemals objektiv und somit wahrhaftig sein können. Mit den fünf Sinnesorganen wird also seiner Meinung nach die Wirklichkeit verfremdet und für die emotionale Kondition und Intention des subjektiven Betrachters entsprechend umgemodelt. Das vernünftige Denken kommt für Descartes aus dem metaphysischen Raum, den er als «Geist» bezeichnet. Nur mit diesem inhärenten Geist, der natürlich mit dem kosmischen Geist verbunden ist, kann der Mensch vernünftig und logisch bestimmen, was und wie seine Welt ist. Für dieses komplexe Denken mit den verlinkten Geistfeldern musste Descartes allerdings noch einige grundlegende Regeln einführen.


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In diesen lässt er nur das als wahr und richtig gelten, was so einfach und plausibel ist, dass es durch Intuition, durch die reine «vernünftige» Einsicht – das ist sein spezieller Begriff für Logik – von jedem Menschen unbestreitbar erkannt werden kann, oder was einer logischen Folgerung und schlüssigen Ableitung aus einfachen Dingen entspricht. In dieser Hinsicht basieren seine Theorien auf einer plausiblen Mathematik der ganzen Zahlen. Nach alledem kann jeder schnell erkennen, dass Descartes für seine Weltanschauung eine Reihe von speziellen Begriffen einführt, mit denen er als grundlegende Prämissen sein ganzes Gedankengebäude beweist. Da ist das ICH, das EGO, in dem sich der Geist, die Intuition, die Vernunft usw. spiegelt, die im Sprachgebrauch der Menschen heute ihren Platz gefunden haben. Die umfassenden Publikationen in Literatur und Philosophie beweisen, dass wohl jeder so seine eigenen Ansichten von diesen scheinbar unumstößlichen Fakten hat. Auch bei vielen esoterischen Denkern werden Descartes‘ Begriffe weiterhin meistens recht unbestimmt und unterschiedlich auch im komplexen Kräftespiel des Kosmos bzw. Mikrokosmos verwendet. Hinter allen Betrachtungen klingt ein ungeschriebenes Tabu: «Das ICH ist autonom mit einer idealisierten Freiheit. Der Mensch, bzw. sein EGO kann denken, was es will, wie es will und wo es will! Es wird im Folgenden die Frage diskutiert, inwieweit diese in der westlich christlichen Zivilisation weit verbreitete Ansicht nicht doch einer Selbstüberschätzung gleichkommt.

Das intelligente Denken stellt natürlich in gewisser Art einen Faktor dar, der den Menschen gegenüber dem Tier auszeichnet, insofern die Bedeutung von Logik in diesem Zusammenhang völlig eindeutig bestimmt ist. Dabei sollte die Logik nicht mit dem Parameter „Vernunft“ verwechselt werden. „Als der Scharfsinn und das intelligente Durchschauen an den Tag kamen, entstand die große Heuchelei.“ (Laotse, Daodejing, Kapitel 18)
Es gibt einige moderne Verhaltensforscher, die nicht unbedingt davon überzeugt sind, dass sich der Mensch durch das Denken über das Tier erheben kann. Diese Einstellung kann man angesichts der zahllosen Geschicklichkeiten, die von Tieren vollbracht werden können, und angesichts der Unmengen von Greueltaten, die Menschen so im Laufe ihrer Geschichte weltweit vollbracht haben, durchaus teilen. Allerdings ist sich der Mensch darüber hinaus seiner eigenen Erkenntnis und seines Denkens selbst bewusst. Weil es ihm also erscheint, als kämen die Gedanken aus ihm selbst heraus, während er eben denkt, schreibt oder spricht, wähnt er sich selbst als eigener kreativer Schöpfer seines Denkens. Auch billigt er jedem anderen Mitmenschen die gleiche Leistung zu. Dieses Selbstbewusstsein wird man im Tierreich kaum feststellen können, auch wenn die Verhaltensforscher und Tierpfleger manchen Primaten durchaus ein erhebliches Selbstbewusstsein bestätigen werden. Die meisten Menschen sind sich allerdings der Qualität der gedanklichen Selbstreflexion ihres Seins wenig bewusst, oder wenn sie zu dieser Selbstreflektion gekommen sind, sind sie auf das Phänomen ihres eigenen Denkens sehr stolz. Dieses EGO-Selbstbewusstsein, die allgemein zugestandene Gedankenfreiheit und die persönliche Autonomie sind dem normalen Europäer, allen Amerikanern und davon abhängigen Kulturen echte Produkte eines aktiven Mitdenkens im Zusammenhang der menschlichen Gesellschaften, die niemals angezweifelt werden dürfen. Das sind unangefochtene Menschenrechte. Jeder muss heute im Arbeitskampf seine eigene Position bestimmen und im gesellschaftlichen Miteinander seinen persönlichen Auftrag erkennen, was ohne eine gute Allgemeinbildung und ein logisches, aufmerksames Bedenken der tatsächlichen Zusammenhänge kaum möglich sein kann.

Das Modell des Bewusstseins zeigt uns, dass es zwischen den Gedächtnissen der einzelnen Kraftfelder gemäß der isobaren Resonanz «Gleiches zu Gleichem» zahlreiche Querverbindungen gibt. Die Inhalte der Gedächtnisse bilden die im Kapitel «09. Gedächtnis» beschriebenen Strings bzw. Holokumulies, die mentale Konfigurationen, die mehr oder weniger große Zusammenballungen zu Kluster in den verschiedenen Kraftebenen erfüllen. Im Laufe des Lebens werden zahlreiche Tabus, Prinzipien, Vorstellungen, Weltanschauungen, Absichten und Ideen vom Menschen hervorgebracht, die ihn zunehmend aus dem Atemfeld heraus dominieren. Auch in der Astralis bilden sich starke emotionale Komplexe zu Kraftzentren, unter deren unbewussten Reaktionen der Mensch oft marionettenhaft seine Begehren und Spannungen abreagiert. Der Mensch wird stets unter ihrem Einfluss seine Ideen ausreifen lassen, seine zukünftigen Pläne schmieden, zur Tat schreiten und die stoffliche Realisierung durchsetzen.

Das Modell des Bewusstseins im vorhergehenden Kapitel 6 zeigt uns, dass es zwischen den Gedächtnissen der einzelnen Kraftfelder gemäß der isobaren Resonanz zahlreiche Querverbindungen für die interne Kommunikation gibt, ohne die das komplexe Geschehen des menschlichen Körpers nicht von statten gehen könnte.
Die Inhalte der Gedächtnisse bilden die im Kapitel «09. Gedächtnis» beschriebenen «Strings» bzw. «Holokumulies», die mentalen Konfigurationen, die mehr oder weniger großen Zusammenballungen zu «Kluster» in den verschiedenen Kraftebenen. Im Laufe der stets wachsenden pädagogischen Ausbildung während des Heranwachsens werden zahlreiche Tabus, Dogmen, Prinzipien, Vorstellungen, Weltanschauungen, Absichten und Ideen dem Menschen beigebracht, die ihn zunehmend aus den Gedächtnissen heraus dominieren. Selbst in der Astralis bilden sich starke emotionale Komplexe zu Kraftzentren, unter deren unbewussten Infiltrationen Menschen oft marionettenhaft ihre Begehren und Spannungen abreagieren. Unter diesem unüberschaubaren Einfluss wird jeder stets seine Ideen ausreifen lassen, seine zukünftigen Pläne schmieden, zur Tat schreiten und die stoffliche Realisierung seiner Absichten durchsetzen.

Gehen wir achtsam die einzelnen Abschnitte des Denkens ganz langsam und aufmerksam durch:
Am Anfang entsteht eine Idee. Ein erster Impuls, ein erstes Gedankengeschöpf windet sich aus der Idealis über die Spiritualis in das Spinalfeld und bildet einen kleinen Ideenstring. Dort wird dieser String noch einmal dynamisiert und verbindet sich im Spinalvermögen mit den isobaren Kräften in der Mentalis, wodurch die Idee einen fassbaren Sinn bekommt. In jedem Feld durchläuft dieser String einen reflexiven Prozess aus Kontrolle und Sicherstellung der Selbsterhaltung nach dem Grundgesetz der Resonanz. Eventuell vorhandene Informationen verwandter Vibrationen schmiegen sich an, erweitern die Konzeption, den Sinn und den Wert, und werden magnetisch in der Ideenabsicht mitgenommen. So wächst der mentale String, erhält Kraft und Informationen aus allen Ebenen, und entwickelt sich zu einem Holokumulus. Der komplette Kraftkörper wird also im aktiven Mentalaspekt des Mikrokosmos ausgeformt, und dort noch einmal mit resonanten Assoziationen sinnerfüllend ergänzt. Dabei klinken sich dann aus den Gedächtnissen im Atemfeld und aus der Lipika bereits vorhandene Vorstellungen, Wertschätzungen und aus dem Astralfeld analoge Begehren und Bewertungen ein. In dieser Phase erglänzt die totale Inspiration im mentalen Feld, wird im aktuellen Denken der Impuls gesetzt, den Gedanken zu erfassen, ihn zu erkennen, ihn rational zu gestalten und der Wahrnehmung im Verstand mit Sinn und Bezug zu einer verständlichen Formulierung durch Sprache oder Zeichnung, oder Musik zum Dasein zu vermitteln. Kurz gefasst: Der im Atemfeld vollendete Holokumulus aus Ideation, astralen und mentalen Impulsen wird vom Verstand empfangen und für die Rationalisierung in Sätze verständlich ausgekleidet und in der Landessprache ausgesprochen werden.

Das meiste von diesem komplexen Prozess bleibt dabei völlig vor der inneren Wahrnehmung verborgen, z.B. Woher kam die Idee? – Womit wurde sie in sein System eingeführt? – Welche Parameter haben im Gedanken mitgewirkt, z.B. für die Akzeptanz der Gesellschaft oder anderes? – Wodurch wurde die Intention dynamisiert oder eingeschränkt? –
Alles das wird nicht registriert, besonders wenn der Mensch «seine» Idee spontan gut findet, und seine Begehren und Wünsche total damit übereinstimmen. Jeder Mensch erklärt den von ihm verstandenen und geglaubten Kontext, den er eindeutig für wahr hält, und lässt nur Ansichten, Betrachtungen oder Meinungen zu, die mit diesem von ihm geglaubten Modell der Welt übereinstimmt. Die Person selbst ist nach unangefochtener Übereinkunft aller europamerikanischen Denker der «Schöpfer» seiner in Freiheit gewonnenen Gedanken und erklärt sich spontan zu ihrem Eigentümer und Besitzer. Dieser «Besitz» des eigenen Gedankengutes – Copyright – wird in den allgemeinen Menschenrechten geschützt und kann an Gerichten – je nach Freiheit der Gerichtsbarkeit in den Ländern – eingeklagt werden. Das «Haben-Wollen» ist einer der stärksten Impulse in den westlichen Zivilisationen, die sich während der Kolonisation auf brutalste Weise über viele Erdteile ausgebreitet haben. Nicht nur die materiellen Ansprüche vieler Kolonialherren auf fremdes Land und angeeignete Erzminen oder Teeplantagen, sondern auch die Patent- und Copyright-Ansprüche (sogar auf Saatgut und gezüchtete Gemüse) werden heute mit aller Radikalität und gut bezahlten Rechtsanwälten nicht nur von der Lebensmittel- oder Chemischen Industrie verteidigt. Vor allem, weil die Industrienationen auch noch die dafür erforderlichen Gesetze mit der Protektion der Herrschenden in der «Dritte Welt» entgegen den Interessen der dort lebenden Volksgruppen geschaffen haben.
Wie viele Erfindungen wurden gemacht, wie viele Menschen haben bei den großen Entdeckungen z.B. der Dampfmaschine, dem Auto, der Glühlampen, der Funktechnik oder dem Computer mitgedacht und mitgearbeitet? Zahlreiche Dokumentationen wurden angelegt, unzählige Publikationen sind veröffentlicht worden und füllen heute noch die Archive. Ein riesiger mentaler Holokumulus, ein Kluster aus Gedankenkomplexen vibriert im Gedächtnis der Erde, der Akasha-Chronik. Nicht nur in der Wissenschaft entstehen auf diese Weise große Institutionen, sondern auch im kommerziellen Bereich wachsen globale Industrien mit ihren mentalen Kraftfeldern und Gedächtnissen. Selbst die internationalen Organisationen – UNESCO, UNO, NATO etc., religiöse Institutionen und Kirchen werden so gegründet und breiten sich vor allem im mentalen Feld des Jenseits, dem Devachan, der Erde immer weiter aus. Bei allem Nachdenken über diese Vorgänge kann man feststellen, dass alle großen Ideen tatsächlich Inspirationen aus einem bereits bestehenden, höheren Mentalfeld waren und sind, die sich dem an das Feld angeschlossenen «Genie» mitteilen konnten, der mit dem Äon der Organisation, Institution oder Firma verbunden war. Eigentlich könnte niemand wirklich einen persönlichen Anspruch an eine Idee, eine Neuschöpfung anmelden oder sogar gerichtlich durchsetzen. Weil die Ideen oder Erfindungen bereits in einem diesbezüglichen Abschnitt des Devachan angelegt waren, ist es einfach arroganter Wahn, ein menschliches Eigentum anzumelden. Der wirkliche Urheber des Gedankenkumulus kann niemals recherchiert werden. Das würde jedoch dem aktuellen Egoismus total widersprechen.

Beim Verstehen dieser meist unbewussten Vorgänge ist es hilfreich, derartige Entwicklungen in ihren Details einmal exakt auszuleuchten. Die einzelnen Schritte dieses Vorganges lassen deutlich werden, aus welchen speziellen Aspekten sich ein solcher Holokumulus, ein solcher Gedankenkomplex zusammenfügt. Es ist wahrlich ein Knäuel aus Gedankenstrings, zuerst ein unstrukturiertes Wolkenfeld mit vielen offenen Verästelungen und Enden. Zunehmend bekommt der Kumulus Struktur. Immer mehr Strings mit unterschiedlichem Inhalt gliedern sich nach der isobaren Resonanz ein. Es entstehen im Holokumulus mentale Funktionseinheiten, und er wird mehr und mehr zu einem bewusst belebten Kluster. Prozessmäßig entwickelt sich aus dem uranfänglichen Grundimpuls ein aktives Eigenleben, das durch die mentale Mitwirkung und aus dem astralen Begehren aller Beteiligten bewusst unterstützt wird, die gedanklich und auch grobstofflich an ihrem Werkplatz im Plan mitwirken. So entsteht schnell ein mentaler Körper mit Organen und mit selbstständigem Denken auf dem feinstofflichen Plan, der einerseits die Verbindung zu den höheren Vibrationsfeldern aufrecht erhält und andererseits sich über die astralen und ätherischen Welten letztlich bis in die grobe Materie offenbart. Dabei ist es nicht einmal erforderlich, dass die mitwirkenden Menschen oder Wesen in einer Stadt oder einem Gebäude räumlich vereint mitdenken müssen. Auch eine zeitliche Synchronizität ist nicht notwendig, weil sich die Gedankenstrings nach dem Prinzip der isobaren Resonanz zusammenfügen. Es ist innerhalb dieser Gesamtschau leicht zu begreifen, dass sich auch «überirdische» Ideen aus transpersonalen Verbindungen in den Mentalkluster einmischen.
Die Spiegelung der überirdischen Ideale in das menschliche Denken steht zunächst unter dem Grundprinzip dieser materiellen Welt der Erscheinungen, die solange «Ahrimans» Territorium sein wird, wie der Mensch seine stoffliche Selbstbehauptung vollenden muss. Die vielfach reproduzierte Prämisse: «Ich – die stoffliche Person – bin ein Kind Gottes.» dominiert Kraft der großen Weltreligionen zur Zeit auch die Grundstruktur allen menschlichen Denkens. Diese egozentrische Kraft ballt sich in dem Akashafeld der Erde zu den dort herrschenden ahrimanischen Kräften zusammen, deren Bestimmung des «Ersatzgottes» durchdringt vollkommen die sichtbare Natur und bestimmt damit alles Bedenken, Entscheiden, Fühlen und Handeln. Diese Selbstbehauptung wird zur Grundmelodie allen Denkens und Wollens und in ihr vibriert ein großer Teil des «Gedächtnisses dieser Natur», das darum unzweifelhaft vom Eigenwillen, von der Egozentrik dominiert wird. Der selbstbehauptende Mensch – alle Mikrokosmen, die noch nicht mit dem fünften Aspekt der Astralis verbunden wurden – muss sich noch mit seinen Begehren auf die materielle Selbsterhaltung richten. Seine Aktivitäten bleiben solange eingebettet in die drei niederen Ansichten der kosmischen Lebensfelder, bis ihn seinen Ahnungen eines idealeren Weltgeschehens über die Selbstverwirklichung hinaus heben. Er ist dazu bestimmt, diese irdische stoffliche Natur mit ihrem Diesseits und Jenseits so lange zu beleben, bis er von einer anderen, einer höheren Idee, von dem Impuls aus der Monade für die interkosmische Evolution, erfüllt wird.

Die Behauptung des aktiven freien Denkens, wie Descartes es formuliert hat, ist angesichts dieser Tatsachen jedoch eindeutig in Frage zu stellen.
Der Mensch registriert «seine Idee» – wie er so einfach behauptet – erst dann, wenn dieser im mentalen Feld gewachsene String von seinem Verstand erfasst werden kann, also schon zu einer gewissen mentalen und astralen Größe herangewachsen ist. In seiner Grundentwicklung bleibt dieses Phänomen dem denkenden Menschen allerdings so lange verborgen, wie er die transpersonalen Sphären seines Daseins ignoriert. Die fundamentale Ausrichtung auf das stoffliche Werden verhindert im Menschen das Erwachen der unstofflichen Sinnesorgane, die durchaus schon in einigen Ansichten angelegt sind, wie es einige Hellseher deutlich dokumentieren können, wie z.B. Robert A. Monroe und Arthur Ford, und andere.

In dem vorgestellten Gedankengang wurde nur die Progression, das stetige Wachstum einer Idee in der Mentalis erläutert. Aber es kann auch anders herum geschehen. Aus dem Bewusstseinsfeld wird über die Ideation und die Spinalis ein aktiver String in die Mentalis des Menschen hinein gesenkt. Entgegen der bisher beschriebenen positiven Reaktion begegnet dieser Impuls jedoch unsympathischen Verboten und tradierten Vorschriften aus den Gedächtnissen, die dann aus der Astralis auch noch mit Angst-Strings behaftet sind. Dann erlischt der ausgeschickte mentale String, die anfängliche Dynamik schwingt aus, und nach einer gewissen Zeit verblasst dieser hohe Gedanke vollständig. Möglicherweise bleiben irgendwo im mentalen Gedächtnis einige Spuren haften, als eine schwache Ahnung, die mit dem Stempel «Ist nicht erwünscht» ausgezeichnet wurde. Vielleicht kann jedoch bei einer erneuten Impulsion aufgrund der bereits gelegten Gedächtnisspuren diese Idee doch noch einmal an Kraft gewinnen und den Menschen zu einer Tat inspirieren, die alle bisherigen Gebote und Dogmen überwindet.

Wenn man die Feinheiten des Denkens genauestens analysiert, muss auch gefragt werden: Woher genau kommt die Ideation? – und zweitens: Was entscheidet über die erste Entdeckung der mentalen Schöpfung?
Diese Fragen können anhand des vorliegenden Beispiels ganz leicht beantwortet werden. Die uns bekannte Schöpfung des sichtbaren Weltalls ist mit ihrem Diesseits und Jenseits eine in sich abgeschlossene Erscheinung in einer zugehörigen Monade, die ihr eigenes Daseinsgebiet in einem höheren kosmischen Gebiet hat. Im Kapitel über das siebenfache Weltfeld wird beschrieben, dass sieben kosmische Lebensfelder existieren, die alle ineinander wirken und sich miteinander in-formieren. Die irdische Welt befindet sich bei diesem Modell also im siebten, zu niederst schwingenden kosmischen Gebiet. Von den höher schwingenden Feldern wirken seit Anbeginn aller Zeiten über die Monade stets stimulierende Ideationen in den irdischen Kosmos hinein. Die Monaden der Mikrokosmen senden solche Ideationen in eine nicht bekannte Anzahl von Menschen, wo sie sich im Unterbewusstsein unter anderem als «Ideale» ausdrücken. Die Monade berührt den dafür reifen Mikrokosmos im geistigen Prinzip des Herzens. Shankaracharya nannte diesen Mittelpunkt Atman, der ein Teil des Brahman (der Urmonade) ist. Im Christentum nennt man diesen Begegnungspunkt zwischen Mensch und Monade den «eingeborenen Sohn» oder auch «neue Seele». Der Mensch selbst wird dann von einem Gewissen sprechen, einer inneren Instanz seines Charakters. So bekommt sein Leben beständig einen Impuls aus einer anderen kosmischen Ebene, die ihn in seinem Leben zu gewaltigen Anstrengungen in den unterschiedlichen Bereichen der Kultur, der Wissenschaft und der Religion anspornt. Da der Mensch bislang jedoch nur die horizontale Evolution in der materiellen Konfiguration Erde sieht und begreifen kann, verwirklicht er selbst diese höheren Impulse aus der metaphysischen Welt in der ihm bekannten physischen Natur nach seinen irdischen Vorstellungen von Religion, Humanitas und Karitas. Dabei werden diese metaphysischen Ideale von seinen materiellen Vorstellungen überschrieben. Dadurch erschafft sich die Menschheit die selbstbehauptenden Kräfte und Manifestationen im mentalen Umfeld der Erde selbst mit den Religionen, die alle Kulturen auf dem Planeten bestimmen. Leider werden dadurch im Gesetz der komplementären Resonanz auch die brutalen Hässlichkeiten des Daseins und die entsetzlichen Kriege vorbereitet.
Die Zivilisationen der Welt, alle integrierten Organisationen, politischen Parteien und Institutionen, alle wissenschaftlichen Gesellschaften und Stiftungen, alle Firmen und Unternehmungen, Holdings und Aktiengesellschaften leben aus einem und ernähren einen zugehörigen Äon, ein gigantisches, mittlerweile bewusst gewordenes Geschöpf im unteren Devachan, dem Mentalfeld im Jenseits. Alle Sprachen, Nationen und Religionen verfügen und werden geleitet über eine solche, für sie zuständige Wesenheit aus den unstofflichen Sphären der Erde, einmal größer, einmal kleiner. Zu allem Überfluss ballen sich diese zusätzlich noch gemäß der isotropen Resonanz zusammen, und das leider schon über Jahrtausende.
Die ältesten mentalen Kraftkonstellationen dieser Art dürften so alt sein wie das ablaufende pythagoreische Jahr. So nennt man den Zyklus der Präzession der Polachse (oder Frühlingsäquinoktium) der Erde durch die Sternbilder der 12 Tierkreiszeichen, also bereits ungefähr 25.000 Jahre (in ca. 800 Jahren soll das Wassermannzeitalter zu Ende gehen). Weil diese Zeiten für die menschliche Vorstellung so lang sind, wurden diese Kräfte schon in der Antike ÄON genannt («aion» steht im Griechischen für Zeitalter). Sie sind in ihrem Ursprung aus den okkulten Strömungen der großen Religionen in China, Indien, Iran/Persien, Chaldäa, Ägypten und in Skandinavien/England und Germanien entstanden. Bis in die Neuzeit wurden zahlreiche Untergliederungen im Jenseits gebildet, so dass eine gewaltige Hierarchie aus mental-astralen Kräften die Ereignisse in den Sphären des Devachan bis hinunter auf die Erde beherrscht. Wer sich angesichts dieser permanenten Observanz noch traut, von einer «Freiheit der Gedanken» zu schwärmen, kann nur ein irrealer Träumer oder ein Gläubiger an das materielle Modell sein, der den Anweisungen der Äonen direkt folgt.

Für die Selbstautorität des Menschen wäre es förderlich, von den unangenehmen Nebenwirkungen in den transpersonalen Sphären des egoistischen Denkens zu wissen. Allein wegen dieses Unwissens über die fatalen Folgen der selbstbehauptenden Gedankenwirksamkeit und ihrer jenseitigen Schlagschatten werden die kristallisierenden Gedankenwolken um den Erdball erhalten. Absurderweise wird dabei vollkommen übersehen, dass das viele Memorieren, Wiedererinnern und emotionale Graben in längst verflossenen Geschichten durch Museen und Gedenkstätten erheblich zum Erhalt der Äonen unter dem Firmament beitragen, vor allem bei politischen oder religiösen Großdemonstrationen. Alle Denkmäler, Museen und Erinnerungsstätten, archäologische Grabungsstätten, geschützt vom UNESCO-Weltkulturerbe, fördern systematisch die astral-mentale Ernährung dieser Gefängniswärter der Menschheit.
Die innerste Ideation der irdischen Schöpfung kommt über das Gemüt im Sinne eines irdischen Gewissens oder einer moralisch-ethischen Instanz als das höchste Gute, eben als Spiegelung des wahrhaft Guten aus dem universellen Bewusstsein. Aber das ist keineswegs eine Gotteskraft, die sich aus ihrem ursprünglichen metaphysischen Feld an den Kosmos wegschenkt. Die irdische materielle Natur existiert primär aus den Kräften des Luzifers und Ahrimans. Da jeder Beteiligte diese Kräfte für seine eigene stoffliche Selbsterhaltung assimilieren und eigenständig darüber verfügen muss, sind sie natürlich egoistisch polarisiert. Alle idealisierten Anstrengungen und Mentalbewegungen karitativer und humanistischer Organisationen müssen in unserer Natur kraft ihrer immanenten Egozentrik kristallisieren und wegen der irdischen Polarität stets auch das Gegenteil ihrer primär guten Absicht aufrufen. Das hat einen amerikanischen Philosophen zu dem Ausspruch veranlasst: «Tue nichts Gutes, widerfährt dir nichts Böses!»
Das Denken ist im gesamten Fluss der Kräfte der wesentliche Informationsstrom, ohne den absolut kein Leben vorstellbar ist. Dieser stete Strom mentaler Strings und Holokumulies durch alle Kraftsphären der Welt in-formiert die Ereignisse und Fakten in der Wirklichkeit. Dafür braucht es allerdings auch die astralen Mittler, die das Sein dynamisieren. Gleichermaßen wird die eine Ursache des Lebens, die Liebe und die Herrlichkeit des Alls, über die Monaden aus den höchsten nirvanischen Feldern in den Mikrokosmos eingestrahlt. Die Monaden stimulieren die Evolution des Kosmos und auch der Mikrokosmen im niederen materiellen Lebensfeld. Alle sich abmühenden Menschen werden aufmerksam umsorgt, sie werden in ihrer Entwicklung liebevoll von Erfahrung zu Erfahrung geführt, bis einmal jeder in seiner mikrokosmischen Vollendung die Vereinigung mit seiner Monade erleben kann. Dann kann Paulus jubeln: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg!“ Wer dabei auch nur einen Teil des Denkens als seinen persönlichen Besitz annimmt, wird noch viele unangenehme Erfahrungen während seiner Inkarnationen machen müssen, bis er unabhängig in sich selbst erfährt, dass er sich nur in der absoluten Einheit mit seiner Monade in die kosmische Evolution einbringen kann. Diese Entwicklung führt selbstverständlich zunächst zur Vollendung der mikrokosmischen Astralis, dann zur vollendeten Reife der Mentalis. Und nicht nur das, auch die höheren nirwanischen Kräfte werden dem Menschen dann in seinem Mikrokosmos zur Verfügung gestellt. Und nicht nur das, er begegnet dann auch dem kosmischen Christus, der mächtigen Monade aus dem Sonnensystem.
Aus einem weiteren Irrtum entstehen diverse Dysfunktionen im Denken der Menschen. In Anbetracht der allgemeinen Ignoranz der unstofflichen Welten haben die Verfechter der irdischen Freiheit seit Jahrhunderten einen fürchterlichen Irrwahn geschaffen. Er zeigt sich z.B. in dem Postulat der Burschenschaften gegen die herrschenden Mächte: „Die Gedanken sind frei!“. Dieses deutsche Volkslied über die Gedankenfreiheit wurde 1780 zum ersten Mal auf Flugblättern veröffentlicht. Im Zeitraum zwischen 1810 und 1820 entstand die Melodie dazu. Im Jahr 1842 wurde das Lied in „Schlesische Volkslieder“ von Hoffmann von Fallersleben und Ernst Richter veröffentlicht. Die grundlegende Philosophie dazu ist allerdings bereits aus der Antike bekannt. (nach Wikipedia)

Aus unserer Darstellung der mentalen Kraftfelder in Kosmos und Mikrokosmos sowie ihrer innigen Verbindungen mit den niederen astralen Kräften ergibt sich deutlich, dass diese Gedankenfreiheit leider einer der ganz großen Irrtümer der Menschheit ist, unter denen viele ehrenwerte Philosophen einige Inkarnationen lang an der Nase herumgeführt wurden. Bedauerlicherweise wird es allgemein als eine unumstößliche Tatsache gehandelt, dass Gedanken rein metaphysisch nur für die Formulierung und den Austausch von Informationen vom Gehirn hervorgebracht werden, und nach vollbrachter Aufgabe spurlos im Nichts verwehen. In Wirklichkeit bleiben die geschaffenen Mentalgeschöpfe sowohl im aussendenden Mikrokosmos als auch im empfangenden Mikrokosmos lebendig. Und auch in den resonanten Gebieten des Jenseits – «Noossphäre» nach Teilhard de Chardin, «Quantenvacuum» nach Ervin Laszlo, oder auch «PSI-Feld», die «Akasha» nach den Veden, in Anlehnung daran die «Akasha-Chronik» nach R. Steiner, das «Devachan» nach dem Hinduismus etc. – vibrieren diese Gedankenreflexe noch eine ganze Weile.

