9.0 Literaturverzeichnis

9.0 Literaturhinweise allgemeine Wahrnehmungslehre
Autor, Titel, Verlag, Ort, Ausgabejahr

Albers, Josef, Interaction of Color, H. s Schauberg, Köln, 1970
Fromm, Erich, Das Menschliche in uns, Diana Verlag, Konstanz-Zürich, 1968
Jung, C.G., Psychologische Typen, Rascher Verlag, Zürich, 1921
Jung, C.G., Wirklichkeit der Seele, Studienausg. Walter-Verlag, Olten+Freiburg, 1978
Jung, C.G., Psychische Energetik und das Wesen der Träume, Studienausgabe Walter-Verlag, Olten+Freiburg,1971
Jung, C.G., Die Archetypen und das kollektive Unbewusste, Gesamtausgabe Band 9. Walter-Verlag, Olten+Freiburg,1978
Graebner, K. E., Sinnesorgane des Menschen, Umschau Verlag, Frankfurt, 1969
Huxley, Aldous, Die Türen der Wahrnehmung, in Neue Rundschau, 65 Jhg. 1954, Heft 2, S. Fischer Verlag, Frankfurt
Itten, Johannes, Kunst der Farbe, Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1970
Krech/Crutchfield, Grundlagen der Psychologie 1, Beltz Studienbücher, Weinheim und Basel, 1974
Küppers, Harald, Farbe, Verlag G.D.W. Callwey, München, 1973
Lanners, Edi, C.J. Buchner Verlag, Luzern/Frankfurt, 1973
Legewie, Heiner, Knaurs mod. Psychologie, Droemer Knaur, München/Zürich, 1972
Lenner, Hanscarl, Die optische Halluzinose und ihre Sinngehalte, Klinik für psychische und Nervenkrankheiten, Göttingen
Lüscher, Prof. Dr. Max, Farb-Test, Testverlag, Basel, 1948
Meljnikow, Lew, Farbenmusik, in Bild der Wissenschaft, Heft 5, Mai 1972,
Müller, Conrad C., Licht und Sehen, Time-Life-Bücher, rororo, Reinbeck, 1969
Ohff, Heinz, Galerie der neuen Künste, Bertelsmann GmbH, Gütersloh 1971
Pawlik, Johannes, Theorie der Farbe, M. DuMont Schauberg, Köln, 1969
Pawlik, Johannes, Goethe-Farbenlehre, N. DuMont Schauberg , Köln‚1974
Vester, Frederic, Denken Lernen Vergessen, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1975
Wertheimer, Max, Untersuchungen zur Lehre von der Gestalt, Zeitschrift für Psychologie und ihre Grenzwissenschaften, 4. Band, Verlag J. Springer, Berlin 1923


9.1 Literatur für den esoterischen Teil

Besant, Annie, Eine Uralte Weisheit F. Hirthammer Verlag, München, 1981
Blavatsky, H.P., Die Geheimlehre, gek. Ausg., Adyar-Verlag, Graz, 1984
Bohm, David, Die verborgene Ordnung des Lebens, Aquamarin Vlg, München, 1988
Bruno, Giordano, Ursache, das Prinzip und das Eine, Ph. Reclam jun., Stuttgart, 1986
Capra, Fritjof, Das Neue Denken, Scherz Verlag, Bern, 1987
Capra, Fritjof, Wendezeit, Scherz Verlag, Bern, 1985
Castaneda, Carlos, Eine andere Wirklichkeit, Neue Gespräche, Fischer TB, 1998
Dahlke, Ruediger, Von der großen Verwandlung, Crotona Verlag, Amerang, 2011
Dahlke, Ruediger, Die Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben, DVD, Crotona Verlag, Amerang, 2015
Dethlefsen
, Th., R. Dahlke, Krankheit als Weg, Bertelsmann, München, 1983
Doucet, Friedrich, Geschichte der Geheimwissenschaften, Heyne Vlg, München, 1980
Eliade, Mircea, Schamanismus und archaische Ekstasetechnik, Suhrkamp TB, Frankfurt, 1982
Ford, Arthur, Bericht vom Leben nach dem Tode, Übers.aus dem Amerikan., Scherz Verlag, Bern + München, 1978
Goethe
, Johann Wolfgang, Hamburger Ausgabe Band 13, Naturwissenschaftliche Schriften I, Vlg. C.H.Beck, München, 1981
Grof, Stanislav, Topographie des Unbewussten, Klett-Cotta, Stuttgart, 1991
Huxley, Aldous, Die Pforten der Wahrnehmung, Piper Verlag, München, 1980
Jung, C.G., Der Mensch und seine Symbole, Walter-Verlag, Freiburg im Breisgau, 1991
Kasack, Herrmann, Die Stadt hinter dem Strom, Verlagsges. Reclam jun., Leipzig, 1989
Laing, Ronald D., Phänomenologie der Erfahrung, Edition Suhrkamp, Frankfurt, 1972
Laszlo, Ervin, HOLOS die Welt der neuen Wissensch., Vlg Via Nova, Petersberg, 2002
Lauppert, Dr. Norbert, Die Mahatma-Briefe, Bd.I bis III, Adyar-Verlag, Graz, 1980
Leadbeater, C.W., Der sichtbare und der unsichtbare Mensch, H. Bauer Verlag, Freiburg ,1964
Leibniz, G.W., Monadologie, Übers. Hermann Glockner, Ph.Reclam jun., Stuttgart, 1954
Lilly, John C., Das Zentrum des Zyklons, Fischer TB, Frankfurt a.M., 1976
Mead, G.R.S., Lehre vom feinstofflichen Körper, Ansata-Verlag, Interlaken, 1991
Meyrink, Gustav, Der Golem, Rascher Verlag, Zürich, 1960
Meyrink, Gustav, An der Grenze des Jenseits, Pandora Verlag, Berlin, 2006
Monroe, Robert A., Der Mann mit den zwei Leben, Knauer Esoterik, München, 1981
Moody, R. A., Das Leben nach dem Tod, Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg, 1977
Murphy, Michael, Der Quanten Mensch, Integral Verlag, München, 2002
Pauwels, L. + J. Bergier, Aufbruch ins 3. Jahrtausend, Scherz Vlg., Bern/Stuttgart, 1962
Ouspensky, Pyotr D., Die Psychologie der möglichen Evolution des Menschen, Edition Plejaden, Berlin, 1981
Peirce, Charles S., Phänomen und Logik der Zeichen, Hrsg. Helmut Pape, Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1983
Popp, F.A., Vom Wesen des Lebens, Artikel, 1979
Rijckenborgh, Jan van + Cath. de Petrie, Die Chinesische Gnosis, Kommentare zum Tao Teh King, Rozekruis Pers, Haarlem, Niederlande
Risi, Armin, Der multidimensionale Kosmos, Band I + II, Govinda-Verlag, Zürich, 2015
Roberts, Jane, Gespräche mit Seth, Ariston Verlag, 1972
Sheldrake, Rupert, Das Gedächtnis der Natur, Scherz Verlag, Bern, 1991
Simonyi, K., Kulturgeschichte der Physik, J.C. Maxwell, Verlag Harri Deutsch, Thun/Frankfurt a.M., 1995
Steiner, Rudolf, Aus der Akasha Chronik, R. Steiner Verlag, Dornach/Schweiz, 1986
Steiner, Rudolf, Die Geheimwissenschaft im Umriß, Fischer TB Verlag, Frankfurt a.M., 1985
Sri Aurobindo, Die Synthese des Yoga, Verlag Hinder+Deelmann, Bellnhausen über Gladenbach (Hessen), 1972
Vester, Frederic, Neuland des Denkens, DVA GmbH, Stuttgart,1980
Wehr, Gerhard, Das Lexikon der Spiritualität, Anaconda Verlag, Köln, 2006
Wilber, Ken, Das holografische Weltbild, Scherz Verlag, 1986
Wilber, Ken, Halbzeit der Evolution, Goldmann Verlag, München, 1990

 

8.0 Wahrnehmung unter esoterischen Gesichtpunkten

2. Teil: Esoterische Aspekte zur Wahrnehmung

Das menschliche Denken umkleidet sich mit den sinnlichen Wahrnehmungen, den positiven Erinnerungen und den gewohnten Gefühlen komfortabler Lust, und bildet damit im Unbewussten ein hochmütiges EGO aus Selbstvertrauen und eingebildeter Autonomie.
Dieses kann selbst von einem konsequenten Querdenker kaum von seinen Fundamenten gestürzt werden, um sich einer ihm unbekannten Freiheit anzunähern.

Ein Zitat aus dem Buch: «Das holographische Weltbild, Wirklichkeit und Wandel», von Marilyn Ferguson führt zum Kern der nun folgenden Besprechung. (Zitat aus «Das holographische Weltbild», herausgegeben von Ken Wilber, Scherz Verlag, Bern)

«Alle sichtbare Substanz und Bewegung sind Illusion. Sie treten aus einer anderen, ursprünglicheren Ordnung des Universums hervor. Bohm nannte dieses Phänomen Holobewegung, Seit Galilei, so sagte David Bohm, haben wir die Welt durch Linsen betrachtet, unsere eigene Tätigkeit des Objektivierens so verändert, wie in einem Elektronenmikroskop, zu dem, was wir zu sehen hoffen. Wir wollen die Umrisse eines Objekts sehen, wollen, dass die «Realität» für einen Augenblick stillhält, während doch ihre wahre Natur zu einer anderen Ordnung der Wirklichkeit gehört, zu einer anderen Dimension, in der es keine Dinge gibt. Es ist so, als stellten wir das «Beobachtete» scharf ein, wie man ein Dia schärfer einstellt: doch ist in Wahrheit das Verschwommene die genauere Darstellung. Das Verschwommene selbst ist die grundlegende Wirklichkeit.»

Karl Pribram, Gehirnforscher, kam der Gedanke, der Berechnungsapparat des Gehirns könnte ebenfalls wie eine Linse wirken. Seine mathematischen Umwandlungen machen aus Verschwommenheit oder Frequenzen Objekte, verwandeln sie in Klänge und Farben, kinästhetische Empfindungen, Gerüche und Geschmack. «Vielleicht ist die Wirklichkeit gar nicht das, was wir mit unseren Augen sehen». sagte Pribram. «Hätten wir nicht diese Linse – diese von unserem Gehirn vorgenommenen Berechnungen –, dann würden wir vielleicht eine im Frequenzbereich organisierte Welt kennen. Kein Raum, keine Zeit – nichts als Geschehnisse. Könnte es sein, dass wir unsere Realität aus diesem Bereich heraus lesen – heraus isolieren?»
Pribram meinte, transzendentale oder mystische Erfahrungen könnten uns gelegentlich direkten Zugang zu diesem Bereich gewähren. Tatsächlich – subjektive Berichte über solche Erfahrungen klingen oft wie Beschreibungen der Quantenwirkiichkeit, ein Zusammentreffen, das eine Reihe von Physikern zu ähnlichen Gedankengängen verleitet hat. Umgehen wir unsere normale und einschränkende Wahrnehmungsweise – das, was Aldous Huxley das Reduktionsventil nannte –, können wir uns vielleicht auf die Frequenz der Quelle oder der Matrix der Wirklichkeit einstimmen.

Die neuralen Interferenzmuster des Gehirns, seine mathematischen Berechnungen, sind vielleicht mit dem Urzustand des Universums identisch. Das heißt, unsere mentalen Prozesse bestehen tatsächlich aus demselben «Stoff» wie das organisierende Prinzip. Physiker und Astronomen haben gelegentlich festgestellt, die wirkliche Natur des Universums sei immateriell, aber geordnet. Albert Einstein, bekannter Kernphysiker, hat seine mystische Ehrfurcht vor dieser Harmonie bekannt. Der Astronom James Jeans sagte, das Universum gleiche mehr einem großen Gedanken als einer großen Maschine, und der Astronom Arthur Eddington meinte: «Der Stoff, aus dem das Universum besteht, ist Geiststoff.» In jüngster Zeit hat der Kybernetiker David Forster ein «intelligentes Universum» beschrieben, dessen konkretes Erscheinungsbild durch kosmische Daten aus einer nicht erkennbaren organisierten Quelle erzeugt wird. Kurz formuliert besagt die holographische Supertheorie: Unser Gehirn konstruiert aufgrund mathematischer Berechnungen die «harte» Wirklichkeit durch Interpretation von Frequenzen aus einer Dimension, die Raum und Zeit transzendiert. Das Gehirn ist demnach ein Hologramm, das ein holographisches Universum interpretiert.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


Pribram gibt manchmal auf entwaffnende Weise zu: .«Ich hoffe, Sie sind sich darüber im klaren, dass ich all das nicht verstehe. Dieses Eingeständnis entlockt im allgemeinen selbst den wissenschaftlich geschulten Zuhörern einen Seufzer der Erleichterung. Hatte doch jeder einzelne von ihnen – ausgenommen die Vertreter der Neuen Physik, die es besser wissen – immer wieder versucht, lineare, logische Denkprozesse auf eine nicht-lineare Dimension anzuwenden. Man kann nicht in Ursache-Wirkung denken, will man Geschehnisse begreifen, die nicht an Raum und Zeit gebunden sind.»

Die Menschheit steht mit ihren Philosophien, Wissenschaften und Religionen in einem ungeheuren Spannungsfeld, und die weltweite, vielfältige Auseinandersetzung politischer Art oder sogar heftige Kriege um Energie- oder Wasser-Ressourcen reflektieren dieses Katastrophenfeld sehr konkret. Dabei laufen unbeirrt die kosmischen Zyklen in der Zeit ab und senden der Erde in ihren vielfältigen Strahlungen und intensiven Kraftfeldern ihre ihnen eigene Dynamik zur Erfüllung des wirklichen Schöpfungsauftrages. Eine neue – definitiv – neue Zukunft muss in dieser Welt umgesetzt werden, auch mit Hilfe von Menschen, die ihren Auftrag erkennen können. Dafür ist zuallererst ein neues Denken vieler Bewohner dieses Kosmos Erde erforderlich. Die oben zitierten Wissenschaftler sind bereits einen großen Schritt auf diesem Weg gegangen, dennoch fehlt noch der entscheidende verbindende Sprung zu einer ersten mentalen Vereinigung.

Im Folgenden soll der Versuch gemacht werden, eine neue Perspektive zu skizzieren. Dafür müssen allerdings die Grenzen zwischen der materiellen Weltanschauung der westlichen Wissenschaftler und der esoterischen Sicht der Geisteswissenschaftler sowie den östlichen Religionen vorbehaltlos weg gewischt werden. Aber es muss auch die allgemein verbreitete Tradition der hoch verehrten Theorien antiker Philosophien und Weltanschauungen auf einen vertretbaren Platz gestellt werden. Prüfen wir einmal nach, ohne Rücksicht auf all die mentalen Vorbehalte. Von H.P. Blavatsky, Ouspensky, Heindel und Steiner erfahren wir, dass unsere Welt zwei Sphären hat: ein Diesseits und ein Jenseits, das auch der christlichen Kirche nicht ganz unbekannt ist. Mit Diesseits wird die sichtbare physische Welt mit all ihren Erscheinungen der astronomischen Weiten bezeichnet. Das Jenseits beherbergt neben Himmel und Hölle eine Fülle von unstofflichen Kräften, Naturwesen und auch Engel sollen dort ihr Dasein fristen.
Die Hellseher sehen lebendiges Dasein in diesen unstofflichen Sphären, das sie uns erklären wollen. Auch die Astralwanderer sollte man zunächst einmal ruhig anhören, egal mit welchen Methoden sie auf ihre Reisen gegangen sind. Auch die indischen Meistergurus oder die orientalischen Sufis bekommen mit Sicherheit ihre Impressionen aus der kosmischen Mentalsphäre, die in der indischen Philosophie «Devachan» genannt wird. Alles das sind ganz konkrete Wirklichkeiten, die eigentlich nicht nur die Mystiker interessieren sollten. Sie wirken auf alle Menschen, auch wenn sie diese (noch) nicht wahrnehmen können. Auch wenn dieser Tatbestand von den materiell durchtrainierten Fachleuten lauthals verleugnet oder einfach ignoriert wird.

Viele Menschen haben zu allen Zeiten nach einem plausiblen und verständlichen Weg gesucht, auf dem der Mensch seine künftigen Möglichkeiten erforschen kann, wie und wo er die Lücke in seinem System finden kann, durch die er hindurch muss, um wirklich autonom zu werden. Dafür ist es zu allen Zeiten erforderlich gewesen, bewusst sämtliche Grundlagen und Kräfte des eigenen Seins zu erfassen. „Mensch, erkenne Dich selbst!“ war schon über dem Eingang zum Tempel der Einweihung in Stein gemeißelt. Diese Selbsterkenntnis ist nicht nur eine psychologische Analyse unbewusster Aspekte des irdischen materiellen Seins. Die unbewussten Ansichten des Seins befinden sich nun einmal in den unsichtbaren mikrokosmischen Kraftfeldern. Diese muss der Mensch aus individueller Erfahrung kennen lernen, weil dort die Ursachen und Strukturen des Wahrnehmens, des empirischen Erfassens der Umwelt zu finden sind. Erst mit diesen  unstofflichen Gegebenheiten werden die Voraussetzungen des Bedenkens, des Erinnerns und der mentalen Ordnung deutlich, z.B. die Regeln der Resonanz.

Vor jeder sinnesorganischen Wahrnehmung im Stoffkörper vollzieht sich sozusagen eine «Wahrnehmung», ein Informationsaustausch im Ätherkörper, im Astralkörper und in der Mentalis. Alle kommunikativen Vermögen des Mikrokosmos stehen immer im Einklang miteinander, weil sie die eingehenden Informationen für seine Selbsterhaltung in den aktiven Ansichten der vier Lebensfelder verwerten. Dadurch werden damit alle körperlichen, emotionalen und mentalen Aktivitäten für den aktuellen Auftrag des Mikrokosmos im Allgeschehen gesteuert. Alle kursierenden Informationen müssen auch immer mit den bereits bestehenden karmischen Bestimmungen in der Lipika abgeglichen werden. Die Balance zwischen diesen beiden Dynamiken wird stets vom aurischen Wesen mit den Regeln der Resonanz gewahrt. Das Begehren nach Vollendung des Systems wird von der Monade, der Entität hinter dem Mikrokosmos, über den Begegnungspunkt im Herzen eingespielt. Bei diesem teleologischen Bemühen helfen auch noch drei weitere Sphären, die noch nicht zentrierten nirwanischen Felder, die den Mikrokosmos wolkenartig umgeben. Sie werden sich erst in späteren Inkarnationen konzentrisch kumulieren und dem Menschen zur Verfügung gestellt.

8.1 Der Mensch ist ein Mikrokosmos

Genauso wie der Kosmos eine Atmosphäre von ziemlicher Ausdehnung hat, so hat der Mikrokosmos ein großes Atemfeld. Um den Planeten Mensch herum gibt es eine lebendige Kraftwolke, ein bewusstes Wesen, das aurische Wesen von ca. 16 mtr. Durchmesser. Es umfasst den körperlichen Menschen mit allen unstofflichen Kraftfeldern. Der Mensch ist sozusagen das Produkt des aurische Wesens, das ihn führt und ihn dabei auf besondere Weise im Auftrag der Monade leitet. Jeder Mensch wird aus diesen Wechselwirkungen der ihm zugehörigen vier Kraftfelder, mit den sich noch nicht zentrierten drei weiteren gelebt. Das aurische Wesen ist sozusagen der Vater/Mutter des stofflichen Menschen und die unstofflichen Felder sind das persönliche Jenseits. Die darin lebende Person ist stets das Produkt dieses ewig lebenden aurischen Wesens, das seinerseits Produkt der Monade innerhalb unseres irdischen Naturfeldes mit Diesseits und Jenseits ist. Die Monade selbst gehört in ihrer Gesamtheit in eine höhere Lebensdomäne.

Das aurische Wesen
Das aurische Wesen – der Mikrokosmos – besteht aus sieben Wirkungsfeldern mit einem gewaltigen Magnetfeld. Dieses Magnetfeld ist gemäß dem aktuellen Lebensimpuls so polarisiert, dass alle förderlichen Kräfte angezogen und alle disharmonischen Beeinflussungen abgestoßen werden. Der Mensch ist bei aller physischen Perfektion vorerst nur das eigenwillige Werkzeug des aurischen Wesens für seinen Lebensweg.

Für das richtige Verstehen der Wahrnehmung ist es sinnvoll, jetzt noch eine Besonderheit des aurischen Wesens zu beschreiben. Das aurische Wesen ist die Institution des Menschen, die eigentlich nahezu unsterblich ist, also stets erneut einen körperlichen Menschen adoptiert, sein Wesen und Dasein präformiert und seine Erfahrungen so lange speichert, bis die Vollendung des Mikrokosmos mit allen sieben Kraftfeldern zur Tatsache geworden ist. Sind alle Lebensfelder völlig kongruent mit den Kräften in der Monade geworden, dann wird der Mikrokosmos mit dem monadischen Kraftfeld eins sein, ausgestattet mit allen Kräften und Vermögen der ursprünglichen Schöpfung und eins mit sämtlichen Monaden der Schöpfung. Das entspräche der göttlichen Verheißung aller großen Religionen. Darum muss das aurische Wesen stets direkt mit der Monade kooperieren, damit alle weiteren Entfaltungsschritte im Mikrokosmos erfolgen können, auch wenn diese scheinbar über unzählige Umwege führen, um dann letztendlich doch erfolgreich vollzogen zu werden.

Der Ätherkörper
Der Ätherkörper durchdringt und umgibt die materielle Erscheinung, ist ca. 3 cm bis 5 cm größer als der Stoffkörper. Die sich für unser Tastorgan als fest erweisende Materie ist in Wirklichkeit nur eine Anhäufung von Schwingungsklustern besonders niedriger Energie. Die grobstoffliche, materielle Persönlichkeit wird komplett aus dem Ätherfeld erhalten. Das Ätherfeld des Mikrokosmos ist keine insulare Erscheinung. Vielmehr kann man sagen, es schwimmt in einem Wechselbad aus jenseitigem Äther und den in ihm lebenden Wesen. Wie wir das Ein- und Ausatmen kennen, so muss das mikrokosmische Ätherfeld durch Assimilation aus dem umgebenden Ätherfeld stets erneuert werden. Für die Erde sind die Ätherwelten eigentlich der Aufenthaltsbereich für alle Wesenheiten, die vorwiegend für den Erhalt und die Kommunikation der Mineralien, der Pflanzen und für die niederen Tiere arbeiten. Alle stofflichen Lebenswellen die Mineralien, die Einzeller, die Pflanzen und Tiere, Vögel, Fische und Säugetiere sowie die Menschen werden in allen stofflichen Belangen aus dem Ätherfeld der Erde ernährt.

Der Astralkörper
Das nächst höhere energetische Kraftfeld für Tiere und Menschen hat in der okkulten Sprache der Alten den Namen Astralwesen oder Astralis. Weil dieses von Sehern wahrnehmbare aurische Feld des Menschen ein starkes Leuchten kennzeichnet, wird die Astralis eben als Sternenkraft bezeichnet. Das Astralwesen hat im Ruhezustand in etwa die Form eines Eies, in das der materielle Körper vollkommen hineinpasst. Es dynamisiert das Leben und Sein über die Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse und Begierden, und sorgt auf diese Weise für die Selbst- und Arterhaltung. In ihm vibriert die fundamentale Kraft, die S. Freud als Libido bezeichnet hat. So ist die Astralis die unstoffliche Basis für alle Wahrnehmungen. Darum sind die Wahrnehmungen vielfach mit Emotionalitäten unterschiedlicher Art verbunden, die sehr direkt die Aufmerksamkeitsrichtung beeinflussen. Die in vielen religiösen Texten erwähnte Seele kann durchaus als der prinzipielle Lebenstrieb in der Astralis benannt werden.

Die Mentalis
Als viertes Kraftfeld haben sich bei vielen Menschen die ersten Aspekte des Denkvermögens aktiv im Mikrokosmos zentriert. Dieses, bei den Theosophen auch Mentalkörper genannte Kraftfeld, befähigt den Menschen für eine gewisse mentale Aktivität. Dabei sollte immer klar sein, dass der Mikrokosmos wie ein Wassertropfen im Meer in den kosmischen Feldern eingefügt wirkt. So wird die mikrokosmische Mentalis vollkommen vom mentalen Feld des Kosmos durchflutet. Da es als solches aktuell noch kein wirklic voll ausgereiftes Kraftfeld ist, benötigt es stete Ernährung, Reinigung und Dynamisierung von außen. R. Steiner beschreibt sehr schön, wie sich die elementaren Kräfte einerseits um eine Weiterentwicklung der Mentalis beim Menschen bemühen, und andererseits ihn gerade wegen dieser Befähigung massiv für ihre eigenen Interessen gebrauchen.

Dieser Ansatz der Mentalis im Mikrokosmos ist ein kleines, aber gewaltiges Potential, das dem Menschen von seiner Monade zur Verfügung gestellt wurde. Das Mentalvermögen oder vielmehr die Summe aller Kräfte, die damit zusammenwirken, ermöglichen der Persönlichkeit ein bewusstes Wahrnehmen und Denken. Dieses ist die Basis für den deduktiv arbeitenden Verstand, der als ein besonderes virtuelles Sinnesorgan neue Sensationen mit gespeicherten Erfahrungen verknüpfen, abgleichen und bewerten kann. Das mit dem Großhirn in Verbindung stehende Organ, hat verschiedene Eigenschaften und Vermögen, die man am ehesten mit einem Radioapparat vergleichen kann und der seiner Wirkungsweise vielfach einem Computer ähnlich ist.

Jetzt haben wir die verschiedenen in der Esoterik meist bekannten elektromagnetischen Felder in etwa definiert:
Das Feld des materiellen Körpers.
Das uns geläufige Bild von der Erde, von den Gewässern, von der Luft, von den Pflanzen, Tieren und Menschen.
Das Ätherfeld, die Matrize für alle materiellen Erscheinungen. Das Pflanzenreich lebt aus und in dem Ätherfeld.
Das Astralfeld, in dem sich unsere Wünsche und Begehren manifestieren. Das Tierreich lebt sowohl aus dem Ätherfeld, und auch in den niederen Aspekten des Astralfeldes.
Das mentale Feld, das den Verstand, das Denken und den Willen ermöglicht. Dem Menschen gebührt die Ehre, außerdem Anteil am mentalen Feld zu haben. Einige wenige Auserwählte verfügen bereits über höhere Aspekte der Mentalis. Diese werden als Intuition oder Inspiration bezeichnet.
Es gibt darüber hinaus noch drei weniger bekannte Felder, die «nirwanischen Felder»: die Spinalis, Spiritualis, Idealis.

Die höheren drei Kraftfelder des Nirwana werden in der Esoterik immer nur angedeutet. In der jüdischen Kabbala bekamen sie Namen wie Throne, Cherubim und Seraphim, die von der Anthroposophie (R. Steiner) als die höheren Engel in der menschlichen Evolution beschrieben werden. Annie Besant erwähnt die einzelnen Felder in ihrem Buch «Eine uralte Weisheit» ohne genaue Definitionen, weil die Mentalis, also das menschliche Denken keinen Zugriff auf sie hat. Die drei oberen Ebenen des Weltalls heißen bei Sri Aurobindo «sat-chit-ananda», aus dem Buch «Stufen der Vollendung». Diese Begriffe, die an das Sanskrit angelehnt sind, bezeichnen sat = wesenhafte Wahrheit; chit = göttliches Bewusstsein; ananda = Seligkeit des Geistes.

Wenn man das ganze Miteinander und Durchwirken der Lebensfelder und der Wesenheiten in Diesseits und Jenseits richtig betrachtet, sind alle Kraftfelder überall anwesend. Sie befinden sich im selben Raum und kommunizieren nach den Resonanzgesetzen miteinander. Allerdings hat jede Wesenheit unterschiedliche Möglichkeiten und Fähigkeiten der Wahrnehmung. So können die Pflanzen mit ihren Assimilationszellen neben dem Licht und den flüssigen Stoffen eben nur die ätherischen Anteile ihrer Umwelt erfassen und werden von diesen Informationen gelenkt. Sie haben jeweils als Pflanzenfamilie einen großen, ihnen übergeordneten Kraftkosmos, in dem auch viele Informationen astraler und mentaler Art der ganzen Gattung gespeichert sind. Die Tiere werden je nach Art und Familie aus einem Gruppengeist, ähnlich einem Mikrokosmos, geführt. Entsprechend ihrer wesensmäßigen Beteiligung an den drei unteren Kraftfeldern können die Tiere auch astral „Sehen“, sich auf der Erde orientieren, z.B. bei ihren großen Wanderungen für die Fortpflanzung. Mit ihrer ätherischen Wahrnehmung elektromagnetischer Art vermögen Tiere auch die regionale Ekliptik des Erdmagnetismus erfassen und sich daran für ihre Flugrichtung oder Schwimmrichtung orientieren. Dieser Bereich ist so umfassend und höchst spannend, dass ein exakte Erforschung sicherlich über das Leben der Tiere und der Menschheit mehr aussagen könnte, als eine Expedition zum Mars.

 

8.2 Das Bewusstsein

Ein sehr schwieriges Feld in diesem Zusammenhang der Wahrnehmung ist das Bewusstsein. Der Begriff «Bewusstsein» ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet und wird oft mit zahlreichen unterschiedlichen Sinngebungen ausgestattet, die eigentlich in den Bereich der Sinneswahrnehmungen gehören. Alles Leben, Denken und Fühlen wird allgemein von der sinnlich wahrnehmbaren Erscheinung der Materie abgeleitet, so auch das Bewusstsein. Jedoch vom «Bewusstsein» selbst, von seiner ihm eigenen Wesensqualität, ist in der Regel ebenso wenig bekannt wie von dem Phänomen «Zeit». Eigentlich kann niemand so richtig erfassen, was das Bewusstsein selbst ist. Ja, jeder spricht davon, es zu besitzen. Jedoch kann man bei einem genauen Hinschauen und Hinhören feststellen, dass das nicht stimmen kann. Der Mensch wird von seinem Bewusstsein permanent gelebt, denn es umfasst und bestimmt alle Aktivitäten seines Lebens, nämlich sinnesorganisch Wahrnehmen, Denken, Erinnern, Fühlen, Hören, Schmecken, Riechen, körperliches Empfinden, seine Muskeln, seinen Atem, seinen Herzschlag spüren. Eben alle äußerlichen und innerlichen Sensationen wahrnehmen und begreifen, alle Informationen für den Selbstschutz und die sogenannte Zweckmäßigkeit einschätzen. Mit Hilfe all dieser zahlreichen Funktionen, die durch das Bewusstsein ermöglicht werden, wird sich jeder seines Selbst bewusst.
Das Bewusstsein ist demnach die Basisenergie in allen Lebenstrukturen, weil jede Funktion im Körper und mit dem Körper kontrolliert und geregelt werden muss. Dazu gehört, wie heute jeder Wissenschaftler bestätigen kann, ein steter Informationsaustausch. Und das Bewusstsein ist das Medium für alle Kommunikation im Mikrokosmos. Bei all diesen Prozessen wirken für die geordneten Strukturen immer die Regeln der isobaren Resonanz, im aurischen Wesen wie auch im Kosmos.

Alles Erfassen und alles Bedenken findet in der Mentalis statt. Sämtliche Kommunikation in den und zwischen den Kraftfeldern wird mit dem Bewusstsein ermöglicht, das in jedem der sieben Kraftfelder jeweils funktional immanent ist.

Das Bewusstsein ist eines der sieben gewaltigen Kräfte des Universums, die die ganze Schöpfung durchdringen und beleben. Das Bewusstsein wird von allen Monaden in allen Schöpfungsgebieten ausgetragen. Dabei muss eigentlich von mehreren Bewusstheiten oder von vielen Bewusstseinsstrukturen gesprochen werden. Einerseits ist das Bewusstsein im ganzen Universum immer eins – das Universale Bewusstsein ist ein einziges Kraftfeld – andererseits wirkt es in den verschiedenen Kosmen, Monaden, Entitäten, Wesen, sowie den Teilfeldern aller Wesen unterschiedlich, jeweils entsprechend der Art und Struktur der Teilbereiche sowie in Harmonie mit dem notwendigen Informationsstrom und der Erlebnisfähigkeit der zugehörigen Aspekte. Für den Auftrag, die Erkenntnisse der erfahrenen Lebenszusammenhänge zwischen den Monaden auszutauschen, werden die verschiedenen Informationsströme vom monadischen Bewusstsein zu den in den Monaden wirkenden Wesen intelligent überspielt.
Auf diese Weise ist im Mikrokosmos das Grundbewusstsein des aurischen Wesens die Basisenergie auch für die Mentalis als Verwerter der diversen Sinneswahrnehmungen. Dabei werden alle sinnesorganischen Wahrnehmungen über die unbewussten Feldstrukturen hinaus vorselektiert, und mit dem Verstand in das erfassbare Tagesbewusstsein gehoben, das immer nur einen Bruchteil der Gesamtinformationen erfassen kann. Informationswissenschaftler sprechen von einer aktuellen Informationsflut von 1 Million Bits pro Sekunde, wovon im Tagesbewusstsein durchschnittlich nur 100 bits/sec verarbeitet werden. Die Qualität des tatsächlich von der Person bewusst Erlebten im aktuellen Tagesbewusstsein ist also nur eine Konzentration oder Selektion aus allen eingehenden Informationen im System für die rationalen Überlebensnotwendigkeiten. Die Vielfalt aller im Mikrokosmos ablaufenden Kommunikationen werden vollkommen im Unterbewusstsein verarbeitet, für die Gedächtnisse in den Kraftfeldern und im Atemfeld aufbereitet und gesammelt. Simultan werden die eingehenden Informationen teilweise direkt in der Lenkung der Wahrnehmung wieder angewendet.

Es ist ganz wichtig, sich immer wieder deutlich zu machen, dass jede mikrokosmische und kosmische Sphäre von einem ihr eigenen Bewusstsein geführt wird, das mit zugehörigen virtuellen Wahrnehmungsorganen arbeitet.

1. Im Körper wirkt das bekannte Körperbewusstsein, das sogenannte Tagesbewusstsein. Von den Neurologen wird es auch Beta-Bewusstsein genannt. Die dazugehörigen Sinnesorgane des Körpers Gefühl, Geschmack, Geruch, Gehör, Gesicht sind allgemein bekannt, und wurden im vorderen Teil des Textes ausführlich besprochen. Der sechste Sinn – der Verstand – gehört allerdings auch zu den Sinnesorganen. Er arbeitet meistens übergreifend mit den anderen Feldern zusammen. Zu den Sinnesorganen im Körper gehören noch einige Kontroll- und Regelungszentren für Wärme, Blutdruck, Flucht- und Schutzmechanismen, die durch die moderne Biologie erforscht wurden.

2. Im Ätherfeld gibt es ein ätherisches Bewusstsein, das von Hellsehern gebraucht werden kann. Es arbeitet aber auch bei allen Menschen, die sich nicht zu den sensitiven Medien rechnen. Die Wahrnehmung im Ätherfeld ist für viele Menschen zunächst nur ein vages Fühlen von Veränderungen gegenüber dem eigenen Vibrationsstatus, z.B. Empfindungen von Kälte oder Wärme, auch wenn die Außentemperaturen normal sind.

3. Im astralen Feld wirkt ein astrales Bewusstsein, das vor allem über das Herz arbeitet, dem zentralen Organ des Astralwesens. Manchmal hört man bei komplexen Entscheidungen die Rede: «Das habe ich aus dem Bauch entschieden». Diese Aussage bedeutet, dass Menschen nicht-rationale Entscheidungen über das Sonnengeflecht reflektieren, wo sich das Denkzentrum de Astralis konzentriert. Das Herzbewusstsein ist ein ganz besonderes Gefühlsorgan, in dem sich verschiedene Bewusstheiten unterschiedlich mischen und zu dem werden, was normalerweise als Gemütszustand bezeichnet wird. Dieser wird jedoch stark vom Astralbewusstsein dominiert.

4. Das mentale Feld ist die Hauptdomäne des denkenden Bewusstseins. So wird es immer gesagt. Doch es ist ernsthaft die Frage erlaubt, ob der Mensch wirklich nur mit seinem Kopf denkt, bewusst seine Erfahrungen verarbeitet und dann mit kräftigem Entschluss zum Handeln übergeht. Wir sind in unserer Vorstellung Kopf-Dinosaurier geworden. Das Denken über das Instrument Verstand ist für die heutige Menschheit die höchste Erfahrung des scheinbar unabhängigen Selbstwertes. Darum resümiert Descartes: «Ich denke, also bin Ich!» Dabei hat er allerdings übersehen, dass das menschliche Sein ein komplexes Produkt von Körper, Mikrokosmos und Monade ist. Erst mit dieser Kombination aus stofflichem Körper – Gehirn – und der unstofflichen Mentalis ist das Denken erst möglich geworden.

Die Sinnesorgane des Körpers sind immer gekoppelt mit dem virtuellen Verstand im Körperbewusstsein. So ist es bei weitaus den meisten Menschen, auch weil sie ihr Leben überwiegend auf die Selbsterhaltung im stofflichen Lebensfeld ausrichten. Die materielle Konsumhaltung lässt nur bei wenigen Menschen eine Sensitivität für das ätherische oder astrale Bewusstsein zu. Im Übergang des Fischezeitalters zur Aquariusperiode ist bereits festzustellen, dass immer mehr Mikrokosmen inkarnieren, in denen die Menschen schon Empfindungen für die Äthersphäre haben. Man denke dabei nur an den Begriff der «Indigo-Kinder» (Auch der Ausdruck Wassermann-Kinder drängt sich geradezu auf, weil diese Kinder über Fähigkeiten oder Eigenschaften verfügen, die viel mit dem Prinzip des Wassermanns zu tun haben: z.B. Hellsichtigkeit und/oder Hypersensitivität – ätherisches Sehen) oder an die sich immer mehr zeigende «ADHS-Krankheit» (Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. ADHS gehört zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend.) Natürlich werden von der Standardwissenschaft diese Feststellung der mikrokosmischen Weiterentfaltung als esoterisch eingestuft, weil sie mit ihrem Körperbewusstsein diese Lebensbereiche nicht erfassen kann.

Darin liegt natürlich ein ganz wesentlicher Schutz für die Entwicklung des Menschen. In der Übergangszeit zu einer neuen Entwicklungsstufe in der Evolution wird dieser Schutz gleichzeitig zu einer enormen Behinderung. Denn noch sind viele Menschen mikrokosmisch in der Phase der Vollendung der dritten astralen Ansicht oder sie beginnen gerade, sich mit den Begehren aus der vierten astralen Ansicht auseinander zu setzen. Das bedeutet, sie empfinden in ihrem System hohe Ideale der Liebe, der Gerechtigkeit, der Harmonie, der Schönheit usw. die meistens mit dem göttlichen Himmel verbunden werden. Wenn ein Mikrokosmos bereits mit einer weiter entwickelten Astralis inkarniert, mit der vollendeten 4. oder bereits mit der 5. astralen Komponente, dann wird auch die vierte Mentalis zunehmend aktiv. Das führt dann zu völlig anderen Wahrnehmungen, wie z.B. Hellsichtigkeit in die ätherische Sphäre, evtl. auch in die Felder der niederen Astralis. Das ist natürlich für den «normal» gesinnten Menschen derart außergewöhnlich und darum höchst gefährlich, zumal solche Menschen auch den allgemeinen Betrug in Handel und Werbung, in Finanzen und Medizin intuitiv erfassen. Sie erkennen viel schneller und direkter die Unwahrhaftigkeit ihrer Umwelt. Darum muss diese Entwicklung von den noch nicht so weit entwickelten Menschen mit Hilfe ihrer Medien vollständig verdrängt werden. Mögliche Einsichten oder Erkenntnisse bzw. Erscheinungen von diesen Menschen werden esoterisch oder spirituell gewertet oder in die Welt der Wunder und Märchen einsortiert.

Dass diese erweiterten Befähigungen allerdings schon lange von Mystikern in Ost und West bekannt waren und auch von anerkannten Forschern in vielen Studien beschrieben werden, ist verständlicherweise kein Allgemeingut. Jedoch die Erkenntnisse über diese Erneuerungen im Wahrnehmen durch die Entwicklung des Mikrokosmos in der Astralis und Mentalis nehmen zu (Michael Murphy, Der Quantenmensch). Die Kenntnisse über die einzelnen Kraftfelder in Kosmos und Mikrokosmos sind auch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Theosophie zur Menschheit gekommen, insbesondere Annie Besant und C.W. Leadbeater haben darüber berichtet. J. v. Rijckenborgh und Cath. de Petrie haben in der Lehre der Rosenkreuzer viele Zusammenhänge und Wirkungen der mikrokosmischen Felder mit den Feldern des Jenseits erläutert.

Es wäre hier noch einmal zu betonen: Da der Mensch seine Wahrnehmungen überwiegend mit dem stofflichen Bewusstsein macht und auch mit dem stofflichen Bewusstsein alle Informationen aus den Gedächtnissen bedenkt (schon ca. 340 v.Chr. von Aristoteles als empirische Wissenschaft benannt), bleibt er von der Erkenntnis aus den höheren Kraftfeldern (Äther, Astralis, Mentalis) ausgeschlossen. Das allgemein übliche Denken auf dieser niederen Basis wird zum harten Kern seines EGOs,
und ein jeder hat große Problem, sich mit seinem Denken für eine höhere Erfahrenswelt zu öffnen. Dies ist wiederum der Grund für die explosionsartige Entwicklung von Religion, Spiritismus und Okkultismus sowie Drogengebrauch, denn es gibt auch viele Menschen, die den einschränkenden Mangel empfinden und nach gangbaren Wegen zur Bewusstseinserweiterung suchen. Andere entfalten für ihre Selbstbestätigung kulturelle Aktivitäten nach allen Richtungen oder bilden und wirken in karitativen Hilfsorganisationen und sonstigen Schutzorganisationen für Kinder, Tiere und die Flora.

 

8.3 Das Atemfeld

Das Atemfeld im aurischen Wesen ist ein kugelförmiges Kraftfeld von ca 8 mtr. Durchmesser, in dem der Mensch atmet, die Luft und auch ätherische, astrale und mentale Kräfte aufnimmt und umwandelt. In dieses Atemfeld projiziert der Mensch seine Gedankengeschöpfe, mit allen lang gehegten Wünschen und Vorstellungen von sich und der Welt. Auch nicht ausgelebte und verdrängte Begehren jeder Art werden zu astral-mentalen Schemen, die sich manchmal nachts dem Träumer offenbaren. Je nach Intensität und Dauer werden diese Atemfeldbewohner sehr kraftvolle Erscheinungen, die sich ganz konkret vor das Gesicht stellen und so das Wahrnehmen, Empfinden und Denken beeinflussen. In dieser Projektionsfähigkeit offenbart sich ein fataler Teil des schöpferischen Vermögens unserer Denktätigkeit. Diese erschafft aus unseren Gedanken und Gefühlen lebende Geschöpfe, die sich primär im Atemfeld einnisten und sich dort kurz oder länger aufhalten. Wenn man von Vorstellungen, Dogmen, Prinzipien, Weltanschauungen, Werthaltungen o.ä. spricht, denen man mehr oder weniger zwanghaft gehorchen muss, dann sind diese mentalen Geschöpfe im mikrokosmischen Atemfeld gemeint. Denn sie stehen dort ganz konkret vor der Wahrnehmung des Verstandes und dominieren das Denken. Je intensiver der Mensch mit diesen Holokumulies kooperiert – was leider nicht ausbleiben kann – desto kräftiger werden diese astral-mentalen Bewohner zur Gewohnheit. Dadurch bekommen sie immer konkretere Form und stärkere Dynamik. Zunehmend wenden sie sich aus Selbsterhaltungszwang an ihren Schöpfer, um erneut Nahrung, sprich mentale und astrale Kraft zu bekommen. Jeder könnte das alles bei sich selbst erkennen, wenn er sich in seinen Gewohnheiten einmal genau unter die Lupe nähme. Wer schon aus Gewohnheit z.B. bestimmten ungeschriebenen Tabus oder Gesetzen gehorchen muss – die ihm möglicherweise von der Gesellschaft anerzogen wurden – oder wenn man Autoritäten und deren Weltanschauungen zwingend folgen muss, die nicht mehr anwesend sind, folgt ausschließlich seinen «Atemfeldgolems». Dann haben sich diese Autoritäten bzw. deren Vorstellungen bereits im Atemfeld fest eingerichtet. Von dort wird dann der Mensch über sein Unterbewusstsein regelmäßig manipuliert und vertritt wie gewohnt diese Ansichten oder Vorbehalte vehement nach außen. Er selbst glaubt, seine Äußerungen entsprächen seinen eigenen, selbst geschaffenen Vorstellungen. Steigert sich der Mensch mit diesen Einstellungen und Werthaltungen hoch zu Streitigkeiten und emotionalen Eruptionen, dann werden die «Mentalgolems» im Atemfeld besonders kräftig ernährt. Man selbst wird und fühlt sich hinterher ziemlich kraftlos und meistens auch noch völlig zu Unrecht missachtet.

Dabei wird allerdings sehr deutlich, dass alle Inhalte des Atemfeldes ein Gedächtnis darstellen, das außerdem ständig aktualisiert und meistens auch kräftig benutzt wird. Das Gehirn ist nur die Apparatur für den Verstand, der im Atemfeld die in den astral-mentale Holokumulies vibrierenden Gedanken ausliest.

Das aurische Wesen ist auch ein effektiv schützendes Feld für den Mikrokosmos, das aus dem Kosmos über seinen Magnetismus jene Ereignisse und Kräfte anzieht, die notwendig für sein Leben und Werden sind. Alle mentalen und emotionalen Vorstellungen im Atemfeld zusammen mit den Melodien aller mikrokosmischen Sphären prägen den Vibrationsschlüssel dieses Feldes. Dementsprechend werden jene Kräfte angezogen, die zur Entwicklung des Mikrokosmos gut passen und alle disharmonischen Kräfte, die nicht zur Gesamtschwingung resonant sind, werden abgewiesen. Dieses kugelförmige elektromagnetische Feld reicht ziemlich weit über den Körper des Menschen hinaus. Wer sich einmal eine stark belebte Hauptstraße in einer Großstadt vorstellt, kann ermessen, wie die Mikrokosmen durcheinander gehen und -fahren, durcheinander in der Bahn sitzen und sich gegenseitig mit ihren Magnetfeldern durchdringen, sich damit möglicherweise beeinflussen, ohne dass es wirklich vom Einzelnen erfasst werden kann. Allerhöchstens tauchen ein paar Impressionen der Sympathie oder Antipathie auf. Spannend zu beobachten sind große Massenversammlungen, z.B. die Hadsch in Mekka oder die Kumbh Mela in Indien, wo dann alle Pilger auch noch gleichermaßen auf ihren Gott ausgerichtet werden, oder die großen Pop-Events, wo sich viele Menschen bei gleicher Musik auf ihre besondere Lebensqualität einschwingen. Sie summieren sich auch noch in ihrer Verehrung – also im Magnetismus – für eine Spiegelsphärenwesenheit, die natürlich mächtig angezogen wird und ihre «Schäfchen» kräftig ausbeutet.

