Laotse Illustrationen

Tao Titei 2-ff


Oberhalb aller sinologischen Exkursionen ist sicherlich zu erkennen, dass der chinesische Autor dieser Schrift seine Leser mit einer außerordentlichen spirituellen Einsicht vertraut machen wollte.
Die Feststellung, dass es mehrere Lebensfelder gibt, charakterisieren die ungemein reizvollen Paradoxe der Verse. In dem einen Kraftfeld manifestieren sich absolut ideale Seinsformen und in dem materiellen Lebensfeld sind menschliche Egoismen so viel wert wie „Hunde aus Stroh“. Eine chinesische Metapher für besonders wertlosen Kram. Diese charakteristische Gegenüberstellung der profanen Welt mit der Idealität des TAO in den verschiedenen Lebensbereichen und Lebensqualitäten ist dem Autor Lao Tse Quintessenz seiner Einsicht. Aber, so wird der Leser schnell erkennen: der Autor wusste wohl auch um einen Weg für den Menschen, einen Prozess, wie sich der Mensch aus dem Lebensfeld der polaren Natur zu den metaphysischen Feldern des TAO entwickeln kann. Laotse hat den Pfad des TEH befolgt, hat ihn in seiner Länge erschlossen. Dieses Konzept, um der idealen Welt, in den höheren Lebensfeldern aufzugehen, ist natürlich genauso wenig wie der weltweit verströmte Gedanken des Paradieses eine rein chinesische Angelegenheit. TAO bleibt sich – überall auf, in und unter der Erde – immer gleich. Es wird verglichen mit der Urform der Offenbarung, dem universalen bewusstsein, das für alle Wesen in allen Gebieten des Universums zu allen Zeiten unveränderlich.
So wie sich der Verstand aus den sinngebenden Worten seinen mentalen Wahrheitshorizont erschafft, so findet das Erfahren und Bewerten durch innere Bilder und Assoziationen, die mehr als tausend Worte sagen, ihre wesensbestimmenden Landschaften außerhalb der logischen Diskussionen der Sinologen über Begriffe. Diese Intuitionen liegen außerhalb und oberhalb der populären Theorien über Gott und Geschöpf. So wurde hier von mir ein Weg gesucht und gefunden, das lebendige Unbewusstsein des meditativen Betrachters tief anzurühren. Ganz bewusst habe ich Symbole aus den Mythen und Religionen anderer Kulturen mit den taoistischen Gedanken verwoben. Auf diese Weise können sich die abstrakten Formenspiele dem nachsinnenden Betrachter die universelle Bedeutung der in Worte gefassten Weisheiten des Lao Tse öffnen.
Wer sich in der Stille des eigenen Seins auf die wesentlichen Dinge des Lebens besinnt, dem erschließen sich mit den Illustrationen zu den einzelnen Aphorismen des Tao Teh King auch die mysterienvollen Weisheiten aus allen Kulturen und Dimensionen. Im Betrachten der zarten hingewehten Ornamentik aus Farblinien und Symbolen erklingen im Raum des Herzens bisher ungeahnte kosmische Einsichten der Schöpfungsabsicht. Sie ergänzen mit einfachen Bildern die verbalen Inspirationen und werfen ein höchst aktuelles Licht auf den universellen Pfad, den Lao Tse gesehen und wohl auch gegangen ist. Liebevoll illustrieren die pictografischen Assoziationen seine weltweite und zeitlose Erkenntnis, dass nur der den Garten eines völlig neuen geistigen Erkennens betreten wird, der diesen Pfad in sich nicht nur erkennt, sondern ihn betritt und auch verwirklicht.

Wohl kaum ein Buch ist inhaltlich so umstritten wie das Machwerk von Laozi, das Daodejing. Das fängt schon beim Titel an. Einige Sinologen haben heute eine andere Schreibweise für den Buchtitel vorgeschlagen, die sich stärker der chinesischen Aussprache annähert. Das Daodejing ist eine anonym veröffentlichte Sammlung von Spruchkapiteln, zu der sich eigens eine populäre Legende von dem Weisen Laozi bildete. Es gibt zahlreiche Übertragungen dieser Aussprüche alter Weisheit, und einen Strom von Kommentaren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code