In der Regel kumulieren dort alle Gedankenstrings gemäß der isotropen Resonanz und formen langfristig größere, denkende Äonen – persisch Daevas, indisch Asuras – , die im Jenseits ihre Domäne haben und von dort das weltumspannende Netzwerk der Ausbeutungskanäle spannen. Die Wirkungen der ausgetauschten «Bits», der Sinninhalte, werden auch im Jenseits von vielen Gruppen reflektiert und resonant vervielfältigt. Welche Auswirkungen gut in Szene gesetztes demagogisches Sprechen, z.B. bei politischer Propaganda oder bei religiösen Zeremonien haben kann, ist mit dem deutschen Volk im 2. Weltkrieg der ganzen Welt eigentlich sehr deutlich vor Augen geführt worden Auch im aktuellen 3. Jahrtausend benutzen potentielle Politiker in Ost und West die Methode der demagogischen Täuschung des Volkes durch umfangreich inszenierte Verkündigungen von Halbwahrheiten. Wie sehr man Stimmungen und sogar physische Veränderungen im Körper durch Gedanken manipulieren kann, beweisen viele aktuelle Studien von Psychologen und die ausgefeilten Methoden der Verkaufstrainer und Sozialarbeiter. Dabei wird bedauerlicherweise oft die irreführende Meinung vertreten, durch ausgiebiges Besprechen der Konflikte und das intensive Reflektieren psychischer Zusammenhänge könnten innerseelische Probleme und/oder soziale Dissonanzen gelöst werden. Das bedrückende Problem dabei besteht in der Unkenntnis der Zusammenhänge, die von den Beteiligten Sprechern nicht erfasst werden können, weil sie nicht aus ihrem eigenen Unbewussten aussteigen können.
Wer die transpersonalen Wechselwirkungen berücksichtigt, die hier bereits ausführlich dargestellt wurden, kann vielleicht erkennen, dass bestehende Probleme durch vieles Reflektieren und unkontrolliertes «Palavern» über sie nur noch stabiler und kraftvoller werden, weil die hinter ihnen waltenden Kraftkonstellationen im Atemfeld des Probanden und im Jenseits dadurch erneut belebt und durch Fehlassoziationen des Therapeuten noch belastet werden. Um für tief sitzende psychologische Komplexe wirklich Abhilfe schaffen zu können, müssten sich Patient und Therapeut sehr genau darüber bewusst werden, aus welchen vergangenen Erlebnisstrukturen die unbewussten COEX-Systeme (Stanislav Grof) entstanden sind und wie sie durch erneutes Durchleben gelöscht werden. Erst danach würden sie durch eine intelligente «Transformation» in die Bezüge des aktuellen Dasein wieder integriert. C.G. Jung hat in seiner Psychoanalyse einige Strukturen für solche Methoden ermittelt und in Fallstudien dafür publik gemacht, wobei seine Archetypen weltumspannende Kräfte aller Zeiten repräsentieren.
Unbestimmte schwache Gedanken verweilen nur vorübergehend im eigenen Atemfeld und verwehen mit der Zeit wie Wolken. Intensive Gedanken, begleitet von starken Emotionen, Angst, Hass, Eifersucht oder Zorn, aber auch Euphorie, Begeisterung, Freude, Trauer etc., entwickeln eine stark ausströmende Energie und wenden sich intensiv an die angesprochenen Menschen, die mit ihrem Problem das Thema eingeleitet haben. Im Gedankenaustausch tritt dann eine kräftige Kopie, ein verstärkter mentaler Schemen dieser Gedankenstrings in das Atemfeld des Zuhörers ein. Darüber hinaus werden dabei die resonanten Strings bzw. Wesen aus dem Jenseits aktiviert, die sich dieser Emotionen bedienen, um sich ihre Ration «Ernährung» abzuholen. Aus vielen bekannten Fällen kann geschlossen werden, dass ein therapeutisches Gespräch nur dann zu einer inneren Neubewertung eines festgefahrenen Komplexes führen kann, wenn Patient und Therapeut die tiefen Bindungen des COEX-Systems annehmen und in einer neutralen Atmosphäre rehabilitieren können, was natürlich zu einer schließlichen Befreiung von pathologischen Gedanken beiträgt.

Durch das intensive Marketing der Mobilfunkbetreiber und Internet-Provider wird heute die allgemein weit verbreitete Redemanie stark forciert. Man spricht bereits in psychologischen Kreise von einer sich vor allem in der Jugend ausbreitenden Suchtkrankheit, der Smartfonitis. Das arbeitet alles fast schon automatisch für die herrschenden Äonen im Jenseits. Zarathustra nannte sie zusammengefasst «Ahriman». Dabei wird von den christlich-islamisch orientierten Menschen meistens völlig übersehen, was bereits im alten Indien schon bekannt war. Das beim Sprechen stark benutzte Kehlkopfchakra ist ein Nebenchakra des Sexual- bzw. Sakralchakras und arbeitet beim Sprechen stets «schöpferisch», es produziert mentale Strings. Wer also beständig auch per «Smartfon» oder «Tablet» mit seinen Freunden alle persönlichen Aktivitäten und Absichten und Wünsche austauscht, steht permanent in einem mental-astralen Schöpfungsprozess, mit allen unbedachten Wechselwirkungen und Interaktionen mit jenseitigen Kräften.
Alle Gedanken werden von subjektiven Empfindungen der Zu- oder Abneigung begleitet, die oft zu heftigen Emotionen Anlass geben. Alles das wird unbemerkt von Kontaktpersonen mit ihren Prägungen und bereits entstandenen Atemfeldbewohnern sowie den Spiegelungen im Jenseits dominiert. Diese, in das Gespräch verwobenen unstofflichen Einflüsse werden ignoriert, bleiben vollkommen unerkannt und völlig unberücksichtigt. Die Gedankenstrings tanken entsprechend der Intensität der Gefühle viel Energie. Sollte sich nun der Angesprochene keiner Schuld bewusst sein und darum ganz neutral oder sogar ablehnend reagieren, dann wandert der ausgesendete Gedankenstring, angetrieben von seiner eigenen Dynamik, teilweise zum Aussender zurück. Ein weiterer Teil tritt frei in die Spiegelsphäre aus und belästigt von dort andere Mikrokosmen, die eine isobare Resonanz haben. Natürlich findet der String im Devachan eine Kraftwolke mit resonanter Vibration, der er sich anschließt und diese verstärkt. Auf diese Weise sind im Laufe der Zeiten zahlreiche gewaltige mental-astrale Wesen herangewachsen, die das Jenseits der Erde bevölkern und die Menschheit von dort dominieren.
Der kumulative Spiegeleffekt der gedanklichen Wirksamkeit kann eigentlich auch sehr intelligent konstruktiv benutzt werden. Mentale Therapien, angefangen beim Autogenen Training und der Selbsthypnose bis hin zu medizinischen Ferndiagnosen und -therapien, sind wohl noch nicht allgemein üblich, aber sehr wirksam. Jedoch bleibt alles gute Bemühen in dieser materiellen Welt solange an die Bipolarität gebunden wie sich die Menschheit mit der stofflichen Selbsterhaltung befassen muss.

Welches Ausmaß die mentale Verschmutzung aus dem Irrtum der Gedankenfreiheit zur Zeit annimmt, kann nur erahnt werden. Wer die Kommunikationsflut in den Medien der Welt betrachtet, wird heute voller Entsetzen erkennen, mit welcher Dynamik sich all der mentale Unrat bereits über die Astralis, den Äther und sich letztlich bis in den Stoff hinein offenbart. Jeder kann leicht begreifen, dass die Ursache für die unvorstellbare stoffliche Umweltverschmutzung in Afrika, Südamerika und Asien, sowie auf den Weltmeeren in der Verpestung der niederen astralen und mentalen Felder gesucht werden muss, die gnadenlos von den Äonen aus Selbsterhaltung in der Menschheit angefacht wird.

Da der Mensch die unstofflichen Belange seines Lebens ignoriert, kann er sie natürlich auch nicht erkennen. Die innere Wahrnehmungsbereitschaft und Aufmerksamkeit selektiert das, was ihm seine Sinnesorgane und sein Verstand vermitteln können.Was der Mensch nicht für wahr halten will, kann er nicht wahr-nehmen, kann er auch nicht bedenken. Weil er auch aus diesem Grund definitiv keinerlei Gedankenfreiheit hat, lebt er in allen Lebenslagen sehr experimentell.

Dies ist so eminent wichtig, dass sich eigentlich jeder Mensch dieser absurden Lebenssituation bewusst werden sollte. Niemand kann ohne die Kenntnis der transpersonalen Sphären wirklich auf die fatalen Folgen aller Facetten seines Daseins aufmerksam werden, unter denen er persönlich aufs Heftigste leiden muss – im Sinne des griechischen Pathos.
Prinzipiell erkennen viele Menschen ihr Lebensziel darin, das vollkommene Bewusstsein vom eigenen Sein und dem der Welt zu erlangen. Eines der grundlegenden Übel der irdischen Menschheit bei allen diesen Methoden bleibt die zur Mitte gerichtete, also die egozentrische Rotation der Chakras. Trotz aller gut gedachten Empfehlungen der indischen Rishis werden dadurch ununterbrochen die alten Kräfte der niederen Astralis und Mentalis für die körperliche Selbsterhaltung aktiviert, die immer noch im Begehren nach materiellen Erhöhungen und Ermächtigungen gelebt werden. Wenn die persönlichen Vermögen durch höhere Vitalität verbessert werden, um sie im Überlebenskampf gegen die Mitmenschen besser einsetzen zu können, rufen sie in der bipolaren Dialektik immer wieder nur Schaden auf, auch im eigenen Leben. Wie soll eine neue Melodie auf der Lyra der Wirbelsäule gespielt werden können, wenn immer und stets erneut die alten egozentrischen Bestrebungen nach «Heiligsein» und «Frieden auf Erden», nach mehr persönlichem Erfolg, Vitalität, Macht, Wohlstand erklingen?
Viele Meditationsmethoden sowie die westlich orientierten esoterischen Abwandlungen davon, wie z.B. Autogenes Training, helfen, den Fehlfunktionen in den Äther-, Astral- und Mentalfeldern zuvor zu kommen, damit wenigstens die Chakras geordnet rotieren können. Wie viele Weise in Ost und West bereits angedeutet haben, müssen die Chakras für ein gesundes und langes Leben sowie für ein waches Bewusstsein erst einmal harmonisch organisiert werden. Dafür werden entsprechende Yoga-Methoden angeboten. Jedoch sollte bei diesen Übungen beachtet werden, dass diese die Polarität der niederen Natur nicht ausschalten. Wer durch das Meditieren unbewusst egozentrische Ziele der Selbst-Erhöhung anstrebt, bleibt in die «Schlagschatten» seiner Motivation verwickelt. Die so notwendigen Lernprogramme für das Wachsen der Astralis werden von der Monade über das Denken und Fühlen dem Menschen aufgetragen. Mit den diversen Yoga-Methoden wird natürlich eine verbesserte Lebensvitalität erreicht. Wenn sich die Chakras stabilisieren, kann dabei auch die innere Abhängigkeit von den stofflichen Lebensdynamiken verringert und neutral akzeptiert werden. Mit der inneren Gelassenheit in Meditation und Kontemplation kann auch eine spontane Inspiration über weiterführende Schritte einhergehen. Angesichts der noch bestehenden Abhängigkeiten von der stofflichen Selbsterhaltung sollte sich bei den intelligenten Menschen ein neues vernünftiges Denken durchsetzen.

Für eine wirkliche Gesundung des Planeten Erde, wonach alle Menschen, Fauna und Flora in einem natürlichen und friedlichen Miteinander leben können, wäre eine totale Umkehr im Denken und Sein aller Menschen erforderlich. Alle in der Geschichte der Menschheit gewachsenen Methoden sind schon durch den Ansatz der Selbstsüchtigkeit verbogen und sie sollten bereits wegen der Polarität innerhalb der niederen astralen Gebiete beiseite gelegt werden. Alle Denkansätze, die auf den Philosophien bzw. Religionen aus der Antike, der Aufklärung und der Neuzeit basieren, sind von feudalistischen und patriarchalischen Theorien geprägt. Eine fundamentale Umkehr beginnt mit dem rechten Denken, wie bereits Buddha seinen Anhängern erklärte. Seine Erkenntnis basiert darauf, dass alles Dasein auf der planetaren Ebene immer nur ein Erleiden ist, in dem Sinne, dass die Ereignisse und Sensationen des Lebens auf Erden immer nur eine Folge der komplementären Resonanz sind. Je mehr die Menschen, vor allem die herrschenden Klassen versuchen, ihre eigentlich immer noch feudalen Absichten – Ausbeutung der sozial Schwachen sowie der Naturressourcen – gegen die Gesetze der Polarität sowie dem «Werden und Vergehen» durchzusetzen, desto mehr wird die negative Resonanz das Leben der Menschheit dominieren. Die Auswirkungen kann man heute bereits bei allen islamischen Staaten im Orient und Asien erkennen. Diese prinzipiell falsche Lebenseinstellung der hochmütigen Arroganz wird nur überwunden, wenn die Menschen in glasklarer Erkenntnis der tatsächlichen Lebenszusammenhänge des Weltgeschehens, inklusive aller transpersonalen Kraftfelder, zu einer völlig veränderten Lebensmotivation kommen.

Erst wenn jeder Mann und jede Frau sehr persönlich die Gesetzmäßigkeiten der irdischen Natur völlig neutral selbst erleben kann, ohne jede Bevormundung durch Religionsorganisationen, politischen Parteien oder staatliche Potentaten. Erst wenn er oder sie selbst erfassen kann, welch ein großartiges, für die Evolution notwendiges Erfahrungsfeld sie bewohnen dürfen. Erst wenn jeder Mensch selbst erfährt, mit welcher Präzision und Gnade alle Wesen von ihren Monaden behutsam in ihrem Leben geführt werden, erst dann hört alle egozentrische Hektik und jeder Kampf mit- und gegeneinander völlig auf. Alle Be- und Verurteilung von Lebenshandlungen und Begehren, auch gegen sich selbst verklingen, weil das egoistische Lebensziel erloschen ist. In der konsequenten Ausrichtung auf das Werden der kosmischen Evolution können sich die Chakras in vollkommener Harmonie synchronisieren. Die durch diese Umwandlung erwachenden Menschen werden die fundamentale Friedfertigkeit des Allgeschehens als eine wissenschaftlich begründete Wirkung im All erleben. In den materiellen und ätherischen Feldern werden alle Disharmonien geheilt, um von der astral-mentalen Ruhe begleitet zum Heilungsprozess der kosmischen Welten und Entitäten beizutragen.

Ursprünglich beabsichtigte Siddhartha Gautama Buddha seine Mönche und Anhänger mit dem Aufgeben der stofflichen Begehren und der irdischen Sittenlosigkeit in das Nirwana zu führen, in die nirwanischen Felder des höheren Menschseins. Dies wäre in einen mikrokosmischen Werdeprozess eingebettet, der als der berühmte achtfache Pfad bekannt ist: rechte Erkenntnis und Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln und Leben, rechte Anstrengung, Achtsamkeit und Sammlung. Nicht so ohne Weiteres kann diese Methode das innere Wachstum des Mikrokosmos fördern. Erst wenn der Mensch die biologisch notwendige Mäßigung und Neutralität verwirklichen kann, sind die Voraussetzungen gegeben, damit sich die höheren Ansichten der Astralis und der Mentalis entwickeln. Für viele Mikrokosmen wird sich diese Zukunft wahrscheinlich erst in den kommenden Inkarnationen realisieren, bei denen die Astralis und Mentalis zumindest 6-fach offenbart sein werden. Die damit verbundene mentale Veränderung bedeutet vor allem das Erfassen und das Wissen um die unstofflichen Lebensfelder der Welt und ihrer Bewohner, die gemeinsam in vollkommener Einheit für die Evolution des Kosmos wirken. So werden die künftigen Generationen auf Erden wie im Plan vorgesehen auch mit den Entitäten und Wesen der unstofflichen Lebensfelder am Wohlergehen der Schöpfung zusammen arbeiten.

Solange der Mensch das Gesamtziel des Dasein nicht erkennen kann, führt das Leben innerhalb der planetaren Begrenzungen mit seinen Konflikten und Streitereien, mit den ungezählten gesellschaftlichen und sozialen Interaktionen von der Geburt über das Erwachsenwerden mit und ohne Partner, mit all den beruflichen und lebenserhaltenden Notwendigkeiten und Krankheiten bis zum physischen Tod, eigentlich nur zu der Erkenntnis einer impertinenten Absurdität der Gefangenschaft aller Menschen. Die augenblickliche Schulbildung sowie die pädagogische Grundausrichtung der Universitäten in den westlich geprägten Zivilisationen überbringen den Heranwachsenden keine plausiblen Informationen über das Ziel des kosmischen Werdens. Die vielseitigen theologischen Spekulationen verdonnern den Menschen zu der Verschuldung durch den sogenannten «Sündenfall» in einer Urvergangenheit. Die teleologische Konsequenz der permanenten Ausbeutung in seinem tatsächlichen Leben auf der Basis dieser Behauptung hat bislang kein einziger Mensch ernsthaft in Erwägung gezogen. Darum streben heute viele Menschen in Ost und West nach einem lapidaren und weitestgehend undefinierten Nihilismus oder Existentialismus. Warum sollten sie sich um etwas Bemühen, das für sie keinerlei Veränderung in einer ungerechtfertigten Beschuldigung und Verurteilung bringt? Darum wäre es eigentlich an der Zeit, mit dem Mummenschanz des Mittelalters auf der Basis überholter antiker Dogmen endgültig einmal aufzuhören, und bereits den jungen Menschen in der Schule vor die tatsächliche Evolution von Mikrokosmos, Kosmos und Makrokosmos zu stellen.

Das Weltgeschehen zeigt, dass sich vereinzelt da und dort Menschen zusammentun, um mit dieser abweichenden Weltanschauung zu einer bewussten Umsetzung im Alltagslebn zu kommen.
Dabei sind die Eckpunkte dieser Lebenshaltung bereits genannt:

  • Loslösung von allen in der materiellen Selbstbehauptung entstandenen Vorstellungen, Prinzipien, Ge- bzw. Verboten und Tabus, die noch im Unterbewusstsein vorherrschen
  • harmonische Kohabitation von feminin und maskulin in Denken fühlen und Handeln führt zur Hemisphärensynchronisation im Gehirn
  • erlebte Neutralität gegenüber allem irdischen natürlichen Treiben, uneingeschränkte Empathie zu allem Leben in der stofflichen und unstofflichen Natur
  • relative Befreiung im Denken, Fühlen und Handeln von den niederen astralen Vergangenheiten der Menschheit.

In der wissentlichen Verbindung mit der Monade kann sich dabei ein Freiraum ergeben für die Entwicklung der höheren astralen Begehren und einer höheren Mentalis im Mikrokosmos. Mit diesen Gruppen von angeschlossenen Menschen in unterschiedlichen Ländern kann vielleicht einmal eine total neue Entwicklung des Denkens auf der Erde beginnen und die Evolution aller Wesen in ihren sieben Lebensfeldern zügig voranschreiten.

 

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Gleichberechtigung

Harmonie und Gleichgewicht.

Nach dem Schöpfungsprinzip gibt es zweierlei Monaden, die im Grundprinzip gleich sind, sich jedoch in der dominanten Wirkungsweise etwas unterscheiden. Wir nennen diese markanten Prioritäten in unserer Welt meistens weiblich und männlich. Das Weibliche ist die empfangende und verwirklichende, gebärende Ansicht; das Männliche ist die kreative, aktivierende und zeugende Ansicht. Diese Prioritäten drücken sich über die Vereinigung in den Mikrokosmen und dann natürlich in den Personen aus, die vom Mikrokosmos adoptiert werden. Aus diesem Grunde gibt es Menschen zweierlei Geschlechts, wie man so sagt. Gott schuf den Menschen, ein Mann und ein Weib, so heißt es in der Genesis. Das heißt für uns auf der unteren Ebene, dass der irdische Schöpfer in seiner Schöpfung Erde zweierlei Urtypen an Stelle des ehemaligen Hermaphroditen beherbergen musste. Durch diese komplexe Situation mussten sich die Menschen nun geschlechtlich fortpflanzen. Es sieht heute so aus als wäre nichts einfacher als das. Doch in der ursprünglich sich selbst reproduzierenden Welt der Pflanzen und Tiere, die natürlich in uns völlig unbekannten Körpern existierten, musste ein langfristiger Prozess der vorbereitenden Aktionsstrukturen, Regeln und Verhaltensmuster geschaffen werden.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn bitte mir zu.  Vielen Dank.


Das göttliche Schöpfungsprinzip hatte dabei auch die Gesetze der isobaren Harmonie und der körperlichen Liebe erwirkt, damit alle Monaden in gleichstarker Partnerschaft stets harmonisch mit ihrer beider Vermögen die Schöpfung mitgestalten konnten. Das Gesetz der Harmonie enthält in sich die Regeln der Symmetrie. Die höchstmögliche Symmetrie finden wir im Kreis, oder in der Kugel. Alle Radien sind gleichweit vom Zentrum entfernt, alle Durchmesser können sich millionenfach mittig spiegeln. Die Kugel ist die Form unzähliger Schöpfungen im All. In ihr wirken zwei Kräfte symmetrisch, gleichstark zusammen: es ist die zentrifugale, die vom Zentrum weg fliehende und die tangentiale, die an der Peripherie entlangströmende Kraft. Man könnte auch sagen, zentrifugal ist die Kraft des Wegschenkens und tangential die Kraft der Erhaltung. In dem hermetischen Axiom manifestiert sich die symbolische Harmonie zur Erhaltung der Schöpfung: Alles empfangen, umwandeln und wegschenken. Damit offenbart sich die Grundlage des Daseins. Es ist der vollkommen kugelförmige Holokumulus aller elektromagnetischen Wirksamkeiten der sieben mal sieben Kraftfeldebenen des Alls.

So ist es also berechtigt zu sagen, dass das männliche und das weibliche Prinzip fundamental zum Schöpfungsgesetz gehören. Allerdings muss man dieses ideale Zusammenspiel der sich trotz scheinbarer Gegensätzlichkeit ergänzenden Charaktere im Menschen gut begreifen. Vor allen Dingen, wenn man die Menschen in dieser Natur betrachtet und ihre Bemühungen um die Errichtung eines Paradieses auf Erden einmal genauer unter die Lupe nimmt. Wer sich den großen Religionen dieser Welt zuwendet und zur Grundstruktur ihrer Lehren durchzudringen vermag, wird unzweifelhaft feststellen, dass die meisten Interpretationen das grundlegende Schöpfungsgesetz der gleichstarken Partnerschaft zwischen Mann und Weib entweder prinzipiell ignorieren oder stark zugunsten der maskulinen Dominanz manipulieren. Doch das fundamentale Schöpfungsprinzip der Gleichbehandlung von weiblich und männlich ist Gesetz im All. Wer dieses Gesetz verletzt, wird das Gottesreich niemals sehen. Die Menschheit wird sich mit der in der Aquariusperiode einströmenden kosmischen Kraft auseinandersetzen müssen. Es besteht dabei unter anderem der aktuelle Auftrag, sich mit der  immer deutlicher bemerkbar machenden Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Belangen des Daseins zu identifizieren und an ihrer Verwirklichung mitzuarbeiten. Damit sich für unsere Kinder in den künftigen sozialen Verhältnissen ein harmonisches Miteinander auf allen Kontinenten durchsetzen kann.

Zur Erläuterung diene die mathematisch figurative Konstruktion.
Die Vektordarstellung ist nur als ein visuelles Hilfsmittel gedacht, um das Zusammenspiel der gnostischen Kräfte in ihren wirkenden Aspekten analog darzustellen, die im Kandidaten auftreten werden, wenn er sich auf das Viereck für den Bau stellen will.
HarmoniePyramide
Zunächst steht der Sucher nach der einen Wahrheit unter der Grundkraft der Trinität, die ihn als Vater, Sohn und Heiliger Geist berühren und erneuern will. Dafür muss sich der Kandidat zu den einströmenden Impulsen hilfesuchend öffnen. Dann wird vor seinem Bewusstsein die Struktur der Barmherzigkeit offenbar.
Der Sohn erklärt und beschreibt die Möglichkeit des Rückweges in die Freiheit. Er ist für den Menschen der Ansporn zur Aktivität, der den dynamischen und verwirklichenden Aspekt auslöst. Er bewirkt im Kandidaten die dynamische Kraft, das entschlossene Begehren und den intelligenten Plan für die Realisation.
Der Heilige Geist teilt sich mit als Ideation, als sinngebender und zielbestimmender Einfluss, der vom Kandidaten empfangen, gehört werden muss. Wenn er dieser Ideation folgen kann, werden in tiefem Glauben die Möglichkeiten geschaffen, um mit seinem Gegenüber, dem männlichen Impuls, den eröffneten Plan zu erfüllen.

Hierzu ist ein weitreichender Gedanke angebracht, der enorme Bedeutung für das künftige Zusammenleben der Menschheit haben wird: Sohn und Heiliger Geist werden stets in Harmonie, also symmetrisch in jedem Menschen wirken. An ihm ist es nun, die Kräfte der Ideation und der Inspiration ebenfalls in vollkommenem Gleichgewicht wirken zu lassen, damit sowohl die männlich aktive und dynamisierende Kraft und die weiblich empfangende und gebärende Kraft sich harmonisch entfalten können.
Übertragen aus dem Vektorbild heißt es, dass sich unter der Pyramide aus Einfluss und Antwort ein Quadrat gleicher Kantenlänge bildet, einmal zwei gleich lange Vektoren von der männlichen Seite aus: Dynamisierung und Realisation; und von der weiblichen Seite aus: Empfangen und Hervorbringen. Dann steigt wie von selbst als Jubel der Dank und die Anbetung hinauf zum Vater. Die Kraftpyramide ist geschaffen und kann mit dem Kubus wirken, in sich harmonisch bauen und ausstrahlen in Harmonie mit dem göttlichen Auftrag.

Wer sich in seinem täglichen Leben umschaut, wird sehen, in allen Führungsgremien scheint es total anders zu sein. Ganz besonders in den heiligen Klosterschulen, Kathedralen, Kirchen, Moscheen und  Synagogen der sogenannten Gottesvertreter herrschen weltweit die Männer. Und selbst dort, wo diese Priester und heiligen Männer nicht hinreichen, werden die Rechte der Frauen aufs Gröbste missachtet. Sie werden völlig selbstverständlich zu Arbeitssklaven ihrer Ehemänner degradiert, weil es seit Alters her so Brauch ist. Und die sich dadurch entwickelten Bräuche werden dann auch noch zum Weltkulturerbe gekürt. Welche Infamie?

Die weitverbreitete Ausbeutung aller Ressourcen der Erde im westlichen oder auch fernöstlichen Kapitalismus ist eine typisch maskuline Attitüde, die allerdings auch signalisiert, wo und wie unsere Erben ihr Leben strukturieren werden müssen. Kann die kosmische Kraft des Wassermanns diese männliche Dominanz in den Entscheidungsgremien einmal auflösen zu Gunsten eines harmonischen Gleichgewichtes mit der femininen Potenz, ohne in das umgekehrte Verhältnis zu stürzen?
Doch zunächst ist jeder selbst bei sich gefragt, ob er seine lange unbewusst gehegten Tabus aus den männlich dominierten Weltanschauungen aufspüren und neutralisieren kann. Denn nur dann wird in seinem Mikrokosmos die Schöpfung vom Anbeginn weiter gehen.
Jeder Mann muss das weibliche Prinzip, die Frau in sich akzeptieren und ihre Potenzen in sich wirken lassen, und jede Frau muss das männliche Prinzip, den Mann in sich zu gleichberechtigter Mitwirkung zulassen. Das ist beileibe kein einfaches Werk, denn es spielt sich vorwiegend im Unterbewussten ab, dem jeder männlich dominante Macher und jede selbstbewusste Frau, die mit dem Ränkespiel der Weiblichkeit vertraut ist, äußerst misstrauisch gegenüber stehen. Die Psychologie hätte da so manchen Ratschlag zur Hand, um sich der unbewussten Mitstreiter im eigenen System bewusst werden zu können.
Doch gerade darum geht es immer wieder auf dem Pfad zur einzigen Wahrheit: Verkaufe alles, was Du hast, und folge mir nach. – Warum sagt Jesus diesen Satz zum reichen Jüngling? – Es geht  dabei stets nur um das grundlegende Prinzip in der Schöpfung. Das harmonische Miteinander von weiblich und männlich in sich und Gleichberechtigt als Mann und Frau im lebendigen Miteinander auf dem Weg. Wer diese seelischen Aspekte seiner im Hintergrund der Person wirkenden Antipode zur Geltung bringen kann, wird stets völlig ohne anstrengende Methoden in Harmonie und eindeutiger Ausrichtung seinen tiefen Glauben unter Beweis stellen.

Viele aktuelle Autoren stimmen darin überein, dass die irdische Natur von den vergeblichen Bemühungen, hier im irdischen Lebensfeld ein maskulin dominiertes Paradies unter der Herrschaft eines Jahwe oder Brahman zu stiften, in unsäglichem Leid und einem vollkommenen Durcheinander an Weltanschauungen und Vorstellungen über die Aufgaben vor allem des weiblichen Geschlechts versinkt. Es ist sicherlich müßig, einzelne Theorien der verschiedenen Religionen und historisch gewachsenen Tabus in dieser Hinsicht zu relativieren, denn nirgendwo gibt es ein überzeugendes Konzept, die von den Mentalprojektionen im Gedankenfeld der Erde über Millionen von Jahren angewachsenen Ungerechtigkeiten wieder in ein sinnvolles Zusammenspiel umzuwandeln.

Jeder kann immer nur bei sich selbst beginnend, das Gleichgewicht zwischen der Inspiration im Haupt mit der Ideation im Herzen harmonisch aufeinander abstimmen. Dann kann das weibliche Empfangen und Hervorbringen, Gebären, zusammen mit der männlichen Dynamisierung und Realisation wirken. Das gleichschenklige Quadrat unter dem Einfluss der Inspiration und der Ideation unseres Vaters, das Viereck für den Bau ist geschaffen, und kann für Welt und Menschheit durch jeden Kandidaten wirken, der sich um diese innere Harmonie bemüht. Der Plan, die Dynamik und der Werkstoff werden allen zur Verfügung gestellt.
Jeder Mensch könnte dann im aktiven Wissen um diese Gleichheit und dem Befolgen in Harmonie und größtmöglicher Toleranz allen gegenüber beweisen, dass es zwischen den Geschlechtern eigentlich keinen Wertunterschied gibt, jedoch einen überaus notwendigen Wesensunterschied. Denn nur so werden die Bausteine für das gesamte Bauwerk im Zusammenspiel geschaffen, weil jeder seine Wesenseigenschaften in den Strom der neuen Schöpfung einfließen lässt. Wenn sich die Kräfte alternativ oder komplementär gegenüber stehen, können sie zusammen wirken, wie es in dem Ying-Yang-Symbol gut ausgedrückt wird. So einfach entsteht aus dem gemeinsamen Verstehen und Handeln die wahre Gruppeneinheit.
Dann sind Streitlosigkeit, Harmonie im Wechsel der Aktivitäten und die Liebe zu Gott und zu allen anderen Mitmenschen so selbstverständlich, wie das Atmen.
Damit diese Möglichkeiten in unserer Zeitperiode erkannt und realisiert werden können, haben überaus weise und geschickte Magier die großartigen Pyramiden gebaut, aus deren Geometrie bis heute grandiose Informationen herausgelesen werden können, wenn man bereit ist, den Gedanken der Erbauung vor unserer Geschichtszeit unbeeinflusst von den Ägyptologen konstruktiv zu folgen.