Unzweifelhaft sind die Basisgesetze für die visuelle Wahrnehmungsorganisation auch für das Wahrnehmen in den unstofflichen Kraftfeldern wirksam. Das Prinzip Leben erfindet sich permanent neu in der ununterbrochenen Kommunikation, dem permanenten Austausch von Kräften, Ideen, logistischen Elementen, Planungen des Zusammenwirkens, Abgleichen, Interferieren und Multiplizieren von Daten und Fakten. Bei diesem komplexen Informationsaustausch finden sich immer jene Vibrationen zusammen, die eine gleiche Schwingung aufweisen. Demnach wirkt in allen Kraftfeldern vor allem der Ähnlichkeitsgrundsatz, aber auch das Prinzip der harmonische Fortsetzung, die Regel von Figur und Grund und alle weiteren bereits beschriebenen Regeln der Wahrnehmungsorganisation bestimmen das Geschehen. Die in der visuellen Wahrnehmung dargestellten Gesetze spiegeln ausnahmslos das Zusammenspiel im gesamten Kommunikations-Prozess in allen Bewusstheiten der monadischen Kraftfelder. Über allem ist das Gesetz der isobaren Resonanz gültig.

Die Wechselwirkung zwischen Monade und aurischem Wesen beinhaltet in ihrer Gesamtheit die Selbsterhaltung des Mikrokosmos mit einer bewusst erfassenden Persönlichkeit und die Vermittlung aller Informationen und Kräfte. So ist das Leben ein beständiges Fließen von Kräften nach unterschiedlichen Regeln. Viele davon spiegeln sich bereits in der materiellen Wahrnehmungsorganisation, wie vorher beschrieben. Dieses Hin und Her von Wahrnehmungen, Informationen und Kräften ist wie ein sich unentwegt webender Teppich, in dem sich die Muster permanent verändern, ineinander übergehen, sich gegenseitig überlagern oder auslöschen, allerdings in allen Dimensionen. Das ist das vitale Leben selbst. Alle gespeicherten Kraftimpulse schwingen ganz langsam aus, nachdem sie die Auftragserfüllung erreicht und dabei den Höhepunkt der Intensität überschritten haben. Zentrale hohe Impulse lösen in den unteren Kraftfeldern eine Kaskade von weiteren Impulsen aus, die sich in einem mehrdimensionalen Netz verstärken, ergänzen oder gegenseitig auslöschen, so dass man durchaus von einer multidimensionalen Melodie der Monade sprechen kann.

Chakras
Die Chakras, Quellräder und Transportbahnen für alle immateriellen Kräfte, sorgen für die Gesunderhaltung des Systems Mikrokosmos und für das seelische und auch das physische Gleichgewicht der Persönlichkeit. Dies geschieht innerhalb zahlloser Kräfte und Einflüsse des gewaltigen Universums, in dem der Kosmos Erde mit Diesseits und Jenseits nur ein Bruchteil des ganzen Seins ist. Die elementar wichtigen Austauschfunktionen, also die Aufnahme und Weitergabe von Kräften zwischen den Sphären im Mikrokosmos, üben die Chakras aus, allerdings ohne die bewusste Kontrolle der Menschen. Jede Störung in diesem stetig fließenden informativen Stoffwechsel führt zu Krankheiten und letztendlich auch zur Auflösung des mikrokosmischen Verbandes. Die Reorganisation der Chakras hat in esoterisch-okkulten Kreisen und Vereinigungen zu einer gewissen Kultur geführt, angefangen vom echten Hatha-Yoga bis hin zu den Chakra-Meditationen der Theosophen. Dabei wird immer auch beschrieben, wie sich eine neue Wahrnehmung einstellen kann.

 

8.4 Der Verstand, ein Sinnesorgan

Was kann oder macht der Verstand? – Es wird vielfach sehr unterschiedlich über dieses Phänomen des Menschen geschrieben, gesprochen und meditiert. Man sollte sich diese erstaunlichen Befähigungen einmal in Ruhe anschauen. Als erstes beobachtet man zunächst das Vordergründige: das Denken, wie wohl ein jeder weiß. Doch nicht jeder ist sich seines Denkens wirklich bewusst und erfasst die dazu gehörenden Vorgänge, weil er selten oder nie seine Aufmerksamkeit auf diese vielfältigen Prozesse lenkt. Jedes Denken findet sozusagen innerhalb eines „Gartens“ mit zahlreichen, bereits gepflanzten Blumen statt. Ohne einen gewissen Bildervorrat aus Erfahrungen, Vorstellungen, Meinungen und lebensnotwendigen Verbindlichkeiten findet kein Denken, Überlegen Bewerten etc. statt. Jeder Mensch ist voller solcher Weltanschauungen und selbst geschaffenen Wahrheiten, mit Dogmen und Tabus ausgestattet.

Der Verstand funktioniert wie ein perfekter Artist in einer Mannschaft aus mehreren Artisten am Hochseil. Als virtuelles Sinnesorgan muss er alle aktuellen Wahrnehmungen der Sinnesorgane auf der Basis eines emotionalen und konditionellen Settings des Körpers mit allen Gedächtnisstrukturen im Mikrokosmos – im Atemfeld, in der Astralis und in der Lipika – abgleichen; simultan die vielfältigen Informationen in den zentralen virtuellen Denkapparat einspiegeln, und dann die plausibelste, dem Gesamtsystem am besten angepasste Information dem bewussten Denken zur Verfügung stellen. Außerdem noch – je nach Situation – einen rational ausgewogenen Gedanken für einen grammatikalisch perfekt formulierten Satz in der richtigen Sprache – in der Muttersprache oder einer Fremdsprache – dem Sprechapparat zur Verfügung stellen.

Es kann dabei durchaus vorkommen, dass der Verstand einen Gedanken formuliert hat, der dem Zuhörer nicht übertragen werden darf; dann muss schnell noch eine fast richtige Gegenargumentation aus dem Gedächtnis gefischt werden, die in der erkannten richtigen Absicht dem Zuhörer gefallen könnte. Bei alledem muss das Denken im Verstand natürlich auch der emotionalen Gesamtsituation des Gespräches Rechnung tragen. Das ist eine hochkomplizierte Angelegenheit, die niemals vollständig bewusst gesteuert werden kann. Darum ist dieses Geschehen eingebettet in angelernte Modellstrukturen und antrainierte Formulierungstechniken, wie es vor allem in besonderen Internaten für das Höhere Personal gelehrt wird. Dabei sind die Koranschulen oder buddhistischen Klosterschulen auch nicht zu unterschätzen, wo die religiösen Dogmen solange durchargumentiert werden, bis nahezu jede Antwortmöglichkeit bereits vom Kandidaten im Schlaf hergesagt werden kann. Man könnte so etwas ernsthaft als Gehirnwäsche bezeichnen, denn es entsteht dadurch kein wirklich freies Denken.

Der Verstand ist also ein virtuelles Organ, analog einem Computerprogramm, das auf die verschiedenen Gedächtnisse zugreifen kann, ggfs. auch auf das kosmische Gedächtnis, und gleichzeitig mit dem Input der Sinnesorgane und der Begehren und Gefühle des Körpers direkt verbunden ist. Das stoffliche Gehirn ist sozusagen die Hardware des Computers, in dem unter der Leitung des Verstandes und einem für alle geltenden System verschiedene virtuelle Programme kooperieren.

Das Programm Verstand fragt alle Gedächtnisteile nach der isobaren Regel ab, scannt die eingespeisten Strings, und gibt die Gedanken in das Assoziationsprogramm ein. Dort werden alle Informationen erst miteinander abgeglichen und dabei nach Begehren, Nutzen und Zweckmäßigkeit für das Überleben bzw. harmonische Zusammenleben bewertet und eingestuft, und dann für ein sinnvolles Handeln verwendet. Simultan werden die kombinierten Informationen direkt für die Wahrnehmungsorganisation eingesetzt. Dafür arbeitet im Verstand ein Kombinationsmodul, das deduktive Vermögen, das die aus den Gedächtnissen abgefragten Inhalte miteinander verknüpfen kann. Diese assoziierten Informationskomplexe werden dann dem Denken zum Bewerten übergeben. Hier wird vor allem selektiert, was davon im Sprachmodul über die Rede verwendet werden soll. Dies geschieht nach unterschiedlichen Regeln der Kohabitation, wovon einige Gesetze im ersten Teil dieses Buches bereits besprochen wurden.

Wichtige Regeln neben der isobaren Resonanz sind das Interpolieren von sich nahe liegenden Gedanken und die Selektion nach dem Kriterium des physischen Überlebens. Die Menge der auf den Menschen einstürmenden Informationen ist so gigantisch, dass der Verstand aus dieser Flut der Informationen, unter der Leitung eines höheren Auftrages aus der Monade, die Qualitäten nach Selbsterhaltung sowie Arterhaltung für die geringe Kapazität des Tagesbewusstseins selektieren muss. Dafür werden sich ähnliche Informationen nach den bereits beschriebenen Gesetzen der Resonanz zu «Melodiekonfigurationen» zusammengefasst. Gleichzeitig bieten sich bereits vorhandene Modelle aus bereits vorgeformten Einstellungen und Wertschätzungen an, die meistens neue, ungeeignete Informationen überschreiben. Zusätzlich wird dabei alles reduziert und in den Hintergrund gedrängt, das nicht mit der emotionalen Situation übereinstimmt und darum nicht der bewussten Betrachtung für die aktuelle Anforderung zugeführt werden muss. Erst wenn äußere oder innere Faktoren dazu zwingen, absolut neue unorthodoxe Verhaltensweisen für das Überleben zu kreïeren, werden andere, bislang unterdrückte Assoziationen zusätzlich dem Verstand zugeführt und in den aktuelle Assoziationsprozess mit aufgenommen.

Auch wenn die Multiplexität all dieser Befähigungen scheinbar unüberschaubar ist, so kann man bei alle Verstandes- bzw. Denktätigkeiten einige Grundfunktionen erkennen:

  • Er steuert mit dem Bedenken alle bewussten sinnesorganischen Wahrnehmungen.
  • Auf der anderen Seite kontrollieren das Wahrnehmen und Bedenken die gefühlsmäßigen Aktionen und begleiten das Handeln. Unzählige unbewusste Vorgänge im Körper beeinflussen das, was der Mensch konkret erfassen und bedenken kann.
  • Der Verstand nimmt die Inhalte in den Gedächtnisse wahr: durch Aufrufen und Abfragen, durch Bewerten, Zuordnen und das Ablegen mentaler Inhalte.
  • Aus dem gesamten Vorrat von Informationen aller Gedächtnisse können, je nach Flexibilität der Grundprogrammierung des Verstandes, neue Gedanken-Kombinationen erdacht, gefunden werden.
  • Verstand und Gefühle nehmen auch transpersonale Informationen in der Kommunikation mit Menschen und der Umwelt wahr, was mit der Sensibilität der unstofflichen Felder zusammenhängt.
  • Das Denken formiert auf der einen Seite das Sprechen, die verbale Artikulation, und dominiert andererseits die psychischen und die physichen Aussagen des Körpers.
  • Das alles geschieht mit den Energien der höheren Astralis, des Mentalfeldes und der Bewusstheiten im Mikrokosmos.

 

8.5 Die Gedächtnisse
Das Gedächtnis ist – wie oft behauptet – nicht nur im Gehirn zu Hause. Es existieren mehrere Gedächtnisse im Mikrokosmos und in den Gebieten des Kosmos, die mit ihm resonant sind. In allen Feldern des aurischen Wesens sind unterschiedlich strukturierte Gedächtnisse angelegt, die unterschiedlich jede Wahrnehmung innerhalb des Systems beeinflussen. Es wäre ein umfangreiches Unternehmen der Geisteswissenschaft, die Details zu erforschen, auf welche Weise die verschiedenen Gedächtnisse die Wahrnehmungsorganisation dominieren. Dabei beeinflussen die neuesten «Erinnerungen» normalerweise die stattfindende Wahrnehmung am stärksten. Im hohen Alter verlieren die aktuellen Geschehnisse für den Menschen zunehmend an Bedeutung, so dass die Erinnerungen aus vergangenen Zeiten mehr und mehr in den Vordergrund rücken und das aktuelle Wahrnehmen in die festgefahrenen Denkparameter pressen.

Die hochkomplexe Steuerung aller Lebensvorgänge des menschlichen Körpers und seines Mikrokosmos macht doch selbstverständlich diese Erinnerungsspeicher im Bewusstsein aller Kraftfelder erforderlich. Die diversen Organe in den Körpern können nur in und mit ihren lebendigen Wechselwirkungen auf der Grundlage einer eigenen Informationsspeicherung reibungslos miteinander kommunizieren. Nur diese sich beim Heranwachsen des Menschen entwickelnden und stabilisierenden «Erinnerungen» an erfolgreiche Koordinationen der internen und externen Logistik (Austausch der Kräfte) gewährleisten auf Dauer ein gesundes Leben in und mit allen Organen. Wer sich einmal mit Biochemie bzw. Biophysik im eigenen Körper befasst hat, wird mit Erstaunen registriert haben, wie viele Regelkreise durch ihr perfekt aufeinander abgestimmtes, routinemäßiges Arbeiten bei den zahlreichen, permanenten Kontrollen, z.B. der Viskosität, Konzentration, Druck, Temperatur usw., in allen Organen zum harmonischen Wachstum und einem ausgeglichenen Lebenszustand beitragen, was vom Menschen meistens völlig selbstverständlich und natürlich hingenommen wird.

Aus diesen Gedächtnissen entwickelt sich im Menschen auch seine fundamentale Grundprägung im Hintergrund des Tagesbewusstseins. Dieses hochkomplexe, sehr subjektive Zusammenspiel in Verbindung mit seiner ganzen Ratio kann mit EGO bezeichnet werden. Das trifft den Kern am Besten, wenn man auch die zwischenmenschlichen Aktionen und Reaktionen mit Familie, Freundes- und Arbeitskreis im rechten Betrachtungswinkel mit einbezieht. Man kann diese Grundprägung auch als Naturseele bezeichnen, weil die Quintessenz aller Erinnerungen im Mikrokosmos und ihre Qualität seine Lebensintentionen und -strategien bestimmen und dynamisieren. Einige Autoren bezeichnen diese individuelle Struktur der internen Kommunikation und Regelung mit Gemüt oder mit Charakter. Die für die äußeren gesellschaftlichen Verbindlichkeiten unbequemen und weniger passenden Eigenschaften werden dabei jedoch meistens der Betrachtung entzogen. Die naturwissenschaftlich orientierten Psychologen und Soziologen kennen die komplexe Architektur des unstofflichen Mikrokosmos mit seinen sieben Kraftfeldern nicht oder ignorieren diese. Darum können sie auch nur die äußerlichen Aspekte der allgemein akzeptierten Grundprägung des menschlichen Denkens und Wahrnehmens dokumentieren und in ihrer grobstofflichen Abhängigkeit von Sinnesorganen oder Zellbereichen im Gehirn umreißen. Auch wenn ihnen die Aspekte eines unstofflichen Bewusstseins und der Emotionen durchaus bekannt sind, müssen sie sich wegen der wissenschaftlichen Vorschriften an die genehmigten empirischen Konstrukte halten. Die in der Literatur des C.G. Jung ausführlichen Fallbeispiele dokumentieren seine großartigen psychologischen Konzepte. Diese vielseitigen Studien (in Religion und Alchemie) und seine Patientenberichte beweisen, dass nach seinem hochdifferenzierten psychologischen Modell mehrere Gedächtnisse in Form von «virtuellen Personen» (der Alte, Anima und Animus und die kulturübergreifenden Archetypen) im Unterbewusstsein des Menschen wirken.

Die esoterische Sicht auf Mikrokosmos und Persönlichkeit unterscheidet also sieben Kraftfeldstrukturen: den materiellen Körper, das diesen prägenden Ätherkörper, die alles dynamisierende Astralis, das bewusste Erkennen in der Mentalis, sowie die nicht erfassbaren drei nirwanischen Felder. Aus dieser Perspektive sind auch alle Ansichten mit einem spezifischen Bewusstsein ausgestattet. Damit ist folgerichtig, dass für die lebensfördernde Koordination aller Interaktionen in diesen sieben Bewusstheiten jeweils auch ein eigenes Gedächtnis wirkt.

1. Organisches Körper-Gedächtnis. Dieses wurde u.a. auch von dem Physiotherapeuten Feldenkrais entdeckt und für die nach ihm benannte Therapie an zahlreichen Fallbeispielen erforscht. Es wird vor allem in den jüngeren Lebensjahren mit allen Bewegungsabläufen angefüllt, die der heranwachsende Menschen spielerisch vor allem bei sportlichen Betätigungen erleben kann. Der stoffliche Mensch wird natürlich, wie alle Tiere und Pflanzen, zunächst von einem stofflichen Gedächtnis in seinen körperlichen Aktivitäten gesteuert, das vor allem für die Bewegungsabläufe zuständig ist, für die Haltung, Gestik und Mimik, für Gleichgewicht, sportliches Talent, Kondition und Fitness etc.. Selbstverständlich auch für alle orthopädischen Fehlhaltungen und muskuläre Verkrampfungen, die auch auf karmische Vorprägungen zurückgehen können.

2. Ätherisches Gedächtnis. Für den stofflichen Bereich hat das ätherische Feld mit seinem Gedächtnis natürlich eine große Bedeutung. Dieses Gedächtnis wirkt ganz eng mit dem stofflichen zusammen, so direkt, dass man die beiden kaum auseinander halten kann. Darum werden bei einigen esoterischen Autoren diese beiden Kraftfelder stets zusammengehörig beschrieben. Das ätherische Gedächtnis ist vor allem für die zelluläre und interorganische Kommunikation zuständig. Die lebensnotwendigen Regelkreise der Lymphe, des Blutes, der Nerven und der endokrinen Organe werden bei ihren lebenswichtigen Aufgaben von den ätherischen Fluiden unterstützt. Die chinesischen Ärzte wirken u.a. mit ihrer Akupunktur direkt in diese Kreisläufe, und auch die ayurverdische Medizin berücksichtigt vor allem die ganzheitliche Kommunikation dieser feinstofflichen Wechselwirkungen, die von den konventionellen allopathischen Ärzten, die sich an der chemisch-pharmazeutischen Industrie orientieren, total übersehen werden. Wenn dann ein Homöopath wie z.B. Hahnemann eine diese Zusammenhänge berücksichtigende selbstheilende Therapie entwickelt, dann ist die Verleumdung die erste Wahl der etablierten Ärzteschaft und der Chemiegiganten. Längst wurden von einigen Heilpraktikern Heilungskonzepte entwickelt, die analog der chinesischen Medizin und Ayurveda berücksichtigen, dass die ätherischen Anteile von Pflanzen und Pflanzenauszügen oder die ätherischen Aspekte bestimmter Mineralien eine vor allem selbstheilende Reaktion im Körper des Menschen auslösen.

3. Astrales Gedächtnis. Die Gruppe der emotionalen Erfahrungen, erfolgreiche Begehren und unbefriedigte Begierden, hehre Wünsche und Absichten werden als astrale Konfigurationen im astralen Bereich des Atemfeldes im Mikrokosmos eingespeichert. Dieses virtuelle Gedächtnis wird einerseits von der aktuellen Mentalis durchpulst und beeinflusst und andererseits polarisiert es den Ätherstrom, der für die Erhaltung des Körpers zuständig ist. Im Astralgedächtnis vibrieren die Gefühls-Komplexe als Module, die mit mentalen Erinnerungen nach der isobaren Resonanz miteinander verlinkt zu einer Art Klustersystem (siehe Atemfeld) heranwachsen. Hier tummeln sich auch alle frisch erwachenden Begehren und Wünsche des Menschen mit ihren vorgeprägten Ansichten für die realistische Umsetzung im täglichen Dasein. Im astralen Gedächtnis werden in der Jugend – verstärkt während der Pubertät – die karmischen astralen Vergangenheiten des Mikrokosmos aktiviert. Diese Erinnerungen aus früheren Inkarnationen polarisieren dann alle folgenden aktuellen emotionalen Erlebnisse und Einsichten. Das bedeutet, im Grunde wird jeder Mensch völlig unbewusst bereits von Jugend auf bei seiner Wahrnehmung und Bewertung der aktuell aufkommenden Gefühle der Empathie und Antipathie von ganz individuellen emotionalen Vorprägungen beeinflusst. Dafür werden diese astralen Informationen zunächst entsprechend dem internen Selbsterhaltungskonzept kompatibel polarisiert, und dann resonant sortiert und assoziiert abgespeichert. Dies ist für die mehr oder weniger problemlose Integration in sein soziales Umfeld, seine Familie und sein Volk zwar unbedingt lebensnotwendig. Werden diese astralen Erlebnisse wenig oder gar nicht mit dem Gewissen relativiert oder transzendiert, dann führen diese zu belastenden Kristallisationen auch im Denken, bis hin zu pathologischen Fantastereien und fanatischen Auswüchsen (z.B. religiöse Extreme). Die aus früheren Inkarnationen noch aktiven astralen Vorprägungen können für den Heranwachsenden auch zu erheblichen psychischen Belastungen werden. Vor allem, wenn diese astralen Repliken mit den aktuellen emotionalen Zusammenhängen des tatsächlichen Lebens nicht übereinstimmen, und auch nicht mit Hilfe mentaler Überlegungen mit dem inneren Gewissen kompatibel rationalisiert werden können.

Das astrale Gedächtnis ist neben allem auch ein meist unerkannter, starker Redakteur und Mitspieler in den nächtlich erlebten Traumwelten, die viele astrale Erinnerungen in lebhaften Bildsequenzen dem Bewusstsein übertragen können. Auch wenn sich der Träumer seiner nächtlichen Erfahrungen nicht immer erinnert, wird er in seiner täglichen körperlichen Gemütslage bei seinen folgenden Tageserfahrungen davon beeinflusst.

Kann ein Mensch auch unstoffliche Zusammenhänge in seinem Lebensfeld erfassen, dann macht ihn die angeborene Konstitution und Offenheit seines astralen Gedächtnisses dafür geeignet. Das Vermögen dieser besonderen Sensibilität transpersonaler Welten geht aus der mikrokosmischen Vergangenheit hervor. Genie und Wahnsinn, Fluch und Segen liegen hierbei dicht beieinander, vor allem, wenn die tatsächlichen Zusammenhänge mit dem EGO falsch interpretiert werden, und/oder unüberwindliche Verbote aus Tradition und Religion den hellsehenden Menschen in den Weg gestellt werden.

Aus Unkenntnis über die unstofflichen Zusammenhänge können sich weitere schwere psychologische Probleme entwickeln, denn leider ist jeder Mikrokosmos beständig mit den resonanten astralen Vibrationen oder Wesen des Jenseits verbunden, die aus den nahe liegenden Vergangenheiten seines Mikrokosmos stammen. Diese belasten ihn zusätzlich zu den mentalen karmischen Erinnerungen in seinem aurischen Wesen, der Lipika. Diese astrale kosmische Vergangenheit wird vom Magnetismus des aurischen Wesens aus der alle Menschen und Tiere umfassenden irdischen Astralis angezogen, in der zahllose Reste unaufgelöster Interaktionen mit der Welt und ihren Bewohnern immer noch in das aktuelle Lebensfeld hinein vibrieren. Einen gewissen Schutz bietet hierbei die isobare Resonanz, d.h. der Mensch kommt nur mit solchen astralen Komplexen in Kontakt, mit denen er eine konkrete Beziehung hat. Das ist unter anderem der Grund, warum viele Weise in aller Welt zur Begierdelosigkeit und astraler Neutralität raten.

4. Das mentale Gedächtnis. Es besteht also keineswegs nur im Denkvermögen ein Gedächtnis. Das Mentalgedächtnis ist für den Menschen selbstverständlich ein ganz wichtiger Speicher für alles Erfassen und Wahrnehmen (Input), für alles Bedenken und Reflektieren (Bewerten und Assoziieren) und für alles Behalten und Wiedererinnern. Das mentale Gedächtnis wird spätestens ab dem 12. Lebensjahr mit der Fülle jener vergangener Informationen aus der Lipika verbunden, die das Langzeitgedächtnis früherer Inkarnationen im aurischen Wesen darstellt. Diese Informationen sind die Quintessenz der mikrokosmischen Unternehmungen, den monadischen Impulsen entsprechend zu Leben und zu Wirken. Unbewältigte Reste dieser Wege sollte der Mensch versuchen, in seinen aktuellen Lebenszusammenhängen mit den ihm zugeführten Mitmenschen zu bewältigen .
Die gewaltigen mentalen Vermögen, ganz unterschiedliche komplexe Vorgänge zu erfassen und zu speichern, sind absolut bewundernswert. Man denke nur an die wissenschaftlichen Erkenntnisse vom astronomisch Gigantischen bis zum submikroskopisch Kleinen interatomarer Bestandteilchen; auch an das Komponieren und Aufführen von Opern, das Schaffen und Nachspielen von Dramen, wie z.B. Goethes Faust, die Stiftung von umfassenden Gesetzeswerken und großen sozialen Gesellschaftsstrukturen, das Planen und Konstruieren von gewaltigen Maschinen, Schiffen, Flugzeugen und Weltraumtransportern, und vieles andere mehr. Der für diese Megaleistungen einzelner Menschen oder großer Teams zur Verfügung stehende Speicher ist so gigantisch, dass es wahrlich eine Beleidigung wäre, diesen im Zellvolumen eines Gehirns oder einiger klugen Köpfe zu platzieren. Für diese gewaltige Menge von Daten steht nicht nur das komplette Atemfeld (incl. der Lipika) im aurischen Wesen eines Menschen zur Verfügung, sondern auch die Teamastralis aller Unternehmungen entwickelt ein solches für alle erreichbare Gruppengedächtnis im Gruppenkörper. Dabei helfen alle mitresonanten Wesen, die aus dem Jenseits für das Projekt, z.B. den Bau des Suez-Kanal oder der bemannten Weltraumstation ISS, benötigt und aufgerufen werden. Man sollte dabei vorsichtshalber auch berücksichtigen, dass große Genies immer ihren besonderen Kommunikationskanal zu willfährigen Bewohnern im Jenseits – oftmals ehemalige professionelle Fachleute, Wissenschaftler, Musiker, Künstler oder Dichter, die sich selbst noch einmal auf Erden beweisen wollen – als Gedächtnisstütze verwenden.

5. die Gedächtnisse der drei latenten nirwanischen Felder können noch nicht konzentrisch mit den zur Zeit inkarnierten Mikrokosmen verbunden werden, weil deren Entwicklung in der erforderlichen Anziehung noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie diese für die endgültige Konzentration sein muss. Darum stehen diese darin implementierten Gedächtnisvolumen dem Menschen vorerst nicht zur Verfügung.

6. Dennoch gibt es aktuell ein spirituelles «Gedächtnis» im zentralen Begegnungspunkt mit der Monade, das für den Menschen im Hintergrund seines Charakters als eine Art «Gewissen» aufleuchtet. Wenn der Mensch sich für diese aus seinem Herzen erklingenden höheren Ideale des Seins öffnen kann, wird mit Sicherheit zumindest ein Reflexionsmodul im aurischen Firmament aufleuchten, das den Menschen zu neuen Ufern seines Erfassens geleiten wird. Wahrnehmen, Erfassen und Denken gehören unzweifelhaft stets zusammen und sind direkt mit jenem virtuellen Organ verbunden, das wir normalerweise Verstand nennen.

Der Verstand muss als das innere Wahrnehmungsorgan betrachtet werden, das alle gedanklichen und begrifflichen Informationen empfängt und für die weitere Kommunikation modelliert. Dafür hat das virtuelle Organ «Verstand» die Zugriffsstruktur für eigentlich alle Gedächtnisse des Mikrokosmos. Er kann in ihnen je nach Bedarf „lesen“, d.h. gespeicherte Daten wieder aufrufen und zum Reflektieren in den aktuellen Vordergrund bringen und unwesentliche sowie erledigte Komplexe aussortieren und dann erneut im Gedächtnis ablegen. Die Denk-Tätigkeit gibt auch vielen emotionellen Begehren und gefühlten Bewegtheiten eine mentale Umhüllung, eine begleitende Rationalisierung und/oder begriffliche Begründung, wodurch das entsteht, was normalerweise als Wille bezeichnet wird. Der Wille selbst benötigt eigentlich kein eigenes virtuelles Organ, denn seine Dynamik stammt aus dem astralen Bereich der Begierde, des Begehrens und Wünschens, die mit dem Mantel der Rationalisierung geäußert wird. Diese simultane Aktion formt das astrale Begehren, die dramatische Begierde, um in einen dynamischen mental-astralen Willen, der dann  – oftmals sehr theatralisch – mit einer entsprechenden Mimik und Gestik verbal verkündet wird. Das alles geschieht simultan mit dem astralen Impuls, so dass von nahezu allen Menschen der sogenannte Wille immer als ein eigenständiges Aktionspotential neben dem Verstand und dem Gefühl beschrieben wird. Der Wille benötigt also kein eigenes separates Enstehensfeld, auch wenn er in allen Philosophien und Religionen entsprechend behandelt wird. Das beginnt bei dem übermächtigen «Willen Gottes», den jeder Mensch erfüllen muss, und hört auf bei dem prinzipiellen Willen zur Macht jedes Herrschenden, wie er von Friedrich Nietzsche in seinen Büchern formuliert wurde. Niccoló Machialvelli hat in seiner politischen und praktischen Philosophie wohl die besten Ratschläge für die herrschende Machtelite zusammengestellt, wie sie ihren Willen dem Volke aufzwingen kann.

Will man also der Art und Weise, wie die Sensationen beim Wahrnehmen bzw. Erfassen durch die Sinnesorgane in den Menschen hinein kommen und weitergeleitet werden, einigermaßen nahe kommen, dann sollte man nicht nur die biologisch somatischen Gegebenheiten der Sinneszellen und der nachgeordneten Gehirnzellen berücksichtigen, sondern sich den mikrokosmischen Plan aller Gedächtnisse ganz deutlich vor Augen führen, weil alle in ihnen gespeicherten Vorstellungen wesentlich die Auswahl bestimmen, was und wie etwas wahrgenommen wird, und auch die Kriterien, nach denen die Informationen selektiert werden und sogar das Blickfeld diesbezüglich einschränken.

Goethe schreibt in seinen naturwissenschaftlichen Schriften ausführlich darüber, dass bei der Anschauung einer Sache oder eines Ereignisses der Mensch bereits im Wahrnehmen das Betrachtete direkt an seinen Vorstellungen und bereits gespeicherten Erinnerungen ähnlicher Art beurteilt und bewertet. Frederic Vester hat in seinen neurologischen Studien über das Denken erkannt, dass ein Mensch immer nur solche Dinge oder Ereignisse wirklich erfassen und reflektieren kann, für die im Gedächtnis bereits eine angelegte Matrize existiert, an der das Geschauten für das Erkennen und Bewerten abgeglichen wird. Ist nichts Resonantes gespeichert, ist das Wahrgenommene definitiv absolut neu, so kann der Mensch es nicht Erfassen. Das löst zunächst eine große Angst vor dem Unbekannten aus. Entsteht dann jedoch keinerlei Bedrohung für das Leben, erwacht die etwas paradoxe Neugier nach dem Neuen mit angemessener ängstlicher Vorsicht vor dem unbekannten Neuen. Das wird von jedem Verhaltensforscher durch genaue Beobachtungen in der Tierwelt bestätigt. Für die Wahrnehmung ergibt sich aus diesen Überlegungen ganz klar, dass Niemand unbedarft völlig frei von den in den Gedächtnissen angelegten Vorprägungen irgend etwas autonom Erkennen wird. Allein der physische Selbsterhaltungstrieb ist über die Angst, Sorge und Furcht für den Menschen so programmiert, dass seine innere und äußere Sicherheit und Harmonie möglichst niemals gestört wird. Viele pathologische Fallstudien zeigen, welche Folgen schockhafte Erfahrungen mit überraschenden Neuigkeiten haben können.

Die Speicherung in den Gedächtnissen und die weitere Verwaltung der Inhalte entspricht bildhaft gesehen der Art, wie in einem Computer viele Daten auf Festplatten oder anderen Datenträgern gespeichert und aktuell im Arbeitsspeicher verarbeitet werden. Die Qualität der neurologischen und unstofflichen Organe, die Sensibilität für den Eingang von Informationen aus dem transpersonalen Raum, sowie die Schnelligkeit bzw. Flexibilität der äußeren und inneren Sinnesorgane inklusive des Verstandes determinieren die Aufnahme- und Denkgeschwindigkeit. Das Assoziationspotential, die Erinnerungsreichweite und die Abspeicherung wird vom Selbsterhaltungsprogramm dominiert und auch von einigen individuellen Verdrängungsmechanismen und zugehörigen Täuschungsmanövern begleitet. In diesem neuronalen Funktionsreaktor wird entschieden, welche Informationspakete der Mensch aus der Fülle aller angebotenen Informationen als für ihn lebensnotwendige Werte „wahrnimmt“, und welche er davon für die nachfolgenden Apperzeptionen als Vorstellung (Vorprägung) abspeichert, und welche beim Erfassen als unpassend und unbequem vorher aussortiert werden. Diese Zusammenhänge gewährleisten, dass die Selbsterhaltung störende und ungeeignete Fakten in der Realität von vornherein ausgeblendet werden. In allen Büchern der großen Psychologen findet man zu diesen subtilen Vorgängen der Wahrnehmung eine ganze Reihe pittoresker Fallstudien. Frederic Vester hat bei seinen Recherchen sogar nachweisen können, dass derartige Verdrängungsmechanismen mit den Jahren die dazu erforderlichen neuronalen Bahnungen bzw. Synapsen im Nervengeflecht befestigen. Man könnte dieses recht komplexe Geschehen, den Einfluss der Gedächtnisse auf das Erfassen und Bewerten in der Wahrnehmungsorganisation, auch salopp als die berühmten «Scheuklappen» bezeichnen.

Bei der Suche nach einer einheitlichen, vielleicht allgemein gültigen Weltanschauung ist es unbedingt notwendig, vor allem die nahezu automatisch ablaufenden Prägungen im subjektiven Wahrnehmen – die Scheuklappen in den einzelnen Kulturen oder Zivilisationen – der gewöhnlichen Lebenszusammenhänge zu berücksichtigen, die natürlich auch von den gesellschaftlichen Regelungen in den unterschiedlichen Kulturen und von den klimatischen Bedingungen auf den verschiedenen Kontinenten geprägt werden. Diesbezügliche ethnologische Forschungen können gar nicht weit genug in die Details der divergierenden Überlebensstrategien eindringen, um zu erkennen, in welchen prinzipiellen Lebenszusammenhängen der großen Zivilisationen die Welt-Religionen und -Philosophien herangewachsen sind.
Welche Selbst- und Arterhaltungskonzepte mussten die Menschen durch die Jahrtausende immer wieder, auch unter den karmischen Resonanzen in den Völkern und Menschengruppen, erneut modifizieren? – Wie viele biologische Natürlichkeiten der Spezies Mensch sind durch unzählige Machtkämpfe zwischen den herrschenden Priestern durch «göttliche» Gebote oder Verbote unkennbar verbogen worden? – Wie viele karmische Belastungen der Mikrokosmen sind durch unzählbare martialische Kriege zwischen den herrschenden Klassen rund um dem Globus aufgerufen worden und werden bis heute in den Selbsterhaltungskampf der Völker eingeflochten? –

Fassen wir das alles noch einmal zusammen:

Selbst wenn dem Menschen von tausend Kanzeln gepredigt wird, dass alle Menschen gleich sind, kann leicht von jedem festgestellt werden, dass die Menschen alle sehr unterschiedlich sind. Jeder lebt in seinem gesellschaftlichen Zusammenhang, der natürlich in seiner Entwicklungsgeschichte von den Verwaltungsinstitutionen viele landestypische Gesetzen, Regeln und Vorschriften bekommen hat. Zusätzlich lasten auf jedem Einzelnen seine ganz individuellen mikrokosmischen Unbekannten seiner Vorfahren, seiner Familie, seines Stammes, seines Volkes, die niemand so ohne Weiteres sehen, erfassen, geschweige denn, wahr nehmen kann. Diese lange andauernde Entwicklung hat auch dazu beigetragen, dass es heute für immer mehr Menschen innerhalb von den bestehenden Religionen keine konstruktiven Impulse für seine Lebensmodelle ausgehen. Man kann die spirituelle Qualität «Religion» nicht mehr im praktischen Dasein erfahren, auch nicht innerlich. Der Mensch kann sich selbst nicht einmal mehr richtig wahrnehmen, und er nimmt auch nicht wirklich mehr ernst, wie er selbst etwas «wahr-nimmt». Nur sehr wenige überschauen etwas, in welchem Rahmen sich ihr soziales Miteinander abspielt. Da er sich mit seinen eigenen Lebensstrukturen so selbstverständlich erfährt, und meistens auch voll damit ausgefüllt ist, sind diese ihm meistens völlig gleichgültig. Er fragt selten nach dem Grund, warum sein – möglicherweise sogar geliebter – Gesprächspartner eine Situation total anders wahr-nimmt als er selbst. Dabei kommt es auch sehr wenigen Menschen in den Sinn, solche «Banalitäten» des täglichen Miteinander zu betrachten oder zu hinterfragen. Die subjektive «Wahrheit» ist für jeden immer die Richtige. Darauf ist der Mensch sehr stolz und wird diese zu jeder Zeit intensiv verteidigen. Dieser arrogante Standpunkt wird möglicherweise erst bei Begegnungen mit fremden Kulturen oder bei extremen Lebenssituationen auf den Prüfstand gestellt.

Das Wahrnehmen oder Erfassen ist nicht nur eine Angelegenheit der gesellschaftlichen Beziehungen unter den Menschen, sondern betrifft immer auch das Erfassen der Natur in Wald und Flur sowie ein Erfassen einer transpersonalen Übernatur in den unstofflichen Sphären. Dabei geht es nicht nur um jene okkulten Themenbereiche, die von religiösen Vertretern bei entsprechenden Events oder religiösen Festtagen bzw. Prozessionen lauthals verkündet werden. Das Wahrnehmen der metaphysischen Welten geht weit über jenen Erlebensbereich hinaus, der normalerweise mit Tod und Sterben verbunden wird. Der Mensch steht doch immer auf allen Ebenen – Tag und Nacht – in einer Kommunikation mit seiner inneren und äußeren Umwelt, auch wenn er arbeitet oder nur in der Stille sitzt, liegt oder steht. Ja, sogar im Schlaf kommunizieren die inneren Organe miteinander. In einigen Schlafphasen kommuniziert der Mensch in seinen Träumen mit sich selbst. Auch diese Art des inneren Erfassens oder Wahrnehmens ist stark abhängig von den bereits in der Jugend gewachsenen bzw. gelernten Vorstellungen über das Traumleben.

Freiheit des Denkens
Es besteht die weit verbreitete Ansicht, dass der Mensch selbstbestimmend aktiv wahrnimmt und denkt. Aber dem ist leider nicht so. Alle Sensationen und damit auch alle Wahrnehmungen, Einsichten über die Umwelt und Erfassungen der inneren Realität werden direkt im Wahrnehmen vom Vibrationsschlüssel im Magnetismus des aurischen Wesens bestimmt. Dieser fundamentale Magnetismus bestimmt durch seine individuelle Polarisation, was vom Mikrokosmos bzw. dem Menschen empfangen werden kann. Alles was mit dieser Grundvibration in positiver Resonanz ist, wird angezogen und es wird alles abgestoßen, was nicht mit ihr kompatibel ist. Dieser Schwingungschlüssel im System bestimmt demnach auch das, was der Mensch sieht, hört, erfühlt, schmeckt und riecht etc. Er bestimmt auch alles, was getan wird usw. Zusammen mit den angekoppelten Einflüssen aus den astralen Sphären des Jenseits ergibt das eine deutliche Fremdbestimmung für alles, was dem Menschen die Sinnesorgane vermitteln können.

Also alles das, was der Mikrokosmos an Kräften und Informationen von Ereignissen aus seiner direkten Umwelt und aus dem Kosmos anzieht oder abstößt, wird vom Vibrationsschlüssel im aurischen Wesen bestimmt. Diese fundamentale Polarisation dient vor allem der Selbsterhaltung des Systems und der dafür stets erforderlichen Balance zwischen den unterschiedlichen Kraftfeldern. Es müssen alle Wahrnehmungen, auch die Erfassungen aus den transpersonalen Bereichen des Mikrokosmos, auch die Impulse aus der Monade, in strukturerhaltende Bahnen geführt werden. Das Ganze ist vergleichbar mit einem intelligenten Kartenspiel mit bestehenden Worten, Begriffen, Gedankenfetzen oder vorformulierten Sätzen, die bereits nach Erfahrungswert und Bedeutung beurteilt und einsortiert in wohlgeordneten Strings oder Kluster nach Resonanz kombiniert im Gedächtnis bevorratet werden. Das aktuelle Denken im Verstand liest die Informationen aus diesen mentalen Strings oder Kluster, bewertet die bereits empfangenen Informationen damit erneut für die aktuelle Situation, Aussprache oder Handlung. Auf diese Weise werden natürlich die bisher abgespeicherten Erfolgsstrukturen immer wieder neu belebt, erweitert, verfestigt und erneut eingespeichert. Das ist keine Aktion des bewussten Denkens, sondern eine völlig unbewusste Aktivität in der Kommunikationsstruktur des gesamten Mikrokosmos. Dabei spielen die verschiedenen Gedächtnisse und Bewusstheiten in den Kraftfeldern die entscheidende Rolle. Allerdings kann das bewusste ICH-Bin nur einen Hauch von dieser internen Kommunikation im Denken erfassen. Einiges spiegelt sich im allgemeinen Gemütszustand, einiges davon bestimmt die Art der laufenden Wahrnehmungen und deren Bewertungen für die Speicherung.

Alles das beweist eindeutig, dass kein Mensch wirklich aktiv selbstbestimmt sich selbst und seine Umwelt wahrnimmt, sondern stets von den bereits eingespeicherten Informationen gesteuert wird.

Vieles von diesen Zusammenhängen könnte dem wachsamen Menschen durchaus bei seinem Erfassen und seinem persönlichen Bedenken klar vor Augen stehen. Aber meistens treten die offenbar vorhandenen Faktoren beim Bedenken und Bewältigen einer alltäglichen Verpflichtung in den Hintergrund. Lautstark vorgebrachte Behauptungen oder komplex argumentierte Wunschvorstellungen können diesen Tatbestand der persönlichen Unfreiheit der Gedanken nicht aus der Welt schaffen.

Lipika und Karma
Im aurischen Wesen gibt es ein umfangreiches Gedächtnis aus früheren Inkarnationen, eine besondere Sphäre, in der elektromagnetisch die Lebenserfahrungen der Menschen gespeichert werden, die in dem Mikrokosmos einmal gelebt haben und leben. Die Theosophie hat den Namen dafür – die «Lipika» – aus dem hinduistischen Weltbild entnommen. Lipika heißt soviel wie Aufzeichner. In diesem elektromagnetischen Schwingungsfeld der Aura werden alle Lebenserfahrungen, die zum grundlegenden Auftrag des Mikrokosmos gehören, wie in einer multidimensionalen Holografie gespeichert. Aus diesem Langzeitgedächtnis werden die jungen Menschen schon bei ihrer Geburt geprägt. Man kann durchaus sagen, die Sterne in der Lipika, die Kraftaspekte früherer Erfahrungen, bestimmen den Charakter, seine Vermögen, die Familie, den Lebensraum, die Volkszugehörigkeit, die sozialen und gesellschaftliche Strukturen des Neugeborenen, genau so wie es die Astrologen durch ihre Auslegung des Geburtshimmels annähernd erkennen können. Diese gespeicherten Erfahrungen aus früheren Inkarnationen werden im Sanskrit zusammenfassend als «Karma» bezeichnet.

Die richtige Kenntnis über den Einfluss des «Karmas» auf das aktuelle Leben ist besonders heute dringend notwendig, weil sich die Ansicht eingebürgert hat, dass im Karma sozusagen alle Lebensereignisse aus den vorhergehenden Inkarnationen aufgezeichnet sind. Das ist in dieser Konsequenz nicht ganz richtig. Die Speicherung in der Lipika hat einen besonderen Sinn für die sich entwickelnde Evolution des Mikrokosmos. Dafür findet eine qualitative Selektion statt, die den Magnetismus des aurischen Wesens bestimmt. Darüber werden insbesondere die sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der neuen Inkarnation vorbestimmt. Nun werden die karmischen Vorprägungen in einem passenden Körper realisiert, der stofflich und ätherisch aus dem Blutserbe der Eltern konfektioniert wird. Dabei kommen zwei Gedächtnisinhalte im jungen Menschen zusammen, die nicht unbedingt vollkommen kompatibel miteinander sein müssen, je nach dem wie die anstehenden Aufgaben des neu inkarnierten Menschen für den Fortschritt in seiner Entwicklung aussehen.Vielfach zeigt sich eine solche Diskrepanz in der Pubertät. In diesen Jahren werden alle Erinnerungen aus der Astralis und Mentalis früherer Inkarnationen dem jungen Menschen geöffnet, und er oder sie muss diese intuitiven Impulse in der Realität des Körpers und der entstandenen elterlichen Umgebung ausbalancieren. Was in vielen gesellschaftlichen Zusammenhängen, wie allseits bekannt ist, durchaus nicht immer einfach ist. Bei alledem wird doch deutlich, dass das teilweise kuriose Lebensverhalten weder ein Verdienst noch eine Schuld der Persönlichkeit oder der Eltern ist. Nichts hat der Mensch aus sich selbst! Alle seine Reaktionen werden größtenteils aus den unbewussten Informationen seiner Lipika im aurischen Wesen und dem stofflichen Gedächtnis seines Erbgutes mitbestimmt.

Diese Inkarnationen übergreifende Gedächtnisstruktur hilft prinzipiell jedem Menschen, im eigenen Rhythmus bei der Entfaltung der höheren Astralis mitzuwirken. Es gibt eine zielgerichtete Selektion der Speicherung in der Lipika. Die dabei entstandenen Gedächtnispakete bestimmen das Leben in der kommenden Inkarnation auf zweifache Weise: Erstens entstehen bestimmte zwischenmenschliche Verbindungen sowohl positiver als auch negativer Art, die in dem anstehenden Leben möglichst aufgelöst werden müssen. Zweitens werden bereits angefangene Umsetzungen idealer astraler Begehren erneut zur Auflösung gestellt.
So klingen also verschiedene Spuren vergangener Leben in der Lipika. Das aktuelle EGO ist, ebenso wie die Person, zwar ein Produkt der aurischen Sphäre, jedoch keineswegs die körperliche Fortsetzung früherer Inkarnationen. Nach dem physischen Tod lösen sich auch alle zur ursprünglichen Person gehörenden unstofflichen Kraftsphären vollständig auf. Nur die ausgewählten Quintessenzen der subjektiven Erfahrungen werden den Gedächtnis-Strings in der Lipika hinzugefügt. Natürlich wird auch das im aktuellen Leben neu geschaffene Karma in bezug auf die Evolution dort gespeichert. Das Karma und das Blutserbe bilden zusammen die Grundstruktur der Realität in dieser Welt, die der Mensch für seinen Lebensauftrag nun konstruktiv und intelligent nutzen sollte. Tut er das nicht, aus welchen Gründen auch immer, werden entsprechend den Grundgesetzen der Speicherung seine Lebensergebnisse im Karma vervollständigt. Es ist dabei unbedingt zu bedenken, dass nach dem körperlichen Hinscheiden auch solche Lebenserfahrungen, die während der Zeit im Jenseits gemacht werden, während sich die Äther, die Astralis und die Anteile der Mentalis auflösen, aufgezeichnet werden. So kann mit Fug und Recht gesagt werden, dass der Mensch von seiner Monade auch über das Karma unweigerlich zur Erfüllung seines Lebensauftrages geführt wird.

 

8.6 Kreativität
Wird ein Mensch vor eine völlig neue Aufgabe gestellt oder wird er im Beruf oder Hobby in einen kreativen Prozess gestellt, ganz gleich welcher Art, dann wird er – wenn wir diesen Vorgang geisteswissenschaftlich betrachten – zunächst all seine mikrokosmischen Gedächtnisvorräte unter den vorhandenen Absichten des angedachten Vorhabens nach möglichen Informationen für sein Projekt durchsuchen. Das kann der Kreative mit verschiedenen Modellen unterstützen. Die bekanntesten sind: Brainstorming mit Kollegen, stimulierende Musik, Lesen entsprechender Fachliteratur, Tiefen-Entspannung oder eine sportliche Betätigung. Auch durch eine freie Meditation, die das Denken aus den gewohnten Bahnen entführt, kann das Finden in verborgenen Winkeln der eigenen Gedächtnisse beschleunigt werden. Mit bestimmten Drogen zur Bewusstseinserweiterung, wie LSD o.ä., oder durch andere Stimulanzien (niemals Alkohol oder andere betäubende Mittel) kann der Mensch unter geeigneten Voraussetzungen die mit ihm resonanten Sphären in der Astralis und im Devachan «bereisen», um dort mit Ereignissen oder Informationskluster in Kontakt zu kommen, die mit seinem Projekt in Verbindung zu bringen sind. Es gibt auch spezielle Meditationsmethoden, die ganz gezielt einen Kontakt mit bestimmten Ebenen der unstofflichen Sphären ermöglichen. Dabei ist jedoch für jeden einsichtig, dass die erfassten Informationen nicht unbedingt echte Neuschöpfungen darstellen,
weil dort auch nur bereits entstandenen Abbilder gespeichert werden können. Mancher Künstler, Arzt oder Wissenschaftler, besonders die Genies, haben ihr Türchen zu ihrem schöpferischen Begleiter im Jenseits von Geburt an «geerbt». Jedoch alle Erfindungen und Copyright-geschützten Kreationen können nur Kopien vorhandener mentaler Gedächtnisinhalte aus dem allumfassenden Gedächtnis der Erde, der Akasha-Chronik, sein. Näheres dazu findet sich bei Rudolf Steiner, der ausführlich über die Entwicklung der Erde und ihre Akasha geschrieben hat.

Die im ersten Teil dargestellten Wahrnehmungsgesetze oder -Tendenzen können folgerichtig auch auf alles angewendet werden, was wir schlechthin Denken nennen. Sie sind für das mentale und emotionale Organisieren und Vereinfachen ebenso gültig, wie für das Kombinieren und Interpolieren der vielfältigen Entscheidungen im Leben und das Abfragen in den verschiedenen Gedächtnissen der mikrokosmischen Felder. Kreative Informationslinien, die zu einem wirklich erneuerten Handeln führen könnten, werden nur in gefahrvollen, bedrohlichen Situationen geschaffen oder wenn besonders hohe Ansprüche im Beruf oder Dasein gestellt werden. Je nach Befähigung und Reife des Mikrokosmos kann der Impuls aus der Monade über die Rose des Herzens zu erstaunlichen Visionen führen.

 

Die besondere Wahrnehmung in den transpersonalen Feldern

Es ist ein durchaus heikles Unterfangen, über die vielfältigen Visionen, Erfahrungen oder Impressionen aus den jenseitigen unstofflichen Gefilden unserer Erde zu berichten. Die bestehende Literatur darüber ist so umfangreich, dass sich der interessierte Leser dort über eine ausführliche Darstellung aller Perspektiven und Modelle informieren kann.

An dieser Stelle können nur ein paar orientierende Fakten aufgeführt werden. Grundsätzlich ist die Wahrnehmung in den unstofflichen Lebensfeldern davon abhängig, ob der Mensch in diesen Feldern aktiv bewusst sein kann, d.h. ob er oder sie die ätherischen bzw. astralen Sphären konkret sehen kann. Das kann an einer natürlichen Prägung von Geburt an liegen, wie es bei vielen hellsichtigen Menschen vorliegt oder durch Drogen oder eine andere Methode erworben werden. Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen, wie z.B. das ätherisches Sehen erlebt wird oder die astralen Welten erfasst werden. Vielfach wird auch von einem sogenannten «kosmischen Bewusstsein» gesprochen, das auf eine besondere mentale Entwicklung im Atemfeld hinweist. Von verschiedenen religiösen oder esoterischen Gruppen wird berichtet, dass ihrer Mitglieder diesbezüglich besondere Befähigungen haben. Es wird in der esoterischen Literatur berichtet, dass man durch spezielle Meditationstechniken zum Hellsehen kommen kann. Einige Gruppierungen der Freimaurer, Theosophen, Anthroposophen oder ähnliche esoterische Gruppen bieten ihren Mitgliedern Kurse für außersinnliche Wahrnehmungen an. Selbst der historische Schamanismus erlebt eine moderne Renaissance. Ich kann hier keine vollständige Liste derartiger Vereine vorlegen, denn es entstehen fast täglich neue Denkmodelle und esoterische Gruppen.
Zu dem außersinnlichen Wahrnehmen oder Hellsehen zählt man auch das Hellhören, das Channeling und eine Reihe paranormaler Betätigungen, wie z.B. Gedankenlesen, Telekinese, Fernheilungen etc. Es existieren mittlerweile weltweit eine Reihe von Fakultäten, die sich mit dem Thema Grenzwissenschaften bzw. Parapsychologie oder Noetik befassen.

Jede Wahrnehmung in den unstofflichen Feldern des Jenseits hängt fundamental von dem Vibrationsschlüssel des schauenden Mikrokosmos ab.
Diese Grundschwingung im aurischen Wesen wird von einigen Besonderheiten sowohl des Mikrokosmos als auch der aktuellen Persönlichkeit – mit ihren Aufgaben für die Evolution – hervorgerufen. Der Mensch, eigentlich jeder Mensch, steht permanent in Resonanz zu dem ihn umgebenden Gesamtgeschehen in den jenseitigen Gebieten. Allein seine Resonanzfähigkeit entscheidet, was und wieviel er davon wahrnehmen kann. Die subjektive Ausrichtung und Aufmerksamkeit wird in vielen Fällen von Tabus und Verboten religiöser Institutionen bestimmt, sowie von dem Prinzip: «Was nicht wahr sein darf, kann nicht sein!» Alles das bestimmt auch, wie der Mensch die zu ihm kommenden Informationen decodieren kann. Das beginnt ja schon bei der Übertragung von Träumen in das Tagesbewusstsein. Viele kennen ihre Träume nicht, manche ignorieren diesen Vorgang der nächtlichen Aufarbeitung unbewusster Affekte, andere wieder richten sich bei der Deutung nach dem Rezeptbuch eines autorisierten Psychologen. Meistens wird beim Träumen einfach übersehen, dass jeder Traum eine Art Astralwanderung darstellt, die eine besondere Bedeutung für den Menschen hat. Wer sich den richtigen Zutritt zu den vermittelten Informationen verschafft, kann seine Bewusstseinsentfaltung erheblich beschleunigen. Hat der Mensch jedoch in seinem Gedächtnis nur seine irdische materielle Vorstellungswelt, kann er natürlich nicht wirklich träumen, geschweige denn bewusst methodisch eine Astralwanderung durchführen oder ätherisch Hellsehen. Für ihn bleibt dann dieses vielfach praktizierte Geschehen Märchen, Spökes und Hokuspokus. Leider ist diese letzte Einstellung in den westlich christlich orientierten Zivilisationen die oft vorherrschende Meinung.

Durch eine geisteswissenschaftliche Untersuchung dieser unstofflichen Lebensfelder wird bestätigt, dass in den ätherischen Feldern zahlreiche sehr unterschiedliche Wesen leben, die mit der Erhaltung der Natur befasst sind. Sie können von entsprechend hellsichtigen Menschen gesehen werden. Vielfach wird von ihnen in den Märchen berichtet. Zu diesem Thema über Engel, Elfen, Nymphen, Sylphen und Gnome gibt es heute eine ausreichende Fachliteratur, wobei allerdings die Engel-Mode zur Zeit im Vordergrund steht.

Wer in die Astralsphäre schauen kann, auch wenn es durch Traumtraining oder Drogen erzielt wurde, sollte sich im Vorfeld mit einem Führer abstimmen, um aus einem optimalen positiven Setting heraus zu starten. In der irdischen Astral-Sphäre manifestieren sich alle emotionalen Höhenflüge und Gefühlsausbrüche sowie alle erdenklichen Extreme der menschlichen Psyche, von höchster idealer Liebe bis zum tiefsten abscheulichen Hass. Allerdings bestimmen die Grundregeln der Resonanz – Gleiches zu Gleichem – welchen Erlebnisbereich der Mensch erfassen kann. Dabei ist immer mitbestimmend, dass die im gewachsenen Gedächtnis bereits gespeicherten Vorstellungen des irdischen Daseins das Wahrgenommene bestimmen. Alle angelernten Bilderwelten von einem Himmel, einer Hölle oder sonstiger Welten, von Gott und seinen Abgesandten Jesus oder Buddha, Krishna oder Shiva, die von den Religionen und dem New-Age verbreitet werden, bestimmen das Geschaute. Das Resonanzgeschehen wird in der subjektiven Modulation einer «Self-full-filling Prophetie» ablaufen, wobei vielfach der Wunsch «der Vater» nicht nur des Denkens, sondern des Geschauten ist. Es entfaltet sich in etwa analog der Möglichkeiten, die prinzipiell jeder Mensch in seinen Träumen erfahren kann. Diese werden ja ebenfalls in der Astralis erlebt. Es gibt Menschen, deren Erfahrungen in der Astralis so lebendig sind wie in einem Cinemaskope-Kinofilm, andere sehen nur schwarzweiß und hören keinen Ton. Die Art des Traumerlebens wird von der Grundeinstellung des Schauenden bestimmt, die ihm meistens selbst nicht bewusst ist. Die Fülle der sich abbildenden Erscheinungen, die in der astralen Welt als absolut real erlebt werden, ist so gigantisch, dass die Antwort der «Vier Stürme», die in der «Unendlichen Geschichte» von Michael Ende von Atreju befragt wurden: «Wusstest du nicht, dass Fantasialand grenzenlos ist?», die Situation eigentlich am Besten beschreibt. Jeder Wunschgedanke, jede Begierde, und mag sie noch so erschreckend sein, wird sich durch die ausgesendeten astralen Fluiden des Begehrenden im astralen Feld des Jenseits immer in einer Form manifestieren, die zur Entwicklung des Kandidaten beitragen kann. Alle Gruppengedächtnisse und karmischen Zusammenhänge spielen mit hinein. Wer bereits während seines Lebens völlig frei von aggressiven selbstsüchtigen Ansichten werden kann, wird mit der niederen Astralis kaum in Kontakt kommen.

Eine mögliche weitere Einsicht in die mentalen Regionen basiert auf der höheren Entwicklung der Mentalis. Das, was er dann schauen kann und welche Zonen sich ihm zeigen, hängt wiederum vom grundlegenden Vibrationsschlüssel des mental Reisenden ab. Vielleicht sind die Beschreibungen von R. Steiner über die sieben Felder des Devachan bekannt, die er bereits 1913 in einem Berliner Vortrag beschrieben hat. Ein bekanntes amerikanisches Medium, Jane Roberts, hat durch Channeling (automatisches Schreiben) die «Gespräche mit Seth» aufgezeichnet, einem jenseitigen Geist, der sich offenbar in den mentalen Gebieten gut auskannte. Über die drei höheren Aspekte des Devachan im interkosmischen Mentalfeld schreibt Sri Aurobindo in seinen Büchern. Darin werden einige Ansichten dieser hohen Mentalis beschrieben, die mit dem Erleben hoher Ideale einer Art himmlischen Erlebens einher gehen, wie z.B. Einheit, Seligkeit, Allwissen, Gottesverbundenheit u.a.. Die vibrationsmäßig noch höheren nirwanischen Sphären können von den aktuellen Menschen vorerst nicht erreicht werden, weil sie sich noch nicht in ihren Mikrokosmen zentriert haben. Ausgenommen davon sind nach meinen Kenntnissen der spirituellen Geschichte ganz besondere Inkarnationen aus den höheren Lebensfeldern des Sonnenkosmos wie Christus, Laotse und Buddha.

8.7 Das Resonanzgesetz
Es muss noch an dieser Stelle ein elementar wichtiges Gesetz des Alls erläutert werden, dass unzweifelhaft jede Wahrnehmung betrifft. Wer heute von «Gesetz» spricht, meint damit etwas Festgelegtes, Unabänderliches, meistens jedoch mit dem Hintergedanken: Es ist von irgend jemanden gesetzt, möglicherweise von einer eminent bedeutenden Autorität , der man unbedingt glauben muss, na ja, weil fast als sacro sanct gehandelt wird, darf man diesen Gesetzes-Text niemals in Zweifel ziehen. Das kommt vielfach in den abrahamitischen Religionen vor, die eine Reihe niedergelegter Gesetze im Alten Testament, in der Tora und auch im Koran haben. Derartige Gesetze sind die Angelegenheit von Menschen oder Gesellschaften, bei denen Macht ausgeübt werden muss.
Doch die Grundgesetze, die im ganzen All wirksam sind, entstanden mit der Schöpfung. Sie gehören zum Selbstschutz der Existenz im Universum. Eines wird in allen Kulturen gepriesen, es wird in tausend wunderschönen Liedern besungen, und doch können es nur wenige Weise wirklich erfassen: Gott ist die Liebe, die Liebe, die über allen Verstand geht. Alles was dieser Vibration noch nicht gleicht, wird so lange liebevoll in seinem Wirkungskreis aufrecht erhalten, bis es letztendlich doch die fundamentale Schwingung der Liebe aus sich heraus reproduzieren kann.

Auf eine einfache Formel gebracht heißt es: Gleiches zieht Gleiches an. Es kann am schönsten mit einer Stimmgabel ausprobiert werden. Stellen wir eine Stimmgabel, die auf den Kammerton A‘ abgestimmt ist, fest auf eine Tischplatte. Spielt nun ein Pianist auf seinem Klavier den Kammerton A‘, dann erklingt auch die Stimmgabel und überträgt diese Vibration direkt auf die Tischplatte. Dieses Modell mit dem Piano und der Stimmgabel symbolisiert die Art und Weise, wie das ganze All miteinander kommuniziert. Es kann konkret als die «kongruente Resonanz» bezeichnet werden.

Nicht der Schwingungskörper als solches ist wirklich entscheidend, obgleich nicht unbedeutend, denn er muss rein schwingen können, sondern die spezielle Vibrationsaffinität, der Vibrationsschlüssel. Sympathie heißt Mitleiden. Man kann auch Mitschwingen sagen. Dabei muss man ein wenig die Fakten der Wellentheorie im Auge behalten. Dort kann für jede Welle eine Grundschwingung bestimmt werden, die von verschiedenen Parametern abhängig ist, denn sie ist Schwingung in einem Kraftfeld, in dem vor allem der Pulsator die Grundfrequenz – Länge und Amplitute – bestimmt. Man könnte sie auch als Grundfarbe benennen oder als Grundton. Die Basisvibration hat Eigenschaften der Energie, Lichtfülle, Schnelligkeit und Intensität oder andere.
Diese Grundschwingung kann von einer anderen Vibration, z.B. einer Melodie, überlagert werden, wodurch die Basisschwingung nicht verändert wird. Ein plastisches Beispiel wären die Kräuselungen auf der Wasseroberfläche eines Sees. Die großen Wellen werden von der Strömung im See bestimmt, die kleineren Wellen bemustern die wogende Oberfläche durch die Böen des Windes. Diese Überlagerungen, in der Musik als Obertöne bekannt, können auf der Grundvibration mehrfach aufgesetzt sein. Dabei müssen sie allerdings immer den selben Vibrationsschlüssel wie die Basisschwingung haben. Das ist natürlich immer gewährleistet, wenn Basisvibration und Melodie zum gleichen Kraftfeld gehören und dort resonant integriert sind.

Eigentlich ist das Spiegelgesetz jedem Menschen bekannt. Aber gerade weil es so augenscheinlich zum täglichen Dasein gehört, wird es selbst in seiner lebensbedrohlichen Erscheinungsform meist übersehen. Es ist so selbstverständlich wie der Tag oder die Nacht, oder eben wie das Atmen. Niemand denkt im täglichen Einerlei darüber nach. Hin und wieder wird das Spiegelgesetz im Physikunterricht erwähnt, während sich der Lehrer über die optischen Phänomene ausbreitet. Aber sehr bald verschwindet das Gelernte wieder in der Versenkung der Selbstverständlichkeiten des normalen Daseins, denn es betrifft ja doch, wenn überhaupt, immer nur den Mitmenschen. Darum wird es zuweilen den Kindern als Erziehungsmaßnahme vorgehalten, und man sagt ihnen dann: «Wer einem anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!» oder «Wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es auch hinaus!»

Wer kann schon einen Gegenstand oder einen Menschen so sehen, wie er wirklich ist! Er sieht immer nur eine Erscheinung der ihm zugewandten Seite, die aber keineswegs den vollständigen Gegenstand abbildet. Das ist die obligatorische Irreführung der notwendigen Vereinfachung in der Wahrnehmung, die auf das aktuelle Überleben in einer überaus gefährlichen Umwelt gerichtet ist. Die halbe Erscheinung, der erste Eindruck, genügt meistens, um den Gegenstand, den Menschen, zu identifizieren. Ihm wird die einseitige Ansicht, der erste Eindruck, sozusagen übergestülpt. Die im ersten Teil beschriebene Wahrnehmungsorganisation schildert eine ganze Reihe solcher Mechanismen. Die abgekürzte Information dient der schnelleren Verarbeitung für die Orientierung oder praktischste Gefahrenabwendung in der aktuellen Situation. Dabei geht es ja meistens ums reine Überleben. Das hat natürlich den einen oder anderen Nachteil, weil die Erscheinung durch gewisse Umweltsituationen so falsch sein kann, dass gerade dadurch lebensbedrohliche Täuschungen übersehen werden. Alles das, was der Mensch sinnesorganisch empirisch erfassen kann, ist letztlich nur die Widerspiegelung von Oberflächen der Gegenstände, die durch ihre Art und Beschaffenheit bestimmte Anteile des auf sie fallenden Lichtes absorbieren. Die Reflexionen, Rückstrahlungen der Lichtreste bestehen für das Sehen aus unterschiedlichen Frequenzen, die in den Rezeptoren der Retina im Augapfel chemische Reaktionen auslösen. Wissenschaftlich gesehen werden dann über diese Informationen mit Bedenken und Erkennen der Farben und Schattierungen, der Strukturen und Kanten, die Gegenstände identifiziert. Das ätherische Erfassen des Gegenstandes läuft dabei immer synchron ab, und schenkt dem sensitiven Betrachter vor seiner grobstofflichen Analyse auch eine Vorahnung oder sogar konkrete Erkenntnis des Gesehenen.

Die Menschen leben in einem Spiegelkabinett, könnte man sagen. In Indien ist der Begriff «Maya» für alles materielle Geschehen ganz normal. Alle Bewegungen in den Kraftfeldern des Mikrokosmos und alle Kommunikation mit den energetischen Sphären des Kosmos ist nach den Spiegelgesetz oder Resonanzgesetz organisiert, ganz gleich ob mit der materiellen Wahrnehmung oder mit der ätherischen, astralen und mentalen «Schau». Immer und überall gilt: «So wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es auch heraus!» Darum gibt es auch den weisen Ratschlag: «Was Du nicht willst, das man dir tut, das füge keinem anderen zu!» Da aber der Mensch, wie jeder bei sich selbst und in der Welt erfährt, diesen Rat keineswegs ununterbrochen befolgen kann, gibt es wohl eine starke Behinderung dafür, und viele internationale Katastrophen beweisen es.

 

8.8 Ausblick auf künftige Wahrnehmungsarten

Die weitverbreitete These, der Mensch ist aus einem göttlichen Lebensfeld herausgefallen, oder er wurde wegen seiner Sünde aus dem Paradies verstoßen, verliert angesichts der grundsätzlichen interkosmischen Evolution aller Kosmen und Mikrokosmen ihre Bedeutung. Niemand hat eine Ursünde oder Grundschuld zu tragen. Jeder Erdenbürger, ja, die ganze Natur mit Fauna und Flora, befindet sich aktuell in einer besonders wichtigen Phase der fortlaufenden Evolution, die von jedem Beteiligten besondere Mitwirkung erfordert. In der europamerikanischen Kultur stände die Befreiung von der materiell orientierten Selbsterhaltungsangst im Vordergrund.
Allgemein wäre eine Harmonisierung der femininen und maskulinen Aspekte im menschlichen Dasein unbedingt notwendig, nicht nur im äußerlichen gesellschaftlichen Miteinander, sondern diese polaren Aspekte sollten vor allem innerhalb eines jeden Mikrokosmos ebenbürtig zusammenarbeiten. Die traditionellen Bindungen an die niedere Astralis – sowohl im mikrokosmischen Inneren als auch mit den kosmischen Kräften im Jenseits – müssen prozessmäßig neutralisiert werden, zugunsten einer Weiterentwicklung der höheren Astralis. Eigentlich ist der Mikrokosmos bereits hervorragend für die Erfassung seiner Zusammenhänge innerhalb der irdischen Entwicklungen ausgestattet. Jedoch muss sich der Mensch seiner gesamten Existenz – auch in den transpersonalen Sphären – wirklich bewusst werden. Das bedeutet vor allem, er muss sich von seiner Fixierung auf die Selbsterhaltung und komfortablen Lebenshaltung in der Materie trennen, damit er zur Erkenntnis der weiteren unstofflichen Kraftfelder seines Wesens durchdringen kann. Erst dann wird der Mensch die ihm von der Monade in der interkosmischen Evolution gestellten Aufgaben im ganzen Umfange erfassen, bewerten und verwirklichen können.

Dafür wurde der Mensch mit seinem aurischen Wesen von der Monade mit dem Planeten Erde verbunden. Nun gilt es, im Rahmen einer einigermaßen freiheitlichen Gesellschaft unter einem sozialen und finanziellen Gleichgewicht, möglichst viele zwischenmenschliche Erfahrungen auszuwerten, und die noch vorhandenen karmischen Bindungen der niederen Astralis und Mentalis aufzulösen.
Entscheidend für ein höheres bzw. erweitertes Denkvermögen ist zuerst die Entwicklung der höheren Astralebenen. Darum haben die Weisen aller Zeiten an den Anfang eines sogenannten spirituellen Weges stets die Begierdelosigkeit gestellt, damit die niedere Astralis zur Ruhe kommen kann. Das wurde als Basis für jede weitere Entfaltung wohl erkannt. Dabei ist leider übersehen worden, dass die Abtötung der niederen Astralis eine Illusion ist und keineswegs das Wachstum der höheren Ansichten des Astralfeldes einschließt. Tatbestand ist allerdings: Solange der Mensch die Basis seines Lebens ausschließlich in den Sphären der niederen Astralis sucht, und dort in allen Bedürfnissen und Begehren Erfüllung findet, wird sich kein neues Begehren einstellen und kein höheres Empfinden oder Bedenken offenbaren können. Wofür sollte er die höheren Begehren denn gebrauchen wollen? Jedoch nur das persönliche intensive Bestreben nach den höheren Denkmöglichkeiten dynamisiert das Wachstum dieser unstofflichen Felder.

Die moderne Esoterik erklärt uns, dass Monaden (Begriff von G. Bruno und G.W. Leibniz), als lebendige Geschöpfe vom Anbeginn in höheren Kraftfeldern wesen. Diese drängen ihre Kinder, Kosmen und Mikrokosmen über den Berührungspunkt im Zentrum aller Kraftsphären ohne Unterlass zur Vervollkommnung. So wird im irdischen Lebensfeld und in jedem Wesen dieses Kosmos ein Begehren nach der Evolution entstehen und bekräftigt. Mit dem Erwachsen-Werden ihrer noch unvollendeten Felder wird sich eine völlig andere, bislang unvorstellbare Wahrnehmung oder Erfassung der Welt einstellen, eine total überwältigende Kommunikation bis in unendliche Zeiten.

Der wesentliche Fortschritt bei der zur Zeit anstehenden Stufe der mikrokosmischen und kosmischen Evolution ist, dass die Wahrnehmung des eigenen Wesens sowie die Erkenntnis über den Kosmos auf eine völlig – sagen wir – transparente Stufe gehoben wird. Dafür ist die Weiterentwicklung der unstofflichen Felder im Mikrokosmos erforderlich, die von einer dorthin gerichteten Aufmerksamkeit und einer förderlichen Lebenshaltung unterstützt werden kann. Hierzu gehören vor allem eine natürliche Ernährung, bei der alle Lebensmittel, Medikamente oder Drogen vermieden werden, die die Wahrnehmungsfähigkeit einschränken oder verzerren. Ein Mensch sollte – am Besten mit einer Gruppe – in ein harmonisches Wechselspiel von Aktivität und Entspannung eintauchen, bei dem immer viel Raum und Zeit in einem angenehmen Ambiente für spirituelle Besinnung bleibt. Im aktuellen Zeitraum ist die Erhöhung der Astralis das vordringlichste Geschehen, das sich allerdings nur dann im Mikrokosmos vollziehen kann, wenn der Mensch in sich die weiblichen und männlichen Aspekte seines Wesens in Einklang bringen konnte. Für jede weitere Entfaltung der Mentalis ist eine innerlich gewünschte Dienstbarkeit für die interkosmische Entwicklung zwingend notwendig, die sich aus einem starken eigenen Sehnen entwickelt. Wenn sich dann prozessmäßig die drei höheren Aspekte der Mentalis entfaltet haben, kann er ungeschminkt alle Vorgänge in den vier Kraftsphären – Mentalis, Astralis, Äther und Materie – erfassen und mit den in diesen Lebensfeldern für den Kosmos wirkenden Wesen kooperieren. Dabei erkennt der Mensch nicht nur die fundamentalen Grundgesetze seines Denkens und Fühlens, sondern auch das planvolle zielgerichtete Zusammenspiel aller in diesen Gebieten. Vor allem die vollständigen Einblicke in die Mentalis und Astralis erhellen umfassend das Wahr-Nehmen und Bedenken des Menschen. Da er dann sozusagen «zuschauen kann», wie sich mit Gedanken und ausgesprochenen Sätzen die mental-astralen Holokumulus auch im Atemfeld anderer Menschen einnisten, und wie sie sich gleichzeitig in das Jenseits reflektieren und sich dort mit bereits vorhandenen Gedankenkluster verbinden, kann sich ein mental erwachter Mensch in dieser Hinsicht effektiv kontrollieren. Durch ein intelligent bedachtes Gedankenleben und ein wohlwollendes Sprechen wird er vielen negativen Reaktionen vorbeugen. Das vielfach schon heute verbreitete «positive» Denken und Fühlen wird in dieser Entwicklungsphase zu einer Selbstverständlichkeit. Jede psychologische Manipulation oder Verirrung bleiben ausgeschlossen. Der erwachte Mensch wird sich für den monadischen Einfluss weit öffnen, der in ihm eine weite Selbsterkenntnis und stabile Autonomie schenkte. Jetzt erfährt der Mensch im Gesamtplan der kosmischen Entwicklungen den essentiellen spirituellen Sinn des Lebens.


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7.0 Diverse Einflüsse auf die Wahrnehmung

7.1 Wahrnehmung von Menschen mit sensorischen Mängeln

Wie ist es nun aber, wenn einem Menschen ein Sinnesorgan fehlt oder eines nur eingeschränkt arbeitet?
Die Welt der Menschen mit sensorischen Mängeln ist gewissermaßen verarmt, eben um diesen Teil, den sie nicht wahrnehmen können. Wesentlich für die Betrachtung der Wahrnehmung ist dabei die Unterscheidung zwischen angeborenen Mängeln und den durch Krankheit oder Unfall erworbenen Mängeln. Der seit seiner Geburt total Farbenblinde hat meistens kein Farbengedächtnis und ihm fehlen die mit den Farbwahrnehmungen verbundenen psychologischen Erlebnisse.
Ebenso hat der von Geburt an Taube meistens kein akustisches Gedächtnis. Musik verschafft dem hörfähigen Menschen einige der zwingendsten Wahrnehmungserfahrungen, die dem Tauben nicht zugänglich sind. Dem Blinden fehlt jegliche Erfahrung unserer sehr stark auf visuellen Reizen aufgebauten Welt.

Diese Menschen sind jedoch in beträchtlichem Ausmaße fähig, derartige Defekte über andere Wahrnehmungsbereiche zu kompensieren.

So kann z.B. ein Blinder sein Tastgefühl und sein Gehör bis zu einer Leistung sensibilisieren, die für den Normalsichtigen nahezu unerreichbar ist. Es bleiben aber immer einige Aspekte der Wahrnehmung, wie das Erfassen ausdrucksstarker und affektiver Qualitäten von Farben und Tönen, die nicht voll kompensiert werden können. Die aus esoterischer Sicht bekannten Wahrnehmungen werden von den visuell und akustisch Behinderten verstärkt erlebt.

Über dieses Thema sind zahlreiche ausführliche Studien angefertigt worden, um mit Behinderten ihren Ansprüchen gemäß arbeiten zu können, die hier allerdings nicht zitiert werden sollen,


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


7.2 Wahrnehmung des Kindes

Eine andere Wahrnehmung ergibt sich auch, wenn der Mensch nur perinatale oder postnatale Erfahrungen hat. Obwohl jeder einmal diese Phase durchleben musste, kann man sich nur schwer im einzelnen daran erinnern, wie anders ein Kind seine Welt wahrnimmt. Obwohl jeder einmal diese Phase durchschritten hat, kann man sich nur schwer im einzelnen erinnern, wie anders ein Kind seine Welt wahrnimmt.
Als erstes beeinflusst die Körpergröße des Kindes die Wahrnehmung seiner Umwelt. Die Welt der Erwachsenen ist für ihre Durchschnittsgröße und ihre Bedürfnisse konstruiert. Der «niedrigere Standpunkt» des Kindes lässt viele Dinge größer und imposanter erscheinen. Auch nimmt es Gewichte von Gegenständen schwerer wahr als ein Erwachsener. Die Welt des Kindes hat (in räumlicher und zeitlicher Hinsicht) einen geringeren Umfang.

Die Anzahl von Gegenständen oder Ereignissen, die gleichzeitig aufgefasst werden können, ist kleiner. Ebenso ist die Dauer der Aufmerksamkeit kürzer.

Die Wahrnehmung des Kindes ist auf das Erfassen der Hauptzüge seiner Umwelt gerichtet, dabei werden viele Einzelheiten übersehen. Es gibt auch Anhaltspunkte dafür, dass die Größenkonstanz und andere Konstanzphänomene für das Kind nicht in gleicher Weise gelten wie für Erwachsene.
Das Kind neigt eher dazu, seine Umwelt animistisch wahrzunehmen, d.h. tote Objekte werden mit Gefühlen und Absichten belebt. Die Ausdrucksqualitäten von Gegenständen oder Ereignissen spielen in der Wahrnehmung eine relativ große Rolle. Wo ein Erwachsener diese als «subjektive» Faktoren gewöhnlich wenig beachtet, können diese «subjektiven» Ausdrucksqualitäten die Wahrnehmung des Kindes völlig für sich in Anspruch nehmen.

Man könnte nun meinen, die Wahrnehmungswelt eines Kindes ist durch diese andere Wahrnehmungsgestaltung beschränkt. Das wird jedoch durch andere Werte mehr als kompensiert. Gerade der Mangel an Objektivität und „Realismus“, verbunden mit der Empfänglichkeit für Ausdrucksqualitäten, erhalten der kindlichen Welt Frische und Spontanität. Hier brillieren Intuition und Erfindungsgabe, solange, bis die Erwachsenen-Erziehung sie erstickt hat.

 

7.3 Kultureller Einfluss auf die Wahrnehmung

Da die vorangegangenen Erfahrungen des Menschen seine Wahrnehmung stark beeinflussen, ist es selbstverständlich, dass die Menschen verschiedener Rassen und Kulturen ihre Umwelt entsprechend unterschiedlich wahrnehmen. Manche Kulturen unterscheiden sich z.B. sehr stark nach der Anzahl der verschiedenen Varianten innerhalb einer Gegenstandsklasse, die beim Erfassen unterschieden werden können. Bei der Wahrnehmung eines Gegenstandes oder einer Person steht es jedem offen, welchem Aspekt er seine Aufmerksamkeit schenkt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich gerade zwischen verschiedenen Kulturen eine ganze Reihe Unterschiede hinsichtlich des Wahrgenommenen ergeben.

 

7.4 Wahrnehmung und Drogen

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage:
Welche Wahrnehmungsänderungen treten bei psychischer Krankheit oder bei Einnahme von Halluzinogenen oder anderen Drogen auf?

Als sicher kann angenommen werden, dass jede Einnahme von Medikamenten, von Alkohol, von Nikotin u.a. unterschiedlich stark die Wahrnehmung beeinflusst. Vor allem im Hinblick auf die «Fahrtüchtigkeit» von Kraftfahrzeugen wird immer wieder auf diese gravierenden Veränderungen hingewiesen. Eine ausführliche Erläuterung all dieser Erscheinungen würde jedoch den Rahmen dieser Darstellung sprengen. Ich will mich hier darauf beschränken, einige Phänomene optischer Halluzinationen nach der Einnahme von «bewusstseinserweiternder» Drogen zu beschreiben.

Optische Halluzinationen sind ein Privileg der symptomatischen Psychose. Der Psychiater beobachtet sie überwiegend beim Delirium, in der Alkoholpsychose und anderen toxischen Psychosen, etwa bei Überdosierung gewisser Medikamente, bei Pilzvergiftungen u.a.. Die besten Auskünfte über das Wesen der optischen Halluzinose erhält man jedoch aus den experimentellen Psychosen, die durch sogenannte Halluzinogene oder Psychotica beim Menschen willkürlich steuerbar hervorgerufen werden können. Unter den z.Zt. bekannten Halluzinogene sind die klinisch wichtigsten Haschisch, Mescalin, Lysergsäure-Diäthylamid (LSD-25) und Psilocybin.
Von der Art des verabreichten Mittels und der Höhe der Dosis abhängig, kann der rauschartige Zustand der experimentellen Psychose 5 – 12 Stunden andauern. In der Regel klingt er von selbst wieder ab. Die experimentelle Psychose ist für die psychopathologische Forschung von besonderem heuristischem Wert, weil bereits während der Intoxikation und – wegen der erhaltenen Erinnerung – erst recht danach, Erlebnisschilderungen von größter Prägnanz und Eindringlichkeit gewonnen werden können. (ausführliche Berichte über LSD-Therapien bei Stanislav Grof, «Topografie des Unterbewussten») Eine gewisse Objektivierung ist schließlich durch die zeichnerischen und malerischen Darstellungen der in der Psychose erlebten Visionen und Halluzinationen möglich. Die Bilder führen in die Gesichtserscheinungen des Rausches und in die Welt der psychisch übersteigerten Affekte: der plastischen und akustischen Erinnerung vergangener Erlebnisse bis zurück in perinatale Begebnisse, der lustvollen Hingegebenheit in Fantasiewelten, starken spirituellen Erfahrungen der Ganzheit des Makrokosmos, seltener auch der Angst vor Phantomen, der depressiven Verlassenheit oder der gespannten Aggressivität in der ganzen Weltbevölkerung. Oft werden diese Sensationen mit verfremdeten und verunstalteten insektenartigen Wesen bevölkert, die vielfach an Darstellungen der Fantasiewelten erinnern.

Im Selbstversuch mit Halluzinogenen wurde beobachtet, dass mit zunehmender Wirkung des Toxins eine Intensivierung der optischen Erlebnissphäre einhergeht und sich die Phänomene langsam von den äußeren Sinneseindrücken abheben, um mehr und mehr einer intrapsychischen optischen Reizproduktion Platz zu machen. Zwischen den Exponenten prägnanter Außenwahrnehmung und übersteigerter Innenproduktion optischer Erscheinungen in Form leibhaftiger Halluzinationen liegt ein breiter Bereich vielfältiger «Trug»-Wahrnehmungen, in denen sich beide Formen optischen Erlebens miteinander mischen oder überlagern. Marihuana z.B. kann in einen Zustand führen, in dem Farben ganz «unrealistisch» leuchtend erscheinen. Der Zeitsinn ist derart stark verändert, dass selbst die einfachste Handlung subjektiv enorm lange dauert. Haschisch bewirkt in seiner natürlichen Verbindung eine Intensitvierung der sinnlichen Wahrnehmung, regt die Fantasie an und dämpft die Bereitschaft zu zielgerichtetem Denken. Die spontane Assoziationsfähigkeit nimmt in großem Umfang zu.

Ähnliche Erfahrungen zeigen sich auch bei der Einnahme von Meskalin. Die Erlebnisse der wenigen Menschen, die unter Beobachtung Meskalin genommen haben, lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  1. Die Fähigkeit, sich zu erinnern und folgerichtig zu denken, ist nur wenig, wenn überhaupt, verringert.
  2. Visuelle Eindrücke sind sehr verstärkt , und das Auge gewinnt einiges von der unbefangenen Wahrnehmungsweise der Kindheit wieder, in welcher das durch die Sinne Wahrgenommene nicht sogleich und automatisch dem Begriff untergeordnet wurde.

Meskalin verleiht allen Farben erhöhte Stärke und macht den Wahrnehmenden unzählige feine Abschattungen bewusst, für die er zu gewöhnlichen Zeiten völlig blind ist. Es hat den Anschein, dass für den allumfassenden Geist die sogenannten sekundären Merkmale der Dinge primäre sind, … er fühlt offenbar, dass Farbe wichtiger und der Beachtung mehr wert ist, als Zahl, Lage und Größe.

  1. Das Interesse für Räumliches ist verringert .
  2. Das Interesse für die Zeit fällt fast auf den Nullpunkt .
  3. Obgleich der Verstand unbeeinträchtigt bleibt und das Wahrnehmungsvermögen verbessert wird, erleidet die Entschlussfähigkeit eine tiefgreifende Veränderung zum Schlechteren.

Wer Meskalin nimmt, fühlt sich nicht veranlasst, irgend etwas im Besonderen zu tun und findet die meisten der Zwecke, für die er zu gewöhnlichen Zeiten zu handeln und zu leiden bereit war, äußerst uninteressant. Er «kann sich nicht mit ihnen abgeben, aus dem guten Grund, dass er über Besseres nachzudenken hat.» (Aldous Huxley, Die Türen der Wahrnehmung)

Über die Auswirkungen auf die Wahrnehmung nach Einnahme von Psilocybin berichtete G. Wasson:
«Dann kam es mir vor, als hätten sich die Wände des Hauses aufgelöst und mein Geist sich in die Luft erhoben… Die visionären Bilder waren nicht verwischt oder undeutlich. Im Gegenteil, die Umrisse und Farben waren so ausgeprägt und scharf, dass sie mir wirklicher vorkamen als alles, was ich bisher in der Natur gesehen hatte. Ich spürte, dass ich erst jetzt klar sehen konnte, während unser gewöhnliches Sehvermögen uns nur eine unvollkommene Ansicht der Gegenstände vermittelt.»

1943 entdeckte A. Hofman bei Versuchen die Wirkung von LSD 25. Er beschrieb seine Selbst-Wahrnehmungen:
«Objekte veränderten sich optisch, ich konnte mich nicht konzentrieren… Bei geschlossenen Augen überschwemmten mich phantastische Bilder von außerordentlicher Plastik und intensiven Farben…» Nach sechs Stunden: «Die optischen Verzerrungen waren immer noch sehr ausgeprägt. Alles schien zu schwanken und keine festen Dimensionen zu besitzen, wie Zerrbilder auf einer bewegten Wasseroberfläche … Besonders auffallend war, dass alle Geräusche in visuelle Empfindungen umgesetzt wurden, so dass jeder Ton und jedes Geräusch ein dementsprechendes Bild erzeugten.» (siehe Synästhesie Anm.d.V.).

«LSD vermittelt durch eine sinnliche Erfahrung die Erkenntnis der Relativität unserer gewöhnlichen Auswertung von Sinnesinformationen, indem es uns mit einer Fülle von qualitativ neuen Informationen überschüttet. Die außerordentliche Wahrnehmungsfähigkeit, verbunden mit dem Abbau der kategorisierenden, kanalisierenden Funktionsweise der Wahrnehmung und des Denkens, erfordert eine Korrektur unserer Vorstellung von der Wirklichkeit und ermöglicht eine Erweiterung des Wissens über die Wirklichkeit. Die LSD- Erfahrung macht deutlich, dass wir auch in «normalem» Zustand die Welt nicht sehen , wie sie ist, sondern wie wir sind, wie unsere Nervensysteme und unsere Individualgeschichte es erlauben». (R. SteckeI)

Gerade diese letzte Aussage bestärkt die in den vorangegangenen Kapiteln wiederholt aufgeführten Hinweise, dass die Wahrnehmungsorganisation dem Menschen nur eine sehr individuelle Gestaltung der empfangenen Sinnesreize vermittelt, die von den sensorischen und psychologischen Qualitäten seiner Person und seinen damit verbundenen Vorstellungen und Abberationen (Abweichungen) abhängig ist. Somit nehmen wir prinzipiell die uns umgebende «Wirklichkeit» nicht in voller Objektivität wahr. Die Wahrnehmung der Menschen und Tiere ist so von der Natur ausgerichtet, dass sie sich in einer dreidimensionalen Umwelt zum physischen Selbsterhalt (Fressen, Kämpfen oder Flucht) und Arterhalt orientieren können. Sie ist zusätzlich geformt von den historischen und kulturellen Einflüssen der sozialen, politischen, finanziellen und religiösen Weltereignisse, in denen wir leben.

Dass dadurch einseitig konditionierte Nervensystem wird von den Halluzinogenen in unterschiedlicher Weise und Stärke entkonditioniert und somit für das Angebot vielfältiger Reize von außen und innen zugänglich gemacht, die es normalerweise unterschlägt. Mehr dazu im folgenden Kapitel:
Die menschliche Wahrnehmung unter esoterischen Gesichtspunkten: Kapitel 8.0

7.5 Nachwort allgemeine Wahrnehmung

Der Bereich «Wahrnehmung» umfasst eine Vielzahl interessanter Interaktionsmechanismen zwischen den biologischen Gegebenheiten der Sinnesorgane und den psychologischen Situationen des betrachtenden Menschen. Will man jemanden kennen lernen, so ist man auch darauf angewiesen, seine Wahrnehmungen zu beobachten und zu untersuchen, denn nur so kann man erfahren, in welchem Rahmen er seine persönliche Welt erfassen kann, die für ihn seine wahre Welt ist.

Die Beschaffenheit der stofflichen Welt setzt sich zusammen aus dem, was der Mensch mit seinen fünf Sinnesorganen wahrnimmt, was er fühlt, mit seinem Verstand denkt und sich mit Hilfe seines Vorrates an Bildern in seinem Gedächtnis vorstellt. Diese Weltanschauung wird von ihm als die für jeden spezifisch eigene «Welt» empfunden, sie ist Jedermanns eigene Wahrheit. Nach dieser als total wahr angenommenen Weltanschauung richtet sich sein Verhalten und wiederum seine Wahrnehmungsgestaltung. Doch kann damit alles über das menschliche Sein bestimmt werden? Wer bedenkt, dass mit der Wendezeit schon im vergangenen Jahrhundert von einigen Autoren der Gedanke an die feinstofflichen Beeinflussungen der Menschen beschrieben wurde, wird erstaunt sein, wie wenig sich davon in den Kreisen der westlich-christlich oder islamisch orientierten Menschheit in der Allgemeinbildung manifestiert hat.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verband Mme H.P. Blavatsky die indische Mythologie – mit der Reinkarnations- und Karmalehre – mit der westeuropäischen Philosophie und der christlichen Religion. Dabei wurden auch die spiritistischen Erkenntnisse und die okkulten Zusammenhänge der unstofflichen Kraftfelder in Kosmos und Mikrokosmos auf breiter Basis vorgestellt. Einige ihrer Zeitgenossen, z.B. G.S. Mead, G.I. Gurdijeff, P.D. Ouspensky, C.W. Leadbeater sowie Elivas Levi haben u.a. tiefgreifende Einsichten der immateriellen Seiten des Lebens und Wahrnehmens wahrgenommen und beschrieben. Dieser Trend setzte sich bei zahlreichen modernen Autoren fort. Die umfassenden Schriften von Rudolf Steiner, der den Kreis der Anthroposophen gestiftet hatte, zeugen in seiner weitreichenden Geisteswissenschaft von den komplexen anthropologischen Einsichten in das Werden des Kosmos und des Mikrokosmos. Dieses geistige Erwachen entwickelte sich auch bei einigen indischen Gelehrten sowie den Rosenkreuzern in Amerika und Europa weiter.

In der Zeit nach 1900 wurden im Westen bahnbrechende Erkenntnisse großer Psychoanalytiker gemacht, wie z.B. durch S. Freud, C.G. Jung, A. Adler und. E. Fromm. Hinzu kam die vorwiegend materialistisch orientierte Reiz-Reaktionstheorie allen Lebens durch Iwan Petrowitsch Pawlow in Russland, worauf sich dann in Folge der amerikanische Behaviorismus zu voller Blüte entwickelte. Der kommende neue Mensch stand bereits um 1920 visionär vor Jan van Rijckenborgh und Max Heindel. Die Ägyptologen sprechen davon, dass die Zeitrechnung, die architektonisch in der großen Pyramide von Gizeh verschlüsselt eingemauert wurde, im Jahre 2001 zu Ende gegangen sei. Die esoterisch-okkulten Geheimnisse der ägyptischen Pyramiden am Nil und der mexikanischen Pyramiden von Teotihuacán wurden durch ausgiebige Forschungen sowie Maßanalysen von Axel Klitzel entschleiert.
Neue Verbindlichkeiten für das menschliche Leben aus den unstofflichen Gegebenheiten wurden besonders durch amerikanische Forscher  der Psychologie entdeckt und umfassend mit zahlreichen Fallstudien belegt. Dazu zählen auch die Nahtoderfahrungen, erforscht von R.A. Moody, oder die LSD-Therapie von St. Grof, die Jenseitskontakte (spiritistische Sitzungen mit Fletcher) mit Verstorbenen von Arthur Ford, sowie die Erforschung des mexikanischen Schamanen Don Juan von C. Castaneda, die Experimente mit dem Samadhi-Tank von J. Lilly und die Jenseitsreisen von Robert A. Monroe und das Channeling von Jane Roberts, die ihre Gespräche mit Seth aufzeichnete.
Am 11. September 2001 wurde ein «Flugzeugangriff» auf die Worldtrade-Towers in New York zu einem einschneidenden kosmischen Ereignis hochstilisiert. Auch dieses extraordinäre Ereignis hat der Welt nur den Beginn eines vor allem mentalen Kampfes zwischen den klassischen Weltanschauungen gebracht und erhöhte Feindseligkeiten mit dem fanatischen Zweig des Islam ausgelöst. Der Mayakalender hat wohl 2012 ein entscheidendes Enddatum gehabt, das vielfach fehlinterpretiert wurde. Die sensationellen Veränderungen, die so einige Profi-Esoteriker darüber verkündeten, haben nur die Auflagen einiger Gazetten und das Interesse mancher Forscher für die Tempelanlage von Teotihuacán erhöht.