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Genie und Kultur – Nachahmung


 

Zitat aus: Der Gang der Weltgeschichte – Aufstieg und Verfall der Kulturen.

von Arnold J. Toynbee.
Der Mystiker, das Genie, möchte in der ganzen Menschheit das Unmögliche möglich machen, jenes erschaffende Etwas, das er in seiner mystischen Schau erlebt hat, in eine schöpferische Kraft verwandeln oder das in Bewegung verwandeln, was der Intuition nach ein Innehalten ist.

Dieser Widerspruch ist die Crux der dynamischen Beziehung, die sich zwischen Menschen auf Grund des Erscheinens von mystisch inspirierten Persönlichkeiten ergibt. Die schöpferische Persönlichkeit drängt dazu, ihre Mitmenschen in Mitschöpfer durch deren Wiedergeburt nach ihrem eignen Bilde umzuformen. Diese schöpferische Umwandlung, die sich im Mikrokosmos des Mystikers einstellt, fordert eine Anpassung an den Makrokosmos, bevor sie sich vollenden kann oder gesichert ist. Aber ex hypothesis ist der Makrokosmos der umgewandelten Persönlichkeit auch der Makrokosmos ihrer nicht umgewandelten Mitmenschen, und ihre Bemühung, den Makrokosmos im Einklang mit der Veränderung ihrer selbst umzuformen trifft auf den Widerstand von deren Trägheit, die dazu neigt, den Makrokosmos in Harmonie mit ihrem ungeänderten Selbst zu nehmen, nämlich so wie er gerade ist.


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Diese soziale Situation ergibt ein Dilemma. Wenn das schöpferische Genie es nicht fertig bringt, seinem Milieu die Änderung zu bringen, die es in sich erreicht hat, wird ihm seine Schöpferkraft verhängnisvoll. Es hat sich selbst zu seinem Handlungsfeld in ein Missverhältnis gebracht: und mit dem Verlust der Handlungsfähigkeit verliert es den Willen zum Leben – auch wenn seine früheren Genossen es nicht zu Tode hetzen, wie anormale Glieder eine animalischen Schwarmes. Wenn andererseits unser Genie mit Erfolg die Trägheit oder aktive Feindschaft seiner früheren Genossen überwindet und im Triumph sein soziales Milieu in eine neue Ordnung in Harmonie mit seinem gewandelten Selbst umformt, macht es dadurch das Leben für Männer und Frauen, die aus gemeinem Ton gemacht sind, unerträglich, außer sie können mit Erfolg ihr eigenes Selbst wiederum dem neuen sozialen Milieu anpassen, das der herrische Wille des triumphierenden Genies ihnen auferlegt hat. Dasist die Bedeutung der Jesus in den Evangelien zugeschriebenen Worte: »Glaubt nicht, ich sei gekommen, Friede auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. lch bin gekommen, den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die Tochter mit ihrer Mutter, die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Ja, des Menschen Feinde sind seine eigenen Hausgenossen.“

Wie lässt sich das soziale Gleichgewicht wiederherstellen, wenn der aufwühlende Vorstoß des Genies es einmal zu Fall gebracht hat? Die einfachste Lösung würde die sein, dass einförmige Vorstöße – einförmig in gleicher Weise in Stärke und Richtung – von allen und jeden Gliedern des Gesellschaftskörpers unabhängig gemacht werden. In solch einem Falle würde es Wachstum ohne eine Spur von Spannung oder Reibung geben. Aber es muss kaum gesagt werden, dass sich solche hundertprozentige Antworten auf den Ruf des schöpferischen Genies in Wirklichkeit nicht ereignen. Die Geschichte ist ohne Zweifel voll von Beispielen für die Tatsache, dass, wenn eine – religiöse oder wissenschaftliche – Idee, wie wir sagen, »in der Luft« liegt, sie imGeist von verschiedenen inspirierten Personen unabhängig und fast gleichzeitigGestalt annimmt.

Aber auch in den schlagendsten solcher Fälle stehen die Mehrzahl von unabhängig und gleichzeitig erleuchteten Geistern als einzelne Figuren gegen Tausende oder Millionen einfachen Menschen, die ohne Antwort auf den Ruf sind. Die Wahrheit scheint zu sein, dass der wahren Einigkeit und Individualität eines Schöpfungsaktes sich selten mehr als in einem geringfügigen Ausmaße die Tendenz zur Einheitlichkeit auswirkt, was der Tatsache entspringt, dass jedes Individuum potentiell schöpferisch istund dass alle diese Individuen in derselben Atmosphäre beharren, so dass der Schöpfer, wenn er ersteht, sich stets überwältigend überstimmt findet durch die träge, unschöpferische Masse, auch wenn er das günstige Geschick hat, sich in der Gesellschaft von einigen wenigen verwandten Geistern umgeben zu erfreuen.

Alle Akte sozialer Schöpfung sind das Werk individueller Schöpfer oder meist schöpferischer Minderheiten,und bei jedem sukzessiven Vorrücken bleibt die große Mehrheit der Mitglieder des Gesellschaftskörpers zurück. Wenn wir auf die großen religiösen Organisationen der Welt von heute einen Blick werfen, auf die christlichen, islamitischen und hinduistischen, finden wir, dass die große Masse ihrer nominellen Anhänger, wie exaltiert immer die Glaubensbekenntnisse, denen sie Lippendienst leisten, sein mögen, noch in einer geistigen Luft leben, die – was die Religion betrifft – nicht weit vom simpelsten Heidentum entfernt ist. Es steht genau so mit den jüngsten Leistungen unserer materiellen Kultur. Unsere abendländische wissenschaftliche Erkenntnis und unsere Technik, sie zur Geltung zu bringen, sind gefährlich esoterisch. Die großen neuen sozialen Kräfte der Demokratie und des Industrialismus sind von einer dünnen schöpferischen Minderheit hervorgerufen worden, und die große Masse der Menschheit bleibt noch substantiell auf dem selben intellektuellen und moralischen Stand, auf dem sie sich befand, bevor die titanischen neuen sozialen Kräfte aufzutauchen begannen. Tatsächlich besteht der Hauptgrund, warum dieses sogenannte Salz der Erde heute in Gefahr ist, seinen Geschmack zu verlieren, darin, dass die große Masse des abendländischen Sozialkörpers ungesalzen geblieben ist.

Die Tatsache, dass das Wachstum der Kulturen das Werk von schöpferischen Individuen oder schöpferischen Minderheiten ist, schließt ein, dass die unschöpferische Mehrheit zurückbleibt, wenn die Pioniere nicht wirksame Mittel ersinnen, diesen trägen Tross auf ihrem heftigen Vorstoß mit sich zu reißen. …, dass primitive Gesellschaftskörper, wie wir sie kennen, sich in einem statischen Zustand befinden, wohingegen die Kulturen – anders die gehemmten Kulturen – in einer dynamischen Bewegung begriffen sind. Wachsende Kulturen unterscheiden sich von primitiven statischen Gesellschaftskörpern kraft der dynamischen Bewegung schöpferischer individueller Persönlichkeiten in ihren Sozialkörpern, und diese schöpferischen Persönlichkeiten bilden selbst zu Zeiten ihrer größten numerischen Stärke niemals mehr als eine kleine Minderheit. In jeder wachsenden Kultur befindet sich die große Mehrheit der einbezogenen Individuen in derselben stagnierenden ruhigen Verfassung wie die Mitglieder eines statischen primitiven Gesellschaftskörpers. Mehr noch sind die große Mehrheit der Teilnehmer in einer wachsenden Kultur – abgesehen von einer äußerlichen Erziehungstünche – Menschen von den gleichen egoistischen Leidenschaften wie die primitive Menschheit. Hier finden wir das Korn Wahrheit der Redensart, dass sich die menschliche Natur niemals ändert. Die höheren Persönlichkeiten, Genies, Mystiker oder Übermenschen – man nenne sie, wie man will – sind nicht mehr als etwas Sauerteig in dem Klumpen der gewöhnlichen Menschheit.

Diese dynamischen Persönlichkeiten, die mit Erfolg die Tradition mit den kristallisierten Wertvorstellungen in ihrem eigenen Charakter brechen und zu lebendigen Innovationen umformen können, dann auch in Wirklichkeit imstande sind, ihren individuellen Sieg zu konsolidieren und ihn vor der Verkehrung in eine soziale Niederlage zu bewahren, in dem sie daran gehen, in ihrem sozialen Milieu die kristallisierten Traditionen der Alten zu brechen. Dieses Problem zu lösen, erfordert eine doppelte Anstrengung: »das Mühen einiger Menschen, Neues zu finden, und das Mühen aller andern Menschen, es anzunehmen und sich ihm anzubequemen. Eine Gesellschaft kann zivilisiert genannt werden, sobald man dort zugleich diese Initiativen und diese Gelehrigkeit findet. Die zweite Bedingung ist übrigens schwieriger zu erfüllen als die erste. Was den Nicht-Zivilisierten gefehlt hat, ist wahrscheinlich der überragende Mensch (man sieht nicht ein, . wieso die Natur nicht immer und überall diese glücklichen Einfälle gehabt haben soll), sondern vielmehr die Gelegenheit für solch einen Menschen, seine Überlegenheit zu zeigen, das heißt die Geneigtheit der andern, ihm zu folgen

Das Problem der Sicherung dessen, dass die unschöpferische Mehrheit tatsächlich der Führung der schöpferischen Minderheit folgt, scheint zwei Lösungen zu haben, eine praktische und eine ideale. „Der eine Weg ist die Dressur, das andre ist die mystische Liebe. Nach der ersten Methode prägt man eine aus unpersönlichen Gewohnheiten bestehende Moral ein; nach der zweiten erreicht man die Nachfolge einer Person und sogar eine seelische Vereinigung, ein mehr oder weniger vollständiges Einswerdenmit ihr.« Die unmittelbare Entzündung schöpferischer Kraft von Seele zu Seele ist ohne Zweifel der ideale Weg, aber ausschließlich auf ihn zu bauen, hieße auf Vollkommenheit vertrauen. Das Problem, die unschöpferische große Masse auf eine Linie mit den schöpferischen Pionieren zu bringen, kann in der Praxis nicht auf der sozialen Ebene gelöstwerden, ohne die Fähigkeit zu reiner Nachahmung, Mimesis, ins Spiel zu bringen – eine der weniger erhabenen Fähigkeiten der Menschennatur, die in sich mehrvom Drill als von Inspiration lebt.

Nachahmung ins Spiel zu bringen ist unerlässlich in Bezug auf den vorschwebenden Zweck, weil Nachahmung jedenfalls eine der gewöhnlichen Fähigkeiten des primitiven Menschen ist. Nachahmung ist einer der Gattungszüge im Sozialleben in primitiven Gesellschaftskörpern wie in Kulturen, aber sie wird in diesen bei den beiden Arten der Gesellschaftskörper auf verschiedene Weise vollzogen.  In statischen primitiven GeseIIschaftskörpern wird die Nachahmung auf die ältere Generation der lebenden Mitglieder gerichtet und auf die Toten, in denen »Tradition und Moral« verkörpert ist, wohingegen in Gesellschaftskörpern im dynamischen Kulturprozess dieselbe Fähigkeit auf die schöpferischen Persönlichkeiten gerichtet wird, die Neuland gepflügt haben. Die Fähigkeit ist dieselbe, aber sie wendet sich in die entgegen gesetzte Richtung.

Kann diese revidierte Version eines primitiven sozialen Drills, dieser mechanische und fast automatische »Rechts- oder Linksdrall«, wirklich als ein wirksamer Ersatz dienen für »ernste geistige Gemeinschaft und intimen persönlichen Verkehr«, was Plato als das einzige Mittel der Weitergabe einer Philosophie von dem einen Individuum zum anderen ansprach? Man kann nur antworten, dass die Trägheit der Menschheit in ihrer Masse tatsächlich niemals durch den ausschließlichen Gebrauch der platonischen Methode überwunden worden ist. Die Aufgabe, die träge Mehrheit entlang den Weg der aktiven Minderheit zu ziehen, hat die ideale Methode unmittelbarer individueller Erleuchtung immer durch die praktische Methode des sozialen Drills im großen verstärkt werden müssen, also durch eine gewohnheitsmäßige Übung der primitiven Menschheit, die dem sozialen Fortschritt dienstbar gemacht werden kann, wenn neue Führer das Kommando übernehmen und neue Marschbefehle ausgeben.

Nachahmung, Mimesis, kann zur Erwerbung von sozialen Aktivposten führen – Verhaltungsweisen oder Emotionen oder Vorstellungen – die die Erwerber allein nicht hervorgebracht hatten und die sie niemals besessen haben würden, wenn sie nicht denen, die sie besaßen, begegnet wären und sie nachgeahmt hätten. Es ist in der Tat eine Wegabkürzung. Aber diese Wegabkürzung, obwohl sie ein unvermeidlicher Weg zu einem notwendigen Ziel sein kann, ein zweifelhaftes Hilfsmittel ist, das nicht weniger unvermeidlich eine wachsende Kultur der Gefahr des Niederbruchs aussetzt.

Das gnostische System des Marcion

EIN VORWORT ZUR KULTURGESCHICHTE ÄGYPTENS UND DES ALTEN ORIENTS.

von Egon Friedell.

Durch den donnernden Flutgang der Jahrtausende tönt eine Stimme, tröstend und warnend: des Menschen Reich ist nicht von dieser Welt. Aber daneben erklingt eine brausende Gegenstimme: diese Erde voll Glanz und Finsternis gehört Dir, dem Menschen; sie ist Dein Werk und Du das ihrige: ihr kannst Du nicht entfliehen. Und Du dürftest es auch gar nicht, selbst wenn Du es könntest! Wie sie geschaffen ist, furchtbar und wunderbar: Du musst ihr die Treue halten. Diese unaufgelöste Dissonanz bildet das Thema der Weltgeschichte. Man sollte nun meinen, ja man müsste geradezu fordern, dass jeglicher Geschichtsbetrachtung die Deutung dieses rätselhaften Widerstreits voraufzugehen habe. Denn sonst ist alle Historie ein verschleierter Schlüsselroman. Ehe wir dies nicht erklärt haben, können wir ja gar nicht anfangen. Aber wir können es nicht erklären! Hier sich Klarheit oder gar ein Wissen eintäuschen zu wollen, wäre eine Art feinerer Atheismus. In diesem Dilemma besteht das Wesen der Geschichtsphilosophie. Jeder Mensch, ob er sich dessen deutlich bewusst ist oder nicht, ringt unaufhörlich mit dieser dunkeln Frage. Sie ist die Wurzel und Krone aller Religion, ja: sie zu stellen, ist bereits Religion.


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Sie verwandelt unsere farbenmächtigsten Künste und unsere fruchtbarsten Wissenschaften in grauen Dunst. Sie erfüllt unseren oberflächlichsten Alltag mit Tiefgang und nimmt unseren wuchtigsten Tatendas Schwergewicht. Aber nur ein einziges mal im Gange des uns bekannten Weltgeschehens ist der Versuch gemacht worden, sie ganz zu Ende zu denken und dadurch zu lösen; und dieser ist misslungen. Er ist misslungen; aber trotzdem verdient er unsere ernste und nachdenkliche Betrachtung. Der griechische Kunstschriftsteller Pausanias, der zur Zeit der antoninischen Kaiser seine „Rundreise“, eine Art Cicerone durch die hellenischen Sehenswürdigkeiten, verfasste, berichtet in Übereinstimmung mit anderen Autoren, dass es in Griechenland von alters her Altäre gegeben habe, die „dem sogenannten unbekannten Gotte“ geweiht waren, darunter einen neben der Bildsäule des Zeus von Olympia, dem weltberühmten Goldelfenbeinwerk des Phidias. Und der Kompilator Diogenes Laertius, der etwa ein halbes Jahrhundert später gelebt haben dürfte, erzählt in seinem Buch über „Leben, Lehren und Aussprüche der berühmten Denker“, einem mehr belletristischen als philosophischen, aber in den Angaben sehr zuverlässigen Werk, dass sogar „anonyme Altäre“ vorhanden waren, die überhaupt keine Aufschrift trugen. Man versichert uns zwar, dies seien bloße Äußerungen einer religio eventualis gewesen, einer Religion für alle Fälle, die besorgte, man möge vielleicht einen Gott übersehen haben, der in Vergessenheit geraten oder nur im Ausland bekannt geworden sei, auch habe es auf jenen Altaraufschriften nur ganz allgemein geheißen : „Den unbekannten Göttern“, und die Berichterstatter hätten sich bloß verlesen, aus den anonymen Opfersteinen aber spreche die Verehrung einer Art von namenlosen „Gattungsgöttern“ ; indes, alle diese späten Kalküle einer engbrüstigen Philologenspitzfindigkeit tragen, so „belegt“ sie sein mögen, den Stempel superkluger Unglaubwürdigkeit. Viel natürlicher und menschlicher, größer und einfacher wäre es, anzunehmen, schon in den Alten habe ein dunkles Gefühl dafür gelebt, dass der ganze Kreis der Olympischen und selbst der zur „reinen Vernunft“ geläuterte Zeus nicht das Wesen der Gottheit umspanne, dass vielmehr einer noch fehle, der sich noch nicht geoffenbart habe und daher unbekannt sei; und zugleich namenlos, da er über allen Namen sei. An ein solches Heiligtum, das in Athen dem unbekannten Gotte geweiht war, knüpft die Predigt an, die der heilige Paulus auf dem Areopag hielt. Er sagte: „Ihr Männer von Athen! Ich verkündige euch eben diesen Gott, den ihr bisher, ohne um ihn zu wissen, verehrt habt. Denn er ist ja nicht fern von einem jeglichen unter uns: in ihm leben, weben und sind wir.“

Jenes „Wissen um Gott“ war auch das Ziel der gnostischen Bewegung, deren Blütezeit in die erste Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts fällt. Gnosis ist Eingeweihtsein in die Mysterien des Himmels und der Erde, der Natur und der Geschichte, aber nicht durch Spekulation oder Empirie, sondern durch Offenbarung; sie ist mathesis, höhere Erkenntnis, gnosis soterias, Wissen des heiligen Weges. Sie ist das „Licht“, ein erleuchtetes Schauen, eine innere Erfahrung, man könnte auch sagen: Erfassen durch Intuition, wenn dieser Begriff durch seine heutige Anwendung auf das Schaffen des Künstlers und Forschers nicht schon zu sehr rationalisiert wäre. Diese höchst suggestive Geheimlehre, bilderwütig und orakelsüchtig, verwirrt durch mystifizierenden Formelspuk, barbarische Kultsymbole, abenteuerliche Allegorik, nebulose Weltentstehungslehren, schwankte zwischen Heidenchristentum und neuplatonischer Philosophie, sublimem Spiritualismus und massivem Zauberglauben, Ekstase und Begriffsspalterei unentschlossen hin und her und war auch in der Lebenspraxis halb Askese, halb Libertinismus, da beides sich als eine Konsequenz aus der grundsätzlichen Verachtung der Sinnenwelt rechtfertigen ließ. Denn das Herzstück aller Gnosis ist das Wissen des Geistes um seine Befreiung vom Erdenrest, die Erinnerung der Seele an ihren göttlichen Ursprung.

Die vier Grundkräfte, die im Kosmos walten, sind die Materie, die Seele, der Logos und der Geist. Nach ihnen ordnet sich die Hierarchie der Wesen: zu unterst stehen die Gesteine, die bloß Materie sind; auf sie folgen die Pflanzen, die eine Ernährungsseele, und die Tiere, die eine Sinnenseele besitzen; über sie erhebt sich der Mensch, begabt mit der Kraft des Logos, der Vernunft, und befähigt zum Geist zu gelangen, dessen Stufen durch eine immer höher steigende Schar immaterieller Potenzen repräsentiert werden und vor dem Throne Gottes endigen. Auf dieser Leiter entspricht die Seele etwa dem Nervenleben, der Logos den rationalen Fähigkeiten, der Geist aber, das Pneuma, einem Vermögen, das nicht von dieser Welt ist. Dementsprechend gliedert sich auch die Rangordnung der Menschen in die Sarkiker, die bloß dem Fleisch leben, die Psychiker und die Pneumatiker. Reiner Geist und Gott sind dasselbe; aber, sagt der berühmte Basilides, der Hauptvertreter der sogenannten ägyptischen Gnosis, alles Positive und alles Negative, das man von Gott aussagen könnte, hätte nur den Wert eines Zeichens.

Dem über alles Denken erhabenen göttlichen Urwesen, dem „Unaussprechbaren, Unnennbaren, mit Schweigen Angerufenen“ völlig entgegengesetzt ist die Materie, der Grund alles Bösen, aber zugleich das Nichtseiende. Sie ist das Werk des Bildners oder Demiurgen, eines von der Gottheit geduldeten untergeordneten Geistes, eines bösen, aber reuigen Wesens. Die Welt ist also eine Art Gegenschöpfung und zugleich eine Scheinschöpfung. Dies erkannt zu haben, ist identisch mit der Rückkehr zu Gott. Dieses Wissen bereits erlöst; aber nur dieses Wissen. Ohne Gnosis ist der Mensch verdammt. Die Gottheit, ungeworden, unsichtbar, unfassbar, wie sie ist, war auch dem Demiurgen unbekannt; aber sie hat sich Christus offenbart und durch ihn allen, die der Gnade der Gnosis teilhaftig geworden sind. Nach der Auffassung des syrischen Gnostikers Saturnilus ist der Weltschöpfer einer der Engel Gottes; aber, fügt Valentinus hinzu, der Stifter einer der angesehensten gnostischen Sekten, der Mensch ist mehr als die Engel, die ihn schufen. Zwar herrscht auch im Reich der Seele der Demiurg: sie ist, wie Valentinus es sehr anschaulich ausdrückt, eine schmutzige Kneipe, in der die Dämonen aus- und eingehen.

 Aber der Mensch trägt in sich einen Funken des göttlichen Lichts, er ist „groß und elend“. Es ist dieselbe Formel, zu der anderthalb Jahrtausende später der größte Christ der gallischen Rasse, Blaise Pascal, gelangte: „Alles Elend des Menschen erweist seine Größe. Es ist das Elend eines großen Herrn, das Elend eines entthronten Königs.“ Indes hat es die ganze gnostische Bewegung nirgends zu mehr gebracht als zu verstreuten unterirdischen Gedankenkeimen, halben Ahnungen und widerstreitenden Apercus. Zu Licht und Frucht sind sie erst im Geiste Marcions gelangt, eines religiösen Genies von großartiger Einfachheit, profunder Frömmigkeit und rasanter Denkschärfe, der aber seit vielen Jahrhunderten für die Nachwelt kaum einen Namen bedeutet. Marcion ist für das religiöse Bewusstsein der Gegenwart verschollen. Für die meisten Historiker der christlichen Kirche ist er „ein Gnostiker“. Er war aber weder dieses, vielmehr ein abgesagter Gegner der gnostischen Sekten: ihres bunt gewürfelten Synkretismus, ihrer geheimniskrämerischen Esoterik, ihrer gewalttätigen allegorischen Methoden, noch war er überhaupt einer unter anderen, sondern eine einmalige Erscheinung von unwiederholbarer Prägnanz, die hart bis an die Grenze der Bizarrerie und Monomanie streift. Alle Mysterienweisheit, ja alle Philosophie gilt ihm als „leerer Betrug“, und er verhält sich zu den Gnostikern ähnlich wie Sokrates zu den Sophisten, dem ja auch das paradoxe Schicksal widerfuhr, dass er von seinen Zeitgenossen gerade jener Schule zugerechnet wurde, die er sein Leben lang aufs heftigste bekämpfte. Er war, um es mit einem Worte zu sagen, der größte Ketzer, der jemals aus dem Christentum hervorgegangen ist. Adolf von Harnack erklärt, keine zweite religiöse Persönlichkeit nach Paulus und vor Augustin könne an Bedeutung mit Marcion rivalisieren, und in der Tat bezeichnen diese drei die gewichtigsten Marksteine in der Entwicklung der katholischen Kirche: der größte Apostel, der größte Kirchenvater und der größte Häretiker. Bei Polykarp heißt er der Erstgeborene des Satans, bei Tertullian „antichristus Marcion“, Origenes hingegen rühmt ihm feurigen Geist und göttliche Gaben nach, ohne die er eine solche Häresie nie hätte stiften können, und Clemens Alexandrinus nennt ihn einen Giganten und Theomachen.

Er wurde um das Jahr 85 in Sinope am Pontus geboren, als Sohn des dortigen Bischofs, der ihn wegen der Irrlehren, mit denen er schon früh hervortrat, selbst exkommunizierte: ein Geist von diesem diamantenen Ernst und Diogenes, der Buffo der griechischen Philosophie, in dem diese wie in einem Satyrspiel sich selbst den Epilog spricht, waren Söhne derselben Stadt. Marcion begab sich zunächst nach Kleinasien, wo seine Doktrin zurückgewiesen wurde; dasselbe widerfuhr ihm in Rom: die dortige Gemeinde verdammte seine Thesen und schloss ihn aus. Damals war Marcion schon fast sechzig Jahre alt; der Tag seines Bruchs mit Rom wurde von der marcionitischen Kirche als Stiftungsfest gefeiert, ähnlich wie der Wittenberger Thesenanschlag von der lutherischen; er fiel in den Juli des Jahres 144. Ort und Zeit seines Todes sind unbekannt.

Die Marcioniten waren nicht etwa eine Sekte wie die Montanisten, die Basilidianer, die Valentinianer und zahlreiche andere, sondern eine mächtige Gegenkirche, die im zweiten Jahrhundert mit der werdenden katholischen Kirche um die Vorherrschaft rang. Sie verehrten Marcion als ihren Stifter: sein Hauptwerk, die „Antithesen“, stand in ihrem Kanon, galt also als eine Art heilige Schrift; sie sahen im Himmel zur Rechten des thronenden Heilands Paulus sitzen, zur Linken Marcion. Er selbst aber hat sich niemals für etwas anderes gehalten als für einen getreuen Verkünder des Evangeliums und den wahren oder vielleicht auch einzigen Schüler des Paulus. Sein Zeitgenosse Justinus bezeugt bereits: „Sein Evangelium erstreckt sich über das ganze Menschengeschlecht“, und etwa ein halbes Jahrhundert später versichert Tertullian: „Marcions häretische Tradition hat die ganze Welt erfüllt.“ Kompakte Marcionitengemeinden fanden sich um jene Zeit in ganz Kleinasien und Syrien, auf Kreta und Zypern, in den Weltstädten Rom und Alexandria; ihr Ausbreitungsradius reichte von Persien bis Lyon. Noch im vierten Jahrhundert hielt man es in einzelnen asiatischen Gemeinden für notwendig, in das Glaubensbekenntnis einen Passus einzufügen, der sich gegen den Marcionitismus richtete; letzte Reste seiner Anhänger gab es im Orient noch im zehnten Jahrhundert. August Neander, einer der feinsten Kirchenhistoriker des Vormärz, hat Marcion den ersten Protestanten genannt. Wollte man diese Auffassung gelten lassen, so wäre der Protestantismus älter als der Katholizismus; jedenfalls aber hat es sich um ein gewaltiges Schisma gehandelt, das an Bedeutung hinter der Reformation nicht zurücksteht, nur hat es das umgekehrte Schicksal erlitten: es ist von der katholischen Kirche aufgesogen worden und in dieser Form aufbewahrt geblieben. Man kann daher sagen: der Marcionitismus hat sich behauptet, so gut wie der Protestantismus, nur in der Gegenreformation, etwa wie wenn eine Erneuerung der römischen Kirche seinerzeit das Luthertum, hegelianisch gesprochen, „aufgehoben“, nämlich zugleich negiert und konserviert hätte. Der Katholizismus hat vieles, das dadurch anonym weiterlebte, von Marcion übernommen, nur gerade den Wurzelgedanken seiner Lehre nicht, der auch in der Tat, wie wir bald sehen werden, für die Kirche unannehmbar war.

Wir können uns den Gedankengang, durch den Marcion zu seiner Doktrin gelangte, noch heute ohne jede Mühe und Gewaltsamkeit nachkonstruieren. Die einzige heilige Schrift, die die Urchristen besaßen, war das Alte Testament. Indem er nun dessen Bücher als frommer Christ las, kam ihm eines Tages die Erleuchtung: Christus ist gar nicht der dort verkündete Messias, Christus ist ein ganz anderer! Daher sind die Juden vollkommen im Recht, wenn sie den Messias noch erwarten; Jesus aber, dessen Namen nirgends im Alten Testament erwähnt wird, hat das Gesetz nicht erfüllt, sondern aufgelöst. Sein ganzes Leben war ein Kampf gegen das Gesetz und seine Lehrer. Er hat mit dem Alten Testament völlig gebrochen, das Band zerrissen, sich von Mose in allem geschieden und deutlich davor gewarnt, einen neuen Lappen auf ein altes Kleid zu flicken, neuen Wein in alte Schläuche zu gießen. Nur durch die allegorische Erklärung gewisser Bibelstellen kann überhaupt das Weissagungsprinzip aufrechterhalten werden; im Alten Testament darf aber nichts allegorisch, muss alles wörtlich und buchstäblich ausgelegt werden. Demnach ist Christus nirgends geweissagt, er ist unerwartet und plötzlich erschienen: der Sohn Gottes braucht keine Propheten, die ihn „bezeugen“; seine Zeugen sind seine Heilandsworte und seine Wundertaten. Man wird bei dieser Deduktion Marcions an einen Ausspruch Lagardes erinnert, eines der wenigen Menschen des neunzehnten Jahrhunderts, in denen der echt protestantische Geist des Protestierens noch einmal Fleisch geworden ist: „Es gibt ja noch Leute genug, welche das Verhältnis des Alten und Neuen Testaments als das von Weissagung und Erfüllung ansehen, während in Wirklichkeit nie eine Weissagung erfüllt ist. Erfüllt in dem gemeinen Verstand des Worts werden nur Wahrsagungen, und auf Wahrsagungen lässt sich eine Religion niemals ein.“

Wie aber konnte diese einfache und fast selbstverständliche Wahrheit den Christgläubigen so lange verborgen bleiben? Dies vermochte sich Marcion nur dadurch zu erklären, dass sogleich nach der Entrückung des Heilands eine ungeheure Verschwörung einsetzte und ihr finsteres Werk verrichtete. Dieses bestand in einer systematischen Verfälschung der Botschaft, die der Heiland in die Welt gebracht hatte. Nur ein Christentum, das von allen judaistischen Elementen völlig rein ist, kann als wahres Christentum gelten. Die vier Evangelien enthalten aber solche Bestandteile, also sind sie alle vier falsch. Paulus spricht immer nur von einem Evangelium, welches das Evangelium ist: also kann es nicht vier geben; eines aber muss es wiederum geben, folglich ist eines von den vieren bloß verfälscht. Die Wahl Marcions fiel auf Lukas, der in der Tat von allen Evangelisten am meisten Heidenchrist ist. Alle zwölf Apostel haben den Heiland nicht verstanden; darum musste dieser sich in Paulus einen neuen Apostel erwecken, der die wahre Lehre verkündigte. Wie ein einziges Evangelium, so gibt es auch nur einen Apostel; aber auch dessen Briefe enthalten viel Judaistisches. Also sind auch sie falsch oder vielmehr, wie Lukas, verfälscht. Von diesen Überzeugungen ausgehend, unternahm es Marcion, den Christen eine heilige Schrift zu schaffen, bestehend aus dem Evangelium des Lukas und zehn Paulusbriefen, wobei er aber in aller Naivität selbst eine gewaltige Fälschung beging, indem er durch Kürzungen, die zum Teil sehr beträchtlich, und Zusätze, die allerdings meist nur geringfügig waren, einen „gereinigten“ Text herstellte. Andrerseits ist es aber höchst merkwürdig, dass er dem Alten Testament, das er völlig verwarf, kein derartiges Misstrauen entgegenbrachte; er erachtete es für ein durchaus zuverlässiges Geschichtswerk und hat keine Zeile darin redigiert. Indes durch dieses sonderbare Verfahren, das sich nur aus dem geringen Verantwortungsgefühl erklären lässt, das die Antike dem geschriebenen Wort entgegenbrachte, ist Marcion der Schöpfer des Neuen Testaments geworden.