Mit Beginn der philosophischen Interpretation der Quantenphysik Ende des 19. Jahrhunderts begann eine völlig neuartige religiöse Betrachtung kernphysikalischer Erkenntnisse. Angesichts der Forschungsergebnisse über die elektromagnetischen Kräfte im subatomaren Bereich entwarfen einige Physiker ein total neues Modell der kosmischen Zusammenhänge. Nach der Wendezeit, die von Fritjof Kapra 1982 in seinem gleichnamigen Buch ausführlich geschildert wird, folgten die umfangreichen Theorien von Rupert Sheldrake, Ervin Laszlo und Ken Wilber. Die zahlreichen historischen Beispiele in dem Buch «Der Aufbruch in das dritte Jahrtausend», veröffentlicht 1962 von Louis Pauwels, reichen aus den 1960igern bereits in die beginnende Aquariuszeit. Im Eranos-Kreis von Ascona trafen sich ausgesuchte Fachkräfte aus Psychologie, Wissenschaft, Biophysik, Chemie und Religion, die die wissenschaftlich esoterische Basis des menschlichen Daseins und ihre Entwicklungstendenzen diskutierten. In den seit 1933 regelmäßig publizierten Jahrbüchern mit den abgedruckten Vorträgen werden auch die bevorstehenden Veränderungen der Evolution sichtbar. Michael Murphy veröffentlichte 1992 in dem Buch, «Der Quanten-Mensch», einen Blick in die Entfaltung des menschlichen Bewusstseins-Potentials vom Anbeginn der menschlichen Aufzeichnungen bis ins 21. Jahrhundert.

So spiegelt sich die beginnende Aquariusperiode in vielen Berichten nahezu aller Forschungszweige. Die sich tatsächlich entwickelnden Bewusstseinsveränderungen bescheren als Schlagschatten der positiven Entwicklung zu höheren Dimensionen der Menschheit leider eine Vielzahl von Kriegen, äußerst dramatische Entwicklungen, vor allem in den islamischen Regionen des mittleren und fernen Ostens. Der Verursacher dafür ist nicht bei den grobstofflichen Personen in den Machtzentren der Staaten zu suchen, sondern vielmehr bei den selbsterhaltenden Kräften – «Asuras» (ein Begriff aus den Veden) oder Äonen 8ein Begriff aus der Gnosis) – im Jenseits, die mit den Emissionen der bestehenden Glaubens- und Denkrichtungen der Menschen ihre Existenz unter dem Himmel sichern. Bei weiterem Fortschreiten der Aquariuszeit wird die «Nahrung der Götter» verständlicherweise immer dünner. Denn auf die Bewusstseinsveränderung bei vielen Menschen folgt natürlich auch eine Veränderung in der Lebenshaltung. Es entwickelt sich eine völlig neue Wahrnehmung der Welt in bislang ungedachten Perspektiven. Denken, Wollen und Handeln werden künftig in einem total anderen Lebenskontext stehen. Durch die sich aus den unstofflichen Kraftfeldern entwickelnden Wahrnehmungsmöglichkeiten werden die bisher geltenden alten Weltanschauungen sowie Machtkonzeptionen und deren beherrschenden Autoritäten unbrauchbar. Unaufhaltsam lösen sich die herrschenden materiellen Strukturen darum auf und verwehen in der Zeit. Die menschlichen Wahrnehmungen und Bewertungen erfolgen künftig nach völlig neuen Gesichtspunkten und dienen fürderhin anderen Pespektiven für die weitere Evolution im Kosmos und Makrokosmos.

Darum wird in den folgenden Abschnitten ein Abriss der esoterischen Zusammenhänge gegeben. Kapitel 8.0


Die bis hierhin vorliegende Arbeit ist als wissenschaftliche Arbeit zu meinem Design-Examen an der Fachhochschule Düsseldorf unter der Anleitung von Professor H. Lenzen erarbeitet worden. Sie ist im Wesentlichen, mit einigen redaktionellen Ergänzungen im Vorlauf und in den abschließenden Gedanken, eine umfassende Zusammenstellung aktueller Erkenntnisse über die Wahrnehmung aus unterschiedlichen Quellen aus dem Jahre 1974.
Die Arbeit bekam eine Auszeichnung durch den damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, dem späteren 8. Bundespräsidenten Deutschlands. Die Texte sind leicht überarbeitet und viele Beispiel-Abbildungen wurden erneut mit dem Computer editiert, andere Bilder sind meistens eigene Fotos oder aus Wikipedia.

6.0 Psychologische Faktoren und Wahrnehmung

Der menschliche Wahrnehmungsprozess ist immer an einen Körper gebunden, der sich zumeist in Aktion befindet – nicht nur in physikalischer, sondern vor allem in psychologischer Aktion.
Die Handlungen sind begleitet von Denkprozessen, Gefühlszuständen und Absichten. Dadurch ist der Beobachter niemals völlig „neutral“, sondern er hat bestimmte Einstellungen und Erwartungen, die die Wahrnehmungsorganisation in dieser oder jener Richtung beeinflussen. Wenn ein Wanderer in einen Wald geht, so erwartet er dort Bäume, Büsche und Tiere, aber keine Hochhäuser oder Flugzeuge. Wenn ein Durstiger einen Wasserhahn aufdreht, erwartet er Wasser und keine Musik. Ein 100 m-Sprinter hat am Start seine Muskulatur auf den Sprint eingestellt. Dies ist eine motorische Einstellung. Wenn ein Schüler in eine interessante Stunde geht, hat er sein Gehirn auf den zu erwartenden Lernprozess eingestellt. Dies ist eine gedankliche oder geistige Einstellung. Wenn ein Beobachter auf Horchposten ist, hat er seine Sinne, Augen und Ohren auf eine bestimmte Wahrnehmung eingestellt.
Diese sind zumeist bewusste Einstellungen, die auch landläufig mit «Konzentration» oder auch «Ausrichtung» bezeichnet werden. Es gibt darüber hinaus noch Einstellungen oder «Sets», die unbewusst auf die Wahrnehmung wirken.

Dazu gehören

1 . die vorausgegangenen Erfahrungen und
2 . persönliche Bedürfnisse, Gefühlszustände, subjektive Stimmungen, aktuelle Werthaltungen.

(Bei dieser Trennung wird davon abgesehen, dass Bedürfnisse, Gefühlszustände, Stimmungen und Werthaltungen erst durch Erfahrungen und/oder pädagogische Beeinflussung geschaffen wurden. Oft stammen diese Erfahrungen aus der frühen Kindheit oder Jugendzeit.)


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


6.1 Vorausgegangene Erfahrung und Wahrnehmung

Fährt man mit dem Auto an einem unbekannten Plakatmotiv vorbei, auf dem kein Text ist, sondern nur eine völlig fremdartige Abbildung, so wird sie – wenn sie überhaupt gesehen wird – zunächst nicht erkannt. Erst bei häufigerem Erscheinen wird das Motiv identifiziert und mit bekannteren Motiven in Verbindung gebracht. Diese Erfahrung ist durch zahlreiche Experimente bestätigt worden.
Je vertrauter und bekannter eine Reizkonfiguration, desto stärker ist die Bereitschaft, sie auch zu erkennen bzw. wahrzunehmen.

Andererseits kann eine momentane Einstellung diesen Faktor der reinen Erfahrenshäufig-
keit und die daraus resultierende Einstellung kompensieren oder überwinden. In dem oben genannten Beispiel könnte die momentane Einstellung folgendermaßen hervorgerufen werden: Ein Autofahrer macht den anderen darauf aufmerksam, dass er an seiner Strecke ein völlig neues Plakatmotiv sehen wird.
Ganz frische Erfahrungen neigen stärker dazu, die Wahrnehmung zu beeinflussen, als länger zurück liegende Erfahrungen.

Ausnahmen von dieser Regel finden sich im Zusammenhang mit der geordneten Abfolge von Reizen in der Zeit. Ein Junge läuft mit einem Stock an einem Lattenzaun entlang. Nach jeder achten Latte ist ein größerer Zwischenraum. Bei dieser Geräuschabfolge hört ein Passant das «Knack» nach der achten Latte deutlicher, als das Knattern des Stockes auf der ersten bis achten Latte, obwohl diese Geräusche öfter an sein Ohr kommen.
Angenommen, man geht gleichmäßig schnell an einem langen Bauzaun entlang, der dicht beklebt ist mit gleichen Plakaten auf rotem Grund. Nach jeweils 10 Plakaten ist ein blauer Zettel dazwischen geklebt. Beim Entlangschreiten ist die Einstellung geradezu auf den blauen Zettel gerichtet. Er wird erwartet.
Genauere Untersuchungen dazu hat K. Gottschald durchgeführt. (Über den Einfluss der Erfahrung auf die Wahrnehmung von Figuren, Psychologische Forschung 8/1929. 261-317 und 12/1920, 1-87)

 

6.2 Bedürfnisse, Gefühlszustände, Stimmungen und Werthaltungen

Zwei Menschen gehen in ein Bistro, in dem eine attraktive Kellnerin bedient. Der eine Freund ist besonders hungrig und der andere geht auf Freiersfüßen. Fragt man sie nach dem Verlassen des Bistros, was ihnen in diesem Lokal besonders aufgefallen ist, so besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass der vorher Hungrige das Essen erwähnt, und der andere die nette Kellnerin beschreibt.
An diesem kleinen Beispiel ist zu erkennen, dass die Art und Weise, wie eine Reizsituation wahrgenommen wird, deutlich Auskunft geben kann, welche Bedürfnisse oder Gefühlszustände den Beobachter bewegen. Die sich durch solche Rückschlüsse ergebenden Betrachtungen spielen wohl auch in der Kriminalistik eine nicht unerhebliche Rolle.

6.2.1 Bedürfnisse

Je stärker ein Bedürfniszustand (z.B. der Hunger) ist, desto mehr wird der Beobachter seine Wahrnehmung in Richtung auf diejenigen Umweltreize (hier Essensmöglichkeiten) strukturieren, die sein Bedürfnis befriedigen können. Man könnte annehmen, das sei selbstverständlich. Aber so einfach ist das nicht. Um den Zusammenhang zwischen Bedürfnis und Wahrnehmungsgestaltung genau zu erkennen, wurden vielfältige Untersuchungen durchgeführt, u.a. an der Universität Marburg.
Dabei hat sich ergeben, dass die Faktoren Bedürfnisspannung, Reizkonfiguration und Einstellung in einer komplexen Wechselwirkung stehen. Ruft also z.B. der Bedürfniszustand Hunger die Einstellung auf Essen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit hervor, so kann diese doch durch die gesamte Situation wieder verdrängt werden, wenn es sich z.B. um eine Arbeitssituation handelt, die eine Konzentration auf Kontrollorgane erfordert.
Erst in der Kantine wird dann die Einstellung auf Essen wieder begünstigt und die Wahrnehmungsorganisation entsprechend ausgerichtet.

6.2.2 Gefühlszustände – Stimmungen

In einer Untersuchung von Murrag (1933) wurden Kinder aufgefordert, Portraitfotos zu beurteilen.
Dabei wurden die Kinder beim ersten Mal unbeeinflusst gefragt, dann nach einem aufregenden «Mörderspiel» ein zweites Mal. Bei den zweiten Antworten sahen die Kinder sehr viel mehr «Bösartigkeit» in den Portraits als vorher. Diese Einstellung der Wahrnehmung wird besonders bei wenig strukturierten Reizen wirksam. Das Knarren eines Fensters bekommt nach einem spannenden Krimi im Fernsehen plötzlich eine andere beängstigende Bedeutung. Oder es werden bei Nacht in Schatten, Büschen oder Nebelschwaden «verdächtige Gestalten» wahrgenommen. Dass auch die Aufnahmebereitschaft von Farben gefühlsmäßigen Schwankungen unterworfen ist, wurde in dem Kapitel Farbe bereits erwähnt.

6.2.3 Werthaltungen

Zeigt man streng Gläubigen und nicht Gläubigen farbige, abstrakte Bilder und fordert sie auf, diese zu beschreiben, so werden die gläubigen Betrachter mit großer Wahrscheinlichkeit mehr religiöse Motive herausfinden als die nicht gläubigen Probanden.

Diese Grundeinstellungen können auch aus anderen Bereichen kommen, z.B. aus dem ästhetischen, sozialen, politischen oder ökonomischen Bereich. Genauere Untersuchungen wurden von Postmann, Bruner und McGinnies bereits 1949 durchgeführt. Dabei konnte die Hypothese gestützt werden, dass der Mensch bevorzugt seine Wahrnehmung so einstellt, dass das Wahrgenommene möglichst mit seinen Werthaltungen und vorgefassten Stellungnahmen übereinstimmt.
Dies wird noch deutlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass z.B. ein religiöser Mensch Abbildungen, Wörter und Melodien seiner Religion viel häufiger sieht oder hört als ein areligiöser Mensch.

 

6.3 Konsonanz – Dissonanz zwischen Einstellung und Reizmuster

Wie bereits beschrieben wurde, ist die Auswirkung einer Einstellung durch Erfahrung, Bedürfnis, Gefühlszustand, Werthaltung auf die Wahrnehmung nicht immer so ganz eindeutig, sondern von unterschiedlichen Faktoren abhängig :

1. Die Einstellung kann u.U. eine besondere Bedeutung bekommen.
2. Ein Bedürfnis kann sehr stark sein oder auch schwach.
3. Die Einstellung kann grundsätzlicher Art sein oder nur für eine kürzere Zeit wirksam sein.
4. Im Menschen können mehrere Einstellungen gleichzeitig wirksam werden, die sich miteinander vertragen oder die entgegengesetzt wirken.
5. Die Strukturstärke der Reizmuster kann mitentscheidend sein. Eine schwächere
Reizmusterstruktur wird leichter von einer Einstellung beeinflusst als eine stärkere.
6. Die Einstellung kann der Wahrnehmung entsprechen oder ihr genau widersprechen.

In diesem Abschnitt sollen vor allem die Vorgänge besprochen werden, die bei einer Dissonanz zwischen Einstellung und Reizmuster ablaufen.

6.3.1 Selektivität

In der nun folgenden Abbildungen sind zwei Frauen-Porträts in einem Bild so gezeichnet, dass man alternativ das Profil einer anziehenden jungen Frau oder das einer hässlichen Alten sehen kann.

Leeper machte mit diesen Bildern folgenden Versuch: Er zeigte einer Gruppe von Versuchspersonen eine ganze Reihe von Bildern. Unter diesen war das Bild der «jungen Person» – siehe rechts unten – gemischt. Einer anderen Gruppe zeigte er zusammen mit anderen Bildern das Bild der «Alten» – siehe links unten.

Dann wurde allen Teilnehmern dieses Versuchs die vollständige Abbildung links vorgelegt. Das Ergebnis war eindrucksvoll. Sämtliche Versuchspersonen der ersten Gruppe sahen in dem doppeldeutigen Bild spontan die junge Frau und 95 % der zweiten Gruppe sahen in der doppeldeutigen Abbildung die «Alte».

Die subjektiv gewonnene Einstellung der Beobachter wirkte sich in der doppeldeutigen Situation unzweifelhaft selektiv aus.

Das heißt, wenn zwei oder mehrere Gestaltungsmöglichkeiten eines Reizmusters gegeben sind, wählt die Wahrnehmung diejenige Gestaltung aus, die mit der betreffenden Einstellung übereinstimmt.

 

6.3.2 Verzerrung
Wenn eine gegebene Reizsituation, z.B. ein Bild, so strukturiert ist, dass sie der vorherrschenden Einstellung des Betrachters nahezu, jedoch nicht vollständig entspricht, dann wird trotzdem das wahrgenommen, was sich der Betrachter vorstellt.

Die Teile des Bildes, die der Einstellung nicht entsprechen, werden verzerrt wahrgenommen. Anders gesagt: Sie werden der vorgefassten Einstellung angepasst.

Dieser Mechanismus wird auch noch bei stark widersprüchlichen Teilen wirksam. Die unpassenden Teile werden einfach unterdrückt. Dieser Vorgang der Unterdrückung von unbequemen oder widerwärtigen sozialen Vorgängen wird in der Psychologie mit Verdrängung bezeichnet, und es ist ein bedeutsamer Komplex für die Heilungschancen bei einer entsprechenden Therapie.

6.3.3 Kompromiss

Bruner und Postmann zeigten in einem interessanten Versuch, welche Kunststücke die Wahrnehmungsorganisation vollbringt, um die Einstellung mit der Reizsituation zu vereinigen.

Einigen Versuchspersonen wurden kurzzeitig (mit Tachistoskop) Spielkarten gezeigt, mit der Bitte, die Karten einfach zu benennen. Einige Karten waren für diesen Versuch mit verkehrten Farben gedruckt worden. Es gab also eine schwarze (anstatt rote) Herz-Sechs, eine rote (anstatt schwarze) Pik-Vier usw. Bei hinreichend kurzer Darbietung verzerrten die meisten Betrachter die gefälschten Karten so, dass ihre Erwartungen bestätigt wurden.
Beispielsweise wurde die rote Pik-Vier als Herz-Vier gesehen oder auch als Pik-Vier, ohne dass der Farbwiderspruch bemerkt wurde. In anderen Fällen, bei längerer und wiederholter Betrachtung, wurde eine Zwischenlösung oder ein Kompromiss gesehen, so z.B. eine rote Pik-Sechs als «eine Art purpurne Pik-Sechs».

Die Wahrnehmung ist also unter Umständen ein Kompromiss zwischen dem, was die Einstellung nahelegt und dem, was dem erfassten Reizmuster entspricht.
Dieses Phänomen spielt vielfach allgemein-psychologisch bei der Wahrnehmung zwischenmenschlicher Prozesse u.ä. eine Rolle.

6.3.4 Rückwirkende Umformung der Einstellung

Kommen wir noch einmal auf das obige Experiment in 6.3.3 zurück. Wenn die Betrachtungsdauer genügend verlängert wurde, erkannten die Versuchspersonen die Unnatürlichkeit der Spielkarten. Dadurch aufmerksam geworden, erwarteten die Betrachter geradezu eine falsche Spielkarte und erkannten sie rascher als vorher. Die frühere Einstellung «nur normale Spielkarten zu sehen» wurde durch die Einstellung «falsche Karten» zu Gesicht zu bekommen verändert auf die Wahrnehmung «der falschen Karten».

Wenn eine Abbildung oder eine andere Reizsituation stark strukturiert ist und im krassen Gegensatz zu der Einstellung des Betrachters steht, so kann dieser Widerspruch verstärkt werden. Der Beobachter wird sich der Diskrepanz besonders deutlich bewusst und wendet ihr seine Aufmerksamkeit zu. Dadurch verändert sich die ursprüngliche Einstellung.
Die durch die Einstellung hervorgerufenen Erwartungen können wegen der «harten Tatsachen» in der realen Situation die geforderte Wahrnehmungsorganisation nicht mehr zustande bringen. Somit passt sich die Wahrnehmung der gegebenen Reizsituation an.
Hieraus wird besonders deutlich, dass Einstellung und Wahrgenommenes in einer ständigen Rückkopplungsbeziehung mit wechselseitiger Kontrolle stehen.

 

6.4 Aufmerksamkeit

Die Aufmerksamkeit ist eine der Grundeinstellungen des Menschen überhaupt. Das Thema ist oft heiß diskutiert und viel erforscht worden, vor allem unter den Psychologen des Werbefachs, die immer wieder die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf ihre Werbemittel lenken müssen. Bevor wir die Aufmerksamkeit in dem nachfolgenden Text auf die Wirkungsfaktoren der Aufmerksamkeit richten, ist es sinnvoll, erst einmal einen physiologischen Abstecher zu machen.

Unser Gedächtnis besteht nach Frederic Vester aus drei Abteilungen:
Dem Langzeitgedächtnis, in dem die Erinnerungen als Moleküle – so sagt er – gespeichert sind, dem Kurzzeitgedächtnis, wo die im Langzeitgedächtnis zu speichernden Moleküle gebildet werden und dem Ultrakurzzeitgedächtnis, in dem die erfassten Informationen als elektrische Schwingungen kreisen.

Die bewusste Aufnahme einer Information ins Ultrakurzzeitgedächtnis – also die Wahrnehmung – hängt von der Aufmerksamkeit ab. Ob aber für eine bestimmte Information Aufmerksamkeit empfunden wird, ist von bereits vorhandenen Assozia-
tionen im Langzeitgedächtnis abhängig, von bestimmten Einstellungen, von mögli-
chen Gedankenverbindungen, die mit der Neuigkeit verknüpft werden können. Sind keine Assoziationen vorhanden, wird keine Aufmerksamkeit geweckt, klingen die elektrischen Schwingungen im Ultrakurzzeitgedächtnis wieder ab und das wahrgenommene wird wieder «gelöscht». (Zu dem Thema «Gedächtnis» verweise ich auf diesen Artikel, in dem eine esoterische Sicht ausführlich beschrieben wird, )

Um Aufmerksamkeit für eine neue Information zu erzielen, ist es also notwendig, diese Neuigkeit in zumindest einigermaßen bekannte Informationen zu verpacken, die dann vielfältige Assoziationen ermöglichen.

Die Aufmerksamkeit ist eine Erwartungshaltung des Beobachters, die von einer Voreinstellung, einem Begehren oder Bedürfnis, einer Stimmung, einer subjektiven Werthaltung geprägt ist.

6.4.1 Brennpunkt der Aufmerksamkeit
Wie aus alltäglichen Erfahrungen bekannt, hebt sich innerhalb eines umfangreichen Wahrnehmungsfeldes der Mittelpunkt deutlicher hervor.
Die Aufmerksamkeit lenkt die Konzentration der Wahrnehmung auf ein bestimmtes Zentrum.
Soll z.B. ein größeres Bild aufgenommen werden, so wandert das Aufmerksamkeitszentrum von einem Bildteil zum anderen.
Die Aufmerksamkeitszentrierung ist gewöhnlich sehr kurz.
Sie unterliegt einer bestimmten Sättigung, und nach einer gewissen Zeitspanne neigt die Aufmerksamkeit «spontan» zum Weiterspringen. So kommt es, dass umfangreiche Reizmuster, Bilder, Landschaften o.ä. mit den Blicken sozusagen erwandert werden. Die Abbildung oben zeigt die sukzessive Fixierungen einzelner Bildteile beim Betrachten einer Internet-Seite. Die Augenbewegungen eines Beobachters können mit Hilfe einer Spezialkamera fotografiert und dokumentiert werden.

6.4.2 Aufmerksamkeitsumfang
Die Umschaltung der Aufmerksamkeit auf neue Reize ist offenbar deshalb erforderlich, weil der Umfang dessen, was wir mit einer Konzentrierung der Aufmerksamkeit einfangen können, extrem begrenzt ist. Dieser Brennpunkt der Aufmerksamkeit ist ein kleiner Teil des Blickfeldes, z.B. kann man mit «einem Blick» eine große Anzahl von Reizen erfassen, aber nur eine geringe Menge detailliert wahrnehmen.

Um diese Aufmerksamkeitsspanne kennenzulernen, kann man einen einfachen Versuch machen:
Man schüttet eine Anzahl Erbsen, Bohnen o.ä. vor sich auf den Tisch und nennt spontan die Anzahl der Teile auf dem Tisch. Dann setzt man mit unterschiedlichen Mengen den Versuch fort. Man wird schnell herausfinden, dass man bis 5 oder 6 Teilen fast immer die richtige Anzahl nennt und darüber hinaus die Fehler stark zunehmen. Bei 11 oder mehr Einzelteilen sind die Schätzungen meistens falsch.
(Ein ähnlicher Versuch wurde von Glanville und Dallenbach 1929 durchgeführt.)

Der Mensch ist also gezwungen, sukzessiv – Stückchen für Stückchen – seine Wahrnehmung in der Zeitabfolge auf einzelne Teile des gesamten Reizfeldes zu lenken.

Dieser Aspekt ist bei der Gestaltung von Kunstwerken oder Werbemitteln zu beachten, denn es ist nicht nur vom ästhetischen Wert her gesehen bedeutsam, in welcher Reihenfolge ein Bild wahrgenommen wird, sondern auch und vor allem für das Begreifen des Inhaltes besonders wichtig. Die großen niederländischen und italienischen Maler haben die Aufmerksamkeit des Betrachters durch besondere Lichteffekte und abweichende Perspektiven gelenkt.

Die Schule von Athen, Raffaello Sanzio (1509)
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6.4.3 Aufmerksamkeitsverteilung

Jeder hat schon einmal eine Situation erlebt, in der er zwei Dinge gleichzeitig erledigen wollte. Beim Multitasking muss der Mensch seine Aufmerksamkeit teilen. Vielleicht kann er dabei auch selbst feststellen, dass ihm diese Aufmerksamkeitsteilung nicht so recht gelingt.
Es ist fast natürlich, dass mit der Teilung der Aufmerksamkeit ein Qualitätsverlust verbunden ist.

Auch wenn man seine «Aufmerksamkeit» einem großen Blickfeld zuwendet, also diffus verteilt, wird die Erfassung jedes Einzelteiles geschwächt. Es steht für jeden Teil nur ein kleines Spektrum der physiologischen Voraussetzungen sowie der nervlichen Verschaltungen zur Verfügung. Bei einer totalen Konzentration auf einen begrenzten Blickpunkt ist die ganze Summe der – sonst verteilten – Aufmerksamkeit eingesetzt.

Oft scheint ein Mensch in der Lage zu sein, innerhalb eines kurzen Zeitintervalles wahre Wunder an Konzentration auf mehrere Aufgaben zu vollbringen. Meistens handelt es sich hierbei nicht um echte Gleichzeitigkeit, sondern um Multitasking, einem komplexeren Prozess, vor allem um einen sehr raschen Aufmerksamkeitswechsel in der Zeit, z.B. bei Computer-Spielen, im Cockpit eines Flug- oder Fahrzeugs oder beim Orgel-Spielen usw. Dabei spielt natürlich auch die antrainierte Routine eine wesentliche Rolle: Es sind dem Akteur ganze Gruppen von Handlungsabläufen so stark vertraut, dass er sich nicht mehr auf sie zu konzentrieren braucht. Ein weit bekanntes Beispiel ist das Autofahren. Für einen Nichtautofahrer oder Anfänger erscheint es, als würde ein routinierter Chauffeur in einer Großstadt wahre Wunder an Konzentration vollbringen. Tatsächlich laufen jedoch die meisten Handlungen vollständig automatisch ab, und nur ein Bruchteil der Verrichtungen bedarf seiner Aufmerksamkeit.

Im Rahmen der Informationstheorie wurde ein allgemein anwendbares Maß für den Aufmerksamkeitsumfang pro Zeiteinheit erarbeitet. Das sogenannte Bit (aus dem Englischen = binary digit) ist die Einheit für die Mindestzahl von Entscheidungen, die zur Beschreibung bzw. Kommunikation eines gegebenen Reizfeldes, eines Buchstaben oder Bildteiles, erforderlich sind.

So erfordert ein aus vier Elementen bestehendes Feld zur Beschreibung zwei Bits, ein aus acht Elementen bestehendes Feld drei Bits usw. (Über die Verteilung der Aufmerksamkeit und andere Prozesse, die in diesem Zusammenhang stehen, berichten die Darstellungen von G.A. Twiller und E.O. Cherry.)

Berücksichtigt man die vorangegangenen Einsichten über die enge Aufmerksamkeitsspanne und den Qualitätsverlust bei Spaltung der Aufmerksamkeit, dann wird der Wert der in den ersten Kapiteln beschriebenen Wahrnehmungsorganisation besonders deutlich. So erleichtern besonders die Gruppierungstendenzen dem Menschen ein Handeln in komplexen Situationen. Auch die bereits erwähnte Routine macht häufig eine konzentrierte Aufmerksamkeit überflüssig. Durch angelernte Erfahrungen stehen die notwendigen Voreinstellungen für die Wahrnehmung von vornherein bereit und die erfolgten Reize passen dazu.

Für viele Bereiche des Lebens sind diese Prozesse der Wahrnehmungsorganisation zur Bewältigung gestellter Aufgaben unabdingbar. Die Aufmerksamkeit wird von einem gewissen Ballast befreit und nur für besonders wichtige Dinge eingesetzt. Denkt man z.B. an einen Piloten in einem modernen Düsenjet.

Wieviel Zeit wäre erforderlich, wenn sich der Pilot auf jeden Kontrollblick, auf jede einzelne Handlung konzentrieren müsste?
Andererseits sind in anderen Bereichen des Lebens die automatisch ablaufenden Wahrnehmungsprozesse hinderlich.

Vor allem für den Grafik-Designer ist es manchmal notwendig, bestimmte Details eines Gegenstandes aus neuer Sicht wahrzunehmen und darzustellen. Auch steht die Routine häufig einem innovativen Wahrnehmen im Wege. Um diesem Mechanismus zu begegnen, wurden vor allem in Amerika sogenannte KreativitätsMethoden entwickelt.

 

6.4.4 Willkürliche und unwillkürliche Aufmerksamkeit

Die Unterscheidung zwischen willkürlicher und unwillkürlicher Aufmerksamkeit ist sehr grob. Vor allem stößt man bei der Bestimmung des Begriffs „willkürlich“ schnell auf Fragen, die im Zusammenhang mit der prinzipiellen Motivation stehen.
(Dieser Bereich wird im Beltz Studienbuch, «Grundlagen der Psychologie 1», ausführlich beschrieben.)

Die unwillkürliche Aufmerksamkeit wird durch einen äußeren Reiz gefordert, und ist von bestimmten Einstellungen des Beobachters abhängig.
Die aufmerksamkeitsheischenden Eigenschaften, attraction appeals, von Reizen sind von der Werbewirtschaft eingehend erforscht worden, um sie für den Erfolg von Werbemitteln einzusetzen.

Die wesentlichen können folgendermaßen zusammen gefasst werden :

1. Intensität z.B. durch grelle Farben. (Beispiel nebenstehend)

 

 

 

 

 

2. Wiederholung:
öftere Verwendung eines gleichen Motivs, Namens, Slogans oder einer gleichen Headline

 

 

 

 

 

3. Isolierung – ein großes Wort oder ein Symbol etc.
auf einer sonst leeren Fläche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Bewegung und Veränderung durch mobile Displays etc.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Neuheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Unverträglichkeit oder innerer Widerspruch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6.5 Abschließende Betrachtungen

In den vorhergehenden Kapiteln sind die Tatsachen und Prinzipien beschrieben worden, wie Reizmuster und Wahrgenommenes zusammenhängen und wie die Wahrnehmung durch physiologische und psychologische Zustände des Menschen beeinflusst werden. Es hat sich dabei zeigen lassen:

Die Wahrnehmung ist stark abhängig von der Eigenschaft der Reize, von dem körperlichen Setting, wie Kondition, Bedürfnisbefriedigung, Stress etc., dem psychologischen Zustand des Beobachters, wie aktuelle Bedürfnisse, Einstellungen, aktuelle Gefühlszustände, subjektive Ängste, aber auch von vorausgegangenen Erfahrungen sowie gesellschaftliche und religiösen Verboten und von physiologischen sowie neuronalen Mechanismen der Sinnesorgane des Wahrnehmenden.

Bei den vorliegenden Beschreibungen der Wahrnehmungsphänomene ist immer von der Voraussetzung ausgegangen worden, dass der eigentliche Beobachter dem «normalen Menschen» entspricht, das heißt, einem Erwachsenen der westlichen, zivilisierten Welt, der keine psychologischen oder sensorischen «Mängel» aufweist.


Fortsetzung im folgenden Kapitel: 7.0 Diverse Wahrnehmungsbeeinflussungen

5.0 Synästhesie

Unter den Begriff Synästhesie werden alle Erscheinungen eingereiht, die sich aus dem Zusammenwirken verschiedener Sinnesempfindungen ergeben, im besonderen Wahrnehmungen eines Sinnesorgans, die wie Wahrnehmungen eines anderen empfunden werden. Dieser Bereich der kooperativen Wahrnehmung ist bis 1980 nur auf einzelnen Gebieten näher untersucht worden, obwohl es bekannte und allgemein geläufige Veränderungen in der Wahrnehmung gibt, die durch sich gegenseitig beeinflussende Sinneseindrücke hervorgerufen werden.
Nehmen wir an, ein hungriger Mensch bekäme ein saftiges Steak bei blauer Beleuchtung serviert. Ihm würde der Appetit vergehen, obwohl sein Gedächtnis ihm klar sagt, dass ein Steak nur rot aussehen kann. Bei diesem Fall wird die olfaktorische und gustative Wahrnehmung sehr stark durch den optischen Eindruck verändert. Der Spruch: «Das Auge isst mit» zeigt, wie bekannt diese Kooperation zweier Sinnesorgane ist.

Wie immer die Tätigkeit des Menschen beschaffen sein mag, alle seine Sinnesorgane wirken immer als eine Einheit zusammen, auch wenn es separate Gedächtnisse gibt.

Es bestehen enge Verbindungen zwischen den Sinnen Auge, Gehör, Gefühl und Geschmack. Diese im Laufe der Evolution unter dem Einfluss der gemeinsamen Einwirkung und der gemeinsamen Bewältigung verschiedener Umweltreize entstandenen Beziehungen machen sich auf vielerlei Weise bemerkbar.
Wer in einem fahrenden Auto sitzt und bei geschlossenen Fenstern mit 160 km/h dahin fährt, der kann einen kleinen Versuch machen: Beurteilt man die Wahrnehmung der Geschwindigkeit bei geschlossenem Fenster und dann nach einer Weile bei geöffnetem Fenster. Schnell stellt man fest, dass bei geöffnetem Fenster die Geschwindigkeit deutlich höher wahrgenommen wird. Besonders signifikant wird es erst, wenn das Erlebnis gleicher Geschwindigkeiten zunächst in einem kleinen Auto und dann in einem größeren Luxusauto miteinander verglichen wird.
Es spielen dabei mehrere Sinnesreize mit, so z.B. die Empfindungen von Erschütterungen, das Hören der unterschiedlich lauten Fahrgeräusche und das Sehen der vorbei huschenden «Landschaft, Bäume, Häuser, Pfähle usw.»
Besonders bei der Wahrnehmung der eigenen Bewegung in einem Auto, Flugzeug, Fahrstuhl oder in der Eisenbahn spielen unterschiedliche Sinnesempfindungen zusammen, die sich gegenseitig nicht nur summieren, sondern erhebliche Änderungen in der Wahrnehmungsorganisation ergeben können.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


Genauere Untersuchungen über das Zusammenwirken der optischen und der akustischen Sinneseindrücke wurden von dem sowjetischen Physiologen S. Krawkow durchgeführt. Er hat dabei folgendes festgestellt: Unter dem Einfluss monotoner Klänge erhöht sich die Empfindlichkeit des Auges für grün-blaue Farbtöne. Bei der Erhöhung der Lautstärke wird die Empfindlichkeit gegenüber Grün größer, gegenüber Orange geringer.
Wie Experimente von Julian Huxley ergaben, zeigt sich das «Farbengehör» am häufigsten bei Schizophrenen oder stark betrunkenen Menschen. Das «Farbengehör» kann als eine Wahrnehmungseigenschaft bezeichnet werden, die simultan Farben mit der gehörten Musik verbindet. Diese Fähigkeit besitzen einige Menschen in unterschiedlicher Ausprägung. Seltener ist, dass jemand ein «Klangauge» hat. Diese Fähigkeit bedeutet, dass der Mensch Klänge hört, während er Farben betrachtet.

Noch vor kurzer Zeit wurden Untersuchungen über Synästhesie als «Abstrakta» betrachtet, für die man keine konkrete Verwendung finden konnte. Heute haben derartige Untersuchungen jedoch im Zusammenhang mit den neuesten Forschungen auf dem Gebiet der «Farbenmusik» praktische Bedeutung gewonnen.

Physiologisch ist das Phänomen der Synästhesie nicht ganz geklärt. Es besteht die Möglichkeit, dass eine direkte Übertragung der Erregung von einer Nervenfaser auf eine andere in den Schaltstellen der einzelnen Gehirnzellen oder auf vegetativem Wege vor sich geht.
Bestimmte Experimente beweisen jedoch, dass akustische und visuelle Sinnesreize, gleichzeitig empfunden, eine über die Summierung beider Reize hinausgehende Verstärkung der Wahrnehmung auslösen.

In der damaligen Sowjetunion (1975) versuchte der Ingenieur K. Leontjew als einer der ersten, die Farbenmusik mittels technischer Geräte mit der physikalischen Theorie in Einklang zu bringen. Leontjew ist der Ansicht, dass die Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten der Empfindungen es ermöglicht, Farbe und Klang so miteinander zu verbinden, dass die Gesamtwahrnehmung gesteigert wird. Im Institut für Automatik und Telemechanik in Moskau wurde nach der Theorie und dem Konzept Leontjews eine automatische Einrichtung zur Umwandlung von Klang in Farbe entwickelt.
Dabei wurde das Programm auf die Besonderheiten der Wechselwirkungen zwischen Gehör und Auge ausgerichtet. Die Untersuchungen des Zusammenwirkens von Farbe und Musik auf den Menschen sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Es ist aber schon jetzt möglich, die Wirkung der Farbbegleitung von Musikwerken nach begründeten Auswahlkriterien zu steuern.

Durch die Zusammenstellung bestimmter Musik- und Farbenprogramme kann man die Entwicklung bestimmter Stimmungen hemmen oder fördern.
So entwickelte Lew Meljnikow einige spezielle Farbmusikprogramme, die die Stimmungslage und innere Anspannung von Testpersonen während der Arbeitspausen ausgleichen sollten.

Der farbige Teil der Programme spricht in erster Linie die visuellen Assoziationen zwischen Gestalt und Farbe an, die beim Hören von Musikfragmenten entstehen. Die Melodie, die Tonartstruktur, das Tempo, der Rhythmus, die Klangfarbe und die Dynamik des betreffenden Musikwerkes werden von der Erfassung von Gestalt und Farbe in ihren Bezügen mit dem Umfeld bedingt. Gerade diese subtilen Komponenten machen die gesamte dynamische Farbensymbolik aus und keineswegs die mathematische Frequenzcharakteristik des musikalischen Stoffes, wie bisher angenommen wurde. Auch gesellschaftliche Festlegungen der Farbsymbolik per Dekret durch die leitenden Meinungsbildner in einer Tradition bleiben rein theoretisch und lösen keine Synästhesie aus.

Mit Hilfe eines «Farbenvariators», der es ermöglichte, dynamische Farbsymbole zu gestalten, die dem Charakter der Musik entsprechen, wurden auf der Theorie von Meljnikow aufbauend, Filme gedreht. In seiner Zeit wurden solche farbmusikalischen Filme bei Experimenten angewendet, in denen ein längerer Aufenthalt eines Menschen in einem isolierten Raum simuliert wird. Endgültige Grundlagen für derartige Farbenmusikwerke wird es erst geben, wenn man die zu Recht vermuteten Gesetzmäßigkeiten des „Farbengehörs“ aufgedeckt hat.

In den Jahren 1975 bis 78 konnte ich mit Studenten an der FH Düsseldorf für Visuelles Design einige Studien zum Thema Synästhesie durchführen. Gemeinsam erarbeite die Studiengruppe ein Diaporama mit speziell dafür ausgesuchter Musik. Von den Studenten wurden dafür, unter gemeinsamer Diskussion der Möglichkeiten, besondere Kunstwerke angefertigt. Diese etwa halbstündige Slideshow brachte beim Publikum bemerkenswerte Feedbacks. Einige Studenten konnten die Steigerungen der Farbe als auch der Melodien mit  unterschiedlicher Intensität bei sich feststellen. Andere bemerkten nur, dass es eine sehr schöne und gelungene Bilderschau war. Bei den Gesprächen mit den Teilnehmern, die eine synästhetische Erfahrung gemacht hatten, kamen teils auch Argumente zur Sprache, die auf Mängel der Zusammenstellung von Farbe und Melodie schließen ließen. Im Ganzen wurde jedoch der von der Studiengruppe verfolgte Denkansatz für die Kombination von Bild und Klang nach subjektiven, mehr psychologischen Kriterien, bestätigt.

Zitat aus Wikipedia: «Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass Synästhesie relativ selten vorkommt. Eine neuere Studie zeigt, dass vier Prozent der Menschen eine Synästhesie haben könnten. Untersuchungen an einer Kunstschule zeigten, dass 23 % der Schüler Synästheten waren. Auch über die Verteilung der Häufigkeit zwischen Frauen und Männern liegen voneinander abweichende Angaben vor.
Viele Synästheten sind sich der Besonderheit ihrer Wahrnehmung selbst nicht bewusst und erkennen ihre Synästhesie erst, wenn man sie darauf aufmerksam macht. Daher gibt es eine hohe Dunkelziffer. Synästhesie ist international derzeit (2016) ein populärer Forschungsgegenstand, da man sich Erkenntnisse über die Funktionsweise der menschlichen Wahrnehmung erhofft. Auch die Medienaufmerksamkeit hat in den letzten Jahren stark zugenommen.

Für manche Betroffene gehört zur Synästhesie ein soziales Zusammengehörigkeitsgefühl. Früher wagten Synästheten selten, anderen von ihrer besonderen Wahrnehmung mitzuteilen, da sie als Wahrnehmungsstörungen angesehen wurden. Dies hat sich in jüngster Zeit geändert. Nunmehr wird Synästhesie nicht mehr als Störung angesehen, zumal sie von den meisten Synästheten als sehr angenehm erlebt wird. Zur Zeit erscheinen in den Medien relativ viele Beiträge über Synästhesie, so dass die Öffentlichkeit inzwischen deutlich besser informiert sein könnte als noch vor wenigen Jahren.»

Mit Gewissheit wird dieses Thema mit der Kenntnis der okkulten Zusammenhänge im Mikrokosmos in ein völlig neues Licht gestellt. Siehe: «Die Wahrnehmung unter esoterischen Gesichtspunkten» im Anhang.


Nächstes Kapitel: 6.0 Psychologische Faktoren und Wahrnehmung

 

4.0 Farbwahrnehmung

«Farbe ist nicht einfach da, ist nicht grundsätzlich eindeutig gegeben. Sie ist nicht etwas Selbständiges, worüber nachzudenken nicht lohnt, sondern die Farbe lebt: bewegt sich, agiert, hängt ab und macht abhängig, wirkt, ist mächtig, kann sowohl dienen als auch überwältigen.» (J.Albers)

1. Farbe ist nicht in erster Linie ein physikalisches, sondern vor allem ein psychologisches Phänomen.

Die Farbe wird von den meisten Menschen nicht nur begrifflich empfangen, d.h. in den drei Bestimmungen der Farbe Buntheit, Intensität und Helligkeit, sondern sie wird stets auch emotional assimiliert. Farben haben eine starke psychologische Wirkung auf den Menschen. Seit jeher wurden ihnen bestimmte Eigenschaften und symbolische Werte zugeordnet.

«Blau zeigt Sanftheit, weist in die Ferne und ist kalt. Gelb ist immer hell und bringt etwas Strahlendes mit sich. Grün ist in seinen Differenzierungen eine vegetative Farbe und wirkt angenehm auf das Auge. Orange vereinigt in sich das Warme und das Helle, hat Sonnencharakter. Der Reiz des Rotblauen belebt nicht sowohl. als das er unruhig macht.» (J. Pawlik, Theorie der Farbe)


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


Die Farbenpsychologie hat sich eingehend mit der emotionalen Farberfahrung befasst und festgestellt, dass es neben nur subjektiven Gefühlstönen auch solche gibt, die allgemein als gleich oder äußerst ähnlich empfunden werden.

Sehr weit ausgebaut wurde die Erfahrung der psychologischen Wirkung der Farbe von Max Lüscher. Er hat mit Hilfe einer Farbskala von 8 Farben einen umfassenden Farbtest entwickelt, der weltweit große Bedeutung erlangt hat. (Kleiner Lüscher-
Test von Prof. Dr. Max Lüscher, Testverlag Basel)

In vielen Kulturkreisen werden den einzelnen Farben bestimmte Symboleigenschaften zugeordnet, die vielfach mit den gesellschaftlichen Klassen oder Kastenhierarchien verbunden wurden, z.B. in China. In der christlichen Religion haben einzelne Farben z.B. Purpur oder Violett, bestimmte Zuordnungen erfahren.

Der goldgelbe Schein der Heiligen ist das Zeichen für ihre spirituelle Erleuchtung.
Getrübtes Gelb ist Ausdruck von Neid, Verrat, Zweifel und Misstrauen.
Reines helles Rot bedeutet vergeistigte Liebe.
Im Purpurrot, der Farbe der Kardinäle, vereinigt sich weltliche und geistige Macht.
Blau ist für viele Christen Symbol für den Glauben und die unauslöschliche Hoffnung.
Fruchtbarkeit und Befriedigung, Ruhe und Hoffnung sind Ausdruckswerte des Grün.
Violett ist die Farbe der nicht wissenden Frömmigkeit.
In unserem Kulturkreis entspricht Schwarz einerseits Trauer und Tod, andererseits aber auch Vornehmheit und Eleganz.
In Vorderasien hingegen bedeutet Schwarz Freude und Heiterkeit.

So können wir problemlos in das Zitat von J. Albers einstimmen:
2. Wir sehen Farbe fast nie als das, was sie ist; Farbe ist deshalb das relativste Medium in der Kunst, und es gibt nie nur eine einzige Lösung für visuelle Formulierungen.