Vor Marcion galten die Evangelien weder als heilige Schrift noch befanden sie sich im Besitz sämtlicher Gemeinden; und Paulus wurde den Uraposteln keineswegs im Range gleichgestellt, da er nicht den Umgang des Herrn genossen hatte. Noch um 160 verweigerten die „Aloger“, die so genannt wurden, weil sie die Gleichung Jesus = Logos nicht billigten, dem Johannesevangelium, das diese Lehre vertritt, ihre Anerkennung; und andrerseits stand das „Ägypterevangelium“, dem später die Kanonisierung versagt wurde, noch vielfach in Gebrauch. Auch war der Text noch keineswegs in dem Maße fixiert, wie dies beim Alten Testament der Fall war. Hierin bestand die große theologische Tat Marcions: er setzte Urkunde gegen Urkunde, Schrift gegen Schrift, Evangelium gegen Gesetz, Apostolat gegen Prophetie. Erst durch Marcion ist die werdende katholische Kirche dazu geführt worden, dasselbe zu tun und ihren eigenen neutestamentlichen Kanon dem marcionitischen gegenüber zustellen. Paulus zitiert immer nur aus dem Alten Testament; andere schriftliche Autoritäten kennt er nicht. Erst um 200, als Marcion sicher schon tot war, besaßen die großen Kirchen des Westens ein „Neues Testament“: vier Evangelien und dreizehn Paulusbriefe, dazu die Apostelgeschichte, die als Bindeglied eingeschoben wurde, und die Apokalypse Johannis, die aber hundert Jahre später von den meisten Griechen wieder aufgegeben wurde. Die syrische Kirche hielt an einem einzigen Evangelium fest, dem „Diatessaron“, das Tatian, allerdings einer anderen Methode folgend als Marcion, aus den vier kanonischen Evangelien komponiert hatte. Aber erst im Jahr 367 proklamierte Athanasius den Kanon von siebenundzwanzig Büchern, den wir heute besitzen, indem er die sieben „katholischen“ Briefe (zwei von Petrus, drei von Johannes, je einen von Jakobus und Judas) hinzufügte und den lange umstrittenen Hebräerbrief dem Paulus zuerkannte. Die Kirche hat, in der Weitherzigkeit ihrer Auswahl viel weniger dogmatisch als der Ketzer Marcion, einen bewunderungswürdigen Takt bekundet, indem sie, vor Widersprüchen der Überlieferung nicht zurückschreckend, das urchristliche Leben in seiner ganzen Gnade und Fülle durch die Zeiten gerettet hat.

Wenn aber Christus nicht der Messias war, was war er? Der Sohn Gottes! Aber welches Gottes? Doch nicht des alttestamentlichen, dessen Gesetz er zerstört hat? Hier erhebt sich das ungeheure Problem, dem Marcion mit der größten Kühnheit ins Auge geblickt hat. Er entschloss sich, nicht nur Altes und Neues Testament, sondern auch den Gott Mosis und den Gott Christi völlig voneinander zu trennen. Dieser Scheidung und Gegenüberstellung diente eben sein Werk „Antithesen“, worin in streng zweigliedriger Anordnung die beiden Welten miteinander konfrontiert wurden. So sagt zum Beispiel der Judengott zu Mose beim Auszug aus Ägypten: seid bereit, beschuht, die Stäbe in den Händen, die Säcke auf den Schultern, und traget alles Gold und Silber mit euch davon; der Herr aber sprach zu seinen Jüngern bei ihrer Aussendung in die Welt: habt keine Schuhe an den Füssen, keinen Sack auf dem Rücken, kein Geld in den Gürteln! Josua hat mit Gewalt und Grausamkeit das Land erobert, Christus verbietet alle Gewalt und predigt Barmherzigkeit und Frieden. Im Gesetz heißt es: Aug‘ um Auge, Zahn um Zahn, im Evangelium: wenn dich jemand auf die eine Backe schlägt, so biete ihm auch die andere dar. Der Gott des Alten Testaments verlangt Gehorsam und richtet die Ungehorsamen, der Gott Jesu verlangt nur Glauben und straft die Sünder nicht. Der alte Gott war schon Adam und allen folgenden Geschlechtern bekannt, der Vater Christi war unbekannt, wie Christus selbst bezeugt hat: niemand hat den Vater erkannt außer der Sohn. Und als Petrus in Cäsarea das große Bekenntnis zur Gottessohnschaft seines Meisters ablegte, musste dieser ihm Schweigen auferlegen, denn Petrus hielt ihn fälschlich für den Sohn des anderen Gottes.

Wie verhält sich nun nach Marcions Konzept der bekannte, wie der unbekannte Gott zur Welt und zum Menschen? Der bekannte hat die Welt geschaffen: er ist der Demiurg; der unbekannte hat bloß seinen Sohn gesandt. Er ist außer der Welt, ein hyperkosmisches Wesen, die Welt geht ihn nichts an. Er ist der „Fremde“, der „gute Fremde“: in allen marcionitischen Gemeinden und allen Sprachen, deren sie sich bedienten, war dies die Bezeichnung für die Gottheit. Das Evangelium ist die frohe Botschaft vom fremden Gott: unser Raum ist die Welt, die grauenvolle Welt des Schöpfergottes, der gute Gott aber winkt uns in eine selige Ferne. Wir leben auf der Erde nicht etwa im Exil: sie ist unsere Heimat, und wir können ihr nur entrinnen, wenn wir uns von ihrem und unserem Schöpfer lossagen. Dies ist die großartigste Leugnung der Materie, die vielleicht jemals durch eines Menschen Haupt gegangen. Der fremde Gott ist reine Güte und nichts als Güte; keine anderen Eigenschaften können von ihm ausgesagt werden. Sein ganzes Wesen erschöpft sich in erbarmender Liebe, seine Wirksamkeit in Selbstoffenbarung, die identisch ist mit Erlösung. Eben weil dieser Gott ganz Liebe ist, hat er sich aus purer Gnade eines Gebildes angenommen, das ihm völlig fremd ist: er ist die unbegreifliche Liebe. Und eben weil er ganz und gar nicht von dieser Welt, nicht einmal als ihr Schöpfer mit ihr verbunden ist, vermag er die Menschen über die Welt zu erheben. Dies ist das unfassliche Mirakel der christlichen Heilsbotschaft. ,,O Wunder über Wunder, Verzückung, Macht und Staunen, dass man gar nichts über das Evangelium sagen, nichts darüber denken, es mit nichts vergleichen kann“: so lauteten die ersten Worte der „Antithesen“.

Betrachten wir es recht, so ist jener geheimnisvolle Fremde niemand anders als der „liebe Gott“, zu dem noch heute jedes kleine Kind betet. Denn die Metaphysikerfrage, ob Gott die Welt „geschaffen“ habe, bekümmert eine reine und ursprüngliche Frömmigkeit nicht; ihr genügt, dass er ist. Welche Eigenschaften aber besitzt der Demiurg? Er ist, sagt Marcion, weder gut noch böse, sondern gerecht und schlimm, nicht malus, aber conditor malorum, Urheber der übel: ein Gott, der seine Sache schlecht gemacht hat. Er sandte die Sintflut, den Brand Sodoms, die ägyptischen Plagen, er bestraft die Väter an den Kindern und begünstigt sündhafte Menschen: den ehebrecherischen David, den unzüchtigen Salomo, den betrügerischen Jakob. Das vernichtendste Argument gegen ihn aber ist die Welt selbst, seine ganze Schöpfung. Und es reut ihn auch, dass er sie gemacht hat. Dass aber in einer solchen Welt für den Menschen die Askese das einzig mögliche Verhalten ist, ergibt sich von selbst. Und auch hier ist Marcion bis ans Ende gegangen: er gebot nicht nur größte Enthaltsamkeit in Speise und Trank (die Ernährung, sagt Tertullian, halten die Marcioniten gewissermaßen für etwas Entehrendes), sondern untersagte auch seinen Gläubigen jeglichen Geschlechtsverkehr und taufte nur Ehelose oder die Verehelichten, die Keuschheit gelobten; denn wer sich fortpflanzt, hilft die Welt des Demiurgen verewigen, und weil wir Söhne des Höchsten geworden sind, soll die leibliche Sohnschaft aufhören. Der Demiurg ist nicht etwa der Widersacher des fremden Gottes: dies kann er schon deshalb nicht sein, weil er ihn ja gar nicht kennt, und seine Welt ist auch keineswegs teuflisch, vielmehr so gut, wie sie eben, aus Materie gemacht, sein kann. Er ist nicht das Prinzip des schlechthin Bösen wie Satan oder Ahriman oder wie „Mâra, der Versucher“ in der buddhistischen Religion. Aber was ist er? Hier gelangt Marcion zu einem der zartesten und erhabensten Gedanken, die je ein Mensch gedacht hat: der Schöpfer der Welt ist gerecht! Deshalb ist er nicht böse; aber deshalb ist er auch nicht gut. Deshalb konnte er nur die „schlimme Welt“ schaffen, in der alles gerecht zugeht, aber nicht gut, in der gerichtet wird, aber nicht geheiligt, in der die Rache herrscht, aber nicht die Gnade. Christus aber, der Sohn des fremden Gottes, hat die Liebe gebracht, die von der Welt erlöst, von allem in dieser Weh, auch von ihrer Gerechtigkeit. Sogar in die Unterwelt ist er hinabgestiegen und hat alle Verworfenen befreit: den bösen Pharao, die Sodomiter, alle Heiden, selbst Kain. Nur Abel, Henoch, Mose, alle Patriarchen und Propheten konnten nicht gerettet werden. Denn sie glaubten an den Schöpfergott und seine Welt der Gerechtigkeit. Nur der Sünder kann erlöst werden, denn er vermag die grundlose Gnade und uferlose Liebe des fremden Gottes zu erkennen, der Gerechte aber nicht, denn er ist im Gesetz verhärtet, in Gesetzestreue und Gesetzesstolz blind für das Licht aus der Fremde.

Versuchen wir uns das theologische System Marcions in großen Zügen zu vergegenwärtigen, so springen als seine reformatorischen Hauptgedanken ins Auge: die Leugnung der Messianität Jesu, die Ausscheidung des Alten Testaments aus dem christlichen Kanon und der Dualismus des fremden Gottes und des Schöpfergottes. Dass Christus nicht der jüdische Messias war, kann wohl von keiner vorurteilslosen Betrachtung geleugnet werden. Ursprünglich ist der Messias bekanntlich ein weltlicher Nationalheros, aber auch in der geläuterten Auffassung des späteren Judentums ist er niemals der leidende Messias, der die Schuld der ganzen Menschheit sühnt. In keinem einzigen der Zukunftsbilder, so sehr sie sich im Laufe der vielen Jahrhunderte gewandelt haben, ist von seinem Opfertode die Rede. Die berühmte Stelle aus Deuterojesaja, die einzige, die so gedeutet werden könnte, versteht unter dem „leidenden Gottesknecht“ ein Kollektivum und ist überhaupt nicht Weissagung, sondern Rückblick. Ist aber der Heiland nirgends im Alten Bunde verkündigt, welche Beziehung besteht dann zwischen den beiden Teilen der Bibel? Nach Marcion verhalten sie sich wie polare Gegensätze, nach der Auffassung der Kirche wie Stufen: das Alte Testament ist legisdatio in servitutem, das Neue Testament legisdatio in libertatem. Aber ist das Judentum wirklich eine Art Vorhalle des Christentums? Wenn man will, ist alles Vorhalle, und eine im vorigen Jahrhundert sehr beliebte, heute glücklicherweise schon im Verschwinden begriffene Geschichtsmethode pflegte jedes historische Phänomen mosaikartig aus „vorbereitenden Momenten“ aufzubauen. Dann freilich sind nicht bloß Mose und Daniel, sondern auch Plato und Philo, Buddha und Zarathustra Vorläufer des Christentums. Aber das Christentum hat keinen „Unterbau“! Eben weil Marcion das schlechthin Neue, Weltumwandelnde des Evangeliums so erschütternd empfand, wollte er von einem Alten Testament als Heiliger Schrift nichts wissen, ohne dass er geleugnet hätte, dass darin viel Nützliches und Schönes zu lesen sei. Deshalb erlaubte er auch seinen Jüngern dessen Lektüre; jedoch nur an der Hand der „Antithesen“. Aber es ist schon so, wie Harnack sagt: „Was christlich ist, kann man aus dem Alten Testament nicht ersehen. „Dasselbe hatte bereits Schleiermacher erkannt. Aber auch Nietzsche empfand mit voller Deutlichkeit, dass es sich hier um zwei ganz verschiedene Ebenen handelt, als er (natürlich von seinem Standpunkt des „Antichrist“) in „Jenseits“ sagte: Dieses „Neue Testament, eine Art Rokoko des Geschmacks in jedem Betrachte, mit dem Alten Testament zu einem Buche zusammengeleimt zu haben, als ,Bibel‘, als ,das Buch an sich‘: das ist vielleicht die größte Verwegenheit und ,Sünde wider den Geist‘, welche das literarische Europa auf dem Gewissen hat“; und in der „Morgenröte“ spricht er von dem „unerhörten philologischen Possenspiel“, das man um das Alte Testament herum aufgeführt habe: „Ich meine den Versuch, das Alte Testament den Juden unter dem Leib wegzuziehen, mit der Behauptung, es enthalte nichts als christliche Lehren und gehöre den Christen als dem wahren Volke Israels: während die Juden es sich nur angemaßt hätten … überall sollte im Alten Testament von Christus und nur von Christus die Rede sein … alles Anspielungen und gleichsam Vorspiele des Kreuzes!“

Gerade weil das Alte Testament in einzelnen Teilen ein Dokument der reinsten und erhabensten Ethik ist, die überhaupt vor dem Erscheinen des Heilands möglich war, darf man jene anderen Partien nicht geflissentlich übersehen, in denen der Gegengeist sich offenbart: die Predigt der Rachsucht und Rohheit, des Hasses und Hochmuts. Man denke zum Beispiel an die Eroberung des Gelobten Landes: nichts als Mord und Tücke, giftige Schadenfreude, teuflische Grausamkeit, ein einziger langer Jubelschrei des Blutrausches: „Keiner blieb übrig!“ Man darf freilich diese kranken Halluzinationen einer zügellosen Vernichtungswut nicht allzu wörtlich nehmen, denn die nachexilischen Juden (von denen diese späte Schilderung stammt) waren groß im Aufschneiden; aber es bleibt das barbarische Behagen an diesen in der Phantasie wollüstig nachgeschmeckten Animalitäten. Nirgends die geringste Anwandlung, die Seele des Feindes zu achten, ja auch nur zu beachten: er ist nur Schlachtvieh. Dieser erschütternde Kampf zwischen zwei Welten, der sich durch das ganze Alte Testament zieht, macht dieses zu einem der dramatischsten Bücher der Weltliteratur.

Man sagt uns zwar, diese Dinge müssten „entwicklungsgeschichtlich“ betrachtet werden: dieser Jahwe der Wüste sei nur eine Art „Vorjahwe“, es handle sich hier (und anderwärts im Alten Testament) um eine frühe Schicht der israelitischen Gottesvorstellungen, die sich nur gleichsam illegitim behauptet habe. Aber ist der Gegenstand der Bibel die hebräische Geschichte oder der christliche Glaube? Was wir aus dem Buch der Bücher zu empfangen wünschen, ist Anleitung zum seligen Leben, nicht zur Religionswissenschaft. Wir wollen daraus erfahren, wie wir zu Gott gelangen können, nicht, wie die Juden allmählich zu ihrem Gott gelangten. Dieses gewiss höchst lehrreiche, ja sogar erbauliche Thema möge der Ethnologe, der Altertumsforscher, der Geschichtspsychologe, der Kulturphilosoph ergründen: ein christliches Problem ist es nicht. Das Alte Testament ist, wie jedermann weiß, eine Sammlung von literarischen Produkten sehr ungleichen Alters und sehr ungleichen Werts. Eine Sichtung und Redaktion hat wohl im Lauf der Zeiten stattgefunden; aber sie geschah nie nach religiösen Gesichtspunkten: nämlich nicht nach den Gesichtspunkten der einzigen Religion, die diesen Namen verdient: der christlichen. Als Christus erschien, war der Text des Alten Testaments bereits unwiderruflich fixiert, und wir haben bereits gehört, dass es bis auf Marcion die einzige heilige Schrift auch für die Christen bildete und dass selbst Marcion es nicht wagte, seinen Inhalt durch Streichungen oder Änderungen zu korrigieren. Das Judentum, wie es sich nach dem Exil entwickelt hat, ist von allem Anfang an eine Buchreligion gewesen, im Gegensatz zum Urchristentum, das in erster Linie Botschaft, Predigt, Gemeindebewusstsein war. Es liegt in der Natur einer solchen Religion, dass sie einen übertriebenen Respekt vor dem „Es steht geschrieben“ bekundet und dazu neigt, alles „Alte“, soweit es literarisch bezeugt ist, kritiklos für „heilig“ hinzunehmen; und dazu kommt noch, dass die Juden immer eine besondere Vorliebe für Schriftliches hatten: alles in Buchstaben Fixierte ist für sie eine Wahrheit höherer Ordnung und daher bis zu einem gewissen, Grade sakrosankt; nur ein geschriebener Vertrag ist wirklich gültig, dieser aber unter allen Umständen: und das ganze Alte Testament ist ja eigentlich nichts anderes als ein immer wieder erneuerter Vertrag zwischen Jahwe und Israel, der fortlaufende Schriftsatz eines Prozesses zwischen Volk und Gott.

So kam es, dass sie in der Auswahl wenig rigoros waren und vieles mitschleppten, was sie selbst nicht mehr glaubten. Aber es gibt ein Stück im Alten Testament, um deswillen man fast versucht wäre, alles übrige in den Kauf zu nehmen, und es steht ganz am Anfang: es ist die Geschichte vom Sündenfall. Die Sünde der ersten Menschen besteht darin, dass sie vom Baum der Erkenntnis essen; der Verstand ist also das Böse, er ist nicht von Gott, sondern vom Teufel, „des Teufels Hure“, wie Luther sich drastisch ausdrückte, die Mitgift der Schlange, auf deren Rat es zum Genuss der verbotenen Frucht kommt. Er ist die große Versuchung des Menschen, die dieser nicht bestanden hat. Und seine Strafe dafür ist die Arbeit, zu der er verflucht wird. Erkenntnis und Arbeit sind fortan das Los des Menschen, seine Erbsünde und sein Erbfluch. Und seitdem muss er sterben. Aber wo in der ganzen Geschichte des Alten Bundes kehrt dieses machtvoll angeschlagene Leitmotiv wieder, obgleich es doch, so sollte man annehmen, wie ein eherner Glockenton durch das ganze fernere Menschheitsdrama schallen müsste? Als Adam und Eva vom Apfel gegessen hatten, sahen sie, dass sie nackt waren, das heißt: sie erkannten, dass sie Mann und Weib waren: also auch Geschlechtlichkeit ist Sünde. Die höchsten Güter aber, die alle Frommen Israels preisen, Könige und Propheten, Priester und Patriarchen, sind unbegrenzte Fruchtbarkeit des Menschen, unerschöpflicher Segen der Erde, unfehlbares Wissen um das Gesetz: Brunst, Arbeit, Erkenntnis; der dreifache Adamsfluch.

Und in der Tat ist der Anfang der Genesis ein eingesprengter Fremdkörper. Schon eine sehr alte babylonische Abbildung zeigt einen Baum, zur Rechten einen Mann, zur Linken ein Weib und dahinter eine Schlange. Das Paradies entspricht den Inseln der Seligen in der epischen Dichtung der BabyIonier. Dort findet sich auch die Verführungsgeschichte. Die Entstehung des ganzen Abschnittes fällt in die Zeit der Assyrerherrschaft, die in Palästina eine Periode des religiösen Synkretismus war. Deshalb sagt auch Schopenhauer: „Die Verbindung des Neuen Testaments mit dem Alten ist im Grunde nur eine äußerliche, eine zufällige, ja erzwungene, und den einzigen Anknüpfungspunkt für die christliche Lehre bot dieses nur in der Geschichte vom Sündenfall dar … der im Alten Testament wie ein hors d’œuvre dasteht.“ Zwischen der Gottheit des Alten und der Gottheit des Neuen Testaments kann es daher nicht Identität oder Harmonie, auch nicht das Verhältnis halber und voller Offenbarung geben, sondern nur schroffe Alternative. „Ihr müsst“, sagt Kant, „zwischen Jahwe, dem deus ex machina, und Gott, dem deus ex anima, wählen, für beide ist nebeneinander nicht platz.“

Warum aber hat Marcion Adonai nicht einfach als falschen Gott verworfen? Weil er überzeugt war, dass dieser die Welt wirklich regiert. Als sein Werk verkündet sie seinen Namen. Und der Mensch ist sein Ebenbild, ein kleiner Gott, freilich: ein Judengott. Auch hierfür ließe sich manche Andeutung im Neuen Testament finden. Im ersten Brief Johannis heißt es: „So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters … denn alles, was in der Welt ist … ist nicht vom Vater, sondern von der Welt“, und in dem Evangelium desselben Johannes sagt der Heiland zu den Juden: „Ihr seid von Eurem Vater, dem Teufel.“ Von hier bedurfte es für Marcion offenbar nur eines Schritts, um dem Demiurgen, dem Vater des Bösen, dem Herrn der Erde oder wie man ihn sonst nennen will, Schöpferkräfte zuzuerkennen und ihm die Welt zuzuschreiben. Auch Augustinus lehrt im Einklang mit fast allen Kirchenvätern, das Reich der Welt sei ein magnum latrocinium, eine große Räuberhöhle, von Dämonen regiert. Das Böse, sagt Kant, ist der Fürst dieser Welt, das Gute ist nicht von dieser Welt, das Böse ist nur von dieser Welt. Der gute Gott muss daher notwendig der fremde Gott sein. Er ist, wie Meister Eckhart sagt, von der Welt „abgeschieden“: „Wisst ihr, wovon Gott Gott ist? Davon, dass er ohne alle Kreaturen ist! Selbst als er Himmel und Erde schuf und alle Kreatur, das ging seine Abgeschiedenheit so wenig an, als ob er nie etwas geschaffen hätte.“ Und der fremde Gott kann nur der unbekannte sein; auch dies predigt Meister Eckhart: „Wollt ihr Gott aber in Wahrheit erkennen, so müsst ihr einsehen, dass er etwas Unbekanntes ist! Dionysius hat das gesagt“; und in der Tat lehrte dieser, Gott lasse sich nur durch Verneinungen, lautlos und im Dunkel erkennen. Insofern kann man sagen, dass jeder wahre Christ zugleich Gnostiker und Agnostiker ist. „Erhabener, lebendiger Wille“, ruft Fichte in der „Bestimmung des Menschen“, „den kein Name nennt und kein Begriff umfasst, wohl darf ich mein Gemüt zu Dir erheben, denn Du und ich sind nicht getrennt … Wie Du für Dich selbst bist und Dir selbst erscheinst, kann ich nie einsehen. Nach tausendmal tausend durchlebten Geisterleben werde ich Dich noch ebenso wenig begreifen als jetzt, in dieser Hütte von Erde.“

Wir sehen, wie die tiefsten christlichen Denker um den Marcionitismus ihre Kreise ziehen, ohne dass sie ihn doch jemals zu berühren wagen. Denn in der Tat: hier herrscht in rätselhafter Durchdringung lauterstes Licht und dazwischen schrecklichste Finsternis: nämlich Zweigötterei! Wäre dies nicht, so wären wir vielleicht heute alle Marcioniten. Der Marcionitismus ist etwas Schauerliches, zweifellos; und trotzdem kann man ihn nicht unchristlich nennen. Aber vielleicht ist der Demiurg bloß ein Engel des guten Gottes? Wir haben schon gehört, dass der Gnostiker Saturnilus dies behauptete; auch Apelles, der bedeutendste Schüler Marcions, der aber dessen ebenso kühnes wie konsequentes System doch schon stark umgebogen und verwässert hat, lehrte die Monarchie Gottes und wies dem Schöpfer nur einen untergeordneten Rang an. Wir könnten auch sagen: der Demiurg ist Luzifer, der gefallene Engel; sein Fall besteht eben darin, dass er die Welt geschaffen hat. Eine Wehschöpfung durch Luzifer würde nicht der Allmacht Gottes widerstreiten, denn Gott, über allem Schaffen und Nichtschaffen thronend, vermag jeden Schöpfungsakt zuzulassen. Ob man hierbei die kosmologischen Vorstellungen der Genesis oder der heutigen Astronomie im Auge hat, ist für den theologischen Aspekt belanglos: es ist völlig gleichgültig, ob man sagt, Gott (oder Luzifer) habe die Welt geschaffen, oder ob man sagt, er habe die Erde geschaffen, denn dem Menschen ist von Gott, seinem Vater, die irdische Laufbahn aufgegeben und nur diese; Milchstraßen und Spiralnebel können daran nichts ändern und verschieben das Problem auf eine falsche Ebene, wodurch nur Konfusion entstehen kann.

Ferner könnte man versuchen, sich den Marcionitismus dadurch annehmbarer zu machen, dass man sich vorstellt, die Schöpfung Luzifers sei eine Scheinwelt. Das ist sie natürlich. Weshalb auch, im naiven, aber tief symbolischen Volksglauben so gut wie bei allen Theosophen und Mystikern, Satan immer als der Realist gekennzeichnet ist. Darin eben besteht seine Hinterlist. Aber andrerseits muss er zwangsläufig diesen Standort einnehmen, denn wollte er diese Welt als Schein, Traum und Trug demaskieren, so müsste er ja sein eigenes Werk diskreditieren. Aus demselben Grunde ist er stets der hartnäckige und exklusive Rationalist (so erscheint er auch noch in seiner letzten, völlig verbürgerlichten Form bei Goethe), denn das Organ, womit diese Welt als die „wirkliche“ erkannt wird, ist der Verstand. Dies meint ja auch der Name Luzifer, Lichtbringer (und nicht viel anders verhält es sich mit dem gestürzten Halbgott Prometheus, dem Feuerbringer oder Vater der Technik). Und schließlich ist Satan auch Sensualist, Verteidiger und Förderer der Sinnenlust, denn die Sinne bestätigen ebenfalls seine Welt. Für das gesunde Empfinden aber ist er der Winkeladvokat, Taschenspieler und Oberintrigant, seine „Realität“ Schwindel, seine Ratio Sophistik, seine Sinnenbejahung Versuchung. Denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass es öfter als hie und da einen Menschen gegeben hat, der an die Realität wirklich und wahrhaftig, mit voller Überzeugung und Inbrunst, ohne jeden Abstrich und Vorbehalt geglaubt hätte. Alle unsere Erlebnisse und Erkenntnisse, Taten und Theoreme umgibt ein trüber Hof von Ungewissheit. Zwischen uns und die Dinge ist ein Flor gespannt, wie im Theater, wenn „Vision“ markiert werden soll. Alles, was „geschieht“, hat das Stigma des Provisoriums, Manövers und Intermezzos. Gerade auf den Höhepunkten unseres Daseins: in den Augenblicken der tiefsten Ergriffenheit durch die Macht der Natur, die Macht der Liebe, unsere eigene Macht, überfällt uns dieses Gefühl am stärksten. Es ist, wie Seneca sagt, „alles nur geliehenes Tafelgerät“ und, nach Marc Aurels düsterer Weisheit, „unsere Zeit ein Augenblick, was zum Leib gehört, ein Strom, was zur Seele gehört, ein Traum, das Leben eine Reise in fremdem Land und der Nachruhm Vergessenheit“. Wer wagt es, „mein“ zum Dasein zu sagen? Alle Dörfer dieser Welt sind von Potemkin. Es herrscht eine stillschweigende Übereinkunft unter allen, bloß so mitzumachen, und zugleich die Verabredung, kein Spaßverderber zu sein und über diese geheime Spielregel niemals laut zu sprechen.

Schon der „Wilde“ oder „Primitive“ (und gerade er, weil er, naturnah, die Natur durchschaut), glaubt nicht an die Solidität der Szenerie und Maschinerie, die ihn umgibt, er hält sie für einen Zauber, ja vielleicht sogar für einen „faulen Zauber“. Aber wir alle wissen so gut wie er, dass wir in einem großen Spukhaus leben. Niemand ist, auch wenn er die Stimme des Zweifels zu dämpfen oder niederzuzischen versucht, in Wahrheit so dumm, seinem Verstand und dessen Gespinsten zu trauen. Es ist alles nur Rauch und Rausch, Wolkenspiel und Schleiertanz, eine Viertelstunde Regenbogen; „und selbst die Träume sind ein Traum“. Dies kommt daher, dass der Teufel bloß Blendwerk zu schaffen vermag, virtuose Imitation, von der sich nur der Intellekt foppen lässt, weil er selbst ein ohnmächtiges Satansspektakel ist.