3. Unser Farbgedächtnis ist – im Vergleich zum Tongedächtnis – sehr schlecht.

«Wenn jemand Rot sagt und eine Farbe damit bezeichnet und wenn fünfzig Personen zuhören, darf man erwarten, dass 50 verschiedene Rot in ihrem Bewusstsein auftauchen. Man darf auch sicher sein, dass all diese Rots verschieden sind. Selbst wenn eine Farbe spezifiziert wird, eine Farbe, die alle Zuhörer unzählige Male gesehen haben, wie z.B. das überall gleichbleibende Rot des Coca-Cola-Zeichens, werden sie immer noch an verschiedene Rot denken. Selbst wenn das rote Coca-Cola-Zeichen mit dem weißen Namenszug in der Mitte vorgeführt würde, so dass jeder auf das selbe Rot blickt, mögen zwar alle das selbe Netzhautbild haben, doch niemand kann mit Sicherheit wissen, ob sie dieselbe Wahrnehmung haben.» (Zitat J. Albers)

 

4.1 Farbbeschreibung
Wissenschaftlich gesehen lassen sich alle Farben durch Messung der Wellenlänge und der Höhe des Ausschlages der Wellen präzise beschreiben. Der Mensch muss jedoch bei der Wiedergabe des Gesehenen drei verhältnismäßig ungenaue Begriffe benutzen:

1. Farbton
Der Farbton bezeichnet die Farbe als solche, umreißt gleichzeitig eine Charakterisierung. Er wird oft von Materialien oder Stoffen hergeleitet, die diesen Farbton tragen, z.B. von Mineralien oder Tieren. Die Purpur-Laus lieferte früher den begehrten Farbstoff Purpur.

Die Grundfarben Rot, Blau, Gelb, und die ersten Mischfarben Grün, Violett und Orange werden allgemein verwendet. Jeder Farbton steht in Verbindung mit der Wellenlänge des reflektierten Lichtes. Für Farbton taucht auch oft der Begriff Farbklang auf, der bereits impliziert, dass eine Farbe nicht allein erscheint, sondern immer in ihr Umfeld eingebettet ist, und insofern in einer Wechselwirkung mit einer anderen Farbe erscheint. Vergleichbares finden Sie in der Akustik.

Es sind mittlerweile eine Vielzahl von Farbskalen für die Medien, und für die verschiedenen Drucktechniken, fürs Internet, für Film und Fernsehen sowie für die Bildbearbeittung im Computer entstanden, um zu einer präziseren Definition einer Farbe zu kommen, denn das menschliche Auge ist immer subjektiv.

2. Helligkeitsgrad
Der Helligkeitsgrad bezeichnet die scheinbare Intensität der Farbe, ob leuchtend oder dunkel. Gelb wird als hell empfunden, Blau hingegen als dunkel. Auch hier können Sie einen Vergleich mit der Akustik ziehen: Klänge können leise oder laut gespielt werden. Vielleicht verfügt die Musik hier über noch viel mehr Feinheiten als die visuelle Kunst.

3. Sättigung
Die Sättigung bezieht sich auf die Reinheit oder Fülle einer Farbe, also auf den scheinbaren Weißanteil in der Mischung. Ein tiefes Blau nimmt man als gesättigte Farbe wahr. Ein Rosa ist die ungesättigte Farbe von Rot. Dabei bleibt die genaue Beschreibung der Farbe abhängig von der individuellen Fähigkeit, die Farbe richtig zu sehen.

Die im Menschen vorhandene Wahrnehmungsorganisation erschwert jedoch ein objektives Farbensehen durch einige Mechanismen, die wir erklären wollen.
Für eine objektive Definition von Farbe in den Medienberufen werden unterschiedliche Messmethoden mit Densitometern angewendet, die die Lichtqualitäten, also die Wellenschwingungen des reflektierten Lichtes, exakt messen und in vergleichbare Daten umsetzen.

Das menschliche Auge muss sich mit folgenden Überlegungen und Objektivierungen auf der Basis von Erfahrungen auseinander setzen:

a. Umfeldbeeinflussung
Wie bereits im Kapitel Bezugssysteme (2.1.5) unter den allgemeinen Wahrnehmungskriterien festgestellt wurde, ist die Wahrnehmung einer Farbe von dem Umfeld abhängig, in dem sie uns dargeboten wird. Die nebenstehenden Abbildungen zeigen, dass das Umfeld einer Farbe entscheidend die Wahrnehmung dieser Farbe beeinflusst.

Genauer gesagt: Jeder Hintergrund verschluckt oder subtrahiert seinen eigenen Farbwert von den Farben, die er trägt oder umschließt und somit beeinflusst.

b. Psychologische Faktoren
Farbe ist immer eine mit emotionalen Wertungen belastete Wahrnehmung, und das erschwert uns eine physikalisch objektive Beurteilung der Farberscheinung.

c. Farbkontrast und Lichtwert
Die unterschiedliche Sättigung von Farben wirkt für das Auge verwirrend.
Vor allem dann, wenn kontraststarke Farbtöne nach der Helligkeit unterschieden werden sollen.

d. Faktor Simultankontrast
Die Erscheinungen des Simultan- oder des Sukzessivkontrastes machen
erhebliche Schwierigkeiten, wenn man versucht, objektive Helligkeitsstufe zu erfahren.

 

 

 

 

12-teiliger Farbenkreis nach Runge

 

4.2 Farbverwandtschaftsbereich

Die drei Grundfarben sind Rot, Gelb und Blau. Alle anderen Farben könnten rein theoretisch aus diesen Farben ermischt werden.
Die Mischung kann additiv erfolgen, das heißt verschieden farbige Lichter werden zusammen projiziert und dort wo das Licht z.B. auf eine Leinwand auftrifft, addieren sich alle Lichtmengen zu einer neuen Farbe, oder die Mischung kann subtraktiv erfolgen, weil bei der Vermischung von Körperfarben (Pigmente) immer mehr Licht von den zusätzlichen Pigmenten subtrahiert wird. Wer in der Schule malen gelernt hat, weiß das, je mehr Farben beigemischt werden, desto eher entsteht ein Farbton in der Nähe von Schwarz oder Dunkelbraun.

Bei jeder Mischung werden die ermischten Farben dann auch irgendwie den Grundfarben in einigen Eigenschaften mehr oder weniger ähnlich sein. Das nennt man dann Farbverwandtschaft.
Der Verwandtschaftsbereich einer Farbe wird im wesentlichen von ihrer Angleichungsfähigkeit (Assimilationsfähigkeit nach…) bestimmt. Er wird angegeben durch den Umfang eines Farbbereiches, der von einer Sekundär- oder Grundfarbe dominiert wird, der seine Grenzen an den wesensverschiedenen Nachbarfarben des Farbenkreises, durch Schwarz oder Weiß, durch Grau oder die Komplementär-
farbe findet. Der Verwandtschaftsbereich schließt auch die in der Farbe selbst enthaltenen Helligkeits- oder Dunkelstufen, die farbhellen Grade einer rein bunten Qualität mit ein.

GELB:
Der Verwandtschaftsbereich von Gelb ist sehr eng. Jede Farbvermischung mit Gelb ergibt eine Farbe, die nicht mehr als Gelb empfunden wird, ausgenommen ganz geringe Mengen Orangerot. Mischt man nur ein wenig Blau, Grün oder Schwarz hinzu, so zählt man es bereits zu Grün. Bei der Mischung mit einer kleinen Menge Rot ist es sofort Orange. Gelb verliert am schnellsten seinen eigenen Charakter.

GRÜN:
Dagegen ist der Verwandtschaftsbereich von Grün sehr groß. Vom hellen Gelbgrün spannt sich der Bogen bis hin zum dunklen Blaugrün, dazu kommt eine ganze Reihe von oliv-grünen Farbtönen.

ROT:
Der weite Rot-Orange-Bereich umfasst eine Vielzahl von Farbnuancen zwischen Gelb und Rot. ein genaues mittleres Orange ist nur schwer zu bestimmen. Dieser Verwandtschaftsbereich enthält keine gedämpften Farbtöne, denn die Brauntöne bilden einen eigenen Farbbereich. Der Farbbereich Rot beginnt beim Orangerot und geht bis hin zum Violett.

BLAU:
Auch der Verwandtschaftsbereich Blau ist verhältnismäßig eng. Er besitzt jedoch den größten Hell-Dunkel-Umfang der rein bunten Farben. Ebenso gibt es eine Vielzahl grau-blauer Farbtöne.
Violett oder Lila selbst besitzt wiederum einen relativ großen Farbbereich. Er spannt sich zwischen den elementaren Gegensätzen Rot und Blau. Ein mittleres Violett ist schwer zu bestimmen.

Da sich unser Leben immer in einem Farbraum abspielt, gibt es keine einzige Farbe ohne eine Beeinflussung von einer anderen. Auch in ganz weißen Räumen spielt sich das Sonnenlicht oder die Beleuchtungskörper haben irgend einen Farbwert, sind kalt oder warm etc. Nur für bestimmte Versuche in den Labors werden Raumsituationen oder Black-Boxes geschaffen, in denen zusätzliche Farben ausgeschlossen werden können. Alle Messgeräte für Farben enthalten eine solche kleine Black-Box, die die nebenstehenden Farben ausschließt.
Jedoch im normalen Leben sind immer viele verschiedene Farben anwesend, die unterschiedlich miteinander konkurrierend auf uns einwirken. Darum sind alle Facetten der gegenseitigen Beeinflussung von höchstem Interesse. Die stärksten Effekte bietet immer der Kontrast. In den Kontrasten können aber auch ganz minimale Auswirkungen studiert werden.

 

4.3 Kontrast-Arten der Farben

4.3.2 Der Farbe-an-sich-Kontrast

Die rein bunten Farben Gelb, Rot, Blau ergeben den stärksten Ausdruck des Farbe-an-sich-Kontrastes. Die Wirkung ist immer bunt, laut, kraftvoll und entschieden. Die Stärke der Kontrastwirkung nimmt ab, je mehr sich die verwendeten Farben von den drei Grundfarben entfernen.

4.3.2 Hell-Dunkel-Kontrast

Um zwischen größerer und geringerer Lichtintensität verschiedener Farbtöne unterscheiden zu können, muss man schon ein sehr gutes Auge haben. Nur sehr wenige sind in der Lage, größere oder kleinere Helligkeitswerte bei unterschiedlichen Farben zu erfassen.

Es gibt einen Trick, mit dem man sich helfen kann, die unterschiedlichen Helligkeitswerte selbst von Komplementärfarben festzustellen, auch wenn die Augen direkt versagen.

Ein Versuch zum Erkennen: Nehmen Sie sich zwei Farbpapiere, z.B. ein kräftiges Rot und ein leuchtendes Blau. Legen Sie Rot mit einer kleinen Ecke über das Blau. Fixieren Sie die Überlappung für circa eine Minute. Dann ziehen Sie das rote Papier schnell zur Seite. Wenn jetzt die Stelle des blauen Papiers, über dem die rote Ecke gelegen hat, heller erscheint als das sonstige Papier, dann ist das rote Papier dunkler. Versuchen Sie es auch einmal umkehrt, oder auch mit anderen Papieren.

Der größte Hell-Dunkel-Kontrast ist Schwarz und Weiß. Dazwischen spannen sich eine Unzahl von Grau-Tönen, die schnell erkannt werden können.
Die Helligkeiten der Farben werden leicht falsch eingeschätzt, weil auch eine Reihe psychologischer Faktoren mitschwingen. So wirken kalte Farben oft durchsichtig, leicht und heller, als sie eigentlich sind; andererseits wirken die warmen Farben wegen ihrer Undurchsichtigkeit dunkler als sie sind.

Zwischen Gelb und Violett liegt der stärkste Hell-Dunkel-Kontrast der rein bunten Farben.

4.5.3 Kalt-Warm-Kontrast

Die Temperaturbezeichnung für Farben ist den meisten Menschen geläufig. Weniger bekannt ist jedoch, dass dieses Phänomen ausführlich wissenschaftlich untersucht wurde. Dabei hat sich unter anderem herausgestellt, dass Blaugrün den Impuls der Blutzirkulation dämpft, also Kälte vermittelt, während Rotorange zu deren Aktivierung anregt, also Wärme auslöst. Zu den warmen Farben werden Gelb über Orange und Rot bis Rotviolett gezählt. Zu den kalten Farben gehören von Gelbgrün an der ganze Grünbereich über Blau bis hin zu Violett. Diese Zuordnung kann auch irreführen, denn die Temperaturempfindung hängt sehr stark von der Kontrastierung mit anderen Farben ab.
Nur Blaugrün und Rotorange als Pole des Kalten und Warmen wirken immer kalt bzw. warm.

4.3.4 Komplementär-Kontrast

Als Komplementärfarben werden diejenigen Farben bezeichnet, die sich bei additiver Farbmischung mit Lichtfarben zu Weiß ergänzen (Lichtsummation) und bei subtraktiver Farbmischung einen undefinierbaren Grauton kurz vor Schwarz ergeben (Lichtabsorption).

«Zwei komplementäre Farben sind ein seltsames Paar. Sie sind entge-
gengesetzt, fordern sich gegenseitig, steigern sich zu höchster Leuchtkraft im Nebeneinander und vernichten sich in der Pigment-Mischung zu Grau oder in der Lichtmischung zu Weiß – wie Feuer und Wasser.» (Itten)

Wenn man eine Farbe länger fixiert und dann auf eine weiße Wand schaut, erscheint vor den Augen ein Nachbild, das immer die komplementäre Farbe enthält. Der durch die visuelle Wahrnehmung hervorgebrachte Simultan- oder Sukzessivkontrast arbeitet immer mit der Komplementärfarbe. Das hängt sehr eng mit dem Wirkungsmechanismus der Sinnesrezeptoren in der Netzhaut zusammen. Wenn die Rezeptoren für Farbe über eine längeren Zeitraum nur für eine Farbe benutzt wurden, dann arbeiten sofort die unbenutzten, nachdem die stark benutzten entlastet wurden. Könnte als Reaktion zum Ausgleich erklärt werden.

Die starken und am meisten untersuchten Komplementär-Paare haben auch ihre Besonderheiten:

Gelb ­– Violett enthält den stärksten Hell-Dunkel-Kontrast,
Rotorange – Blaugrün enthält den stärksten Kalt-Warm-Kontrast,
Rot – Grün sind (als reine Grundfarbe) gleich hell.

Wenn alle Farben gleichmäßig in einem Farbenkreis fließend dargestellt werden, ähnlich wie bei einem Regenbogen oder einem Spektralstreifen mittels eines Prismas, dann sind sich in diesem Farbkreis immer die gegenüber liegenden Farben komplementär.

 

4.3.5 Qualitäts-Kontrast

Als Qualitäts-Kontrast wird der Gegensatz zwischen gesättigten, leuchtenden Farben zu trüben, stumpfen Farben empfunden.

Sobald die rein bunten Farben aufgehellt oder verdunkelt werden, verlieren sie deutlich an Leuchtkraft.  > Siehe oben stehende Abbildung.

4.3.6 Quantitäts-Kontrast

Der Quantitäts-Kontrast bezieht sich auf das Größenverhältnis. Die Farbwirkung verändert sich stark mit den unterschiedlichen Proportionen, vor allem, wenn zusätzlich Komplementärfarben nebeneinander stehen. Das hängt vor allem davon ab, dass die Wirkungsintensität oder die Lichtwerte der Farben verschieden sind.

Wie die nebenstehende Abbildung zeigt, hat Goethe für diese Lichtwerte die einfachsten Zahlenverhältnisse aufgestellt, die jedoch nur Annäherungswerte darstellen: Gelb : Orange : Rot : Violett : Blau : Grün verhalten sich
wie 9  zu  8  zu  6  zu  3  zu  4  zu  6

Die Werte der komplementären Farben lauten dann:
Gelb : Violett = 9 : 3
Orange : Blau = 8 : 4
Rot : Grün = 6 : 6

 

4.4 Nachbild

Im Kapitel 2.2.2 haben wir uns bereits mit der Erscheinung des Nachbildes befasst. Sie hängt mit der Anpassungsfähigkeit des Auges an unterschiedliche Lichtverhältnisse zusammen. Das nennt man Adaption. Der dabei ablaufende Mechanismus führt dazu, dass wir das Nachbild, den farblosen und den farbigen Simultankontrast und den Sukzessivkontrast erleben können.

An dieser Stelle soll nur so viel gesagt werden, dass die Netzhaut zum Sehen einen Sehstoff produziert, und zwar in jeder Sehzelle, der bei jedem Lichtreiz und besonders bei kontraststarken Reizen unterschiedlich verbraucht wird. Dabei versucht das Auge die Menge des Sehstoffes innerhalb der Retina auf verschiedene Zellen zu verteilen. Die Regeneration des Sehstoffes benötigt immer eine gewisse Zeitspanne. Diesen Zeitraum können wir selbst erleben, in dem wir einmal die Zeitspanne messen, in der ein Nachbild wieder verschwindet oder in der sich die Augen wieder an die Helligkeit gewöhnt haben, wie es nach einem Kinobesuch geschieht.

4.4.1 Farbloser Simultan-Kontrast

Den farblosen Simultan-Kontrast zeigt die oben stehende Abbildung. Die zwischen den schwarzen Feldern durchlaufenden Linien sind überall gleich weiß, obgleich der Betrachter an den Kreuzungsstellen graue Flecken wahrnimmt. Fixiert man eine solchen grauen Fleck, verschwindet er sofort.

Eine weitere Erscheinung des farblosen Simultan-Kontrastes zeigt die unten stehende Abbildung. Beim Betrachten kann man beobachten:
«Graue Bilder erscheinen heller auf schwarzem als auf weißem Grund und erscheinen in solchen Fällen, als ein Helles auf dem Schwarzen größer als ein Dunkles auf dem Weißen kleiner.» (Goethe)

 

 

 

 

 

 

 

Farbloser Simultankontrast

4.4.2 Farbiger Simultan-Kontrast

Das nebenstehende Bild zeigt Zinnoberrot auf Weiß und das gleiche Rot auf Schwarz. Das Phänomen kennen wir im Prinzip bereits. Hier kommt jedoch noch eines hinzu:

Das Rot wirkt auf dem Schwarz nicht nur kräftiger (durch leichte Aufhellung des farblosen Simultankontrastes), vielmehr macht es sich auch größer. Es «strahlt» sozusagen über seine Ränder hinweg. Dieses scheinbare Sich-Ausbreiten einer Farbe über die Grenzen des wirklichen Farbfeldes hinaus nennt man Irradiation.

Die folgende Abbildung zeigt hellgraue Flächen von gleicher Helligkeit, einmal auf blauviolettem und einmal auf gelbem Grund. Man kann deutlich sehen, dass das Grau nicht mehr neutral Grau wirkt, sondern von dem Charakter der Komplemen-
tärfarbe annimmt. So wirkt das Grau auf dem Blau «violett-gelblich». Das Grau auf dem Gelb überzieht sich mit einem «blau-violetten» Schleier.

Reine Farben haben immer die Tendenz, sich gegenseitig nach ihrem Komplement hinzu färben.
Die Wahrnehmungsorganisation hat eben die Tendenz, einen Ausgleich zu schaffen, damit die Retina entlastet werden kann.

Hering zeigte, dass Auge und Gehirn das mittlere Grau verlangen oder beunruhigt werden, wenn es nicht vorhanden ist.
Wird ein mittelgraues Feld betrachtet, vor einem grauen Hintergrund, dann erscheint kein Nachbild, das verschieden ist von dem mittleren Grau.
Dies beweist, dass das mittlere Grau dem geforderten Gleichgewichtszustand unseres optischen Sinnes entspricht.

Viele Beispiele zeigen, dass sich der farbige Simultan-Kontrast aus zwei Veränderungen zusammensetzt: Einerseits besteht er aus einer Veränderung in der Helligkeit und zum anderen aus der gegenseitigen Beeinflussung. Dabei kann diese Erscheinung als Flächenbeeinflussung oder als Randbeeinflussung auftreten.

4.4.3 Sukzessivkontrast

Machen wir zunächst einen Versuch mit der neben stehenden Abbildung. Fixeren Sie die Farben links, den gelben Querstreifen auf Ultramarinblau und blicken nach einer Weile auf die beiden senkrechten Streifen rechts daneben, Karminrot und Grün.

Es kann folgende Veränderung festgestellt werden: Über das Rot und das Grün zieht sich quer ein Streifen hinüber. Das Rot wird in der Mitte in ein leicht violettstichiges Magenta verändert, das Grün wird in ein Grünblau abgewandelt. Oberhalb und unterhalb des erscheinenden Querbalkens wirkt nun das Rot deutlich als Zinnoberrot und das Grün wird Gelbgrün. Der gleicher Versuch kann auch umgekehrt durchgeführt werden.

«Zwar werden wir bemerken, dass diese optischen Farbenbilder im Vergleich zum Eindruck von Pigmentfarben in ihrer Lichtnatur diffuser und gewichtslos, weil sie immateriell erscheinen, also einen gewissen unwirklichen Charakter haben. Der qualitative Eindruck aber ist derselbe.» (Didaktische Farbenlehre, J.W. Goethe)

 

4.5 Dimensionen der Farbe

4.5.1 Oberflächenfarbe – Flächenfarbe – Raumfarbe

Farben erscheinen uns in unserer Umwelt in unterschiedlichen Dimensionen. Unter normalen Wahrnehmungsbedingungen erscheinen Gegenstandsfarben verhältnismäßig opak, sozusagen an oder auf der Gegenstandsfläche haftend. Gegenstand und Farbe sind gewissermaßen miteinander verwachsen, ein grünes Blatt, ein roter Ball, ein brauner Stuhl und so weiter. Diese Farben nennen wir Oberflächenfarben

Verändern wir die Situation:
Blicken wir durch eine kleine Öffnung auf einen Gegenstand, der größer ist als unser Blickfeld, so kann die Farbe einen neuen Charakter bekommen. Sie wirkt irgendwie durchsichtiger und weniger deutlich lokalisiert, dagegen eher flächen- oder filmhaft. Wir erleben die Farbe als Flächenfarbe.

Wenn wir zum blauen Himmel aufschauen oder in eine durchsichtige farbige Flüssigkeit schauen, so scheint die Farbe den gesamten Raum auszufüllen. Sie ist völlig durchsichtig (transparent) und gar nicht mehr flächenhaft. Wir erleben die Farbe als Raumfarbe. (J. Albers hat zu diesem Phänomen besondere Experimente durchgeführt.)

Machen Sie dazu folgendes Experiment.
Stellen Sie sich mit dem Rücken zur Sonne vor den blauen Himmel am späten Nachmittag. Nehmen Sie sich ein Stück Pappe mit, in das Sie ein quadratisches Loch geschnitten haben. Schauen Sie zunächst erst einmal die Qualität der blauen Farbe ohne jedes Hilfsmittel an. Dann schauen Sie durch die Pappe auf den Himmel, die sich im Schatten befindet und den größten Teil des Himmels verdeckt. –
Wie sieht die blaue Farbe jetzt aus? –
Zum Schluss halten Sie die Pappe so, dass helles Sonnenlicht auf den Papprahmen fällt. Beurteilen Sie noch einmal die Qualität der blauen Farbe.
Sie werden feststellen können, dass sich in den unterschiedlichen drei Wahrnehmungssituationen die Farbqualität von einer Raumfarbe zu einer Flächenfarbe und schließlich zu einer Oberflächenfarbe hin verändert.
In jedem Fall steht die erlebte Farbqualität immer in bezug zu dem Umfeld des betreffenden Himmelsausschnittes.

Sicherlich ist es jedem schon aufgefallen, dass Farben leuchten können. Nicht nur Leuchtfarben, sondern auch eine Verkehrsampel z.B. scheint ein völlig anderes Licht auszusenden als ein in gleichen Farben bemaltes Plakat. Nun kann man sagen, der Gegenstand leuchtet, weil er tatsächlich von einem Leuchtmittel erhellt wird, wie bei einer Glühbirne. Diese Erklärung reicht jedoch nicht ganz aus.

Es gibt tatsächlich Gegenstände, die leuchtend aussehen, obwohl sie kein Licht aussenden. Diese Objekte reflektieren das Licht auf unterschiedliche Weise.

Bei den «Leuchtfarben» werden zweierlei Arten unterschieden:
Einerseits die phosphorizierenden Farben. Diese enthalten einen Stoff, der bei Lichteinfall angeregt wird, ebenfalls Licht zu auszusenden. Der Effekt ist dann besonders bei Dunkelheit sichtbar. Andererseits gibt es reflexionsstarke Farben, deren Farbpigmente das Licht besonders reflektieren. Es entsteht in etwa der gleiche Effekt wie bei gläsernen «Rückstrahlern». In der Pflanzen- und Tierwelt gibt es eine Vielzahl von «Leuchteffekten», wobei die meistens Blüten dieser Art vor allem zusätzlich UV-Licht in sichtbares Licht umwandeln können, wodurch die Farbe dann ausgesprochen intensiv leuchtet.

4.5.2 Substanzcharakter der Farbe

Aus alledem ist zu schließen, dass unser Auge Farbe an sich nicht wahrnehmen kann. Farbe ohne Farbträger gibt es nicht (Luft, Gase und Flüssigkeiten sind ebenfalls Farbträger). Die wahrgenommene Erscheinung der Farbe ist immer mitbestimmt von der Art des Farbträgers.

Es ist ein großer Unterschied, ob man gefärbte Seide oder Wolle vor sich hat. Ob eine Farbe auf einem matten oder einem glänzenden Papier eingesetzt wird. Ob die Farbe eine Flüssigkeit ist, ob sie von einer Filmleinwand reflektiert wird oder durch ein farbiges Glas Licht hindurch leuchtet. Ob man einen Schmetterlingsflügel ansieht oder eine exotische Orchideenblüte. Dabei könnte die emittierte Lichtmenge (emittieren = aussenden) völlig gleich sein, der Mensch wird die Farben immer unterschiedlich wahrnehmen, weil einerseits vom Objekt selbst die Leuchtqualität mitbestimmt wird und weil Farbe stets im psychischen Wahrnehmungsarreal angesiedelt ist.

 

4.5.3 Scheintransparenz

Eine besondere Änderung der Wahrnehmung von Farbe zeigt die neben stehende Abbildung.
Bei bestimmter Anordnung von zwei Grundfarben und der zugehörigen Mittelfarbe verändert sich die Erscheinungsweise der Mischfarbe. Sie wirkt dann nicht mehr undurchsichtig, sondern durchscheinend. Das wird vor allem dann eintreten, wenn das Farbfeld zwischen den beiden Grundfarben die genaue Mittenfarbe enthält, und wenn die Farbflächen so zueinander stehen, dass das Auge ein Voreinander begünstigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Beispiele zeigen deutlich, dass sich die «überlappenden» Formen zu bekannten Figuren ergänzen. Das scheint in den Beispielen bewusst gewollt zu sein, kann aber in der Natur willkürlich entstehen oder von Tieren oder Insekten als Mimikri zur Tarnung gegen Fressfeinde eingesetzt werden.

 

Einfache geometrische Formen, die eine Scheintransparenz begünstigen

 

 

 

4.5.4 Das Weber-Fechner-Gesetz

Wenn zwei Malfarben so gemischt werden, dass mehrmals eine gleichbleibende Menge hinzugefügt wird, dann könnte man annehmen, es ergibt eine gleichmäßige Stufung zwischen den einzelnen Mischtönen. Trägt man die gemischten Farben nebeneinander auf, wird eine andere Abstufung wahrgenommen:

Die Abstufung nimmt mit der weiteren Zugabe der zweiten Farbe immer mehr ab und erreicht schließlich einen nicht mehr zu steigernden und unveränderlichen Sättigungsgrad.
Das Gleiche kann man durch Auftragen von gleichen Lasurschichten erzeugen.

Dieses Phänomen kann man auch bei Treppenstufen, die z.B. in einer Badeanstalt ins Schwimmbecken führen feststellen. Weil die «gleichmäßige» Farbmischung (Treppenstufe + Wasserfarbe) keinen linearen Eindruck ergibt, werden die Stufen im Wasser immer «niedriger» gesehen als sie wirklich sind. Hierbei kommt natürlich noch die Lichtbrechung an der Wasseroberfläche hinzu.

Wilhelm E. Weber und Gustav T. Fechner formulierten diesen Tatbestand der Wahrnehmung in dem Gesetz:
Die visuelle Wahrnehmung einer arithmetischen Farbreihe ist bedingt durch eine physikalisch-geometrische Reihung.

Soll also eine gleichmäßige Abstufung erscheinen, so muss in folgenden Maßeinheiten gemischt werden: 1 , 2 , 4 , 8 , 16 , 32 , 64 etc. Diese Zuwachsraten bilden eine geometrisch aufsteigende Kurve, die in eine senkrechte Linie übergeht. Diese Linie zeigt die Sättigung in der Mischung an.

Die Wahrnehmung solcher geometrischen Zuwachsraten vermittelt jedoch eine geradlinige arithmetische Zunahme. Man sieht eine gleichmäßige Abstufung.

 


Georges Seurat, A Sunday on
La Grande Jatte, 1886, Art Institut of Chicago

 

4.5.5 Optische Mischung

Im Vorherigen wurden die Mischfarben durch tatsächliches Vermischen zweier Körperfarben miteinander erzielt. Das gleiche optische Ergebnis kann auch dadurch erreicht werden, wenn viele kleine Punkte der beiden Grundfarben nebeneinander aufgetragen werden, wie es beim Pointilismus von den Künstlern eingesetzt wurde. Die Farben mischen sich bei der Wahrnehmung.

Dabei werden die nebeneinander stehenden Grundfarben gleichzeitig gesehen und in der Wahrnehmung zugunsten einer dritten Farbe aufgelöst. Dies wird optische Mischung genannt.

 

Der Effekt ist abhängig von der Größe der Farbflecken, der Distanz untereinander und dem Abstand des Betrachters von der Farbfläche. Wie leicht zu erkennen ist wirken hierbei verschiedene Tendenzen der Wahrnehmung zusammen, die bereits in den voran gegangenen Texten besprochen wurden.

Im heutigen Vierfarbendruck ist die «optische Mischung» selbstverständliche Notwendigkeit.
Ganz gleich ob Zeitungs-, Kunstdruck oder digitaler Druck, die Mischfarben müssen bei gedruckten Bildern durch kleine Pünktchen von vier Grundfarben Gelb-Cyan-Magenta und Schwarz erzielt werden. Heute werden beim Digitaldruck von Fluidprintern und Laserprintern die kleinstmöglichen Farbtupfer aufgetragen, damit so optimal wie möglich ein visuelles Kontinuum der Farben entstehen kann.

Nebenstehend die Rasterung beim Kupfertiefdruck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.6 Räumliche Wirkung der Farben

Aus der Farbe selbst ist bereits eine räumliche Wirkung wahrzunehmen. Dabei wirken die Umfelder der Farbe mit. Wie bei den monokularen Tiefenkriterien bereits gezeigt, ist die räumliche Wahrnehmung abhängig von mindestens zwei im Vergleich stehenden Reizkonstellationen.

In der neben stehenden Abbildung sieht man die sechs Farben Gelb, Orange, Rot, Violett, Blau und Grün einmal auf einer schwarzen Fläche und einmal auf einer weißen Fläche.

Im ersten Fall wird deutlich, dass das Gelb nach vorn zu kommen scheint und das Violett in der Tiefe des schwarzen Grundes schwebt. Alle anderen Farben bilden Tiefenstufen zwischen Gelb und Violett.

Im zweiten Fall wird das Violett vom Weiß abgestoßen und scheint nach vorn zu kommen, während das Gelb vom weißen Hintergrund zurückgehalten wird.

Die Tiefenwirkung von Farben lehnt sich darüber hinaus stark an die lebendige Erfahrung des Menschen mit seiner angelernten Wahrnehmung an.

Vordergründig werden vor allem kontrastreiche, rein bunte Farben erlebt. Im Mittelgrund stehen dunkle, getrübte Farben mit geringeren Kontrasten, der Hintergrund wird von Farben gebildet, die hell getrübt sind und sich an ein Blassblau anlehnen.
Diese Staffelung ist uns aus Landschaftsbetrachtungen bekannt.

Im geschlossenen Raum erleben wir eine etwas andere Tiefenwirkung.
Hell und bunt wird als vordergründig wahrgenommen, wohingegen dunkle Mischtöne den Hintergrund ausmachen. Dies hängt mit der erlebten Beleuchtung der Situation zusammen. So ist der Vordergrund meistens gut ausgeleuchtet, der Hintergrund weniger. Auch differenziert unser Auge stärker im Blickpunktbereich. Das über das Blickfeld hinausgehende Umfeld wird nur verschwommen wahrgenommen. Damit werden helle und leuchtende Farben im Raum empfindungsmäßig dem Vordergrund zugeordnet, dunkle und gebrochene Farben eher dem Hintergrund.

Dabei sind die monokularen Tiefenkriterien wichtige Anhaltspunkte. Besonders die Wirkung von Licht und Schatten beeinflusst die Farbwirkung.
Meist wird der kontrastreiche Wechsel von hellen und dunklen Farben im Vordergrund empfunden. Je weiter die Entfernung, desto mehr gleichen sich die Farbtöne an.

 

4.7 Farbkonstanz

Im Abschnitt Wahrnehmungskonstanzen haben wir bereits auf die Erscheinung der Helligkeitskonstanz hingewiesen. Auch die Farbe wird unter bestimmten Umständen als konstant empfunden.

Beispiel: Wird die Beamer-Projektion eines blauen Autos auf eine gelbe Leinwand vorgenommen, erscheint einem normalsichtigen Betrachter das Auto grau. Dieser Vorgang entspricht den bekannten Gesetzen der Lichtmischung. Wenn der Betrachter das Bild des Autos vorher bereits auf einer weißen Leinwand gesehen hat, so nimmt er es auch weiterhin als blau wahr, selbst wenn der Beamer es auf die gelbe Leinwand projiziert.

Der Mensch neigt dazu, ihm vertraute Gegenstände, auch unter verschiedenen Lichtverhältnissen, immer in gleicher Farbgebung wahrzunehmen.

Mit der Zeit seines Lebens hat er die ihm vertrauten Gegenstände unter verschiedenen Lichteinwirkungen gesehen und letztlich gelernt, wie sie «richtig» aussehen. (So wie sie bei weißem Licht erscheinen.) Er greift dann auf seine Gedächtnisfarbe zurück. Diese Erscheinung tritt jedoch nicht grundsätzlich ein.

Unter bestimmten Umständen funktioniert sein Gedächtnis nicht. Bietet man einem Menschen eine ihm vertraute Mahlzeit bei blauer Beleuchtung an, so stößt sie ihn ab. Eine andere Eigenschaft, die in diesen Bereich gehört, weist uns auf die in der Wahrnehmung vorhandene Tendenz zur Assimilation hin. Wird z.B. ein roter Klinkerstein z.T. von der Sonne beschienen und zum Teil von Schatten verdunkelt, so sieht man den Stein meistens trotzdem gleichmäßig rot. Diese Erscheinung tritt jedoch nur dann auf, wenn das Objekt erkennbar und bekannt ist und in Beziehung steht zu anderen Objekten und der Beleuchtung im Umfeld.
Werden die Anhaltspunkte beseitigt, verringert sich die Farbkonstanz oder verschwindet ganz.

Bunte Strandbefestigung in Miölno, Polen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zu den folgenden Kapiteln: 5.0 Synästhesie und 6.0 Psychologische Faktoren und Wahrnehmung

3.0 Räumliche Wahrnehmungskriterien

Wir sind ständig von Raum, Zeit und Bewegung umgeben. Im Raum sehen wir Gegenstände, in und mit denen wir uns handelnd auseinander setzen. Während der frühen Kindheit wird spielerisch gelernt, sie zu lokalisieren, in welcher Entfernung sie sich von einem und von anderen Gegenständen befinden. Jeder hat im Laufe der Adoleszenz gelernt, auch Geschwindigkeiten zu schätzen. Dieses Koordinatensystem der räumlichen Orientierung besteht im visuellen Bereich der Wahrnehmung aus den Faktoren Größe, Form und Farbe sowie Helligkeit und Unschärfe/Schärfe der Gegenstände. Hinzutreten können dann noch Faktoren aus anderen sinnesorganisch zu erfassenden Reizstrukturen. Dazu gehört vor allem die Akustik.

Die Befähigung, zu einer wirksamen Wahrnehmung von Sensationen und/oder Gegenständen in Bewegung, Zeit, Raum zu gelangen, ist dermaßen komplex und hochsensibel, dass sogar heute noch Großcomputer an die Grenze ihrer Möglichkeiten geführt werden, sollten sie die menschliche Leistung der sinnesorganischen Wahrnehmungsorganisation nachstellen wollen.

Zunächst werden die Sinnesreize rein physiologisch aufgenommen und nervlich in den Hinterhauptlappen des Großhirns geleitet. Man sagt, dass dann im Gehirn die sinnlichen Impulse nach Wichtigkeit und Bedeutung für den Selbsterhalt bzw. aktuellem Interesse sortiert (Gruppierungstendenzen etc.) werden. Die sortierten Informationen steuern sofort die weitere Aufnahme und Bewertung neuer Sinnesreize. Die einzelnen Informationen werden miteinander verknüpft, gleichzeitig mit vorhandenen Absichten, Erfahrungen bzw. Vorstellungen verglichen, danach noch einmal sortiert und erneut korrigiert. Erst dann erfolgt die Weiterleitung der selektierten und bewerteten Informationsfolge an das Denkvermögen. Das bedeutet, dem Tagesbewusstsein wird demnach nur das vermittelt, was angstfrei zu seiner augenblicklichen Begehrens- bzw. Interessenlage gehört und was für die aktuelle Selbsterhaltung erforderlich ist.

Dies ist natürlich nur eine Skizze dessen, was die menschliche Wahrnehmungsorganisation in Bruchteilen von Sekunden teils unbewusst, teils willentlich vollbringt, denn die psychischen Selektionsfaktoren der Selbsterhaltung sind labyrintisch und stark individualisiert. Genauere Darstellungen dazu finden sich bei vielen bekannten Psychoanalytikern, wie z.B. Siegmund Freud, C.G. Jung, Alfred Adler und Erich Fromm u.a.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


3.1 Bewegungswahrnehmung

Es erscheint uns völlig selbstverständlich, dass wir eine Bewegung «sehen» können. Indem wir die räumliche Veränderung eines Objektes wahrnehmen, sehen wir eben die Bewegung. Dabei wird unterstellt, dass es sich bei der Wahrnehmung der Bewegung um die direkte Widerspiegelung einer tatsächlichen Bewegung handelt. Dies muss jedoch nicht immer unbedingt der Fall sein.
Es ist jedem Menschen gelegentlich begegnet, dass er etwas «in Bewegung» gesehen hat, das sich in Wirklichkeit nicht bewegte oder dass er eine Bewegung nicht wahrgenommen hat, obwohl sich der Gegenstand bewegte.

Dazu seien im Folgenden verschiedene Erscheinungen dargestellt.

3.1.1 Induzierte Bewegung

Beim Betrachten des Mondes am leicht mit Wolken bedecktem Himmel stellt man immer wieder fest, dass sich der Mond scheinbar hinter den Wolken bewegt.

Tatsächlich, und das weiß jeder, ist es aber umgekehrt. Obwohl einem der Verstand ganz klar sagt, die Wolken bewegen sich und der Mond dreht in Ruhe seine große Bahn um die Erde, sieht man, wie der Mond mit einer deutlich erfassbaren Geschwindigkeit hinter den Wolken dahin zieht.
Die menschliche Wahrnehmungsorganisation verändert den objektiven Tatbestand gegen besseres Wissen. In diesem Fall «induziert» das bewegte Objekt eine Scheinbewegung bei dem anderen Gegenstand. Zur Erklärung können die Erfahrungen aus dem Kapitel 2.3.2 hinzugezogen werden.

Wenn über den Vorgang (Mond und Wolken) lediglich bekannt ist, dass sich zwei Gegenstände relativ zueinander bewegen, so ist natürlich die Situation für den Beobachter mehrdeutig. Ihm fehlt ein Bezugspunkt, um die objektiven Tatsachen wahrzunehmen. Gibt es diesen Bezugspunkt nicht, so kann die Wahrnehmungsorganisation entscheiden, welche Alternative gesehen wird. Diese Entscheidung hängt unter anderem von den Faktoren Figur – Grund, Teil – Ganzes, und dem Bezugssystem ab, die in den vorhergehenden Kapiteln bereits besprochen wurden. Die folgende Abbildung zeigt die Versuchsergebnisse von einer Untersuchung des Phänomens der induzierten Bewegung.

In der Versuchsanordnung sind ein weißes Rechteck (in einer Black-Box) und ein Punkt in dem Rechteck beweglich angeordnet. Es werden nacheinander verschiedene Bewegungen vorgenommen. Das Rechteck steht still und der Punkt bewegt sich langsam nach rechts.

1. Der Punkt bleibt stehen und das Rechteck wird langsam nach links verschoben.
2. Das Rechteck wird langsam nach links bewegt, der Punkt aber gleichzeitig nach rechts.

Interessanterweise sieht der Beobachter alle drei Bewegungsabläufe gleich, obwohl sie sich objektiv gesehen deutlich voneinander unterscheiden. In jedem Falle wird gesehen, dass sich der Punkt nach rechts innerhalb des ruhenden Rechteckes bewegt.

Um die Faktoren auszumachen, die einen gegebenen Reizgegenstand vor einem anderen als faktischen Bezugsrahmen begünstigen, sind weitere Versuche durchgeführt worden. Es haben sich dabei folgende Ergebnisse herausgeschält:

Einem gegebenen Objekt wird Bewegung mit größerer Wahrscheinlichkeit dann zugeordnet, wenn es

1. kleiner ist als das zweite (theoretisch infrage kommende) Objekt
2. stärker umgrenzt oder eingeschlossen ist
3. stärker Figurdisposition besitzt und
4. fixiert wird (Aufmerksamkeit)

Diese Faktoren kommen nun sicherlich bereits bekannt vor.
Der Punkt 1. ist nahezu identisch mit der Entscheidung, ob wir Figur oder Grund sehen. Das selbe gilt auch für den Punkt 2. Die Bedeutung der Reizobjekte für den Wahrnehmenden spielt mit Sicherheit eine mitentscheidende Rolle bei induzierten Bewegungen.

Weitere Versuche haben gezeigt, dass die Voreinstellung des Beobachters von zwei einander ausschließenden Interpretationen einer mehrdeutigen Bewegung diejenige auswählt, die der Voreinstellung am besten entspricht.

Die genannten Versuche sind künstlich geschaffene Reizsituationen. In unserem normalen Leben nehmen wir meistens Situationen mit mehr als nur zwei Komponenten wahr, und jeder zusätzliche Teil kann anderen Teilen als Bezugsrahmen dienen. Dabei kann es zu verschiedenartigen Wechselwirkungen zwischen Figur und Bezugssystem kommen.

Wenn die Rahmenbedingungen so sind, dass das als bewegt gesehene Objekt sich tatsächlich bewegt, so sprechen wir vom echten Bewegungssehen.
Sind die Rahmenbedingungen jedoch so, dass ein objektiv gesehen stationäres Objekt bewegt gesehen wird, so sprechen wir von Scheinbewegung. Wirkliche oder echte Bewegung wird gleichermaßen deswegen wahrgenommen, weil der betreffende Gegenstand sich relativ zu einem übergreifenden Rahmen oder Bezugssystem räumlich verschiebt. (A. Einstein)

3.1.2 Scheinbewegung

Beim Betrachten eines Filmes im Kino, Internet, DVD oder Fernsehen erscheint es selbstverständlich, dass sich z.B. die Menschen kontinuierlich bewegen. Dennoch erfolgt keine kontinuierliche Verschiebung der Formen zueinander. Stattdessen besteht der Film aus einer sukzessiven Abfolge von Bildern, deren jedes geringfügig von den voran gegangenen abweicht. Beim Abspielen des Films folgen 24 (oder 25) Bilder pro Sekunde. Und das Auge zieht die Eindrücke der schnell aufeinander folgenden einzelnen Bilder zu einer Bewegungsabfolge zusammen.

Auch diese Art zeitlicher Zusammenfassung wird Scheinbewegung genannt.
Dass es sich dabei um eine Scheinbewegung handelt, wird bei älteren Filmen deutlich, wenn z.B. ein Auto mit Speichenrädern in schneller Fahrt gezeigt wird. Während wir das Auto deutlich vorwärts fahren sehen, bewegen sich die Speichen der Räder ungewohnt gegenläufig. Ein einfacher Versuch macht dieses Phänomen besonders deutlich.

Zur nebenstehenden Abbildung:
Zwei kleine Glühbirnen sind in ca. 10 cm Abstand montiert. Werden die beiden Glühbirnen wechselnd in einem zeitlichen Abstand von 1 bis 2 Sekunden ein- und ausgeschaltet, so sieht der Beobachter eine einfache Aufeinanderfolge der zwei Lichter. Wird der Zeitintervall beständig verkürzt, so tritt bei einer bestimmten Schwelle eine überraschende Veränderung der Wahrnehmung ein. Das Licht scheint sich durch den zwischen den Birnchen liegenden Raum zu bewegen. Es wird also Licht an einem Ort «gesehen», an dem es objektiv nicht sein kann. Wird das Zeitintervall weiter verringert, so verschwindet der Bewegungseindruck. Dann werden beide Glühbirnen als gleichzeitig brennend wahrgenommen.

Durch die rein quantitative Veränderung des Zeitabstandes zwischen dem Aufleuchten der rechten und der linken Glühbirne werden drei qualitativ verschiedene Wahrnehmungen gemacht:

1. Sukzession (Aufeinanderfolge)
2. Bewegung
3. Gleichzeitigkeit

Bei diesem Experiment wurde mittels einer Spezialkamera festgehalten, dass mögliche Augenbewegungen nicht zur Erklärung der Scheinbewegung heran gezogen werden können. (A. Korte Kinematoskopische Untersuchungen, 1915, Zeitschrift für Psychologie. 72- 194-296).

A. Korte ermittelte mit diesen Versuchen drei Bestimmungsgrößen für diesen Effekt:

1. Je größer der räumliche Abstand zwischen den Reizorten,
desto größer muss auch
die Reizintensität (bei konstantem Zeitintervall)
oder desto größer muss das
Zeitintervall sein (bei konstanter Intensität).
2. Je größer die Intensität, desto größer muss der räumliche Abstand
oder desto
kleiner muss das Zeitintervall sein.
3. Je größer das Zeitintervall, desto größer muss der räumliche Abstand
oder desto
geringer muss die Reizintensität sein.

Für die Richtung der Scheinbewegungen spielen die bereits besprochenen Gruppierungstendenzen eine wesentliche Rolle.

3.1.3 Nachbewegung

Wenn man auf einer Fahrt mit der Eisenbahn für längere Zeit die vorüber fliegende Landschaft betrachtet hat, so wird der Betrachter beim Anhalten das Zuges sehen, wie sich die Landschaft langsam vorwärts bewegt.

Diese Täuschung kann so zwingend sein, dass der Reisende glauben kann, der Zug bewege sich tatsächlich langsam rückwärts. Ein kleiner Versuch macht diese Erscheinung noch deutlicher:

Wenn man die Spirale (nach Exner) eine Zeitlang im Uhrzeigersinn rotieren lässt, und sie intensiv während der ganzen Zeit beobachtet, dann scheint sich die Spirale beim Anhalten auszudehnen. Wird die Spirale entgegen dem Uhrzeigersinn gedreht und dann angehalten, scheint sich die Spirale zusammen zuziehen.

Diese Phänomene der Wahrnehmung werden unter dem Begriff «Nachbewegung» zusammengefasst.

 

3.1.4 Autokinetische Bewegung

Folgende Situation veranschaulicht sehr deutlich den Effekt der autokinetischen Bewegung. In einem völlig abgedunkelten Raum hängt eine einzige Glühbirne. Sie ist der einzige Lichtpunkt im Raum. Bei längerer Betrachtung verändert sich die Wahrnehmung. Der Lichtpunkt fängt an, sich zu bewegen, in unterschiedliche Richtungen und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Wird die Beobachtungsdauer ausgedehnt, so kann der Lichtpunkt weit ausgreifende Kurven beschreiben oder auch sprungartig in diese oder jene Richtung schnellen. Verfolgt der Beobachter mit dem Zeigefinger die Ortsveränderungen des Lichtes, so kann er beim Einschalten der normalen Raumbeleuchtung überraschende Abweichungen vom tatsächlichen Ort der Glühbirne feststellen. Auch wenn dieses Phänomen bekannt ist, tritt die autokinetische Bewegung auf.

Dabei wird wieder deutlich: fehlt dem Betrachter ein Bezugspunkt, so kann er sich nicht orientieren. Seine Wahrnehmungsorganisation «führt ihn in die Irre». Sobald in den genannten Versuch jedoch Bezugspunkte eingeführt werden, verringert sich die Erscheinung bis zur völligen Auslöschung.

Diese Erscheinung ist von wesentlicher praktischer Bedeutung für die Steuerung von Fahr- oder Flugzeugen bei Nacht oder bei schlechter Sicht.

Eine ausreichende Erklärung für die autokinetische Bewegung ist mir nicht bekannt. Versuche haben ergeben, dass die visuelle Wahrnehmung von Muskel- bzw. kinästhetischen Empfindungen mit beeinflusst wird. Ein besonderer Faktor scheint auch zu sein, dass die Empfindlichkeit der Zäpfchen in der Retina des Auges auch von der Bewegung abhängig ist. Bei jeder Fixation eines Objektes wird willentlich der Reiz immer nur auf eine Stelle der Retina projiziert, so dass das Auge sozusagen als Schutzmechanismus sich selbst minimal bewegt, damit andere Zellen der Netzhaut getroffen werden.

Nicht auszuschließen ist, dass persönliche Einstellungen und andere qualitative Aspekt mitwirken, die offenbar aus der Persönlichkeitsstruktur des Beobachters resultieren. Weiteres dazu im zweiten Teil der Wahrnehmungslehre.

Abbildung nach einem Motiv von Bridget Riley, Current, 1964

 

3.1 Zusammenfassung Bewegungswahrnehmung

  1. Echtes Bewegungssehen
    Wir sprechen vom echten Bewegungssehen, wenn das bewegt gesehen Objekt sich tatsächlich bewegt.
  2. Induzierte Bewegung
    Wir sprechen von einer induzierten Bewegung, wenn sich zwei Objekte so gegeneinander bewegen, dass der Eindruck entsteht, das stationäre Objekt bewege sich an Stelle des bewegten Objektes (Mond – Wolken).
  3. Scheinbewegung
    Wir sprechen von Scheinbewegung, wenn ein überzeugender Bewegungseindruck entsteht ohne jede objektive Bewegung. Wenn z.B. stationäre Reize zeitlich aufeinander folgen. (Film, Fernsehen, Internet)
  4. Nachbewegung
    Nachbewegung ist eine Form der Bewegungstäuschung. Dabei wird nach längerer Beobachtung einer Bewegung eine Umkehrung der vorangegangenen Bewegung wahrgenommen (ähnlich dem Nachbild).
  5. Autokinetische Bewegung
    Die autokinetische Bewegung wird wahrgenommen, wenn der Beobachter für längere Zeit ein einzelnes Reizmuster ohne Bezugspunkte innerhalb seines Gesichtsfeldes fixiert. Es gibt besondere grafische Konstruktionen mit hohem Sukzessivkontrast, die in dem Betrachter den Eindruck der Bewegung vermitteln.

 

 

3.2 Visuelle Tiefenwahrnehmung

Die Wahrnehmung der Räumlichkeit versteht sich eigentlich von selbst. Sind wir doch selbst als Körper eine räumliche Erscheinung, die sich nur dort aufhalten kann, wo ein Raum gegeben ist. Die Vorstellung, nur zweidimensional zu erleben, ist dem Menschen unmöglich. Obwohl unsere Netzhaut (Retina) im Auge als zweidimensionale Fläche angesehen werden kann, und daher unsere visuelle Erfahrung eigentlich ebenso zweidimensionaler Natur sein müsste, wird die uns umgebende Umwelt immer dreidimensional räumlich gesehen (auch im Traum).

Ein Beispiel haben wir im Kapitel 2.1 kennengelernt. Denken wir noch einmal an den Beobachter vor der beleuchteten Halbkugel. Selbst als die Beleuchtung intensiviert wurde, sah der Beobachter nur ein homogenes Feld, das er jedoch in einem gewissen Abstand von sich wahrnahm. Man könnte nun meinen, dass die räumliche Wahrnehmung davon abhängig ist, dass wir mit zwei Augen sehen. Genauso, wie wir mit nur einem Ohr eine Schallquelle im Raum nicht lokalisieren können. Dies ist nicht der Fall. Auch der Einäugige nimmt mit nur einem Auge räumlich wahr. Das ist von der Natur weise eingerichtet, sozusagen mit hohem Sicherheitsfaktor.

Die räumliche Wahrnehmungsorganisation wird demnach von monokularen Tiefenkriterien und von binokularen Tiefenkriterien bestimmt.

3.2.1 Monokulare Tiefenkriterien

Zunächst ergeben sich eindeutige Hinweise für die Räumlichkeit aus der wahrgenommenen Reizsituation. Aus eigener Anschauung kann man eine Reihe von Kriterien nennen, die vom Betrachter nicht bewusst angewendet werden, sich vielmehr automatisch in den dem Auge nachgeschalteten Nerven abspulen. Gerade dadurch werden eine Reihe von Täuschungen begünstigt.

1. Interposition
Ein Objekt, das einen anderen Gegenstand teilweise verdeckt, wird als das nähere angesehen. Das Voreinander bzw. Hintereinander von Dingen definiert selbst für den einäugigen Seher die Beziehungen der Objekte in der Tiefe. Dabei entscheiden primär die gegenseitigen Überschneidungen der Gegenstände. Das vordere Objekt verdeckt Teile des dahinter geschachtelten. Meistens gesellen sich weitere Kriterien hinzu, wie relative Größe, relative Höhe und Tiefenschärfe.

2. Relative Größe
Der größere von zwei Gegenständen wird unter sonst gleichen Bedingungen als der nähere angesehen. Hier ein massives Beispiel vom Teïde in Teneriffa. Der als «Gottesfinger» benannte Monolith im Teïde-Krater ist natürlich wesentlich kleiner als der Vulkanberg, und wirkt dennoch sehr groß, weil er im Vordergrund steht.

3. Relative Höhe
Ein Gegenstand, der im Verhältnis zum anderen in bezug zum subjektiven Horizont tiefer steht, wird als näher gesehen. In der Abbildung sind die Gläser alle gleich groß, und dennoch erscheinen die höher stehenden – in bezug zur hinteren Tischkante – kleiner. Das ist eine Variation von Perspektive. Das Bild der Gläser auf einem gedeckten Tisch zeigt noch ein weiteres monokulares Tiefenkriterium:


4. Relative Deutlichkeit
Je klarer und detaillierter der Gegenstand, desto näher scheint er zu sein.
Je weniger Struktur bzw. Licht-Schattenwirkungen in den Oberflächen, desto weiter entfernt erscheint das Objekt. Das kann sich unter Umständen auch genau umkehren, wenn die vorderen Objekte unscharf erscheinen und erst die fokussierten Gegenstände in der Mitte des Bildes in relativer Schärfe gesehen werden.

5. Perspektive
Je stärker die Konvergenz (zusammenlaufend) der Fluchtlinien, desto mehr entsteht der Eindruck großer Entfernung. Die Perspektive war lange Zeit für Künstler ein echtes Problem, das in der Romantik erstaunliche Abwandlungen erfuhr. Das Auge produziert eine andere Perspektive als der mechanische Fotoapparat, weil es beweglich z.B. durch die Tiefe wandert und verschiedene Blickwinkel abtastet, die jedes mal eine Variation der perspektivischen Ansicht produziert, die als Gesamteindruck an das Denken und Beurteilen weiter gereicht wird.

6. Licht und Schatten
Bestimmte Anordnungen von Licht und Schatten begünstigen den Tiefeneindruck, insbesondere wenn der Schatten eines im Vordergrund stehenden Gegenstandes, ein Baum oder ein Haus, auf die dahinter stehenden Objekte fällt. Die Säulen im Löwenhof der Alhambra in Südspanien werfen im Gegenlicht ihren Schatten auf den Boden. Aber auch die Murquanas der Gewölbe werden erst wirklich durch die feinen Helligkeitsunterschiede von Licht und Schatten in ihrer bezaubernden Grazilität sichtbar.

7. Akkomodation
Wenn das Auge einen Gegenstand fixiert, so bündelt die Linse die vom Gegenstand ausgehenden Lichtstrahlen so, dass das Abbild auf der Netzhaut am klarsten, also scharf ist. Dieser muskuläre und unwillkürlich ablaufende Vorgang wird Akkomodation (Anpassung, Angleichung) genannt. Soll z.B. ein entfernt stehender Baum betrachtet werden, so muss die Linse des Auges abgeflacht werden.
Um einen nahe gelegenen Gegenstand deutlich zu sehen, muss die Linse stärker gekrümmt werden. Die Linseneinstellung ist also abhängig von der Entfernung des Objektes vom Auge.

Die kinästhetischen (Kinästhesie = Muskelempfindung bei Kontraktion des Muskels) Empfindungen der verschiedenen Muskelspannungen geben zusätzliche Hinweise für den Abstand des Gegenstandes.

Als weiteres monokulares Tiefenkriterium gilt also auch die Akkomodation.

8. Bewegungsparallaxe
Die zeitliche Abfolge visueller Eindrücke spielt bei der Raumwahrnehmung ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle, zum Beispiel durch Bewegungen des Kopfes. Diese Bewegungen verändern bei einer räumlichen Staffelung die auf die Netzhaut fallende Reizkonfiguration. Bei einer Kopfdrehung nach links werden die näher liegenden Gegenstände relativ nach rechts verschoben und die entfernter liegenden relativ nach links.

Diese relative Bewegung wird auch Bewegungsparallaxe (Vertauschung, Abweichung) genannt. Sie ist ebenso ein bedeutendes monokulares Tiefenkriterium.

 

3.2.2 Binokulare Tiefenkriterien

Unter gewöhnlichen Bedingungen schauen wir mit zwei Augen. In jedem Auge entsteht ein Netzhaut-Abbild, das sich geringfügig vom anderen unterscheidet, denn jedes Auge sieht den Gegenstand unter einem etwas anderen Gesichtswinkel.
Ein wesentliches Kriterium beim binokularen Sehen ist:
Auf den Netzhäuten der Augen entstehen zwei Bilder der gleichen Situation, die sich aber in Details so unterscheiden, dass sie nie deckungsgleich (kongruent) sind. Dies wird bedingt durch den Abstand der Augen von einander, aber auch von der Verschiedenheit der Augen selbst.

Diese Abbilder nennt man disparate Netzhautabbilder (disparat – ungleich, unvereinbar).

Beim Sehen nimmt der Beobachter also zwei voneinander verschiedene Bilder wahr. Wie bereits beschrieben, besteht bei der Wahrnehmungsorganisation die Tendenz, wo immer möglich eine einheitliche und harmonische Gesamterfahrung zu machen. Darum werden die beiden Netzhaut-Abbilder in den nachfolgenden Nervensträngen überlagert und in der Großhirnrinde miteinander verschmolzen, wo sie zu einem bewusst erfahrenen 3-dimensionalen Bildeindruck werden.

In dem Versuch mit den zwei komplementären Farben Rot und Grün wurde festgestellt, dass es Bedingungen gibt, die eine solche Fusion nicht zulassen, wo sogar ein Wettstreit zwischen den bestehenden Netzhautreizen auftritt. Zwischen den beiden Extremen der absoluten Kongruenz (Deckungsgleichheit) oder der totalen Divergenz (Auseinandergehen) der Netzhaut-Abbilder gibt es einen kontinuierlichen Übergang. Auf jeden Fall bevorzugt die Wahrnehmung die Möglichkeit, die verschiedenen Reizeindrücke zu einem einheitlichen Gesamteindruck zusammen zu fügen.

Da wir mit zwei Augen grundsätzlich zwei abweichende Netzhautabbilder empfangen, muss der Wahrnehmungsmechanismus einen anderen Weg zur Vereinheitlichung des Eindrucks gehen. Dies ist die »Schaffung« der Räumlichkeit.

Stereoskop und Bilder auf einem Album aus 1949

Aus zwei gleichzeitig vorhandenen, jedoch geringfügig voneinander abweichenden Abbildern, die beide zweidimensionaler Natur sind, wird ein neuer einheitlicher Eindruck mit dreidimensionalem Charakter erzeugt.

Die von einem Gegenstand reflektierten «Lichtstrahlen» treffen in einem bestimmten Winkel in die Augen. Je näher das gesehene Objekt, desto größer ist dieser Winkel oder die Konvergenz (Zusammenlaufen).

Straße in der Linzer Altstadt

Ein einfaches Experiment macht dieses Phänomen sehr deutlich.
Halten Sie einen Bleistift in etwa 10 cm vor Ihre Augen und peilen Sie einen entfernteren Gegenstand an. Schließen Sie nun abwechselnd das rechte oder linke Auge. Der Bleistift macht im Verhältnis zu dem entfernteren Objekt erhebliche Sprünge. Wird der Abstand zwischen Bleistift und Augen vergrößert, so werden die «Sprünge» allmählich kleiner. Bei ca. 20 Meter Abstand sind die «Sprünge» praktisch gleich Null. Die reflektierten «Lichtstrahlen» verlaufen jetzt nahezu parallel. Dies ist u.a. ein Grund, warum die Dinge in der näheren Umgebung stets plastischer erscheinen als in weiter Ferne.

Diese Erfahrung der Konvergenz und auch die damit verbundenen Muskelempfindungen geben, wenn auch unbewusst, dem Beobachter zusätzliche Informationen über die Entfernung eines Gegenstandes.

 

3.3 Zusammenwirken der Tiefenkriterien

In den meisten Situationen werden verschiedene Faktoren gleichzeitig wahrgenommen, die eine Räumlichkeit vermitteln. Wenn diese zu einem einheitlichen Eindruck zusammengeführt werden können, haben wir das zwingendste Tiefenerlebnis. Es gibt aber auch Situationen, in denen sich einzelne Hinweisreize widersprechen oder nicht in Einklang gebracht werden können, z.B. in ungewöhnlichen Beleuchtungssituationen kann der Eindruck der Räumlichkeit geschwächt oder verändert werden.

Zu den visuellen Eindrücken vom Raum treten oft auch noch akustische und gefühlsmäßige Hinweise. Bei der Tiefenwahrnehmung werden diese Kriterien aber nicht nur einfach summiert. In einer unklaren räumlichen Situation kann das Auftreten eines einzelnen Reizes die ganze Situation klären. Unversehens findet man sich wieder zurecht. Dieser Vorgang kann durchaus sprunghaft sein.
Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die wesentlichen Kriterien für die Grundstruktur der Sinnesorgane ihre endgültige Prägung im vorgeschichtlichen Zeitalter erfahren haben, als das Erfassen des raumzeitlichen Zusammenhangs der Umwelt für den Menschen die Grundvoraussetzung für sein Überleben war. Deswegen haben die Tiefenkriterien der visuellen Wahrnehmung wie die akustische Wahrnehmung eine tiefe aber unbewusste Beziehung zum Thema Angst. Wer schon einmal in einer Badeanstalt auf dem Sprungbrett eines 10 Meter-Turms gestanden hat, weiß, dass für den Menschen 10 Meter in die Tiefe wesentlich weiter ist als 10 Meter horizontal auf der Erde. So ist auch eine Spinne direkt über der Nase erheblich größer als ihre wirkliche Größe in einer sicheren Entfernung.

Die Wahrnehmungsorgane sind konditioniert vor allem als Warnanlagen für die Sicherheit des materiellen Körpers, damit der Mensch selbst in einer prinzipiell feindlichen Umwelt überleben kann, und er seine Angehörigen, seine Familie, seinen Clan und sein Volk schützen kann. Die Wahrnehmungsorganisation ist darum vor allem organisch so konstruiert und effektiv durchorganisiert, dass der physische Mensch schneller als sein Tagesbewusstsein es ermöglichen kann, zur Abwehr oder zur Flucht kommt

So zuckt z.B. die Augenwimper zusammen, wenn eine kleine Fliege durch den Fahrwind ins Auge getrieben wird, bevor der Sehende eine bewusste Reaktion auf den Mikro-Angriff erdenken könnte. Beim Kino-Sehen oder vor dem Fernseher wird als Reaktion auf die erschauten Ereignisse so viel Adrenalin ins Blut ausgeschüttet, damit der Mensch durch Flucht oder Aggression reagieren kann, obwohl er ganz genau weiß, dass ihn die Darstellungen körperlich nicht erreichen können. Leider muss er danach mit seinem ungenutzten, durch die Adrenalinausschüttung nun einmal ausgelößten Aggressionspotential, zum Ausgleich oder zur Entspannung irgend etwas unternehmen. Diese heftigen Auswirkungen werden auf wissenschaftlicher Ebene sehr kontrovers diskutiert.

Allgemein wird akzeptiert:
Die verschiedenen Kriterien oder Anhaltspunkte im Wahrnehmungsprozess werden vom Beobachter subjektiv bewertet und für sein Überleben gewichtet, so dass für ihn und seine ganz persönliche Situation ein „sinnvoll organisierter“ Raumeindruck zustande kommt, in dem er ohne Gefährdung von Leib und Leben sein Handeln durchführen kann.

Dieser Vorgang läuft meistens unbewusst ab und ist eingebettet in den automatisch-psychischen Zustand des Beobachters.

weiße Baumnymphe

3.3 Gegenstandswahrnehmung

Unter normalen Bedingungen erleben wir unsere Umwelt immer räumlich. Das heißt, wir sehen niemals «entleibte» Reize (z.B. Farben ohne Körper oder Form). Vielmehr ordnet die Wahrnehmungsgestaltung diesen einzelnen Reizen immer formale Erscheinungen, Objekte oder Gegenstände zu. Es gibt keine Farbe ohne eine Form und beides nicht ohne eine irgendwie geartete materielle Qualität, die zugleich Gegenstand – also lichtreflektierendes Objekt – ist.

Die irdische Offenbarung besteht im Raum, angefüllt mit zusammengesetzten Qualitäten, Gegenständen, Flüssigkeiten oder Gasen. «Es gibt keinen leeren Raum», wird bei Hermes gesagt. Der gewohnte Raum hat gleichzeitig immer die Qualität des «angefüllten Seins». Auch durch ein sogenanntes Vakuum, also einen luftleeren Raum dringen viele elektromagnetische Schwingungen, Licht, Sendefrequenzen oder kosmische Strahlungen hindurch, die das Luftvakuum mit ihren Vibrationen anfüllen. Auch wenn sie für die Sinnesorgane der meisten Menschen verborgen bleiben, könnten sie mit entsprechenden Messgeräten eindeutig nachgewiesen werden. Für einige Frequenzen reicht ein biederes Radio oder Fernsehgerät, Computer oder Smartphone aus. Und ohne GPS fährt heute kaum noch ein Autofahrer.

Kommen wir zur visuellen Wahrnehmung zurück: Jedes Bild setzt sich aus unterschiedlichen Anhäufungen von pigmentierter Farbe oder Tintenfarbe auf einer Fläche zusammen. Die Farberscheinung eines Regenbogens ist an Wassertropfen und Sonnenlicht gebunden, der blaue Himmel entsteht durch die Lichtabsorption in den Partikeln der Luftfeuchtigkeit und der Luftverschmutzung. Die Frage, was der Raum selbst ist und welche Qualität ihm zuzuordnen wäre, ist mit Sicherheit eine philosophischen Betrachtung wert.

Der Frage, warum wir unsere Umwelt immer räumlich erfahren und wie wir diese Räumlichkeit erfassen, wahrnehmen, ist in diversen Versuchen nachgegangen worden. Dabei konnte auch keine endgültige Antwort gefunden werden, weil in den meisten Versuchen immer eine ganze Reihe von Kriterien durch die Versuchsanordnung ausgeklammert werden, um zu einem umfassend interpretierbaren Ergebnis zu kommen. Aus den vielen Untersuchungen hat sich jedoch ergeben:
Die komplexe Differenzierung und Gliederung des wahrgenommenen Raumes und der Gegenstände ist sowohl von ursprünglich dem Menschen angeborenen physischen Bedingungen als auch von erlernten Deutungen der Hinweisreize durch Erfahrung abhängig.

3.3.1 Gegenstandskonstanz

Wie bereits angedeutet, hat die Wahrnehmung vor allem in bezug auf die Sicherheit des Überlebens eine Art Warnfunktion. Damit diese Warnung möglichst schnell und unkompliziert das Kontrollzentrum des autonomen Menschen erreichen kann, ist die Wahrnehmungsgestaltung bestrebt, natürlich völlig unbewusst, bei der Organisation der aufgenommenen Reize das Erscheinungsbild zu vereinheitlichen oder zu vereinfachen. Das wird vor allem dadurch begünstigt, dass die Wahrnehmung, meistens durch die nachgeschalteten neuronalen Weiterleitungen und die Gedächtnisprozesse im Ultrakurzzeitgedächtnis bestimmte Eigenschaften des empfangenen Reizmusters gegenüber bereits bestehenden Erfahrungen konstant hält.
Bei dem Versuch mit den beiden Luftballons – Siehe 2.3.2 – im verdunkelten Raum wurde z.B. die Größe des einen Luftballons konstant gehalten und die Entfernung variiert, obwohl er tatsächlich langsam – weil aufgeblasen – größer wurde.

Hier könnte man einfügen: Durch die Vergrößerung des Objektes wird eine höhere Bedrohung auf den Betrachter ausgeübt. Für ihn wird es also in einem bestimmten Moment äußerst dringend, sich möglicherweise zu entfernen, also zu fliehen. In dem Affekt Angst ist ausschlaggebend, je größer man im Verhältnis zu sich selbst, also vollkommen subjektiv, den Gegenstand erfährt, desto größer wird die Bedrohung für das Leben, desto größer die Angst und die Vorbereitung zu einer Gegenmaßnahme. Wenn das Unterbewusstsein dazu neigt, der Flucht vor der Bedrohung den Vorzug zu geben, dann rückt die abstrakte Kategorie «Weite» in die Dominanz. Dadurch wird die Eigenschaft, die durch die psychologische Situation in den Hintergrund tritt, konstant gehalten. Dieses Konstanzphänomen tritt auch bei anderen Eigenschaften, z.B. Helligkeit, Form, Gewicht und Pesönlichkeitswahrnehmung auf.

Diese Gegenstandskonstanz ist für den Menschen und seine physische Selbsterhaltung durchaus von Bedeutung. Durch das Aufrechterhalten einer stabilen und in sich widersspruchsfreien Wahrnehmung wird die Orientierung in der Umwelt wesentlich erleichtert und als sicher empfunden, trotz der zahllosen verschiedenen Bedingungen, unter denen er sie wahrnimmt.

Es können sich aber gerade dadurch auch äußerst kuriose Situationen ergeben, die eher zu einer Verwirrung seines Verhaltens beitragen.

3.3.2 Größenkonstanz

Wird die Größe eines Gegenstandes geschätzt, so orientiert man sich teilweise an der Größe des Netzhautabbildes, die er hervorruft. Andererseits wird auch der erlebte Abstand zum Gegenstand herangezogen. Dabei werden dann die im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Tiefenkriterien automatisch wirksam.

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die Größenerscheinung eines Gegenstandes hauptsächlich von diesen Wahrnehmungen bestimmt wird:

1. die tatsächliche Größe der Netzhautabbildung und
2. die scheinbare Entfernung des Gegenstandes vom Auge, wobei
3. die psychologische Bedrohung durch das Objekt mitwirkt

Diese Erfahrungen werden zusammengeführt, mit bestehenden Gedächtnisinhalten abgeglichen, und ergeben so die aktuelle Information über erlebte Größe und Entfernung. Es hat sich in den Versuchen erwiesen, dass sich beide Erfahrungen gleichzeitig einstellen und nicht nacheinander.
Wie selbst nachgeprüft werden kann, ist ein Entfernungsschätzen ohne die Berücksichtigung von Bezugsgrößen, z.B. in einer Landschaft nicht möglich. Ebenso ist das Schätzen von Größenverhältnissen ohne den Bezug der Entfernung unmöglich. Beide Kriterien arbeiten als ein System immer gleichzeitig zusammen und sind voneinander abhängig. Wird ein Kriterium im Versuch eliminiert, reagiert der Betrachter zunächst desorientiert und schafft sich einen eigenen, konstruierten Bezugsrahmen aus anderen Wahrnehmungskriterien, z.B. Bewegung, Geräusch oder Geruch. Doch darüber später.

Bei den monokularen Tiefenkriterien wurde als dritter Faktor die Relative Größe genannt. Der größere von zwei Gegenständen wird unter sonst gleichen Bedingungen als der nähere gesehen. Dieser Satz kann auch umgekehrt wirken: Rufen zwei Gegenstände Netzhautabbilder gleicher Größe hervor, so scheint der als näher aufgefasste Gegenstand auch der kleinere zu sein.

Diese Aussage soll an einem Beispiel deutlich gemacht werden:
Fixiert man z.B. das gelbe Quadrat in der Abbildung etwa 20 sek oder länger in
ca. 30 cm Entfernung. Schaut man danach auf eine weiße Fläche in etwa gleicher Entfernung, dann wird das bereits bekannte Nachbild gesehen. Seine Größe entspricht in etwa der des vorliegenden Quadrates. Betrachtet man nun noch einmal das gelbe Quadrat in ca. 30 cm Entfernung über eine längere Zeit und blickt jetzt auf eine helle Fläche in größerer Entfernung, z.B. eine Zimmerwand. Das Nachbild erscheint jetzt wieder, aber es ist wesentlich größer, obwohl das Netzhaut-Abbild tatsächlich genau so groß sein muss wie beim ersten Mal.

Diese Erscheinung wirkt auf den ersten Blick ausgesprochen plausibel. Sie wird im Emmertschen Gesetz exakt formuliert:
Wird ein Nachbild auf eine Fläche projiziert, die zehnmal so weit entfernt ist wie der ursprüngliche Hintergrund mit der fixierten Figur, so erscheint das Nachbild in zehnfacher (linearer) Vergrößerung, obwohl sich hinsichtlich der Größe der Netzhautabbildung nichts geändert hat.

Genaue Versuche haben dann ergeben, dass die wahrgenommene Größe des Nachbildes dem scheinbaren Abstand der entfernten Oberfläche proportional ist. Durch diese Versuche wird wiederholt die Subjektivität der Wahrnehmungsorganisation aufgezeigt:

Die wahrgenommene Größe des Nachbildes wird durch den scheinbaren Objektabstand bestimmt, nicht durch den tatsächlichen Abstand.

Um in diesem Kriterium die Wahrnehmungsgestaltung zu verdeutlichen, wurde ein Versuch gemacht, der im Rahmen von optischen Täuschungen wiederholt vorgeführt wurde.

Ein Beobachter sieht durch ein kleines Guckloch in einen Raum, der absichtlich zur Irreführung besonders aufgebaut wurde. Binokulare Tiefenkriterien sind ausgeschaltet. Auch sind die Entfernungen innerhalb des Raumes so bemessen, dass die Akkomodation des Auges nicht mehr wirksam ist.

Eine der angebotenen Gegenstandsgrößen bzw. Formen wird vom Betrachter konstant gehalten. In diesem Falle sind es die Größe und die rechtwinklige Form des Raumes. Er erlebt den Raum ebenso, wie die ihm seit seiner Kindheit bekannten rechteckigen Räume. Um diese Wahrnehmung aufrecht zu erhalten, müssen sich die anderen Gegenstände bzw. Personen den wahrgenommenen Dimensionen anpassen.

Zwergwuchs, Riesenwuchs oder Täuschung? (nach Beltz)

Darum sieht der Beobachter das Kind größer als die Frau.

Erstaunlich ist dabei die Erfahrung, die mit der Änderung dieser Situation verbunden ist. Geht die Frau aus der hinteren Ecke auf den Betrachter zu, so scheint sie innerhalb weniger Schritte ihre Größe zu verdreifachen, während die Raumkonstanz weiterhin aufrecht erhalten wird.

Wird dem Betrachter die Möglichkeit gegeben, die Raumsituation z.B. mittels eines Zeigestockes abzutasten, so verschwindet das Trugbild. Die Täuschung wird vermindert, wenn die Personen im Raum dem Betrachter sehr bekannt sind.

 

3.3.3 Formkonstanz

In dem oben beschriebenen Versuch ist dieses Phänomen bereits mit einigen möglichen Auswirkungen deutlich beschrieben. Ein weiteres Beispiel für die Formkonstanz:
Ein Teller wird auch dann kreisrund gesehen, wenn das auf der Netzhaut entstehende Abbild nicht scheiben- sondern ellipsenförmig ist.

Ein wichtiger Teil dieser Wahrnehmungsorganisation ist die scheinbare Schiefe der Gegenstandsebene, die sich aus der Perspektive ergibt (Monokulares Tiefenkriterium). Aber auch die relative Deutlichkeit der vorderen Teile des Tellers, z.B. Körnigkeit, Struktur usw. liefern Informationen über den Grad der Schräge.
Stimmt die erlebte Schiefe mit der gleichzeitig wahrgenommenen Perspektive überein, so bleibt die Formkonstanz erhalten.

Diese Erscheinung macht jedem erheblich zu schaffen, der einmal bewusst angefangen hat, innerhalb eines Stilllebens z.B. runde Gegenstände abzuzeichnen. Insbesondere kämpft jeder Anfänger im Aktzeichnen oder beim architektonischen Zeichnen im Freien mit der Formkonstanz seiner Wahrnehmung. Um diesen Automatismus der visuellen Wahrnehmung zu überlisten, haben die Künstler aller Zeiten die unterschiedlichsten Hilfsmittel erfunden. Beim Zeichenunterricht werden hand-
liche Hilfsmittel wie Bleistift oder Lineal ins Blickfeld gebracht, um der tatsächlichen Netzhautabbildung wenigstens einigermaßen habhaft zu werden.

Wenn die Möglichkeiten, die perspektivische Schräge zu erkennen, geringer werden, so schwächt sich das Ausmaß der Formkonstanz ab.

 

3.3.4 Helligkeitskonstanz

Wer schon einmal bei Schnee eine längere Wanderung gemacht hat, weiß, dass der Schnee im tiefen Schatten auch weiß ist, genauso weiß wie im Tageslicht. Vielleicht nicht ganz so weiß wie in der Sonne, aber doch weiß. Andererseits wird Kohle unter heller Sonneneinstrahlung immer schwarz erlebt. Dabei kann ein einfacher Belichtungsmesser zeigen, dass das vom Schnee im Schatten reflektierte Licht weniger intensiv ist als das von der Kohle im Sonnenlicht.

Die Helligkeit von Gegenständen wird überwiegend so erlebt, wie sie in vielfältiger Weise vorher vom Betrachter erlebt worden ist.

Die Helligkeitskonstanz wird nur wenig beeinflusst, auch wenn sich der Beobachter über die gegebenen Beleuchtungsverhältnisse im Klaren ist. Als Paul Gauguin mit seinen expressionistischen Bildern aus der Südsee nach Paris zurückkam, hat er bei der ersten Ausstellung einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, weil z.B. seine Schatten dunkelblau oder lila angelegt waren. Für einen modernen Profi-Fotografen ist das übrigens keine Sensation, wohingegen der Hobbyfotograf immer wieder über seine „schlechten“ Bilder im schattigen Bereich erstaunt ist, weil er selbst beim Fotografieren die Grundstrukturen seiner Wahrnehmungsorganisation nicht durchbrechen kann. Selbst der Profi muss sich dieser Beeinflussung durch rationale Überlegungen entziehen, oder durch den Einsatz von Zusatzlicht oder den Einsatz von Filtern, (Manipulation durch dafür geeignete Bildbearbeitungsprogramme am Computer) wie er es während seines Studiums von seinem Dozenten oder aus der Erfahrung gelernt hat.

Welche Faktoren spielen hierbei eine wesentliche Rolle? Bei der Größenkonstanz waren es die Netzhaut-Abbildung und die scheinbare, subjektive Entfernung und die psychologische Prägung, die gewohnte Wahrnehmung.

Bei der Helligkeitskonstanz haben sich die folgenden Faktoren aus den unterschiedlichen Versuchen ergeben:

1. Die Intensität des vom Gegenstand reflektierten Lichtes,
2. die relative Ausleuchtung seines Umfeldes,
3. die Bekanntheit des Gegenstandes, oder auch die psychologische Beziehung zu ihm.

Maßgebend ist dabei die Unveränderlichkeit der durch den Gegenstand bzw. seinen Hintergrund bestimmten Proportionen der Lichtintensität, als Lux gemessen. Das bedeutet: Da Schnee nun einmal weiß ist, kann er selbst bei schlechtester Beleuchtung nicht auf einmal schwarz sein. Dies ist aber ein Vorgang, der deutlich aus dem Erfahrungswissen des Betrachters stammt, denn die fotometrischen Ergebnisse könnten durchaus ein ganz anderes Ergebnis zeigen. Auch müsste gefragt werden, ob ein Ureinwohner aus Afrika oder vom Amazonas in Europa den Schnee in einem schattigen Wald bei Sonnenuntergang auch weiß sehen würde, oder vielleicht doch eine andere Farbe z.B. Blau, Violett oder Dunkelgrün, entsprechend der Schattenwirkung, weil er Schnee hier zum ersten Male sieht.

In diesem Zusammenhang könnten Sie einmal einen kleinen Versuch mit sich selbst machen. Beobachten Sie beim nächsten Kinogang einmal genau, wie Sie Ihr Umwelt wahrnehmen und welche Veränderungen sich beim Betreten des dunklen Vorführraumes einstellen, und wenn Sie am Ende der Vorführung wieder ins Helle treten.
Wer nach Beginn der Vorschau in den Vorführraum tritt, erlebt Finsternis oder starke Dunkelheit, in der er kaum etwas erkennen kann. Ist er jedoch eine Weile im Raum, so hat sich das Auge an die Dunkelheit „gewöhnt“ (Helligkeitsadaption). Die Farben der nahe gelegenen Sessel oder der Wandbespannung werden dann fast ebenso wahrgenommen und identifiziert, wie unter normalen Lichtverhältnissen. Erst im Kontrast – beim Hinausgehen – wird einem die vorherige Dunkelheit wieder bewusst. Zunächst erscheinen im Hellen die Farben viel heller, fast wie gebleicht. Nach einer bestimmten Zeit der Adaption verschwindet dieser Eindruck und die Helligkeiten erscheinen wieder wie gewohnt. (Siehe 2.1.5)

 

3.4 Zusammenfassung Gegenstandswahrnehmung

Unsere visuelle Wahrnehmungsorganisation bedient sich der bewahrenden Konstanz, das heißt die wahrgenommenen Gegenstände bekommen im wesentlichen immer eine konstante Größe, Form und Helligkeit zu besitzen, unabhängig von Entfernung, Blickwinkel und Beleuchtung. Dabei scheinen gewisse Unveränderlichkeiten von Beziehungen oder Eigenschaften der Gegenstände mitzuwirken.

Bei der Größenkonstanz sind die folgenden Faktoren von Bedeutung:

1. tatsächliche Größe der Netzhaut-Abbildung
2. scheinbarer Gegenstandsabstand
3. psychologische Affinität zum Gegenstand

Bei der Formkonstanz sind es die Faktoren:

1. Umriss des Netzhaut-Abbildes
2. scheinbarer Betrachtungswinkel (Perspektive)
3. psychologische Affinität zum Gegenstand, z.B. Bekanntheit

Und bei der Helligkeitskonstanz gelten:

1. Helligkeit des vom Gegenstand reflektierten Lichtes
2. Ausleuchtung des unmittelbaren Umfeldes
3. Adaptionsfähigkeit des Betrachters
4. Bekanntheitsgrad des Gegenstandes

Bestimmte Erwartungen und Erfahrungen können die Konstanzphänomene abschwächen oder verstärken. Außerdem kann der Beobachter die Konstanz durch Konzentration auf einzelne Wahrnehmungselemente oder durch Hilfsmittel mindern.

Die Forschungsergebnisse zeigen uns ganz allgemein, dass wir unter normalen Umständen unsere Umwelt »objektgerichtet« wahrnehmen und nicht «reizgerichtet».

Um Gegenstände zu sehen, folgen wir vorwiegend den gegebenen Reizkonfigurationen (Gruppierungen), nicht den isolierten Reizattributen und erreichen so auch die phänomenale Konstanz der Umweltdinge. Diese Eigenschaft unserer Wahrnehmungsorganisation ist eine bedeutende Hilfe, sich in der gestalteten Umwelt zu orientieren, und das Überleben des physischen Körpers in den äußerst aggressiven Zuständen zu sichern.

Für den angehenden Designer kann diese Eigenschaft der Wahrnehmung zu besonderen Schwierigkeiten führen, weil er bei der Darstellung und Gestaltung der Umwelt jedem einzelnen Reizattribut seiner Objekte besondere Aufmerksamkeit widmen muss.

Die Gesetze der Gegenstandswahrnehmung in der visuellen Wahrnehmung lassen sich in vielen Fällen auch auf die anderen Sinnesorgane übertragen, denn das mentale Konzept ist übergreifend für alle Bereiche der Wahrnehmung gültig. Die dort liegende Steuerfunktion bestimmt maßgeblich wie neu angekommene Informationen über welche Bahnung im Großhirn mit bereits vorhandenen Informationen abgeglichen werden, und welche Bedeutung das Erfahrene für die Psyche und die körperliche Sicherheit des Menschen hat. Immer dann, wenn erhöhte Emotionalitäten z.B. Angstzustände mit der Wahrnehmung gekoppelt sind, werden die Synergie-Effekte aller Sinnesorgane deutlich sichtbar.

Besonders einprägsam wird das beim nächsten Thema.


Folgendes Kapitel : 4.0 Farbwahrnehmung

2.0 Allgemeine Wahrnehmungskriterien

2. Allgemeine Wahrnehmungskriterien

Schon die äußere Wahrnehmung der Umwelt gestaltet sich als ein vielschichtiger Vorgang. Dennoch ist es möglich, unter besonderen Perspektiven, einzelne Prozesse voneinander getrennt zu behandeln, denn:

Eine große Anzahl von Wahrnehmungsmechanismen sind „ordnende“ Prozesse. Sie basieren auf dem Selbstschutz- und Selbsterhaltungsmechanismen des Menschen, Überlebensangst des animalischen Koplexes. Man muss hier von automatisch unterbewussten Prozessen sprechen, die normalerweise nicht willentlich von absichtlichem Handeln beeinflusst werden. Sie laufen in jedem Menschen ab, ob er nun davon weiß oder nicht!

Sie gliedern sich in zwei Gruppen:
1. Differenzierung : Vorgänge, die eine genauere Unterscheidung – nach gefährlich oder ungefährlich – der angebotenen Reize bewirken.
2. Gruppierung : Vorgänge, die eine Zuordnung zu bestimmten Gruppen der Wahrnehmung bewirken. Bedeutet Vereinfachung der genauen Bestimmung.

Es kann vorkommen, dass in bestimmten Situationen einzelne Wahrnehmungsmechanismen miteinander konkurrieren. Dabei erfährt die Wahrnehmung mitunter überraschende Veränderungen, die bis hin zu völliger Desorientierung führen können.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


2.1 Differenzierung von Wahrnehmungen

2.1.1 Assimilation – Kontrast – Kontur

Um diese Mechanismen experimentell nachzuweisen, wurde für den visuellen Bereich folgende Versuchsanordnung geschaffen:
Eine Versuchsperson hält ihren Kopf in die Mitte einer großen hohlen Halbkugel. Die innere Oberfläche ist ganz glatt und ohne Markierungen. Sie wird durch eine mittelstarke Lichtquelle total gleichmäßig ausgeleuchtet. So entsteht auf der Netzhaut der Person ein völlig uniformes Bild. Das Reizfeld ist für die Augen absolut homogen. Die Versuche haben ergeben, dass die Person unter diesen Bedingungen nur einen gleichmäßig hellen Nebel sieht, der einen schier endlosen Raum ausfüllt. Sie kann nicht angeben, wie weit die Oberfläche von ihr entfernt ist. Oder genauer: die Person nimmt die Oberfläche überhaupt nicht wahr.

Ergebnis: Werden die Sinneszellen des Auges einem homogenen Reizfeld ausgesetzt, so ergibt es für die Wahrnehmung keine Differenzierung. Dies ist offenbar der einfachst mögliche Wahrnehmungstyp.

Die beschriebene Versuchsanordnung kann durch die Beleuchtung verändert werden:

1. Veränderung:
Die Beleuchtungsintensität wird stark erhöht. Das feine Korn der Halbkugelinnenfläche wird fast wahrnehmbar. Die Versuchsperson sieht nun die Oberfläche kurz vor sich homogen und ohne Einzelheit. Die Wahrnehmung hat sich also bereits umgeschaltet.

2. Veränderung:
Die Oberfläche wird links sehr wenig beleuchtet, nach rechts allmählich heller werdend. Die Person sieht trotzdem überall die gleiche Helligkeit. Hier täuscht die Wahrnehmungsgestaltung die Versuchsperson. Sie gleicht im Schauen die objektiv nachweisbaren, unterschiedlichen fließenden Helligkeiten aus.

3. Veränderung:
Man lässt senkrecht durch die Mitte des Feldes eine schwache Schattenlinie gehen. Für die Versuchsperson teilt sich das Gesamtfeld in zwei unterschiedlich helle Felder, getrennt durch eine Kontur. Die zwei Halbfelder erscheinen aber in sich homogen. Die Wahrnehmung hat sich noch einmal verändert.
Die Abbildung zeigt im Vergleich die objektive Versuchsanordnung und die zugehörigen Wahrnehmungen der Versuchsperson.


Dieser Versuch zeigt vier grundsätzliche Phänomene auf, die auch auf andere Bereiche, z.B. Denkprozesse oder Gedächtnisvorgänge übertragbar sind.

  1. Wird ein Mensch einer völlig uniformen Reizsituation ausgesetzt, so kann er sich nicht mehr orientieren. Er befindet sich im «Nebel».
  2. Wird die Reizsituation geringfügig, aber vollkommen gleichmäßig strukturiert, so kann sich der Mensch in gewissen Grenzen orientieren.
  3. Eine kontinuierliche Veränderung einer Reizsituation wird vereinheitlicht. Diese Tendenz auf größtmögliche Vereinheitlichung oder Homogenität – also minimaler Differenzierung – wird in der Wahrnehmung als Assimilation bezeichnet. (Assimilation = Ähnlichmachung oder Angleichung). Die Assimilationstendenz wirkt auf das Gesamtfeld so, dass eine einzige Intensitätsstufe wahrgenommen wird, die dem Mittel der Reizintensitäten entspricht.
  4. Innerhalb des Grenzfeldes eines kontinuierlichen hell-dunkel-Verlaufes wird eine Kontur eingefügt.
    Folgendes geschieht: Die Unterschiede zwischen den beiden Teilen werden genau auf der Kontur erheblich verstärkt . Beide Hälften erscheinen in sich homogen, obwohl in ihnen ein kontinuierlicher Verlauf hell-dunkel erzeugt war. Der Vorgang, bei dem die Unterschiede stärker wahrgenommen werden, als es den wahren Intensitätsverhältnissen der Reize entspricht, wird als Kontrast bezeichnet. Kontrast bedeutet die Akzentuierung von Unterschieden.

Dabei wird deutlich, wie wichtig Konturen für die Wahrnehmungsorganisation sind, und seien sie noch so schwach.

Die Wirkung von Assimilation und Kontrast wird an dem einfachen Bild mit dem grauen Kreis gezeigt: Betrachtet man den Ring, so lässt sich folgendes erkennen: Normalerweise würde das Grau des Ringes gegenüber dem Weiß dunkler erscheinen als gegenüber dem Schwarz. Der Ring ist jedoch in sich geschlossen. Darum erscheint der Ring gleichmäßig Grau. Die Assimilation löscht also die Wahrnehmung des Kontrasteffektes aus. Legt man jetzt über die Trennlinie zwischen Schwarz und Weiß einen langen schmalen Gegenstand, z.B. einen Bleistift, dann können sich durch diese neu eingeführte Kontur die Kontrastfelder wieder durchsetzen.

Fassen wir noch einmal zusammen:

  1. Die Wahrnehmung hat eine Tendenz, Reizunterschiede zu verringern.
  2. Wenn die Reizunterschiede ein bestimmtes Niveau überschreiten, so erfolgt eine wahrnehmungsmäßige Differenzierung. (Beltz)
  3. Gestaltungsfaktoren, wie z.B. Konturen, wirken sich fördernd auf die Differenzierung aus.
  4. Die Differenzierung erfolgt in zwei Richtungen.

Beim Kontrast werden gewisse Reizunterschiede verstärkt, während bei der Assimilation andere Reize ausgelöscht werden. Beide Tendenzen können innerhalb einer Gestaltung miteinander konkurrieren.

2.1.2 Figur und Grund

Betrachten wir das nebenstehende Bild, so erscheint der Fleck als eine in sich geschlossene Figur, räumlich vor dem Hintergrund oder auf dem Grunde liegend. Diese Differenzierung ist die einfachste Form der Wahrnehmung.
Die Unterscheidung zwischen Figur und Grund kommt durch unterschiedliche Wahrnehmungsqualitäten zustande. Die Figur ist meistens abgegrenzt, wird an einer Stelle lokalisiert, sie wirkt massiver und stärker integriert. Der Grund ist weniger strukturiert und erscheint unbestimmter. Er scheint sich auch hinter der Figur zu erstrecken. Oft geht er bis an den Rand des Feldes, und scheint dadurch über den Rand hinaus zu reichen. Die Figur zieht eher unsere Aufmerksamkeit an sich als der Hintergrund.

Wir haben eben als wichtiges Merkmal der Figur gesagt: sie ist begrenzt. Diese Grenze ist an das Vorhandensein einer Kontur gebunden. Die Kontur „gehört“ phänomenal deutlich zur Figur. Sie erscheint uns nicht als zugehörig zum Grund. Dabei handelt es sich jedoch faktisch um eine Grenzlinie, die Figur und Grund gemeinsam ist. Darüber hinaus hat die Kontur die wichtige Funktion, der Figur eine erkennbare Form zu geben. Die nebenstehende Abbildung zeigt uns, dass die Kontur unter bestimmten Bedingungen wechseln kann. Dadurch ändert sich auch ihre Erscheinungsweise völlig.