Aber dies alles erwogen: man kann sich dennoch, so erhaben der Gedanke der grundlosen Güte des fremden Gottes ist, unmöglich mit der Voraussetzung abfinden, dass Gott bis zum Erscheinen seines Sohnes der Welt völlig abgewendet gewesen sei, dass er je eine rein luziferische geduldet habe. Denn da Gott die unendliche Güte ist, so muss diese alles berühren, auch was außer ihr ist, auch was gegen sie ist. Hier könnte uns vielleicht ein Rätselwort Marcions den Weg weisen, aber nur wie ein düsteres und flackerndes Fackellicht. Er sagt nämlich einmal, der gute Gott habe das Unsichtbare geschaffen. Meinte er damit, dass es neben der Welt des Demiurgen noch eine zweite Welt gebe, eine „gute“ Welt, die entweder vor der materiellen bestand, als eine präexistente geistige, oder hinter der luziferischen besteht, als die „wahre“? Denn das Sichtbare ist nicht bloß das Böse, sondern auch das Unwirkliche. Wir wissen es nicht, denn der Text Marcions ist uns weder vollständig noch authentisch erhalten, er ist untergegangen und wir können ihn uns nur aus den Schriften rekonstruieren, die gegen den Marcionitismus gerichtet waren: es sind dies in erster Linie die christliche Apologie Justins, das große Werk des Irenäus „Adversus haereses“, die „Stromata“ des Clemens Alexandrinus und die „Fünf Bücher gegen Marcion“, die Tertullian verfasst hat. Sehr bemerkenswert ist es, dass der bedeutendste heidnische Polemiker der Frühzeit, Celsus, der in seinem „Sermo verus“ einen umfassenden Angriff gegen das Christentum richtete, die marcionitische Kirche als eine der katholischen vollkommen ebenbürtige behandelte; ihm erwiderte der große Origenes in seiner Schrift „Adversus Celsum“. „Warum“, fragt Celsus, „lässt der obere Gott einen schlechten Demiurgen, der sich ihm widersetzt, schalten und walten? Das ist mir ein verehrungswürdiger Gott, der danach trachtet, der Vater von Sündern zu sein, die von einem anderen verdammt und verworfen sind, und der nicht imstande ist, den er gesandt hat, zu rächen!“ Man kann von Celsus, der kein Christ war, kein Verständnis dafür erwarten, dass der gute Gott gerade danach trachtet, der Vater der Sünder zu sein, und dass er den Tod seines Sohnes nicht rächt; aber der Einwand, warum er den Demiurgen frei schalten lasse, musste in der Tat auch damaligen Christen zu denken geben. Vielleicht hat Marcion gemeint, dass der Geist Gottes, in Unsichtbarkeiten thronend, schon immer durch die Welt wehte und deren Lauf daher auf die Ankunft seines Sohnes angelegt war, welche freilich nur seiner Allwissenheit bekannt war. Doch das sind bloße Vermutungen; was aber Marcion mit voller Deutlichkeit und höchstem Nachdruck betont hat, ist die Fortdauer des demiurgischen Regiments auch während des christlichen Aeons. „Marcion glaubt“, sagt Tertullian, „dass er vom Reich des Schöpfers erlöst sei, aber in der Zukunft, nicht in der Gegenwart.“ Die Herrschaft des Schöpfergottes endet also erst mit dem Jüngsten Gericht. Solange dieses Säkulum besteht, dauert auch noch die Regierung des Gottes dieses Säkulums.

Und so verhält es sich ja auch in der Tat. Das einzige, wodurch sich die christliche Welt von der vorchristlichen unterscheidet, ist das Wissen um Gott und seinen Sohn und der Glaube an dieses Wissen; Glauben aber heißt sich auf die unverdiente Liebe Gottes in Christo verlassen. Der luziferische Lauf der Welt hat sich nicht geändert. Dass aber Gott dennoch hienieden wirkt und webt, ist ebenso unbezweifelbar wie unerklärlich. Hier stehen wir, in dem tiefsten Sinne, der diesem Wort gegeben werden kann, im „Unsichtbaren“. Dies ist alles, was eine christliche Geschichtsbetrachtung, die die Ehrlichkeit der Bequemlichkeit vorzieht, an Theodizee beizubringen vermag. Und dennoch sagt Gustav Droysen in der Einleitung zum zweiten Bande seiner „Geschichte des Hellenismus“ mit Recht: „Die höchste Aufgabe unserer Wissenschaft ist ja die Theodizee.“ Aber es ist eine unendliche Aufgabe. Gerade darin, dass sie immer wieder: von jedem Zeitalter, jedem Volk, jedem Stand, jedem Individuum aufs neue gestellt wird, erfüllt sich das historische Schicksal. „Über allem“, schreibt Ranke in einem Brief an seinen Bruder Otto, „schwebt die göttliche Ordnung der Dinge, welche zwar nicht gerade nachzuweisen, aber doch zu ahnen ist.“ Diese göttliche Ordnung der Dinge ist identisch mit der Aufeinanderfolge der Zeiten.

Selbsterkenntnis – der Weg zu einem freien Bewusstsein

Die Einteilung des Themas in drei Abschnitte gliedert den Prozess, der sich im Menschen auf dem Weg zur Selbsterkenntnis entfaltet, je nachdem in welcher Entwicklung sich sein Mikrokosmos befindet.

Ist uns bewusst, dass jede Erkenntnis, jede Einsicht im Gedächtnis des Erkennenden ihre Spuren hinterlässt? – Das Gedächtnis wird sozusagen durch das neu Erkannte verändert. Das ist allgemein bekannt, weniger bekannt ist die Tatsache, das jede Änderung im Gedächtnis  zugleich auch das Feld des Erkennens modifiziert. Wird das neu in das Gedächtnis eingetretene stark emotional aufgefasst, dann bekommt es im Wahrnehmen eine sehr hohe Aufmerksamkeit, die das nachfolgende Erkennen massiv beeinflusst. Negative Gefühle der Ablehnung können das Aufnehmen weiterer Einsichten vollkommen blockieren. Euphorische Zustimmungen lassen den Realitätsbezug zum eigenen Sein deutlich in den Hintergrund treten. So wird dieser Text im aufmerksamen Leser natürlich eine Bewegung auslösen. Seine künftigen Einstellungen zu diesem Thema werden dennoch im Wesentlichen von der Reflexionsmöglichkeit seines Denkens und dem Wahrnehmen seiner Gedächtnisspuren bestimmt werden. Darum bitten wir, die vorgebrachten Überlegungen sorgsam zu bedenken. Seine Gedanken, Reflexionen und Ansichten kann jeder Leser im persönlichen Garten seiner bisherigen Erkenntnisse einsortieren und sie mit den bestehenden Vorbehalten und Anschauungen in Übereinstimmung bringen, oder nicht. So entscheidet jeder Mensch bereits in seinem Wahrnehmen wesentlich, ob wir uns verstehen werden oder ob wir über die Tücken der Missverständnisse stolpern.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn bitte mir zu.  Vielen Dank.


Bevor wir einen Schritt weiter zum Selbstbewusstsein machen, sollten wir definieren, was wir unter Bewusstsein verstehen. Allgemein ausgedrückt umfasst das Bewusstsein die Wesenheit der Person, in der die innere Realität ihres Seins erfahren wird. Es umfasst dabei die komplette Selbstwahrnehmung, die Wahrnehmung und die Beziehungen zur Umwelt und zu den Menschen im direkten Leben, das Bedenken der grundsätzliche Weltsicht bzw. des angelernten Modells von Realität, wie es in den verschiedenen Stufen des Erwachsenwerdens gelehrt wurde. Kurz gesagt: Das eigene Wahrnehmen, Erinnern und Denken, die vom Tagesbewusstsein und dem Unterbewusstsein durchgeführt werden – bestimmen alles, wie und was wir von den Ereignissen der Welt erleben können. Aus  der unmittelbaren Wahrnehmung, dem Bedenken und Fühlen der in uns einfließenden inneren und äußeren Informationen formt sich unsere Realität, an die wir glauben, die wir für wahr halten. Sie wird allerdings ständig beeinflusst von bewussten und unbewussten Wechselwirkungen zwischen den aktuellen subjektiven, individuellen Einsichten, den gesellschaftlichen Paradigmen und den in den mikrokosmischen Gedächtnissen gespeicherten Werturteilen. Das subjektive, empfundene Leben spiegelt sich in einem Kaleidoskop aus innerem Wissen, religiösem Glauben, anerzogenen Vorurteilen, sozialen Tabus und Gesetzen aus der eignen inneren Erfahrung. Das tatsächlich faktische Leben vollzieht sich „da draußen“ im Reflexionsbogen mit den subjektiven Wahrnehmungen der Welt, in der sich jeder pragmatisch und komfortabel eingerichtet hat. Unser Weltbild entsteht also stets aus der Vermischung der Erinnerung unbewusster oder teilbewusster Inhalte mit der aktuell bewussten und überdachten Weltwahrnehmung, die an den bestehenden Werturteilen im Gedächtnis abgeglichen wurden. Es ist ein immer wieder ignorierter Tatbestand, dass dabei das im Hintergrund von Fühlen und Denken liegende Gedächtnis komplett jede neue Wahrnehmung und seine Bewertung bestimmt. Auf diese Weise wird der Rahmen des aktuellen Tagesbewusstseins beständig verifiziert, innerhalb dessen wir uns auf die inneren und äußeren Sensationen der Welt beziehen. Tagesbewusstsein und Selbstbewusstsein befinden sich in einem permanenten Wechselspiel mit den verschiedenen Komponenten der internen und externen Kommunikation des Daseins. Das Selbstbewusstsein ist niemals konstant, fixiert. Jede einmal autorisierte Feststellung kann durch eine neue, ungewöhnliche Erfahrung sofort gelockert oder vollkommen aufgelöst werden. Die Beweglichkeit des Bewusstseins, in dem sich Denken, Erinnern und Wahrnehmen entfalten, kann dann wohl als Grundvoraussetzung für eine konstruktive und möglichst objektive Selbsterkenntnis genommen werden.

1. Die empirische und psychologische Selbsterkenntnis.

Jeder Mensch kennt sich selbst. Er weiß mehr oder weniger um seine Beziehungen zur Familie, im Beruf und in der Gesellschaft. Er kennt seine innere und äußere Wirklichkeit, seine Talente und vielleicht auch seine Unvermögen. Er weiß, wie man Freunde gewinnt, und sich auf dem Parkett der gesellschaftlichen Beziehungen gefahrlos bewegt. Ihm ist bekannt, welche Verhältnisse völlig gelockert zu ihm passen und solche, die anstrengend aber notwendig sind. Läuft alles im Leben so, wie in den etablierten Vorstellungen des Menschen gespeichert ist, dann werden bezüglich Selbsterkenntnis wenig oder keine Fragen aufkommen. Das Ich steht in seiner ihm eigenen Realität, die sich kontinuierlich selbst bestätigt. Die Lebensbetrachtung aus den eigenen Erfahrungen mit sich und der Umwelt stabilisiert sich ohne eine konkrete Überprüfung der sich langsam und sicher aufbauenden Fixierung prinzipieller Verhaltensweisen.

Eine Reflexion dieser Vorstellungen, z.B. an den Modellen von Psychologen wie S. Freud oder C.G. Jung (um nur zwei zu nennen). wird erst in Erwägung gezogen, wenn es im Leben nicht mehr so läuft, wie der Mensch sich das vorgestellt hat. Wir meinen, dass zu jeder neuen Selbsterkenntnis eine innere Not gehört. Denn wer mit dieser, seiner Welt so zufrieden ist, wie sie nun einmal ist, der verspürt keinen Drang, sich selbst, seinen Charakter und sein Wesen durchschauen zu wollen. Erst der Mensch, der heftige Konflikte mit sich und seiner Umwelt erlebt, will wissen, wer er selbst ist und sucht nach einer möglichen Veränderung seiner Situation. Denn sein Bewusstsein spiegelt ihm den Konflikt zwischen der bestehenden inneren Schau mit der erfahrbaren Welt. Sein Bewusstsein muss ständig erhebliche Differenzen zwischen der inneren Sicht und den täglichen Erfahrungen verarbeiten und ausgleichen. Im Leben entwickeln sich unerklärbare Unstimmigkeiten. Das Denken wird mit unlogischem Verhalten konfrontiert – bei sich selbst und bei den Mitmenschen. Schier unlösbar paradoxe Geschehnisse tauchen auf, so nach dem Motto: „Das darf doch alles nicht wahr sein!“. Erlebt der Mensch wiederholt Pleiten oder wird von unverständlichen Konflikten gebeutelt, verlangt er nach genauerer Selbsterkenntnis. Dann beginnt er ernsthaft, sich selbst und seine Handlungen in Frage zu stellen und Lösungen für seine Probleme zu finden. Bei dieser Suche drängen sich ihm dann auch grundsätzliche Fragen auf, wie z.B.: Wer bin ich eigentlich? – Warum handele ich so wie ich handele?

Wer vieles von seinem Erleben nicht mehr richtig einordnen kann, sucht nach Erkenntnis über sich und alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Doch nach vielen Unerredungen oder Auseinandersetzungen mit Bekannten und Verwandten wird er bald feststellen, dass sich allein durch ein Studium der Psyche aus Büchern keine neue Erkenntnis über sich selbst erschließt. Aus einem rein verstandesmäßigen Konsumieren vorgedachter Sätze und Theoreme aus dem gewohnten Milieu und Paradigmengefüge kann keine echte Selbsterkenntnis erwachsen. Zu ihr gehört die praktische Selbsterfahrung. Erst wenn das selbst gefühlte und ergriffene Erlebnis im Rahmen der psychologischen Denkmodelle richtig überdacht und gewertet wird, führt es zu eigener Erkenntnis, zu einem kleinen Teil selbst gemachter Erfahrung unter neuen Voraussetzungen. Das Bedenken und Überdenken der Erlebnisse gehört ganz wesentliche zu dieser neuen Einsicht. – Doch wie leicht spielt uns gerade dabei das Unterbewusstsein einen Streich? An dieser Stelle ist Wachsamkeit geraten. Wie oft werden wohlgemeinte Ratschläge falsch verstanden, oder die cleveren Tipps und Hinweise in den Wind geschlagen. Die ursprünglich geplante Absicht wird dann keine Tat folgen, weil bestehende Bedenken dagegen sprachen. Jeder psychologisch versierte Menschenverstand wird bestätigen: Nur wer gegenüber dem gewohnten Verhalten ganz neu persönliche Erfahrungen machen kann, wird eine umfassende Selbsterkenntnis erfahren.

Die Modelle der Psychologie über das Sein und die Fein-Strukturen des menschlichen Bewusstseins sind von Fakultät zu Fakultät etwas unterschiedlich, nicht nur in der Terminologie. Die Verwandtschaften mit indischem oder chinesischem Gedankengut In den Beschreibungen des Unterbewusstseins mit seinen Etagen, dem Bewusstsein als Ganzes und dem Selbstbewusstsein sind unübersehbar. Allerdings ist festzustellen, dass alle Therapeuten von einem erlebbaren Tagesbewusstsein und einem mehrfach gegliederten Unterbewusstsein ausgehen. In allen Theorien spielt auch eine nicht genau bestimmbare Seele ihre Rolle. Psyche kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt: Seele, im Gegensatz zur Physis der elementaren Materie. Das Bewusstsein bildet in seiner Gesamtheit eine hochkomplexe Einheit, in der Denken, Wollen, Fühlen und Agieren initiiert, kontrolliert und aufgezeichnet werden.

Jedoch: allein das Wissen um eine Struktur der eigenen Bewusstheiten, wie genau diese Landschaft auch beschrieben und benahmt wird, macht noch keine echte Selbsterkenntnis aus. Denn bei aller gelehrten Theorie bleibt stets offen, was die subjektiven individuellen Eigenschaften und abgespeicherten Verhaltensmuster der Person angeht. Denn in den vielfältigen Wesensstrukturen leuchten zahlreiche sehr individuelle Prägungen auf, die sich erst im aktuell gelebten Sein, Fühlen und Handeln erkennen lassen. Um diese persönlichen intimen Räume im eigenen Bewusstsein aufzuspüren, werden in der Psychotherapie unterschiedliche Methoden und Tests angewendet. Sie alle laufen letztendlich darauf hinaus, die bislang unterbewussten Verhaltensmuster und Wertungen in das Tagesbewusstsein herauf zu holen, um sie dort mit dem aktuellen Leben und den Bedeutungen und Gewichtungen abzugleichen, die jetzt angesagt sind. Kernpunkt ist dabei das erneute Überdenken der erlebten Gefühlen, die aus vergangenen Zeiten aufsteigen, und das dadurch mögliche Umgewichten der Emotionen. So können durch möglichst objektives Überdenken viele unbekannte Aspekte des eigenen Werdens und Seins relativiert werden und bekommen einen anderen Platz im Gedächtnis übertragen. Unter professioneller Anleitung eines Psychotherapeuten oder Coach kann eine umfassende Selbsterkenntnis entstehen, die auf dem anerkannten westeuropäischen Modell des psychologischen Werdens von der Geburt bis in das Heute basiert. Es gibt auch einige Therapien, die die Abstammung von Eltern, Großeltern und die Einbettung in ein Volk etc. mit einbeziehen. Wird ein Mensch bewusst vor seine unterbewussten Beeinflussungen, Komplexe und Charakterzüge gestellt, kann er manche unabsichtlich gemachten Erfahrungen über sein eigenes Wesen besser einordnen. Vor allem die Einsicht, dass jeder Mensch zu einem großen Prozentsatz (Eisbergmodell) vollkommen aus dem Unterbewusstsein gehandelt wird – auch dann, wenn er davon weiß – , ist eine umwerfende Erkenntnis, die die moderne Psychologie vermitteln kann. Dadurch entsteht langfristig eine neue Form der Selbsterkenntnis, bei der sich gleichzeitig die Befähigung entwickelt, aufmerksam, lebendig und verständnisvoll mit sich und seinen Mitmenschen umzugehen.

Dabei kann es nun sein, dass in der Erkenntnis des eigenen tieferen Selbstes erneut Fragen entstehen. Man kann sagen, die Selbsterfahrung tritt in eine bewusstere Phase ein. Es sind etwas übergeordnete Fragen, wie z.B.: Wer ist der Mensch überhaupt? – Wo kommt er her? – Ist das Dasein auf der Erde zwischen Geburt und Tod alles? – Was hat das Leben auf der Erde für einen Sinn? – Wie sieht es mit der Gleichheit aller Menschen aus? – Stimmt das mit der Gleichberechtigung, oder nicht?

Die sinnesorganischen Erfahrungen können immer nur die materielle Welt erklären, die äußeren Erscheinungen. Alle Gefühle von Liebe, Trauer oder Mitleiden entfalten sich bei einem darauf aufgebauten Weltmodell in einem imaginären Sein eines metaphysischen Feldes, das nach den Theorien der im Westen geläufigen Wissenschaft von der Materie hervorgebracht wird. Die physisch und psychisch denkenden Kapazitäten im Westen akzeptieren mittlerweile diesen imaginären Raum der Psyche. Aber was und wo dieser Raum ist, wird in den wissenschaftlichen Darlegungen – wenn überhaupt – sehr nebulös und stark verklausuliert abgehandelt. Doch gerade in den unkörperlichen Eigenschaften wie Mitleid, Zuwendung, Liebe, Verzeihen, Bedachtsamkeit, etc. entsteht die Qualität Mensch. Gerade dort im Denken, Empfinden und Wollen liegt die Ausgangsbasis für jedes Handeln im Stoff. Die Grenze des Seins ist also nicht der planetare Raum oder die Bergespitze, sondern sie liegt in den höchsten Ebenen des Feinstofflichen.

2. Die esoterische Selbsterkenntnis

Neben die empirische Analyse mit Hilfe der sinnesorganischen Selbsterfahrung und den Gesprächen im Kreise von Freunden und Verwandten wird meistens nur die psychologische Analyse mit den Werkzeugen und Denkmodellen der anerkannten westlichen Psychologie angesteuert. Dabei entsteht dann ein verstandesorientiertes Modell des Menschen, der sich mit Hilfe von Arbeit seinen Lebensunterhalt sichert, einen Lebenspartner findet und eine Familie gründet, der sich im sozialen Geschehen und im beruflichen Wettbewerb einer materialistisch orientierten Gesellschaft zu behaupten versucht. Liebe und Gott bekommen einen im metaphysisch Raum akzeptierten Platz irgendwo am irdischen Horizont, bis der Tod eintritt. Um die Frage: Was ist nach dem Tod? zu beantworten, versucht der Mensch eine andere Wissenschaft oder die Religionsspezialisten anzuzapfen. Jetzt kann eine esoterische Analyse entstehen, die sichtbar werden lässt, dass der Mensch viel viel mehr ist als ein Leib aus Fleisch und Blut, und dass Fleisch und Blut in Kraftfelder eingebettet sind, die man mit den normalen Sinnesorganen direkt nicht wahrnehmen kann. Obgleich es auch Menschen gibt, die in die feinstofflichen Seinsebenen hinein “schauen“ können. Sie untersuchen die uns umgebende feinstoffliche Welt mit ihren Sensationen und beschreiben in umfangreichen Büchern ihre Erfahrungen mit erstaunlichen nahezu unwahrscheinlichen Vorgängen. Aber schon die Mystiker der christlichen Welt hatten ihre Visionen von Himmel und Hölle, und sie haben uns etwas über die Seele des Menschen erzählt.

„Mensch, erkenne dich selbst!,“ steht über der Pforte zum Tempel der griechischen Mysterien in Delphi. Können wir uns heute vorstellen, welche Selbsterkenntnis dort an dem heiligen Ort gefordert wurde? – Wer seine Suche nach Selbsterkenntnis bis an diesen Punkt führen konnte, wird vor dem Eintritt in das Heiligtum nun aufgefordert zu erkennen, dass er ein Mikrokosmos ist. Der Mensch ist eine Welt im Kleinen, aus der er gelebt wird. Ein Abbild der großen Welt des irdischen Kosmos. Wie oben so unten, sagt uns die ägyptische Weisheit. Mit der esoterisch-okkulten Selbstanalyse ist man mitten in diese neue Phase der Selbstwahrnehmung hineingeraten. Aber dieser esoterische Beginn ist am Anfang total unübersichtlich und experimentell. Der Irrgarten in der feinstofflichen Welt ist mit den unterschiedlichsten Gefahren gespickt. Mme. Blavatsky hat es in ihrem Büchlein: „Die Stimme der Stille“ folgendermaßen ausgedrückt: „Wenn Du die zweite Halle des Lernens sicher durchschreiten willst, dann bleibe nicht unter den Bäumen stehen, um die betäubenden Wohlgerüche ihrer Blüten einzuatmen. Wenn du von den Ketten der Schicksalsverknüpfung frei werden willst, dann suche nach deiner Erkenntnis nicht in diesem Reich des Scheins.“

Die Selbsterkenntnis aus den psychischen Wesenseigenschaften steigt aus imaginären Bewusstseinsinhalten auf, die Auswirkungen der übersinnlichen Kräfte auf die eigene Person sind noch etwas subtiler. Vielfach werden in den Buchhandlungen oder im Internet Bücher angeboten, die dem Leser einen Leitfaden für diese Welt der noetischen Erfahrungen anbieten. Doch Selbsterkenntnis ist eigentlich eine Folge von selbst gemachten Erfahrungen, Einsichten, die direkt erlebt und begriffen werden, nicht von theoretischen Erläuterungen und Belehrungen. Letztlich sucht jeder für sich nach praktikablen Möglichkeiten und handfesten Methoden, um seine individuelle Erkenntnis zu vertiefen. Dafür werden gerade in der esoterischen Welt eine Reihe von Methoden diskutiert, die zum großen Teil schon seit langer Zeit in den großen Religionen bekannt sind.

Als Voraussetzung dafür steht ein grundlegend von der genormten materialistischen Weltanschauung verschiedenes Weltbild, in dem alles in unserer Welt in ein alles umfassendes PSI-Feld oder Quantenvakuum eingebettet ist. Es kursieren auch andere Namen. In der Bibel steht dafür der Begriff LOGOS, bei Laotse heißt das Feld des höchsten Seins TAO, bei Zarathustra bekam es den Namen Ahura Mazda. Im Seit den Upanishaden steht im Hinduismus der Begriff Brahman für das Absolute, das heilige Wort oder die heilige Kraft. Alle Universen sind mit allen zugehörigen Entitäten und Wesenheiten in eine fundamentale Einheit eingebettet und leben aus und in ihr.

Alles Sein besteht aus diversen Energiefeldern und wird aus ihnen gelebt. Es können mehrere Energiefelder qualitativ unterschieden werden. Natürlich haben sie in den verschiedenen Kulturen auch abweichende Namen. Folgende Begriffe haben sich zur Zeit dafür eingebürgert: das Ätherfeld, das astrale Feld und das mentale Feld. Hinzu kommt das grobstoffliche Feld, das uns so bekannt ist. Darüber hinaus spricht man noch von einer spinalen Kraft, einer Kraft der Ideation und einer Kraft der Inspiration. So ergeben sich sieben Kraftfelder, die zusammenwirken, und mit verschiedenen Aufgaben betraut alles Leben hervorbringen, betreuen und in eine höhere Seinsform hineinwachsen lassen. Diese Kraftfelder sind räumlich nicht voneinander getrennt, sondern über ihre Vibrationsart, ihre Frequenz und ihre melodische Modulation. So durchdringen sie sich gegenseitig und beeinflussen sich durch Induktion, Interferenzen und auch durch Kraftwirbel (Chakren). Eine weitere grundlegende Einsicht beginnt sich ganz langsam auch bei westlichen Esoterikern durchzusetzen:

Alle Kraftfelder sind lebende mit Bewusstsein ausgestattete Wesen (Äonen, Götter, Engel oder Devas), die ebenso wie die Menschen konstruktiv denken, planen und aktiv handeln.

Es ist normalerweise allgemein bekannt, jeder Mensch ist geprägt von seinen Einstellungen, seinen Verhaltensmustern und von seinen Erfahrungen – aus diesem Leben oder aus früheren Inkarnationen. Das alles beeinflusst natürlich die Energiefelder seines Mikrokosmos. Jedes Atom, jedes Lebewesen, jeder Organismus, besteht aus einem kugelförmigen Energiefeld, einem Mikrokosmos. Jeder Mikrokosmos wird von einer Gruppe von Energiefeldern gebildet und geführt. So umgibt und durchdringt den stofflichen Menschen sein Ätherfeld und sein Astralfeld, darüber hinaus beginnt sich auch ein Mentalfeld zu entfalten. Der Mikrokosmos ist mit seinen Kraftfeldern in die Kraftfelder der Erde eingebettet wie der Wassertropfen in das Meer. In all diesen Bereichen entfalten sich Raum und Zeit in anderen als den uns bekannten Dimensionen. Menschen, die sich mit lebendiger Esoterik und den okkulten Hintergründen des irdischen Daseins auseinandersetzen, verwenden Denkmodelle, mit denen sie das Wesen Mensch in seinen seelischen und feinstofflichen Strukturen beschreiben, die nicht in die mechanistisch deklarierte Physik der westlichen Wissenschaften passen. Durch Selbst- und Gruppenerfahrungen, in denen das esoterische Weltbild die Reflexionen des eigenen Erlebens bestimmt, und durch Diskussionen über die verschiedenen Methoden der Ernährung, Medizin, Lebensweisen aus östlichen Kulturen werden tiefere seelische Ebenen des Menschen sichtbar, die ein wirkliches Umdenken in der Selbsterkenntnis erforderlich machen.

Gerade in dieser Phase können die vielen schönen Worte und Versprechungen in Büchern oder Vorträgen nicht weiterhelfen. Denn die esoterischen Modelle und Theorien werden zu einem theoretischen Ballast, wenn man glaubt, die eigenen Erfahrungen durch Verstehen der Möglichkeiten ersetzen zu können. Doch die wirkliche Einsicht erlangt der Mensch nur, wenn er sich für noetischen Erfahrungen in der feinstofflichen, vor allem zwischenmenschlichen Kommunikation öffnet. Denn der Tatbestand, dass alle Menschen – mehr oder weniger – bereits über diese Kommunikationsmöglichkeiten verfügen, wird in der westlichen Kultur seit geraumer Zeit ignoriert. Wenn man die feinstofflichen Welten leugnet oder ignoriert, dann wird man den sechsten oder siebten Sinn, Hellsehen, Fernheilen und so weiter nicht wahr haben wollen. Und das, was man nicht wahr haben will, dass kann man nicht wahrnehmen. Auch wenn diese subtilen Empfindungen uns oft nur nebulös begleiten, so kann man bei genauer Kenntnis feststellen, dass vieles von unserem Wesen gerade in diesen Feldern schlummert. Eine kritische Wachsamkeit ihnen gegenüber ist gewiss angebracht, weil uns die dort herrschenden Gesetze und Dimensionen vorerst völlig unbekannt sind.

Es soll hier auf zwei Gesetze eingegangen werden, die alle Energiefelder, die ganze Natur beleben und durchweben, zur Befreiung der Menschheit gefügt wurden:
Das erste ist das Spiegelgesetz und das zweite das Gesetz der Gegensätze, der Polarität. Das Spiegelgesetz ist eigentlich überall im Land bekannt. So sagt der Volksmund: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es hinaus. Oder: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Im NT erklärt Jesus seinen Jüngern: Urteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt. Oder an anderer Stelle: Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füge keinem anderen zu! Es ist ein ausgleichendes Gesetz zwischen allen Aktivitäten, denn auf diese Weise wird alles in aller Welt zur Harmonie geführt. Dabei ist von einschneidender Bedeutung, dass sich immer Gleiches zu Gleichem fügt. Diese im ganzen All geltende Regel ist uns aus dem Magnetismus bekannt: Gleiches zieht Gleiches an. Sie ist für jeden, der sich in die esoterische Selbsterkenntnis stürzt ein wirksamer Schutzmantel, denn dadurch wird er bei seinen Exkursionen in den bislang unbekannten Räumen immer nur mit den Sensationen konfrontiert, die zu seinem Wesen gehören. Wer sich in seinem Leben spontan positiv nach den 10 Geboten verhalten kann, hat sich vor nichts zu fürchten.