Wird die mehrdeutige Abbildung längere Zeit fixiert, so wechseln Figur und Grund derart, dass einmal das linke und einmal das rechte Gesicht gesehen wird. Unsere Wahrnehmung ordnet die den beiden Gesichtern gemeinsame Konturlinie alternierend der rechten und linken Gesichtshälfte zu.

Diese Eigenschaft des sprunghaften Alternierens einer Kontur erschwert unter bestimmten Bedingungen ein visuelles Zusammenfügen von Teilen, z.B. bei den Stücken eines Puzzlespieles, die eine wenigstens teilweise identische Kontur haben. Trotzdem sehen sie doch so verschieden aus, dass es manchmal schwer fällt, sie einander zuzuordnen.

Die folgenden Abbildungen zeigen, dass Konturen eine Figur nicht unbedingt geschlossen umfassen müssen.

Bei längerem Hinsehen erscheint zwischen den beiden schwarzen Kreisteilen ein «weißes Quadrat». Dieses weiße Quadrat erscheint als eine Figur, die die ovale schwarze Figur als «darüberliegend» verdeckt.

 

Die Schattenlinie eines Buchstabens wird sehr schnell als der Buchstabe A erkannt, obwohl wesentliche Konturen fehlen.

 

Diese Beispiele zeigen, dass die Wahrnehmung die Tendenz hat, bekannte Figuren als vollständig oder geschlossen zu erfassen, auch wenn die Kontur erhebliche Lücken aufweist.

Wenn wir das Bild von Paul Klee BOB, von 1920 betrachten und dabei versuchen, genau zwischen Figur und Grund zu unterscheiden, dann stellt sich die Frage: Welche Faktoren bestimmen das, was Figur und was Grund ist?
Die Reizintensität scheint nicht entscheidend, denn eine Dunkelfläche kann auf einem hellen Hintergrund ebenso als Figur gesehen werden (Knöpfe), wie eine helle Fläche auf dunklem Grund als Figur erscheinen kann (Gesicht, Hemd).

Wesentlich sind die relativen Größen und Lagen der betreffenden Flächen. Hinzu kommt die farbliche Gestaltung.

Gewöhnlich erkennen wir die kleinere Fläche und die stärker geschlossene Fläche als Figur. Auch regelmäßige Flächen werden eher als Figur gesehen als unregelmäßige Strukturen.

Bei der Differenzierung nach Figur und Grund spielt die Gesamtorganisation der Wahrnehmungsstruktur eine wesentliche Rolle. Dazu gehören die Teile des Blickfeldes, die sich leicht gruppieren lassen oder die am «sinnvollsten» erscheinen. Auch persönliche Faktoren, wie Voreinstellung des Beobachters, Antriebslage, Lernvorgänge und Anderes können diese Entscheidung beeinflussen. Bekannte Muster werden schneller als Figur erkannt. Es wird daraus klar, dass bei dieser Unterscheidung auch noch spezielle Prozesse im vegetativen Nervensystem mitwirken.

Diese Phänomene beschränken sich nicht nur auf den Bereich der visuellen Wahrnehmung. Die Unterscheidung von Figur und Grund charakterisiert unser gesamtes Wahrnehmungs-
geschehen.

Ein winziger Stein z.B. kann im Schuh als Figur gegen den sonst gleichmäßigen Grund auf der Innensohle wahrgenommen werden oder eine gekannte Melodie gegenüber dem «weißen Rauschen» im Hintergrund. Diese einfachen Gesetze des «sich Zurechtfindens in der Flut der Informationen» durchzieht alle Vorgänge des Erfassens, sowohl bei der internen Wahrnehmung von Regelprozessen für die Existenz des Körpers als auch bei hoch komplexen psychosozialen Interaktionen. Dies kann auch bei den nachfolgend erläuterten Wahrnehmungskriterien erkannt werden.

2.1.3 Gruppierung

Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass man in den meisten Fällen eine vielgestaltige Situation erlebt, die mehrere Figuren, unterschiedlich verschachtelt, vor einem gemeinsamen Hintergrund enthält. Beim Ansehen einer solchen Abbildung erkennt man eine starke Tendenz dazu, das Gesamtfeld nach lediglich zwei Hauptteilen zu differenzieren.
Das heißt: Die Wahrnehmung trennt eine einzelne Figur aus dem gesamten restlichen Feld, das dann zum Grund wird.

Oder mehrere Figuren werden zu einer Gruppe zusammen gefasst, die dann ihrerseits vor dem restlichen Feld als Hintergrund steht.

Eine wichtige Erscheinung ist dabei der sogannte Isolationseffekt. Wenn in einer Ansammlung von Punkten z.B. die meisten schwarz, einige aber rot sind, so erscheinen die roten Punkte (die «isolierten» ) deutlicher und werden zu einer Figur gegen den Hintergrund der schwarzen Punkte gemacht.

Die Gruppierungstendenzen laufen im wesentlichen nach drei Gesichtspunkten ab.

Näher beieinander stehende Figuren werden mit größerer Wahrscheinlichkeit zusammen gefasst als weiter auseinander liegende. Siehe nebenstehende Abbildung.

Wie eben bei dem Beispiel der roten und schwarzen Punkte gesehen wurde, müssen nicht unbedingt nahe beieinander liegende Elemente als Gruppe erscheinen. Es spielen dabei noch eine Reihe anderer Faktoren eine Rolle. Einer davon ist die Ähnlichkeit.

Unter sonst gleichen Bedingungen werden ähnliche Reize mit größerer Wahrscheinlichkeit gruppiert als unähnliche.

Ähnlichkeit heißt hier, dass die Figuren verschiedene Eigenschaften gemeinsam haben, wie z.B. Form, Farbe, Größe, Intensität. Für den gesamten Bereich der Wahrnehmung gibt es viele Dimensionen für die mögliche Klassifizierung von Reizen, und es gibt ebenso viele Aspekte, unter denen zwei oder mehr Reize als ähnlich bezeichnet werden können. Die Ähnlichkeit ist desto größer, je mehr Eigenschaften die Reize miteinander gemeinsam haben, und desto größer ist auch die Tendenz zur Gruppierung. Eine weitere Möglichkeit der Gruppierung ist die nach der «guten Gestalt».

Das heißt: Figuren, die eine gute Gestalt bilden, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit gruppiert.

Was heißt in diesem Zusammenhang «gute Gestalt»?
Faktisch können noch keine allgemein gültigen Kriterien für diesen Begriff bestimmt werden. Es ist leicht einsehbar, dass vielfache Prägungen, Lernprozesse und vorausgegangene Erfahrungen im Kindesalter bei der Definition«gute Gestalt» von großer Bedeutung sind. Die individuell unterschiedlichen Bestimmungen dieses Begriffes sind in der Psychologie bekannt.

Dennoch wollen wir uns hier mit der Klassifizierung von M. Wertheimer befassen:

1. Gute Fortsetzung
Die Reize (Teile des wahrgenommenen Bildausschnittes), die eine «gute» (harmonische) Fortsetzung einer Linie, einer Kurve oder einer Bewegung sind, bilden leichter Einheiten. Siehe oben.

2. Symmetrie
Symmetrische oder ausgewogene Gruppierungen werden vor asymetrischen bevorzugt. Nebenstehende Abbildung.

3. Geschlossenheit
Figuren, die zu einer geschlosseneren oder vollständigeren Gestalt führen, werden eher zusammengefasst.

4. Gemeinsames Schicksal
Elemente, die sich gemeinsam bewegen oder verändern, werden gegenüber Elementen mit anderer Bewegungsrichtung gruppiert.

Josef Albers, Strukt. Konstellation,1956

Aus diesen vier Definitionen kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Bestimmung «gute Gestalt» folgendes beinhaltet:
deutliche Kontinuität, ersichtliche Symmetrie, geschlossenere Form und Gemeinsamkeit in der Form und/oder der Bewegung gegenüber den anderen Bildelementen.

Meistens sind bei gegebenen Reizmustern verschiedene Gruppierungstendenzen wirksam. Manchmal wirken sie in gleicher Richtung, manchmal stehen sie im Wettbewerb.

nach Bridget Riley, Studie Guache, 1967

Viele gute Beispiele für die Anwendung des Wettbewerbs von Gruppierungstendenzen findet man in der Natur. Oft benutzen Tiere Schutzfarben und Tarnmuster, oder auch Formen, um sich in ihrer Umwelt vor ihren Fressfeinden durch Mimikri zu verstecken, oder auf der Jagd nicht erkannt zu werden. Dabei werden die Regeln der guten Fortsetzung und der Geschlossenheit besonders zahlreich benutzt.

Chamäleon auf Madagaskar von Hans Bernhard Schnobby

 

2.1.4 Gestalttransposition

Es konnte festgestellt werden, dass die automatische  Organisation der Wahrnehmung einzelne Figuren (Reizelemente des Bildausschnittes) zu Gruppen zusammenfasst, die sich dann als ein geschlossenes Reizelement gegenüber anderen abhebt. Anders gesagt:
Wir fügen beim Sehen die Teile zu einem Ganzen zusammen.
Die Eigenschaft des entstandenen «Ganzen», d.h. der aus der Gruppierung entstandenen neuen Figur, ist nicht nur die Summe der Eigenschaften der Teile.

Bei der neben stehenden Abbildung erkennt man, dass keines der Teile die Eigenschaft «viereckig» in sich trägt. Dennoch sieht man jeweils vier Punkte zusammen als Quadrat. Es ist die Anordnung der einzelnen Teile, welche zur wesentlichen Qualität der Wahrnehmung des Ganzen beisteuert. Gleichzeitig sieht man, dass die Gliederungsform erhalten bleibt, auch wenn die einzelnen Teile verändert werden, ihre Bildposition jedoch weiter besteht. In diesem Fall spricht man von «Gestalttransposition». Trotz der unterschiedlich gestalteten Punkte bleibt die Eigenschaft der «Quadratigkeit» allen Figuren gemeinsam.

Für Transpositionen gibt es zahllose Beispiele in allen Wahrnehmungsbereichen. Wichtig für eine Transposition ist, dass die Beziehungen zwischen den Einzelreizen (Bildteilen) gleich bleiben. Dennoch wird die Wahrnehmung des Ganzen durch die Qualitäten der einzelnen Reize beeinflusst. Eine laute Melodie klingt anders, als die gleiche Melodie, wenn sie leise gespielt wird. Ebenso sieht ein «Quadrat» aus Himbeeren anders aus als eines aus Schießpatronen.

Abbildung Gruppierung nach Nähe und «guter Gestalt» im Wettbewerb

Eine bekannte optische Täuschung zeigt uns, die unten abgebildete Müller-Lyer-Täuschung, dass die Eigenschaften der Teile uns stets abhängig von der Art des Ganzen erscheinen.

2.1.5 Bezugssysteme

Kommen wir noch einmal auf das erste Beispiel aus dem Abschnitt Figur und Grund zurück (Siehe 2.1.2). Wir haben dort einen schwarzen Fleck auf einem grauen Grund gesehen. Bei der Wahrnehmung dieses Bildes wurde der schwarze Fleck in Bezug gesetzt zu der grauen Fläche, in die er eingebettet ist. Erst aus dem Verhältnis zueinander können Form, Größen, Farbabweichungen etc. erkannt werden. Man könnte die Schlussfolgerung ziehen: Erst durch den Schatten wird das Licht deutlich. Jedoch ohne Licht wird absolut nichts sichtbar. Der Schatten ist immer die Folge eines nicht lichtundurchlässigen Dinges, das dabei im Licht steht, das Licht absorbiert.

Treten mehrere Figuren in einem Bild zusammen, so können diese in Bezug zueinander nach ihren Eigenschaften erkannt werden.

Auf dieser Abbildung  kann man einmal die Größe der Kreise gegeneinander abwägen, oder auch die unterschiedliche Blautöne miteinander vergleichen und bestimmen. Es ist ein Beispiel dafür, dass für jede Wahrnehmung eigene Bezugsparameter vorhanden sein müssen.

Im Anfang des Kapitels 2 konnte aus einem Versuch entnommen werden:
Fehlen bei der Wahrnehmung Bezugspunkte, sich unterscheidende Reize (in Form, Farbe,Klang, Bewegung), so ist der Betrachter desorientiert.

H. Helson befasste sich mit dem Phänomen, die bei der Wahrnehmung unmittelbar gegeben ist: Fehlt dem Beobachter ein Bezugsrahmen, so schafft er sich einen aus seinem inneren Repertoire. Dieser psychologische Anhalt ist nur mittelbar von den äußeren Reizen abhängig, vielmehr von dem psychischen Setting des Beobachters.

Eine Versuchsperson wird einer beliebigen Art von Reizen unterschiedlicher Intensität ausgesetzt, z.B. verschiedenen Helligkeiten, verschieden Lautstärken, Gewicht usw. Bei der subjektiven Beurteilung dieser Reize ergibt sich eine Mittelstelle in der Gewichtung. Diese Mitte wird als Adaptionsniveau bezeichnet. Reizgrößen oberhalb des Adaptionsniveaus werden als schwer, laut, hell usw. wahrgenommen und bezeichnet, unterhalb des Adaptionsniveaus erscheinen sie als leicht, leise und dunkel usw.

Das Adaptionsniveau ist nicht eine einfache Mittelwertbildung aller Reizbeträge, sondern unterliegt fortwährend Veränderungen, und zwar als Funktion aller Reize, die auf den Beobachter bei der Beurteilung selbst, aber auch in der Vergangenheit eingewirkt haben.

Ein einziger extremer Reiz, der weit außerhalb des Bereiches der übrigen Reizserie liegt, kann das Adaptionsniveau deutlich in seine Richtung verschieben.

D.R. Braun wies durch eine besondere Versuchsanordnung nach, dass der Bildungsprozess des Adaptionsniveaus auch noch von anderen Faktoren der Wahrnehmungsorganisation abhängt. Das Adaptionsniveau ist uns vor allem aus dem Bereich der Helligkeit bekannt. In dem Kapitel Farbe wird dieser Prozess dann näher beschrieben.

2.1  Zusammenfassung

  1. Wird ein Mensch einer völlig uniformen Reizsituation ausgesetzt, so kann er sich nicht mehr orientieren.
  2.  Eine kontinuierliche Veränderung einer Reizsituation wird vereinheitlicht.
  3. Konturen oder Kontrast sind für die Wahrnehmungsorganisation äußerst wichtig, und seien sie noch so schwach.
  4. Bei der Strukturierung des Wahrgenommen erfolgt spontan eine Differenzierung nach Figur und Grund. Dafür werden ähnliche Bildteile gruppiert.
  5. Die Gruppierungstendenzen laufen im wesentlichen nach drei Gesichtspunkten ab. Näher beieinander stehende Figuren werden mit größerer Wahrscheinlichkeit zusammengefasst als weiter auseinander liegende.
  6. Unter sonst gleichen Bedingungen werden ähnliche Reize häufiger gruppiert als unähnliche.
  7. Figuren, die eine »gute Gestalt« bilden, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit gruppiert.
    Die Bestimmung «gute Gestalt» beinhaltet: deutliche Kontinuität, ersichtliche Symmetrie, geschlossenere Form und Gemeinsamkeit in der Form und/oder der Bewegung gegenüber den anderen Bildelementen.
  8. Die Eigenschaft des entstandenen „Ganzen“, d.h. der aus der Gruppierung entstandenen neuen Figur, ist nicht unbedingt die Summe der Eigenschaften der Teile.
  9. Fehlen bei der Wahrnehmung ein Bezugspunkt oder sich unterscheidende Reize (in Form, Farbe, Klang, Bewegung,) so ist der Betrachter meistens desorientiert.

 

2.2 Wahrnehmungsänderung bei gleich bleibendem Reizmuster

Wie in vorangegangenen Versuchen zu sehen war, setzt die  Organisation der Wahrnehmung Veränderungen mit Änderungen der Reizsituation in Verbindung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass solche Veränderungen der Wahrnehmung nicht immer der Änderung der Reizsituation direkt entsprechen. In diesem Abschnitt wollen wir uns jedoch erst einmal mit Wahrnehmungsänderungen befassen, die sich bei objektiv gleich bleibendem Reizmuster ergeben.

2.2.1 Kippfiguren

Fixiert man dieses Bild ein paar Sekunden, dann wird eine Zeitlang ein perspektivischer Aspekt wirksam und danach, ohne merkbaren Übergang, sieht man das Bild aus einer anderen Sicht. Man nennt diesen Vorgang in der Wahrnehmung: Umkippen. Bei längerem Ansehen einer sogenannten Kippfigur wechseln die beiden Ansichten mehr oder weniger regelmäßig ab. Es hat sich zeigen lassen, dass die Umkippfrequenz als Funktion der Gesamtfixationsdauer zunimmt.

Wann eine Figur zur Kippfigur wird, hängt von der Form ab, die eine mehrdeutige Interpretation zulässig macht. Ist die Figur so aufgebaut, dass beide Ansichtsmöglichkeiten gleichermaßen leicht wahrnehmbar sind, so erfolgt ein relativ häufiges Umschlagen.

Andernfalls ist die Häufigkeit geringer und die weniger begünstigte Form erscheint nur für kurze Zeit.

Bei der nachfolgenden Abbildung kann der Betrachter die möglichen Ursachen für das Umkippen herausfinden. Man betrachte den Neckerschen Würfel möglichst nicht als Ganzheit, sondern fixiert der Reihe nach die Ecken der Abbildung im Uhrzeigersinn.
In diesem Versuch kann man die «spontanen» Veränderungen der Wahrnehmungsorganisation steuern, indem der visuelle Fixationspunkt verlagert wird. Man stellt dabei fest, dass seine Lage mit bestimmt, welche Alternative gesehen wird.

Diese Erscheinung allein reicht zur Erklärung nicht ganz aus. Häufig tritt das «Umkippen» völlig unbeabsichtigt auf.

Bei der weiteren Untersuchung dieses Phänomens hat man zwei weitere bekannte Mechanismen der Wahrnehmung zur Grundlage von Versuchen mit einbezogen.

 

2.2.2 Sättigung der Wahrnehmung

Die erste Annahme:
Die Ablösung alternativer Formen wird durch eine zunehmende Sättigung des Eindrucks bedingt.

Dazu sehen Sie einen Versuch im nebenstehenden Bild:

Fixiert man den Mittelpunkt des gelben Kreuzes oben links in der Abbildung eine Minute lang und schaut dann auf den Mittelpunkt des Achtecks unten in der Mitte, dann sieht man deutlich den »Propeller« im Vordergrund.

Um diese Änderung der Wahrnehmung noch deutlicher zu erfahren, wiederholt man den Versuch mit einer kleinen Änderung:

Man fixiert zuerst den Mittelpunkt des violetten »Propellers« oben rechts ca. eine Minute lang und schaut dann auf den Mittelpunkt des Achtecks unten. Jetzt erscheint das violette Malteser Kreuz im Vordergrund.

Neurophysiologen können diesen Effekt leicht erklären: Beim längeren fixierten Betrachten der isolierten Figuren entsteht eine Übersättigung der Retinazellen im Augapfel, was dazu führt, dass beim weiteren Betrachten geschlossener Figuren die zweite, weniger begünstigte Form unmittelbar auftaucht.

Auf Kippfiguren übertragen bedeutet das:

  1. Erreicht eine Sättigung beim Betrachten ein bestimmtes Niveau, so wird die erste Figur unterdrückt, und die zweite Form erscheint.
  2. Diese unterliegt ebenfalls der Sättigung und wird dann wieder von der ersten Form abgelöst.

Einen ähnlichen Effekt konnte schon des öfteren bei anderen Situationen erlebt werden. Fixiert man zum Beispiel für längere Zeit ein Wort, so beginnt es allmählich »sonderbar« auszusehen. Wir glauben, es wäre falsch geschrieben. Oder man wird plötzlich gefragt, wie ein Wort ausgesprochen wird. Man sagt es mehrere Male vor sich hin und überlegt. Dabei scheint sich das Wort zunehmend zu verändern. Es verliert seinen Inhalt und bekommt andere, z.B. eine rein akustische Wahrnehmungsqualität.

Bevor wir uns mit der zweiten Hypothese befassen, noch ein einfaches Experiment:

Hier sieht man einen weißen Kreis in einem schwarzen Feld, in der Mitte ist ein kleiner schwarzer Punkt, darunter ist ein weißes Feld.
Wenn man für längere Zeit den kleinen Punkt im weißen Kreis fixiert und danach auf das weiße Feld blickt, nimmt man dort einen dunklen Kreis auf weißem Grund wahr, obwohl real dort keiner abgebildet ist.

Diese Erscheinung ist hinreichend bekannt. Wenn man eine Weile in sehr helle Lichtquellen hinein gesehen hat und sich dann wegen der Blendung abwendet, sieht man immer noch für eine Weile die Form der Lichtquelle, meistens negativ in seinem Wahrnehmungsfeld. Der Eindruck verlöscht nach einer gewissen Zeit. Die Dauer bis zum völligen Verschwinden ist abhängig von der Intensität des ersten Eindrucks. Ähnliche Erscheinungen gibt es auch im akustischen Bereich.

Diesen Effekt nennt man Nachbild.

Bei fortgesetzter Darbietung eines Reizmusters verändern sich die Sinnesrezeptoren der Retina im Auge oder die sich anschließenden nervösen Funktionen, und zwar so, dass neue Reizmuster, die anschließend dargeboten werden, systematisch verändert wahrgenommen werden.

Hierzu folgen noch mehr Informationen im Abschnitt «Nachbild, Simultan-, Sukzessivkontrast»

 

2.3 Wahrnehmungsänderung bei Änderung das Reizmusters

2.3.1 Minimale Wahrnehmungsänderung

Wie bereits am Anfang des Kapitels 2.2 erwähnt, ist die Wahrnehmungsänderung nicht direkt proportional der Änderung das Reizmuster. Die Änderung in der Wahrnehmungsorganisation hängt im wesentlichen ab von der Gestaltung der sich ändernden Reizsituation. Dabei kann es durchaus zu sprunghaften Veränderungen kommen, obwohl die objektive Änderung des Reizmusters nur minimal ist.

Um Genaueres über die Änderungsqualitäten in der Wahrnehmung zu erfahren, wurde folgendes Experiment gemacht:
In einem verdunkelten Raum wird ein rotierender leuchtender Stab durch eine ellipsenförmige Öffnung beobachtet. Während der Rotation verändert also der sichtbare Teil des Stabes dauernd seine Länge. Auf der Netzhaut werden sich zwei wesentliche Veränderungen abbilden:

  1. die Lageveränderung des Stabes durch die Umdrehung,
  2. die Längenveränderung des Stabes, entsprechend dem Ellipsenausschnitt.

Der Beobachter nimmt in der Regel jedoch etwas völlig anderes wahr. Er wird den Stab beständig gleich lang sehen, wobei er jedoch in einer gekippten Ebene zu rotieren scheint.

Zwei kontinuierliche Änderungen in der Reizsituation werden in der Wahrnehmung zu einer kontinuierlichen Veränderung zusammengefasst, wenn die Änderungen im Sinne der «guten Form» erfolgen. Die Ellipse wird zum Kreisausschnitt, weil es die wahrscheinlichste Möglichkeit eines Gegenstandes oder Loches in einem Gegenstand ist. Siehe die neben stehende Abbildung.

Dieser Versuch lässt auch die Schlussfolgerung zu, dass die Veränderung der Wahrnehmungsgestaltung immer der Tendenz unterliegt, möglichst eine geringe Anzahl von Änderungen auftreten zu lassen.

Einige Teile eines wahrgenommenen Gegenstandes werden stärker beeinflusst als andere; einige Teile erscheinen überhaupt nicht verändert.
Das heißt: Nicht nur der Gesamtbetrag der Veränderung ist minimal, sondern auch die Zahl der Änderungstypen innerhalb der Wahrnehmungsorganisation.

Die Wahrnehmung folgt also stets der selektiven Vereinfachung, um möglichst schnell und direkt eine eventuelle Bedrohung zu realisieren und um entsprechende Flucht- oder Agressionsmechanismen aktivieren zu können. Auch dabei ist von Bedeutung, dass dieser im visuellen Bereich erforschte Mechanismus eine Grundregel für das Erfassen und sinnesorganische Wahrnehmen aller Säugetiere ist, dem der Mensch sich auch nicht durch Kenntnis des Vorganges entziehen kann, nicht einmal im psychosozialen Kontakt.

 

2.3.2 Wahrnehmungsänderung und Strukturstärke

Erinnern wir uns zunächst an die Faktoren, die stärkere oder schwächere Strukturen im Wahrnehmungsbereich begünstigen, ehe wir zum nächsten Prinzip kommen. Im Kapitel 2.1 sind einige Begünstigungsfaktoren erläutert worden.

Ein Wahrnehmungsgegenstand ist stärker organisiert, wenn die Reizgrundlage beträchtlich über der zugehörigen Wahrnehmungsschwelle liegt, wenn deutliche Konturen vorhanden sind, die plausible Bezüge ermöglichen, und wenn infolge der Gliederung oder Anordnung mehrere Gruppierungstendenzen wirksam werden können.

Darüber hinaus können Voreinstellung, vorausgegangene Erfahrung, emotionaler Zustand sowie die Motivation des Beobachters die Strukturstärke beeinflussen.
(Dazu Näheres im Kapitel 6.0 Psychologische Reizaunahme)

Ein einfacher visueller Versuch ermöglicht es, die Art der Wahrnehmungsänderung zu erkennen, wenn stärker und schwächer strukturierte Teile im Wahrnehmungsfeld verändert werden.

Ein Beobachter befindet sich in einem völlig abgedunkelten Raum. Vor ihm hängen zwei gleich große Luftballons, die gleichermaßen beleuchtet sind. (Siehe die Abb. vorhergehende Seite) Wird nun einer der Ballons allmählich weiter aufgepumpt, so wird das Abbild auf der Netzhaut des Beobachters entsprechend größer. Aber die Wahrnehmung spielt ihm hier einen Streich.

Er sieht nämlich nicht, dass die beiden Ballons am gleichen Platz bleiben, wobei einer davon größer wird. Stattdessen scheint der Ballon, der objektiv eine Vergrößerung durchmacht, langsam näher zum Betrachter zu kommen, ohne dabei seine Größe zu verändern.

Wie ist das zu erklären?
Die Informationsreize, die unter normalen Bedingungen das Schätzen von Entfernungen ermöglichen, sind aufgrund der Verdunkelung außerordentlich schwach.
Das bedeutet, die räumliche Lokalisierung der Ballons stellt einen schwach organisierten Teil des wahrgenommenen Gegenstandes dar. Dagegen sind die Reize, die eine Größenbeurteilung der beleuchteten Ballons ermöglichen, stärker organisiert.

Die Wahrnehmungsänderung erfolgt dann so, dass der stärker strukturierte Reiz unverändert bleibt und sich der schwächer strukturierte Reiz verändert. Oder anders gesagt: Beim Erfassen wird durch die Wahrnehmungsorganisation die Größe des Ballons konstant gehalten, während sich die Entfernung verringert.

Daraus wird folgendes Prinzip abgeleitet:
Unter sonst gleichen Bedingungen setzen stärker gestaltete Teile des Feldes einer Veränderung der Wahrnehmungsorganisation länger Widerstand entgegen als schwächer gestaltete.

2.3.3 Trennung von Teilreizen

Die Anpassung der Wahrnehmung an eine Reizveränderung wird oft durch die Trennung von Teilen des wahrgenommenen Feldes bewirkt.

Dazu sei folgendes Experiment empfohlen:
Nehmen Sie sich eine gleichmäßig grüne Fläche anstoßend dicht neben einem gleichmäßig rotem Feld mit gleichem Lichtwert für die Helligkeit.
Stellen Sie z.B. einen ca 15 bis 20 cm hohen Karton (am Besten in Mittelgrau) auf die Kontur zwischen den beiden Farben und halten ihn mit der Nase fest. Durch diese Versuchsanordnung wird dem einen Auge nur die Farbe Rot und dem anderen nur die Farbe Grün angeboten. Für die Augen ist eine direkte Mischung dieser beiden Komplementärfarben gleicher Helligkeit unmöglich. Darum werden Sie also eine Zeit lang Rot und eine Zeit lang Grün sehen. Aber Sie können beide Farben nicht zur gleichen Zeit sehen.

Können die auf die Netzhäute im Auge wirkenden Reize nicht leicht kombiniert werden, so wird zu jedem gegebenen Zeitpunkt nur ein Teil gesehen.
Sind die von beiden Teilen ausgehenden Reize annähernd gleich stark, so ist ein Oszillieren zu erwarten. (Erklärung: oszillieren – schaukeln, schwingen)

Dieses einfache Beispiel zeigt, wie von der vorhandenen Wahrnehmungsorganisation ein schwieriges Problem gelöst wird: Kann eine Vermischung nicht stattfinden, so ist offenbar die nächst beste Lösung, nach einander «jeder individuellen Organisationsform» ihre Chance zu geben.

Zwei Dinge werden durch diese simple Lösung erreicht:
Die Einfachheit der Gesamterscheinung wird aufrecht erhalten, dennoch werden beide Teile in ein in der Zeit ausgedehntes Ganzes eingeordnet.

Dieses Phänomen der zeitweiligen Aufteilung von Reizen in partiell Wahrgenommenes spielt in der Psyche des Menschen, also bei humanen, moralischen oder ethischen Wahrnehmungen oftmals eine beträchtliche Rolle. Man spricht dann sogar von der Verdrängung von Teilen des Wahrgenommenen, weil es sich nicht mit der inneren Wahrnehmung, mit bisherigen Vorstellungen oder Tabus (Gewissen) verträgt. Widersprüchliche Weltanschauungen oder Charaktereigenschaften werden jeweils nur nacheinander, also in die Zeit verteilt, erfahren und vertreten. Vielleicht ist das Jekyll-and-Hyde-Syndrom aus der Literatur (Novelle «Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde» von Robert Louis Stevenson) oder dem amerikanischen Kinofilm bekannt.

2.3.4 Sprunghafte Änderungen

Veränderungen in der Wahrnehmung sind zuweilen allmähliche, quantitative Änderungen der Eigenschaften von wahrgenommenen Gegenständen oder Verschiebungen der Beziehungen mehrerer Gegenstände zueinander. Häufig treten Veränderungen in der Wahrnehmung auch ganz plötzlich auf. Dabei sind sich die beiden Erscheinungsweisen gelegentlich so unähnlich, dass es schwer vorzustellen ist, wie dieser Unterschied nur durch eine geringe Veränderung an den Reizen ausgelöst sein konnte.

Solche «Sprünge» sind in der uns umgebenden Natur, wie auch im Bereich der Naturwissenschaften wohl bekannte Erscheinungen. Die bekannte Binsenwahrheit: «Ein Tropfen kann das Fass zum Überlaufen bringen» kennt eigentlich jeder. Das Prinzip, das sich dahinter verbirgt, findet sich in vielen psychosozialen Prozessen wieder.

Oft reichen geringe Umgruppierungen der Kräfte oder Informationen innerhalb einer Situation aus, das Gleichgewicht zwischen den Reizen radikal umzustoßen.

Die Umorganisation der Wahrnehmungsgestaltung tritt auch bei kleinen Veränderungen des Reizfeldes häufig als plötzliche, stufenweise Umformung auf.

Fortwährend muss der Mensch in einer enormen Informationsflut ungeordneter und teilweise widersprüchlicher Reize innerhalb und außerhalb von sich mit Hilfe des aktiven Bewusstseins und seiner Aufmerksamkeit Ordnung für seine Apperzeption zur Orientierung in der Selbsterhaltung herstellen. Dies erfordert die permanente Konstruktion einer gesicherten Wahrnehmungswelt. Dabei kann die Erfassung (ich sage hier bewusst nicht Sinneswahrnehmung, weil zum Selbstschutz auch Erfassungen gehören, die außersinnlich empfangen werden) der unterschiedlichen Reize und Anforderungen aus sämtlichen Sinnesorganen derart in Konflikt gebracht werden, dass sie völlig neue Wege beschreiten muss.
H. Wallach hat zu diesem Phänomen weitere Untersuchungen durchgeführt.

Es ist in unserem Sprachgebrauch üblich, bei dieser Veränderung der Wahrnehmung von einer «schöpferischen» Umgestaltung zu sprechen, und zwar deshalb, weil die Neuorganisation nicht schon vorher im Repertoire des Beobachters enthalten war. Die Neugestaltung wird zum ersten Mal als Ergebnis der Notwendigkeit auftreten, eine vorliegende Reizsituation als bedeutungshaltig anzusehen, oder in einer sich stark widersprüchlichen Reizsituation zu einer annehmbaren Gleichgewichtssituation zu kommen. Das verbirgt sich auch hinter der Volksweisheit: «Die Not macht erfinderisch!» Darüber hinaus aber gleicht die neue Wahrnehmungsstruktur die angebotenen Informationen auf ebenso ökonomische wie elegante Art und Weise an.

Das kreative Wahrnehmen kann, wie gesagt, plötzlich, absichtslos und ohne deutliches Bewusstsein der Einzelheiten des Prozesses auftreten.

2.2 Zusammenfassung

Wann eine Figur zur »Kippfigur« wird, hängt von der Form ab, die eine mehrdeutige Interpretation zulässig macht. Ist die Figur so aufgebaut, dass beide Ansichtsmöglichkeiten gleichermaßen leicht wahrnehmbar sind, so erfolgt ein relativ häufiges Umschlagen.

Beim Betrachten der isolierten Figuren wird eine Übersättigung der Nervenzellen erreicht, was dazu führt, dass beim Sehen gechlossener Figuren die zweite, weniger begünstigte Form unmittelbar auftaucht.

Bei fortgesetzter Darbietung eines Reizmusters verändern sich die Sinnesrezeptoren oder die sich anschließenden nervösen Funktionen, und zwar so, dass neue Reizmuster, die anschließend dargeboten werden, systematisch verändert wahrgenommen werden.
Um die Übersichtlichkeit zu verstärken tendiert die Wahrnehmungsgestaltung dazu, möglichst wenige Änderungen auftreten zu lassen.

Ein Wahrnehmungsgegenstand ist stärker organisiert, wenn die Reizgrundlage beträchtlich über der zugehörigen Wahrnehmungsschwelle liegt, wenn deutliche Konturen vorhanden sind, die Bezüge ermöglichen, und wenn infolge der Gliederung oder Anordnung mehrere Gruppierungstendenzen wirksam werden können.
Unter sonst gleichen Bedingungen setzen stärker gestaltete Teile des Blickfeldes einer Veränderung der Wahrnehmungsorganisation länger Widerstand entgegen als schwächer gestaltete.

Können die wahrgenommenen Reize nicht leicht kombiniert werden, so wird zu jedem gegebenen Zeitpunkt nur ein Teil vom Reizmuster gesehen, oder es kommt zur Oszillation.
Die Einfachheit der Gesamterscheinung wird stets aufrecht erhalten, dafür werden die Teile der Wahrnehmung in ein in der Zeit ausgedehntes Ganzes eingeordnet.

Veränderungen in der Wahrnehmung sind oftmals allmähliche, quantitative Änderungen der Eigenschaften von wahrgenommenen Gegenständen oder Verschiebungen der Beziehungen mehrerer Gegenstände zueinander.
Die Umorganisation der Wahrnehmungsgestaltung kann bei Veränderung des Reizfeldes auch häufig als plötzliche, stufenweise Umformung auftreten.

 


Nächstes Kapitel: 3.0 Räumliche Wahrnehmungkriterien

1.0 Reizaufnahme

1. Reizaufnahme

Die erste Grundregel: Keine Wahrnehmung beginnt ohne vorherige Informationsaufnahme und Speicherung. Oder anders ausgedrückt, der Wahrnehmende ist stets im voraus bereits eingestimmt, von empfangenen Informationen unterschiedlicher Art vorgeprägt, mit zahllosen Vorstellungen ausgerüstet und vielen Erwartungen angefüllt. Er kann immer nur das wahrnehmen, was sein aktuelles Setting zulässt, was seine Konditionierung bereits an Aufmerksamkeit vorbereitet hat. So wird das Wahrgenommene in einen Kanon aus Definitionen eingebettet, damit es dem Tagesbewusstsein zur Verfügung gestellt werden kann.

Und die Bestimmung der aufgenommenen Reize ist ein Bestandteil des Erfassens, das als ein automatischer Prozess des Aufnehmens angesehen werden muss. Oder wie Goethe es passend formuliert: «Indem wir sehen, urteilen wir bereits.»

Oder anders gesagt: Jede sinnesorganische Erfassung von Reizen ist eingebettet in bereits gespeicherte Informationen, die das Sinnesorgan und alle nachfolgenden neurologischen Prozesse steuern. Das „Blatt“ Mensch ist bereits beschrieben, bevor es als unschuldiges Baby aus dem Mutterleibe schlüpft, denn der kleine Körper steuert sich von diesem Augenblick an bis zu einem gewissen Grade völlig autonom, also aus eigenen «Datensätzen». Damit der Mensch „leben“ kann, muss er grundsätzlich mit einem lebendigen «Programm» handlungsfähig für sein Überleben ausgestattet sein.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


Dieses Grundprogramm wurde von vielen materiell orientierten Wissenschaftlern vergeblich in den Genen und auch im Zellplasma gesucht. Längst besteht bei einigen aufgeschlossenen Wissenschaftlern die Hypothese, dass viele Informationen für das Dasein und die Erfassung der Umwelt in einem vorprogrammierten Gedächtnis des Zellkörpers abgerufen werden. Aber wie und warum die Informationen in der Zelle abgerufen werden, also warum das Baby wirklich lebt, scheint in einer anderen Dimension zu finden sein. In der indischen Philosophie und ihrer Religion findet man den Begriff des Karma, das sich im Laufe einiger Inkarnationen des Menschen ansammelt, und das jedes nachfolgende Leben dominiert. Zu diesem Modell der Inkarnation der Menschen gehört dann auch die Ansicht, dass der Mensch ein Mikrokosmos ist, eine Welt im Kleinen im bezug zum Kosmos. Dieses Wesen hat mehrere Gedächtnisspeicher, wobei das Karma der Gesamtspeicher des aurischen Wesens ist, das den Mikrokosmos belebt.

Wie bekommt der kleine Mensch diese Informationen? – Woher stammen sie?
Sicher ist die Genforschung im Recht, wenn sie die molekulare Vererbung zitiert. Aber in welchem Gen hat z.B. ein Vogel die Art des typischen Nestbaues gespeichert, den er einmal geschlechtsreif geworden, völlig selbstverständlich nachvollzieht, als hätte er es irgendwo abgekupfert? – Auch die Vögel leben in einem kleinen Kosmos aus feinstofflichen Kräften, einem sogenannten Gruppengeist, der natürlich alle Belange der Gattung bzw. Tierfamilie aufzeichnet. Für den Menschen ist es die Lipika im aurischen Wesen, ein feinstofflicher Speicher im Mikrokosmos, der die Person, den stofflichen Menschen als sein Werkzeug für weitere Erfahrungen in seiner Evolution adoptiert hat.

Die unbewusste Weitergabe bestimmter Charakter- oder Wesenseigenschaften, die immer mit der Speicherung wichtiger Gedanken- oder Verhaltensstrukturen einher gehen, ist naturwissenschaftlich nicht endgültig geklärt. Die Beiträge der Geisteswissenschaftler der esoterischen Szene zu diesem Thema werden in der Regel von den anderen materialistisch orientierten Wissenschaftlern und Medienmachern hartnäckig ignoriert. Niemand wird es bezweifeln, auch der Guru in Indien nicht: Normalerweise ist der Mensch jeden Augenblick von einer unüberschaubaren Zahl physikalischer und psychologischer (unstofflicher) Reize sowie Informationen umgeben und angefüllt, die permanent von seinen fünf oder sechs Sinnesorganen verarbeitet werden müssen.

Nehmen wir für die Erläuterung der Wahrnehmungsprozesse zunächst ein märchenhaftes Beispiel :
Ein Mädchen sitzt auf einer mit Blumen übersäten Wiese. Es sieht mit seinen Augen einen Teil dieser Wiese und hält in der Hand eine Blume. An seine Ohren klingt das Singen der Vögel. Es riecht das frische Gras und den Duft der Blüten und der nahe stehenden Bäume. Die strahlende Wärme der Sonne verstärkt alle Gerüche der Erde und der Pflanzen. Es fühlt die raue Oberfläche der Gräser und der leicht feuchten Erde, auf der es sitzt, und schmeckt die duftgeschwängerte Luft. Sein subjektives Lebensgefühl ist in dieser Umgebung mit großer Freude erfüllt.

Nun, dieses Beispiel ist sehr malerisch. Nehmen wir noch ein anderes:
Auf einer Strassenkreuzung in London-City oder Neu-Delhi wäre das Mädchen von einem Chaos von Sensationen umgeben und durchgeschüttelt. In diesem Durcheinander zahlloser aggressiver Informationen könnte sich der Mensch nie zurecht finden, würde er die vielfältige Sinnesreizung rein passiv aufnehmen und in vollen Umfang mit allen Details seinem Erfassen zuleiten. Darum ist es eigentlich sehr sinnvoll eingerichtet, dass zwischen dem Empfang der Sinneseindrücke und dem Empfang des Abbildes im Erkennen sowohl ein physiologischer als auch ein psychologischer Kontrollmechanismus eingeschaltet ist. Denn das Mädchen benötigt für seinen Auftrag, ein bestimmtes Haus zu erreichen, nur einen Bruchteil der Informationen, die hier im Großstadtgewirr aktiv unterwegs sind. Damit es sich nicht verirren kann, werden die unwesentlichen Informationen einfach über den Regelkreis «unwichtig» ausgeblendet. Es sei denn, es sind im Strom der Bits einige «Schlüsselreize» eingebettet, auf die der Mensch reagieren muss.

Doch wo und wann wurde dieser Kontrollmechanismus eingerichtet und konditioniert? –
Kommt der Mensch nicht bereits damit zur Welt?

Bevor die psychologischen Denkansätze mit den philosophischen Grundlehren in
Streit geraten, macht es Sinn, sich erst einmal mit den einfachen Wahrnehmungs-
strukturen zu befassen und ihre ureigenen Mechanismen durch einige Experimente zu untermauern.

Die Diskussion um die prinzipiellen Grundstrukturen, warum sie so sind und in welcher Entwicklungsstufe des Menschen sie eingerichtet wurden, kann dann später in einer geruhsamen Runde stattfinden, weil das Handwerkszeug von allen gekannt wird. Gerne werde ich mich diesem Gedankenaustausch widmen, weil im Grunde gerade dieses Thema die erzkonservativen Mechanismen beleuchtet und warum sie den Menschen derart im Bann halten.

Betrachten wir als erstes die Grundstrukturen der Reizaufnahme.

Dies ist notwendig, weil der allererste Beginn der Wahrnehmung – bei ganz präzisem Hinsehen – dort liegt, wo der Reiz – der ja ‚a priori‘ eigentlich noch keiner ist – auf das Sinnesorgan trifft, wo er erst durch seine Aktivität – dem Reizen der Empfangszelle – zu dem wird, wovon er seinen Namen hat.

Doch vorher noch ein paar Gedanken zu diesem allerersten Beginn.
Wir sagen: Ich sehe eine Blume. Und damit sprechen wir über einen vollkommen aktiven Vorgang, so wie: ich baue einen Tisch. Diese aktive Version ist so in unsere Sprache übernommen worden, als ob die Wahrnehmung keineswegs passiv abläuft, wie wir es jedoch grundsätzlich erfahren.

Betrachten wir dafür den Vorgang des Sehens einmal ganz präzise: Das Licht wird durch die Linse im Auge fokussiert und erreicht darum punktgenau die Netzhaut, wo das Abbild über die Sensoren zu Nervenimpulsen verarbeitet wird. (Genaueres bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Netzhaut) Das Empfangen von Lichtbildern wird in unserer Sprache zum «aktiven» Sehen oder Schauen oder Betrachten.
Unsere Sprache weist uns auf ein Phänomen hin, das in einigen anderen Zusammenhängen noch besprochen werden soll, nämlich die menschliche Aktivität in dem Prozess, auch wenn wir sie nicht bewusst erfahren. Die Sinnesreize und ihre Bedeutung erreichen uns nur, wenn wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Sinnesorgane auf diese Sensationen lenken. Tun wir das nicht, wird unser Tagesbewusstsein nichts passiv erreichen. Inwieweit auch diese Aussage zu relativieren ist, ergibt sich aus den entsprechenden Textassagen.

Die zweite Grundregel der Wahrnehmung wird im Allgemeinen gerne übersehen oder als wenig bedeutend nur am Rande zur Kenntnis genommen: So wie es keine Farbe ohne Form, oder umgekehrt keine Form ohne Farbe gibt, ebenso wenig gibt es eine Information ohne ein Umgebungsfeld mit zusätzlichen Definitionen.

Wir möchten es hier präzisieren:
Jede räumliche Wahrnehmung visueller Art ist selbstverständlich auch in die Zeit eingebettet, ebenso wie jeder Ton und jedes Gefühl in einem Raum erklingt. Alle menschlichen Ereignisse sind also im normalen Leben stets von mehreren Parametern unserer Dimensionalität mitbestimmt. Das sind immer Raum, Zeit, Klang und Gefühl bei der Sensation sowie subjektive Aufmerksamkeit, also aktive Sinnesorgane und Hinwendung.

In den physiologischen Experimenten der Wissenschaftler, werden beim technischen Aufbau der Versuche große Anstrengungen unternommen, um bekannte Störfaktoren auszuschalten und auch notwendige begleitende Erscheinungen weg zu interpretieren.

Die Reizaufnahme, Wahrnehmung, ist also ein recht komplexer Prozess, in den eine Reihe automatisch ablaufende Vorgänge eingreifen, die sowohl vom Setting des Rezipienten als auch vom Zustand der Umgebung im Raum abhängig sind.

1.1 Physiologische Reizaufnahme

Wer sich ernsthaft mit den Komponenten der Wahrnehmung befassen will, gerät in das höchst komplexe Grenzgebiet zwischen den beiden Wissenschaften Physiologie (Lehre von den normalen Lebensvorgängen) und Psychologie (Lehre von den Erscheinungen und Zuständen des bewussten und unbewussten Seelenlebens) sowie der Esoterik (Beschreibungen transpersonaler Vorgänge). Wer schon ein wenig über die einzelnen Vorgänge seiner Sinnesaufnahme kennengelernt hat, kann sein eigenes Verhalten als Reaktion auf die Information aus seiner Umgebung möglicherweise besser korrigieren, als jemand, der völlig unbewusst im Reizschema steht.

Kehren wir dazu zum angeführten Beispiel «Mädchen auf der Wiese» zurück. Das Mädchen sieht die Blumen auf der Wiese, d.h. die Blumen mit dem Ausschnitt der Wiese werden auf der Netzhaut des Mädchens abgebildet. Die dort wirkenden Zellen, Zäpfchen für Hell-Dunkel und für die Farben Grün – Blau – Rot empfangen das Licht, das durch die Linse des Auges fällt. Hier werden unterschiedliche Zäpfchen auf der Retina gereizt, die für Farben oder für Hell-Dunkel zuständig sind. Diese Zäpfchen werden erregt. Sie wandeln die empfangene Menge Lichtenergie für den Transport des Lichtimpulses in den Nerven teils in chemische, teils in elektrische Energie um.