Alle Erscheinungen der Natur pendeln zwischen den extremen Polen Positiv und Negativ hin und her, gleichsam wie der Wechselstrom. Dadurch wird mit dem Positiven gleichzeitig das Negative aktiviert. Es sind die beiden Seiten einer Medaille. Und das ist in allen Lebensbereichen so, in allen Energiefeldern, ob im Diesseits oder im Jenseits. Diese umfassende Einsicht wird ihnen in vielen esoterischen Kreisen meist unterschlagen. Es gibt allerdings auch Gruppen, die die Dualität der Welt begreifen, und daraufhin beginnen, das Böse Gut zu reden. Doch das verändert das Prinzip nicht. Die Einsicht in den polaren Tatbestand von Licht und Schatten in unserer Welt wird natürlich nach einem Selbsterfahrungsprozess, das Denken, Sprechen und das Handeln stark verändern. Wer zu erkennen beginnt, das sein Selbst etwas völlig anders ist, als das, was die Psychologie so normalerweise vor uns stellt, und wie sehr wir von Kräften dominiert werden, die wir in Unkenntnis ihres Seins experimentell benutzen, der wird bald versuchen, in seinem Leben neue Schwerpunkte zu setzen. Diese tiefgreifende esoterische Selbsterkenntnis beinhaltet auch die innere Einsicht der totalen Einheit im Kosmos. Ohne Umschweife wird sie zu einem bestimmenden Faktor in seiner Lebenshaltung. Jedoch nicht in der revolutionären Verbrüderung einer marxistisch-kommunistischen Gesellschaft oder einer religiösen Vereinigung in einem Kloster.

Wer bis zu dieser Einsicht aus eigenem Erleben durchgedrungen ist, der wird vor seinem inneren Auge neue Dimensionen auftauchen sehen, die eigentlich nur von Mystikern der Vergangenheit bekannt sind. Man kann es heute nicht oft genug betonen: eine Bewusstseinserweiterung tritt wirklich nur dann ein, wenn sie durch selbsterlebte Erfahrungen, also eigene Bemühungen im noetischen Raum erfolgen. Die echten Erfahrensberichte von Menschen, die in den okkulten Welten, der Äther- und Astralsphäre der Erde, selbst Erfahrungen gesammelt haben, sind rar.

Die esoterische Selbstanalyse kann zunächst einmal ergeben, dass aus welchen Gründen auch immer, für die meisten Menschen die Tür zu den feinstofflichen Gebieten des Jenseits geschlossen wurde. Viele Menschen, die direkt hineinschauen können, man nennt sie pathologisch paranoid, verbringen ihr Leben in einer geschlossenen Psychiatrie. Andere Experimentatoren quälen sich nach ihren Drogenerfahrungen mit dem Verwirrspiel zwischen „Wirklichkeit“ und ätherisch-astralen Projektionen oder Flashbacks. Aber es gibt auch Schamanen oder Yogis mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, Geistheiler und Hellseher. Einige esoterische Gruppen schulen sogar ihre Mitglieder für eine besondere Wahrnehmung der feinstofflichen Felder, insbesondere des Akashafeldes. Die NASA und die entsprechende Organisation in Russland experimentieren für die militärische Kommunikation mit Gedankenübertragung, weil sie schneller ist als das Licht. In den USA wurde vom Astronauten Edgar Mitchell das Institute of Noetic Sciences (IONS, zu deutsch: Institut für Noetische Wissenschaften) gegründet. Sie ist eine Non-Profit-Organisation, die wissenschaftliche Forschung über Telepathie, Psychokinese, Hellsehen und Effekte der Meditation betreibt und sponsert. Noetisch ist vom griechischen noētós (deutsch: geistig wahrnehmbar) abgeleitet und bezieht sich auf ein intuitives Bewusstsein, das auf Wissen zugreift, das über das normale Wahrnehmen hinausgeht. Aus der Kenntnis über die grundlegenden Gesetze dieser Hemisphäre werden die Gefahren ersichtlich, die mit experimentellen und ungeführten Versuchen, sein Bewusstsein für die feinstofflichen Felder zu erweitern, verbunden sind. Jedoch werden alle Erfahrungen auf dem Weg zur Selbstbewusstheit auch in diesen Sphären im mikrokosmischen Speicher, der Lipika, abgelegt, so dass die kommende Inkarnation die einmal vollzogenen Umwege nicht noch einmal machen muss.

Jeder möge sich an erster Stelle von der Stimme in sich leiten lassen, die ihm eine ideale, eine göttliche Welt erahnen lässt, denn diese innere Wahrheit wird letztendlich von jedem Irrtum befreien. Auch davon, dass wir irdischen Menschen alle die esoterischen Erfahrungen noch durchmachen müssen, um zu der wahren Selbsterkenntnis durchdringen zu können. Gustav Meyring ist mit seinen Aussagen über seine Erfahrungen ein gutes Beispiel dafür.

3. Selbsterkenntnis durch Transfiguration

Die Selbsterkenntnisse auf der natürlichen empirischen oder esoterischen Basis haben neue Perspektiven und Erkenntnisse für das eigene Sein eröffnet. Leider haben die Philosophen und Religionen den Irrgarten des Lebens mit ihren komplexen Hypothesen und dogmatischen Regeln nur noch vergrößert und so den Weg in die Freiheit absichtlich verbaut. Durch die zunehmende Beschäftigung mit Esoterik und Okkultismus für persönliche Erfolgssteigerung wird alles nur noch chaotischer.
Der Drang zur Selbsterkenntnis ist dem Menschen eingegeben. – Doch welches Selbst soll erkannt werden? Aber warum eigentlich Erkenntnis? – Liegt dahinter möglicherweise ein kosmischer Auftrag? Der Sinn allen weltweiten Wirkens und Bemühens besteht eigentlich darin, dass Menschen heranreifen, die ihr spirituelles Selbst erfahren können und mit dieser Selbsterkenntnis eine völlig neue konsequente Lebenshaltung umsetzen. Das Ziel des Daseins in unserer Periode und der damit verbundene Auftrag ist, im eigenen Mikrokosmos das wahre Selbst mit seinem kosmischen Bewusstsein entstehen zu lassen. Die Aussage im NT: „Die Wiedergeburt aus Wasser und Geist“, bedeutet eigentlich nur, dass ein neuer Mensch aus den feinstofflichen Kräften Äther, Astralis und Mentalis der Übernatur entstehen wird.

Wer auf seinem Wege zur Selbsterkenntnis die Idealität in sich als Leuchte für sein Leben erkannt hat, distanziert sich zuerst von der üblichen Selbstsucht um sich herum. Er wendet sich von allen martialischen Überlebensstrategien der Machthabenden und Meinungsbildnern ab, weil er die über alles herrschenden Gesetze der Welt ausführlich erkannt hat. Im Rahmen der irdischen Zeit, ob im Diesseits oder im Jenseits, wird alles ausgeglichen. Jeder Gedanke und jedes Gefühl bekommt seine Reflexion entsprechend seiner Vibrationsart, ganz gleich welches politische oder religiöse Etikett man ihm aufgeklebt hat. Das Bösartige wird im Bösen reflektiert und der verursachende Mikrokosmos wird zu einer Wieder-Gutmachung geführt. Das Gutartige wird im Guten summiert und der Weg des Menschen zur Freiheit wird erleichtert.

Der stoffliche Mensch ist immer nur ein Bruchteil der Persönlichkeit und niemals die Krone der Schöpfung. Außerdem besitzt jeder Mensch einen Partner im Aurischen Wesen und dessen Beziehungen zum umgebenden Jenseits. C.G. Jung nannte ihn den ganz Alten; auch andere Psychologen weisen auf diesen unterbewussten Aspekt im Menschen hin. Darüber hinaus ist seit uralten Zeiten bekannt, dass in jeden Menschen der Same einer höheren Welt gesät ist, der ihn zu den idealen Welten streben lässt. Jetzt schlummert dieser noch leblos im Gefängnis der materiellen Person. Alle Menschen haben den Auftrag sein Erwachen zuzulassen, damit er erneut eine aktive Verbindung mit den höheren Welten herstellen kann. Nun ist diese übernatürliche Welt nicht irgendwo in einem fernen Raum des Universums verborgen Das Paradies oder der Himmel werden nicht in den astronomischen Weiten des Alls gefunden. Sie müssen auch nicht durch menschliche Bemühungen, durch Tempeldienste oder tausend Opfer auf Altären vor Götterstatuen erneut hervorgebracht werden. Die vollkommene Welt berührt uns bereits seit Beginn aller Zeiten im eigenen Herzen. Dieser Berührungspunkt mit der spirituellen Dimension, mit der Monade, wie sie von Leibnitz genannt wurde, schenkt uns ein anderes Bewusstsein. Dafür muss man sich von den lauten Märkten der materialistischen Weltanschauung und den kommerziellen Wettbewerben, ganz gleich welcher Sportart, abwenden können. Für jeden, der diese leise Stimme aus seinem Herzen vernehmen kann, ist der religiöse Weg zur Selbsterkenntnis und Selbstrevolution gebahnt. Nur weil wir immer wieder das Unmögliche versuchen, wird das Mögliche zum Teil unserer Wirklichkeit.

Prinzipiell stellt unser Körpersystem mit allen Organen einen für diesen Prozess zubereiteten und geeigneten Nährboden dar. In diesem Boden kann sich aus der in uns gesäten Keimzelle das andere, das neue Wesen Mensch entfalten, der das wahre Selbst ist. Diese Selbsterkenntnis ist kein Weg des Studiums, der Vermehrung von Wissen, sondern ein Weg der erlebten Erfahrung, die eine tägliche Veränderung auslöst, die sich durch die Stimme der Stille im täglichen Leben entwickelt. Das wird nur der Mensch verwirklichen können, der die anderen Ebenen der Selbsterkenntnis auch bis zu Ende gegangen ist, und auf der Suche nach der Sinnfrage letztendlich gescheitert ist. Diese Erfahrung ist unbedingt erforderlich für die dadurch entstehenden Lebensnotwendigkeiten. Doch für diesen Prozess, um zur wahrhaftigen Selbsterkenntnis durchzudringen, ist das alte Wissen der irdischen Welt strukturell ungeeignet. Denn es geht um eine fundamentale Erneuerung des Menschen in einem Lebensfeld aus Licht, Liebe und ewig werdendem Sein.

Wie in allen Mysterien dargestellt, ist diese hier angedeutete Neugeburt des wahren Manas ein ganz besonderes Erleben der praktischen Selbsterkenntnis. Es ist ein methodisches Zerbrechen der eigenen bestehenden Denkstrukturen und Denkprogramme, ein totaler Ausverkauf vorgefasster Meinungen und Vorstellungen im eigenen Wesen. Die im Unterbewusstsein herrschenden Gedankenkomplexe und Autoritäten müssen sich für die Kraftfeinsenkung der Wahrheit öffnen und dem feinstofflichen Lebensfeld der höheren Natur anvertrauen. Der Prozess der Transfiguration kann ausschließlich aus den Radiationen des göttlichen Lebensfeldes vollbracht werden, den sogenannten heiligen Speisen, die heiligen Äther und Astralkräfte. Das ist die eine wahre Religion. Sie führt zurück in die höheren Lebensgebiete des Gottesreiches, dem ursprünglichen Lebensfeld der Kinder Gottes. Wenn in seiner Barmherzigkeit die Lichtkräfte aus dem vollkommenen Lebensfeld zum Menschen kommen können, um sein Bewusstsein soweit anzuheben, damit er die unbewussten Beherrscher seines Daseins erkennen und neutralisieren kann, wird nur eine eindeutige Ausrichtung auf die gewünschte Veränderung und Ausdauer in der Erkenntnis neuer Möglichkeiten des Handelns gefordert. Das ist verbunden mit einem kontinuierlichen Prozess der Selbsterkenntnis und Selbstbefreiung. Das ist die einzig wahre religiöse Methode, die der Menschheit seit Anbeginn aller Zeiten empfohlen wird: Wer sein ICH, den selbstbehauptenden Bewusstseinstyp, zur Seite stellen kann, und über die Sehnsucht nach dem Gottesreich die gnostischen Kräfte zu seinem Herzheiligtum durchströmen lässt, wird von der unirdischen Kraft gereinigt und befähigt, eine neue Seele zu erwecken. Das ist die Basis für ein absolut neues spirituelles Selbstbewusstsein. In dieser tiefgehenden Selbsterkenntnis wird der weitere Plan für seinen Weg im Dienst für die ganze Menschheit, der Auftrag für das allumfassende Sein erfahren und verwirklicht.

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Das Licht – Wesen und Sein

Sie sagen: Gott ist Licht. Und Christus sagt zu seinen Jüngern: Ihr seid das Licht der Menschen. Wie kann der Mensch, der in die Todesnatur versunken ist, dem Lichte ähnlich werden? Die Seelen, die der Materie des Todes anhängen und sich von ihr bestimmen lassen, werden von dem verdorbenen Licht der gefallenen Welt angezogen. Weder durch einen Prozess der Entsagung noch durch Meditation oder Yoga kann die Ich-Persönlichkeit lichtfähig werden. Das dialektische Lichtfeld kann das wirkliche Licht nur imitieren. Es führt die Seelen in den Wahn des Hochmutes und die Isolation. Die unverbrüchliche Hinwendung zu dem Licht entsteht erst aus der schmerzlichen Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit, aus der Erfahrung der eigenen Verdammnis in die Lichtferne. In dieser Hinwendung begegnen sich die Buße und die Demut im Bewusstsein.  Die im Herzen berührte Rose verlangt nach Labung durch das eine wahre Licht, damit sie erblühen kann. Sie spiegelt die Herrlichkeit des göttlichen Lichtes in das Bewusstsein des Suchers: Dieses Licht, das jetzt in Dir geboren ist, dieses Licht ist das Leben, ist die Liebe, ist Gott.


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Jeder ahnt einmal in seinem Leben, warum schon das irdische Licht für den Menschen ein ganz besonders psychologisches Phänomen ist. Es klopft jeden Tag bei der heiligsten Sehnsucht an als ein Symbol für eine ideale Welt. Das Wesen des Lichtes zu erkennen, seine symbolischen Tiefen zu ergründen, ist für den Bewohner der Lichtstadt Christianopolis ein dringendes Bedürfnis. Was sollte er mehr wollen, als seinen künftigen Arbeitsplatz zu kennen? Auch wem bewusst ist, dass er sich als irdischer Mensch erst in einer prozessmäßigen Umwandlung opfern muss, damit durch die neue Seele, der Andere dem Licht gleich werden kann, so steht er doch in der Verheißung, dass er selbst im eigenen Bewusstsein dem Licht begegnen wird.

Das symbolische Sinnbild, die Allegorie des Lichtes birgt eine Fülle von Inspirationen, warum und wieso das göttliche Licht in allen heiligen Schriften mit der Liebe verbunden wird.  Die Theorien über das Licht der großen Wissenschaftler wie Maxwell oder Max Planck dokumentieren sicher nicht das wahre Wesen des Lichtes, aber sie haben – unter dem Einfluss des allgemeinen göttlichen Bemühens um alle gefallenen Entitäten – Bilder entworfen, in denen das erwachende Bewusstsein etwas vom Wesen des unerschöpflichen Lichtes des Lebens erfassen können.  Als Maxwell seine Feldtheorien entwickelte, wurde ihm bestimmt ein Lichtstrahl aus dem neuen Seelenfeld zuteil. Für ihn war das sichtbare Licht nur ein kleiner Bestandteil des komplexen wellenförmigen Energiefeldes, das den ganzen Raum durchdringt. Damals in der Mitte des 19ten Jahrhunderts mussten die Menschen bereits durch einen Impuls aus dem mechanistischen Denken heraus gebrochen werden. Maxwells Theorien prägten die Vorstellungen von den Wechselwirkungen der Kraft-Felder aus Elektrizität und Magnetismus und der Gravitation. Seine Bilder können uns heute helfen bei der Beschreibung der elektromagnetischen Radiationen einschließlich ihrer feinstofflichen Ansichten, wie sie auch in den Interpretationen der Universellen Lehre immer wieder verwendet werden. Für den modernen Menschen ist es völlig selbstverständlich geworden, dass das sichtbare Licht nur ein winziger Bruch-Teil eines gewaltigen Spektrums verschiedener elektromagnetischer Schwingungen oder Radiowellen ist, sofern er sich überhaupt dafür interessiert. Unsere Vorstellung vom Licht wird immer geprägt von einen unüberschaubaren Spektrum vielfältigster Strahlungen.

Viele Menschen, Philosophen, Künstler und Wissenschaftler werden unter dem Einfluss von Aquarius immer wieder neue Bilder vom Dasein entwickeln, in denen sich Bruchstücke der einen Wahrheit verbergen, die der Menschheit sukzessive überbracht werden müssen. Auch wenn die Menschen die einzelnen Puzzelteile oftmals nicht vereinen können, so werden sie doch auf diese Weise ganz liebevoll auf die Berührung mit dem göttlichen Licht vorbereitet. Das Licht nähert sich ihrem Bewusstsein überaus gütig und barmherzig. Wer verstehen kann, warum er sich von den bestehenden Denkmustern abwenden muss, tritt viel leichter in die so notwendige Selbsterkenntnis und Welterkenntnis ein. Wem im eigenen Bewusstsein klar wird, dass er selbst in gewisser Hinsicht bereits Licht ist, – auch wenn es leider nur das irdische Licht ist – wendet sich viel eher vom klassischen mechanistischen Weltbild ab, das nur in die Irre führt. In diesem Wissen wirkt der Abstand zwischen der erfahrbaren Realität zum Glauben an einen Schöpfergott nicht mehr so gigantisch. Und das ist schon ein großer Fortschritt.

Das Licht wurde im letzten Jahrhundert in allen seinen Aspekten ausführlich untersucht. Nun tritt es den Menschen in vielfältigen Bildern entgegen, die von sehnsüchtigen Künstlern des Impressionismus, des Kubismus und der Moderne dargestellt wurde, und es ist herrlich zu sehen, wie viele Analogien für das göttliche Licht uns bereits geschenkt wurden. Ist der gnadenvolle Aspekt dieser liebevollen und ausgesprochen geschickten Unterweisung bereits in allen Menschen zu erkennen?Heute im 3ten Jahrtausend können wir leicht verstehen, dass das Licht als ein Doppelwesen wirkt, als wären es zwei unterschiedliche Kraftströme. Einerseits schwingt es wie ein elektromagnetisches Feld aus vielen hochenergetischen Wellen. Andererseits offenbart es sich als Baumaterial des Alls, als Prima Materia, in dem sich das Leben des Alls auch physisch entfaltet.

Die „komplementäre“ Beschreibung des Lichtes aus Weisheit und Kraft begegnet uns bereits in der Genesis. Hier können wir über das Doppelwesen des Lichtes lesen: „Und der Geist schwebte über den Wassern.“ wie es zu Beginn der Schöpfungsgeschichte heißt. In der Zusammenwirkung von primär geistigen Radiationen und Vibrationen für die Manifestierung der Idee vollzieht sich die heilige Schöpfung, jetzt und zu jeder Zeit. Die Verbindung und die Verwirklichung in der Liebe ist die harmonische Manifestation der weiblichen und der männlichen Potenz in allen Aspekten. Sie ist wesenseins mit dem Licht und aus dem Licht.

Wenn die Sonne mit ihren Facetten wie eine Rosa Mystica vor der Seele aufleuchtet, wird durch diese Schönheit das ganze Wesen von ungewohnten Bildern durchglüht. Neue Seiten des Gemütes kommen zum Klingen. Sie weisen auf die überaus wunderbaren Attribute des göttlichen Lichtes.  Im Licht erstrahlt als erstes die Helligkeit bis in unvorstellbare Weiten und Tiefen. Das Bild für die ewige Geduld und Fürsorge. Die Helligkeit ist immer da, wo das Licht erscheint. Sie vertreibt liebevoll die Dunkelheit, die Unkenntnis und jede Angst. Mit ihr wachsen die Sicherheit und das Vertrauen in den nächsten Schritt, für die kommende Tat.

Mit jedem Licht erstrahlt die Wärme. Das Bild der unaussprechlichen Gnade und Hilfeleistung. Das, was das Sonnenlicht bescheint wird, erwärmt. Dort wird die Welt lebendig, der Frost löst sich auf, Blumen können erblühen. Das Licht schenkt voller Güte die notwendige Wärme für das Leben. Das Leben spendende Licht der Sonne gleicht einer Gottheit, weil sie über alles erhaben von einer unfassbaren Größe und Energiefülle sich ohne Ansehen von Gut und Böse allen uneingeschränkt zur Verfügung stellt. Damit wird eine unfassbare Gnade verdeutlicht, vor der alle Wesen gleich sind. Alle Sagen dieser Welt, alle Mythen und Sonnenreligionen, können diese Barmherzigkeit in ihrer Herrlichkeit nicht umfassen.

Die Art und Weise, wie sich das Licht für uns Sterbliche offenbart, ist erstaunlich rücksichtsvoll und bescheiden. Seine Leuchtkraft und seine Wärme entfalten sich erst dort, wo sie einen Gegenstand berühren. Zwischen der Lichtquelle und dem beleuchteten Objekt ist das Licht vollkommen transparent und unscheinbar. Es bleibt bis zu seiner Kraftentfaltung unsichtbar. Es nimmt auch Rücksicht auf das beleuchtete Objekt selbst. Denn die Art der beleuchteten Oberfläche bestimmt wesentlich, welcher Anteil des Lichtes reflektiert und welcher Teil als Wärmeenergie aufgenommen wird. Alles Licht vereinigt sich mit jedem anderen Licht im Raum. Sehen Sie das Bild der Einheit und Gemeinsamkeit. Viele Lichter bilden eine gemeinsame Helligkeit, bilden eine Zusammenfügung aller ihrer verschiedenen Farben. Scheinen die Grundfarben zusammen, so summieren sie sich zu reinem Weiß. Wie viele Farben auch zusammen kommen, es gibt immer eine gemeinsame Wirkung. In der Leuchtquelle ist das Licht noch individuell gefärbt, jedoch in seiner Handlung vereint es sich mit allen anderen. Erst im Schatten differenzieren sich die Farbklänge wieder.

Betrachten wir z.B. die Art der Lichtentstehung am Bild einer banalen Glühbirne. In einem möglichst reinen Werkstoff schwingt Elektrizität in einem elektromagnetischen Feld. Durch die Spannung und Intensität des Stromes erhitzen sich die Atome des Werkstoffes und geben jetzt ihrerseits die aufgenommene Energie als Licht und Wärme wieder ab. Auch im Mikrokosmos des Menschen kann das elektromagnetische Fluidum der Gnosis schwingen, wenn er sich in serener Atmosphäre dem Christuslicht zuwendet, wird der Hermesstab in ihm errichtet, dann kann das göttliche Licht in Gnade und liebevoller Geduld auch nach außen treten Betrachten wir noch das Bild der Langmut: die Sonne scheint unaufhörlich zu scheinen, als könnte sie niemals ausgehen. Wie ein Perpetuum Mobile verfügt sie über unerschöpfliche Energiereserven. Viele meinen, sie ist nur ein gigantischer Ball aus atomaren Kernexplosionen. Doch wir wissen es, sie wird ernährt und gehalten aus der Kraft der Sonne hinter der Sonne – aus Vulkanus. Das aus Vulkanus hervorbrechende Licht trägt den ganzen Kosmos. Dieses geistige Licht ermöglicht die Befreiung vom Rad des Todes und verweist durch sein Wirken alle Menschen auf das eine wirkliche Leben.

Ohne die Gnade des Schöpfers können wir die Bilder, die er in die Natur ausgestreut hat, nicht erkennen. Mit seiner Hilfe kann sich jeder in das neue Bewusstsein erheben, dass den Schöpfungsplan erklärt. So wird auch auf diese Weise das Christusgeschehen verständlich, das mit den Sätzen angedeutet wird: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8/12) Bereits im Licht der irdischen Sonne beweisen sich die gnadenvolle Wahrheit und die umfassende Weisheit der göttlichen Liebe und seiner Macht. Die Liebe Gottes, die alle Menschen zur Nachfolge auffordert, kann von jenen bewusst erfahren werden, die sich in ihrem Leben konsequent den Bedingungen seines Lichtes fügen wollen. Durch die Verwirklichung seiner Lichtgesetze können sie selbst lichtähnlich werden.

Und so steht es im Evangelium des Phillippus Vers 44: „Niemand kann etwas Unvergängliches wahrnehmen, außer er wird selbst unvergänglich. Es ist mit der Wahrheit nicht so wie auf der Welt, wo der Mensch die Sonne sieht, ohne selbst die Sonne zu sein, wo er den Himmel sieht und die Erde und alles übrige, ohne selbst Himmel, Erde und dergleichen zu sein. Sondern im Reich der Wahrheit siehst du etwas von ihr und wirst selbst zu ihr. Du siehst den Geist und wirst selbst zu Geist. Du siehst Christus: Du wirst Christus. Du siehst den Vater: Du wirst zum Vater. Hier auf dieser Welt also siehst Du alle Dinge, siehst aber Dich selbst nicht. In der anderen Welt siehst du dich selbst, denn was du dort siehst, das wirst du selbst.“ Das Licht des Lebens ist die Wahrheit und die Güte selbst. Der neue Mensch steht nicht in einem neuen Licht, er ist aus diesem Licht. Es ist das pure Sein in der vollkommenen Übergabe an den Plan Gottes im Universum. Das göttliche Licht ist das Wesen seiner Welt, es ist Wirken und Sein. Dieses herrliche Licht besteht ewig, weil es sich nicht verzehrt, sondern sich in einem unendlichen Kreislauf liebevoll wegschenkt. So wird es immer größer, herrlicher in unfassbarer Glorie und Macht. Selbst seine irdischen Abbilder strahlen noch voller Herrlichkeit.

 

Rechtgläubigkeit oder Gnosis

aus Karl-Heinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums Band 1

AM ANFANG DES CHRISTENTUMS STAND KEINE «RECHTGLÄUBIGKEIT»

Nach kirchlicher Lehre beginnt das Christentum mit «Orthodoxie», mit «Rechtgläubigkeit», der dann die «Häresie» (airesis = die erwählte Meinung) als Abweichung gleichsam vom Ursprünglichen, seine Verfälschung, folgte. Der Begriff «Häresie» , bereits im Neuen Testament vorhanden, erscheint erstmals eindeutig negativ bei Bischof Ignatius im frühen 2. Jahrhundert, der auch als erster den Begriff «katholisch» bringt – Jahrzehnte noch bevor es eine katholische Kirche gibt. Doch das Wort «Häresie» hatte ursprünglich keinesfalls die Bedeutung, die es bekam. Biblische wie jüdische Autoren gebrauchten es anfangs nicht als Gegensatz zu dem – ja erst entstehenden – Phänomen der Orthodoxie. Vielmehr bezeichnete «Häresie» auch in der klassischen Literatur zunächst nur irgendeine wissenschaftliche, politische oder religiöse Ansicht, Gruppierung, Partei. Allmählich jedoch bekam der Begriff den Beigeschmack der Absonderung, wurde er diskreditiert, wurde der «Häretiker» zum «Ketzer», wenn dieser Ausdruck selbst auch erst seit dem 12. Jahrhundert in Deutschland üblich wird.


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Das Schema aber: erst «Rechtgläubigkeit» dann «Ketzerei», das die Kirche schon zur Aufrechterhaltung ihrer Fiktion einer angeblich ununterbrochenen apostolischen Überlieferung braucht, ist nichts als eine nachträgliche Konstruktion und offenkundig falsch – so falsch wie die Lehre von dieser Tradition selbst. Das Geschichtsbild, das an den Ursprung des Christentums die reine, unverdorbene Lehre stellt, die im Lauf der Zeit durch Häretiker und Schismatiker beschmutzt worden sei – «diese beliebte Abfalltheorie», schreibt heute selbst der katholische Theologe Stockmeier, «entspricht nicht der historischen Wirklichkeit». Vielmehr konnte es eine solche Entwicklung gar nicht geben, weil nirgends anfangs ein homogenes Christentum bestand. Es gab nur locker gefügte Glaubensanschauungen und -sätze. Aber es gab «sicher» weder ein «maßgebliches christliches Glaubensbekenntnis (authoritative Christi an creed) noch irgendeinen bestimmten Kanon der christlichen Heiligen Schrift» (E. R. Dodds). Selbst der Rekurs auf Jesus nützt da nichts, weil die ältesten christlichen Schriften nicht die Evangelien, sondern die Briefe des Paulus sind, die den Evangelien in Wesentlichem widersprechen, von weiteren großen Problemen hier zu schweigen.

Nicht an gleiche, sondern an sehr verschiedene Überlieferungsströme und -formen also knüpfen die frühen Christen an. Schon in der Urgemeinde rivalisierten mindestens zwei Fraktionen, «Hellenisten» und «Hebräer». Auch zwischen Paulus und den Uraposteln kam es zu heftigem Streit. Und was später verteufelt, verfolgt worden ist, war den Ursprüngen oft durchaus näher als die «Rechtgläubigkeit», die es dann verketzerte. Zum Beispiel aus machtpolitischen Gründen, wobei man immer wieder die Theologie, den angeblich «rechten» Glauben, vorschob, um kirchen-politische Konkurrenten besser bekämpfen zu können. Oder aus Gründen der Opportunität, weil ein solcher Glaube dem vorherrschenden Glauben einer Gegend entsprach.

In gewissen Gebieten Kleinasiens, Griechenlands, Makedoniens, besonders aber in Edessa, Ägypten, somit in einem großen Teil der alten Welt, wurde das Christentum von Anfang an (!) in einer Form gepredigt, die nicht dem entsprach, was man nachmals «orthodox» nannte! Doch galt sie natürlich in all diesen Gebieten als das Christentum schlechthin. Auch sah ihr Anhang gerade so hochmütig und borniert auf andere Gläubige, etwa orthodoxe Christen, herab wie diese auf sie. Denn jede Richtung, Kirche, Sekte hielt sich für das «eigentliche», das «wahre» Christentum.

Somit stand weder eine «reine Lehre» im protestantischen Sinn am Beginn des neuen Glaubens, noch eine katholische Kirche. Vielmehr erfolgte nach der Trennung einer judaistischen Sekte von ihrer jüdischen Mutterreligion als zweiter großer Schritt die Entstehung der heidenchristlichen Gemeinden unter Führung des Paulus – häufig in scharfer Auseinandersetzung mit den Judenchristen, den Uraposteln in Jerusalem. Dann konstituierte sich in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts die Kirche Markions, die das ganze römische Reich umspannte und wahrscheinlich internationaler war als die in der zweiten Jahrhunderthälfte sich bildende altkatholische Kirche, die mit Ausnahme des religiösen Grundgedankens fast alles von Markion übernahm, dem Schöpfer auch des ersten Neuen Testaments.

Nach der communis opinio entstand die altkatholische Kirche zwischen 160 und 180. Die bisher rechtlich voneinander unabhängigen Gemeinden schlossen sich nun zusammen, suchten eine Einigung über die christliche Lehre und entschieden, wer als «rechtgläubig» zu gelten habe und wer nicht. Auch diese Kirchen aber waren kein fertiger, unveränderlicher Hort der «Orthodoxie », sondern eigentümlich flexibel. Und die bald immer zahlreicher auftauchenden «Häretiker» und «Häresien» brachen nicht von außen in die Kirche ein – dies «ist nachweislich ungeschichtlich» (v. Soden). Vielmehr kamen diese «Ketzer» gewöhnlich von innen heraus. Doch da man ihre meisten Schriften vernichtet hat sind wie nur sehr einseitig, entstellend, oft völlig falsch über sie unterrichtet.

Im späteren 2. Jahrhundert, als sich die katholische Kirche konstituierte, höhnt der heidnische Philosoph Celsus seit die Christen zu einer Menge angewachsen seien, entstünden unter ihnen Spaltungen und Parteien, und jeder wolle sich – „denn danach trachteten sie von Anfang an» – einen eignen Anhang schaffen. «Und infolge der Menge trennen sie sich wieder voneinander und verdammen sich dann gegenseitig; so dass sie sozusagen nur noch eins gemeinsam haben, nämlich den bloßen Namen .. . im übrigen aber hält es von den Parteien diese so und jene anders!» Im frühen 3. Jahrhundert kennt Bischof Hippolyt von Rom 32, Ende des 4. Jahrhunderts Bischof Philaster von Brescia 128 konkurrierende christliche Sekten (und 28 vorchristliche «Häresien»!).

Doch da politisch machtlos, tobt die vorkonstantinische Kirche, wie gegenüber den Juden, sich auch im «Ketzer»-Kampf vorerst bloß verbaliter aus, kommt zu dem stets schwerer werdenden Zerwürfnis mit der Synagoge, die gleichfalls immer gehässigere Konfrontation mit allen andersgläubigen Christen. Ist ja gerade für die Kirchenväter jede Abweichung vom Glauben die schlimmste Sünde. Das nämlich brachte Spaltung, Anhängerschwund, Machteinbußen. So suchte man bei der Polemik weder den anderen Standpunkt wirklich kennen zu lernen noch klärte man, weil oft unmöglich oder gefährlich, ganz über den eigenen auf. Vielmehr war es das einzige Ziel, «den Gegner mit allen verfügbaren Mitteln zu schlagen» (Gigon). «Die antike Gesellschaft hatte wegen ihres sehr anderen, undogmatischen Religionsverständnisses solche Glaubensstreitigkeiten vorher nicht gekannt» (Brox).

Das Licht, das Gute und das Schöne

von Dionysos Aeropagita

DIE OFFENBARUNG DER GOTTHEIT.

Wir müssen zunächst die ganz und gar vollkommene Art der göttlichen Einung und der göttlichen Unterscheidung auseinandersetzen; wir müssen alles nur unbestimmt Flimmernde und Undeutliche vermeiden, das Charakteristische herausheben, das Bezeichnende feststellen und nach unseren Kräften gut ordnen und deuten.

Die heiligen Eingeweihten verstehen unserer theologischen Überlieferung nach unter göttlicher Einung jene geheime Wirklichkeiten, die tiefgründiger als jeder Urgrund und darum nicht mitteilbar sind. Sie führen bis zur Höhe jener Einheit empor, die uns unerreichbar, unsagbar und unerkennbar ist. Und dieselben Theologen nennen göttliche Sonderung jedes wohltätige Offenbarwerden der Urgottheit, d. h. alle ihre Äußerungen im Hinblick auf uns. Im Anschluss an die Heilige Schrift reden sie auch von den Eigentümlichkeiten der erwähnten Einung und behaupten, dass auch die Sonderung wieder in Einungen und Sonderungen geordnet werden müsse.


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Ein Beispiel: gemäß der wahrhaft göttlichen Einheit des urgöttlichen Wesens, das jenseits aller Wesen ist, müssen wir der ureinen Dreifaltigkeit folgende einheitlich gemeinsamen Eigenschaften zuschreiben: ihr heiliges Vorhandensein überragt alles Wesenhafte, ihre heilige Göttlichkeit übersteigt jedes einzelne Göttliche, ihr allwirkendes Gute reicht über alles wirkende Gute hinaus und ihre heilige Identität – ihr über alles erhabenes SichSelbst-Ewig-Gleich-Bleiben – umfasst und sprengt alle einzelnen Eigentümlichkeiten in ihrer Ganzheit. Die heilige Dreifaltigkeit ist deshalb eine Einheit auch noch jenseits und oberhalb des Prinzips der Einheit selbst, denn sie ist jenseits von jeder Eigenschaft, und ebenso jenseits von Unsagbarkeit, Vielheit oder Vielnamigkeit, jenseits von Unkennbarkeit oder allbegreifendem Weltverstehen, jenseits von allumfassendem Bejahen, allumfassendem Verneinen, Übersteigen, Unerreichbarbleiben –
ja sie ist auch noch jenseits des Nicht-mehr-berührt-werden-könnens von jedem Ja und von jedem Nein.

Sie ist das Verbleiben und Ruhen der ureinheitlichen Hypostasen ineinander, die Urgrundlage und der Fortbestand aller persönlichen Grundwesenheiten der heiligen Dreifaltigkeit in ihrer Einheit und Allgegenseitigkeit, in ihrer Einheit vollkommen auch noch jenseits des Prinzips jedes Einsseins selbst, in ihrer Allgegenseitigkeit vollkommen auch noch jenseits von jedem Unterscheiden, Trennen oder Verbinden, also ohne jede Vermischung.

Wenn ich hierzu einen sinnfälligen Vergleich mit uns vertrauten Gegenständen wagen darf: wir sehen doch auch, wenn in einem Raume viele Lampen sind, dass alle ihre Lichter sich zu einer einzigen Helligkeit vereinen und, wo sie Licht geben, einen einzigen ununterschiedenen Glanz ausstrahlen. Niemand – so vermute ich – dürfte da imstande sein, das Licht einer einzelnen Lampe von den anderen Lichtern auszusondern, etwa im Flimmern der alle Lichter umfangenden Luft, um das eine ohne das andere zu sehen, denn alle Lichter sind ganz im Ganzen, und ohne Vermischung dennoch ineinander vereint.So wie aber jemand in den Raum eintritt, in welchem viele Lampen dicht nebeneinander vereint leuchten, und auch nur eine von diesen Lampen ergreift und mit ihr diesen Raum verlässt, so wird auch das betreffende Licht ganz mit hinaus folgen, ohne irgend etwas von den übrigen Lichtern mit sich fortzunehmen oder von dem seinigen irgend etwas zurückzulassen. Ihre vollkommene, totale Einigung war also genau wie ich sagte durchaus unvermischt geblieben, in keinem Teile vermengt und doch Eins. Und das traf tatsächlich zu, schon bei einem geschaffenen Stoff, nämlich der beleuchteten Luft, und bei dem an materielles Feuer gebundenen irdischen Licht!

Deshalb sagen wir, dass die überwesentliche Einheit über alles erhaben ist: nicht nur über die Einungen von Körpern, sondern auch selbst über die der Seelen und sogar über die Einungen unter den Geistern. Als Lichter außer- und oberhalb aller Welt und als Spiegel der Gottheit sind ihnen Einungen möglich, die unvermischt und überweltlich bleiben – gemäß der Teilnahme, die den Teilnehmern an der über alles erhabenen Einung angemessen ist. Es gibt aber noch eine andere Unterscheidung. In den Offenbarungen über das Wesen Gottes jenseits von allem Wesenhaften geht es nicht nur darum, dass die drei göttlichen Personen auch in ihrer Dreieinigkeit fortbestehen, jede unvermischt und unverwechselbar, als Grundeinheit.

Auch dies ist deutlich, dass nicht als wechselseitig verstanden werden darf, was auf die überwesentlich göttliche Zeugung sich bezieht. Nur der Vater allein ist die eine Quelle der überwesentlichen Gottheit – da der Vater nicht als Sohn und der Sohn nicht als Vater auftritt, und auch die Lobpreisungen der Heiligen Schrift beachten ehrfurchtsvoll bei jeder der urgöttlichen Hypostasen deren Eigentümlichkeit als Person. Dies also ist das wichtige Gebiet der göttlichen Einungen und der göttlichen Sonderungen im Hinblick auf den überwesentlichen Seinsgrund und auf die überwesentliche Einheit des Unsagbaren. Wenn auch der angemessene Maßstab für die göttliche Urgüte ein göttliches Unterscheiden ist – soweit sich das Einige erweitert und vervielfältigt, sei es auch auf überwesentliche Art – so bleibt doch auch in dieser göttlichen Verschiedenheit das Vielfältige stets geeint: so die Mitteilung des Unfassbaren, so die Erschaffung einzelner Wesenheiten, so die Erschlaffung einzelner Lebensformen, so die schöpferische Setzung von Weisheiten, und so die übrigen Gaben der allein alles verursachenden Güte. Man könnte auch sagen: die daran Teilnehmenden offenbaren in ihrer Teilnahme selbst genau das, woran teilzunehmen nur durch Teilnahme am Unteilnehmbaren möglich ist.

Auch dies nämlich ist für die ganze Gottheit ein Gemeinsames – geeint und ewig –, dass jeder der teilnehmenden überwesentlichen Wesen am Ganzen der göttlichen Unendlichkeit teilhat. Und nicht bloß an irgendwelchen Teilen: So wie am Mittelpunkt eines Kreises jede der seinem Umfang einhüllenden Geraden gleichvollen Anteil nehmen. Oder so wie alle die vielen Abdrücke eines Siegels vollen Anteil an der prägenden Originalform haben, ohne dass in irgend einem der Abdrücke des ganzen und immer gleichen Siegels irgendein besonderer Teil der Originalform sich befände. Die Unmittelbarkeit des Mitteilens und Bewirkens durch die allursächliche Gottheit ist freilich auch über solche Analogien erhaben, denn hier gibt es keine Berührung durch die Anteilgebenden, noch irgendwelche Vermischung oder Gemeinschaft des unendlichen Schöpferwirkens mit der Endlichkeit derer, die Anteil an Ihm zu nehmen gewürdigt sind.

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Auch den göttlichen Geistern wird Bewegung zugeschrieben – nämlich eine kreisförmige. sofern diese Geister untereinander durch die Bande des Schönen und Guten geeint sind, und durch die unerschöpflichen Erleuchtungen, die ihnen allen daraus kommen, dass dieselbe Kraft sie beseelt. Und eine geradlinige Bewegung ist an ihnen zu erkennen, sofern sie in Fürsorge für die tiefer stehenden Ordnungen immer weiter getrieben, in gerader Richtung alles durchdringen. Aber auch eine spiralförmige Bewegung: denn trotz ihrer Fürsorge für die schwächeren Wesen verbleiben sie ja stets in ihrer Selbstgleichheit, ohne aus sich jemals herauszugehen. Das ist nur möglich, weil sie die Ursache dieser ihrer Selbstgleichheit unaufhörlich umkreisen: das Schöne und Gute.

Auch die Seele bewegt sich. Für die Seele bedeutet die kreisförmige Bewegung ihr Eindringen gleichsam von außen tiefer in sich selbst, nämlich eine eigengestaltige Zusammenfassung ihrer eigenen geistigen Kräfte, die sie von Abschweifungen bewahrt, sie von der Vielheit aller äußeren Dinge hinweg wendet, zu sich selbst zurückwendet, so dass sie sich im eigenen Seelenbereich zu sammeln vermag, also zuerst im eigenen Seelengrund. Dann, da sie nunmehr eingestaltig geworden ist, strebt sie zu den durch Läuterung ein artig gewordenen Mächten empor, zu den Engeln, und lässt sich von ihnen zum Schönen und Guten leiten, das über allen Wesen ist, stets Eines, stets Dasselbe, ohne Anfang und ohne Ende.

Spiralenförmig wird die Seele bewegt, insofern sie ihrer Natur gemäß von göttlicher Erkenntnis erleuchtet wird, und zwar nicht auf direkte geistige und geeinte Weise, sondern durch diskursive Schlussfolgerungen, gleichsam durch Gegensätze, die aufeinander abzustimmen sind, also durch gemischte und gegenständlich abwechselnde Tätigkeiten.Die geradlinige Bewegung der Seele endlich ist jene, in welcher sie weder in sich selbst sich vertieft (denn das wäre, wie gesagt, die kreisförmige Bewegung) noch auch dialektisch aufnimmt und lernt (denn das wäre die spiralenförmige), sondern lehrend und wirkend in ihre Umgebung hinaustritt – aber auch da lässt sie sich von den Außendingen anregen, doch alle mannigfachen und vervielfältigenden Symbole führen sie dann wieder zu den einfachen und geeinten Begriffen des Guten und Schönen empor.

Ursache aller drei Bewegungsweisen ist also in diesem ganzen Universum immer nur das Schöne und Gute, das selbst über jedes Stehen, Ruhen, Kreisen und Bewegen erhaben ist. Es bewirkt alles dies sowohl in den Geistern und Seelen als auch in den nur mit Empfindungen begabten Wesen – und es ist noch viel mehr Ursache der Beharrlichkeiten, Stetigkeiten, und Festigkeiten jedes Dinges. Das Schöne und Gute ist tatsächlich das Band, das immer alles zusammenhält und zusammenschließt, während alles in Bewegung ist und es selbst über aller Bewegung und auch über aller Stetigkeit erhaben ist. Das Schöne und Gute ist wahrhaftig dasjenige, durch welches, aus welchem, in welchem, zu welchem hin und um dessentwillen alle Stetigkeit und Bewegung in dieser Welt ist. Denn nur aus dem Schönen und Guten und nur durch das Schöne und Gute existiert alle Wesenheit, gibt es Sein und Wesen und Gegenwart und Leben – sowohl des Geistes als auch der Seele. Aus ihr stammen die kleinsten, die mittleren und die ungeheueren Größenverhältnisse der Gesamtnatur, alle Maße, alle Entsprechungen und Ähnlichkeiten und Ganzheiten, Teilbarkeiten, Vielfältigkeiten, Verknüpfungen und Beziehungen, das Allein und das Zusammen, die Einheit in der Vielheit, die Vollkommenheiten, Eigenschaften, Qualität und Quantität, die Abstände, die Vergleiche, die Unterscheidungen, Unendlichkeiten, überhaupt jedes Ende, jede Grenze, jede Ordnung, ebenso die Vorränge, Elemente, Gestalten, Wesenheiten und Mächte – das Prinzip selbst jeder Wirksamkeit, jedes Zustandes, jeder Empfindung, ja die Möglichkeit des Bedeutens von Worten, Erkenntnissen, Wissenschaften, Berührungen und Einungen: kurz alles, was ist, stammt aus dem Schönen und beruht auf dem Guten, wendet alle seine Wesensäußerungen bewusst oder unbewusst auf das Schöne und absichtlich oder unabsichtlich auf das Gute. Oder sagen wir: alles was ist und wird, ist und wird wegen des Schönen und Guten. Alles schaut nach ihm, wird von ihm bewegt, wird von ihm zusammengehalten. Um seinetwillen und durch dasselbe und in ihm hat sich jedes vorbildliche Prinzip gebildet, jede vollendende, bewirkende, gestaltende Kraft, jedes Elementare, einfach jede Grundkraft, ja das Prinzipielle überhaupt, sowie jeder Zusammenhalt und jeder Abschluss.

Die holografische Schöpfung

Zu allen Zeiten waren und sind sich die weisen Männer und Frauen der umfassenden Einheit des gesamten Alls bewusst. Da stellt sich dann doch die Frage: Warum gerade der aufgeklärte westeuropäisch-amerikanische Mensch so stark der Individualisation anhängt und sich mit allen Mitteln des Exibitionismus als eine abgegrenzte Persönlichkeit profiliert? Und gleichzeitig entstehen heute besonders in internationalen Firmen, IT-Unternehmen und Handelsriesen große kreative Teams, selbst bei leitenden Abteilungen. Sogar klerikale Institutionen verlassen sich immer mehr auf große Gruppenstrukturen statt auf einzelne Autoritäten. Liegt es nur daran, dass ein Einzelner sich leichter irren kann? Ist vielleicht hinter diesem Trend etwas ganz anderes zu erkennen?


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn bitte mir zu.  Vielen Dank.


Die Spatzen pfeifen es schon von allen Dächern: Die Aquariuszeit hat begonnen. Kann man heute schon wirklich einschätzen, was das so Besondere an dieser Wendezeit von den Fischen zum Wassermann ist? – Erleben wir bereits die sich verstärkende Dynamik der anlaufenden kosmischen Veränderungen? – Ist es nur die wachsende Offenlegung bestehender Verborgenheiten, insbesondere der diversen Ungereimtheiten in Politik, Kirche und Kommerz? – Wir erleben eine Hyperventilation in der weltweiten Kommunikation. Die weltweiten Entwicklungen der Computer, des Internet, GPS und Smartphones überschlägt sich. Wird dadurch alles Geschehen noch transparenter? – Was bricht sich wirklich Bahn? – Der Wassermann demaskiert nicht nur alle und alles, sondern löst mit der Zeit die bestehenden autokratischen Festungen auf und verbindet autonome Menschen zu Gruppen zusammen, wie z.B. die Kluster im Wasser. Nichts und niemand ist davon ausgenommen. Das ganze Weltgefüge wird zunehmend geprägt von Gruppengebilden in mehr oder weniger demokratischen Ordnungen.

Aquarius als eine Geistesströmung macht alles feinstofflicher und durchsichtiger, zerbricht die bislang kristallisierten Strukturen. Jede philosophische oder religiöse Behauptung muss sich im offenbarenden Licht der neuen Realität beweisen. Gleichzeitig erleben viele Menschen heute eine unerklärliche Hilflosigkeit gegenüber allen politischen und finanziellen Entwicklungen. Sie stehen fast ohnmächtig vor den gesellschaftlichen Veränderungen, weil sie die Buchstaben der Aquariuszeit noch nicht erkennen können, um die sich entwickelnde Realität zu lesen und zu verstehen.

Die Menschheit steht in dieser Entwicklungsperiode vor einer unfassbaren Forderung, die durch die Einflüsse der neuen kosmischen Zeit in jedem Menschen zu einem quälenden Drängen geworden ist. Alle Menschen müssen sich von den bislang so erfolgreich praktizierten Methoden des Individualismus und der Egozentrik verabschieden. Längst wird es auch von einigen Philosophen und Psychologen geahnt und veröffentlicht: Horst-E. Richter proklamiert das Ende der Egomanie. Ken Wilber begründet mit zahlreichen Experimenten und Fallstudien das holografischen Weltbild. R. Sheldrake schreibt zusammen mit anderen Wissenschaftlern über die morphogenetische Felder der Natur. Ervin Laszlo dokumentiert mit zahlreichen Wissenschaftlern der Psychologie und der Parapsychologie das Akashafeld. Überall erfahren die Menschen aus ihrem Umgang miteinander, dass das Zeitalter der einzelnen Genies, der Herrenmenschen und der Patriarchen abgelaufen ist. Die Individualisierung ist über ihren Höhepunkt hinausgewachsen. Jedoch wollen viele diesen Trend noch nicht wahrhaben, weil ihren gut funktionierenden Machtstrukturen dadurch die Basis entzogen wird. Natürlich setzen sie erst einmal alles daran, die bestehenden persönlichen Verbindungen in Politik, Kultur, Schulung und Wirtschaft zu stabilisieren. Trotzdem beginnt sich eine neue Art der Gruppenwirksamkeit auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Miteinanders durchzusetzen. Das wurde auch besonders deutlich, als die Menschen in Nordafrika und im ehemaligen Ostblock auf die Straßen gingen, um radikal ihre demokratische Rechte von den Regierungen einforderten. Auch in Europa und Amerika sind die Menschen nicht mehr so ohne weiteres bereit, sich den autoritären Vorschriften der Machthaber zu beugen.

Was offenbart sich uns in dieser Strömung des Wassermannzeitalters? – Ist es etwas vollkommen Neues? – Etwas, das jetzt erst entstanden ist? – Nein, das was sich heute Bahn bricht, ist bereits so alt wie der Sündenfall! Es wird aktuell nur deutlicher sichtbar, sozusagen unübersehbar. Die für alle Menschen anstehende Erweiterung des Bewusstseins verdrängt Schritt für Schritt die autoritären Komplotts der heute noch bestimmenden Autoritäten.

Durch die sich ändernden kosmischen Strahlungen wird der Vorhang vor einer Tatsache endgültig beiseite gezogen, die schon immer das Grundprinzip im Werden des irdischen Daseins gewesen ist. Für eine Zeitspanne von ca. 2600 Jahre wurden die Menschen in ihrer selbstgeschaffenen Verblendung gefangen gehalten, dass sie die Macher und Gestalter der Welt wären. Und darum bezogen sie dann den Auftrag von Jehova: „Mache Dir die Erde untertan!“ auf die irdische Persönlichkeit. Doch das war leider der Beginn eines gigantischen Wahns. Auch wenn einige gewaltigen Aufklärer auf der Erde inkarnierten, um die Menschheit zu wecken, fielen die Menschen stets wieder in einem Dämmerschlaf. Heute, nach ungezählten Kriegen und zahllosen Katastrophen erwachen so langsam da und dort einige unruhigen Geister. Aber noch immer ist die Welt nicht ganz erwacht. Es scheint, dass sie für die neuen Forderungen des erwachsen werdenden Bewusstseins noch nicht wirklich reif geworden ist.

Es stellt sich erneut die Frage: Was hindert die Menschen nur daran, endlich wach werden? – Könnte es vielleicht sein, dass der hochgepriesene Intellekt hierbei die Fessel ist? – Oder ist die Hängematte für ein verantwortungsloses „Es wird schon werden! Inschallah.“ aus den dogmatischen Denkbildern und Tabus der autokratischen Gesellschaft geflochten?

Der Bildervorrat, der dem natürlichen Verstandesdenken zur Verfügung steht, ist von den äußeren Bildern angefüllt, die mit den fünf Sinnen von der materiellen Welt und ihren Ereignissen abgenommen ins Gedächtnis gespeichert wurden. Von ihm wird dann auch bestimmt, wie und was der Mensch wahrnehmen kann und darf. So wird das Sehen und Hören zunehmend materieller und kristallisierter. Der Mensch kann seine Umwelt immer weniger symbolisch oder allegorisch erfassen. Noetische Empfindungen werden ignoriert oder mit dem Etikett Zufall oder Märchen versehen. Das Sensitive und Intuitive zwischen den Dingen wird gerne übersehen, obwohl es immer noch das Wesenszentrale im Leben bestimmt. Die Gleichnisse und Allegorien aus früheren Zeiten entziehen sie sich dem rationellen Überheblichkeitsmenschen. So bleiben diese mythischen Bilder aus den feinstofflichen Welten nur metaphysische Klänge am Rande einer stets chaotischer werdenden Realität. So können diese ungenehmigten Bilder einer geistigen Welt um uns in der Breite kein neues Denken auslösen, sondern die Reaktion in den bestehenden Lebensstrukturen wird vorerst konservativ bleiben.

Aber auch die neuen Abstrakta können noch nicht von allen Menschen aufgenommen werden. Gedanken rein verbal-philosophischer oder mathematisch-logischer Art, die an die Gedankenwelt eines Pythagoras anknüpfen und die Grundstrukturen der großen Pyramide von Gizeh mathematisch mit den Bedeutungen des Tarot und der Kabbala abgleichen (Axel Klitzke), werden nur von einzelnen wirklich verarbeitet. Die Forschungen von Graham Hancock, Oswaldo Rivera, John Grigsby und Robert Bauval machen den modernen Menschen auf die unvorstellbare Metaphysik historischer Zeiten bewusst. Doch diese Erkenntnisse werden dann gern in einen Raum der Bewunderung und der theoretischen Abhandlung gestellt. Denn die damit verbundenen Feststellungen sprengen den zugelassenen Rahmen der Ägyptologen und Historiker, mit dem sich alle Publizisten mittlerweile ganz häuslich eingerichtet haben. So werden die grandiosen Forschungsergebnisse unserer Zeit nur ein weiteres metaphysisches Theorem, über das man sich gerne mal in einigen Freiräumen am Rande der „harten Wirklichkeit“ wundert. Doch mittlerweile gibt es immer mehr moderne Philosophen, die Abbilder aus allen Wissenschaften kombinieren, um den vielfältigen Aspekten des mehrdimensionalen Geschehens in ihrem Denkraum gerecht zu werden, quer durch die ideografischen Ebenen und quer durch die Fakultäten. Jedoch diese komplexen Gedankengebilde schaffen wenig Klarheit für die Publizisten und für den einfachen Mann auf der Straße, wenn sie nicht auf die allgemein üblichen Denkmuster heruntergebrochen werden. Für die meisten Menschen bleiben diese überwältigend neuen Ansichten dann genauso theoretisch und führen zu keiner erkennbaren Erneuerung des täglichen Miteinander.

Weil zu allen Zeitenwenden vor allem eine Bewusstseinswandlung vollzogen wurde, scheuten sich die Leitbilder der Zeiten nicht, immer wieder den Versuch zu wagen, ihren Zuhörern und Nachfolgern die sich entwickelnden Mysterien und die damit verbundenen Prozesse vollkommen nahe zu bringen. Damit die Worte und die vermittelten Bilder den sich ändernden Bewusstseinsmöglichkeiten der Menschen gerecht werden, bedienen sie sich natürlich der Bilder, die der aktuellen Zeit und ihrer Sprache entnommen sind.

In den antiken Zeiten wurden für metaphysische Gruppenprozeses plastische Symbole aus der Schifffahrt verwendet, wie z.B. die Ankerkette. So kennen die Gnostiker die bruderschaftliche Kette der helfenden Kräfte, die aus den Himmeln herabsteigen, um dem Menschen die Rückkehr ins Vaterhaus zu ermöglichen. Die himmlischen Vorgänge der Universellen Bruderschaft wurden damals durch ein verständnisvolles Gleichnis dargestellt, das heute jedoch nur noch von wenigen ernst genommen wird. Die Kette symbolisiert eine absolut starke und kraftvolle Verbindung dieser Gemeinschaft aus vielen starken Gliedern zwischen dem schwankenden Schiff des irdischen Daseins und den festen Ufern im sicheren Hafen einer idealen Welt. Sie stellt die kraftvolle Verbindung von den Wassern des Lebens zu einem statischen höheren Lebensfeld dar und symbolisiert einerseits die zugfeste Verkettung und andererseits gleichzeitig die unabdingbare Abhängigkeit aller Glieder voneinander. Hesekiel verwendete seinerzeit als Gleichnis für die Verbundenheit aller Universen im Gottesfeld die sieben Himmelsräder, die sich um eine Achse drehen, um den Gläubigen die harmonische Zusammenarbeit der miteinander verbundenen Körperschaften anschaulich darzustellen, um die gigantische Zusammenwirkung auf kosmischer Ebene auf das einfache Vorstellungsvermögen des Einzelnen herunterzubrechen. Damit konnten die Propheten des Altertums ihrem Volk einen detaillierten Verhaltenscodex begründen und so klar verständlich machen, damit sie ungeschadet auf die Anforderungen der neuen Periode reagieren konnten. In der Pistis Sophia von Valentinus z.B. sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Von nun an werde ich in aller Offenheit mit euch sprechen, vom Anfang der Wahrheit bis zu ihrer Vollendung, und ich werde mit euch von Angesicht zu Angesicht und ohne Gleichnis reden. Von jetzt an werde ich nichts vor euch verbergen vom Mysterium der Höhe und vom Wesen des Gebietes der Wahrheit.“ (PS Kap. 5-7)

Heute werden von vielen esoterischen Autoren zur Verdeutlichung ihrer Lehre und ihrer Weltanschauung Bilder aus den elektromagnetischen Wirksamkeiten und den quantenphysikalischen Gegebenheiten des Lichtes übertragen. Wiederholt wird in den entsprechenden Büchern das Wirken eines Gravitationsfeldes erläutert, weil die miteinander wirkenden Planeten den Menschen heute durchaus geläufig sind. Damit können auch die Interaktionen metaphysischer Kosmen im Universum beschrieben werden. Um die unsichtbaren Zusammenhänge in den feinstofflichen Feldern des neunfachen Menschen deutlich zu machen, werden die elektromagnetischen Wechselwirkungen als Analogien für die mikrokosmischen Interaktivitäten herangezogen.

Mit der Entwicklung der Quantenphysik entstand eine ganz spezielle Bilderwelt, in der die Kraftfelder der Kosmen und ihre Zusammenarbeit symbolisch plausibel mit wissenschaftlich erforschten Vorgängen verglichen werden können. Die Bruderschaften bilden zahllose Lebensfelder, kugelförmige kraftvolle Schwingungskörper, die alle konzentrisch ineinander liegen, induktiv miteinander und gemeinsam nach ähnlichen Prinzipien (Reflexion; Gleiches zu Gleichem) wirken und zur Offenbarung beitragen, wie sie von den elektromagnetischen Wechselwirkungen der Elemente bekannt sind. Damit kann jetzt auch ein grundsätzliches Phänomen der beginnenden Aquariuszeit sehr plastisch visualisiert werden. Die Menschen sind niemals Einzelwesen aus abgegrenzten Körpern geschaffen worden, sondern sie sind immer multiplexe lebende Kraftfelder in einem vielfältigen Kosmos Erde, der seinerseits als Wesen elektromagnetischer Art im Chor der Kosmen und Entitäten des Sonnenkosmos mitschwingt, der sich in die Kraftfeldstrukturen der Lichtstraße einfügt. Alles Sein in den Universen des All ist die totale Kommunikation Aller mit Allen durch Reflexion und Induktion, Interferenz und Inspiration.