(Abbildung aus Wikipedia )
Nervenzelltypen der Netzhaut schematisch.
Das Licht fällt von links ein,
weiß unterlegt die zellkernreichen Schichten.
v.l.n.r.: weiß: Ganglienzellen und ihre Axone,
grau: innere plexiforme Schicht,
weiß: amakrine Zellen, bipolare Horizontalzellen,
gelb: äußere plexiforme Schicht,
weiß: Fotorezeptoren, hellbraun: Fotorezeptoren und Außensegmente

Vereinfacht dargestellt: In den Zäpfchen «sterben» beim Sehen dafür aufgestapelte Zellplättchen in den Fotorezeptoren. Diese dadurch verursachte chemische Veränderung in den Zellen wird über den Rezeptor an die Nerven weitergegeben. Die Nerven leiten diese minimale Reizung, also als «Qualität und Quantität des Lichtes» an das zuständige Areal im Gehirn. Dort gelangen diese Informationen zunächst in das Ultrakurzzeit-Gedächtnis, und zwar als elektromagnetische Schwingungen innerhalb eines virtuell chemisch-elektrischen Reiz-Reaktionskreises. Mit diesem Informationsstrom werden dann nach dem isobaren Resonanzprinzip bereits vorhandene Erinnerungen sowie Reize aus anderen Sinnesorgane verbunden. Das ist der Übergang zum Gedächtnisbereich, in dem laut Frederic Vester und anderen Physiologen Molekülketten aufgebaut werden, die dann in dem Gehirnteil gespeichert werden, das dem Langzeit-Gedächtnis zugeordnet wird. (Näheres dazu findet sich bei F. Vester, dva Öffentliche Wissenschaft, Stuttgart, 1975) Diese Beschreibung der visuellen Wahrnehmung ist zunächst rein mechanistisch physiologisch gesehen. Geisteswissenschaftlich stellt sich dieser Vorgang der sinnesorganischen Wahrnehmung etwas anders dar, denn es ist insgesamt vor allem ein ätherischer Vorgang.

1.2 Psychologische Wahrnehmungsgestaltung

Bei dem zitierten Beispiel ist der psychologische Mechanismus noch leicht zu erkennen. Stellen wir uns die Situation noch einmal vor:
Das Mädchen sitzt auf der Wiese. Es ist von unterschiedlichen schönen Sinnes- reizen umgeben, und dennoch nimmt sie im Moment nur eine Blume wahr. Die Pupille des Auges ist so eingestellt, dass eben nur diese eine Blume scharf auf der Netzhaut abgebildet wird. Das bedeutet: aus irgend einem inneren Grund hat das Mädchen seine Aufmerksamkeit gerade dieser Blume zugewendet. Dieser Vorgang ist allerdings nur psychologisch beschreibbar. (Mehr darüber im Kapitel «Aufmerksamkeit») Allerdings werden auch die anderen Sinneseindrücke das Gesamtereignis und seine Rezeption deutlich beeinflussen, auch wenn ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Eines wird dabei ganz deutlich:
Die Wahrnehmung ist ein Prozess, bei dem die Sinnesorgane vom Empfang bis zur Reizweiterleitung von bereits gespeicherten Informationen gesteuert werden. Diese werden bewusst, also absichtlich oder unbewusst beeinflusst. In jedem Falle sind neben rein äußerlichen Faktoren auch irrationale oder psychologische Ebenen beteiligt. Man muss sich darüber klar sein, dass eine Vielzahl psychologischer Aspekte das Ergebnis der Reizverarbeitung bestimmen.

Demnach ist Wahrnehmung eine durchaus aktive Verhaltensweise und dazu eine sehr komplexe Leistung. Um dieses noch deutlicher zu machen, ist es sinnvoll, das Wort «Wahrnehmungsgestaltung» oder den Begriff «Wahrnehmungsorganisation» zu benutzen. Oft wird bei der Diskussion über die Sinnesorgane das Gleichgewichtsorgan im Ohr vergessen, das z.B. beim Empfinden von Beschleunigungen wirksam wird. Und man unterschlägt auch gerne, dass alle Lebensvorgänge im Körper von Empfindungen und von Reizungen unzähliger Nervenzellen, von subjektiven Gefühlen des Druckes und der Temperatur begleitet werden, die in ihrer Leitfähigkeit auch von unbewussten Determinanten beeinflusst werden.

Darüber hinaus sollte man auch berücksichtigen, dass Sinneseindrücke niemals eine Momentaufnahme in einem Vakuum ohne jeden Sinnesreiz sind, sondern sie bestehen – natürlich in unterschiedlicher Menge und Strukturierung – immer in einem Ablauf von Zeit und in einem strukturierten Raum. Wenn man sich diesen Umfang von Sinneseindrücken in ihrer Gesamtheit einmal vorstellt, dann ist es leicht zu begreifen, dass es schon einer hervorragenden Organisation oder Gestaltung der Wahrnehmung bedarf, damit der Mensch in komplexen Lebenssituationen überlebens- und handlungsfähig bleibt.

Diese Vorgänge erfolgen in der Regel spontan, ohne Leitung des Bewusstseins, schneller und mit größerer Zuverlässigkeit, als es absichtliche Überlegungen erlauben würden. Darüber hinaus kann der Mensch natürlich seine Wahrnehmung in gewissen Grenzen willentlich beeinflussen. Er kann zum Beispiel seine Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Detail im Gesamtfeld aller ihn umgebenden Reize konzentrieren. Man kann auch nach spezifischen Bedeutungen suchen. In vielen Fällen wird man eine besondere Wahrnehmungsgestaltung absichtlich im Sinne eines vorgenommenen Zieles hervorrufen. In sehr vielen Phasen des Lebens wird von der Person keine absichtliche Wahrnehmungsgestaltung angewendet, weil sie sich in der Abwicklung von Routineprozessen befindet, die keiner genauen Betrachtung bedürfen, weil die zugehörigen Abläufe vielfach trainiert wurden.

Viele Experimente zur Wahrnehmung finden vor allem in Labors statt, in denen durch besondere Anordnungen des Versuchs gezielt störende Wahrnehmungsinformationen ausgeschaltet werden, um eine einzelne Reaktion statistisch relevant beurteilen zu können. Dabei wird jedoch oft und ohne bewusste Kontrolle das psychologische Setting der Testpersonen ignoriert. Aber Sie wissen es selbst aus eigener Erfahrung, dass z.B. die gesundheitliche Konstitution oder Ärger, Zorn, Eifersucht und Neid, oder ein fundamentales primäres Bedürfnis die Wahrnehmung erheblich verändern kann. Dabei sollten auch die Auswirkungen des morphogenetischen Feldes, wie es von Rupert Sheldrake beschrieben wurde, berücksichtigt werden.

1.3 Bedeutung der Wahrnehmungslehre

Warum befassen sich viele Psychologen, Soziologen, Pädagogen, Werbestrategen und Medien-Designer mit diesem komplexen Bereich?
Unter vielen anderen Gründen scheint eine Tatsache besonderes wichtig zu sein:
Wie der Mensch sich verhält, hängt zum großen Teil davon ab, wie er die ihn umgebende Welt erfassen kann. Also alle Lebensreaktionen des Menschen auf seine soziale, humane, technische und natürliche Umwelt sind eingebettet in ein Feld von Wahrnehmungen, die er selbst aktiv oder unbewusst auswählt und damit gleichzeitig durch eine vorgeprägte Organisation seiner Sinnesorgane bestimmt. Viele Faktoren liegen allerdings in seiner wesensmäßigen Prägung.

Also Charakter, Rasse und soziales Umfeld und seine aktuelle physiologische als auch psychologische Konstitution bzw. Absichtseinstellung sind mitbestimmende Kriterien, wie und was wahrgenommen und wie es im Menschen verarbeitet wird.

Es ist demnach in einem gewissen Rahmen möglich, aus den Beschreibungen dessen, was und wie der Mensch wahrgenommen hat, und aus seinen definierbaren Reaktionen darauf, auf sein künftiges Verhalten zu schließen. Auch wird immer wieder versucht, durch besondere Reize für die Wahrnehmung, das Verhalten des Menschen zu beeinflussen, so wie es durch Propaganda oder Werbung in Medien und Internet, durch Massenveranstaltungen, sei es kultureller, sportiver, politischer oder religiöser Art permanent ausgeführt wird. Auch die stete zwischenmenschliche Kommunikation innerhalb der Gesellschaft zwischen Nachbarn, Partnern oder Familienmitgliedern bedient sich fortwährend der selben Mechanismen. Wie eingangs beschrieben, ist der Vorgang der Verhaltensstimulierung durch Wahrnehmungsreize jedoch recht komplex, dass man nicht von einer direkten Rückkopplung auf das Verhalten sprechen kann. Die totale Verflechtung meist nicht ganz erforschter psychologischer und physiologischer Vorgänge bei der Wahrnehmung stören nicht nur den Werbefachman und den Propagandastrategen, sondern erschwert natürlich auch den empirischen Zugang zu einzelnen Vorgängen in der Arbeitswelt oder der Führung von Besucherströmen in großen Städten, auf Bahnhöfen oder Flughäfen.

Eine zusätzliche Barriere für die genaue wissenschaftliche Untersuchung ist das Zusammenwirken mehrerer Sinnesorgane, auch Synästhesie genannt. So ist für das Mädchen auf der Wiese das Bild der Blume unlösbar verknüpft mit dem Singen der Vögel und dem Duft nach frischem Gras und ihrem aktuellen Zustand des Verliebtseins. Es konnte noch nicht endgültig geklärt werden, wie weit sich dabei die Wahrnehmungen der Sinnesorgane gegenseitig verstärken oder abschwächen. Eine ganze Reihe von Erfahrungen konnten schon beim Zusammenwirken von Farben und Musik zusammen getragen werden.

Bei der Durchführung von Happenings, Sessions oder Events bedient man sich zunehmend der Steigerung der Sinneseindrücke durch gezieltes Zusammenspiel von Farben und Formen sowie Farben plus Licht und Bewegung gekoppelt mit der eigenen Aktion des Körpers, wie es in vereinfachter Form in jeder Diskothek zu finden ist. Überall wo viele Menschen mitwirken, ist natürlich auch der olfaktorische Reiz (der Geruch) mit einbezogen, was in seiner Dominanz nicht zu unterschätzen ist. Wer sich einmal mit dem Thema Massenpsychose beschäftigt hat (Le Bon), dem erklären sich auch die grandiosen Wirkungen religiösen Feiern, Prozessionen oder politischer Machtdemonstrationen und bei großen Demonstrationen.

Diese Einführung in die Wahrnehmung versucht ganz vorsichtig, die Vorgänge und Erscheinungen zu umreißen, die zur Zeit erforscht wurden, wobei der Schwerpunkt in dieser Zusammenstellung der bekannten Daten auf der visuellen Wahrnehmung liegt. Es ist für jeden Informatiker und Designer, ganz gleich welcher Kategorie, von großem Vorteil, diese Wahrnehmungsphänomene etwas genauer zu kennen, auch wenn das kreative Potential meist im Unterbewusstsein verborgen ist, das keinen rationalen Zugriff zulässt. Jeder Gestalter hat die Möglichkeit, wenn er sich der wichtigsten Faktoren bewusst ist, diese für seine Arbeiten gezielt einzusetzen, bzw. seine Kreation so vorzunehmen, dass z.B. bestimmte optische Täuschungen oder andere Wahrnehmungsphänomene geschickt den Aufmerksamkeitswert steigern oder durch ihr Auftreten die Kommunikation behindern können. Damit erreicht er sicherer, dass seine Gestaltungen so aufgenommen werden, wie es von ihm beabsichtigt war.

1.4 Wahrnehmung und Bewusstsein

Wer sich konkret mit den Phänomenen der Wahrnehmung befassen will, ist eigentlich gezwungen, sich des Themas „Bewusstsein“ einmal etwas genauer anzunehmen, denn jede Wahrnehmung wird im Bewusstsein des Wahrnehmenden aufgerufen, sei es nun Mensch oder Tier oder Pflanze.

Beginnen wir mit einigen prägnanten Fragen
Wie benimmt sich Bewusstsein, wie arbeitet es?
Was transportiert das Bewusstsein?
Ist das Bewusstsein etwas substanzartiges oder etwas energetisches? – Wenn ja, was?
Wer hat Bewusstsein? – Kann man es überhaupt besitzen?

Es ist schon erstaunlich, wenn die Düsseldorfer Neuropsychologin Petra Stoerig schreibt: «Das einzige, was ich sicher weiß, ist, dass ich selbst bei Bewusstsein bin. Und dann kann ich natürlich vermuten, mein Gegenüber hat das wahrscheinlich auch. Aber nachweisen kann ich das letztlich nicht.»
Warum empfinden wir Lichtwellen als Farben, und Schallwellen als Töne?
Warum sehen wir langwelliges Licht als «Rot», und kurzwelliges als «Violett»?
Der Berliner Philosoph Peter Bieri macht den Rahmen der wissenschaftlichen Unkenntnis zu diesem Phänomen anhand eines Gedankenspiels deutlich: «Selbst wenn wir einen genauen Einblick in das Gehirn gewönnen, selbst wenn wir genau beobachten könnten, wie die Neuronen auf welche Reize reagieren, würde uns dies bei dieser Untersuchung keinen Schritt zu der Erkenntnis dessen voranbringen, was wir so schlechthin Bewusstsein nennen.»

Die meisten Wissenschaftler, die sich mit den Fragen des Bewusstseins und der Wahrnehmung beschäftigen, sind im Grunde ihres Seins unverbesserliche Materialisten. Darum suchen sie mit den ihnen vertrauten Bildern ihrer Umwelt, die natürlich der materiellen Empirie entliehen wurden, nach einer Konkordanz mit dem, was eigentlich nicht materiell sein kann.
Wahrnehmung und Bewusstsein entfalten sich und vermitteln sozusagen zwischen den menschlichen Vorstellungen oder Erinnerungen, auch abstrakter Art, wie z.B. Zuneigung, Hass, Liebe, Eifersucht etc. und den aktuellen Empfindungen der inneren Wahrnehmung, meist unterbewusst, und zwischen allen sinnesorganischen Registrierungen.
Dabei sollte das Erinnern, Denken oder Bedenken eigentlich auch als eine Art sinnesorganische Wahrnehmung angesehen werden, an der das Bewusstsein direkten Anteil hat. Und das ist, wie alle reifen Menschen bestätigen werden, völlig immateriell, obwohl es im Körper mit organischen und zellulären Reaktionen verbunden erfahren wird. Und nur darum wird das Erfassen von den Empirikern als eine Eigenschaft der Materie angesehen, wie so eine Art Reflektion der Oberfläche.
Tatsächlich findet wohl ein Teil der Informationsleitung zwischen den Sinnesorganen und den Gehirnarrealen tatsächlich rein materiell statt. Aber die Erkenntnisstruktur, warum z.B. Grün nun einmal Grün ist und nicht Rot, oder ein Ton ’a eben nur dieser Ton und kein anderer ist, dass sind virtuelle Bestimmungen, geboren aus dem Zusammenleben in einer Kultur. Diese Übereinkünfte entstammen einem unstofflichen Lebensbereich, der mit dem materiellen Dasein koexistiert.

Eine weitere Frage ist weiterhin von eminenter Bedeutung für den europamerikanisch erzogenen Menschen:
Hat der Mensch, der Körper das Bewusstsein, ist er selbst sozusagen der Besitzer der Bewusstheit?

Es ist die Regel aller westeuropäischen Philosophie, dass die Bewusstheit,  ja das Leben selbst, eigentlich vom Menschen ausgeht, dass es ihm innewohnt. Die Umwelt nimmt er mit seinen Sinnesorganen wahr, die der Mensch besitzt. Und es gibt heute in der Quantenphilosophie sogar Philosophen, die die Behauptung aufstellen, nur weil der Mensch die Welt wahrnimmt – er sie also misst – wird die Welt existent, wahrnehmbar.
Bereits Theillard de Chardin versuchte in einem seiner hervorragenden Bücher «Le Phénomène Humain – Der Mensch im Kosmos» folgendes zu dokumentieren: «Jedes Materieteilchen besitzt ein Geistteilchen. Die Summe dieser Geistpartikel repräsentiert in seinem Denken Gott, den Gott dieser Welt.» Doch – es sei hier nur am Rande bemerkt, denn es gehört in ein anderes Lehrgebäude – Geist ist unteilbar, er ist immer und überall unabhängig von jeder anderen Offenbarungsqualität.
Damit wird dann eigentlich auch deutlich, dass Bewusstsein einer anderen Dimension angehört. Es kann sich im Stoff manifestieren, ist aber keine materielle Qualität, sondern eine metaphysische, die allerhöchstens mit psychologischen Denkmodellen angedeutet werden kann.

Dabei ist jedoch ganz deutlich der prinzipielle Fehler der westlichen Wissenschaftler zu erkennen. Die Materie bringt nicht das Geistige hervor, oder das Bewusstsein oder wie auch immer. Wie eigentlich jeder einigermaßen gebildete Mensch leicht feststellen kann, werden wir in unserem Leben von den Inhalten unseres Denkens und Fühlens bewusst oder unbewusst gelenkt. Oder sehen Sie das immer noch anders?

Der Gedankenfehler liegt bei vielen Wissenschaftlern – Neuropsychologen und Informatiker –, also in der Definition oder Kategorisierung dessen, was unter Bewusstsein verstanden werden darf. Warum kann man von einem Gedankenfehler sprechen?
Die Grundprägung unseres Wesens oder Charakters basiert auf den Wahrnehmungen zur Selbsterhaltung des Körpers und den damit verbundenen materiellen Erfahrungen im Kleinkindesalter, die von den unterbewussten Überlebensstrategien des heranwachsenden Menschen geprägt sind. Dies führte zu der logischen Schlussfolgerung, die im kindlichen Langzeitgedächtnis abgespeichert und dem Heranwachsenden von allen Erziehern immer wieder erneut bestätigt wird, dass das Leben vor allem ein Überlebenskampf, ein Ringen mit der unbarmherzigen materiellen Umgebung ist. Dabei wird in der westlich-christlichen Kultur wie selbstverständlich die karmische Vorprägung aus früheren Inkarnationen übersehen. Derartige Gedanken wurden schon bei einem kirchlichen Konzil um 333 n.Chr. mit dem Bannfluch belegt.

Auch darum stellt sich heute im Zeitalter der maschinellen Fortschrittstechnik die Fortbildung aller Menschen in etwa so dar:
Die Schulbildung ist zu einer Vorbereitung für den Arbeitskampf geworden, um so den beruflichen Anforderungen gewachsen zu sein. Bildung, Ausbildung, Studium und Forschung sind Strategien für den Überlebenskampf, Selbsterhaltung, Arterhaltung, Systemerhaltung.

Die Pädagogen aller Lehranstalten führen die heranwachsenden Kinder in die totale Befestigung dieses Irrtums: alles ist Materie, die Materie ist der Ursprung allen Seins. Seit Aristoteles, Bacon und Isaak Newton bis zu Einstein, ist nur die von jedem Menschen nachprüfbar wahrnehmbare Empirie die Wirklichkeit der Natur und des Lebens. So kann dann Pawlov mit einigen Experimenten darstellen: Gefühle, Gedanken, Empfindungen sind eine Reaktion auf materielle Reize, und alle Behavioristen folgen seinem Denken. Jedoch beginnen sich die Zeiten zu ändern. Viele moderne Philosophen, die sich sowohl mit den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch mit neuen Erkenntnissen indischer Maharishis befasst haben, erlauben sich, ein esoterisch spirituelles Weltbild vorzustellen, in dem unstoffliche Kraftwirksamkeiten, ein Akashafeld oder ein PSI-Feld von großer Bedeutung sind.

Es lohnt sich, über die Frage, warum sich das so entwickelt hat, tiefer nachzudenken. Zunächst kann man sagen: weil die physikalischen, biophysikalischen, chemischen und atomaren Experimente auf die materiellen Messgeräte abgestimmt durchgeführt werden, können nur materielle Auswirkungen wahrgenommen und begutachtet werden. Von den Ergebnissen dieser einseitigen Experimente, die auch noch auf den Ergebnissen der Gedanken aller Mitwirkenden beruhen – was auch bedenkenlos zugegeben wird (morphogenetisches Feld von Rupert Sheldrake) – werden dann konkrete Modelle der Schöpfung geschaffen. Das sind natürlich Gedankenmodelle, in denen völlig immaterielle Kraftfelder ihre Wirkung entfalten.

Nach Aussage der westlichen Wissenschaftler bleibt Bewusstsein also eine Eigenschaft der Zellen, genau gesagt der Nervenzellen im Gehirn, also eine Art Produkt der materiellen Organe. Es scheint doch, dass diese Annahme mehr ein Glaube an die eigenen Vereinbarungen ist, als eine Tatsache. Denn in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien wird die Qualität Bewusstsein doch etwas anders gesehen.

Und so muss es noch einmal konkret gefragt werden:
Was ist das Bewusstsein wirklich? – Wie und wo ist sein Raum, in dem es existiert und aus dem es uns lenkt? Oder ist es eine imaginäre Chimäre?
Sicher nicht, denn jeder Mensch ist selbstbewusst bis hochmütig, stets arrogant auf seiner persönlichen Weltanschauung beharrend. Manchmal zieht er dafür bis in den Krieg. Wer sich der vielen Religionskriege erinnert, die die Menschheits-Geschichte wie ein roter Faden durchziehen, weiß was hiermit gemeint ist. Alles ist doch nur eine Frage des „Bewusstseins“.

Wer könnte uns aus diesem Irrgarten von Anschauungen und vorgefassten Vorstellungen einen Ausweg zeigen? –
Gibt es eine nachvollziehbare Methode, dem nahe zu kommen, was uns stetig begleitet wie das Atmen?

Versuchen wir, diesem Gedanken gemeinsam zu folgen:

Erfassen wir achtsam, was wir lesen.
Erfassen wir definitiv achtsam, dass wir lesen?!
Erfassen wir achtsam, wie das alles in uns geschieht?

Das sind konkret Gedanken, die Buddha bereits seinen Mönchen vor über 2000 Jahren gelehrt hat. Man kann heute durchaus davon ausgehen, dass der Buddha sehr wohl sehen konnte, was das Bewusstsein ist und welche Rolle es in den Menschen spielt.

Ist das Sehen nur ein materieller Vorgang in den Augen und in den Nerven?
Wo und wie schaue ich hin, wenn ich lese?
Ist es der einzelne Buchstabe, der Sinn macht? –
Ist es das Wort? – Oder ist es der Satz? –

Die Aneinanderreihung von Buchstaben erzeugen ein Wort, das Wort hat einen Sinn. –
Wo ist der Sinn?
Er ist nicht die Abfolge der Buchstaben! Der Sinn eines Wortes ist eine mentale Vereinbarung mit Menschen, mit den Mitmenschen unserer Sprache. In dieser angelernten Übereinkunft wurde das Wort einstmals mit einer Bedeutung versehen. Diese Bedeutung wurde auch mehrmals verändert und die Bedeutung ist durch die gemeinsame Verwendung einer Volksgruppe entstanden.
T I S C H … ist für jeden Erwachsenen ein Tisch und kein Flugzeug, was er für Kinder in ihrer Fantasie aber durchaus noch sein kann.
Woher kommt die Bedeutung? – In einem Bedeutungslexikon steht nur der etymologische Zusammenhang des Wortes, vielleicht auch, wie die Bedeutung im Laufe der Zeit modifiziert und von wem wofür benutzt wurde. Aber die Bedeutung ist absolut keine materielle Erscheinung, sie ist nicht in den gedruckten oder niedergeschriebenen Buchstaben enthalten. Das ist für jeden plausibel. Sie schwebt sozusagen virtuell zwischen den Leser und dem Buch.

Wenn man nun mehrere Wörter zu einem Satzgebilde aneinander reiht, dann entsteht ein übergreifender Sinninhalt, der im Bewusstsein angekommen, zahllose verschiedene psychologische Affekte im Leser auslösen kann. Er reagiert möglicherweise mit Interesse oder mit Abscheu, seine Gefühlspalette entfaltet sich je nach Inhalt des Satzes und je nach augenblicklicher Einstellung. Das alles sind völlig immaterielle Reaktionen, die sich nicht direkt von den farbigen Schriftzeichen auf dem Papier ableiten lassen, sondern von der Bedeutung und seinem Appeal für den Menschen in seinem Setting abhängen.
Es geschieht etwas mit dem Leser in seinem Denken und Fühlen. Es beginnt mit dem Erkennen des Sinnes. Angeregt durch seine psychische Neugier beginnt der Leser zu lesen. Nun begegnet er dem Sinn des Satzes im Erfassen resonanter Erinnerungen. Das wird in diesem Zusammenhang als Gedächtnis bezeichnet, einem Vorrat an bereits vorhandenen Ansichten und Vorstellungen. Bleiben wir uns ganz bewusst und betrachten wir diesen Vorgang noch einmal sehr genau. Die Augen sehen das Wort- und Satzbild. Die Sehnerven vermitteln das Bild an den Cortex. Doch es sind nicht die Sehnerven, die den Sinn übertragen, es ist vielmehr das innere Erfassen, das den Sinn des Satzes beim Lesen aufnimmt. Allein dieser Vorgang macht das Lesen möglich, allein das Immaterielle bewirkt ein richtiges Verstehen und die Kommunikation.

Hier können wir also erst einmal festhalten:
Die mit stofflichen Sinnesorganen aufgenommenen Sätze in hunderten von Sprachen, gesprochenen oder geschriebenen, schenkt das unstoffliche Bewusstsein dem Menschen mit seinem Denkvermögen die Fähigkeit, darin einen Sinn zu erkennen. Wir gehen davon aus, dass die Aufnahme der Sprache oder Schrift mit Hilfe der stofflichen Sinnesorgane geschieht und der Sinninhalt mit Hilfe des virtuellen Organs Verstand erfasst wird.

Unser Beispiel war das Lesen, aber es könnten auch andere Informationen sein, die das Erfassen aufnimmt und der Mensch sich für eine gewisse Zeitspanne damit verbindet. Wie ist es z.B. mit der Musik, mit dem Träumen, dem Déjà-vue, bei Meditationen oder bei mystischen Erleuchtungen, usw.?
Nach der Affizierung des Denkvermögens mit dem Inhalt geschieht nun etwas völlig Neues, und dieser Vorgang geht dank dem Denkvermögen sehr sehr schnell von statten. Das aufgenommene Sinnhafte wird bereits im Erkennen sofort mit im Gedächtnis gespeicherten Erinnerungen an früher aufgenommenes Sinnhaftiges gleicher Art abgeglichen und davon direkt bewertet. Wir beurteilen bereits im Wahrnehmen, hat Goethe sehr trefflich geschrieben.

Aber – und das muss jetzt betont werden – all dieser Sinnesaustausch findet zwar mit Hilfe der materiellen Bestandteile und Zellen in den Nervenbahnen und im Gehirn des Körpers statt. Die Wahrnehmung im und durch das Bewusstsein ist jedoch im Wesen kein stofflicher Vorgang, keine nachweisbare physikalische Erscheinung. Auch wenn bei dem Erfassen verschiedene Faktoren physiologischer Art der Sinnesorgane mitgestalten, wie etwas vom Tagesbewusstsein des Lesers aufgenommen werden kann.
Es handelt sich stets um Bewusstseinsinhalte, wie wir nun an uns selbst beobachtet haben. So wenig wie der Wein der Krug ist, so wenig ist der bewusst aufgenommene Sinn eines Ereignisses die materielle Manifestation des Ereignisses. Die Wahrnehmung und ihr Sinn sind eine nicht materielle Ausströmung des Ereignisses, so würden die Psychoanalytiker sagen. In diesem Zusammenhang kann dann auch die andere Frage beantwortet werden:

Ebenso wenig wie das Bewusstsein des Körpers der Körper selbst sein kann, genauso wenig besitzt der Körper das Bewusstsein.
Wir haben also kein Bewusstsein, allerhöchstens
können wir über ein Bewusstsein verfügen, wenn uns das bewusst ist.

Das Tagesbewusstsein arbeitet in der Wahrnehmung mit den Sinnesorganen des Körpers zusammen. Wenn Sie z.B. einem Konzert lauschen, dann erleben Sie nicht nur die Vibrationen der Härchen in der Schnecke ihres Innenohres. Sondern Sie lauschen verzückt und emotional tief bewegt den Klängen eines Musikstückes, z.B von Mozart oder Beethoven oder eines anderen Komponisten. Im inneren Erfassen, vor dem inneren Auge tauchen Bilder auf, die sich ganz mit Gefühlen, Gedanken füllen, den immateriellen Sinninhalten des Gedächtnisses früherer Erlebnisse, oder sich mit aktuellen oder erinnerten Trauminhalten verbinden. Das geschieht ganz von selbst beim Hören oder beim Lesen, mehr oder weniger passiv.

Das alles ist natürlich mit verschiedenen Reaktionen im Körper verbunden. Jedoch das wirkliche Geschehen im aktuellen Bewusstsein wirkt völlig losgelöst oberhalb aller Materie. Es findet sozusagen in einem unstofflichen Raum statt, auch wenn es mit der stofflichen Erscheinung des Körpers der Persönlichkeit gekoppelt ist und von den biophysikalischen Prozessen in den Sinnesorganen abhängt.

Bevor wir uns wieder ganz konkret den Wahrnehmungsmechanismen widmen, halten wir verschiedene Erkenntnisse von eben noch einmal fest, prägen sie in unser Gedächtnis ein, so weit das möglich ist:

  • Das Bewusstsein ist eine fundamentale Kraft hinter allem Erfassen, Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten, Fühlen, Erahnen, Denken, Bewerten, Urteilen und Erinnern; das Erfassen und Speichern geschieht im Wesen ohne ein absichtliches, konkretes Zutun der Persönlichkeit.
  • Bewusstsein ist kein Besitz, keine Eigenschaft oder Ausströmung der Materie. Es ist zwar eine konkrete Begleiterscheinung des materiellen Daseins, aber dieses besitzt es nicht.
  • Das Bewusstsein ist ursächlich in allen materiellen Erscheinungen und im gesamten Wesen aller lebenden Körper implizit existent.
  • Ohne Bewusstsein gibt es keinerlei Sein. Höchstens ein Existieren, ein Vegetieren. Wenn man die Art und Wirkungsweise des bewussten Erfassens beschreiben will, kann man sagen:
    die Person nimmt etwas Unstoffliches auf, z.B. den Sinn eines Satzes, die musikalische oder emotionale Bedeutung eines Musikstückes, die Zärtlichkeit der Geliebten, die Schönheit
    einer Landschaft etc.
  • Das Denkvermögen im Bewusstsein übergibt das Wahrgenommene an einen Speicher der Erinnerungen, an das Gedächtnis. Dort wird das Neu-bewusste mit den voran gegangenen Sinninhalten abgeglichen und verknüpft und das Erkennen spiegelt die Quintessenz dessen, also den bewertenden Sinn in das aktuelle Tagesbewusstsein zurück; z.B. die Suppe schmeckt nach Muttern; das habe ich verstanden; der Tisch gefällt mir, er könnte in unsere Einrichtung passen; das Konzert hat mich an meine Freundin erinnert, ich war zu Tränen gerührt usw..
  • Alles das spielt sich auf einer völlig unstofflichen metaphysischen Ebene ab, obgleich für die körperlichen Wesen alle bewusste Erfahrungen über die physiologische Wahrnehmung abgewickelt werden.
  • Man kann die neuronalen Erregungen im Gehirn messen, man weiß um die Zellaktivitäten der Sinnesorgane bei der Wahrnehmung. Aber all das transportierte Sinnenhafte bleibt dabei völlig außen vor. Es kann von den materiell eingesetzten Apparaten nicht wirklich dargestellt werden, und es bleibt immer nur ein Abbild von etwas Unstofflichem.

1.0 Zusammenfassung:

Wer sich ernsthaft mit der Wahrnehmungslehre befassen will, gerät automatisch in das Grenzgebiet zwischen den Wissenschaften Physiologie und Psychologie. Die Geisteswissenschaft der esoterischen Autoren würde helfen, einige unerklärliche Hürden zu überwinden, wenn sie in diesem Kontext akzeptiert werden könnte. (Siehe Anhang)

Die Wahrnehmung ist ein überaus komplexer Prozess, bei dem die Sinnesorgane über das Bewusstsein von den bereits gespeicherten Informationen gesteuert werden. Diese werden also gezielt bewusst oder unbewusst beeinflusst. In jedem Falle sind äußere Faktoren und auch rationale Ebenen beteiligt, aber auch eine Vielzahl psychologischer Aspekte bestimmen das Ergebnis der Reizverarbeitung.
Wie der Mensch sich verhält, hängt zum großen Teil davon ab, erstens, wie er die ihn umgebende Welt mit und durch seine Vorprägungen wahrnehmen kann und darauf interagiert und zweitens, welche Wahrnehmungen (Sensationen) durch gesellschaftliche Vorgaben tabuisiert sind und darum verdrängt werden müssen. Also alle Lebensreaktionen des Menschen – ob positiv aktiv oder negativ passiv – auf seine soziale, humane, technische und natürliche Umwelt sind eingebettet in ein vieldimensionales Feld von Wahrnehmungen, die er selbst bewusst oder unbewusst selektiert und damit gleichzeitig durch eine vorgeprägte Organisation seiner Sinnesorgane und seiner gespeicherten Erfahrungen und sozialen Vorschriften determiniert. Viele dieser Faktoren liegen dabei in der Prägung seines Wesens, also im Charakter, in der Rasse und in seinem sozialen Umfeld, sowie in seiner aktuellen physiologischen und psychologischen Konstitution bzw. Absichtseinstellung.

Karl Marx erklärt: «Die Umwelt prägt den Menschen». Dabei ist einerseits von grundlegender Bedeutung, mit welcher inneren Aktualität und Affinität der Mensch seine Umwelt wahrnehmen kann. Andererseits sollte auch geklärt sein, was hier als die Umwelt des Menschen definiert wird. Nur das materielle Daseinsgebiet oder auch die unstofflichen Felder der okkulten Lebensbereiche, die unbewusst das Dasein bestimmen.


Nächstes Kapitel: Kapitel 2.0 Allgemeine Wahrnehmungskriterien

Wahrnehmung – Einleitung

Einleitung

Kann man etwas einleiten, das bereits seit Äonen in Bewegung ist?
Die Wahrnehmung ist neben dem Atmen die fundamentalste Tätigkeit des Menschen. Sie ist sozusagen der Anfang aller Kommunikation und ist auf diese Art auch eine Atmung. Das geistige Pneuma, geformt aus Gedanken und Sinneseindrücken, wird assimiliert, aufgenommen, transportiert, zwischengelagert, verarbeitet, eingespeichert und dann neu verknüpft auch wieder abgegeben. Dafür muss jede Informationseinheit zunächst im System ankommen, gewissermaßen aufgelesen sein. Sie wird angepasst und modifiziert gemäß der Resonanzmöglichkeit in das eigene System integriert und zu diesem Zwecke sinnvoll bearbeitet. Im «Gedächtnis» werden Gedanken dann für den Weitertransport im neuronalen System codiert und bereitgestellt.

Man kann es mit der Arbeitsweise in einem zusammengestürzten Hochregallager vergleichen, das jetzt wieder aufgeräumt wird. Jedes gefundene Teil wird mit einer Maschine vorsichtig angehoben, von klugen Händen wird das Teil gereinigt, restauriert und gegen erneute Beschädigungen geschützt. Es wird verglichen mit den Listen aus dem vorherigen Bestand, d.h. das Teil wird anhand bestehender Lagerinformationen identifiziert. Nach dieser Inspektion (was ist es, und in welchem Zustand ist es) kommt die Eigentumsdefinition (wem gehört es und wollen wir es behalten), und nun folgt die Ermittlung der Platzposition (wo kommt es her und wo soll es gelagert werden). Wenn das alles geklärt ist, mit bereits bestehenden Informationen abgeglichen wurde, kommt «das Teil» in ein vorübergehendes Zwischenlager. Jetzt erst kann die neue Informationseinheit in einen möglichen Fluss der Kommunikation eingebracht werden.

Alles das geschieht natürlich mit einer rasanten Geschwindigkeit, denn der Mensch verarbeitet im Schnitt 1 Million bit pro Sekunde. Viele Bits erledigen sich nach erfolgter Kommunikation von selbst. Nur ein geringer Teil wird dem Menschen davon bewusst, nämlich nur 100 bit/sec. Auch davon wird nur ein Bruchteil für längere Zeit im Gedächtnis parat gehalten, im sogenannten Langzeitgedächtnis.


Sollte Dir ein Gedanke zu dem Text einfallen, dann schicke ihn mir bitte zu. ⇒ Vielen Dank.


Die Masse der Bits sind lebensnotwendige Vorgänge im Unterbewusstsein, die u.a. die Funktionen des Körpers steuern, z.B. Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Wärmehaushalt, um nur die wichtigsten Komponenten zu nennen. Weitere sind soziale, zwischenmenschliche Vorgänge, die die Wesensstruktur und den Charakter des Menschen betreffen, also seine psychologischen Befindlichkeiten, seine unbewussten Persönlichkeitsanteile, zu denen er nur selten Zutritt hat.
Die visuellen, die akustischen, die haptischen, gustativen und die olfaktorischen Empfindungen aus der Umwelt reichen über den bewussten Bereich weit hinaus in die unbewusste Wahrnehmung. Sie greifen teils bewusst, jedoch meistens völlig unkontrolliert in die interpersonelle und intrapersonelle Kommunikation ein. Wie das im einzelnen geschieht, soll an verschiedenen Fallstudien dargestellt werden.

Man kann sich immer wieder die Fragen stellen:
Warum sind die einen Menschen erfindungsreich, neugierig auf alle Dinge der Welt und äußerst beweglich in ihrem Bewusstsein?
Während andere auf Neuerungen desinteressiert reagieren und total konservativ auf eigene, prinzipielle Wertanschauungen festgelegt sind?

Viele Berufe sind permanent damit beschäftigt, den vier Sinnesorganen neue, attraktive Nahrung zuzuführen. Architekten, Künstler, Mode-Designer, Friseure, Schriftsteller, Journalisten, Fotografen, Mediendesigner, Musiker und Komponisten, Köche und Sprayer, Getränke- und Snackhersteller, Schausteller und Dancing-Akteure bemühen sich, immer erneut das Weltbild um sehens-, hörens-, riechens- und schmeckenswerte Sensationen zu bereichern.
Man muss sich dabei allerdings auch die Frage gefallen lassen: Sind die angesprochenen Menschen heute überhaupt noch in der Lage, diese vielen neuen Aussagen zu verarbeiten? Lassen nicht tausende Mitmenschen diese mit Mühe gestalteten Ereignisse einfach an sich vorbeilaufen, sozusagen «in das eine Ohr hinein und gleich wieder aus dem anderen Ohr hinaus», um nicht bereits lieb gewordenen Vorstellungen Ade sagen zu müssen?

Dabei gibt es auch unzählige Menschen, die eine Art mentale Sammlerleidenschaft haben? – Sie stapeln die progressiven Informationen aus der Welt der schöpferischen Menschen in ihrem gut sortierten Vorrat aus persönlichen Wertstellungen, damit sie einmal sorgfältig verpackt und gesichert gelagert, den gewohnten Lebenslauf nicht stören können. Nur für die Selbstdarstellung an der Theke, bei einer Ausstellung, einer Vernissage oder auf einer Party werden die Neuigkeiten dann leicht entstaubt, dem erstaunten Zuhörer als Neuigkeit präsentiert, so dass dieser überrascht sagen kann: «Ach, da warst Du auch dabei, das hast Du auch gehört, wie erstaunlich!»

Viele Menschen treten heute angesichts der expansiven Informationsflut in den Verweigerungszustand ein. Sie wollen einfach nichts Neues mehr sehen oder hören, denn sie haben leidlich erfahren, dass das angeblich so Neue keineswegs neu ist, sondern nur «altbackene Brötchen im Verpackungsrelaunch». Es wurden bereits so viele Windeier als kernige Neuigkeiten angeboten, dass es einige Menschen echt leid sind, in der weltweiten Informationsflut die «Stecknadel» der wirklichen Novität zu suchen.

Wer wird heute kein Verständnis dafür haben?

Und dennoch ist es auch einmal Zeit, andere Fragen zu stellen:
Warum erkennen die Menschen das wirklich NEUE an den echten Ideen nicht?
Warum ist die konservative Grundhaltung dem Menschen so prinzipiell eingeboren?
Wer oder was hält ihn im Bann, so dass er alle wirklich neuen Lebensformen, neue Techniken und Denkweisen, die es durchaus gibt, zunächst einmal ablehnt und aus seinem Lebenskreis verbannt?
Warum wird immer wieder Angst gesät, wenn eine revolutionierende Idee um die Erde geht? – Denken Sie zum Beispiel an die bedrohlichen Artikel in den Zeitungen, nach dem Bau der ersten Eisenbahn in Deutschland. Oder erinnern Sie sich noch an den Presserummel, der bei Einsetzung der massenhaften Nutzung von Smartphones oder Tabletts die Menschen erreichte?
Dann wird wieder die pädagogisch gefährliche Sucht der Internetnutzer, Computerspiele etc. angeprangert. Es gibt mit Sicherheit eine ganze Reihe aktueller Beispiele, die verdeutlichen, dass wirkliche Erneuerungen technischer, auch sozialer oder kultureller Art, totale Revolutionen vor allem bei den konservativen Kräften auslösten, die bis zur Unterdrückung hervorragender Ideen entarteten.

All das sind doch ehrliche Fragen, die einen Informatiker oder einen kommunikativen Profi, egal aus welchem Lager, intensiv beschäftigen müssten, wenn er seinen Job erfolgreich ausüben will.

Dieses Problem war auch der Punkt, der diese Beschreibung der Wahrnehmung ausgelöst hat. Intensiv wurde in unzähligen Büchern und Gesprächen nach einer Antwort gesucht. In der Leihbücherei hätte ein Feldbett stehen können. Alles, was irgendwie zu diesem Thema eine Aussage machen konnte, egal aus welcher Richtung, ist in die Beantwortung eingeflossen, aus der Medizin, der Psychologie, der Philosophie oder der Religionswissenschaft. Es waren Bücher von Psychologen, Architekten, Künstlern und Musikern, Spezialliteratur über Informatik, Kommunikation, Semantik und Semiotik, die aus den Regalen in die Studierstube wanderten. Und natürlich auch Bücher von Werbestrategen, Profitextern und Designern. Eine endgültige Antwort auf all diese Fragen wurde auch durch neuere Studien der letzten 30 Jahre leider nicht gefunden.

Aber eine Grundstruktur in der Wahrnehmung konnte ganz klar eingekreist werden, und das sind die Erfassungsmechanismen selbst. Vor allem ihre unbewussten Automatismen, die in den Organen sozusagen bereits vorinstalliert sind, weisen auf eine stark selektive und konservative Verarbeitung aller Informationen hin. Dort – in den einzelnen physiologischen und psychologischen Schritten der Wahrnehmung – sind bereits kräftige Filter eingebaut, die eine progressive oder innovative Bearbeitung der über die Sinnesorgane aufgenommenen Informationen behindern.

Diese Aufzeichnung vieler greifbarer wissenschaftlicher Fallstudien und die Dokumentation empirischer Forschung ist also nur ein Versuch, mit Hilfe der unterschiedlichen Denkansätze von Forschern oder Profis der Informatik, die einzelnen Strukturen der menschlichen Wahrnehmung soweit zu beleuchten, wie es eben heute mit der anerkannten Wissenschaft möglich ist. Und wir bieten es allen Interessierten an, sich damit zu konfrontieren, und mir ihr Feed-Back zu geben. Allerdings wird dem rein medizinischen Aspekt hier nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, da er in fast allen Teilen hervorragend erforscht und in der einschlägigen Literatur dargestellt ist. Nur dort, wo es zur Erklärung der Phänomene selbst erforderlich wird, soll die Anatomie hinzugezogen werden.

Die geistige, oder auch okkulte Wahrnehmung ist ein Gebiet, die sich erst hinter der äußeren Wahrnehmung öffnet. Sie bedient sich anderer «Sinnesorgane», die aber gleichfalls in die ihr eigenen Restriktionen eingebunden ist. Doch auch über dieses Thema gibt es heute im Handel zahlreiche Bücher von bekannten Autoren, die jedem zugänglich sind, der sich aus eigenem Antrieb ernsthaft mit diesen damit verbundenen Fragestellungen beschäftigen will.

Damit ist auch eine gewisse Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber verbunden, was selbstverständlich jeder für sich persönlich, sozusagen selbstautoritär entscheiden sollte. Deswegen bleibt der sogenannte esoterische Teil im ersten Teil dieser Darstellung weitestgehend ausgespart. Sie wurde im wesentlichen in den Jahren 1974-75 zusammengestellt. Selbst heute, im Jahre 2017, sind gerade im Grenzbereich der Wahrnehmung immer noch  viele Fragen offen oder werden sehr kontrovers diskutiert. Darum habe ich im zweiten Teil einen Abriss über die aktuellen Ansichten zu der esoteischen Ansicht der Wahrnehmung gegeben. Seriöse Darstellungen über viele Details dazu finden sich heute bei zahlreichen Autoren, wie z.B. H.P. Blavatsky, Annie Besant, C.W. Leadbeater, P.D. Ouspensky, Max Heindel, Rudolf  Steiner, Michael Murphy, L.R. Hubbart, Stanislav Grof, John Lilly, R.A. Monroe, A. Ford, Armin Risi u.a. um hier nur einige zu nennen.

Alles in allem kann diese Dokumentation niemals vollständig sein, denn es wird immer wieder neue Forschungen und aktuellere Erkenntnisse geben.

Die angebotenen grafischen Effekte, optischen Täuschungen und visuellen Experimente müssten im Einzelfall mit den vorgeschriebenen Materialien nachgestellt werden. Die Auflösung der Abbildungen in diesem Buch reichen manchmal für die wirkliche Erfahrung, die das Experiment bringen kann, nicht aus.

Viel Freude beim Entdecken der einen unbekannten Welt des Selbstverständlichsten: der eigenen Wahrnehmung. Es könnte sein, dass eine völlig neue Seite Ihres Daseins aufgeschlagen wird, die bisher unbekannt geblieben ist. Es könnte aber auch sein, dass bestgehütete Weltanschauungen einstürzen, dass nahezu unverrückbare Bastionen des eigenen Seins trotz stärkster Bewaffnung friedlich ihre Daseinsberechtigung aufgeben.

Es könnte auch sein, dass Sie sich selbst verändern, wenn Sie die wirklich neuen Informationen für wahr annehmen und in das tägliche Lebensverhalten integrieren können.
Dazu gehört dann weiter nichts als ein bisschen echte Neu-Gierde und eine Portion Mut, die wir allen immer wünschen, wenn sie ein neues Problem im täglichen Leben lösen müssen.

Peter Alexander Kremin


Fortsetzung: Kapitel 1 Reizaufnahme