Schon beginnt die Bildersprache wieder abstrakter zu werden. Und die Worte werden durch die wissenschaftliche Bedeutung für manchen Publizisten ohne Fachlexikon ausgesprochen schwer zugänglich. Der eine wendet sich dann erneut den mystisch verklärten Allegorien des Mittelalters seines Landes zu. Der andere belässt die Gedankenbilder unverdaut lieber im metaphysisch abstrakten Raum, ohne sie irgendwie relevant für sein alltägliches Leben zu empfinden. Wer sich ein Bild von den werdenden Strukturen der Aquariuszeit machen will und deutlich in sich spürt, dass damit ganz konkrete Forderungen für sein eigenes Lebensverhalten verbunden sind, wird diese modernen Allegorien bereitwillig mit seinem sich stetig verändernden Bewusstsein ergreifen und in ihrer Bedeutung vollkommen durchdringen und verinnerlichen. Dann kann er sie bewusst positiv umsetzen und an der sich anbahnenden Evolution des Bewusstseins durch kleine, aber vollwirksame Schritte mitwirken. Die quantenphysikalischen Bilder können heute plastisch darstellen, dass der Mensch viel mehr ist als nur ein Körper aus grobstofflicher Materie. Dadurch wird auch jedem verständlich, dass der Mensch nicht nur mystisch ein mit allen Kosmen verbundenes Wesen ist, sondern ganz praktisch. Nun wird leicht verständlich, dass aktuell jeder eine höhere Verantwortung für sein Handeln im Rahmen seiner gesellschaftlichen und sozialen Stellung hat.

In allen Lebensweisheiten verbirgt sich die Erkenntnis: Bewusstseinszustand ist Lebenszustand. Jede gut gemeinte Lebensberatung vermittelt zu einer gemachten Erfahrung immer auch eine verständliche Erklärung, die bereits Gedanken für die folgenden Lebensentwicklungen einschließt. Allerdings können dogmatische Theorien nicht in die Freiheit führen, sondern gerade heute lösen sie nur noch ablehnende Reaktionen aus. Besonders in der beginnenden Aquariuszeit werden alle Pädagogen, Lehrer oder Ausbilder – ganz gleich welcher Kultur oder Religion – dazu gedrängt, den sich entwickelnden Forderungen nicht nur in ihren Theologien, Philosophien und Interpretationen Rechnung zu tragen. Dazu gehören vor allem das Entstehen von Gruppeneinheiten auf allen Ebenen des Lebens ohne eine autoritäre Führungspersönlichkeit. Dies bedingt auch die vollkommene Gleichstellung von Mann und Frau. Eine neue Selbstautorität wird sich Bahn brechen, die sich allerdings nur in den Menschen entwickeln wird, die in sich selbst Anima und Animus harmonisieren konnten. Das allseits bekannte Ying-Yang Symbol steht für eine gleichbedeutende Unterschiedlichkeit im Wesen des Menschen. Die Bedeutung der griechischen Mythe von „Leda und dem Schwan“ sollte noch viel konkreter in alle Facetten des Tatlebens eines jeden Menschen hinein gezogen werden. Diese zwingende Forderung wird im euro-amerikanischen Kulturraum wohl eine kleine Revolution in den pädagogischen und psychologischen Institutionen auslösen. Die psychologischen Aspekte in der charakterlichen Dynamik, die den ganzen Mikrokosmos betreffen, sollten nicht nur in den klösterlichen Ausbildungsstätten, Koranschulen oder im Religionsunterricht angeschnitten werden, sondern auch in allen anderen Unterrichtsfächern. Schulbildung entwickelte sich im industriellen Zeitalter zur Abrichtung auf ein erfolgreiches Arbeitsleben. Marx ist allerdings längst verstorben. Die technische Industrierevolution hat ihre Kinder in das virtuelle Zeitalter entlassen. Es geht doch aktuell um eine gleichwertige Bedeutung und Realisation von Geist, Körper und Seele. Gute und angemessene Ausbildung basiert nicht auf einer rein theoretischen Wissensvermittlung, sondern auf einer Unterweisung und Führung junger Menschen zu einem verbindlichen konfliktfreien Sozialverhalten, frei von allen Abgrenzenten Theorien oder Religionen, in dem die Einheit aller Menschen ein selbstverständlicher Faktor im gesellschaftlichen Zusammenleben ist. Die Einheit aller ist nicht nur eine Vision der Informatiker und Kommunikationswissenschaftler, sondern eine bislang unbekannte Qualität der Seele. Um diese Einsicht plausibel zu erklären, können wir allegorisch die bekannten Grundgesetze der elektromagnetischen Wirksamkeit im Kraftfeld des Lichtes verwenden.

Wie dürfen wir uns das vorstellen? Drei Aspekte der Lichterscheinungen eignen sich besonders gut als Basisallegorie, von der sich leicht weitere symbolische Analogien ableiten lassen.

Erstens: das Licht ist ein unterschiedlich stark bewegter Austausch von Energie, von Energiefeldern. Auf der einen Ebene fließen atomare Quanten in Form von elektrischem Strom, der auf einer höheren Ebene in ein Vibrationsfeld aus Äther eingebettet ist, wie die Physiker bis Einstein eigentlich noch wussten. Das Hin- und Herströmen, das Ausgleichen von Spannungen zwischen zwei entgegengesetzten Polen („plus – minus“ oder „aktiv ausstrahlend – empfangend kumulierend“) ist allerdings nur ein wichtiger Aspekt. Er allein reicht als Erklärung für die Offenbarung der Einheit nicht aus.

Zweitens wirkt im Licht die Kraft der Anziehung, der Kohäsion, die sich, für das menschliche Auge unsichtbar, mit jedem Energiestrom im Weltall entfaltet. Das entspricht auch dem inneren Wirkprinzip zwischen den Planeten, und wird in der heutigen Physik auf der kosmischen Ebene Gravitation oder Massenwirkungsgesetz genannt. Es hat aber auch seine Auswirkungen in den Nanobereichen des Lebens, auch wenn sie von der Physik dort nicht ermittelt werden kann.

Und drittens offenbaren sich im Kraftstrom des Lichtes und der Gravitation die Kommunikation zwischen allen Wesen und Kosmen, die mentalen Kräfte der Ideation aus dem Universum die zur Einheit dazu gehören. Mit Licht werden hierbei alle sieben Kraftfelder des Alls gemeint, die aus den sieben ersten Emanationen der ursprünglichen Schöpfung hervorgehen. Die fließenden Energieströme unterscheiden sich in Frequenz und Qualität voneinander, jedoch kommunizieren sie auf bestimmte elektromagnetische Art miteinander, um die gemeinsamen Wirkungen zu ermöglichen. Die höchste Ideation aus dem ursächlichen Allbewusstsein induziert den Auftrag zum Bau des einen Tempels in Liebe und Weisheit. Gleiches zieht Gleiches an. Dieses Gesetz hat sich bei der Erforschung der Gravitation und des Phänomens Licht immer wieder bestätigt. Dieses grundlegende Prinzip kann auch wie folgt bestimmt werden: Das Angezogene muss mit dem Anziehenden gleich sein. Das ist die fundamentale Basis für das Spiegelgesetz und das Echoprinzip. Die Übereinstimmung in den Eigenschaften und Wirkungen ist für die Schöpfungen im All und bei aller Kommunikation absolute Notwendigkeit. Ohne diese Gleichheit oder Identität der Schöpfungen kommt es nicht zu der kraftschlüssigen Verbindung, die so fest ist, wie es im Bild der „Kette“ gefordert wird.

Aquarius stellt die ganze Menschheit vor die Forderung, sich innerhalb von ungefähr 2500 Jahren in diese Einheit einzufügen. Jeder und jede Gruppe in der Welt wird in seiner Vibrationsqualität von den ewigen unveränderlichen Werten der All-Einheit geprüft. Wie auf einer Waage stehen da die sieben fundamentalen Eigenschaften des idealen Universums: absolute Liebe, Weisheit, die jeden Verstand übersteigt, unbestechliche Gerechtigkeit, vollkommene Schönheit, die jedes menschliche Auge blendet, vollkommene Güte, unerschütterliche Barmherzigkeit, vollkommenen Frieden im ewig währenden Sein. Ob es der Menschheit oder wenigstens einigen Wenigen von ihnen gelingen wird, diesen Qualitäten des überirdischen Feldes genügen zu können, um mit den auserwählten Entitäten in die Einheit kommen, wird die Zukunft zeigen.

Noch viel verständlicher wird die Einheit im All, wenn man sie mit den Analogien aus der Holografie betrachtet. In dieser besonderen Art der Licht-Aufzeichnung sowie der entsprechenden Licht-Projektion werden die bereits erwähnten Eigenschaften unseres Schöpfungsfeldes in geradezu frappierender Art deutlich gemacht. Nur zwei Aspekte davon, die die zwingende Notwendigkeit der Einheit aller Menschen deutlich machen, werden hier noch einmal im Detail besprochen.

Erstens formt das Licht im Hologramm eine kumulierte Aufzeichnung aus Interferenzen, ein kugelförmiges Kraftfeld aus stehenden Wellen. Durch die Kohäsion bildet sich aus dem strömenden Licht ein Kosmos aus Licht, ein „stehendes“ Lichtfeld aus vielen Sternen. In unserer dreidimensionalen Welt kennen wir eine ähnliche Form, natürlich horizontal aufgefächert. Wenn man eine Handvoll Sand in eine stille Wasseroberfläche wirft, entstehen viele kleine Wellen, ausgelöst von den kleinen Sandkörnchen. Sie laufen durcheinander und übereinander und bilden zusammen auf der Wasseroberfläche ein kreisförmiges Wellenmuster. Dieses Bild entspricht einer Welleninterferenz, analog einem mehrdimensionalen Hologramm. Diese Wasserinterferenz hält so lange, bis der Impuls der ins Wasser gefallenen Sandkörner ausgeklungen ist. Auch die Hologramme der höheren Ebenen; kosmen oder Mikrokosmen, existieren eben so lange, wie die Lichtenergien und die Ideationen der Kraftfelder sie durchströmen, in die sie eingebettet und mit denen sie in gleichbleibender Vibration vereint sind. Strömt das Licht ohne Unterbrechung, also ewiglich, so besteht auch das zugehörige Hologramm, der Kosmos ewig.

Der zweiten Aspekt betont das Gleichheitsgesetz: Das Licht, das durch das Hologramm fließt, das den Kosmos oder Mikrokosmos bestehen lässt, um das aufgezeichnete Geschehen zu projizieren, muss mit dem Licht der Aufzeichnung in Kraft und Vibrationsqualität identisch sein! Sonst entsteht keine oder nur eine verzerrte bzw. unvollständige Kommunikation. Das Abbild, die vollbrachte Schöpfung entspricht dann nicht der Schöpfungsabsicht. Das Ergebnis löst sich unwiderruflich in seine ursächlichen Kräfte ungeformt wieder auf, analog den Effekten, die auch aus der Holografie bekannt sind.

Alle Menschen bilden zusammen auf den sieben Kraftebenen ein gemeinsames Lichtfeld, ein Hologramm, das sich aus den höheren Feldern über das mentale, das astrale und das ätherische Feld bis in das materielle Feld abbildet. Alles ist Licht, elektromagnetischer Energiefluss, alles – auch die gewohnte Materie – ist elektromagnetische Schwingung, wenn auch mit unterschiedlichen Frequenzen und Energien. Zusammen bilden alle Menschen mit der Erde einen Körper, ein Hologramm aus vielen Schwingungskörpern, eine untrennbare Einheit in der irdischen Natur. Es ist überhaupt kein Thema, das wissenschaftlich, philosophisch oder theologisch diskutiert werden könnten: Seit Anbeginn der Schöpfung der Menschen besteht diese Zusammenfügung aus Hologrammen oder Mikrokosmen im irdischen Kosmos. Die Qualität seiner Ausrichtung seiner inneren Bewegtheiten wird von jedem Menschen oder Wesen durch seinen individuell geprägten Anteil, durch seine Mit- oder Gegenschwingung im Ganzen. Aber erst dann, wenn diese Gruppe des irdischen Kosmos insgesamt in der Einheit mit der Allbemühung mitschwingen kann, entsteht die Verbindung mit dem übernatürlichen Lebensfeld, dem Hologramm des Sonnenfeldes, dem Christus (Krishna oder Osiris) der lebendigen Sonnenwesenheit. Dann kann jeder Mensch als kleiner Kosmos darin eingebettet sein und er wird sein wie der Tropfen im Ozean, und das Licht des Sonnenkosmos durchstrahlt alle Wesen bewusstseinserhellend, reinigend und befreiend.

Die holografische Vereinigung von Kosmen erfolgt grundsätzlich nach dem Resonanzgesetz: Soll ein elektromagnetischer Schwingungskörper, ein Lichthologramm, mit einem anderen ohne Störung zusammengehen, müssen beide in den verschiedenen Qualitäten und Aspekten der Energie, aus der sie leben und bestehen, vollkommen übereinstimmen. Diese völlige Kongruenz mit den bestehenden, befreiten Kosmen bedeutet vor allem, dass der Kosmos der Menschheit mit ihnen siebenfach übereinstimmen muss. Nur dann kann sich die vollkommen ungestörte, totale Kommunikation entfalten, und die Kommunion aller mit den göttlichen Kraftströmen kann sich verwirklichen.

Für das Gelingen dieser Vereinigung in der Aquariuszeit stehen alle Menschen in ihrer pesönlichen Verantwortung. Um dieser Forderung gerecht zu werden, ist es heute dringender denn je notwendig, dass aller Unfrieden – egal aus welchen Gründen – auf Erden beendet wird. Jeder Mensch sollte in seinem Leben den gesellschaftlichen Rahmen und die soziale Lebenssicherheit erhalten, um sich auf die Aspekte seines Wirkens für die Einheit richten zu können, ohne irgendwie leiden zu müssen. Denn er muss jetzt alle Aspekte seines Wirkens nach zwei Seiten sorgfältig im Auge behalten. Auf der einen bestehen nach wie vor die Forderungen des alltäglichen Seins und jetzt kommen auf der spirituellen Seite die neuen Forderungen für das totale Einheitsbemühen um den Globus hinzu. Das können die Menschen nur erreichen, indem sie Zeit und Raum für ihren Auftrag haben, ohne in ihrem Leben mit ihrer Familie in Bedrängnis zu geraten, weder psychologisch noch finanziell. Nur dann können sie angstfrei in seinem Willen und mit seinem Licht wirken und arbeiten. In dieser gesellschaftlichen Gemeinsamkeit könnten alle Berührten angeleitet werden, wie sie sich im Bewusstsein ihrer eigenen Erfahrung und Empfindung durch eine Umwendung, d.h. eine innerliche Abwendung vom irdischen Kraftfeld und eine deutlich wirksame Hinwendung zum metaphysischen Kraftfeld, in die Einheit erheben. Ziel der gemeinsamen Anstrengung ist das unbedingte Wegschenken aller Menschen und Mikrokosmen an diese innere Struktur und Methode der holografischen Meditation. Bei dieser Methode, die schon in der Vergangenheit von vielen Gruppen praktiziert wurde, wird ganz besonders deutlich, dass eine Verletzung der inneren Gruppeneinheit immer auch eine Verlangsamung, eine Beschädigung der gemeinsamen Bemühungen bedeutet. Das Gläserne Meer des Hiram Abbif ist eine klassische Analogie dafür. Es musste neu gegossen werden, weil kaltes Wasser auf den heißen, heiligen Glasguss fällt, springt er in tausend Einzelteile. Das kalte Wasser steht in diesem Bild für irdisch egozentrisches Denken und Verhalten. So muss auch das durch Eigenwilligkeit zerstörte heilige Hologramm stets erneut gegossen und gefestigt werden, solange bis kein egoistisches irdisches Licht den bereits aufgebauten heiligen Kosmos mehr beschädigt.

Wer einmal die Bilder in den heiligen Büchern unter dem Aspekt der holografischen Felder betrachtet, wird schnell herausfinden, dass selbst die antiken mystischen Analogien in blumiger Sprache oftmals überraschend genau dem Bild einer holografischen Wirksamkeit entsprechen. Denn es war zu allen Zeiten bekannt: am Anfang aller Zeiten erwirkte das metaphysische Bewusstsein ein allumfassendes Hologramm aus verschiedenen Kraftfeldern der Schöpfung, aus Wasser und Geist steht in der Genesis. Der Heilige Siebengeist projiziert sich beständig in sieben kosmischen Gebieten zur Offenbarung aller Herrlichkeiten. Die Forderung der Einheit aller Menschen, Wesen und Kosmen steht im ganzen Sein an erster Stelle. Die Einheit des Alls strebt holografisch zur Verherrlichung seines Seins, in dem sich alle Facetten der einen unbegreiflich barmherzigen Liebe offenbaren, in der niemand ausgeschlossen ist, in der alle und alles angenommen ist. Mit diesem göttlichen Hologramm, das seit Anbeginn der Zeiten existiert, wird auch einmal das Hologramm der unserer gefallenen Welt wieder eins werden. Dann wenn sich alle Entitäten und Mikrokosmen des irdischen Kosmos wieder dem reinen ursprünglichen Licht der Schöpfung schenken, werden sie sich schwingungsmäßig zur holografischen Schöpfung des metaphysischen Lichtes des Christus erheben können.

Freiheit des Seins

Was strömt alles aus den Welt-Sphären in das Bewusstsein ein?
Aus welchen Gedächtnissen wird der Mensch beeinflusst? –
Wo existiert dabei eine Freiheit des Denkens?

1. Die Einflüsse aus Makrokosmos und Kosmos.
Die 12 Häuser des Tierkreises wirken als Imitation der wahren Idealität erstens auf die kosmischen Sphären mit der Akasha-Chronik, zweitens auf die Konstellation der aurischen Sphäre mit der Lipika und drittens direkt auf die mentalen Hirnsphären der Persönlichkeit, speziell über die Pinealisaura. Hierdurch werden jegliche Bewusstseins-Parameter und -Dynamiken angelegt und entsprechend vorgeprägt.


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In jedem Sternbild des Tierkreises herrscht eine Wesenheit, ein bewusster Demiurg oder Deva mit einer sehr speziellen Kopie der Idealität. So prägen 12 Kräfte dem Denken und Fühlen eine Grundstruktur, ein Raster aus entscheidenden Prinzipien und Werthaltungen auf. Jede menschliche Inkarnation steht unter der klaren Dominanz eines dieser Häuser, wie es in den astrologischen Dispositionen in etwa dargestellt wird. Uneingeschränkt muss jeder Mensch sein Leben lang aus diesem Grundraster denken und daraus leben!  Daraus gibt es kein Entfliehen!

Die Planetenkonstellationen und Mondknoten etc. des Sonnensystems bestimmen vor allem in den mentalen, astralen und ätherischen Körpern sowohl die Dynamik als auch die Sensitivität. Die Mondkräfte beeinflussen direkt den Stoffkörper.
Das Wesen Erde bestimmt wie der Stoffkörper geboren wird, d.h. wie seine Konstitution und seine physischen Vermögen ausgeprägt sein werden, und wie in diesem Rahmen seine weitere physisch-materielle Entwicklung ablaufen wird.

2. Einfluss aus den 7. Kraftsphären der Erde
Die Mentalsphäre ist aufs Äußerste angefüllt mit myriaden Gedanken um eine bessere Welt von Milliarden Menschen in ungezählten Inkarnationen der arischen Ära ausgesendet, prall gefüllt mit Sehnsucht nach einem Paradies auf Erden. Im Devachan tummeln sich neben den die Natur erhaltenden Entitäten zahllose tellurische Demiurgen aus allen Zeiten, die um ihren Selbsterhalt willen stets die Menschen beeinflussen müssen. Sie wurden in vielen langen Zeiten – darum Äonen – aus den egoistischen Gebeten aller animistischen und schamanistischen Religionen und deren Priester und Gläubigen erschaffen. So müssen sie aus permanenter Existenzangst ihre „Schäflein“ weiterhin vor allem mental ausbeuten.
Die Astralsphäre vibriert in den Begehren und ungeheuerlichen Begierden der ganzen Menschheit. In dieser Sphäre verlöschen auch die Astralleiber aller Tiere, die vor Ende ihres Lebensfadens für die Nahrung der Menschen oder zum Opfer für religiöse Feste (Islam) geschlachtet wurden. So schwingt in der Astralis massiv die in den hingerichteten Tieren animalische Existenzangst. Natürlich vegetieren in dieser Sphäre auch die Astralschemen der Mikrokosmen, die durch Krieg, Mord, Selbstmord oder Unfall vorzeitig ihren Stoffkörper verloren haben.
In der Äthersphäre verebben die Ätherleiber aller Toten. Nicht zuvergessen, auch Tiere und Pflanzen haben Ätherleiber, die im Jenseits vergehen müssen, wenn sie vor Beendigung ihres Lebensfadens in ihrer physischen Existenz vernichtet wurden.
Viele Naturgeister wesen darum in der Äthersphäre und kümmern sich permanent um die Reinigung der Sphäre auf allen Ebenen, dadurch wird das materielle Leben auf der Erde einigermaßen bewahrt. Man bedenke dabei: Jede Umweltverschmutzung ist selbstverständlich auch eine direkte Verschmutzung des Ätherfeldes. Das was auf der Erde in Gewässern oder im Meer unsichtbar versenkt werden kann, oder in Wüsten, Tundren oder weiten Steppen verborgen abgeladen wird und auch aller Satellitenschrott, der im Orbit langsam verrottet, entlädt seine Vibrationen weltumspannend in die Äthersphäre und verdirbt die Qualität des Weltäthers. Aus diesem total verunreinigten Feld muss der Mensch täglich ätherisch atmen.
Letztlich wächst alle Nahrung darin, ganz gleich ob Bio oder Ayurveda – und Menschen und Tiere ernähren sich jede Sekunde davon. Hier in dieser Äthersphäre ist der Brutkasten für alle Bakterien, Viren und beißende Insekten, die mitwirkende Ursache zahlloser Epidemien und Seuchen sind.
In den höchsten Sphären über dem Devachan arbeiten die Entitäten für die Menschen, damit sie, soweit möglich, innerhalb der aktuellen Erd-Periode zu einem höheren Bewusstsein durchdringen können. Das wird auf Grund der fortschreitenden mikrokosmischen Kristallisation sowie der zunehmenden Verschmutzung des Kosmos in allen Sphären jederzeit problematischer. Wenn man bedenkt, die großen Religionen wirken schon seit mehr als 2000 Jahren auf die Menschheit ein, um wenigstens Moral und Anstand, Fairness und Humanität auf ein höheres Niveau als die existentielle Animalität zu bringen.
Zu jeder Zeitperiode drängt sich aus der Akasha-Chronik, dem Gedächtnis der Erde, ein bestimmter Teil, dessen Aufträge das Wesen Erde mit der Menschheit in dieser Zeit aufzuarbeiten und abzuwickeln hat, jedem Menschen auf, und bestimmt Denken, Begehren und Handeln, natürlich im Zusammenhang mit seinem Volk, seiner Familie innerhalb seines aktuellen sozialen Gesellschaftsgefüges.

3. Die Wirkung aus den mikrokosmischen Gedächtnissen
Vier niedere Körper, stofflich, ätherisch, astral und mental, formen das lebende Wesen Mensch, die Person. Das aurische Wesen, das den körperlichen Menschen adoptiert hat, bestimmt mit seinem Vibrationsschlüssel, die Qualität alles dessen, was aus dem kosmischen Raum aufgenommen und eingeatmet werden kann, und alles das, was abgestoßen werden muss, um Schaden abzuwenden.
Im Unterbewusstsein arbeitet das Gedächtnis der Stoffes mit dem der Äthersphäre direkt zusammen, um den Körper mit allen Drüsen und Organen gemäß seinem Auftrag zu erhalten und die internen Funktionen zu organisieren. Aus dieser Ebene wirkt natürlich am stärksten die Kraft der Egozentrik, die kreatürliche Todesangst.
Im Atemfeld bilden sich schnell zahllose astral-ätherischen Kumulies oder Golems mit gelernten Vorschriften, Vorstellungen und Tabus der Erziehung. Von ihnen werden die ätherisch-astralen Speisen entsprechend polarisiert, damit sie dem Selbsterhaltungsprozess dienen können. Das ist die garantierte Verstärkung der Egozentrik auf der materiellen Basis. Der Einfluss aus dem Gedächtnis im Atemfeld, aus den dort vibrierenden Vorstellungen und traditionellen gesellschaftlichen Regeln auf das aktuelle Geschehen ist enorm.
Die Astralsphäre dominiert mit ihrer Vergangenheit die emotionalen Bedürfnisse der innewohnenden Person, vor allem der Selbsterhaltung. In ihr bilden sich ebenfalls mit starken Gefühlen aufgeladene Phantome, die den tradierten Tabus von Stolz, Ehre und sozialen Gesetzen gehorchen, aber auch Eifersucht, Rache und Hass finden in der Astralis ihre Domäne. Aus dem astralen Gedächtnis stürmen alle Begehren und heiligen Gefühle der Liebe, Familie, Heimat, Nationalismus, Humanitas und Gerechtigkeit auf das Herzdenken ein. Aber auch alle perversen grausigen Begierden tauchen aus diesem unterbewussten Pool auf und dominieren zeitweilig den Menschen. Als anschauliches Beispiel sei an die Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson Dr. Jekyll and Mr. Hyde erinnert.
Das mentale Gedächtnis ist der Speicher für das intelligente vernünftige Denken und Handeln, allgemein für das rationelle Sein. Die individuelle Vorprägung aus der Lipika des aurischen Wesens und aus dem Mentalfeld der Erde bilden die fundamentale Basis für alles Wahrnehmen und deduktive Kombinieren im Verstand.
Aus diesen mentalen Verankerungen schöpfen alle genialen Dichter und Denker, Wissenschaftler und spirituellen Meister und Mystiker. Allerdings werden aus diesem Vorrat auch raffinierte Verbrecher, finanzielle und industrielle Ausbeuter geschaffen und bei ihren Taten angeleitet.
Die Eltern mit ihrem Blutserbe geben ihre genetische Prägung an den Stoffkörper weiter. Dabei wird auch einiges vom stofflichen Gedächtnis an die Kinder übertragen, das über die Großeltern weit in frühere Generationen reicht.
Die Chakren wirbeln unentwegt zwischen den Kraftfeldern und transportieren die entsprechend geprägten Kräfte sofort in den materiellen Körper, der unmittelbar entsprechend all diesen Einflüssen denken, fühlen und handeln muss.

4. Die Wirkungen durch das aktuelle Sein
Jeder Lebensimpuls, der von einem Menschen umgesetzt wird, prägt sich in das Gedächtnis ein und er modifiziert auch in den verschiedenen Kraftfeldern das bestehende Bewusstsein. Der neu hinzugefügte Gedanken- und Gefühls-Kumulus bestimmt stets wieder aktuell das Denken und Handeln.
Innerhalb der angemessenen Zeitspanne, von der Geburt bis zum Tode, hat jeder der vier Körper einen vom aurischen Wesen bestimmten Auftrag zu erfüllen. In der Quintessenz muss der Mensch den Urgrund seines Seins erkennen und die notwendigen Wiederverbindungschancen mit der Monade annehmen. Diese Dynamik sortiert alle anderen Beeinflussungen, dient prinzipiell diesem einen Beweggrund.
Jedoch wird der Mikrokosmos in seinem aktuellen Sein von den Äonen und Archonten, den mentalen Kräften und Fürsten unter dem Himmel, über das aurische Wesen manipuliert und zu einem Verhalten gezwungen, das die vorher genannten Prozess stark be- bzw. verhindert. Dazu gehören zahllose Ablenkungen mit wertlosen Beschäftigungen, nutzlos repetierende Bedürfnisbefriedigungen, Drogen- und Alkoholabhängigkeiten, kurz gesagt: mit allen Verhaltensweisen, die das aktuelle Bewusstsein stark verdunkeln oder sogar auslöschen.
Leider gibt es im Jenseits auch zahlreiche Verstorbene, die sich über okkulte Übungen soweit präpariert haben, damit sie dort einen längeren Aufenthalt haben können. Diese müssen jetzt ebenfalls für ihr Daseinsbestehen zur Ausbeutung schreiten, d.h. aus diesen Sphären den stofflichen Personen ätherische und astrale oder sogar mentale Kräfte rauben. Dafür werden diese Schemen den Menschen über deren aurische Sphäre soweit manipulieren, dass sie als Nahrungsspender brauchbar werden. Das ist die Ursache für Besessenheit; Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander.

5. Der Einfluss aus der überkosmischen Dynamik
Von seiner Monade hat der Mikrokosmos prinzipiell einen vitalen aktuellen Auftrag übernommen, nämlich sein irdisches System in der ihm zugemessenen Zeitperiode zu überwinden, damit seine Wiederverbindung mit der ursprünglichen Schöpfung zustande kommen kann (religio).
Die Kernkraft dafür tritt über den Verbindungspunkt mit der Monade, die Perle in der Lotusblüte der Philosophie des Mani, die Rose der Rosenkreuzer, in den Mikrokosmos ein. In der indischen Lehre wird diese Kraft aus dem Herzen als Atman bezeichnet, und in der christlichen Terminologie ist es „der eingeborene Sohn“.
Die kosmische Komponente dieser Befreiungsaktivität ist ein überirdisches Kraftfeld, die sich aus dem sechsten kosmischen Gebiert soweit dem siebten kosmischen Gebiet angenähert hat – in seiner Vibrationshöhe – damit die universelle Hilfe für die erwachende Menschheit möglich werden kann. Das ist der Christusgeist, der sich als ein „Sohn der Sonne“ in die Erde inkarniert hat.
Für Hinduisten entspräche diese kosmische Wirksamkeit Brahman, wie es Shankara und andere indischen Schriftgelehrten in ihren Schriften erläutern.
Dieses weltumspannende Kraftpotential wirkt zunächst zusammen mit den höheren Entitäten, den Elohim und Cherubim, für die Menschen und sorgt für Reinigung und Erhalt der irdischen Natur innerhalb eines kosmischen Zyklus.
Gemeinsam wird erstens die Bewusstseinsbildung aller Menschen vorangetrieben und zweitens wird eine aktuelle Lehre, Kosmologie, Philosophie und Arbeitsweise für das Verhalten der geeigneten Menschen in die Akasha-Chronik eingeätzt.

Wo ist dann die Lösung?
Es gibt nur eine Freiheit, die aus einem sich über alles irdische Verstandesdenken erhebenden Bewusstsein entsteht. Dieses wird aus dem Kernprinzip der Monade, der Rose des Herzens oder Atman geboren. Nach Myriaden von Inkarnationen kann dieses Uratom seine Stimme erheben, sodass die Persönlichkeit den Glanz der Seele vernimmt und auch darauf reagiert. Wer aus dieser Einsicht zu einer neuen Lebenshaltung kommen kann, wird etwas Erstaunliches feststellen: die berauschende Freiheit, im Einklang mit der Gotteswelt, ist die freiwillige und konsequente Annahme des absoluten Gehorsams. Wer dazu befähigt wird, in der steten Nachfolge immer JA sagen zu können, wird alles dialektische Erwägen und Bedenken loslassen, denn er weiß: Die Dialektik ist nur eine kurze Probestufe, sozusagen die Vorschule für die wahre menschliche Entwicklung.

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